Dresden: Postplatz - Planung und Bebauung

  • Henning Larsen und Ochs Schmidhuber sagen mir zu. Die kann ich mir dort als letzen Baustein am Platz sehr gut vorstellen. Bei aller Kritik am Postplatz muss man aber der ersten Reihe der Bebauung schon gewisse Qualitäten zusprechen. Problematisch sind meiner Meinung nach eher die Gebäude in zweiter Reihe - mit Ausnahme der Annenhöfe. Absoluter Tiefpunkt ist für mich die Residenz am Postplatz.

    Henning Larsen wirkt komplett deplatziert. Mag an der Perspektive liegen. Ansich kann ich der Fassade aber einiges abgewinnen.

    Ochs Schmidhuber erinnert mich an die Gestaltung der MaryAnn Apartments.

    Oliv sieht spannend aus. Dieser wäre auch mein Favorit. Die höheren Arkaden und die gleiche Geschosshöhe der oberen Stockwerke wirken einladend und leicht, während bei Ochs Schmidhuber die oberen Stockwerke die unteren zerquetschen zu scheinen.

  • Da er anscheinend hier nicht viel Sympathie erfährt: Mir gefällt der Entwurf von Kulka nicht schlecht - vorbehaltlich der Frage der zu verwendenden Materialien und eventueller Gestaltungselemente. Leichte Anklänge an Architektur der 20er und 30er Jahre; etwa wie das Volkshaus am Schützenplatz. Mir gefällt die Fassadengestaltung mit sichtbaren (Einzel-)Fenstern besser als bei den anderen Entwürfen, die auf mich subjektiv wirken, als hätte man eine zusätzliche Konstruktion vor einen Glaswürfel gestellt.

  • Noch läuft die kleine Ausstellung der Wettbewerbsentwürfe zum Postplatz ->>> im Info+Stadtmodellraum des SPA im WTC an der Ammonstrasse.

    Vielleicht schafft es jemand dorthin, denn die Visus sind viel detaillierter und es gibt einige Innenhofansichten, welche auch maßgeblich sind.

  • Die gezeigten Entwürfe sehen einander dermaßen ähnlich, dass ich kurz dachte, ein Bild sei versehentlich doppelt hochgeladen worden. Lediglich der Beitrag von Henning Larsen fällt ein wenig aus dieser Serie heraus, ist aber dennoch nicht besser.


    Sämtliche Neubauten am Potsdamer Platz kommen nicht über das Niveau der DDR-Vorgänger hinaus und werden meiner Vermutung nach deshalb auch nicht länger als diese stehen bleiben. Inzwischen freue ich mich schon über schlechte Entwürfe, je schlechter, desto wahrscheinlicher und zügiger folgen dann in ein paar Jahrzehnten Abriss oder Neugestaltung. Zum Glück bin ich erst 29 und werde es noch miterleben.


    Gegenbeispiel ist das Schauspielhaus, das ich im Kontext zum Zwinger für deplatziert und unproportioniert halte, aber es ist eben doch zu gut als dass es jemals abgerissen würde.

  • Umbau Postplatz - Südseite - update mit Bäumen, Radbügeln etc. Es geht in die Zielgeraden, vieles künftig Sichtbare liegt schon zum Einbau parat.

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    foto ich

  • Tag der Staädtebauförderung am Sa., 14.Mai

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    Ich denke, der neue Brunnenplatz wird bis dahin noch nicht fertig sein, aber es geht ja um die Feierlichkeit um die Städtebauförderung.

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  • Also ich bin dort gestern vorbeigelaufen. Wie Feierlichkeiten sieht das dort noch nicht aus. Über den Artikel zur Feier habe ich mich insofern ziemlich gewundert. Es ist noch alles eingezäunt, wenn die Fläche für die Feier genutzt werden soll, dürften die Jungs vor Ort noch einige Überstunden vor sich haben.

  • Postplatz von der Frauenkirche aus:

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    nur Randaspekt, aber ich bleibe dabei: die Mary-Ann-Apps sind eine Etage zu hoch (mE Zeichen von Gröners einstige Macht), auch von unten gut sichtbar.

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    fotos elli kny

  • Gerade das erste Bild zeigt, dass hier - entgegen der immer wieder starken Kritik am Postplatz - ein attraktiver und für Dresdner Verhältnisse dichter Stadtraum entstanden ist. Sowohl architektonisch als auch städtebaulich finde ich es durchaus gelungen. Wenn man es jetzt noch schafft, in Zukunft die Ecken der Zeilenbebauung zwischen Schweriner Straße und Grüne Straße zu schließen, ist die Wilsdruffer Vorstadt auch als Vorstadt wieder erlebbar.

  • Wenn man die restlichen knapp 500.000 m² Zeilen-und-Plattenbau-Wüste ignoriert und nur die Schweriner Straße als "die Wilsdruffer Vorstadt" betrachtet, stimmt das schon. Wirklich eine sehr schöne "Vorstadt", mit so wenig Nutzen für Nichtanwohner, ohne historische Tiefe und ohne angemessenen Beitrag zum Stadtbild.


    Nüchtern betrachtet sind die Annenhöfe städtebaulich das kleine Bisschen, was heutzutage in Dresden möglich ist und auch nur durch intensives Wirken der Gestaltungskommission entstanden. Die Neubauten der Schweriner Straße kommen ebenfalls mit hochgradigen städtebaulichen Defiziten daher, ebenso an der Freiberger Straße. Dicht mag der Stadtraum nun (Gott sei Dank!) teilweise wieder sein (wobei auch genau das vielen ein Dorn im Auge zu sein scheint); objektiv attraktiv ist er beileibe dadurch nicht. Die entstandenen Räume sind und bleiben (bis auf die Vorderseite der Annenhöfe, bleibt zu hoffen) tote oder Transiträume. Über Parzellengröße oder architektonische Vielfalt brauchen wir erst gar nicht reden. Es ist ernüchternd, mit wie wenig sich heutzutage zufrieden gegeben wird.

  • Stimme Civitas zu, der etwas dichtere Stadtraum an einigen Stellen ist positiv aber die Qualität der Architektur hat noch Spielraum nach oben.


    Bestes Beispiel ist für mich die Schweriner Straße 37-45. Die Dichte und versuchte Kleinteiligkeit sind positiv zu bewerten jedoch wirkt die gesamte Zeile sehr monoton. Wenn man sich dann die erhaltenen Altbauten gegenüber anschaut sieht man wie man es spannender hätte machen können. Einzig der Eckbau schafft es sich mit etwas Gestaltung hervozutun.

  • Eigentlich könnte man zum Thema Postplatz-Ergebnis einen Studentenwettbewerb an den Archi-Fakultäten veranstalten, welcher alle entstandenen und noch verdeckten Defizite aufzeigt (also als Lehrübung auch zu ermitteln) sowie - rein fiktiv - bessere Lösungsansätze und -wege aufzeigt, wie man es aus heutiger Kenntnis und gewandelten Grundsätzen anders anzugehen vermag.

    Prof. Bäumler und Prof.in Mensing-de-Jong (beide TUD) müssten das Semesterthema bzw die Studienarbeit mal so fixieren, die Resultate wären spannend und ein Indikator, inwieweit der stadtplanende Nachwuchs bereit und fähig ist, ihre multiplen Problemstellungen wenigstens ansatzweise zu lösen. Präsentiert werden müßte ein gestalterisches Abbild von Postplatz samt Umfeldzone, wie es hätte (hätte Fahrradkette) aussehen können - gern auch im Rahmen des beizubehaltenden Schürmann-Plans.

  • Wenn man die restlichen knapp 500.000 m² Zeilen-und-Plattenbau-Wüste ignoriert und nur die Schweriner Straße als "die Wilsdruffer Vorstadt" betrachtet, stimmt das schon. Wirklich eine sehr schöne "Vorstadt", mit so wenig Nutzen für Nichtanwohner, ohne historische Tiefe und ohne angemessenen Beitrag zum Stadtbild.

    Die restliche "Zeilenbau-Wüste" (Plattenbauten sind meiner Kenntnis nach nur sehr vereinzelt in der Wilsdruffer Vorstadt vertreten) wird man nicht loswerden können. Ein Rückbau ist in Zeiten von knappem und immer teurer werdendem Wohnraum illusorisch und wird weder politisch noch gesellschaftlich durchsetzbar sein. Das Stück Wilsdruffer Vorstadt, auf das ich mich in meinem Beitrag bezogen habe, hatte Flächenpotentiale, die meiner Meinung nach gut genutzt wurden. Historische Tiefe bietet die Innenstadt im Übrigen auch nicht wirklich. Ein Großteil der Gebäude in der Innenstadt ist jünger als die Zeilen, die du oben ansprichst.


    Versteh mich nicht falsch - ich würde mir von Herzen einen radikalen Umbau der öden und langweiligen Zeilen-Siedlungen zu Gunsten einer dichten Blockrandbebauung wünschen - mit Mischnutzungen und herausragenden Solitären als Ankerpunkte. In Anbetracht der Realitäten, die wir nicht ändern werden können und die wir anerkennen müssen, ist aber die Entwicklung um die Schweriner Straße durchaus gelungen.

  • ich würde mir von Herzen einen radikalen Umbau der öden und langweiligen Zeilen-Siedlungen zu Gunsten einer dichten Blockrandbebauung wünschen - mit Mischnutzungen und herausragenden Solitären als Ankerpunkte.

    Warum man im Chemnitz-Forum für Abrisse von Plattenbauriegeln plädiert und die Möglichkeiten der Stadtplanung, mit denen man auch ohne schnelle Umsetzung diesen gewünschten Zustand langfristig anstreben kann, richtigerweise formuliert, in Dresden aber Realitäten nicht änderbar sein sollen, würde ich gerne verstehen.


    Die Zeilenbauten haben den Vorteil, dass sie bzgl. Traufhöhe und Bauart gut nachverdichtet werden können, um sich einer geschlossenen Blockrandbebauung der Vorstädte wieder anzunähern, und bei anstehenden Sanierungen auch Umbau- oder Abrissentscheidungen getroffen werden können. Allein dieser Zielzustand müsste in Bebauungsplänen und Gestaltungssatzungen formuliert werden. So könnte sich statt eines radikalen Komplettumbaus langsam wieder ein dichter urbaner Stadtteil entwickeln, in den sich auch die Großbauten am Postplatz einfügen könnten.


    Historische Tiefe hängt übrigens nicht an der Bausubstanz, die kann auch wunderbar an wiederhergestellten Stadtgrundrissen und Nutzungen ablesbar sein. Am Neumarkt z.B. ist das aus meiner Sicht durch das geringe Alter der meisten Gebäude sogar sehr eindrücklich. Am Postplatz sind die wenigen an die Historie anknüpfenden Elemente der ursprünglichen Planung ja nicht umgesetzt worden und das sieht man dem Platz auch an.