Dresden: Carolabrücke, St. Petersburger Straße, Carolaplatz
-
-
-
Vielen Dank für eure Arbeit!
Ich habe mir euer Protokoll und auch die Langfassung der Expertenkommission durchgelesen. Ich stimme dir zu, dass man bei der Pfeilerdiskussion die Ausgewogenheit und Relevanz städtebaulicher Argumente vermisst. Es ist unverständlich, wie man die Aufenthaltsqualität unter der Brücke im engen Umkreis hochattraktiver Verweilorte als derart wichtig einstuft.
Ich kann mich auch wirklich nicht erinnern, dass ich jemals das Bedürfnis hatte, mich längere Zeit unter einer Brücke aufzuhalten. Ja, man schaut sich die Untersicht an, schaut auf das Tragwerk und bestaunt kurz den Schwung eines Brückenzuges etc. Aber alleine aufgrund des Lärmpegels unter vielbefahrenen Brücken, Tauben, fehlender Vegetation sucht man eigentlich schnell wieder das Weite.
Die geschlossenen Pfeiler sind aufgrund der großen Spannweiten auch nur ca. 50 Meter vor und nach der Brücke wirklich sichteinschränkend, da sich bei größerer Entfernung schon bald wieder Durchblicke bieten. Und bei aufgelösten Pfeilern sieht man auch nur auf die nächste und ggf. übernächste Klötzchenreihe, was eher eine gewisse Unruhe erzeugt. Vielmehr öffnet sich gerade bei einer geschlossenen Bogenform nach dem Durchschreiten des Brückenbogens mit einem Wow-Effekt eine sich ganz neu öffnende Gesamtperspektive anstatt einer zerfaserten Halbsicht durch einen Pfeilerwald.
Ich finde es zudem vorteilhaft für die Maßstäblichkeit, wenn unter jedem Bogen ein eigener Raum entsteht und nicht der Blick von Ufer zu Ufer wie bei einer Autobahnbrücke möglich ist. Gerade das ist doch auch ein wesentliches Merkmal der Brückenfamilie, von der zumindest fast alle sprechen.
Die Untersichten sind sowohl bei FHECOR als auch bei LAP z. B. im Bereich der Nutzung im Neustädter Brückenkopf in den Visualisierungen deutlich und unrealistisch aufgehellt. Letztlich ist es unter keiner der Brücken hell und „Aufenthaltsqualität“ eher ein relativer Wert.
Die Gliederung des Brückenzuges durch die Kanzeln in der nahen Schrägansicht trägt zur Verbesserung der Maßstäblichkeit bei, indem die durchgängige Fahrbahnplatte in einzelne Segmente optisch zurückgedrängt wird. Auch dies ist m. E. ein wesentlicher Baustein für eine altstadtkonforme Brücke.
Die Betrachtung derartiger Themen fehlt mir in der Beurteilung und Abwägung des Fachgremiums. Allgemein ist die m. E. deutlich wichtigere Aufenthaltsqualität AUF der Brücke unterrepräsentiert und es fehlt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Wirkung im Kontext der Altstadt.
Und wenn dies der Fall ist, erscheint mir die Gewichtung der Faktoren nicht ausgewogen zu sein. Während man sich an geschlossenen Pfeilern als DEM städtebaulichen Argument abarbeitet, wird die Erhöhung des Brückenzuges um ca. 2,5 Meter bei FHECOR klein gehalten. Da wird von einer „leicht erhöhten Lage der Brücke“ und „geringfügig veränderten Sichtbeziehungen“ z. B. von der Brühlschen Terrasse gesprochen, was „wenig wahrnehmbar“ wäre.
Das grenzt schon an Manipulation bzw. Falschaussage, wenngleich das vielleicht schlichtweg mit einer zu geringen Sensibilität des Expertengremiums für solche Fragen begründet ist. Ich finde es schon relevant, wenn aufgrund der Überhöhung die Albertbrücke und darauf verkehrende Straßenbahnen nicht oder kaum noch sichtbar sind und das auch bei Dunkelheit als attraktiver Sichtpunkt wahrnehmbare Waldschlösschenareal von einer neuen Brücke mindestens halb verdeckt wird.
Auch bei Aussagen wie zur „sehr gut gestalteten Untersicht der Brücke“ bei FHECOR komme ich nicht mit. Von einer bewussten und dazu noch sehr guten Gestaltung, die man extra so hervorheben müsste, sehe ich da nichts.
Es war überhaupt kein Kriterium für die Fachleute, dass die Brücke und ihre Anbindung historische Merkmale aufnehmen und ermöglichen. Wahrscheinlich war sogar das Gegenteil der Fall.
Damit könntest du Recht haben. Ich meine, dass sich Herr Prof. Marx, war es in der Auftaktveranstaltung oder einem Presseartikel, nicht gerade offen für Rückgriffe auf die erste Carolabrücke gezeigt hat.
nachträgliche Ergänzung zur Fundstelle mit dem Zitat von Prof. Marx:
Link saechsische.de - Bezahlartikel
„Wir benötigen eine richtig gute Brücke. Es wird keine Kopie einer alten Brücke sein, sondern eine Brücke, die der heutigen Stadt entsprechen muss.“
Vorab verwies er darauf, dass die beiden Vorgängerbrücken jeweils nach modernsten Anforderungen der damaligen Zeit errichtet wurden. Ein Widerspruch zur einer Gestaltung in Anlehnung an einen Vorgängerbau besteht demnach nicht zwangsläufig., sondern das Zitat bezieht sich zumindest im Kern auf das Erfüllen der Anforderungen der heutigen Zeit, was sicherlich kaum jemand infrage stellt.
Mit eurer Weiterentwicklung der Visualisierung von GRASSL/gmp ist euch ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gelungen. Sowohl die nun dezent und ausreichend gegliederten Pfeiler als auch die bessere visuelle Vermittlung des m. E. attraktiven und stimmigen Materialkonzeptes überzeugen zumindest mich sehr.
-
Ich möchte euch mal ein paar Vergleichsdarstellungen zeigen, die ich anhand der Modelle erstellt habe. Das ist (noch) nichts Offizielles, sondern erst einmal als meine Einzelmeinung zu betrachten:




Die Fotos sind von mir (Modelle in der Ausstellung), die Grafiken auch, Das Bild der Augustusbrücke stammt von Albrecht Voß, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0, Link.
-
Für mich ist ja auch die nach wie vor relativ ausgeprägte Ausfächerung an den Brückenköpfen bei LAP ein echtes Gegenargument gegen diesen Entwurf, den ich sonst als sehr gelungen empfinde. Das hat Grassl aus meiner Sicht am besten gelöst. Schon alleine deswegen tendiere ich inzwischen wieder stark zum Grassl-Entwurf als meinen Wunschkandidaten.
-
Mich persönlich stört bei LAP auch die Busgarage auf Altstädter Seite sehr, die übrigens eine Sparmaßnahme dieses ohnehin teuren Entwurfs ist. Eine einfache Stützen-Riegel-Konstruktion an dieser Stelle nimmt Kosten im Bereich Brückenbau raus. Die käme also ziemlich sicher.
Auch der Kiosk oder „Möglichkeitsraum“ auf Neustädter Seite überzeugt mich nicht.
Und wenn selbst die neunköpfige Jury, die von diesem Team ansonsten ja Fan ist, davon schreibt, die „Anbindungen sind in ihrer Mächtigkeit etwas überzogen“ und zur Heilung Architektur vorschlägt, will das was heißen. Rampen, Treppen und Wege in solchem Ausmaß, dass etwas anderes gar nicht mehr stattfinden kann, machen Stadt auch kaputt. -
Im Zuge der Nutzung von Carolavote bekommt man noch die eine oder andere neue Grafik zu sehen. Hier z. B. ein Beispiel für die vermeintliche "Transparenz" bei aufgelösten Pfeilern wie bei FHECOR:
https://carolavote.urbanista.de/public/uploads…npfeiler_A.webp
Hier eine Visualisierung von Schüssler-Plan mit dem Namen "Belvedere":
https://carolavote.urbanista.de/public/uploads…_Belvedere.webp
"Malvedere" wäre wohl passender und ich wünschte mir stattdessen die Carola 2.0 zurück.
-
Ich halte auch GRASSL weiterhin für meinen Favoriten, insgesamt kann man als Aussenstehender nicht wirklich gut zu einem Urteil kommen, da die Details fehlen. Letztlich wird aber die Stadtgesellschaft ein Votum aufgrund von Ästhetik, Intuition und Wille abgeben, und das sollte gewichtiger sein als kurzzeitige Expertengremien-Aussagen, welche selbst auch zum Großteil auf Annahmen und Subjektiviäten basiren - bzw teils auch aus spezifisch ingenierutechnischem Blick, denn das Expertengremium ist doch über die Hälfte mit reinen Brückenbauern besetzt.
Im Grunde wird nun an allen Entwürfen irgendetwas bemängelt oder gar zur Korrektur gefordert. Es nützt daher doch nichts, bald einen "Favoriten" festzuzurren, von wem letztlich auch immer. Denn es kommt jetzt doch drauf an, welches Büro noch welche machbaren Abaäderungen noch einzupflegen versteht. Was nun irgendwie fehlt ist eine prozessuale Zwischenphase, wo alle 4 Büros alljene Dinge nacharbeiten können und dürfen, wo es Kritik oder Umplanungswünsche gab, und insofern sie es tatsächlich aus den Basisentwürfen noch abändern können. Zumindest als "machbare Optionen" müßten diese Dinge klargestellt sein - je Entwurf. Dazu brauchen die Büros freilich auch etwas Zeit und Ruhe, aber haben sie diese? Läuft jetzt schon diese Phase? Wo ist sie im Zeitablauf abgebildet und ersichtlich, es sind nun nur die nä. Schritte der Bürgerbeteiligung als Terminkette bekannt. Im Grunde braucht man vier bestmöglich korrigierte Entwürfe bzw Varianten jedes Entwurfs, um sie dann nochmal nebeneinanderzulegen.
Z.B. GRASSLs kritisierten massiv-breiten Flußpfeiler, die ich seit Beginn nicht mehr als Negativum ansehe, könnten konstruktiv oder eher gestalterisch wohl noch opitsch "verschlankt" werden, indem man entweder ein "Loch" oder "Gewölbe" mittig im Pfeiler offen lässt (was auch nicht viel Durchsicht brächte) oder einfach die Pfeilerseitenflächen mittig mit dunklerem Gestein bekleidet, sodaß es wir eine Unterbrechung oder Aussparung aussieht.
Also ich frage mich gerade, was machen die 4 Büros aktuell? Korrigiren sie bemängelte Punkte? Kann zB Fhecor-Tssb seine Scheitelhöhe reduzieren), kann Grassl seine Pfeilertiefe etwas "auflösen", und bis wann muß das Alles dann final in die Entscheidungsphase gehen?
Ferner frage ich mich, da die betonköpfige Ratsmehrheit bei 4 Spuren beharren wird, wie dieser Stadtrat dann zB Grassl steht, da es kräftige Verschwenkungen zur Meidung der Auffächerung und zwecks Anschluß an alten Kreuzungsbestand gibt. Da muß es - so wie es aussieht - T30 Reduktion geben, eigentlich ist durchgängig T50, was real bis 60 km/h heisst. das ist Beschilderungsmäßig in derartigen Knotenbereichen echt Mist, das muß also ein etwas längerer Abschnitt mit T30 sein. Verkehrsrechtlich ist das auch nicht so einfach möglich, kann sein daß T30 hier allg. nicht machbar ist. Und wie geht diese Ratsmehrheit damit um, falls GRASSL es nicht groß ändern kann?
Hat mal jemand noch bessere Detailbilder von den Verschwenkungen an den alten Auffächerungsbereichen bei wenigen der 4 Entwürfe?
-
Hat mal jemand noch bessere Detailbilder von den Verschwenkungen an den alten Auffächerungsbereichen bei wenigen der 4 Entwürfe?
Für alle Entwürfe sind mittlerweile die Präsentationspläne und vergleichende Rundflüge im digitalen 3D-Stadtmodell auf der Website der Stadt einsehbar, inklusive der Anbindungen an den Brückenköpfen.
Direktlinks:
- Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects
- FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
- Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
- Ingenieurbüro GRASSL GmbH und gmp Architekten
Übrigens hat sich auch die Reihenfolge geändert und bildet jetzt die Einschätzung des Expertengremiums ab - hätte man nicht unbedingt so machen müssen.
-
Ich empfinde die gesamte Konzeption des Expertengremiums und dessen Einbindung in den Prozess als äußerst unglücklich.
Die Zusammensetzung des Gremiums spricht für mich eher für eine grundsätzliche Prüfung der Entwürfe auf bauordnungs- und bauplanungsrechtliche Erfüllung der gestellten Anforderungen: entsprechen die Entwürfe den Vorgaben eines Ersatzneubaus (besonders gut, gerade so?), sind die Traglasten realistisch, wie hoch ist der Sanierungsaufwand, sind alle formellen Anforderungen berührter Vorschriften, Gesetze, Normen etc. eingehalten worden usw.
Das haben wir zum Teil auch so bekommen, scheint aber nicht den Ausschlag für das Ranking zu bestimmen. Was wir in überwiegender Form als Rückmeldung aus dem Gremium erhalten haben, sind (für mich schlecht begründete) Meinungen und Gefühle zu Themen wie der "gestalterischen Umsetzung", dem "Aufgreifen der Entwicklungsgeschichte beider Vorgängerbauten", einer vermeitlich vorhandenen oder nicht vorhandenen "eigenständigen Identität", dem pflichtschuldigen abarbeiten aller noch so unwichtigen "Nutzungsarten und -anforderungen", einer gefühlten "Aufenthaltsqualität" usw.
Zusätzlich dazu hat man es fertig gebracht, diese Meinungen und Gefühle in ein Ranking zu gießen und dieses Ranking vor der Abstimmung durch die Öffentlichkeit und vor der Meinungsbildung der Stadträte in die Welt zu setzen, in denen genau diese weichen Faktoren erfahrungsgemäß die zentrale Rolle spielen sollten. Aussagen zu möglichen Konsequenzen von Abweichungen von den Vorgaben des Ersatzneubauverfahrens blieb die Kommission dagegen schuldig - da wird es dann plötzlich sehr unkonkret.
Man hätte klar trennen sollen: gebt dem Experten, was des Experten ist, und dem Volke, was des Volkes ist.
-
Anhand der "vergleichenden Rundflüge" (offenbar vom Amt für Geodaten verfasst) versuche ich nun, mein Urteil zu schärfen, aber es gelingt nicht.
Die Videos sind richtigerweise auf das Grundsätzliche reduziert, also eine grafische Darstellung, und da kommt Grassl nun leider doch recht plump daher, während der Expertenfavorit LAP eine wunderbare Schlankheit und Grazilität ausstrahlt. Die Dicke der Unterbögen differiert auch stark zwischen Grassl und LAP, wie kann das sein? Grassl dick und LAP superdünn. Haben die unterschiedliche Konstruktionsweisen? Kann das so realistisch sein?
Hier von der schon von ^Civitas fortis verlinkten Stadtseite - meine beiden Vergleichsansichten (oben: Grassl, darunter LAP), man könnte auch jene Ansichten gen Altstadt nehmen. Und tatsächlich ist die Transparenz unterbrückig deutlich verschieden, sonst sind die Differenzen ja nicht so spürbar.


Also wenn das so realistisch visualisiert wurde, dann finde ich auch LAP für ziemlich attraktiv und würde Grassl nicht mehr alleinig favorisieren..
-
M.E. hat das Expertengremium recht bewusst dem von den "Brücken-Freaks" bevorzugten Grassl ganz nach hinten, sogar hinter Schüssler-Plan gesetzt.
Das seitliche, autobahnähnliche Ausfächern das Baukörpers ist bei LAP unter aller Kanone.... Ich denke, man will ein Zeichen setzen: "Bloß nicht zu historisch"....
-
Diese Modellansichten sind viel zu wenig detailliert, um wirklich die Optik und Ästhetik der Entwürfe beurteilen zu können - insofern würde ich der "richtigerweisen Reduzierung" widersprechen. Der LAP-Entwurf hat interessanterweise im Modell viel mehr Farben bekommen, als die anderen und wirkt dadurch "filigraner" oder weniger "plump", obwohl die LOD-Stufe des Modells eigentlich gar keine Texturen hergibt. Außerdem lässt sich mit dem Modell die Belichtung überhaupt nicht realistisch einschätzen. Es taugt eigentlich nur zur realistischen Abschätzung von Blickbeziehungen, und da hätte eine Ansicht von der Brühlschen Terrasse aus dazugehört. Dann hätte man nämlich u. a. gesehen, dass die größere Höhe des FHECOR-Entwurfs sehr wohl relevant ist beim Blick ins Elbtal.
Die LAP-Brücke ist keine Bogen-, bzw. Sprengwerkkonstruktion, sondern hat, wie die eingestürzte Brücke, einen Durchlaufträger, der an den Pfeilern lediglich leicht gevoutet ist. Er hat auch keine durchgehenden Pfeiler (wie bei allen anderen Dresdner Innenstadtbrücken und insgesamt den meisten Dresdner Elbbrücken - sogar der eingestürzten Brücke), sondern Stützen. Die so hochgelobte "Transparenz", die sich daraus angeblich ergibt, ist nur von sehr wenigen Perspektiven aus sichtbar und hat meistens überhaupt keine Auswirkungen. Da die Brücke bei allen Entwürfen enorme Spannweiten haben wird, ist das auch gar kein Argument, weil das Verhältnis von Spannweite zu Pfeilerscheibenbreite bei der Carolabrücke viel größer ist, als bei allen anderen Brücken; zumal es v. a. um die Fernsicht und die Fußgängersicht auf der Brücke selbst geht, und nicht darum, vor einem Pfeilerstandort zu stehen.
Letztlich muss man bei der Betrachtung überlegen, welcher Entwurf das meiste Potential hat und am ehesten aus der Königin-Carola-Brücke hervorgeht (das ist jedenfalls unsere Bewertungsgrundlage und offenbar auch die sehr vieler Dresdner und anderer). Und das ist dann ganz klar und einzig der vom Team Grassl. Es sprechen ja auch andere Dinge dafür und man sollte sich bei dieser Entscheidung wirklich ein umfassendes Bild machen, was jeder Entwurf insgesamt bedeuten würde - angefangen von den Kosten, der Instandhaltung, der städtebaulichen Einbindung, dem Anpassungspotential (und auch dem Anpassungswillen der Verfasser!), usw.
-
Grassl bleibt auch mein Favorit, und wenn ich mich online umsehe (hier und anderswo), ist er auch der ganz eindeutige Publikumsliebling (obwohl die SZ was anderes behauptet), aber bei den Experten leider auf dem letzten Platz. Zu schick und klassisch darf es dann wohl doch nicht sein.

LAP sitzt an zweiter Stelle bei mir. Ich finde, es ist auch ein anmutiger recht klassischer Bau. Das Rautengitter ist ein schönes Detail. Das einzige Problem ist für mich das extrem weite Auskragen der Brücke auf der Altstadtseite. Das ist die wichtigste Ansicht, die jeder von der Altstadt aus sehen wird, und auf dieser Seite hat der LAP-Entwurf leider wegen der extremen Auskragung Autobahnbrücken-Vibes. -
Ohne die drei anderen Entwürfe runterbuttern zu wollen, aber Grassl ist und bleibt der würdigste Kandidat für diese Stelle in Dresden. LAP und FHECOR wären an einer Stelle, wo noch nie eine Brücke stand perfekt, aber nicht an so einem sensiblen Ort in Elbflorenz!
Die monolithischen Flusspfeiler bei Grassl sind für mich schon der ausschlaggebende Punkt, warum für mich nur Grassl in Betracht kommt. Des Weiteren arbeitet Grassl nicht nur alibimäßig mit Sandstein, sondern kontinuierlich! Nicht wie bei FHECOR, wo nur die Pfeiler aus Sandstein sind und der Rest Stahl und Beton. Außerdem empfinde ich die Kanzeln als sehr galant und gelungen in die Brücke mit den Pfeilern integriert!
Zu verbessern gibt es aber noch ein paar Dinge, die aber ausschlaggebend für das Erscheinungsbild sind:
- Die Kanzeln sollten mit Balustraden aus Sandstein, anstatt der Metallgeländer, versehen werden (am Besten eine Reko derer wie bei der Königin-Carola-Brücke)
- Die Geländer müssen in gleicher oder angelehnter Form wie bei der ersten Brücke kommen
- und die Laternen müssen klassich angehaucht sein, ähnlich wie bei der Augustusbrücke
- und ich wünsche mir nur eine Autospur je Richtung

Wenn die Brücke dann so kommt, dann hätten wir es mal wieder geschafft, verlorene architektonische Schätze in klassischer und zeitgemäßer Form und Anforderungen dem Stadtbild von Elbflorenz zurückgegeben zu haben.
-
Die Dicke der Unterbögen differiert auch stark zwischen Grassl und LAP, wie kann das sein? Grassl dick und LAP superdünn.
Das könnte vielleicht daran liegen, dass du bei deinen Screenshots nicht die exakt gleiche Perspektive gewählt hast, näher an GRASSL. Näheres wird größer. Vielleicht auch an den unterschiedlichen Darstellungsweisen der Modelle.
Jedenfalls ist der Untergurt bei GRASSL am kleinsten, das heißt, die Scheitelhöhe derer Bogenöffnungen weiter oben als bei LAP. Oder anders gesagt: bei LAP ist sind die schmalsten Stellen der Brücke dicker als bei GRASSL (dort nur zwei Meter). GRASSL hat aber Bögen, nicht nur Vouten: Durch die stärkere Rundung wird in diesen Bereichen mehr Sicht angeschnitten. Mir ist aber die Sicht auf einen Bogen wichtiger als die Sicht unter einem Balken hindurch auf ein paar Baumwipfel.
Ich finde auch bei deinen beiden Vergleichsansichten GRASSL deutlich eleganter, was natürlich Geschmackssache ist. Die vertikale Gliederung durch die Pfeiler ist m. E. essenziell und konkurrenzlos. Alles andere ist mehr Concorde als Altstadtbrücke. Anderswo fände ich die anderen Entwürfe durchweg sehr in Ordnung, wenngleich FHECOR eine Skurrilität bleibt.
Was in dem Vergleich auch deutlich wird: egal wie man zur Höhe und Ausformung der Leucht-/Tram-Masten steht (die ja nicht final sind), die Idee von GRASSL bzw. ihren Verkehrsplanern Vössing, beide Funktionen in einem Mast zusammenzufassen, ist eine Wohltat. Unzählige Masten stören die Ansicht und auch den Durchblick schon sehr. Eine gewisse Höhe wird sich bei allen nicht vermeiden lassen. Bundesstraße und Straßenbahn fordern Tribut.
-
In der Vorlage für den Bauausschuss im Stadtrat gibt es eine Präsentation (https://ratsinfo.dresden.de/getfile.asp?id=893076&type=do), welche die 4 Brückenentwürfe in bisher noch nicht gezeigten graphischen Darstellungen untereinander und mit der Carolabrücke 2.0 vergleicht.
Auch wenn ich für die Brücke von Grassl weiterhin große Sympathien habe, bleibt LAP mein Favorit. Diese Brücke erfüllt in meinen Augen alle Kriterien am Besten.
-
Die Unteransichten der Bögen und Konstruktionen sind faszinierend. Gut, dass das gezeigt wird.
-
Danke für den Link!
Da geht mir schon wieder der Puls hoch, obwohl ich die Folien von Fotos schon kenne. Was man darin lesen kann, steht teils auch in krassem Widerspruch zu dem, was gestern beim Brückencafé gesagt wurde. Zur Ausschreibung sowieso.
Sowohl Prof. Marx als auch Holger Kalbe, Abteilungsleiter für Brücken- und Ingenieurbauwerke haben gestern klar und mehrfach gesagt, dass bei FHECOR "erhebliche" Genehmigungsrisiken bestehen. Oder anders gesagt, geht dieser Entwurf nicht als Ersatzneubau durch.
Witzigerweise ist die Stadtratsfolie sogar das Eingeständnis dessen, aber wer liest so genau? "Keine erhöhte Gefahr für Planfeststellung" steht darin. Ob der Stadtrat schon vergessen hat, dass er keine Planfeststellung, sondern einen Ersatzneubau bestellt hat?
Gestern konnte man auch mit dem Mitarbeiter der Stadt durch die Ausstellung laufen, der die Verkehrs-Querschnitte geprüft hatte. Ich war überrascht über die Klarheit dessen Aussagen: Der Querschnitt von GRASSL sei derjenige ohne Probleme, während die anderen zu geringe Breiten, fehlende Abstände oder technisch schwierige Lösungen anböten. Findet man etwas davon in der Präsentation für den Rat oder im Votum des Expertengremiums?
Interessant, aber nicht öffentlich ist auch, wer die Kosteneinordnungen gemacht hat. Das Expertengremium? Die beiden externen Ingenieurbüros in der Vorprüfung? Nein, das hat die Stadtverwaltung selbst gemacht. Das heißt wahrscheinlich, genau weiß man das leider nicht, dass die einfach die schlichten Mengen der benötigten Materialien genommen und mit Einheitspreisen hochgerechnet haben, wobei es bei diesen Einheitspreisen große Spannen gibt.
Laut Herrn Kalbe hat GRASSL den detailliertesten Entwurf vorgelegt. Das heißt auch, die haben alle Bauteile einzeln kalkuliert und sich dabei an aktuellen Referenzprojekten orientiert. Und dabei geht es nicht nur um die reine Menge, sondern ganz erheblich um Fertigungs-, Transport- und Montagekosten. Es ist ein großer Unterschied, ob Spezialbleche benötigt werden, viel geschweißt werden muss, die Vormontage auf der Baustelle und nicht im Werk stattfindet, zum Einheben großer Bauteile Raupenkräne benötigt werden usw. Eine kalkulatorische Prüfung Pi mal Daumen oder "aus Erfahrungswerten, was solche Brücken kosten", wie Herr Marx sagt, wird den Unterschieden der Konstruktionen nicht gerecht.
Ja, die Brücke von LAP hat den Anspruch, ein Kompromiss zu sein. Genau so hat es Marx gestern auch formuliert. Das erkenne ich an, sie haben sich wirklich um Solidität bemüht. Allerdings finde ich einen Kompromiss der Dresdner Altstadt nicht angemessen.
Ob man deren Durchlaufträger optisch toll findet, ist Geschmackssache. Dass dieser Entwurf jedoch nach Schüßler die breiteste Auffächerung auf Altstadtseite zeigt, nehme ich ihnen übel. Auch die Zementierung der Busgarage an diesem Ort und das extreme Aufwühlen der Landschaft rund um die Brückenköpfe finde ich ehrlich gesagt schrecklich. Der Mastenwald ist bei LAP besonders ausgeprägt und die Querschnittsbreite wird sich noch erhöhen müssen. Zudem ist dieser Entwurf nicht nur der teuerste, sondern - sogar laut Fach-Votum - neben FHECOR der wartungsintensivste. Man braucht sich die Konstruktionen nur eine Minute lang anzuschauen und versteht, warum das so ist.
Achtet übrigens mal, wenn ihr in der Ausstellung seid, darauf, wie die Entwässerungen geführt werden. Das ist für die Haltbarkeit von Stahlteilen ziemlich wichtig. Wer das nicht von Beginn an berücksichtigt hat, wird es ziemlich schwer haben, das noch zu ändern. Der Platz ist begrenzt und das nötige Gefälle unbestechlich. Drei von vier führen die Entwässerungen durch ihre Stahl-Hohlkästen.
-
Die Unteransichten der Bögen und Konstruktionen sind faszinierend. Gut, dass das gezeigt wird.
Ja, das ist jeweils eine Ansicht der Brücke. Die wichtigste, so wie es die Präsentation suggeriert? Oder nicht eher die unwichtigste, weil sich niemand, egal bei welchem Entwurf, dort unten anders als zur einminütigen Durchquerung aufhalten wird?
Ich finde es geradezu irrsinnig, dass die zehn von der Stadt berufenen Fachleute in ihrem Votum so stark auf diesen einen Blickwinkel sowie noch auf den Blickwinkel von der (erhöhten!) Albertbrücke abheben, während der Blick von den Elbwiesen zur Silhouette oder von der Brühlschen Terrasse ins Elbtal keinerlei Rolle spielt und der Städtebau an den Brückenköpfen nur am Rande thematisiert wurde.
-
Die vier Entwürfe sind in Details einfach so derart unterschiedlich, dass es objektiv kaum gelingen wird, sich als Masse aus Experten, Bürgern und Architekten zufriedenstellend auf einen Entwurf, so wie er ist, zu einigen.
Im Grunde bedürfte es, unter Abwägung aller berechtigten Interessen, einer quasi eklektizistischen Entwurfsfindung, bei dem alle beteiligen Büros gemeinsam einen finalen Entwurf aus ihren bisherigen Vorlagen ausarbeiten.
Allein das wird nicht passieren, insofern habe auch ich das ungute Gefühl, dass es sich beim Bürgerdialog überwiegend nur noch um eine Formalität handelt und eine Festlegung auf Basis der größten Schnittmenge an übereinstimmenden Ansichten von Planern, Architekten und Stadtverantwortlichen hinter den Kulissen bereits so gut wie erfolgt ist.
-