Beiträge von legoland

    Ich meine, dem Bau fehlt auch ein Abschluss, falls er so bleibt wie jetzt. Das Ding sieht aus wie abgesägt. Auch müsste man hier die Fernwirkung bedenken - vom gegenüberliegenden Hang kein schönerAnblick, man sieht auf ein gestaltloses Technikgeschoss mit dem Stummel des Aufzugkerns.
    Vergleicht man den Bau mit dem Hochhaus der Friedrich-Ebert-Wohnanlage aus den 1920er Jahren auf dem Weißenhof, das in einem der Fotos von Silesia gut zu sehen ist, dann fragt man sich schon, warum qualitätvolle Architektur heute so selten geworden ist.

    ... ein anderes positives Beispiel ist Zürich, das in Städterankings immer auf den vorderen Plätzen liegt. Nicht zuletzt auch, weil man schon vor Jahren ein Kompetenzzentrum für nachhaltige Stadtentwicklung (STEZ) ins Leben gerufen hat, das unter anderem Strategien für Zürich 2035 entwickelt und maßgeblich die positive Entwicklung neuer Stadtquartiere bestimmt hat (siehe Kreis 4). In Stuttgart sehe ich keine institutionelle Verankerung einer langfristigen Stadtplanung ...

    Und was den Aspekt Kultur betrifft, müsste man einfach auch mal die Prioritäten ändern: der Kulturetat von Zürich ist mit 86,1 Millionen Franken (ohne den Posten Neubau Kunstmuseum, der kommt noch obendrauf!) 2019 mehr als doppelt so hoch wie der Stuttgarts mit 34 Millionen im Haushaltsplan für 2020/2021. Zürich schreibt seit Jahren ein Kulturleitbild fort, auch das ist eine wesentliche Säule des Stadtmarketings. Wo finde ich das „Kulturleitbild Stuttgart“?
    Eine Menge zu tun für den neuen OB.

    Abwarten - die Creditreform-Rating hat eben erst die Bonität von Signa auf A+ / watch negativ herab gestuft, unter anderem wegen der Risiken der COVID-19 Pandemie im Retail-Bereich und der Beantragung des Schutzschirmverfahrens der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH.

    Architekturfan

    Mit dem Verweis auf die klassizistischen Baubestand meinte ich nicht, dass ein Neubau an der Stelle sich an dessen Proportionen orientieren müsste; dass man hier nicht mehr zweistockig bauen kann, ist klar. Aber selbst das vorhandene Volumen hätte man feingliedriger gestalten und besser proportionieren können.
    Siehe mainBulidung - das hat zwar eine massive Steinfassade, ist aber wesentlich besser geliedert (z.B. Verhältnis von Wand- und Fensterflächen, Risalite, verglastes Dachgeschoss). Da erkennt man einfach die Handschrift von gmp.
    An der Stelle hätte ich mir mehr Sensibilität gewünscht - und auch mehr Aufmerksamkeit für Details wie die Technikaufbauten auf dem Dach, die dort ohne jeden gestalterischen Anspruch abgeladen wurden und die man jetzt, wenn die schützenden Blätter der Bäume fallen, schon von weitem sieht, wenn man den Kettenhofweg von Westen her kommt, weil der Degussa-Klotz direkt in der Blickachse steht.

    prachtstück

    man sehe sich doch nur mal die im Vergleich geradezu zierlichen zweistöckigen Eckhäuser an der Kreuzung Niedenau an - und selbst im Bezug zur Bürobebauung im Hintergrund wikt der Bau allein durch seine hohe Attika und die Gleichförmigkeit der Fensterformate als massiver und abweisender Solitär, der sich bewusst in Kontrast zur Umgebung setzt. Daran ändert für mich auch das dekorative Geländer an der Beletage nichts.

    Prachtstück?

    Was ist denn daran Prachtstück? Einschüchternd monumentales Natursteingeprotze, viel zu massive Fensterlaibungen, die an Hochsicherheitstrakt denken lassen und eine Archtektursprache, die an Entwürfe von Gauforen erinnert - Paul Ludwig Troost lässt grüßen. Das klassizistische Palais nebenan wird geradezu erschlagen von dem brutalen Klotz. Man wendet sich mit Grausen von diesem gebauten Imponiergehabe.

    Beton ist nicht gleich Beton

    ... aber hallo, in Chandigarh "lebt" der Beton durch die rauhen Oberflächen mit den Spuren der Verschalung; hier ist er viel zu glatt und ohne Konturen, das macht nicht zuletzt in Kombination mit dem grauen Berliner Himmel die Sache so trist. Auf der Visualisierung (auf Seite 2 nochmal schön zu sehen), sah das noch ganz anders aus, da dachte man, hier werde ein richtig kraftvoller béton brut à al Corbusier gegossen, aber Pustekuchen ...

    Das Grundproblem des Kollhoff-Plans ist doch die - damals vielleicht noch plausible - Erwartung, dass sich die Gegend um den Alex zu einem verdichteten Business-District entwickelt, was aber nicht eingetreten ist. Inzwischen haben sich andere Bereiche (Europacity) sehr viel dynamischer entwickelt, während rund um den Alex vor allem die touristische infrastruktur mit Hotels und Hostels im eher unteren Preissegment ausgebaut wurde -nicht gerade das Umfeld für die Klientel teurer Wohntürme oder für Unternehmenszentralen. Von daher würde ich die Erwartung an die städtebauliche Entwicklung des Alex eher niedrig hängen.

    Was ich auch verstehe, sind die dunklen, schwarzen fensterprofile und das sehr dunkle Glas, das der Fassade den Eindruck des Ausgestanzten gibt - schwarze Löcher in der hellen Natursteinwand. Außerdem frage ich mich, wo die tiefen Laibungen geblieben sind, die noch in den Entwürfen zu sehen waren - oder hat man die nur an der Seite zur Hauptstätter Straße eingespart, denn da guckt ja eh keiner?

    Danke, Carlo, für den Link auf den FAZ-Artikel. Der Schnitt zeigt, wie nah HdM ihren Bau an die Matthäuskirche heranrücken. Selbst, wenn das optisch gutgeht, und die Argumente von Pumpernickel will ich nicht von der Hand weisen, besteht an der Ostseite der Kirche nach meinem Eindruck mit der schmalen Gasse die Gefahr einer Hinterhofsituation. Sollte jemals die verkorkste Westseite an der Gemäldegalerie baulich neu gefasst werden, müsste man eigentlich, um die in diesem Fall gebotene Symetrie zu wahren, dort genauso nah an die Kirche heranrücken, womit sie dann völlig eingezwängt wäre. Natürlich ist der jetzige Zustand der Freistellung alles andere als optimal, aber mit der Entscheidung für HdM sehe ich keine Chance mehr, die Matthäuskirche in einen wie immer auch gestalteten "Block" bzw. Platz mit klar gefassten Kanten einzubinden - jetzt wird ihre Stellung als beziehungsloser Solitär dauerhaft festgeschrieben. Damit bleibt das Kulturforum an dieser Stelle eine Ansammlung von isolierten Baukörpern - das Gegenteil eines Stadtraums und im Grunde genommen die Fortschreibung des (gescheiterten) Scharounschen Konzepts.

    kulturforum

    noch gar nicht angesprochen wurde das Problem des fehlenden Abstands zur Matthäuskirche und die möglichen Komplikationen bei der Aussschachtung und Baugründung. Wie man hier bei den Erfahrungen mit dem Berliner Baugrund verhindern will, dass der Matthäuskirche dasselbe Schicksaal droht wie der Friedrichwerderschen Kirche, ist mir absolut rätselhaft.

    . Wenn die lange genug "Tempel, Tempel" sagen, glauben es offenbar genug und unterdrücken lieber jeden Sinn für Proportion als ein leises "Aber" zu wagen...[/QUOTE]


    Der Archetyp für diesen Baukörper ist nicht der Tempel, sondern - tut mir leid - die Baracke - da mag das Material noch so edel und Raumaufteilung noch so rafiniert sein. Und ob hier wirklich Öffentlichkeit entsteht in dieser Ecke von Berlin, die tagsüber toter ist als tot (hat schon mal jemand so viele Fußgänger hier gesehen wie auf dem Rendering? ) , das wage ich zu bezweifeln. Um die Berlinbesucher zum Kulturforum zu locken, wäre ein architektonisches Landmark nötig gewesen, aber wer steigt hier aus dem Bus aus, um ein Foto zu machen? Keener.

    zu #37:


    Du vergisst aber zu erwahnen, dass alle diese Häuser zum Teil sehr kostspielige Lösungen für Technik, Werkstätten und Lagerung eingehen mussten - Zürich hat z.B. hat ein riesiges Werkstatt- und Lagergebäude in Oerlikon und noch weitere Flächen in der Stadt angemietet, Hamburg hat seinen Fundus auf Gewerbeparks in Brandenburg und Mac Pom (!) verteilt, die Werkstätten sind auf mehrere Standorte in HH verstreut, und über die Probleme Wiesbadens müssen wir gar nicht erst reden.

    Auch ein kritische/puristische Rekonstruktion (etwa wie beim wiederaufgebauten Reichstag) löst nicht die funktionalen Probleme; eine Oper bzw. ein Theaterbetrieb stellt heute an ein Gebäude ja ganz andere Anforderungen als Ende des 19. Jahrhunderts. Nur ein Beipspiel: die neue Oper in Oslo hat über 1000 Nebenräume incl. komplette Haustechnik. Das heißt, ein rekonstruiertes Schauspielhaus bekäme dann ein wahrscheinlich ebenso großes Magazin- und Technikgebäude an die Seite gestellt oder verschämt hintendran gepappt (Semperoper), was an der prominenten Stelle auch nicht gerade das Gelbe vom Ei wäre.
    Auch unter funktionalen Aspekten wäre nach meiner Meinung ein Neubau auf jeden Fall vorzuziehen; dabei könnte man die Frankfurter Kombination Oper/Schauspiel in einem Gebäude ja beispielhaft weiterentwickeln. Außerdem wäre ein Highlight zeitgenössischer Architektur an der Stelle in seiner Wirkung nicht nur für das Stadtmarketing ein Gewinn.

    Das war kein Pauschalurteil gegen die Architektur der Gründerzeit, nur gegen den speziellen Bau, der - anders als z.B die Alte Oper oder der Hauptbahnhof - keinerlei Ausdrucksqualitäten und Stil hat sondern nur eklektizistisch und plump wirkt - man schaue sich doch nur mal diese bombastischen steinernen Hauben auf den seitlichen Treppenhäusern an - sowas nenn ich Kitsch.

    Einspruch, und zwar vehement! Was bei einer Reko rauskäme, kann man am Opernhaus Nürnberg (selber Architekt) sehen (guckst du bei wiki) - ein scheußlicher wilhelminischer Klotz mit viel repräsentativem Zierrat, der aber damals schon von der Stange war. Seeling, so hieß der Preußische Baurat und Freund bei Hof , hat Theater im Dutzend vor allem für die Provinzstädtchen im Reich bis hoch nach Bromberg entworfenen und hatte zahlreiche Dekorationsmaler unter Vertrag, die seine schon damals nicht mehr ganz frischen Entwürfe jugendtstilmäßig etwas aufhübtschen. Der Mann und sein Werk ist heute zu recht vergessen. Diese Art von vormoderndem Talmi im Pickelhaubendesign braucht Frankfurt wirklich nicht - da genieß ich lieber in der Pause den Ausblick von den großartigen Panoramafenstern unseres maroden 60er-Jahre Kastens auf die Skyline.