Baugeschehen: Gablenz / Lutherviertel

  • Mal ein Update aus der Hans-Sachs-Straße von Mitte November. Der Endspurt steht an. Die Hans-Sachs-Straße 16a bis 16b (am Ende des Straßenzugs) ist übrigens ein eigenes Vorhaben. Unten an der Uferstraße bei dem schon fast fertig sanierten Objekt herrscht immer noch Stillstand. Keine Ahnung, was da los ist.







  • 2014 war im Eckladen noch die Fleischerei Lindenlaub, wobei die im Internet keine Aktivitäten an anderen Standorten mehr zeigen. Der aktuelle Sanierungszustand lässt noch nicht erkennen, ob das Ladengeschäft erhalten bleibt, es wäre aber möglich. Das Lutherviertel hat immerhin seit 2014 eine deutlich positive Einwohnerentwicklung genommen (+ 4,8 %), die schon mit dieser Sanierung weiter unterstützt wird. Vorzustand:


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    Eigenes Bild

  • Im Übrigen habe ich gerade das Exposé entdeckt, von dem Haus, was auf der Dürerstraße, Ecke Kantstraße gebaut werden soll. Link

    So sieht es dort aktuell aus. Losgelegt hat man schon. Architekturpreise wird man definitiv nicht gewinnen. Auch ist die Ecke dort nicht wirklich einladend, vor allem mit der verfallenen Fabrik im Garten. Wirkt alles sehr unprofessionell, von der Website bis zur E-Mail-Adresse hin zur Visualisierung: http://www.chh53.com/


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  • ^ Was ist das denn bitte? Ernsthaft? Ich freue mich eigentlich über nahezu jeden Lückenschluss, geben diese doch der Stadt die dringend benötigte Dichte wieder. Aber das ist ja absurd!


    Etwas Off-Topic, aber aus meiner Sicht ein weiteres Zeichen für die mangelnde Weitsicht der Chemnitzer Planung als Chemnitzer Tradition: Gerade dieses Karree (Claus-/Dürer-/Kant-/Charlottenstraße) hätte sich damals in den 90er- Jahren perfekt als Stadtteilpark zur Aufwertung des gesamten Stadtteils angeboten (evtl. sogar in Kombination mit dem südlichen Karree). Das Karree ist quasi leer - den Neubau des Pflege- bzw. Altenheims hätte man gemeinsam mit dem zweiten Heim im Karree nördlich davon (Claus-/Bernhardstraße) "clustern" können. Die Industriebrache hätte gemeinsam mit dem Eigenheim in einen Stadtteilpark integrieren bzw. zurückgebaut werden können. Gerade in dem Teil der Stadt gibt es keine öffentliche Grünfläche, dabei stimmen die Lagemerkmale dieser Gegend eigentlich... Kombiniert mit ein paar Neubauten um Lücken zu schließen (GGG!) wäre dies ein attraktiver Stadtteil.

  • ^ Das Problem dürfte die fehlende Verfügungsgewalt der Stadt über die dortigen Flurstücke sein. Flurstücke der GGG und der Stadt kann man wunderbar beplanen und gestalten, private Eigentümer bekommt man dann aber nicht mit ins Boot (die hoffen auf einen besseren Deal und sitzen im Zweifel irgendwo in München, sind also auf schnelle Einigungen auch nicht angewiesen). Es fehlt der Stadt schlicht das nötige Geld, um die Flächen für Projekte wie Stadtteilparks etc. abzukaufen, zumal in diesem Fall die Abschöpfung über die Ausweisung als Wohnstandort fehlt. Insofern ist und bleibt es in Chemnitz eine knallharte Geldfrage.


    Die Stadt schaufelt sich mit den Town-Houses am Stadtrand langsam ihr eigens Grab, weil die Stadtstrukturen im Zentrum dadurch natürlich niemals den nötigen Kaufdruck erreichen können, den eine weitere Entwicklung dieser Gebiete einfach bräuchte (Urbanität, Blockrand). Fehlender Preisdruck sorgt dann dafür, dass diese Flächen brach bleiben, wodurch die Attraktivität der Stadt insgesamt natürlich langfristig leidet - ein Teufelskreis, der schlussendlich zu den aktuell zu beobachtenden altbekannten Einwohnerverlusten führt. Man müsste den kurzfristigen Verlockungen der Town Houses am Stadtrand (Bevölkerungsstabilisierung, Grundsteuereinnahmen etc.) widerstehen, und stattdessen langfristig auf eine Entwicklung im erweiterten Zentrum setzen (dann mit Vorteilen für die Stadt wie günstigeren Infrastrukturkosten, kurzen Wegen etc.). Die Gefahr ist hierbei, dass dann das Umland mit günstigem Baugrund die Bauwilligen einfach abwirbt. Ich sehe aktuell keine Lösung für Chemnitz außerhalb der schon mehrfach diskutierten Großansiedelung irgendeines Industriebetriebs mit mehreren tausend Beschäftigten - ohne diesen Leuchtturm gehts weiter begab. Selbst dafür fehlen in dieser perforierten Stadt aber aktuell die Flächen (das liebe Geld, altes Lied...).

  • Stimmt so nicht ganz: über Bebauungs- bzw. Flächennutzungspläne kann die Stadt quasi eine Nutzung der Flurstücke vorschreiben und eine Bebauung verhindern bzw. eine gewisse Bebauung vorschreiben. Kombiniert mit einem Flächentausch würden auch die Eigentümer der Flurstücke nicht leer ausgehen. Wenn man das dann sogar noch so aufzieht, dass an den Flächentausch auch tatsächlich eine Bebauung gebunden wird, könnte man recht "schnell" (Stadtplanung besteht aus zahlreichen langwierigen Prozesse) für Lückenschluss in der direkten Umgebung sorgen. Davon abgesehen ist auch der Bodenpreis (Stand 2022) mit 125 Euro/m2 (Boris.Sachsen) nicht so enorm. Anfang der 90er war der Wert sicher um einiges niedriger ;) Heute kommt man an die Flächen eh nicht mehr ran. Deswegen hatte ich es ja auch als Off-Topic deklariert ;)

  • Gablenz: Neubau Adelsbergstrasse 76 / Ecke Kreherstrasse - zuvor Abriss eines hübschen kleinen Eckbaus ( g.maps )


    Der Neubau scheint die Kubatur des Altbaus zu zitieren, seitlich scheint ein Flachbau anzuschliessen.

    Leider nur ein Foto aus der Tram, mit Blick in die Kreherstrasse.

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    übrigens: die Geibelstrasse 4 / nahe Gablenzplatz - wird derzeit saniert (kein Foto), Lage g.maps, das letzte unsanierte Haus des Viertels.

  • Die Freie Presse berichtet in der morgigen Ausgabe von einem Vorhaben der Denkmal Schönbach GmbH mit Sitz in Kempten, die an der Zschopauer Straße / Ecke Lutherstraße (dort wo früher mal das Plattenhochhaus stand) ebenfalls ein Hochhaus mit 16 Geschossen und 60 Wohnungen errichten wollen. Die Architektur ist recht extravagant, hat man aber so ähnlich auch schon in anderen Großstädten gesehen. Man hat die Änderung des Bebauungsplanes beantragt.

    Das Rathaus signalisiert indes bereits Ablehnung. „Sowohl aus städtebaulicher als auch aus denkmalpflegerischer Sicht“ befürworte man das Vorhaben nicht, heißt es in einer Stellungnahme. Zum einen zieht die Verwaltung in Zweifel, ob es überhaupt einen Bedarf für einen derart großes Wohnhaus gebe. Der Wohnungsmarkt in der Stadt sei auch in den kommenden Jahren entspannt, es brauche keine neuen Apartments in größerer Anzahl. Nachfrage gebe es stattdessen vor allem nach Ein- und Zweifamilienhäusern. Allenfalls würden noch Mehrfamilienhäuser an attraktiven Standorten und mit beispielsweise hochwertiger Bauweise und guten Energiestandards (sogenanntes „Neues Bauen“) gebraucht. Diese Kriterien seien beim „Lutherturm“-Vorhaben nicht zu erkennen.


    Zum anderen verweist das Rathaus auf den Denkmalschutz und das Erscheinungsbild der Straße. Auf der gegenüberliegenden Seite dominiere die denkmalgeschützte Siedlung „Lutherstraße mit Kiosk“ das Erscheinungsbild. Der geplante Lutherturm würde die „insgesamt ruhige und einheitlich erscheinende Traufhöhe der umliegenden zahlreichen Kulturdenkmale durchbrechen und als Fremdkörper wirken“, so die Stadtverwaltung.


    Der Antragssteller will den Antrag aber nicht zurückziehen und lässt über einen Anwalt eine Gegenargumentation erstellen.


    Unabhängig von diesem Vorhaben bin ich bereits vor einiger Zeit über ein weiteres Projekt im Lutherviertel an der Carl-von-Ossietzky Straße / Ecke Andreasstraße gestoßen: https://www.immobilienscout24.…ojektchemnitz/110572.html


    Eckrandbebauung. Typische Architektur der heutigen Zeit. Wirkt zumindest auf der Visualisierung recht raumgreifend.

  • ^Hier die Beschlussvorlage mit ausführlicher Argumentation beider Seiten und Visualisierung. Wenn der Vorhabenträger jetzt schon eine Anwaltskanzlei hinzugezogen hat, wird man sich wohl bei einer Ablehnung auf einen Rechtsstreit über die Errichtung eines Wohnhochhauses einstellen müssen - schon recht ungewöhnlich in einer schrumpfenden und wirtschaftlich schwachen Stadt. Architektonisch ist das jedenfalls nichts, das ich unbedingt in der Stadt sehen wollen würde, und auch die Wirtschaftlichkeit einer so gigantischen Investition in 60 kleine Wohnungen halte ich für fraglich, da es dafür ein Überangebot gibt (was der Anwalt ohne jedes Argument anders darstellt). Andererseits kann man sich auch fragen, ob man solche Vorhaben nicht einfach laufen lassen sollte, da sie einiges Geld in die Stadt bringen, und ob die Stadt als Eigentümer der damit konkurrierenden GGG wirklich völlig neutral argumentiert. Der Neubau stünde wenigstens in Zentrumsnähe, während in Außenbereichen der Stadt höchst überflüssige Plattenbauten um jeden Preis erhalten werden.


    Fazit: Das werde ich leidenschaftslos beobachten, jeder Ausgang wäre halbwegs akzeptabel.

  • Was den Neubau an der Zschopauer Straße angeht: Auch hier ein WOW! von mir. Ich frage mich, was gerade mit dem Immobilienmarkt der Stadt abgeht, dass gleich mehrere Großprojekte in bisher eher unterentwickelten Gegenden auf den Markt drängen. Versuchen die Entwickler noch ihr Geld in Immobilien anzulegen, bevor die Inflation alles auffrisst und setzen dabei eher auf C-Lagen (Sonnenberg/ Zwickauer Straße) aufgrund noch günstiger Grundstückspreise?


    Das Projekt selbst jedenfalls gefällt mir auch sehr gut, gibt es doch der städtebaulich arg verhunzten Ecke wieder eine Fassung. Das Alten- und Pflegeheim auf der gegenüberliegenden Seite hat diesen Eindruck der perforierten Kreuzung meiner Meinung nach nur verschlechtert. Ein Hochpunkt könnte hier durchaus Sinn machen - aus städtebaulicher Sicht. Ich persönlich habe ja auch das alte Hochhaus an dieser Ecke als wenig störend empfunden - anders als beispielsweise das Hochhaus am Bernsbachplatz, was eine sinnvolle Weiterentwicklung des Platzes komplett verhindert. Auch die Architektur des Projektes sagt mir zu. Auch wenn man das aus anderen Städten vielleicht schon in ähnlicher Form kennt - die Chemnitzer Wohnbau-Projekte erreichen ein derartiges gestalterisches Maß bisher nur selten. Die großen Fenster im EG deuten zudem eine gewerbliche Erdgeschossnutzung an.


    Im Grunde sehe ich es hier wie lguenth1 - der Wohnturm schafft eine weitere und direkte Konkurrenz zur GGG. Ein Investor baut nur, wenn er sich selbst eine Rendite verspricht. Sieht er diese Rendite nicht, so baut er auch nicht. Die GGG ohne erkennbares Entwicklungsgkonzept im eigenen Bestand bzw. im Bereich Neubau wird hier in die Röhre schauen - spätestens dann wenn auch in Zukunft weitere Konkurrenz am Wohnungsmarkt hinzukommt. Dass, was viele hier im Forum schon lange prophezeien, nämlich dass das Geschäftsmodell der GGG überhaupt nicht die Trends am Wohnungsmarkt abbildet, wird kommen - mit oder ohne diesen Wohnturm. Und wenn die GGG es nicht schafft, hier selbst als Entwickler in zentralen Bereichen der Stadt tätig zu werden, so wird die städtische Tochter eine schwere Zukunft haben. Ich jedenfalls drücke dem Turm die Daumen und hoffe auf eine Umsetzung.


    Zum Neubau an der Andreasstraße: Für mich ein solides Projekt. Am Google-Luftbild (schon sehr alt; das Haus Steinbachhof an der ZPer Straße steht auf den Luftbildern noch nicht) sind Aktivitäten auf dem Grundstück zu sehen - was ist da zum Zeitpunkt der Aufnahme des Luftbildes passiert? Weiß das noch jemand? Gerade die Andreasstraße ist arg geschunden. Im Bereich zwischen ZPer Straße und der Ossietzky-Straße steht nur mehr ein Gebäude, dabei ist das eigentlich eine Top-Wohnlage. Von daher begrüße ich jeden Neubau an dieser Stelle, sofern er den Blockrand achtet und ergänzt.

  • Entschuldigung Arnold, aber dieser Entwurf sieht eigentlich nach komplett nichts aus, da hilft auch alles Schönreden nichts. Ich möchte so ein architektonisches Grusel-Geschwür auch nicht in der Stadt sehen. Jeder ordentlich sanierte Plattenbau ist 3 mal ästhetischer. Ansich kann man sich schon fragen, was der "Schwachsinn" soll, dass erst ein Hochhaus an genau dieser Stelle stand - es aus irgendeinem Grund eben abgebaut wurde - damit jetzt einer an genau der gleichen Stelle wieder Eins errichten möchte.

  • Architektur ist immer eine Geschmacksfrage. Mir gefällt der Bau sehr gut, besser als jeder sanierte Plattenbauturm in der Stadt, die selbst in zentralen Lagen nach biederer Vorstadt aussehen und keine architektonische Qualität besitzen. Magdeburg beispielsweise saniert seine Platten deutlich hochwertiger. Die GGG ist dazu aber nach wie vor nicht in der Lage.


    Ein wenig erinnert der Turm mich an den Stream-Turm in Berlin (https://www.signa.at/de/real-estate/stream/). Wir sehen hier auch gerade eine erste, sehr grobe Visualisierung des Turmes. Sollte das Projekt konkreter werden, wird sicher auch die Visualisierung Details stärker preisgeben. Vorstellen könnte ich mir hier zusätzlich auch eine stark begrünte Fassade über in die Fassade integrierte Pflanz-Elemente (https://de.endorphin.ch/2020/garden-tower/).


    Der Rückbau des Plattenbauturms ist in die Abriss-Welle des Stadtumbau-Ost-Programmes gefallen, als es massiv Fördermittel zum Rückbau von leerstehenden Plattenbauten gegeben hat. Aus der damaligen Situation der deutlich höheren Leerstands-Zahlen (im Vergleich zu heute) - auch in Anbetracht des schlechten Image des Gebäudes als "Mordhochhaus" und "Gruselturm" - war der Rückbau sicher folgerichtig. Zurückgeblieben ist halt eine weitere Lücke im Stadtbild, die aus meiner Sicht dringend wieder gefüllt werden muss. Im Übrigen: Da an dieser Stelle mal ein 15-Geschosser stand, wird auch jeder andere Bauherr dort wieder so hoch bauen dürfen.

  • Man muss bedenken, dass die Entwürfe schon meist "geschönt" sind, in der Realität kommt oft zusätzlich böses Erwachen.


    Außer Quader, die zufällig übereinander gestapelt sind, kann ich dem Entwurf nicht viel entnehmen.


    Die Fassade bleibt in so lieblos kahler Betonoptik? Was ist mit Balkonen, wie würden diese Aussehen? Oder sollen sich die Bewohner des Hauses überwiegend in Ihren Wohnungen einschließen?

  • Noch mehr Senf: Mir gefiele ein futuristisches Hochhaus, Balkone/Terassen werden sie unterbringen, sonst kauft/mietet heute keiner. Besser fänd ich das Ding z.B. auf der Fläche des Uferstrands (Annaberger) oder Uferparks (Schloßstraße). Eine weitere Sanierung wie die üblichen GGG-Plattensanierungen wird nicht reichen, um andere Klientel in die Stadt zu ziehen. Und um etwas zu spinnen: In die oberen Etagen gern Apartements/Suiten, die als Hotel betrieben werden und Bar/Restaurant in hohe Etage und/oder auf's Dach. Danke.