Ich habe lange überlegt hier was zu schreiben, weil das Thema sehr emotional aufgeladen ist. Ich bin dann oft in einer Position, dass ich beide Seiten absolut verstehen kann und fühle mich da eher bemüßigt zu vermitteln, als konkret eine "Meinung" zu vertreten. Als Kind war die Welt noch einfach: Ich dachte, warum nehmen die Menschen Drogen, das ist doch ungesund und jeder rational denkende Mensch würde das nicht tun. Für mich war das einfach unlogisch und so auch jeder "selbst Schuld", der Drogen nimmt. Aus eigener Erfahrung im Erwachsenenalter mit viel harmloseren Dingen, als Drogen, bin ich mittlerweile da verständnisvoller. Emotionen und psychische Themen können (labile) Menschen sehr irrationale Dinge tun lassen. Natürlich ist es die eigene Verantwortung diese Themen anzugehen, aber mit einem pauschalen "selbst Schuld" kommt man bei Betroffenen nicht sehr weit. GLEICHZEITIG sehe ich es aber auch so, dass es möglich sein muss mit einer gewissen Härte die Gesellschaft, die durch das Verhalten dieser Menschen in ihrer Freiheit eingeschränkt wird, zu schützen. Ich vermisse auch konkrete Ideen, die Ursachen zu bekämpfen. Das fängt bei der Verfügbarkeit der Drogen an und hört bei der mangelnden Verfügbarkeit von Hilfseinrichtungen auf. Und vor allem vermisse ich Ideen, wie man vielleicht auch den Betroffenen Personen Anreize schafft, Hilfsangebote anzunehmen. Solche immer wieder vorgeschlagenen Maßnahmen, wie Fußgängerzone, Wochenmarkt, Trinkbrunnen drehen für mich die Kausalität um. Es muss doch umgekehrt sein: Wenn sich die Situation verbessert, dann haben wir auch eine gern genutzte Fußgängerzone oder einen Markt, der funktioniert. Aber umgekehrt wird das nicht klappen. Das ist wie wenn man unglücklich ist, dass im Garten nichts wächst, auch wenn man immer wieder neue Blumen pflanzt. Man ändert aber nichts daran, dass der Boden trocken ist. Gießen UND pflanzen, sonst bleibt alles wie es ist.