Quartier Krystallpalast

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich habe doch deutlich gemacht, dass es hier eben nicht um eine Sparmaßnahme ging, und Vorschläge gemacht, wie man selbst mit günstigeren Mitteln ein m. E. stimmigeres Ergebnis hätte erzielen können.

    Du warst also am jahrelangen Planungsprozess beteiligt und weißt, in welchen Bereichen gespart wurde und wo nicht? Dann gerne raus mit den Infos.
    Ansonsten wird bei so einer Baumasse natürlich auch skaliert - das erklärt eben die gleichen Geländer, die verwendeten Materialien und Farben. Kann man jetzt doof finden - ist aber in der Regel nicht die Schuld des Architekten sondern des Bauherren.

  • arnold Die unsachlichen Hakeleien kannst du dir schenken.

    Auch ich habe mal gedacht, dass Skalierungseffekte Ursache für zu wenig Kleinteiligkeit sind, aber schon anhand dieses konkreten Gebäudekomplexes lässt sich das widerlegen. Der geflieste Gebäudeabschnitt Richtung Hofmeisterstraße hat eine andere Fensterfarbe bekommen, ebenso die Hof-Fassaden, dort wurden auch andere Geländer verbaut. Es hätte schon gewirkt, diese für andere Abschnitte bestellten Rahmenfarben und Geländer auch beim Abschnitt Hahnekamm zu bringen. Damit hätte sich dieser Gebäudeteil, der sich in Höhe, Dach- und Fensterform bereits gegenüber dem Nachbarn absetzt, auch in diesen kleinen, aber wichtigen Details abgehoben. Dass dem nun nicht so ist, untergräbt gezielt die Eigenständigkeit dieser Fassade und damit die städtebauliche Kleinteiligkeit. Und dass ein verputzter Sockel günstiger ist als einer aus Naturstein und 90 laufende Meter Traufgesims bei 200 Millionen Gesamtbaukosten nicht allzu sehr ins Gewicht fallen dürften, darüber brauchen wir doch hoffentlich nicht zu diskutieren.

    Es ist ja durchaus Geld in die Hand genommen worden, um relativ hochwertige und sogar vielfältige Fassadenabschnitte zu bauen. Umso bedauerlicher, dass innerhalb des aufgewendeten Budgets ein eleganterer Eindruck erzielbar gewesen wäre.

  • ^

    Ganz klar sind mir die beiden "gestauchten" Etagen an den unteren Fassadenteilen - 1.OG und 5. OG - nicht. Ansonsten hätte insgesamt mehr Höhe bzw. eine vertikalere Anordnung des Eckgebäudes, dem Gebäude und dem Blockrand besser getan.

  • Es würde mich auch interessieren, ob es dafür praktische Gründe gibt, aber gestalterisch finde ich diesen leichten Wechsel der Etagenhöhe angenehm. Er ist für den flüchtigen Beobachter kaum wahrnehmbar, bringt aber eine kleine Unregelmäßigkeit in die Fassade, die sie lebendiger wirken lässt. In die gleiche Kategorie fällt der geänderte Winkel der Fenstergewände in den oberen beiden Etagen. Ich freue mich auch, dass die horizontalen Gesimse umgesetzt wurden.

    Kritikpunkt ist für mich - neben der etwas tristen Farbe - die Ecke. Das Zusammentreffen der beiden Fassadenseiten finde ich unelegant. Zumindest die unmittelbar an die Eck-Kante angrenzenden Bereiche hätten symmetrisch sein sollen. Noch besser wäre eine deutliche Hervorhebung der Ecke gewesen. Früher hat man das so gemacht:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:…oramio_(43).jpg

    Naja.

    Die Gebäudehöhe finde ich in Ordnung. Es ist damit schon eines der höchsten, wenn nicht das höchste Haus der Umgebung. Es gibt an der Stelle keinen Anlass für einen besonders hervorstechenden Hochpunkt, zumal davor ja auch noch ein Haus gebaut werden wird.

  • Der Bau des Krystallpalast-Areals im Zeitraffer:

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    Einmal editiert, zuletzt von PeterL (7. Januar 2026 um 23:28)

  • ich verstehe bis heute nicht warum in einer so zentralen lange nicht höher gebaut wurde und insb. an den Ecken bzw. prominenten Raumkanten wie zB Brandenburger/Hofmeister nicht zumindest punktuell mehr akzentuiert wird / worden ist.
    Ich dachte wir haben Wohnraumknappheit?

  • Ich kann diesen Wunsch -fast standortunabhängig- nach Hochhäusern in innenstadnahen Lagen von Leipzig nicht nachvollziehen.

    Leipzig ist in diesen Lagen bisher geprägt durch 5 geschossige Wohnbauten. Das scheint zudem ein Maßstab zu sein, der in breiten Bevölkerungskreisen beliebt ist, weil die Anonymität des Wohnens darin nicht so ausgeprägt ist.

    Ich kenne persönlich auch niemanden, der aus Überzeugung gerne in Hochhäusern wohnt, egal wo. Das wird überwiegend als zweitklassig oder als Kompromisslösung angesehen, auch wenn es sicher einzelne Gegenstimmen geben wird. Um den Begriff "urban" anwenden zu können?

  • ^ ja gut, "beliebt" und kein anderes Angebot, sind nicht das selbe.

    Auch ich sehe in einem reinem Blockrand von 5 Geschossen und entsprechenden Straßenschnitten, Hochhäuser mitunter schwierig da große Verschattungen. Aber wie in den Kommentaren zuvor geschrieben, wären aber z.B. an der Brandenburger-/Hofmeisterstraße 11 bis 13 Etagen möglich gewesen. Ohne den Blockrand zu stören, größere Verschattungen in den Blockrand zu geben sowie ohne größere infrastrukturelle Anpassungen zu benötigen. Aber es wären halt fünf bis sechs Etagen mehr Wohnungen. Und der Wohnraum ist auch in Leipzig mittlerweile besonders knapp und es gibt etliche Möglichkeiten in Leipzig im Blockrand auf bis zu 15 Etagen zu gehen ohne die Infrastruktur zu sprengen.

  • "Hochhaus" in Leipzig bedeutet immer "WBS 70" oder Punkthochhaus aus DDR-Zeiten. Das ist anonymes Wohnen par excellance. Man kann zwar diese Gebäude aufwerten, sanieren usw. Die Architektur wird aber immer schreien "Du bist ein Niemand." Das ist Vermassung und Verzwergung jeder Individualität. Ich weiss, ich bin jetzt schon im Bereich der Architekturphilosophie aber ich denke, dass Architektur die Menschen in ihrem Dahinleben ganz entscheidend prägt. Und es ist eben ein Unterschied ob man an einer 300er-Briefkastenanlage in einen 11-Geschosser geht oder 4 Etagen in einem Gründerzeitler auf rotem Kokosläufer nach oben steigt.

    Richtige Hochhäuser, die auch als hochwertige Adresse durchgehen könnten, gibt es in Leipzig nicht. Das ginge als vollkommen neu konzipierter Bau mit entsprechender Infrastruktur (Concierge, Valet, Tiefgarage, eventl. Day Spa). Das gibt der Markt noch nicht her, aber wir werden solche Dinge auch in Leipzig sehen. Geld ist genug da und nicht jeder will in einer Gründerzeitvilla in Leutzsch wohnen. 20 Etagen in einem skulpturalen Glasturm am Rosental würden definitiv eine interessante Alternative sein.

    Einmal editiert, zuletzt von Lichtwark (9. Januar 2026 um 11:04)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich kann diesen Wunsch -fast standortunabhängig- nach Hochhäusern in innenstadnahen Lagen von Leipzig nicht nachvollziehen.

    Leipzig ist in diesen Lagen bisher geprägt durch 5 geschossige Wohnbauten. Das scheint zudem ein Maßstab zu sein, der in breiten Bevölkerungskreisen beliebt ist, weil die Anonymität des Wohnens darin nicht so ausgeprägt ist.

    Ich kenne persönlich auch niemanden, der aus Überzeugung gerne in Hochhäusern wohnt, egal wo. Das wird überwiegend als zweitklassig oder als Kompromisslösung angesehen, auch wenn es sicher einzelne Gegenstimmen geben wird. Um den Begriff "urban" anwenden zu können?

    Ich rede hier nicht von Hochhäusern.
    In Berlin, FFM, MUC wird an solchen stellen durchgehend 7-8 geschossig gebaut und an den Ecken dann halt mal 9-10.

    Das sind keine Hochhäuser.

    Und sich sklavisch an den Bestand zu halten und keinen cm drüber zu gehen ... warum? Was ist der Sinn dahinter?

  • Der Sinn dahinter kann so verstanden werden :

    E geht für mich in einer Stadt um Identifikation in historisch gewachsenem Stadtraum. Das zieht mich und -viele Menschen- in attraktive Städte wie Ergurt, Leipzig oder Potsdam. Es begeistert mich, auch die moderne Architektur, mit Bezug zum Umfeld und in angemessenem Maßstab.

    Wenn das Primat schnelle und viele Wohnungen sind, dann kann/ muss man immer Hochhäuser fordern, im Nachhinein auch die 11-Geschosser oder Punkthochhäuser in Grünau. Oder man kann aktuell die grässlich primitiven 7-Geschosser am Dösener Weg (mit naiver Hochhausdominante von 11Geschossen) rechtfertigen. Aber fühlt sich damit jemand wohl? So was kann irgendwo stehen, also auch am Rand von München, FFM oder Castrup-Rauxel? Aus sozialpolitischen Erwägungen vielleicht richtig. Aber wir sind doch hier in einem Architekturforum.

  • Ich komme mir ein bisschen wie eine Gebetsmühle vor, aber bitte, offenbar besteht noch Bedarf.

    Dekoratives Anführungszeichen

    In Berlin, FFM, MUC wird an solchen stellen durchgehend 7-8 geschossig gebaut und an den Ecken dann halt mal 9-10.

    Das sind keine Hochhäuser.

    Ab 22 Metern ist es - vielleicht nicht im Empfinden von DAF-Usern, aber rechtlich - ein Hochhaus. Und für Bauherren zählt das Recht, das für Hochhäuser besondere Vorschriften macht. Diese können auch nicht einfach abgeschafft werden, weil z. B. die Rettungsleitern von Feuerwehren nicht höher als 22 Meter reichen.

    Der zusätzliche Mehraufwand muss sich rentieren und zwar durch entsprechende Mieten. Und das will ja hier auch keiner.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wenn das Primat schnelle und viele Wohnungen sind, dann kann/ muss man immer Hochhäuser fordern, im Nachhinein auch die 11-Geschosser oder Punkthochhäuser in Grünau.

    Auch das sehe ich nicht unbedingt so. Die Flächenausnutzung von Hochhäusern ist nämlich gar nicht so gut. Am dichtesten besiedelt ist in Leipzig nicht Grünau, sondern die Südvorstadt, Reudnitz-Thonberg, Gohlis-Mitte... Die Zahl der Haushalte pro km² ist in der Südvorstadt doppelt so hoch wie in Grünau-Mitte.

    Und wenn ich mir anschaue, wie rasend schnell die Gründerzeitquartiere im 19. Jahrhundert hochgezogen wurden, ist auch in dieser Hinsicht dort eher das Vorbild zu finden als in der DDR.

    Dass man billiger bauen kann, war die Kritik des Bauhauses und anderer Revolutionäre, die sich leider durchgesetzt haben, was ein seltsames Eigenleben entwickelt hat, weil inzwischen oft im Bauhaus-Stil, aber auch sinnlos teuer (Materialen, Flächennutzung) gebaut wird.

    Mehr zum Thema Hochhaus, auch mit Verweis auf Berlin, hatte ich unter anderem bereits hier geschrieben.

  • In 22 m schafft man durchaus 7-8 Etagen unter zu bringen, wenn ich mich nicht irre.

    Ich finde auch nicht, dass es punktuelle Gebäudekörper a la PH 16 sein muss. Urbanisierung und städtisches Wachstum besteht doch daraus, nachzuverdichten und in die Höhe zu wachsen. 3,5-Etagen Fachwerkhäuser werden durch 5,5-Etagen Ziegelhäuser ersetzt - ohne sich von einer Blockrandbebauung trennen zu müssen. Grade in dieser Lage hätten 7 Etagen plus Dachgeschoss durchgehend durchaus wirken können (an der Brandenburger Str. hat man es so, an der Rosa-Luxemburg-Str. ist man meines Erachtens deutlich zu niedrig geblieben. Wir wollen Wege verkürzen und Wohnraum schaffen.

    Zu Grünau - Grünau hat auch deutlich mehr Grünflächen als Südvorstadt, Reudnitz-Thonberg, Gohlis-Mitte / das zu vergleichen, ergibt nur bedingt Sinn.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich kenne persönlich auch niemanden, der aus Überzeugung gerne in Hochhäusern wohnt, egal wo. Das wird überwiegend als zweitklassig oder als Kompromisslösung angesehen, auch wenn es sicher einzelne Gegenstimmen geben wird. Um den Begriff "urban" anwenden zu können?

    Wir konnten mal Freunde in einem der PH16 im Musikviertel besuchen - in einer Maisonettewohnung ganz oben. Toller Blick über den Park und die Stadt, tolle Lage und als Maisonette auch von der Raumwirkung her angenehm.

  • @Mods: das Thema kann auch gerne in eine allgemeine Architektur-Diskussion gezogen werden...


    Also ich versehe die suggerierte Binarität zwischen einem Ende der 1960er Jahre geplanten PH16 für Großwohnsiedlungen und einem "Luxusturm" so gar nicht. Als gäbe es nur diese beiden Möglichkeiten einer höheren Nachverdichtung. Außerdem habe ich ja auch schon geschrieben, dass sich im Bestand von geschlossenem Blockrand selbst kleinere "Hochhäuser" eher wenig eignen.

    Leipzig hat aber genügend Flächen welche immer noch größere Weltkriegs-Lücken oder Verfalls-Lücken aufweisen. Sowie ehemalige Industriefläche z.B. rund um den Hbf und Kernstadt-nahe Großwohnsiedlungen wie zB. der 18. Oktober.

    Darüberhinaus zeigen doch bisher die Wohnungsgenossenschaften, wie eine ordentliche Verdichtung hier, hier, hier oder hier möglich ist bzw. möglich wäre ohne PH16 oder Luxus.

    Ich hätte an diesem Standort - und seiner diesbezüglich städtebaulich verträglichen Struktur - einige höhere Gebäude durch die Nutzungsmöglichkeiten die daraus entstehen, für sinnvoll gehalten. Leipzig hat eine der höchsten Single-Dichte in Deutschland, es gibt kaum Wohnungen für Student:innen und Wohnraum ist natürlich insgesamt knapp.

  • Die obigen Beispiele sind gerade keinen guten Beispiele. Hier stehen vorwiegend Solitäre auf grüner Wiese. Genau das ist das Elend der Großwohnsiedlungen. Absurde Verdichtung bei maximaler Leere rundum. Hochhäuser sind teil des urbanen Kontexts und gehören in eine bereits verdichtete, möglichst geschlossene Umgebungsbebauung. Idealerweise auch mit auf Strassenniveau/Traufniveau geschlossenem Blockrand.

  • Die Frage ist, ob das überhaupt vier Beispiele für irgendwas sind oder nicht eher vier völlig verschiedene.

    Die "Lipsia-Zwillinge" haben acht Geschosse, also auch nur eines mehr als die Krystallpalast-Dominante an der Brandenburger Straße oder auch der Kopfbau der "Chopin-Spitze" gegenüber des Krystallpalasts.

    Der Lipsia-Turm hat 13 Geschosse, damit ist er sehr deutlich über 22 Metern und der Mehraufwand verteilt sich auf mehr Etagen.

    Gleiches trifft auf das Holzhochhaus in Paunsdorf zu, das, wenn es jemals gebaut wird, nur als singuläres Demonstrationsprojekt realisierbar ist.

    Der Wettbewerb zur Jupiterstraße war ein Ideenwettbewerb für den Nachwuchs ohne jeden Anspruch auf Realisierung.

    Es bleibt dabei: 7 Geschosse sind offenbar das Höchstmaß der wirtschaftlichen Blockrandbebauung, zumindest hier und jetzt. Die Bauherren planen nicht deshalb mit diesem Limit, um das Forum zu ärgern oder um in Leipzig den Wohnraum knapp zu halten.

    Im konkreten Fall hätte ich mir vor allem Richtung Hahnekamm partiell sechs Geschosse (statt fünf) gut vorstellen können. Wohnungen wären dadurch nicht entstanden, dort ist ein Hotelriegel. In der Hofmeisterstraße sind die fünf Geschosse meines Erachtens verträglich. Ein weiteres hätte der ohnehin sehr massigen Bebauung nicht gut getan.