Olympiabewerbung Hamburg 2036 ff. [gescheitert]

  • Da die Zustimmung der Bevölkerung ein wichtiger Faktor sein soll bei der Vergabe haben Rhein-Ruhr und München natürlich enorme Vorteile.

    Dazu kommt beide Standorte werden politische die größte Rückendeckung haben. Bei München kommt der Vorteil, dass das Olympiastadion schon steht, bei NRW ist der massive Vorteil, dass alles andere steht.

    Ich denke aktuell wird es ein Rennen zwischen München und Köln und Berlin ist so gut wie raus, man wird schon wissen warum man in Berlin kein ordentliches Referendum macht.

  • Ich glaube nicht, dass die Kriterien, die hier im Forum genannt werden, ausschlaggebend sind. Beispiel "verstreute Sportstätten". Vom Berliner Olympiastadion bis zum Leipziger Stadion sind es aktuell 2,5 Stunden mit den Öffis, ebenso bis zur Messe. Von Hbf bis Hbf ist es etwas über eine Stunde, Shuttles können die letzten Meilen verkürzen. Ich denke mal, solche Entfernungen sind bei den Spielen in anderen Ländern nichts unübliches gewesen, selbst in Paris. Rostock und besonders Aachen (Reitsport) sind natürlich weit entfernt. Aber auch Hamburg hat mit Kiel und Markkleeberg (Sachsen) zwei entfernte Standorte in der Bewerbung. Würde mich nicht wundern, wenn man selbst innerhalb Hamburgs für manche Wege 1,5 Stunden braucht. München hat Hoffenheim, Freiburg, Stuttgart, Kiel, Augsburg mit im Boot, deren Bewerbung finde ich noch am verstreutesten. Köln-Essen sind nur eine Stunde mit dem Zug voneinander entfernt, Kiel und Markkleeberg die einzigen Standorte außerhalb der Region. Ich denke, in der Hinsicht sind sich alle deutschen Bewerbungen relativ ähnlich.

    Olympia 1936 in Berlin ist eher ein Pro-Argument für Berlin, zeigt man damit doch, dass es Hoffnung in der Welt gibt und sich ein Land aus der tiefsten Dunkelheit zu einem Land entwickeln kann, das die Olympische Idee als Gastgeber wirklich verkörpert. Ob Spiele vor langer Zeit schon einmal in einer Stadt waren oder nicht, ist aber vermutlich wirklich kein entscheidender Faktor.

    Ich finde alle vier Bewerbungen reizvoll und würde mich für jeden der Bewerber freuen, für Leipzig natürlich besonders. ☺️Die eigentliche Frage ist doch, ob es Deutschland schafft, sich international durchzusetzen. Und auch die Frage, ob Olympia überhaupt erstrebenswert ist, trotz der durchaus relevanten Reformen, die das IOC in den letzten Jahren gemacht hat, ist für mich noch nicht abschließend beantwortet. Die jüngsten Referenden zeigen aber schon, dass viele Menschen wieder Bock auf Olympia haben. Es ist natürlich problematisch, dass die Initiative contra Olympia in Berlin erst nach der Entscheidung des DOSB ein Volksbegehren auf die Beine gestellt bekommt. Das ist ein Risikofaktor, auf den das DOSB bestimmt keine Lust hat.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ...man wird schon wissen warum man in Berlin kein ordentliches Referendum macht.

    Weil der Berliner Senat gemäß seiner Landesverfassung es schlicht und ergreifend nicht darf (anders als z.B. in HH).

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich finde alle vier Bewerbungen reizvoll und würde mich für jeden der Bewerber freuen, für Leipzig natürlich besonders. ☺️Die eigentliche Frage ist doch, ob es Deutschland schafft, sich international durchzusetzen.


    So wie ich das verstehe ist Europa eh kein Favorit für 2036, da dürfte Olympia an Afrika (Ägypten oder Südafrika) oder Indien gehen was für das IOC deutlich reizvollere Kandidaten sind, aber natürlich ist eine Bewerbung 2036 wichtig wenn man die Spiele dann 2040 oder 2044 haben will.

    Dazu kommt, dass kaum ein Land so viele fertige Sportstätten bieten kann wie Deutschland, was natürlich den Druck aufs IOC erhöht, wenn sie wirklich günstigere Spiele wollen.

  • In der ganzen Debatte darf man auch nicht die Kriterien vergessen, die beim IOC dahinterstehen. Und wenn die deutsche Bundesregierung ihre Unterstützung signalisiert weiß man beim IOC auch, dass völlig egal wer für Deutschland ins Rennen geht, auch ausreichend gegenfinanziert ist. Über die Details im Kleinen ist ne andere Sache. Trotzdem weiß auch das IOC dass Deutschland ein verlässlicher und finanziell gut aufgestellter Partner ist. So wie ich das mitbekommen habe, steht Europa ohnehin für 36/40 oben in der Liste. Außerdem ist dem IOC politische Stabilität wichtig, das bieten sonst kaum der Interessenten weltweit in einem so hohen Ausmaß wie Deutschland.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Würde mich nicht wundern, wenn man selbst innerhalb Hamburgs für manche Wege 1,5 Stunden braucht.

    Das trifft auf die Austragungstätten im Hamburger Konzept nicht zu. Alles, was sich technisch überhaupt in Hamburg austragen lässt, wird innerhalb eines kompakten Areals in Hamburg ausgetragen. Es wäre wirklich ein Olympia der super-kurzen Wege.

    Zweifel habe ich an der Begeisterungsfähigkeit der Hamburger für das Thema. Was wird Hamburg im Falle einer nur "lauwarmen" Zustimmung der Hamburger entscheiden?

    Wir bald mehr wissen.

  • ^^Unterschätze bitte nicht was so ein Stadion für Verkehrsprobleme verursachen kann. Das Nationalstadion in Tokio hat zum Beispiel 68.089 Plätze. Die U5 wird mit dem DT-6 mit drei Wagen Zügen 900 Personen pro Zug transportieren können. Man braucht also 76 Züge um alle vom Stadion wegzutransportieren. Bei einer Taktung von 90s, dauert das fast 2h. Es werden natürlich nicht alle U-Bahn fahren, aber wenn man zum Beispiel vom Olympiastadion im Volkspark nach Volksdorf oder Neugraben will, kann das schon dauern. Vorallem, da das alte Volksparkstadion mit dem Schwimmen auch noch Kapazität braucht.


    Das ist natürlich mehr oder minder normal und mit der U5 hat Hamburg auch eine recht gute Lösung. Außerdem gibt es auch die S-Bahnen in Stellingen und Eidelstedt die man halbwegs gut zu Fuss erreichen kann.

  • Die Hamburger haben sich in am 31.05.2026 mehrheitlich gegen die Ausrichtung der Olympischen Spiele entschieden. Schade!

    Damit wurde mal wieder eine große Chance vertan, um Hamburg voranzubringen.

    Eine weitere Bewerbung soll es in absehbarer Zeit erst mal nicht geben.

  • Es ist bereits das zweite Hamburger Nein zum Thema. "Dieses Votum sollte der Hamburger Politik eine Lehre sein: Die Menschen in der Stadt wollen kein weiteres Leuchtturmprojekt", wird der Sprecher von NOlympia im NDR zitiert. Wenn das stimmt, ist doch die Frage nicht weit, ob die Mehrheit das beim "Leuchtturmprojekt" Elbtower und dem vielen Steuergeld für diesen Turmbau anders sieht.

  • Man sollte die Volksentscheide komplett abschaffen. Kinder dürfen aus guten Gründen nicht wählen. Erwachsene mit eingeschränkten Möglichkeiten besser auch nicht.

  • So weit würde ich nicht gehen, aber man müsste vermutlich die Hürden höher setzen und dafür sorgen, dass jeder der abstimmt auch genau weiss, worum es geht und welche Folgen das hat. Wenn man sich die Aussagen der Leute ansieht, warum sie wie gestimmt haben hatten erschreckend viele überhaupt keine Ahnung und haben nur nach irgendwelchen Gefühlen abgestimmt ohne sich mit dem konkreten Konzept und Hintergründen zu beschäftigen. So wird jetzt der infrastrukturausbau von Berlin oder München auch mit Hamburger Steuergeld finanziert, und in Hamburg passiert weiterhin wenig... Echt eine verpasste Chance.

  • Etwas erschreckend, was für antidemokratische Fantasien hier gleich hochkochen, nur weil eine Entscheidung getroffen wird, die nicht gefällt. Es muss sich niemand vor euch rechtfertigen. Da das Steuergeld von allen Hamburgern kommt, konnten auch alle Wahlberechtigten entscheiden, ob sie das für Olympia hinlegen wollen oder nicht. Ohne es begründen zu müssen, jeder aus seiner eigenen Sichtweise heraus. Zum Nulltarif gibt's die Spiele ja nicht, auch wenn der Bund ebenfalls investiert. Die Mehrheit entscheidet. Ist doch völlig in Ordnung und sollte viel öfter so laufen. Die Schweiz, Sitz des IOC, hat zuletzt 1948 die Spiele ausgetragen, frühere Olympiaträume scheiterten auch dort an Volksabstimmungen. Gleiches gab es in der letzten Dekade schon in Kanada oder Polen. Ohne diese vielen ablehnenden Voten der letzten Jahre hätte sich das IOC niemals reformiert und das war dringend nötig. Wenn das der Mehrheit der abstimmenden Hamburger noch nicht reicht, dann ist das so. Die Welt geht davon nicht unter, auch nicht in Hamburg.

  • Es ist eben immer dasselbe: Es ist schlicht zehnmal einfacher 'gegen' etwas zu sein als 'dafuer'.

    'Eine Monalisa' zu malen ist halt schwieriger als 'keine Monalisa' zu malen. Von daher hat die Anti-Klientel immer Rueckenwind, weil es so leicht ist immer gegen alles zu sein und weil man persoenlich 'nur gewinnen kann': Wenn man gegen etwas ist gibt es drei bequeme Szenarien:

    Ich bin dagegen - der Plan kommt trotzdem und es wird 5 Jahre spaeter grossartig:

    >Ich in fuenf Jahren interessiert sich niemand mehr daran, dass ich damals 'dagegen' war.

    Ich bin dagegen - der Plan kommt trotzdem und es wird 5 Jahre spaeter zum Problem

    >Ich stelle mich in fuenf Jahren hin und sage: 'Ich habe euch alle gewarnt! Aber ihr habt ja nicht auf micht gehoert'. - ich bin der Held.

    Ich bin dagegen - und es gelingt mir den plan zu verhindern

    >Ich bin der grosse Sieger

    Sieht man ja auch in anderen Lebensbereichen wo zum Beispiel 90% aller Initiativen sich nur gruenden um etwas zu verhindern und/oder einzuschraenken.

    Hafenausbau, Elbtower, Sternbruecke, Olympia, Betriebszeiten des Flughafens, Messe (damals), Wassertum Schanzenpark (damals), Ikea Altona, Neubau um Kontorhausviertel, Elbvertiefung, Bahnstrecke Hamburg-Hannover, U5, AKN-Ausbau, Garten auf dem Bunker Feldstrasse, Paulihaus, Oberbillwerder... die Liste ist endlos.

    Einmal editiert, zuletzt von Midas (2. Juni 2026 um 09:15)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Erwachsene mit eingeschränkten Möglichkeiten besser auch nicht.

    Heidewitzka! Und wer entscheidet, wessen Möglichkeiten "eingeschränkt" sind? Du bist offenbar ein Olympia-Befürworter (was okay ist), und hast in einer demokratischen Abstimmung eine Niederlage erlitten. Schade für Dich. Deine Reaktion offenbart allerdings, dass es Dir an der demokratischen Reife fehlt, Niederlagen einzustecken. Stattdessen möchtest Du gleich das zentrale Prinzip der Demokratie abschaffen – ähnlich einem frustrierten Kind, dass das Spielbrett vom Tisch fegt, wenn es bei Mensch-ärgere-Dich-nicht verliert. Nice.

    Ich war früher begeistert von Olympia, halte die Spiele aber mittlerweile für eine gigantische Kommerz-Show, die dem IOC und seinen Werbepartnern nutzt, während sie der ausrichtenden Stadt langfristig eher schadet. Sollte es eine Abstimmung zu einer Berliner Bewerbung geben, werde ich mir die Konzepte dennoch genau anschauen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Und im Leben käme ich nicht auf die Idee, Dir das Wahlrecht abzusprechen, nur weil Du die Sache anders siehst als ich.

  • Naja, das Geld wird man jetzt für die Infrastrukturprojekte investieren müssen wie Köhlbrandbrücke, U5, Elbbrücken, die mit Olympia von höheren Bundeszuschüssen profitiert hätten...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    die mit Olympia von höheren Bundeszuschüssen profitiert hätten

    War das vertraglich irgendwo genau fixiert oder nur eine Hoffnung? Laut Finanzsenator rechnete die Stadt mit eigenen Kosten von rund 5 Milliarden bei 100 Millionen Gewinn. Das sind die Zahlen der Befürworter, wobei noch bedacht werden muss, dass die 5 Milliarden schuldenfinanziert wären. Was das für Zinsbelastungen bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen. Man kann natürlich noch mit weichen Faktoren wie Imagegewinn argumentieren, aber die Köhlbrandbrücke scheint mir als Pro-Argument für Olympia nun wirklich nicht hinreichend.

    Egal, es wurde abgelehnt, eigentlich kann man die Diskussion einstellen. Mache ich jedenfalls. ;)

  • Ausgaben von 4,8 Milliarden standen laut Prognose direkte Einnahmen von 4,9 Milliarden gegenüber – was unterm Strich dann 100 Millionen Gewinn bedeutet hätte. Der langfristige Gewinn durch die Investitionen in Infrastruktur und der Imagegewinn sind da natürlich noch nicht eingerechnet.