• Dekoratives Anführungszeichen

    Es ist die als sehr hässlich eingestufte Bauqualität vor Ort.

    Der moderne Glockenturm war 3 (!) Jahre eingerüstet ohne, dass etwas passierte. Auf meine Anfrage wurde dann gesagt, es gibt eine Materialprüfung. Dann war das Gerüst weg und wurde vor einigen Jahren nun erneut aufgebaut. Ich habe keine Zeit, aber das müsste mal nachgeprüft werden, das ist für eine "Weltstadt" und "ein Wahrzeichen" unglaublich. Die Touristen bemerken offenbar den Unterschied gar nicht -da der Bau ohne Gerüst auch nicht viel besser aussieht. Touristen fragen mich, warum bei uns in Berlin die Horten-Kaufhausfassade noch nicht abgerissen oder umgebaut wurde.

    Diese Betonrippen-Teile sich ja doppellagig, nur die Innenteile haben Scheiben. Im EG kann man sehen, wie da der Beton aufgesprungen und voller Dreck, Taubenscheiße und Müll ist. Vielleicht kann man das gar nicht mehr sanieren. Obwohl der neue Turm nicht fertig ist, soll nun auch noch der alte geschlossen und umgebaut werden. Wie kann man so etwas machen. Schlimmer, als der neue Glockenturm sind die beiden anderen kleinen Nebengebäuden mit all ihren Pinkelecken. Auf die kann man noch besser verzichten.

  • Arty Deco … das ist ein sehr schlechter Vergleich und das weisst Du auch. Die KWGK in allen Ehren, ein Neoromanischer Bau zur Huldigung der Hohenzollerndynastie…. Religion steht da erstmal hintenan oder ist eher ein Vehikel, eingedenk der gigantischen Mosaike der männlichen Herrscher im Gewölbe, die erhalten sind.

    Es muss nicht immer alles begehbar sein, es muss nicht auf jedem Hochhaus eine Aussichtsplattform eingeplant werden.. das sind Denkweisen unserer Bespassungskultur auf die ich gerne verzichten kann. Nicht alles muss zu einem „ Event“ verkommen. Besonders nicht im Kirchenbau. Es gibt auch soetwas wie Innere Einkehr ….

  • Darum geht es: Wenn, wie geplant, die Ruine der KWGK renoviert sein wird und erneut als Gedenkort und Anziehungspunkt wirken soll wird das nicht allein durch die Sanierung geschehen können. Warum ? Weil die beiden Nachkriegskirchenbauten von Eiermann im brutalisitischen Stil (Puderdose und Lippenstift) den Platz und die Erscheinung der alten KWGK dominieren. Die optische Wirkung der Ruine wird maßgeblich konterkariert durch die dicht anbei stehenden Betonkörper.

    Wenn man die Ruine wirklich zur Geltung bringen will, wofür einiges spricht, dann muss darüber nachgedacht werden wie man die Eiermann Bauten entfernt. Der Abbau des Glockenturms bietet sich besonders an. Erstens weil eine Sanierung teuer ist. Zweitens, weil er funktional, mit dem Glockenspiel, verzichtbar ist. Drittens, weil der frei werdende Raum, den unverstellten Blick auf die Ruine ermöglicht.

    Man könnte stattdessen den Raum begrünen, was der Ruine eine gewisse Würde geben könnte, und den Platz von seinen als Pissoir missbrauchten Ecken befreien würde.

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    Es muss nicht immer alles begehbar sein, es muss nicht auf jedem Hochhaus eine Aussichtsplattform eingeplant werden..

    Es gibt bisher keinen einzigen richtigen Aussichtspunkt, der zentral in der City West gelegen und öffentlich zugänglich ist. Ich finde, ein solcher Aussichtspunkt ist nicht zu viel verlangt. Meine Meinung ist, dass es in Berlin (im Allgemeinen) und in der City West (im Speziellen) nicht zu viele, sondern zu wenige Aussichtspunkte gibt. Die Gedächtniskirche wäre 1) vom Standort und 2) von der Eignung her ein hervorragender Standort für einen öffentlich zugänglichen Aussichtpunkt.

    Ich erinnere mich, dass wir schon mal über die Aussichtsterrasse auf dem Europa-Center gesprochen haben, die es früher mal gegeben hat und irgendwann leider geschlossen worden ist.

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    Nicht alles muss zu einem „ Event“ verkommen.

    Hier stimme ich grundsätzlich zu, da ich die heutige Event-Kultur auch eher kritisch sehe. Allerdings finde ich, dass das Genießen des Ausblicks über eine Stadt nicht unbedingt ein Event darstellt, sondern einfach Teil einer urbanen Stadtkultur sein sollte. Aktuell ist der Ausblick über die zentrale City West nur reichen Menschen vorbehalten, die sich die teure Suite im Zoofenster leisten können. Hier wäre dringend eine Demokratisierung durch Einrichtung eines öffentlich zugänglichen Aussichtspunktes notwendig, damit auch Bürger mit kleinerem Geldbeutel den Ausblick über die West-Berlin genießen können.

  • Arty Deco … recht eigentlich kommen diese bizarren Diskussionen über Abrisse emblematischer Gebäude in Berlin ja nur auf, weil alles, die Instandsetzung etc. Unglaublich und unverständlich lange dauern. Normalerweise wäre das, auch im schlimmsten Fall von Betongkrebs eine Sache von nicht mehr als 2 Jahren. Dann würden solche Gedankenspiele auch garnicht aufkommen. Es ist wirklich ein absolute Schande für Berlin was hier seit Jahren rumgemurkst wird am gesamten Breitscheidplatz. Kein Wunder, dass die Touristen wegbleiben. Wer will denn schon eine Stadt sehen die immer nur wird …..langsam aber.

    Architektur-Fan , wie gesagt, Ausichtplattformen … sind nicht mein Thema, brauche ich nicht, ich bin auch nicht schwindelfrei.

    Demokratisierung des Blicks über die Stadt. Demnach wäre China ein Musterschüler in Demokratie, nirgendwo gibt‘s mehr Aussichtsplattformen.

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    Architektur-Fan , wie gesagt, Ausichtplattformen … sind nicht mein Thema, brauche ich nicht, ich bin auch nicht schwindelfrei.

    Demokratisierung des Blicks über die Stadt. Demnach wäre China ein Musterschüler in Demokratie, nirgendwo gibt‘s mehr Aussichtsplattformen.

    Ich bin auch nicht schwindelfrei. Dennoch möchte ich die Stadt nicht nur aus der Straßenperspektive, sondern auch von oben wahrnehmen können.

    Zum Thema Demokratie und Aussichtsplattformen: In der Stadtsoziologie ist das tatsächlich ein großes Thema, wie der (Stadt-) Raum im soziologischen Sinne zwischen den verschiedenen Akteuren aufgeteilt und genützt wird. Demzufolge bedeutet Demokratie nicht nur, an freien Wahlen teilnehmen zu dürfen, sondern auch den Stadtraum nutzen zu dürfen. Und zum Stadtraum gehört nicht nur die Straßenperspektive, sonder auch die Vogelperspektive.

    Wohlhabende Menschen wohnen oftmals "oben" in der exklusiven Hanglage mit schönem Ausblick. Menschen mit niedrigen Einkommen wohnen oftmals "unten" in der Talsohle ohne Ausblick. Und hier stellt sich die Frage: Warum sollten nur reiche Menschen den Ausblick über die Stadt genießen dürfen?

  • Gratulation, aber das geht mal wieder völlig in die falsche Richtung und hat sogar nichts mit der Situation am Breitscheidplatz zu tun, ausser dass Du Dir die Misere von Oben betrachten willst, quasi abgehoben aber unglaublich demokratisch.

  • Aber natürlich hat der Umbau der Gedächtniskirche (und eine von mir vorgeschlagene Aussichtsplattform) etwas mit dem Breitscheidplatz zu tun. Mit was denn sonst?

  • Ich verstehe nicht recht, wo hier die „Misere“ ist. Klar, das Europacenter ist popelig. Alle anderen Platzseiten haben m.E. durchaus Qualität. Im Süden die beiden runden Ecken, im Westen Motel one samt Sockelgebäude zum Platz und Zoofenster, im Norden Zoopalast und das Bikinihaus. Die KWG mag gefallen oder nicht, in jedem Fall ist sie eine Berliner Ikone - so wie sie jetzt ist. Besonders Nachts, wenn das Blau von Innen leuchtet, finde ich sie toll… aber ok Geschmäcker sind verschieden.

    Soviel fehlt am Breitscheidtplatz auch nicht: die Kugellampen aus den 80ern könnte man mal ersetzen und dem Europacenter eine neue Fassade verpassen - das wäre wahnsinnig wichtig. Ein sauberes Pflaster sollte eigentlich überall selbstverständlich sein, non? ( Um mal Camondos charmante Art der Nachfrage zu zitieren)


    “Misere“ halte ich als Begriff für den Breitscheidplatz für völlig überzogen. Die sehe ich eher an anderen Plätzen, wo ohne Totalabriss Hopfen und Malz verloren sind, z.B. am Mehringplatz.

    PS: ich finde die Pläne für den Turm super, auch sehr wertig, und ich freue mich über einen weiteren Aussichtspunkt. Auch das Beleuchtungskonzept gefällt mir. Ein hohler und innen dunkler Turm ist ja auch toter Raum.

  • Info über die Sanierung & Gottesdienst.

    Die Sanierung ist Teils komplettiert . Einer der Architekten ist : Steffen Obermann. Stück für Stück sollen die tausenden Fenster und ihre sogenannten Betonwaben herausgenommen, gesäubert und im Zweifel sogar erneuert werden. In der Zukunft soll es Eintritt Kosten. Wie viel - offen. Zusätzlich , soll die historische Turmruine auch in den oberen Ebenen begehbar werden mit Fahrstuhl. ( BZ )

    • Kosten: 44 Mio Euro
    • Nächste Woche Sanierung der alten Kirche, dann nächstes Jahr das Glockenturm. ( 2 Jahre Bauzeit mindestens. )
    • Der Bund fördert das Projekt mit 17,5 Millionen Euro. Der Rest kommt unter anderem von Stiftungen, der Kirche und privaten Spendern.

      Pfarrerin: Kathrin Oxen : Regelmäßige Gottesdienste soll es trotzdem rund um den Breitscheidplatz geben. Die bereits sanierte Kapelle am Glockenturm biete Raum dafür und auch kreative Angebote, wie ein Gottesdienst im Berliner Zoo seien im Gespräch.


  • … es sind nicht die Gebäude am Platz Baukunst , die umstehende Bebauung ist durchaus wertig, sehr abwechslungsreich, verschiedene Epochen. Es ist der Breitscheidplatz als Platz, wie er gestaltet oder eher verunstaltet ist, der das Problem darstellt. Es ist der Budenzauber der permanent mit billigsten Artikeln und unschönen Buden den gesamten Platz verstellt… die Buden brauchen Elektrizität, also liegen massenweise Kabel etc rum. Damit keiner stolpert sind diese in den Bereichen die begehbar sind mit Bohlen verdeckt ….das alles gibt ein Bild ab, das für Viele und auch die Berliner selbst langsam unerträglich ist. Die Bänke auf den Waschbetonumrandungen gammeln, die überdimensionierten Betonsicherheitsabsperrungen wirken eher bedrohlich als das sie Sicherheit verheissen. Der Brunnen gammelt seit gefühlt zwanzig Jahren vor sich hin, wohlgemerk eine der äusserst wenigen postmodernen Brunnenanlagen überhaupt. Das ganze Konglomerat zieht zweifelhaftes Volk an das sich dort breitmacht egal ob gerade Ostern, Pfingsten oder Weihnachten ist, eigentlich nur am wechselnden Angebot der Händler ablesbar. Das alles ist Berlin nicht würdig. Die Stadt muss hier diesen arm aber sexy Mist mal langsahm hinter sich lassen, erwachsen werden und ein anderes Niveau erreichen. Und ja das ist eine Misere und nicht nur hier sondern auch am Alex und überall wo dieser piefige Budenzauber einzuggehalten hat.

  • Der Bezirk hat hier über mehr als 10 Jahre alles schleifen lassen. Die falschverstandene / überhöhte Sicherheitsdebatte nach dem Anschlag hat dem BP den Rest gegeben. Am meisten wundert mich, dass die Händlergemeinschaft der City West hier nie Ansprüche angemeldet hat das Niveau zu verbessern.

  • Camondo, da geh ich komplett mit. Die Piefigkeit der Nutzung des Platzes ist schlimm und unwürdig. Ich hatte mich zu sehr auf den Platz „ohne Menschen“ konzentriert…

  • Für die Demokratie- und Aussichtsplattform- Theoretiker: Erstens ist es nahezu schmerzhaft sich sowas anzuhören (oben =reich, unten=arm, ernsthaft? Die tollsten Berliner Altbauwohnungen sind übrigens im ersten und zweiten Stock), zweitens gibt es am Platz mehr Aussicht von oben als nahezu überall sonst in Berlin: Motel One Aufdachterasse und Bar, Bikini Berlin, Monkeybar. Ich gehe mal aufgrund der Rethorik aber davon aus dass nur Steuerzahlerfinanzierte egalisierung wirklich zählt, yes?

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    Der moderne Glockenturm war 3 (!) Jahre eingerüstet ohne, dass etwas passierte...

    Ich bin 1995 nach Berlin gezogen und habe die Gedächtniskrche, glaube ich, noch nie ohne Gerüst an einer Stelle gesehen.

  • Der Neue Glockenturm ist über 10 Jahre eingerüstet und eine der am längsten eingerichteten Dauerbaustellen Berlins. Für die Verwahrlosung sind die EKBO, der Bezirk, die Kudamm Anrainer und das Land Berlin gemeinsam verantwortlich.

    Die Evangelische Kirche täte gut daran, die Renovierung abzublasen, denn die Hässlichkeit unterminiert das Monument der alten KWGK und trägt dauerhaft dazu bei, dass der Platz als lebenswerter Ort nicht auf die Beine kommt. Der neue Turm sollte abgebaut werden. Die Funktion der Glocke sollte von der alten KWGK übernommen werden.

    Der Sockel des Europacenters mit seiner 70er Jahre Optik und seinen vielen billigen Werbetafeln trägt seinen Teil zu dem abgerockten Zustand des Areals bei.

    4 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco (28. August 2026 um 10:21)

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    zweitens gibt es am Platz mehr Aussicht von oben als nahezu überall sonst in Berlin: Motel One Aufdachterasse und Bar, Bikini Berlin, Monkeybar.

    Erstens:

    Motel One Terrasse, Bikini Berlin und Monkeybar sind keine öffentlich zugänglichen Aussichtspunkte, sondern private Gastronomieangebote. Dort darf man die Aussicht nur genießen, wenn man für die Angebote der Gastronomie (d.h. Essen und Trinken) bezahlt.


    Zweitens:

    Motel One Terasse, Bikini Berlin und Monkeybar sind doch überhaupt nicht zu vergleichen mit einer richtigen Aussichtsplattform, wie es sie z.B. auf dem Französischen Dom gibt. Vom Französischen Dom hat man einen 360 Grad-Panorama-Ausblick. Und vor allem ist die dortige Aussichtsplattform hoch genug, damit man über die Dächer der Stadt blicken kann.

    An den oben genannten privaten Gastronomieangeboten kann man ein bisschen auf den Breitscheidplatz und den Zoologischen Garten gucken. Das war's dann aber auch schon! Motel One Terasse, Bikini Berlin und Monkeybar bieten weder einen 360 Grad-Ausblick, noch sind diese Orte hoch genug, um eine Aussicht zu erhalten, die den Namen "Aussicht" auch verdient.

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    Der Einzige, der sich an dem Glockenturm reibt ist Arty Deco. Und er liegt in mehrfacher Hinsicht falsch. Der Eiermannsche Glockenturm gehört zur Nachkriegsmoderne und wird nicht dem Brutalismus zugerechnet. Aber das schräge Einordnen kennt man ja schon von anderen Bauvorhaben.

    Der Glockenturm gehört jetzt endlich mal saniert! Der Platz aufgeräumt und endlich ein smartes Sicherheitskonzept instaliert.

    Nein. Mindestens ich, maximal 90+% aller derer mit Augen und Sinn für Ästhetik gesegneten reiben sich an diesem von außen absolut scheußlichen, dunklen, vergammelten Monstrum. Ich teile Artys oft sehr negative Art selten, aber hier ist sie noch nahezu untertrieben meiner Meinung nach und ich stimme absolut jedem einzelnen Wort zu. Das Ding sollte - zusammen mit einem großteil der Nachkriegsmoderne - schnellstmöglich sobald es sinnvoll ist abgeräumt oder signifikant verschönert werden. Beliebte Architektur war dieser Stil weltweit noch nie und nachdem sich alles wiederholt und wir langsam wieder in der "mehr Ästhetik bitte" phase ankommen glaube ich nicht dass das noch passiert.

    Architektur-Fan : Okay, fair enough. Ich finde es ist - auch wenn man sich verpflichtet fühlt vier Euro für ein Getränk auszugeben (ich war schon oft auch einfach so kurz oben) - genug geboten. UNd MotelOne und Bikini sind für alle jederzeit zugänglich. Kann diese Perspektive aber anerkennen.

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    Die deutsche Nachkriegsmoderne hat es international nirgends in die Architekturfibeln geschafft, in Reiseführer sowie nicht.

    Eigentlich sollte man erwachsen genug sein, sich vom Urteil anderer Nationen nicht beeinflussen zu lassen. Ansonsten hat man ein krasses Problem mit der eigenen Selbstsicherheit. Neben viel Müll hat die Nachkriegsmoderne doch auch richtig großartige Bauten hervorgebracht. Und diese sind ein erhaltenswerter Teil der deutschen Geschichte und gehören zu unserer nationalen Identität.

    Man kann immer wieder beobachten, wie sich die User hier in zwei Lager teilen. Dem einen geht es um einen differenzierten Blick auf Architektur und auch um den Erhalt von Bauten, deren Qualitäten einen nicht sofort anspringen.

    Dem anderen geht es eher darum, dass Architektur als schön wahrgenommen werden muss. Sie soll möglichst klassisch daher kommen. Und wenn schon modern, dann doch bitte richtig beeindruckend. Touristen anderer Nationen sollen auch von deutschen Bauten beeindruckt sein und Selfies machen für Social Media. Und jetzt kann man eigentlich anfangen, diesen Post wieder von vorne zu lesen ...

  • ^ Das eine Lager ist genauso wenig differenziert wie das andere, da beide Seiten dem jeweils anderen Lager die Existenzberechtigung absprechen. In diesem Sinne ist das "moderne" Lager keinen Deut besser als das "klassische" Lager.

    Aber zurück zum Thema Breitscheidplatz:

    Ich mag das neue Kirchenschiff und den Glockenturm von Eiermann sehr gerne, obwohl ich Traditonalist bin. Die Eiermann-Bauten gehören - neben dem Müncher Olympiastadion und dem Bonner Plenarsaal - zu den wichtigsten Gebäuden der westdeutschen Architektur zwischen 1949 und 1990. Mich stören nur diese beiden unansehnlichen Anhängsel in Form des Foyers und der Gemeindekapelle. Diese beiden architektonischen Anhängsel zerstören das Platzgefüge, weil sie genauso deplatziert in der Gegend herumstehen wie die übrigen Weihnachtsbuden am Platze.

    Egon Eiermann war sicherlich ein herausragender Architekt. Aber er war eben auch ein Kind seiner Zeit. Und damit war er letztendlich auch gefangen im damals vorherrschenden Zeitgeist, der klassische Stadtgefüge geringschätzte und der "gegliederten und aufgelockerten Stadt“ den Vorzug gab. Deswegen gliedert sich die moderne Gedächntniskirche in vier verschiedene Teilgebäude, die sich als "fließenden Räume" im Breitscheidplatz verlaufen.

    Wenn ich mir diese harte Kritik erlauben darf: Hätte Egon Eiermann nach dem Entwerfen von Kirchenschiff und Glockenturm mit dem Zeichnen einfach aufgehört, wäre es ein zeitloser & grandioser Entwurf geworden. Stattdessen hat Eiermann mit den beiden kleinen Gebäuden (Foyer und Gemeindekapelle) den Entwurf weitergeführt und damit sein eigenes Schaffen entwertet. Mit dem Foyer und der Gemeindekapelle kamen noch zwei kleine Gebäude hinzu, die genauso überflüssig sind wie ein entzündeter Blinddarm.

    Wenn ich entscheiden dürfte, würde ich das neue Kirchenschiff und Glockenturm von Eiermann als Ikonen der Architekturgeschichte unbedingt erhalten. Aber das Foyer und die Gemeindekapelle würde ich abtragen. Diese Räumlichkeiten könnte man durch einen behutsamen Umbau unterhalb des modernen Kirchenschiffs unterbringen. Durch den Wegfall von Foyer und Gemeindekapelle würde auch der Breitscheidplatz profitieren, weil er dann aufgeräumter wirken würde. Und die Platzanlage dieses Stadtplatzes würde in seiner gesamten Form besser in Erscheinung treten.