Beiträge von Arwed

    Civitas Fortis und Dunkel_Ich, diese Argumente kenne ich, finde sie aber trotzdem nicht richtig. Die Moritzstraße zu einer schmalen Gasse zu machen, die in einen Hinterhof führt, finde ich komplett falsch. Diese Straße war wesentlich für die Gestaltprägung des Neumarktes (das Wissen um die geschichtlichen Hintergründe setze ich mal voraus). Die Wohnzeilen an der Wilsdruffer werden noch lange stehen und sind ja auch nicht schlecht. Aber ewig müssen sie auch nicht bleiben. Das verschobene Hotel wird hier einen Zustand zementieren, der nicht weiter festgeschrieben werden sollte. Die Verschiebung ist aus jeder nur denkbaren Sichtweise falsch und würde selbst eine handwerklich gut gemachte Rekonstruktion entwerten (beim Narrenhäusel sehe ich das genauso). Zudem darf Städtebau niemals nur von einer Seite, in dem Fall vom Neumarkt, betrachtet werden. Klar muss auch für die Seite von der Wilsdruffer Straße eine möglichst gute Lösung gefunden werden und die sehe ich hier gar nicht.

    Den Verweis auf den Werkstattbeitrag von DD1 verstehe ich an dieser Stelle gar nicht. Dieser Entwurf war toll und vereinigt alles in sich, was die Planung des ohne Bezug zur Historie in die Lücke gequetschten Hotels als Solitär nicht hätte. Ich möchte das Hotel ganz ehrlich auch, aber nicht zu diesem Preis.

    So schön das Hotel Stadt Rom auch war und wieder sein könnte, hier geht es doch um viel mehr als nur um die Befindlichkeiten in der Dresdner Verwaltung. Auch die paar Bäume sind nicht wirklich das Problem. Viel schwerer wiegt, dass das Hotel aus baurechtlichen Gründen nicht am originalen Standort errichtet werden kann. Das war aber in all den Jahren am Neumarkt der Minimalkonsens. Die Moritzstraße wäre damit für alle Zeiten verbaut. Problematisch ist zudem auch, dass der Zugang zum Neumarkt von Süden, also von der Wilsdruffer Straße aus, regelrecht zugestellt würde. Die Befürworter des Hotel Stadt Roms sehen leider nur das Bild vom Neumarkt und ignorieren alles andere.

    Das Carbonbetonhaus ist ja zudem ein Experiment. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis da alle Kinderkrankheiten beseitigt werden. Carbonbeton bietet aber derart viele Möglichkeiten, dass man da keine Mühen scheuen darf.

    Himmel, jeder der möglichen Standorte wäre eine traumhafte Bauaufgabe und wahnsinnig wichtig für die städtebauliche Entwicklung der Stadt. Jeder wäre es wert bebaut zu werden. Die Ecke mit dem Pavillon könnte natürlich auch jedwede andere Nutzung aufnehmen. Der Bahnhof muss genauso wie der fehlende Flügel des Landhauses für eine öffentliche Nutzung reserviert werden. Für den Landhausflügel hatte ich mal die Idee, hier das Standesamt unterzubringen, weil der Saal des Landhauses als Trauort genutzt wird. Dort den jüdischen Teil der Stadtgeschichte zu zeigen, fände ich aber auch sehr gut. Der Bahnhof repräsentiert nur einen kurzen aber schrecklichen Teil der jüdischen Stadtgeschichte. Da wäre mir der Focus auf den Leipziger Bahnhof als einen der beiden ersten Fernbahnhöfe Deutschlands lieber. Was auch immer passiert, wenn denn etwas getan wird, ein Gewinn für Dresden wäre es in jedem Fall.

    Eine Verlängerung der Südallee fände ich zwar ebenfalls sehr spannend. Ich denke aber nicht, dass es dazu je kommen wird. Die war zumindest schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr in der vollen Länge vorhanden und wurde mit der Umgestaltung des Großen Gartens zum Landschaftspark mit der Wirtschaftsallee an die Hauptallee angebunden. (Ganz ohne Beleg frage ich mich, ob die Südallee je vollständig gepflanzt war oder nur die Absicht bestand). Auf jeden Fall wird sicher im Bereich des bisherigen SGD- Trainingsgeländes die Gestaltung des späten 19. Jahrhunderts wiederhergestellt werden.

    Zuerst einmal drücke ich meiner Heimatstadt Plauen die Daumen, dass das Tandem Leipzig/Plauen den Zuschlag bekommen wird. Für Leipzig wäre das sicher nur „nice to have“, für Plauen aber ein riesiger Gewinn, auch wenn die Stadt nur der Juniorpartner sein würde.
    Weil hier in den Kommentaren der Erfolg der Einigung Deutschland hinterfragt wird, frage ich, warum nicht gerade das eines der Forschungsinhalte dieser Einrichtung sein wird.

    Die Bebauung dieser Ecke ist richtig toll. Das ist ein sehr schmerzhaftes Loch. Die Höhe geht für mich in Ordnung, allerdings wäre es für mich ein Muss, die Höhe zu den Nachbarn herunterzustufen und das nicht erst mit der Brandwand zu machen. Im Detail ist der Entwurf arg grobschlächtig und die Farbe furchtbar. Ich hoffe aber, dass da noch etwas passieren wird.

    Ja, das ist sicher richtig. Besser ein Kompromiss als Stillstand. Es wäre nur erträglicher, wenn es irgendwo in Dresden mal anders laufen würde (siehe Postplatz, Lingnerstadt, Packhofviertel, Hafencity, usw.)

    Wenn überhaupt etwas dort passiert, wird das sicher genauso werden. Aber ist das die hohe Schule des Städtebaus, ein halbgarer Kompromiss? Auf der einen Seite stehen die Platten bei denen eigentlich nichts mehr ist wie bei ihrer Errichtung. Auf der anderen Seite kommen (natürlich blockweise gebaut) Neubauten und dazwischen einige Rekonstruktionen. Die Straße bleibt so breit wie sie jetzt ist, weil die Radwege den Platz der eingesparten Straßenbreite übernehmen.

    Abgesehen davon, dass einige Leute in Dresden um jeden Meter Straßenbreite kämpfen, als würde das Abendland davon abhängen, geht es ja bei weitem nicht nur um die Straße. Es gibt Akteure, die wollen im Prinzip die Planung aus den 70ern beibehalten und möglichst nicht einmal die Bebauung südlich der Straße zulassen. Andere wollen soviel Barock wie möglich und werfen immer wieder die Tunnellösung in den Raum. Die DVB will keine gemeinsame Spur mit der Straße zulassen und will auch bei den Haltestellen keine Kompromisse zulassen. Die Reihe kann man endlos fortsetzen.

    Dazu kommt noch ein personell extrem schwach aufgestelltes Stadtplanungsamt, die Dresdner Verkehrsbetriebe, Akteure wie der Neumarktverein und das Landesamt für Denkmalpflege.

    Der Neustädter Markt hätte das Zeug ein ganz wunderbarer Stadtraum zu werden, aber was das bedeutet, daran scheiden sich schon die Geister.

    arnold, ich muss jetzt leider mal sarkastisch werden: Dresden macht städtebauliche Wettbewerbe grundsätzlich nur für die Galerie. Ob irgendetwas aus diesem Wettbewerb tatsächlich umgesetzt wird, ist leider aus Erfahrung extrem ungewiss.
    Am Neustädter Markt zerren so viele Interessengruppen herum, dass da leider nichts Gutes entstehen kann.
    Es ist absolut OK, dass das Hotel hier erstmal los legt. Eine Realisierung irgendeiner Bebauung, ob als Rekonstruktion oder als moderner Entwurf, ist in weiter Ferne. Sollte es da doch mal los gehen, wird man die Einfahrt aber schon integrieren können.

    Der Kritik an den Fassaden stimme ich komplett zu. Was für den ersten Bauabschnitt im Rieseninnhof ja noch annehmbar war, das war es für die Fassaden an einer der wichtigsten Straßen der Stadt definitiv nicht mehr (nutzungstechnisch ist das Problem einer Straße fast ohne Eingänge ja noch viel schlimmer). Aber wie sollte man die ECE dazu bringen hier auch nur einen Euro zu investieren. Die verlegen eher neue Bodenplatten in der Galerie.

    Bei den Chemnitzer Industriedenkmalen kommt mir die Hartmannhalle an der Fabrikstraße etwas zu kurz. Nachdem da wohl nicht alles ganz glatt lief (ob die Dachkonstruktion von Anfang an erneuert werden sollte), geht’s da jetzt sichtbar voran. Anfang der Woche wurde die historische Kranbahn wieder in die Halle gehoben und dann mit dem Bau der neuen Sheddachkonstruktion begonnen. https://www.mdr.de/nachrichten…kulturhauptstadt-100.html

    Falls nicht allgemein bekannt: Die starken Abplatzungen und die roten Verfärbung des Sandsteins sind sehr deutliche Spuren eines Feuers. Ich vermute, dass man sich bewusst dafür entschieden hat, diese Spuren der Zerstörung zu belassen. Natürlich ist in Dresden insgesamt der Krieg erkennbar, an Hochbauten aber eigentlich gar nicht so oft. Ich kann es also gut nachvollziehen, wenn das so bleiben soll.

    Der Büroteil am Platz sieht super aus und wird im Zusammenhang mit dem Rathaus ein schönes Ensemble ergeben. Der Hotelflügel mit seinen niedrigen Geschosshöhen ist eher mittelmäßig. Ich hoffe, dass die entwerfenden Architekten KLM auch die Ausführungsplanung machen konnten. Auf deren Homepage steht, dass die nur die Vorplanung gemacht haben. Hoffentlich sind die nur hinterher bei der Aktualisierung. Wenn das jemand anderes weiter geplant hat, ist das meistens eher nicht förderlich.

    Richtig, insbesondere in der Johannstadt wurde ja das einst regelmäßige Straßenraster der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen beraubt. Auch die benachbarte Arnoldstraße musste erst wiederhergestellt werden. Die Johannstadt ist städtebaulich und architektonisch weitgehend eine Katastrophe. Da stimmt nicht viel. Als Gegenbeispiel für eine gut funktionierende Plattenbausiedlung möchte ich Gorbitz nennen. Hier gibt es die Erschließungsringe für die Wohnblöcke und mittendrin die Höhenpromenade als Fußgängerbereich. In der Johannstadt fehlt das aber. Hier gibt es aber die Chance, da etwas draus zu machen.

    Prima, können wir das Forum also dicht machen?

    Nein, können wir nicht. Es ist nicht alles gesagt. Im winzig kleinen Denkhorizont einiger Foristen hier (Stadtträumer gehört da zweifellos dazu), gibt es nur schwarz und weiß. Differenzierung ist da nicht drin.

    Wie wäre es z.B. mit der Überlegung, dass die Wohngebäude der WiD auf kostentreibende Bauteile verzichten (Tiefgarage, große Balkone), die normalen Investoren mit ihren Gebäuden aber einen anderen Weg gehen? Ist es zu viel verlangt, nicht einfach alles an Neubauten einfach nur ohne Differenzierung als Würfel abzutun?