Dresden: Carolabrücke, St. Petersburger Straße, Carolaplatz

  • Der Grassl-Entwurf ist auch ganz klar mein Favorit. Er wirkt leicht, elegant, edel und reiht sich nahtlos unter die anderen Elbbrücken ein. Die gedachten Aussichtsplattformen sind geradezu ein Muss für Dresden. Dieser Blick kann gut zu einer neuen Attraktion der Stadt werden.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, werden die Brückenpfeiler auch mit Sandstein verkleidet? Das ist gut so, so passt sich der Bau der Umgebung an. Auf den Visualisierungen hätte das helle Material auch gut Beton sein können, was mir gar nicht gefallen hätte.

    Ich hoffe wirklich, dass wer auch immer den Sieger am Ende kürt (eine Jury?), sich bewusst ist, dass diese Brücke keine schnöde Brücke sein darf. Sie muss unbedingt dem Image des Elbflorenz gerecht werden. Diese dritte Carola-Brücke muss mithelfen, die Stadt zu veredeln und nicht ihre Schönheit und Eleganz trüben.

  • Fundament Pfeiler D ist aktuell begehbar, davor sieht man viele morsche Baumstammreste aus dem Wasser gucken

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    Bild: https://i.postimg.cc/jSbLM5Hv/P1360543.jpg   Bild: https://i.postimg.cc/4xgmWd60/P1360545.jpg   Bild: https://i.postimg.cc/fRNJ8L7N/P1360546.jpg

    Bild: https://i.postimg.cc/8zms9SwD/P1360547.jpg   Bild: https://i.postimg.cc/NjkLScb6/P1360548.jpg   Bild: https://i.postimg.cc/BvZtGVw2/P1360549.jpg

    alle fotos elli kny

  • Ich habe mir die Zeit genommen, alle Entwürfe und Videos wirken zu lassen, zu prüfen und zu reflektieren. Meiner Meinung nach ist der Grassl-Entwurf der stärkste, gefolgt vom TSSB-Entwurf auf Platz zwei. Die beiden anderen Entwürfe gehen meiner Ansicht nach in Bezug auf Harmonie und Rücksichtnahme auf die Stadt völlig am Thema vorbei. Ich glaube jedoch, dass der Grassl-Entwurf die beste Ausgangslage für eine Realisierung hat, da im Video ein entscheidender Punkt angesprochen wird: „Die Brücke ist halbseitig baubar“. Das bedeutet, dass zunächst die Straßenbahnseite mit einer Fahrspur gebaut und vorzeitig in Betrieb genommen werden kann, während die andere Hälfte im laufenden Betrieb nachgezogen wird – genau das war doch eine der Hauptwünsche im Stadtrats. Finanziell wäre dies für die Stadt auch nachhaltiger, falls man die Brücke in Zukunft einmal ersetzen muss, da dann nur eine halbe Brücke gebaut werden müsste.

  • Um einen persönlichen Favoriten zu küren, weiß ich noch zu wenig über die Entwürfe. Von der Silhouette gefällt mir Grassl auch am Besten, aber mindestens genauso wichtig ist mir der Brückenquerschnitt, und davon ist leider noch fast gar nichts veröffentlicht. Da würde ich mir auf der Altstadtseite wünschen, dass man als Fußgänger nicht zwischen Brückengeländer und Schutzgeländer zur Straßenbahn eingepfercht auf die andere Seite durchgeschleust wird, sondern dass ein Freiraum mit etwas Aufenthaltsqualität entsteht (gern auch unter Verzicht auf Schutzgeländer zur Straßenbahn, analog Wiener Platz West). Ganz zu schweigen von den Anbindungen, einmal nach "unten" ans Terrassenufer und Elberadweg und auch "oben" an den Bestand (Verzicht auf die Aufspreizungen, im Norden gern Orientierung Ri. Staatskanzlei und im Süden Ri. Synagoge).

  • In der kostenpflichtigen Presse (warum auch immer dort) sind neue Details und Visualisierungen aufgetaucht. Demnach ist tatsächlich Grassl der Entwurf mit der deutlich geringsten Kostenschätzung (90 Mio.). Ich hätte diesbezüglich sonstwas auf Schüßler-Plan verwettet, weil deren Brücke so billig aussieht.

    In dieser neuen Ansicht fallen die sehr stark auskragenden Pfeilersockel auf (gut), während mir das Zurückversetzen des Überbaus gegenüber den Trägern der Kanzeln missfällt. Dennoch sieht die Brücke schon ein bisschen nach Dresden aus. Die überzogen zur Schau getragene Modernität ließe sich dem Entwurf noch sanft austreiben, das täte ihm gut.

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    (c) Ingenieurbüro GRASSL

    Die Brücke von LAP sieht in der Untersicht ebenfalls etwas besser für mich aus als von Ferne, dennoch irgendwie nicht rund, erst recht nicht mit dem Stahlfachwerk im Sandwich-Prinzip. Und die unterschiedlich dicken Pfeiler bleiben einfach schaurig:

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    Auch folgendes Bild macht mir keine Lust auf diese Brücke. Endloses Metern ohne Abwechslung, dazu noch diese Barriere zwischen Gehweg und "Promenade":

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    (c) Leonhardt, Andrä und Partner

    Im Artikel wird zudem von einer "barrierearmen Freitreppe" am Terrassenufer geschrieben, genau mein Humor.

    Dass FHECORs Brücke höher ist als die anderen und mehr Pfeiler hat, ist nicht nur uns aufgefallen.

  • Danke für den Artikel mit mehr Infos.
    In ihm wird gesagt, die FHECOR-Brücke wäre bei Stadträten und der Öffentlichkeit weit vorne in der Gunst. Zumindest was die Öffentlichkeit angeht, wage ich das zu bezweifeln. In allen Social Media, die ich verkehre, ist der Grassl-Entwurf der klar beliebteste.

  • ^ Steckte echt nich drin, was die Leute am Entwurf von FHECOR finden. Der wirkt viel zu klobig und wie als ob das mehrere Brücken nebeneinander sind...

    Grassl hat es viel schlanker in der Höhe hinbekommen und durch den solitären Sockel wirkt es wie eine einzige Brücke, nicht wie 2 oder mehr zusammengeschobene.

    Und ich kann Treverer nur zustimmen, auf Insta beispielsweise wurde Grassl in alle Himmel gelobt, zurecht wie ich finde 🙃 Zur Wahrheit gehört aber auch, dass einige auch den von FHECOR gut fanden. Leider auch einige meiner Freunde, bis ich denen erklärte, warum Grassl optimaler wäre, dann stimmten sie mir auch zu bei Grassl.

    Aber die Initiative wird da ja bestimmt noch einen Kommentar zu allen Entwürfen abgeben :)

  • Meiner Meinung nach lässt sich die öffentliche Präferenz für den FHECOR-Entwurf leicht erklären: Sie hatten eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie! Alles begann mit dem ersten Termin Anfang des Jahres, bei dem die Bevölkerung die Möglichkeit hatte, mit den Planungsbüros ins Gespräch zu kommen. Dort war FHECOR der einzige Teilnehmer, der einen weitgehend fertigen Entwurf mit einer greifbaren Visualisierung präsentierte. Dieser Entwurf wurde dann (mangels damaliger Alternativen) für knapp ein halbes Jahr zum Gesicht bei jedem Beitrag über „die neue Carola-Brücke“ in den Lokalmedien. Indirekt wurde dadurch kommuniziert, dass der FHECOR-Entwurf im weitesten Sinne die neue Carola-Brücke darstellt, und das hat sich in den Köpfen vieler Bürger festgesetzt. Obwohl es jetzt alternative Entwürfe gibt, listet auch die Stadt (aufgrund der bereits vorhandenen Bekanntheit) den FHECOR-Entwurf immer als erstes auf und signalisiert den Bürgern damit sinngemäß: „Das ist der Entwurf der neuen Carola-Brücke, und dann sind da noch drei andere“, auch wenn es bisher gar keinen Wettbewerb mit Plätzen 1 bis 4 gibt. Dass die Realität anders aussieht, spielt meiner Meinung nach kaum eine Rolle. Hier geht es um das Bauchgefühl vieler und das sagt ganz klar: „Wir nehmen den FHECOR-Entwurf, der steht ja eh bereits fest und hat immerhin Brückenbögen.“ Hätte man beim Bürgertermin Anfang des Jahres klar auf vollständige Entwürfe verzichtet, sähe die Situation vermutlich eine ganze Ecke anders aus.

  • Grassl kann bei mir mit den neuen Darstellungen den Spitzenplatz nicht nur verteidigen, sondern sogar ausbauen. Die Aufteilung der NUtzungsarten auf der Brücke gefällt mir sehr gut. Radfahrer und silhouettentrunkene Spaziergänger passen nicht so recht zusammen und finde daher, dass die Zuordnung der Radfahrer in Richtung Altstadt direkt neben die Fahrspuren sinnvoll ist. So kann eine echte Fußgänger-Brückenpromenade mit 4 Metern Breite entstehen, entkoppelt vom Verkehrsstrom und etwas abseits der Mastleuchten auch am Abend nicht extrem grell beleuchtet.

    Die Visualisierung des Neustädter Flutbrückenbereiches von FHECOR zeigt eine enorme Höhe im Bereich des zweiten Pfeilers und die Brücke wirkt geradezu aufgebockt bzw. so als würde sich rechts am Bildrand ein tiefes Tal anschließen, welches überbrückt werden müsste. Das ganze Bauwerk inklusive der autobahnbrückenähnlichen Untersicht erinnert mich inzwischen an die Sachsenbrücke in Pirna.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    listet auch die Stadt (aufgrund der bereits vorhandenen Bekanntheit) den FHECOR-Entwurf immer als erstes auf

    Die Reihenfolge wurde ausgelost, aber ja, das hätte man vielleicht auch öffentlich kommunizieren sollen, wie so viele andere Dinge auch. Wenn man die Entstehung von Gerüchten begünstigen will, macht man das genau so wie die Landeshauptstadt aktuell.

    Die Initiative Carolabrücke hat sich inzwischen positioniert.

    Hier vollständig zu lesen: https://initiative-carolabruecke.de/aktuelles/

    • Entwurf von FHECOR muss entweder nachträglich zugelassen, verändert oder disqualifiziert werden
    • Entwürfe müssen nachgebessert/detailliert werden, um gestalterisch zu überzeugen
    • Hauptspannweite reduzieren
    • Entwürfe vollständig veröffentlichen

    Beispielhafte Illustration, was man aus den Entwürfen noch herausholen könnte, hier jener von GRASSL/gmp:

    vwk7r563.png

    Bildrechte Zeichnung: Initiative Carolabrücke, Visualisierung: Ingenieurbüro GRASSL und gmp.


    Die DNN berichtet zudem Details, die ihr offenbar von der Verwaltung zugespielt wurden (welche kostenpflichtige Medienanbieter mit den von den Dresdnern bezahlten Entwürfen füttert, anstatt sie frei zur Verfügung zu stellen). Ich habe euch mal ein paar Angaben zusammengefasst:

    LAPSchüßler-PlanFHECORGRASSL
    Veranschlagte Kosten (Mio. brutto)134,8107,713089,1
    Gesamtbreite (m)34,836,7532,535,61
    Teilinbetriebnahme/Fertigstellung (Quartal/Jahr)?

    Q2/2030

    und Q3/2031

    Q3/2031

    Q4/2029

    und Q4/2030 (Angabe Sächs. Zeitung) bzw. Q4/2031 (Dresdner Neuste Nachrichten)

    Konstruktionsmaterial (nicht Oberflächen!)"Massiv" und StahlSpannbeton und Stahlvermutlich Beton (Pfeiler), Stahl, Stahlverbund (Überbau)vermutlich Beton (Pfeiler), Stahl (Bögen), Stahlverbund (Überbau)

    Der günstige Preis von Grassl erklärt sich aus der Konstruktion, was im Vergleich der Querschnitte selbst mir als Laien einleuchtet. Die Bauweise ist wirklich sehr einfach gehalten, die Einzelteile sind gleichartig und kompakt und werden vor Ort zusammengefügt.

    Zudem noch folgende Infos:

    • Die Brücke von FHECOR ist etwa 2,5 Meter höher als die anderen.
    • GRASSL plant keinen Spannbeton, wie von der Stadt auf Instagram fälschlich behauptet, sondern Stahl.
    • Die Gestaltungsdetails sind noch nicht ausgearbeitet, das betrifft z. T. einzelne Formgebungen, Oberflächenmaterial, Beleuchtung etc. In den Entwürfen sind nur Platzhalter zu sehen, nicht zuletzt aus Zeitnot.
    Dekoratives Anführungszeichen

    Fußgänger-Brückenpromenade mit 4 Metern Breite

    Finde ich etwas viel, auch in Kombination mit den 6 Meter breiten Kanzeln (diese Angabe aus Hörensagen). Einsparpotenziale haben die Brücken alle, aber vielleicht ist das auch gewollt, da ja die vertragliche Verpflichtung droht, solche Einsparungen im Fall von Kostensteigerungen aufzeigen zu müssen.

    Die nächsten Wochen werden unheimlich spannend, es ist ein regelrechter Krimi und in dieser Form deutschlandweit einzigartig, was auch für lange Zeit so bleiben dürfte. Genießt es!

    Einmal editiert, zuletzt von Ziegel (3. Juni 2026 um 01:08)

  • Vielen Dank für die zusätzlichen Informationen! Ich kann mich Knuffte im Wesentlichen anschließen. Der Querschnitt von Grassl gefällt mir gut, ich finde den westlichen Gehweg auch nicht zu breit, 4 m sind ein angenehmes Maß für das doch recht hohe zu erwartende Aufkommen an Fußgängern und die Radfahrer, die dort zum Teil sowieso auch fahren werden. Die Kanzeln haben ja nur an ihrer breitesten Stelle 6 m und weiten den Querschnitt ohnehin nur an den Pfeilern auf.

    Mit der LAP'schen Reisebus-Tiefgarage kann ich nicht so viel anfangen, da die Reisebusse meiner Meinung nach besser alle an der Ammonstraße stehen sollten. Die Sitzgelegenheiten durch Höhensprung find ich ganz charmant.

    Schüßler-Plan will die vorherige Carolabrücke fast identisch wieder aufbauen, inkl. Aufspreizungen an den Enden. Bitte nicht. Die Bildunterschrift in der DNN ist übrigens ungenau, der Querschnitt zeigt den "Bestand", der nicht mehr besteht.

    FHECOR plant den Radweg nach Süden wieder außen und wird sich damit bei Radfahrern nicht beliebt machen. Die Offenheit auf der Seite ist aber gut.

  • Als ich die 4 Entwürfe zum ersten Mal sah, tendierte ich erstmal eher zu dem von TSSB. Mir gefiel die deutliche Ausbildung von Bögen und die engere Bogenstellung auf der Neustädter Seite.
    Nachdem ich mich mittlerweile länger damit beschäftigt habe, ist für mich vollkommen klar der Entwurf von GMP/Grassl nicht nur besser, sondern einfach richtig gut. Das ist die Brücke, die ich für Dresden als Bereicherung ansehe. Die Bögen haben einen sehr flachen Radius, was die Brücke angenehm niedrig macht. Es wäre geradezu übel, wenn die Brücke von TSSB das Panorama verdecken würde. Bei GMP/Grassl gefallen mir auch die Pfeiler sehr gut. Die haben eine ganz klare Formensprache, die der Brücke eine ganz eigenständige Note geben, was ich bei TSSB weitgehend vermisse. Deren Brückenentwurf ist irgendwie im Schema stecken geblieben.
    Wenn die genannten Kosten der Entwürfe einer unabhängigen Überprüfung Stand halten sollten, wäre es ein absolutes Unding, den teuersten Entwurf dem (zumindest in meinen Augen) schönsten Entwurf vorzuziehen.

    Noch ein paar Worte zur Initiative Carolabrücke: das Anprangern des zu hohen Profils und dem zusätzlichen Pfeiler finde ich absolut richtig. Nochmal zu hinterfragen, ob die Brücke nicht auch mit verringerter Stützweite zulässig wäre, finde ich auch gut. In dem für mich schlüssigen Entwurf von GMP/Grassl aber mit schnörkeligen Kandelabern und funktionslosem Gitterwerk herumzupfuschen, finde ich absolut daneben. Da kann ich mich nicht anschließen, auch wenn Teile der Initiative auch für mich Unterstützung finden würden.

  • Auch mein erster Eindruck der FHECOR/TSSB-Brücke bei der Vorab-Präsentation am 18.03. war erst einmal positiv. Inzwischen finde ich ihn von allen Entwürfen am schlechtesten, selbst Schüßler-Plan würde ich demgegenüber - rein optisch - vorziehen, das ist meine Einzelmeinung. Allein schon der Spannbeton ist für mich aber ein KO-Kriterium gegen Schüßler.

    Arwed Ist für mich ok, dass du den Entwurf von GRASSL/gmp auch in den Einzelheiten schlüssig findest. Allerdings wird der so nicht bleiben, denn die genannten Details sind nur Platzhalter. Weder die großen Beleuchtungsmasten, noch die Geländer und auch etliches andere, seien es die exakte Form der Pfeiler, die Materialien oder Farben, werden erst in der Detailplanung festgelegt.

    Es ist doch ganz normal im Alltag eines Architekten, dass der Auftraggeber sagt: ich möchte dies und das noch ergänzt haben. Und wir sagen eben: wir wollen auf den ersten Blick erkennbare Referenzen an die erste Carolabrücke, gerade dort, wo man als Passant unterwegs ist, aber in gewissem Maße auch in der Fernsicht auf die Brücke. Funktionslos ist das überhaupt nicht, denn es macht vielen Menschen Freude.

    Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner, aber auch das Ingenieurbüro GRASSL haben sich intensiv mit den Vorschlägen der Initiative Carolabrücke auseinandergesetzt und - bis auf die Detailgestaltung, die ja erst noch folgt - alle Forderungen erfüllt. Ich sage mal ganz selbstbewusst: deshalb ist der Entwurf auch so gut gelungen. ;)

  • Am Anfang der Arbeit eines Architekten steht die Beschäftigung mit der Planungsaufgabe, dann der Entwicklung von Ideen und dann der Ausarbeitung eines Entwurfes. Ein guter Architekt wird zu seinem Entwurf stehen und wird den nicht in wesentlichen Zügen ändern wollen. Grassl/GMP haben eine starke und prägnante Brücke geplant, die eine moderne Eleganz besitzt, die trotzdem in der Dresdner Brückenbautradition verwurzelt ist. Ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster, dass die die Geländer mit dem Rautenmuster genauso umsetzen wollen wie dargestellt. Selbstverständlich würde es auch Änderungen am Entwurf geben, z.B. die Breite und Spannweite der Brücke, aber ganz sicher keine historisierenden Elemente.
    Ich finde es schade, dass Eure Initiative nicht einfach erst einmal für den klar besten Entwurf eintreten will und auf die Überschreitung der Planungsbedingungen bei dem anderen hinweisen will.

  • Ernst gemeinte Frage an Arwed was eine Bürgerinitiative, die sich mit dem expliziten Ziel einer neuen Brücke nach dem Vorbild der historischen Königin-Carola-Brücke gegründet hat, sonst tun soll, als genau das einzufordern (übrigens mit großem Rückhalt in der Bevölkerung - andere Aspekte haben ja nicht zu anderen Bürgerinitiativen geführt)?

    Zu betonen, dass der Grassl-Entwurf gut ist, ohne auf die Ziele der Initiative hinzuweisen (die übrigens von den Planern von Anfang an als relevant betrachtet wurden) - dafür bräuchte es keine Bürgerinitiative.

    Und woher kommt die Gewissheit, dass es "ganz sicher keine historisierenden Elemente" geben wird? Im Übrigen finde ich die abschätzige Wortwahl ("schnörkelig", "funktionslos", "herumpfuschen", "absolut daneben") … nunja, mindestens ebenso daneben. Die Initiative vertritt ein legitimes Anliegen, das einem nicht gefallen muss, das man aber anerkennen kann, und ist damit ein relevanter und respektierter Akteur bei den anderen Beteiligten.

  • Ich würde in so eine Grundsatzdiskussion nicht allzu tief einsteigen wollen. Nur so viel: nach Arweds Verständnis wäre wohl Gottfried Semper kein guter Architekt, weil er auf Wunsch der Auftraggeber seine Entwürfe grundlegend veränderte? Seltsames Verständnis dieses Berufes.

    Die Initiative wird sich weiterhin leidenschaftlich auch für Schnörkel einsetzen, wobei sie weiterhin undogmatisch bleiben wird. Es müssen sicherlich nicht exakt die Schnörkel der ursprünglichen Brücke sein, aber Schnörkel, in denen man sie wiedererkennt, schon. Eine Änderung des gmp-Entwurfes "in wesentlichen Zügen" ist das Anbringen von Ornament ja wohl weniger als das Verändern von Spannweiten, womit Arwed seltsamerweise kein Problem hat.

    Auf der Website der Architekten wird deren Grundhaltung folgendermaßen in Worte gefasst, was ich sehr trefflich finde:

    "Angemessene und akzeptable Antworten auf Fragen der Umweltgestaltung zu finden, setzt voraus, zum Dialog bereit zu sein und seinen eigenen Standpunkt auch auf veränderte Bedingungen einzustellen. Die Entscheidung, was und wie gebaut wird, trifft die Gesellschaft mit ihren komplexen politischen und wirtschaftlichen Mechanismen. Wir Architekten haben nicht nur die Verpflichtung, wir haben die Verantwortung, uns diesem Dialog zu stellen und mit innerer Überzeugung am Gespräch teilzunehmen."

    https://www.gmp.de/de/buero/32/profil/5944/philosophie

  • Ich sehe Grassl auch als Favoriten. Wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass die Visualisierung des Brückenaufgangs als einladende Begegnungsfläche durch LAP sehr ansprechend ist. Die Busgarage halte ich für nicht umsetzbar.

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    Aus dem Artikel geht auch leider nicht hervor (oder ich habe es überlesen), wo genau dies konstruiert werden solle. Ich gehe mal vom Altstädter Brückenkopf aus mit dem alten Gondelhafen, Hasenberg und Übergang zur Brühlschen Terrasse. Ich kann diesen Entwurf, obwohl er mich anspricht, keiner konkreten Situation in Dresden zuordnen.

    Für mich stellt sich eine weitere Frage. Welcher Entwurf würde den Wiederaufbau des Venezianischen Hauses zulassen? Die hierfür seit längerer Zeit vorhandenen Plänen mit dem Mix aus Rekonstruktion und moderner Architektur fand ich schon immer spannend und würde mir dies für Dresden wünschen.