Beiträge von Lipsian

    Dekoratives Anführungszeichen

    Auch wenn die Ambitionen für die Veränderung des Platzes wirklich gut sind, verstehe ich den Sinn einer künstlichen Sumpfmulde an diesem Standort und in einer der trockensten Gegenden in Deutschland so wirklich überhaupt nicht. Anstatt die Flora auf lange Trockenperioden und kurze Starkregen-Phasen auszurichten.


    Vielleicht möchte der Stadtrat dort künftig seine Pause verbringen oder tagen...aus dem Sumpf in den Sumpf sozusagen. Ist aber nur eine Vermutung.

    Die vier Entwürfe sind in Details einfach so derart unterschiedlich, dass es objektiv kaum gelingen wird, sich als Masse aus Experten, Bürgern und Architekten zufriedenstellend auf einen Entwurf, so wie er ist, zu einigen.

    Im Grunde bedürfte es, unter Abwägung aller berechtigten Interessen, einer quasi eklektizistischen Entwurfsfindung, bei dem alle beteiligen Büros gemeinsam einen finalen Entwurf aus ihren bisherigen Vorlagen ausarbeiten.

    Allein das wird nicht passieren, insofern habe auch ich das ungute Gefühl, dass es sich beim Bürgerdialog überwiegend nur noch um eine Formalität handelt und eine Festlegung auf Basis der größten Schnittmenge an übereinstimmenden Ansichten von Planern, Architekten und Stadtverantwortlichen hinter den Kulissen bereits so gut wie erfolgt ist.

    Das wäre in der Tat wahrscheinlich das beste Konzept für eine zukünftige Nutzung.

    Da es so aussieht als ob unter dem Wasserauslauf ein neuer? Ablauf im Boden installiert ist und die Fläche ringsum irgendwie unfertig aussieht (kein Pflaster) ,hoffe ich zumindest, dass sich da doch noch mal was tun wird.

    Ein Anschluss ans Wassernetz wäre immerhin schon mal ein großer Schritt, allerdings hilft das dem Zustand der historischen Substanz noch nicht weiter, zumal sich an eine erneuerte Entnahmestelle seitens der Stadt auch einfach ein moderner Wasserspender anschließen ließe.

    (dürfte aufgrund der Haushaltslage zwar nicht passieren, eine Restaurierung allerdings vermutlich bis auf Weiteres auch nicht)

    Schade, dass sich bislang niemand für die historische Pumpe am Platz Hofmeisterstr. zu interessieren scheint.

    Eine Restauration mit idealerweise Funktionsertüchtigung wäre ein Stück Traditions- bzw Identitätspflege für Leipzig.

    Wenn schon fast alle Kandelaber, Abtritte und sonstige Stadtmöblierung der Zeit um 1900 herum verschwunden ist, scheinen mit diese Pumpen, die ja ebenso an vielen Stellen standen, umso wertvoller als letzte verbliebene Originalstücke.

    Man möge mich hinsichtlich der Erhaltung der Pumpe (~n, es gib ja derer noch mehrere) gerne berichtigen, aber vermutlich wird man wie so oft erst den Verlust bedauern wenn es zu spät und das Objekt verschwunden ist.

    Tatsächlich, wenn man das Gebäude zb. mit tief angefasten Betonplatten verkleiden würde analog dem Muster der Schalung("Schokotafel") und die Lichtöffnungen mit mittelformatiger quadratischer Vergitterung verschließen, dann hätte man schon fast einen Vertreter des Brutalismus.

    Umso spannender,was die tatsächliche Fassadengestaltung dann für einen Eindruck machen wird.

    Ungeachtet dieses Falles, manchmal hat man wirklich den Eindruck, der Denkmalschutz ist von einer Hilfe zu einer Plage verkommen. Kleinlich, unflexibel, teils ideologisiert...wenn unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten ebenso vorgegangen wären...nix mit Zeitschichten, nix mit substanzerhaltenden Kompromissen oder "memorablen" Rekonstruktionen, dann

    hätten wir heute einfach viele Denkmale gar nicht mehr und der Rest wäre ein kuratiertes Panoptikum.

    Auch wieder wahr.

    Wobei...für läppische 100Mio+ p.a. gibt's bei den Briten aber wesentlich mehr Lametta.

    Und diesen Wunsch nach Prunk hat ja auch mancher kleine Staat in Mittelamerika oder Afrika. Da brauchen wir schon mindestens die größte Regierungszentrale der Welt.

    Insofern alles gut, da ohnehin nicht zu ändern und die Meinungen dazu dürfen ja gerne unterschiedlich sein.

    Jaja...das Kanzleramt...der niedrigste Elfenbeinturm der Welt...

    Natürlich spricht auf staatlicher Ebene nichts gegen eine gewisse Repräsentation, sie sollte aber mMn. proportional zur Entwicklung der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und internationalen Bedeutung des Landes wachsen und den Prinzipien der Sparsamkeit und Verhältnismäßigkeit folgen.

    (wenn man nun diesen Maßstab auf die Entwicklung D's...aber lassen wir das)

    Bei öffentlichen (Museen...) oder privatwirtschaftlichen Gebäuden mag das Argument der Refinanzierung durchaus zutreffen, dass jedoch ein nichtöffentliches, nicht-geschäftliches Gebäude im ungefähren Wert von über einer Mrd. Eur. (zzgl. der laufenden Kosten) in irgendeiner Weise diese Beträge "gesamtwirtschaftlich" wieder einspielt halte ich für unmöglich, zumal dafür keine objektiven kalkulatorischen Betrachtungen existieren.

    Immerhin, Alle denen bei diesem Bau Assoziationen mit Verschwendung und Größenwahn in den Sinn kommen, können sich jedoch vielleicht damit trösten, dass es wesentlich besser ist, Milliarden in dieses Gebäude zu versenken als für Waffen in alle Welt zu verschleudern.

    Nachdem ich mir die vier Präsentationen der beteiligten Planungsbüros im Livestream angeschaut habe, erlaube ich mir hier noch meine Eindrücke zu äußern:

    Der mMn. gestalterisch mit Abstand beste Entwurf war die erste Präsentation des Abends von TSSB.


    Das Konzept wirkte engagiert auf die den am Thema interessierten Bürgern wichtigen Aspekte eingehend und entsprach auch optisch am Ehesten dem, was man an diesem Bauplatz erwarten sollte.

    Der Entwurf bot trotz der fortgeschrittenen Formgebung noch Raum für Verbesserungen ohne sich zu verlieren.

    Die danach kommenden Vorstellungen waren insgesamt enttäuschend bis unbrauchbar und es war offensichtlich, dass Ingenieure mit Profilierungswillen am Werk waren aber keine Ästheten.


    Zumindest GRASSL, zwar noch ohne konkreten Enwurf, ließ durch die sehr umfangreiche Betrachtung der verschiedensten Aspekte des Themas auf einen gelungenen Entwurf im Mai hoffen.

    Schüßler‐Plan ließen jede Originalität vermissen, dafür wirkte der Ansatz, vor dem Hintergrund der Ausführung der eingestürzten Brücke erneut auf große Bogenweiten zu setzen immerhin fast amüsant.

    Der Knaller des Abends war jedoch für mich die letzte Vorstellung von Leonhardt, Andrä und Partner.


    Diese empfand ich als maximal unsensibel im Umgang mit Bauplatz und Aufgabenstellung, ja sogar manipulativ in der Behauptung, Bogenkonstruktionen könnten ja hinsichtlich des Lichtraumprofils gar nicht zur Ausführung kommen ( sind dann also alle solchen Konzepte völlig inkompetent?) und die abschließende Bemerkung, man könne ja schließlich auch eine Hängebrücke bauen, die allerdings niemand wollen könne, einen makaberen Ausdruck von Arroganz, denn eine solche Variante ist durch die Rahmenvorgaben des Stadtrats ja bereits ausgeschlossen.

    Sehr unsympathisch also das Ganze.

    Umso klarer erscheint Tssb als mein klarer Favorit, wenngleich die Visualisierung des Tragwerks von unten auch noch sehr massiv und geschlossen nach Autobahnbrücke aussieht, da würde ich mir wesentlich mehr Öffnung durch Einsatz von Verstrebungen, Stahlgitterbauweise usw. wünschen.


    Bleibt zu hoffen, dass vielleicht Grassl künftig einen Entwurf in gleicher Erscheinung, jedoch in filigranerer Gestaltung des Tragwerks präsentiert.

    Zumindest ist ein Eisen im Feuer und noch eine Hoffnung im Spiel, von den anderen Beiden ist dagegen m.A.n. nichts Gutes zu erwarten.

    Na immerhin. Könnte auch ein misshandelter Gründerzeitler sein.

    Insofern ein durchaus respektables Ergebnis und es zeigt, wie mit kleinen dekorativen Elementen und Rücksicht/Anpassungswillen auf den umgebenden Bestand viel rauszuholen ist.

    Leider fällt die Datailtiefe in die Seitenstraße hinein ab, was jedoch auf einen guten Gestaltungswillen, nur mit begrenzten Mitteln hindeutet.

    Ein kleiner Aufsatz auf die Ecke (zb. als Verkleidung für Funk‐ oder Haustechnik), in Form dem des gegenüberliegenden Eckbaus ähnelnd hätte das Bild vervollkommnet, aber das könnte eben dem Budget geschuldet sein und man könnte es ja bei Gelegenheit immer nachholen, der Baukörper gibt's jedenfalls her.

    Das ist Dir ganz bemerkenswert gut gelungen, Ziegel, Vielen Dank für die eindrücklichen Visualisierungen!

    Mit einer solchen Realisierung, in einem solchen Stil, unter Einbeziehung bzw. soweit räumlich wie finanziell möglichen rekonstruktiven Wiederherstellung der historischen Situation an den Brückenköpfen (Zuwegungen, Bauschmuck, Beleuchtung, Geländer...)

    sollten die Meisten, auch aus den Reihen der Kritiker und Verfechter einer hist. Reko zufrieden sein können.

    Entscheidend für das Gelingen dürfte sein, welche Proportionen man dem Ganzen gibt, welche Harmonie aus Fern- und Nahwirkung man idealerweise damit erzielen und wie man die gestalterischen Zeitschichten aus ggf. historischen Originalstücken(Sandsteinfiguren), modernen Materialien und historisierender Formensprache miteinander verbinden kann.

    Im Idealfall entsteht eine vielfältig nutzbare, ästhetisch ansprechende Brücke mit interessanten Details in Konstruktion und Ausführung wie zB. eine zweite Nutzungsebene für Fuß/Rad, wenn schon nicht im Tragwerk für den Beibehalt filigraner Proportionen, dann doch vielleicht unterhalb seitlich des Oberbaus, außen oder versteckt zwischen den beiden Zügen.

    Auch die Farbgebung des Tragwerks kann einen großen Einfluss auf die Erscheinung haben, zb. statt den üblichen Korrosionsschutzfarbtönen würde schon nur ein Bronzeton auch modernen Bauteilen wie Rohren, Seilen und Streben eine wesentlich wertigere Anmutung geben und das Einfügen des Bauwerks ins Umfeld befördern.

    Dazu vielleicht, wo möglich, im Uferbereich noch etwas Begrünung, Efeu oder Wein (hätte ohnehin Bezug zum Elbtal) um die Anbindung organischer zu gestalten, so könnte auch eine grundlegend moderne Brücke zu einem gelungenen Bauwerk werden, welches Dresdner wie Fremde gleichermaßen durch erlebbare ästhetische Nützlichkeit jedesmal aufs Neue erfreut anstatt immer Unmut über einen Fremdkörper zu erzeugen.

    Möglichkeiten in gestalterisch wie finanziell realistischem Rahmen gibt es jedenfalls auch trotz vieler Hürden.

    Ich danke Ziegel schon mal für seine Beteiligung am nächsten Mittwoch (so verstehe ich zumindest seine Formulierung)

    und wünsche eine verständige Gegenseite, welche den Wert qualifizierter Beteiligungen am Thema erkennt und annimmt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Dufourstraße 1 - 5

    Mittlerweile sieht es so aus:

    Ist das ein Motel in Beirut?

    Im Ernst, mich graust bei der Vorstellung, dass irgendwann in mehr oder weniger ferner Zukunft jegliche Altsubstanz gegen solche oder dann noch abstoßendere Bauten ersetzt werden wird.

    Einziger Verdienst dieser architektonischen Rudimente ist die zunehmende Dringlichkeit von Fassadenbegrünung.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Und zum Schluss noch die William-Zipperer-/Holteistraße:

    Ja, das entspricht schon viel mehr dem, was ich meine - ein paar Patzer zwar wie die Fallrohre und der schräg eingestochene Eingangsbereich aber sonst...Ziegelgelbe Farbgebung und traditioneller Baukörper, in Kubatur, Traufhöhe und Dachlandschaft die Umgebungsbauten weitgehend berücksichtigend, ein paar moderne Elemente wie die zusammengefassten Balkone über der gleich breiten Einfahrt, das macht im großen und ganzen einen angenehmen Eindruck.

    Mit etwas mehr Ornamentik und dem ein oder anderen Kniff wie braunen Fallrohren, Feldern mit gleichfarbigen Details unterhalb der Fenster und vielleicht abgerundeten Balkonecken und Faschen (analog zu den Brüstungsrohren) hätte man der Fassade noch mehr Plastizität verleihen können, aber das ist hinsichtlich der sonstigen Exempel schon Nörgeln auf hohem Niveau und nichts, was man später nicht noch ändern könnte.

    Alles in Allem also, rein äußerlich kann ich das durchaus abnicken, gefällt mir.

    Dekoratives Anführungszeichen

    irgendwie erinnert mich der Bau an Gebäude aus den 20-er und 30-er Jahren ...

    Mich zuerst auch, ich habe darüber dann - auch generell - eine Weile hin und her überlegt und finde nun, eher doch nicht.

    Diese schmucklose, kunstfreie Formensprache,

    beschränkt auf Flachdach, Gesimsgliederungen, hellen Fassaden mit dunkel abgesetztem Erdgeschoss/Fensterrahmen/Balkongittern grassiert ja seit etwa 15-20 Jahren landauf, landab im Wohnungsbau und gibt bei gehäuftem Auftreten manchen Stadtvierteln entgegen den warm ausgeleuchteten Visualisierungen in der Realität schon einen so unpersönlichen wie billigen "Nahost-Touch".

    (da mir dies insbesondere hierzulande aufgefallen ist und wenn mich der Eindruck nicht täuscht, zeitlich beginnend etwa in die Ära Merkel fällt, könnte man diese Strömung etwas humorvoll auch Merkelinismus nennen ^.^)

    Für klassische Moderne nicht klar und raffiniert genug und für wahre Modernität nicht visionär genug scheint es mir nichts anderes als ein Aufgreifen und Interpretieren des

    Sozialistischen Klassizismus mit moderneren Materialien und noch vereinfachteren Formen.

    Stilmittel wie eckige Pfeiler an Erkern/Mittelrisaliten in Pseudo-Kolossalgliederung, horizontale Gesimse zwischen vertikal ausgerichteten Rasterfassaden u. Ä. finden sich ja nicht zufällig auch an Bauwerken im stalinistischen Zuckerbäckerstil.

    Ich finde, gemeinsam ist beiden, also dem, ich sage mal 'zeitgenössischen Investorenstil' und dem Soz. Klassizism. das Abgehen einer 'humanen Ebene'.

    Da ist nichts, was dem Auge Halt und dem Empfinden ein Heimatgefühl gibt.

    Nichts, was zB. den Eindruck der Jahreszeiten aufgreifen und moderieren, im Sommer Luftigkeit, Schatten, Ruhe, Kühle und im Winter Schutz und Wärme vermitteln kann.

    Weder aus sich selbst heraus noch durch das Zusammenspiel mit dem Umfeld.

    Dazu bedürfte es (neben ggf. mehr Rücksicht auf das gewachsene Umfeld) gestalterischer Mittel im Detail, auf der Ebene unterhalb/bis Geschosshöhe, also im physischen menschlichen Maßstab.

    Jedes Gründerzeithaus kann das genau deshalb um Welten besser.

    Nun ist der Klassizismus, besonders mit seinen Vorbildern der antiken Monumentalarchitektur ohnehin nicht die beste Voraussetzung dafür, aber während dieser, wenn gelungen, solche Details und Größenskalen noch beachtete und die klassische Moderne des Bauhauses ihre Wirkung aus dem Zusammenwirken mit ihrem Umfeld reflektierte, hat der Sozialistische Klassizismus all das wegrationalisiert und sich selbst Maß und Menschlichkeit genommen.

    Da er sich nun mit seinen so beschränkten Möglichkeiten nur selbst rezitieren kann, dreht er sich entsprechend auch nur im Kreis und bietet keine Anknüpfungspunkte für eine als ansprechend empfindbare Weiterentwicklung.

    Umso bedauerlicher finde ich es, dass diese 'kurze architektonische Sackgasse' nun nochmals so beliebt scheint und zeitgenössische Architekten mit diesem 'schlechten Wein in neuen Schläuchen', als modern, elegant, zeitlos gepriesen, erfolgreich sind und offenbar gar nicht merken(oder ~wollen), dass sie sich mit der endlosen Repetition der immer gleichen Kästen auf der Stelle bewegen und dem Menschen keinen wirklichen Dienst erweisen.

    (die Faktoren Kostendruck und bürokrat. Vorgaben mögen ebenso eine Rolle spielen, sollten aber nicht verhindern, dass bei annähernd vergleichbarem Aufwand mit den heutigen baulichen Möglichkeiten oft weit Besseres realisierbar wäre)

    Ich habe wirklich nichts gegen moderne Architektur, solange sie wie o. g. qualitativ gelungen ist und sich an geeignetem Standort, also harmonisch ins bauliche/natürliche Umfeld einfügt, was jedoch leider allzu selten vorkommt und die Hauptdilemmata sind, die Architekturinteressierte oft zu Kritik veranlassen.

    (neben dem verlorenen Umstand, dass bis in den Jugenstil hinein ein Neubau idR. (und an exponierter Stelle sowieso) einfach repräsentativer als sein Vorgänger ausgeführt wurde, was quasi gesetzmäßig zum archit. Aufblühen der Städte führte)

    Also nein, für mich ist dieses Gebäude (und alle vergleichbaren Typs) keine gelungene Aufführung sondern ein weiteres Produkt der o.g. Problematik.

    Ich bitte allerseits um Nachsicht für den langen Text, konnte meine Überlegungen nicht kürzer verfassen und danke allen Geduldigen fürs Lesen.

    Na immerhin. Dann muss eben die Farbfassung was retten.

    Mit passender Auswahl der Klinker und Farben der Putzflächen könnte man zumindest eine Assoziation mit dem Stil der frühen Moderne/1920er Jahren hinbekommen.

    Das S/W Rendering sieht jedenfalls aus wie ein Druck aus dieser Zeit (fehlen nur ein paar schnittige Oldtimer auf den Straßen).

    Dekoratives Anführungszeichen

    Für den geplanten Neubau von 93 Wohnungen der LWB in der Judith-Auer-Str. gibt es eine -m.W.n. hier noch nicht gezeigte- neue Visualisierung.

    Bei jener drängt sich ein Alternativtext geradezu auf :

    Zur erfolgreichen Beendigung des XIV. Fünfjahrplans präsentiert die Abteilung Planung und Entwicklung des Kollektivs des zentralen Wohnungsbauprogramms seinen neuen Entwurf, der bereits vor Mitte nächsten Jahres planmäßig in allen Bezirken unserer Republik realisiert wird und die Wohnqualität unserer Werktätigen weiter verbessert.

    Der Leipziger Witz wird schon eine passende Interpretation für das FED finden.

    Die Leere der Transparente als Freiheitsausdruck zu interpretieren kann man in der Tat ebenso diametral sehen, als Ausdruck der Sprachlosigkeit in Zeiten der, allgegenwärtiger Political Correctness, Wokeness und Shitstürmen gegenüberstehenden großen Probleme unserer Zeit.

    Aktuell scheint mir diese Auslegung passender als historische Parolen.

    Eine Verengung des Freiheitsdenkmals auf die Demonstrationsfreiheit aufgrund dessen Form fände ich überdies abwegig, denn um diese ging es ja bei den Kundgebungen und den Parolen auf den Transparenten, besonders anfangs, gar nicht hauptsächlich sondern mehr um Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, Bürgerrechte, freie Wahlen, die Bekräftigung des Souveräns und erst später auch um die Einheit.

    Zum Völkerschlachtdenkmal und seiner Lesart gibt es ja eine Menge Interpretationen.

    Wenn man sich vorstellt, dass zur Zeit des Geschehens sich eine bis dahin nie dagewesene Menge an Truppen, Kampfhandlungen etc. in und bis weit um die Stadt herum entfaltete, kann man den Eindruck auf die Bevölkerung wohl nur schwer oder besser gar nicht nachvollziehen.

    Es mag, mit dem Pulverdampf, dem Kanonenlärm und den Bränden aus der Ferne betrachtet, für Augenzeugen wohl wie ein gewaltiges Unwetter gewirkt haben, dem man sich besser nicht weiter näherte.

    Genau diese beklemmende Stimmung kann das Völkerschlachtdenkmal wie kein anderer Entwurf dem Besucher fühlbar machen.

    Man sieht von Weitem schon die schiere Baumasse, wird von den Besucherströmen näher geschoben, wird zum winzigen Zahnrad im großen Kriegsgetriebe, fühlt die Härte und Unnachgiebigkeit des Steins, kann von den Treppen und Plateaus nicht einfach schnell verschwinden, so, wie auch die Soldaten damals sich dem Gemetzel nicht entziehen konnten. Man fügt sich dem Geschehen, fühlt sich klein.

    Und dann umfängt einen im Inneren diese Stille und Kühle, egal, wie warm es draußen sein mag.

    Dazu die Masken der sterbenden Krieger...so erging es den getroffenen Soldaten, denen im Sterben kalt wurde und das Geschehen ringsum jede Bedeutung verlor.

    Und es stimmt, kein Feldherr wurde hier namentlich oder figürlich geehrt, sondern dem hunderttausendfach gestorbenen einfachen Soldaten, der großen Masse und ihrem traurigen Schicksal.

    Vielmehr wurde auch versucht, Trost darin auszudrücken, dass mit dem Sieg bei Leipzig das Opfer der Soldaten für Befreiung von Fremdherrschaft nicht vergeblich gewesen war.

    Auch diese Mühsal kann der Besucher zu einem winzigen Teil nacherleben, wenn er sich die vielen Stufen nach oben aufmacht und von der Aussichtpattform einen Blick über das damals befreite Land werfen kann.

    Die Formen- und Bildsprache des Völkerschlachtdenkmals ist ein Abbild seiner Entstehungsepoche, über die es schon zu Bauzeiten geteilte Meinungen gab. Die vielen feinen Fäden zeitgeistlicher Strömungen, welche da hineinspielten, will ich da gar nicht auffassen.

    In seiner Konzeption jedoch, das bis dahin unfassbare Geschehen durch Materialwahl und räumliche Aufführung von Monumentalität physisch und emotional erlebbar zu machen, kann man die Umsetzung aber durchaus als Genial bezeichnen.

    Und letztlich auch durch die immerwährende Auseinandersetzung mit ihm zeigt das Völkerschlachtdenkmal, dass seine mahnende und gedenkende Aufgabe in der realisierten Form vollkommen gelungen ist.

    Vielleicht hilft ja die obige Interpretation dem ein oder anderen zu neuen Ansichten über das Denkmal, das bei genauerer Betrachtung eben alles andere als ein abstoßender Koloss ist.

    Den Ansatz des räumlichen Erlebens auf den Denkmalsentwurf für den Leuschnerplatz übertragen, könnte ich mir einerseits schon vorstellen, dass bei ausreichender Frequentierung des Denkmalsplatzes ein gewisser "Demonstrationseffekt" für die Besucher erlebbar werden könnte.

    Dazu bedürfte es neben genügend hoher Besucheranzahl jedoch auch authentischer und aktueller Beschriftungen auf den Transparenten.

    In einer gut besuchten Straße wie zb. der Grimmaischen anstatt auf einem expliziten Denkmalsplatz würde der Effekt wahrscheinlich besser und leichter erzielbar sein.