Beam Berlin - Aufstockung Schicklerhaus

  • Beam, Schicklerstraße 5-7

    Am 29.4. ist als Wiedervorlage im Baukollegium das Projekt Beam von Signa Thema:


    TOP 3: 17:30 Uhr BV BEAM Schicklerstraße 5-7 (Wiedervorlage) Bezirk Mitte
    Anmeldung und weitere Informationen
    Vorhabenträger: SDS Fünfte Immobilien GmbH & Co. KG, München
    Vertreten durch: SIGNA Real Estate Managment GmbH
    Architektur: Pott Architects. i.A. Jan Przerwa, Berlin


    Projektseite: https://www.signa.at/de/real-estate/beam-berlin/


    Signa sieht die Aufstockung des Gebäudes vor.



    © Signa Development Selection AG


    Historische Ansicht:



    Gemeinfrei, Wikipedia.

  • ich kann damit nicht viel anfangen. Irgendwie werden da halt drei Etagen draufgeklatscht, Bezug zum Gebäude kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

  • Grau-en-haft!
    Wofür will Signa uns bestrafen? Dafür dass sie am Ku'damm keine Hochhäuser bauen dürfen? Oder gehen wir vielleicht zu wenig in ihren teuren Warenhäusern shoppen?

  • Ein sehr ambivalentes Projekt, das Fragen aufwirft.


    Erstens lässt sich über die ästhetischen Qualitäten der Aufstockung streiten.


    Zweitens, und m.E. viel gravierender, ist von einer geplanten "vollständigen Entkernung aller Flächen" die Rede, wobei mir nicht ganz klar ist, ob damit die Flächen ab 4. Obergeschoss gemeint sind, oder sich "alle Flächen" auf das gesamte Gebäude bezieht.


    Drittens wird nicht einmal die Fassade erhalten, sondern zugunsten einer die Originalfassade zitierenden neuen Fassade ersetzt, so dass von einem, wie es aussieht, intakten Bestandsbau aus dem Jahr 1910 (mit neuen Fassaden nach dem Zweiten Weltkrieg) de facto nicht allzuviel übrig bleiben wird. Es handelt sich vielmehr weitgehend um einen deutlich vergrößerten Neubau, dem ein alter Bau weichen muss, wobei sich das Ganze als "Revitalisierung" tarnt.


    Viertens bleibt die Ankündigung einer wünschenswerten "Dachbegrünung" vage (daran werde "gedacht werden". Wen die (ebenfalls wünschenswerte) Dachterrasse "zum Aufenthalt einladen" soll, und wen nicht, bleibt ebenfalls unklar. Wird sie öffentlich zugänglich sein, oder nicht? Positiv ist immerhin, dass im Erdgeschoss Gastronomie und "kleinformatiger Einzelhandel" einziehen sollen.


    Fünftens schließlich wundert mich das Rendering, denn der Abstand zwischen Littenstraße und Stralauer Straße erscheint hier deutlich größer als zur Zeit. Antizipieren die Planer einer Verkleinerung der Stralauer Straße? Ist eine solche geplant? Oder wird hier getrickts? Das würde zu den schwammigen "wird gedacht werden" und irreführenden Bezeichnungen ("Revitalisierung") passen und ist nicht geeignet, mein Vertrauen in dieses Projekt zu erhöhen.

  • Ich finde Aufstockungen prinzipiell interessant. Auch Kontraste zwischen alt und neu gefallen mir. Ich hätte es versöhnlicher gefunden, würde der Originalzustand in den unteren Stockwerken auch mit den Figuren und Ornamenten rekonstruiert.


    Dafür hätte man an dieser Stelle in Berlin gerne auch 3-4 Etagen mehr draufsetzen können.

  • Ich weiß nicht, ob das der richtige Strang ist für dieses Projekt. Könnte auch "Rund um die Parochialkirche" sein.


    Die Berliner Zeitung berichtet hier und das Deal-Magazine hier, dass Karstadt-Eigner René Benko den Umbau des neoklasizistischen Schicklerhauses in Mitte (Litten-/Ecke Stralauerstraße) unter dem Namen BEAM gestartet hat. Es sollen durch eine moderne Aufstockung mehr Büroflächen generiert werden. Im Erdgeschoß soll auch Einzelhandel oder Gastronomie angesiedelt werden.


    visualisierungbeam_klmjkye.jpg

    Bild: Copyright SIGNA

  • Das tut mir richtig weh. Dieses eigtl. wunderschöne Gebäude ist ja brutal "vergewaltigt" worden. :(

    https://upload.wikimedia.org/w…asse%2C_Schicklerhaus.jpg

    https://upload.wikimedia.org/w…_5-7%2C_Schicklerhaus.jpg

    copyright: wiki/common


    Mod: Wegen ungenügender Quellenangabe geurlt. Bitte DAF Richtlinien für das Einbinden von Bildern beachten. Danke.


    ..und was Signa damit vor hat, gefällt mir auch nicht so recht. Dennoch im Vergleich zu dem völlig entstellten Ist-Zustand eine Verbesserung.

  • Die "Vergewaltigung" von der du schreibst, beschreibt das empfinden vieler wenn es um das zerstören von vormal existierenden Schmuckelementen geht. Mod: ...


    Ich finde allerdings die Aufstockung tatsächlich auch eher positiv, gerade weil wir hier mitten im Zentrum sind. Versöhnlich wäre es gewesen, die alten Ornamente wieder zurück zu bringen und dann die gläserne Aufstockung draufzulegen.


    Versteht eigentlich jemand die Perspektive des Renderings? Ich werde daraus nicht schlau. Der angedeutete riesige Platz existiert doch so überhaupt nicht und die angedeutete Wasserfläche könnte doch wenn dann, nur die Spree sein. Seit wann gibt es dort aber solche Treppen?

  • ^

    Standort der Perspektive dürfte die projektierte Waisenbrücke sein. Im Zuge des "Wiederaufbaus" soll auch das Ufer neu gestaltet werden. Ich wüsste aber nicht, dass es hierfür schon konkret ausgearbeitete Pläne gibt.


    Mod: UrbanFreak

    Mod: Unsachliche Provokationen haben hier nichts verloren. Wenn du es dir nicht verkneifen kannst nutze unter Beachtung der Forennetiquette den BoS.

  • ^ Signa scheint mir sehr gut darin zu sein, Träume zu visualisieren, die akzeptanzstärkend wirken und die Realisierung ihrer Projekte erleichtern. Ihre Imaginationen entwickeln sozusagen einen Sog, der dann der Umsetzung als Rückenwind dient. Augenfällig zeigte sich das bei den Renderings von Karstadt-Neukölln. Diese Fall hier ist aber noch interessanter, weil nicht nur das kokrete Projekt selbst imaginiert wird, sondern auch eine dazu passende Stadtumgebung (Neubau der Waisenbrücke, Uferterassen). Da diese Visionen äußerst attraktiv gezeichnet sind, haben sie Aussicht, einen Wunsch danach und in der Folge eine stadtebauliche Diskussion dazu in Gang zu setzen und damit auch die Wahrscheinlichkeit einer Realisierung (ein wenig) zu erhöhen, wodurch sich wiederum die Attraktivität der Immobilie und ihr Wert erhöhen würde.


    Das scheint mir, wenn man das kritisch begleitet, nicht problematisch, vor allem dann nicht, wenn der Investor bereit ist, sich an den Kosten der Umsetzung der von ihm selbst gefördeten Ideen zu beteiligen, da er selbst davon besonders profitieren würde. Und ich frage mich, ob man diese Wunschökonomie, das attraktive Visualisieren von Wünschbarkeiten, der freien Wirtschaft überlassen sollte bzw. unabhängigen Initiativen (man denke an die Macht der gelungenen Visualisierungen des Flussbad-Projektes) und ob nicht auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen professioneller mit positiven Visionen arbeiten könnte, um vorab die Akzeptanz für längerfristig angedachte Projekte zu testen bzw. zu erhöhen.

  • Abwarten - die Creditreform-Rating hat eben erst die Bonität von Signa auf A+ / watch negativ herab gestuft, unter anderem wegen der Risiken der COVID-19 Pandemie im Retail-Bereich und der Beantragung des Schutzschirmverfahrens der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH.

  • Wirklich unsympathisch finde ich, dass man den etablierten Namen dieses Berliner Traditionshauses zugunsten eines modisch-geschmäcklerischen Anglizismus ersetzt. Wer das alte Schicklerhaus in etwas so Albernes wie 'The Beam' umtauft, hat offenkundig auch sehr wenig übrig für den Bestandsbau an sich, was der aktuelle Entwurft ja bestätigt.

  • ^ Naja, wie man im Wikipedia-Eintrag lesen kann, wurde der Name nach der Wiedervereinigung aus Marketinggründen und ohne direkten historischen Bezug gewählt, da an der Schicklerstraße gelegen (deren Namensgebung aber nichts mit dem Gebäude zu tun hat), insofern ist es schon ein ziemlicher Euphemismus, von etabliertem Namen und "altem Schicklerhaus" zu sprechen. Hier wird einfach ein Marketingname durch einen Anderen ersetzt.

  • ^^Es is auch Angli-quatsch: 'Beam' bedeutet erstmal Balken, es hat dieselbe Etymologie wie 'Baum'. Im Sinne von gleich gerichtetem Strahlenbündel ist es ein Sprachcliche, es fehlt die Information 'of what' (energy? light? love? sunrays?). Sonst bleibst beim Balken. Sorry fürs Klugscheißen, mußte raus.

  • ..und was Signa damit vor hat, gefällt mir auch nicht so recht. Dennoch im Vergleich zu dem völlig entstellten Ist-Zustand eine Verbesserung.

    Anhand der verlinkten Bilder handelt es sich ganz offensichtlich um eines von vielen Gebäuden, deren Dachobergeschosse im Krieg erheblich beschädigt und danach eher einfach wieder aufgebaut wurden. Immerhin scheint der Signa-Entwurf die alte Gestaltung im Bereich der Traufkante wiederherstellen zu wollen.

  • Das tut mir richtig weh. Dieses eigtl. wunderschöne Gebäude ist ja brutal "vergewaltigt" worden. :(

    Die "Vergewaltigung" von der du schreibst, beschreibt das empfinden vieler wenn es um das zerstören von vormal existierenden Schmuckelementen geht. [mod]...[/mod]

    Das tatsächlich ehemals sehr schöne Kontorhaus ist aber weder von Architekten unter Absehen von der historischen Substanz "brutal" umgeformt worden noch haben dort "Modernisten" nach dem Krieg oder beim Umbau in den späten 90er Jahren hämisch die Schmuckelemente heruntergeschlagen, wie es sich hier offenbar einige einbilden. Das Geschäftshaus ist schlichweg zu großen Teilen im Krieg völlig zerstört worden - was man in der Berliner Innenstadt immer einpreisen sollte und was auch Wikipedia weiß. Wikipedia ist aber zugleich im Falle des "Schicklerhauses" äußerst unpräzise, wenn es um die "Rekonstruktion" geht. Einzig genannt wird eine "Rekonstruktion" mit Umbau in den Jahren 1997–1999 im Auftrag der Deutschen Bahn. Das aber ist völlig verkürzt, wenn nicht sogar falsch.


    Fangen wir also mit der heutigen Situation und der Lage an der Ecke Littenstraße/Schicklerstraße an:

    screenshot2020-05-03az3kh3.jpg

    screenshot2020-05-03adjjdw.jpg

    © 2020 Google, Kartendaten © GeoBasis-DE/BKG (©2009)

    Die Schicklerstraße ist auf der südlichen Seite des Gebäudes als solche nicht mehr erkennbar, gefühlt liegt das Gebäude direkt an der Stralauer Straße, gegenüber liegt ein kleiner Grünzug, da hier die historische Bebauung seit der Kriegszeit durch völlige Zerstörung und spätere Änderung der Straßenführung (Stralauer Straße) fehlt. Über die Stralauer Straße hinweg ergibt sich folgende Ansicht auf die Südfassade:

    p10301532nkgh.jpg

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    © HarrySeidler

    Schon hier lässt sich erkennen, dass die Fassade zwar links und rechts des Mittelteils in den ersten vier Geschossen symmetrisch angelegte Elemente aufweist, aber trotzdem völlig disparat wirkt. Der Grund ist leicht auszumachen. Beginnen wir mit einem Bild Harry Croners aus der berühmten Dokumentation der Kriegsschäden in der Berliner Innenstadt aus der S-Bahn heraus (ca. 1947): click, da womöglich nicht gemeinfrei (Fotodaten: Stadtmuseum Berlin hier). Der Blick geht entlang der Dircksenstraße und zeigt somit die Ostseite der Schicklerstraße, die hier die S-Bahn unterquert, aber direkt beim Triebwagen der S-Bahn lässt sich erkennen, dass die östliche Ecke des Schicklerhauses gänzlich fehlt. Von der anderen Seite der Spree lässt sich dies freilich besser erkennen (1951): click, da womöglich nicht gemeinfrei (Fotodaten: Deutsche Fotothek hier). Das ganze Ausmaß der Zerstörung zeigt aber diese Fotografie (1945) der Trümmerbahn an der Waisenbrücke: click, da womöglich nicht gemeinfrei (Stadtmuseum Berlin). Etwa zwei Drittel der Südfassade des "Schicklerhauses" sind zerstört. Der Überrest steht an der Ecke Littenstraße, er hat offenbar ein Notdach bekommen, die kleine Turmhaube fehlt und die Fassadenreliefs sind schwer brandbeschädigt, aber in Teilen noch vorhanden. Daraus erklärt sich also die Disparatheit der Südfassade auch in der heutigen Ansicht. Nur die West-Süd-Ecke an der Littenstraße - also dieser Teil - ist ein selbst stark kriegsbeschädigter "Alt-Altbau":

    p1030179b3j31.jpg

    © HarrySeidler

    Erhalten sind zudem in weiten Teilen die Hinterhöfe.


    Wann aber wurden die östlichen zwei Drittel der Südfassade rekonstruiert? Wikipedia legt nahe, dass dies in den 90er Jahren geschehen sei, aber die Schwarzpläne zeigen, dass der Bau schon unmittelbar in der Nachkriegszeit in Anlehnung an den zerstörten Teil wieder aufgebaut wurde. 1953 ist das Vorderhaus an der Schicklerstraße bereits vollständig eingetragen:

    schwarzplan_molkenmarh3j0w.jpg

    Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

    Der Plan von 1989 zeigt zudem, dass man später offenbar ein kleines Stück der Hinterhäuser abgerissen hat, um die große Freifläche im Hof der neugebauten Feuerwehr zu schaffen:

    schwarzplan_molkenmarvfj61.jpg

    Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

    Einen fotografischen Beleg der DDR-Rekonstruktion oder des "Neu-Altbaus" findet man auch auf diesem spektakulären Bild von der Fernsehturmbaustelle (1967): click, da urheberrechtlich geschützt.

    In den 90er Jahren hat man im Auftrag der Deutschen Bahn offenbar vor allem Innenausbau betrieben, die Fenster erneuert sowie dem "Altbau" an der Ecke Littenstraße/Schicklerstraße ein neues Dachgeschoss mit postmodern angehauchtem Türmchen aufgesetzt, das an den historischen Urzustand erinnern sollte. Das neue Dachgeschoss, das sich auch im Material abhebt:

    p1030170u7juv.jpg

    p1030171k4k25.jpg

    Das Türmchen mit Schneefänger, das auch als Möwenlandeplatz dient:

    p1030168hykaa.jpg

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    © HarrySeidler


    Bei der DDR-Rekonstruktion hat man die vertikale Gliederung des ursprünglichen Zugangs aufgegeben und den "Altbau" offenbar der Lochfassade des in Stilelementen angelehnten "Rekonstruktionsbaus" angeglichen. Es lohnt ein Blick auf die Details.

    Fassadengliederung und -ausgestaltung des DDR-Baus:

    p10301563okwv.jpg

    p1030155a6jnl.jpg

    Fassadengliederung und -ausgestaltung des beschädigten Altbaus:

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    p103016598kal.jpg

    p1030166mej60.jpg

    © HarrySeidler


    Wirklich interessant sind die Materialien, an denen sich die Geschichte des Gebäudes ablesen lässt.

    Natursteinfassade des DDR-Baus:

    p1030158e6jja.jpg

    Übergang DDR-Rekonstruktionsteil (rechts) zum Altbau (links):

    p1030159z8jmm.jpg

    Gerade an den recht schief verbauten Lochfassaden und Fenstern des Altbaus lässt sich erkennen, wie mit Trümmern die Fassade repariert wurde:

    p1030172qpjgl.jpg

    Auch vielfach eher krumm hingehuschte Kammputzteile (aus der unmittelbaren Nachkriegszeit oder erst viel später?) finden sich überall, die vermutlich dann bei der Entkernung durch Signa mit fallen dürften:

    p1030173knk7c.jpg

    p1030174zpjhp.jpg

    Am vernarbtesten ist allerdings das Türmchen, an dem sich die beschädigten Reliefs befanden:

    p1030176l6j0c.jpg

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    © HarrySeidler

    Ein Zurückversetzen des "Schicklerhauses" in den ursprünglichen Zustand lässt sich also durch Umbau nicht bewerkstelligen (dafür müsste man abreißen und neu bauen). Das historische Gebaude existiert nurmehr als Fragment.

  • Es gibt übrigens auch eine Projektseite die hier noch nicht gepostet wurde. Die dort gezeigten Visus unterscheiden sich nochmal zu den in Beitrag #6. Die Dachgestaltung wurde hier weiter verfeinert und harmoniert m.E. noch ein Tick besser mit dem historischen Unterbau:


    beam_spreebrueckepmkqn.jpg


    beam_rooftopf5k9p.jpg


    beam_rooftop-river_00nfktb.jpg

    (C) Signa Real Estate Management Germany GmbH


    Ich muss sagen die Visu im allerersten Post stieß bei mir auch auf wenig Gegenliebe. Aber im Laufe der Zeit hat das Projekt m.E. deutlich erfreulichere Züge angenommen.

  • ^Finde ich interessant, dass die Visualisierungen so weit in die Zukunft blicken und sowohl das neu gestaltete Ufer, als auch die zukünftige Skyline im Hintergrund zeigen.