Beiträge von Arwed

    Radlaus, Juergen_DD schreibt ja bereits welche Prozesse hier laufen.
    Letztlich wird das eine rein politische Entscheidung. Die Mehrheit des Rates wird entsprechend der von diesen Ratsmitgliedern gewählten Wählergruppe entscheiden. Eine erhebliche Zahl der Dresdner sieht Stadtentwicklung leider vorrangig aus der Perspektive des Autofahrers. Das ist sehr schade, aber leider ein Fakt.
    Ich hoffe, dass die Ratsmehrheit den Horizont etwas weitet und auf die Verkehrsplaner hört, welche die Leistungsfähigkeit der Elbquerung nicht von der Brückenbreite abhängig sieht, sowie von den Ingenieuren, die die Baukosten direkt auf eben diese Breite zurückführt.
    Falls das doch zu keinem Umdenken der Verantwortlichen führt, hoffe ich einfach auf den bestmöglichen Kompromiss aus einer (zu) breiten aber gleichzeitig möglichst ästhetischen Brücke.

    Es klingt ja wirklich schlüssig, was Ihr von der Initiative Carolabrücke als Gegenberechnung zu der des Expertengremiums aufmacht. Mich würde aber tatsächlich einmal interessieren, woher Ihr die Kostenkennwerte für die Einzelpositionen, sowie die Bewertungsmaßstäbe für kostenintensive und günstigere Bauweisen nehmt. Für Gebäude habe ich schon einige Kostenberechnungen erstellt und habe dafür auch die Kennwerte vorliegen, aber die für eine Brücke könnte ich aus den beiden genannten Kriterien nicht einmal ansatzweise leisten.
    Wenn eine Gruppe von Fachleuten, die so etwas aber schon oft gemacht haben, nur kurze Zeit für eine Bewertung vorliegender Berechnungen braucht, wofür ein Zusammenschluss fachfremder Laien nach ein paar Wochen zu einem anderen Ergebnis kommt, finde ich das gar nicht so ungewöhnlich.

    Ihr stellt das Expertengremium so dar, als würden die auf Teufel komm raus den von Euch bevorzugten Entwurf von Grassl (den ich ebenfalls sehr gut finde) systematisch schlecht bewerten. Eure kritischen Fragen finde ich vollkommen berechtigt, nur Euer Fazit steht möglicherweise auf tönernen Füßen.

    Ich habe generell nichts gegen dieses Bauvorhaben. Schlimm finde ich allerdings, dass damit die Achse der ursprünglichen Lingnerallee verbaut bleibt, während die Stadt am anderen Ende deren Verlauf aufnehmen will. Der geknickte Verlauf der Allee ist einfach richtig schlechter Städtebau.

    In der Vorlage für den Bauausschuss im Stadtrat gibt es eine Präsentation (https://ratsinfo.dresden.de/getfile.asp?id=893076&type=do), welche die 4 Brückenentwürfe in bisher noch nicht gezeigten graphischen Darstellungen untereinander und mit der Carolabrücke 2.0 vergleicht.

    Auch wenn ich für die Brücke von Grassl weiterhin große Sympathien habe, bleibt LAP mein Favorit. Diese Brücke erfüllt in meinen Augen alle Kriterien am Besten.

    Die Bewertung der 4 Entwürfe durch das Expertengremium hat mich im ersten Moment arg irritiert: der nicht nur von mir klar favorisierte Entwurf von Grassl wurde vom Gremium tatsächlich auf den letzten Rang gesetzt. Dagegen wurde der Entwurf, den ich bisher kaum beachtet hatte am höchsten bewertet. Krass! Dann habe ich mir aber auch durchgelesen, was zu der Beurteilung geführt hat und ich muss zugeben, dass da schon etwas dran ist. Über die wohl doch deutlich zu niedrig angegebenen Baukosten des Entwurfs von Grassl muss man gar nicht soviel sagen. Gerade aber die Pfeiler, die mir bei diesem Entwurf bisher besonders gefallen haben, würden bei dieser Brückenbreite als ewig lange Mauern wirken. Dass die Flächen wahrscheinlich bald komplett mit Graffiti bedeckt wären, ist nicht Schuld des Entwurfs, aber leider Realität. Der Entwurf gefällt mir immer noch am Besten. Doch kann ich die genannten Schwächen nicht leugnen. Der Entwurf von LAP/Knight/Raumfeldeins fiel bei mir bisher weitgehend aus der Wahrnehmung, aber tatsächlich werden hier ganz viele richtige Ansätze zusammengeführt. Bei Raumfeldeins und unter https://carola.info wird der Entwurf ausführlich dargestellt und ja, mit der Umsetzung dieses Entwurfs wäre ich absolut einverstanden.

    Kurz nochmal zum Expertengremium: In dessen Bericht wird zwischen den Zeilen recht elegant die aus der unseligen Entscheidung des Stadtrates für die Vierspurigkeit resultierende Brückenbreite mit dem aktuell bis zum Anschlag ausgereizten Budget verknüpft. Hoffentlich verstehen die Räte das und ziehen daraus die richtigen Schlüsse.

    Einig sind wir uns sicher, dass die Brücke möglichst schmal gebaut werden sollte. Die Brückenköpfe sollten unbedingt auch städtebaulich entwickelt werden. Beim Carolaplatz ist allerdings m.E. viel klarer, wie das aussehen sollte. Für die Altstädter Seite wünsche ich mir die klare Bebauungskante der Pirnaischen Vorstadt, die es dort einst gab.
    Das Venezianische Haus könnte dafür der Auftakt sein.
    Mir fehlt hier allerdings der Glaube an einen handwerklich wirklich gut gemachten Wiederaufbau.

    Das Venezianische Haus ist recht weit hinten auf meiner Liste, was ich mir bezüglich der Carolabrücke 3.0 wünsche. Wenn die Brücke nicht 4-, sondern 2-spurig gebaut würde, sollte trotz breiter Fuß- und Radwege, sowie eines Gleiskörpers für die neuen breiten Straßenbahnen, zuerst einmal noch etwas mehr Platz entlang der Synagoge verbleiben. Wenn dann inklusive eines ausreichenden Abstandes zur Brücke für das Venezianische Haus noch Raum wäre, könnte es von mir aus gern (originalgetreu!) errichtet werden.

    Die SZ hat schnell den Schutzschirm aufgespannt, um ja keine Misstöne gegen den protegierten Entwurf aufkommen zu lassen. In Interview mit dem Baubürgermeister hat dieser den Kostenansatz von Grassl/GMP quasi vorab als unrealistisch eingeordnet und gleichzeitig die Abweichungen von TSSB von den Planungsbedingungen als nicht für einen Ausschluss ausreichend erklärt.
    Soll ich das noch kommentieren? Ich lasse es.

    Die SZ wirbt seit Beginn eindeutig für den Entwurf von TSSB. Warum die das tun, weiß ich nicht. Mit journalistischer Neutralität hat das aber m.E. nicht viel zu tun. Die Visualisierungen von Grassl findest Du „grottenschlecht“? OK, kannst Du, das sehe ich aber völlig anders. Ich finde die sogar richtig gut (bis auf die etwas seltsame Collage der Altstadt im Hintergrund). Eher unbeholfen sehen hingegen die Visus von TSSB aus.
    Dass der Entwurf von Grassl wie eine Autobahnbrücke erscheint, bestätigst nun auch Du. Der Unterschied zwischen einem reinen Verkehrsbauwerk und einem künstlerisch ansprechenden Werk liegt für Dich also bei den historisierenden Verzierungen. OK, sehe ich aber ganz anders. Dir fehlt es jedenfalls nicht an Selbstbewusstsein, schön für Dich.

    In der heutigen SZ gibt es einen Artikel mit einem selbsterklärten großen Überblick über die Entwürfe, der mich wirklich ärgert. Die Entwürfe werden hier nach Preisschild sortiert und folglich mit dem Entwurf von Grassl/GMP begonnen. Darin werden die im Verhältnis niedrigen Baukosten angezweifelt (das kann man machen). Der Entwurf wird zudem aber mit dem einer Autobahnbrücke gleichgesetzt, was ich gar nicht nachvollziehen kann. Die tatsächlich sehr problematische Überhöhe des Entwurfs von TSSB wird mit einem Halbsatz abgehandelt.
    Das stinkt für mich nach einer Kampagne.

    Am Anfang der Arbeit eines Architekten steht die Beschäftigung mit der Planungsaufgabe, dann der Entwicklung von Ideen und dann der Ausarbeitung eines Entwurfes. Ein guter Architekt wird zu seinem Entwurf stehen und wird den nicht in wesentlichen Zügen ändern wollen. Grassl/GMP haben eine starke und prägnante Brücke geplant, die eine moderne Eleganz besitzt, die trotzdem in der Dresdner Brückenbautradition verwurzelt ist. Ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster, dass die die Geländer mit dem Rautenmuster genauso umsetzen wollen wie dargestellt. Selbstverständlich würde es auch Änderungen am Entwurf geben, z.B. die Breite und Spannweite der Brücke, aber ganz sicher keine historisierenden Elemente.
    Ich finde es schade, dass Eure Initiative nicht einfach erst einmal für den klar besten Entwurf eintreten will und auf die Überschreitung der Planungsbedingungen bei dem anderen hinweisen will.

    Als ich die 4 Entwürfe zum ersten Mal sah, tendierte ich erstmal eher zu dem von TSSB. Mir gefiel die deutliche Ausbildung von Bögen und die engere Bogenstellung auf der Neustädter Seite.
    Nachdem ich mich mittlerweile länger damit beschäftigt habe, ist für mich vollkommen klar der Entwurf von GMP/Grassl nicht nur besser, sondern einfach richtig gut. Das ist die Brücke, die ich für Dresden als Bereicherung ansehe. Die Bögen haben einen sehr flachen Radius, was die Brücke angenehm niedrig macht. Es wäre geradezu übel, wenn die Brücke von TSSB das Panorama verdecken würde. Bei GMP/Grassl gefallen mir auch die Pfeiler sehr gut. Die haben eine ganz klare Formensprache, die der Brücke eine ganz eigenständige Note geben, was ich bei TSSB weitgehend vermisse. Deren Brückenentwurf ist irgendwie im Schema stecken geblieben.
    Wenn die genannten Kosten der Entwürfe einer unabhängigen Überprüfung Stand halten sollten, wäre es ein absolutes Unding, den teuersten Entwurf dem (zumindest in meinen Augen) schönsten Entwurf vorzuziehen.

    Noch ein paar Worte zur Initiative Carolabrücke: das Anprangern des zu hohen Profils und dem zusätzlichen Pfeiler finde ich absolut richtig. Nochmal zu hinterfragen, ob die Brücke nicht auch mit verringerter Stützweite zulässig wäre, finde ich auch gut. In dem für mich schlüssigen Entwurf von GMP/Grassl aber mit schnörkeligen Kandelabern und funktionslosem Gitterwerk herumzupfuschen, finde ich absolut daneben. Da kann ich mich nicht anschließen, auch wenn Teile der Initiative auch für mich Unterstützung finden würden.

    Das ist nicht mein Fachgebiet und je mehr ich dazu sage, umso mehr erzähle ich vermutlich Quatsch. Das Blitzkugelverfahren (https://www.vde.com/resource/blob/…wnload-data.pdf) ist in einer DIN geregelt und ist somit keine gesetzlich geregelte Vorschrift, wohl aber eine anerkannte Regel der Technik. Es gibt 4 Klassen mit jeweils unterschiedlich großen Kugeln nach denen sich die Stangen bemessen. Es geht auch auf jeden Fall um die Gesamtheit der Technik im Haus. Die Dachform hat auf jeden Fall Einfluss, ob positiv oder negativ hängt aber sicher vom individuellen Fall ab.

    Brandschutz spielt da eher die Nebenrolle. Es geht um den Schutz der Elektronik im Haus. Diese Fangstangen sind so positioniert und dimensioniert, dass sie den Blitzeinschlag in Form einer angenommenen Kugel vom Gebäude ableiten können. Ob die Stangen zum Einsatz kommen, hängt von der Gebäudenutzung ab. Wenn im Haus viel Technik ist, sind sie unvermeidbar. Wenn auf Computertechnik (inklusive der für die Gebäudeautomatisierung) verzichtet würde, könnte man auch auf diese Stangen verzichten. Da das keine Option ist, sind die Stangen gesetzt.

    „Pseudo-Dekonstruktivistische Kirchentagsarchitektur“?!

    Wie lang der Verfasser daran wohl gearbeitet hat? Ob es davon verschiedene Fassungen gegeben hat, mal mit und mal ohne Anleihen aus der Fäkalsprache? Wir werden es wohl nie erfahren. Auf jeden Fall sollte man das drucken und im 5. Erweiterungsbau der Nationalbibliothek archivieren, der glücklicherweise nun doch gebaut wird.

    Damit es vielleicht auch der Letzte noch versteht: die Platten am Neustädter Markt stehen nicht als Einzeldenkmale unter Schutz, sondern das Ensemble des fächerförmigen Platzes.

    Die Kantine muss nicht jedem gefallen, um ein Einzeldenkmal zu sein, was auch grundsätzlich kein Kriterium für den Denkmalstatus ist. Ob sie eine Ikone ist, will ich nicht beurteilen. Doch auch das muss sie nicht für die Erhebung zum Denkmal sein. Ich empfehle, die Begründung zu lesen und nicht mit Worten wie „Schuppen“ herumzuprollen.

    Ich versuche mich mal an einer kurzen Antwort: Die GHND war sehr erfolgreich damit, auf der Grundlage jahrzehntelanger Vorarbeit der Denkmalpflege und mit dem Erfolg der wiederaufgebauten Frauenkirche im Rücken für einen Teil einer Altstadt einer einzigen Stadt Einfluss zu nehmen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Selbst für den Neustädter Markt sehe ich bisher noch keinen Erfolg für die GHND.

    Das ZfBK und auch die Zeitgenossen sind damit überhaupt nicht zu vergleichen. Das ZfBK ist ein Ort und eine Plattform für den Austausch von Ideen, die extrem weit gefächert sind und sogar Rekonstruktionsbestrebungen umfassen könnten. Die Zeitgenossen sind ein sehr loser Zusammenschluss von Leuten, die zumeist beruflich mit dem Bauen zu tun haben und deren Interessen sich auch eher weitgespannt überschneiden.

    Die aktuelle Ausstellung im Kulturpalast beabsichtigt doch genau das: Eben nicht nur die Brücke für sich zu betrachten, sondern ihre Bedeutung für die Stadt herausstellen. Was die Studenten da vorgeschlagen haben, lässt sich ganz wunderbar in einen Stadtraum integrieren, der nicht nur vom Steuer eines Autos aus wahrgenommen werden soll.

    Doch wie soll man die Dresdner und insbesondere ihre gewählten Vertreter dazu bewegen, ihre fertig verfasste Meinung beiseite zu legen und offen dafür zu sein, was hier alles möglich ist?

    Das historische Stadtbild samt alter Carolabrücke ist in diesem Sinne aber auch nichts anderes als eine Denkschublade. Diese Brücke wird es aus einer Vielzahl von Gründen nicht wieder geben. So klar muss man das sagen.

    Doch ein stures Beibehalten der maximalen Verkehrsanforderungen wäre auch fürchterlich. Also muss man miteinander reden und gemeinsam um Kompromisse ringen. Nun liegt der Vorschlag für eine elegante Stahlbogenbrücke vor. Doch wie lautet hier die Forderung?

    Wenn ich mir in den Lokalmedien die Kommentare durchlese, kommt quasi durchgängig, dass die Politik unfähig oder korrupt ist, dass man in China schon längst fertig wäre und überhaupt, dass das schon alles viel zu lange dauert.

    Ich setze meine Hoffnung auf das laufende Planungsverfahren. Ich hoffe darauf, dass hier ein paar wirklich schöne Ideen entwickelt werden. Ich hoffe auch, dass der fürchterliche Stadtratsbeschluss zur Beibehaltung der Vierspurigkeit ignoriert oder noch besser elegant umgangen wird. Ich hoffe auch, dass die Ratsmitglieder des rechten Flügels Heimatliebe nicht nur als Kampfbegriff benutzen, sondern im Sinne des Stadtbildes von ihrem Beschluss abzurücken bereit sind.

    Dass der Kommentar von Constantin Wirth hier so viel Beifall findet, irritiert mich doch etwas. Der besprochene Entwurf ist Ergebnis eines Wettbewerbs unter Bauingenieurstudenten. Wenn die den kompletten Straßenraum des östlichen Altstadtrings samt Platzräumen städtebaulich mit betrachtet hätten, hätte das die Aufgabe auch komplett überfrachtet.

    Ja, das müsste tatsächlich zwingend seitens des Stadtplanungsamtes mit thematisiert werden. Aber wenn ich mir allein den oben stehenden Kommentar durchlese, besteht dazu für mich keinerlei Hoffnung auf einen tragfähigen Kompromiss. Wenn die eine Seite das historische Stadtbild samt alter Carolabrücke als einzig richtige Lösung ansieht, auf der anderen Seite aber nur die Sekunden zählen, die man per Auto benötigt, um vom Hauptbahnhof zum Albertplatz zu gelangen, wird das NIE etwas!

    Zum Vorwurf, dass dieser Studentenentwurf den autobahnähnlichen Charakter der DDR- Brücke fortschreiben würde, möchte ich ein nochmaliges Beschäftigen mit dem Entwurf nahe legen. Hier wird eine Brücke mit 2 parallelen gleich breiten Zügen vorgeschlagen, von denen einer Straßenbahn und Straßenflächen aufnehmen würde und einer nur Fußgängern und Radfahrern dienen würde, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Dimensionierung der Tragglieder der Brücke in Richtung Altstadt. Das mit dem Brückenvorgänger gleich zu setzen, ist aus meiner Sicht reine Polemik.