Beiträge von Lichtwark

    Dekoratives Anführungszeichen

    Nachteil: Die Autoabhängigkeit wird weiter zementiert. Eine dicht bebaute Stadt wie Leipzig braucht nun alles andere als sich vergrößernde Blechlawinen!

    Anders als die Großstädte im Westteil des Landes hat Leipzig aufgrund der ausgebliebenen Suburbanisierung zwischen 1960 und 1990 kein zersiedeltes Umland. Da ist Potenzial für Zuzug, eine sich vergrößernde Steuerbasis, Investitionen. Verstehe den Impetus nicht, Leute in Mehrfamilienhäuser und verdichtete Stadträume zu stopfen. Wer will da wohnen? Noch dazu jenseits der 30 mit 1-2 Kindern? Etwa mit Lastenrad etwa noch? Das ist eine Dystopie, wo sich der klassische Einfamilienhausbau in der Vorstadt oder den Umlandgemeinden weitaus attraktiver zeigt.

    Leider unrealistisch. Es ist und bleibt eine Luxussituation, die zu Recht auf dem Prüfstand steht. Die hier geschriebenen Erregungspirouetten wie stark und in welchem Umfang Leipzig übel mitgespielt wird, bringen gar nichts. Unabhängig von der Himmelsrichtung ist sparsam mit dem Gelde anderer Leute (aka "Steuern", "Bundesmittel", "Fördermittel") umzugehen. Da ist es geboten auch die Art und Weise zu hinterfragen wie dauerfinanzierte Gebilde wie die DNB sammeln und funktionieren. Daß schon als Ketzerei zu verhetzen zeigt nur, dass es nicht um die Sache (Dokumentation und Sammlung deutschsprachiger Schriften) geht, sondern um konkrete Organisationsweisen, die etwa Leipzig oder Frankfurt vorteilhaft sind. Das geht aber am Organisationszweck vorbei. Die Effizienz der Organisation DNB samt ihrer Infrastruktur darf und muß diskutiert werden. Es gibt nämlich weite Teile der Bevölkerung, denen die DNB vollkommen wurscht sind. Auch diese Leute werden im Wege ihrer Steuern zur Finanzierung der DNB herangezogen. Der Allgemeinheit ist der Staat das regelmäßige Hinterfragen seiner Strukturen schuldig.

    Ceterum censeo: Der Anbau sieht immer noch humpe aus. Pseudo-Dekonstruktivistische Kirchentagsarchitektur

    Daß die Entscheidung keine Euphorie auslöst ist verständlich, allerdings kann ich die Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Hier wird seit Jahren in regelmäßigen Abständen in Luxusarchitektur investiert. Und der neue Entwurf neben dem großartigen Erstbau der Nationalbilbiothek ist gelinde gesagt ein ästhetisches Verbrechen. Gut, dass es so nun nicht kommt

    Um den demographischen Wandel zu bewältigen brauchen wir vor allem Jobs und Wirtschaftswachstum, damit gut situierte Neubürger nach Leipzig ziehen, Studenten aus ganz Deutschland nach dem Studium hier bleiben. Die Einwohnerzahl an sich ist gar nicht so wichtig. Perspektivisch würde ich es gerne sehen, wenn die Großwohnsiedlungen entweder suburbanisiert werden (Höhenrückbau bei gleichzeitiger Füllung der weiten Wiesenflächen zwischen den Häuser mit Einfamilienhäusern) oder gleich ganz rückgebaut werden. Ziel wäre eine prosperierende, kompaktere Stadt mit eher höherer Bevölkerungsdichte als heute

    Die obigen Beispiele sind gerade keinen guten Beispiele. Hier stehen vorwiegend Solitäre auf grüner Wiese. Genau das ist das Elend der Großwohnsiedlungen. Absurde Verdichtung bei maximaler Leere rundum. Hochhäuser sind teil des urbanen Kontexts und gehören in eine bereits verdichtete, möglichst geschlossene Umgebungsbebauung. Idealerweise auch mit auf Strassenniveau/Traufniveau geschlossenem Blockrand.

    "Hochhaus" in Leipzig bedeutet immer "WBS 70" oder Punkthochhaus aus DDR-Zeiten. Das ist anonymes Wohnen par excellance. Man kann zwar diese Gebäude aufwerten, sanieren usw. Die Architektur wird aber immer schreien "Du bist ein Niemand." Das ist Vermassung und Verzwergung jeder Individualität. Ich weiss, ich bin jetzt schon im Bereich der Architekturphilosophie aber ich denke, dass Architektur die Menschen in ihrem Dahinleben ganz entscheidend prägt. Und es ist eben ein Unterschied ob man an einer 300er-Briefkastenanlage in einen 11-Geschosser geht oder 4 Etagen in einem Gründerzeitler auf rotem Kokosläufer nach oben steigt.

    Richtige Hochhäuser, die auch als hochwertige Adresse durchgehen könnten, gibt es in Leipzig nicht. Das ginge als vollkommen neu konzipierter Bau mit entsprechender Infrastruktur (Concierge, Valet, Tiefgarage, eventl. Day Spa). Das gibt der Markt noch nicht her, aber wir werden solche Dinge auch in Leipzig sehen. Geld ist genug da und nicht jeder will in einer Gründerzeitvilla in Leutzsch wohnen. 20 Etagen in einem skulpturalen Glasturm am Rosental würden definitiv eine interessante Alternative sein.

    Ich muss aber sagen, dass es auch dauerhaft ein weiteres soziokulturelles Subventionsobjekt gewesen wäre. Das Kino der Jugend wird höchstwahrscheinlich eher Arthouse, Kurzfilme oder unkommerzielle Kinder- und Jungendfilme zeigen, die ein Kleinstpublikum ansprechen. Die 2020 gestartete Konzeptphase hat auch nur die üblichen urban-liberalen Soziokulturisten angesprochen. Kommerziell kostendeckend ist so ein Haus nicht zu führen. Das wäre allerdings das Mindeste und mich stört, dass sämtliche Projekte dieser Art dies nicht mal mitdenken in ihren Konzepten. Stattdessen wird von "Zivilgesellschaft" und "visionärer Filmkunst in Zeiten tiefgreifenden Wandels" geraunt. Das ist alles Konzept- und Antragsgeschnatter ohne Substanz.

    Angesichts der Deckungslücken und Herausforderungen der Stadt ist so ein Projekt wünschenswert, aber purer Luxus. Die Gefahr, dass ein weiteres Dauersubventionsprojekt für irgendwelche Grüppchen entsteht, die es mit der Erwerbsarbeit und dem Leben ohne Staatsknete nicht so haben, ist einfach zu groß. Das war jetzt polemisch, aber anders kann ich es nicht formulieren, weil ich nicht verstehe, wieso sich die Stadt finanziell bei solchen Partikularinteressen einbringen sollte.

    Schönheit und Ästhetik haben hier wirklich einen Tiefpunkt erreicht. Man erspare mir bitte Rechtfertigungsversuche, die sowas als irgendwie akzeptabe finden. Technisch und handwerklich vielleicht noch, aber architektonisch und ästhetisch zieht man in solchen Kisten die Untertanen und Schläger von morgen heran. Aus der Architektur spricht keine Wertschätzung, sondern nur ein großes "Du bist ein Niemand."

    Konkret nein. Das oben gezeigte ehemalige Verwaltungsgebäude des Grundstücks (muss eine kleinere Fabrik gewesen sein) ist nach wie vor unberührt. Es weist sehr fragwürdige Anbauten im Dachbereich nach hinten auf und wird als Baustellenunterkunft genutzt.

    Der erwähnte kahle Zweckbau ist im hinteren Bereich auf ungefähr der kleinen Grundfläche wie die vorherige Fabrikhalle entstanden, hat aber 2 Geschosse mehr in der Höhe. Der ehemalige Heizschornstein aus DDR-Zeiten ist als einziges stehengeblieben, womöglich als eine Art Minarett.

    Von der Rackwitzer Strasse aus sieht man eine Art Torhaus neben dem Verwaltungsgebäude, dahinter ca. 30m rückversetzt schließt sich der Neubau an. Rückwärtig von der Brandenburger Strasse hat man den besseren Blick. Bauqualität sehr günstig, das Gebäude wird ornamentfrei, ein reiner Zweckbau. Ein Artikel in der Elvauzett, gibt den derzeitigen Baustand gut wieder: https://www.lvz.de/lokales/leipzi…GSJ4SZMOHM.html Im Bildhintergrund das noch unsanierte Verwaltungsgebäude an der Rackwitzer Strasse.

    Die verbleibende Fertigstellung bezieht sich auf den Inneraum und das an der Rackwitzer Strasse gelegene Altbaugebäude. Der eigentliche Baukörper ist sachlich gehalten, Dekorationen sind nicht erkennbar. Sollte das nicht die gleiche Ahamadiyya-Gemeinde sein, die ursprünglich in Gohlis bauen wollte?

    Es gab da einige Geschmacklosigkeiten mit Schweineköpfen usw., allerdings wäre das auch der richtige Bauplatz gewesen. Nun zwischen Parkett-Hinterseer und Stop&Go-Autowerkstatt gelegen, wird das mit der Integration in den bürgerlichen Stadtraum wieder nichts. Das ist das Entäuschendste daran. Religion, schon gar nicht der Islam, gehört nicht in Hinterzimmer und schmuddelige Gewerbezonen, sondern in normale Wohnviertel, wo diese Religion als völlig normaler Bestandteil des gesellschaftlichen Stadtlebens zelebriert wird. Das Abgesonderte wird schnell das Ominöse, das irgendwie nicht ganz Durchschaubare, das befeuert sinnlos Klischees und Vorurteile.

    Das Gebäude steht bereits und hat seinen Außenputz...für Visualisierungen ist es 1 Jahr zu spät.

    Was das Gewerbequartier im Postbahnhof angeht, kann ich Stillstand vermelden. Die CG-Gruppe ist finanziell bewegungsunfähig. Alle Arbeiter und Gerüste sowie Überwachungstechnik sind seit Monaten abgezogen. Theoretisch liegt der Postbahnhof als Bauruine brach. Mit der zu CG gehörigen Hausverwaltung haben wir einschlägige Erfahrungen, die allesamt eher mäßig sind und von Ressourcenmangel gekennzeichnet sind. Wird das Gesamtprojekt nicht verkauft, wird es noch lange Zeit brach liegen. Bereits jetzt gibt es hin und wieder Probleme für unsere Mitarbeiter in der Morgenschicht, die durch sichtlich drogengeschädigte Personen beim Gang ins Büro belästigt wurden. Seitdem einer der Unbekannten in unser Foyer eingedrungen ist, wurde durch den Arbeigeber Pfefferspray in einem etwas hilflosen Move an alle Mitarbeiter ausgegeben. Soviel zur Gentrifikation.

    Was den Fliederhof angeht, droht nach zaghaften Anfängen der Stablisierung eine erneute Schieflage durch die Einrichtung einer großen Flüchtlingsunterkunft mit 600 Plätzen. Also genau eine wiederum problematische Struktur die erwiesenermaßen vorwiegend Langeweile, Dummheiten, Vandalismus produziert und folglich Gewalt durch Absonderung und Isolation von der deutschen Gesellschaft im allgemeinen und der Leipziger Bürgerschaft im Besonderen. Da geht es nur um Menschenverwahrung, nicht um Integration. Zwar wurde die Entscheidung letzlich durch den Stadtrat glücklicherweise niedergeschlagen, aber es reicht schon eine Einrichtung in halber Größe aus. Nach wie vor gibt es dort nichts. Keinen Einzelhandel, kein Vereinsleben, keine Sportmöglichkeiten, die fußläufig erreichbar wären.

    Eigentlich ist es erneut ein unwürdiger Klotz im Mischgebiets-Niemandsland. Das wirkt zwangsweise obskur. Ich hätte mir ein öffentlichkeitswirksames, transparentes Gebäude gewünscht, das von der offensichtlich großen Gemeinde auch tagsüber bespielt wird.

    Die Art, Optik und Lage des Gemeindezentrums sind jedenfalls ungeeignet, Vorurteile zu zerstreuen.

    Dieses Gebäude war lange wirklich buchstäblich "in der Versenkung" verschwunden. Aber es ist definitiv eines der Hauptwerke der deutschen Postmoderne. Was es an der im damaligen Westdeutschland verfügbaren Materialvielfalt nicht hat, macht es mit einer stilistisch ambitionierten Formensprache und der Farbgebung wett. Das Architektenkollektiv hat ebenso bei James Stirling wie bei Aldo Rossi Anleihen genommen und einen stimmigen Bau von hervorragender architektionischer Qualität geschaffen. Sicherlich war das auch der besonderen Lage der späten DDR zu verdanken, als die Zügel schon etwas erschlafft waren und vieles unter dem Radar möglich gemacht wurde.

    Ich halte es in einer halbwegs urbanen Mittelschichtsstadt wie Leipzig auch durchaus für etwas "en vogue" sich auf einer Demo gegen rechts zu bekennen. Da trifft man Gleichgesinnte, hat gute Gespräche und das gute Gefühl sich in der Abneigung gegen die wirklich unappetitliche Rechtstruppe und ihrer Hintersassen zeigen zu können.

    Ohne das Leipziger Engagement zu schmälern: Wenn sich in Altenburg 1000 Leute auf den Marktplatz stellen, so kann das in der Woche danach durchaus soziale Folgen haben. Von mißgünstigen Blicken über Geschnittenwerden im Kollegenkreis bis hin zu noch mehr Schweigen in Familien, wenn es mal konkret werden müßte. In Leipzig wird es derlei vergleichsweise selten geben, deswegen ist die Schwelle, zum Protest zu gehen, auch durchaus geringer. Protest äußert sich dann immer leicht, wenn man weiß, dass man mit der gesellschaftlichen Mehrheit einer Meinung ist. In Altenburg, Rochlitz, Spremberg, Gera usw. kann man sich dessen in keiner Weise sicher sein. Ich rechne das Engagement dort doppelt an!

    Sich unter Gleichgesinnten der Übereinstimmung zu versichern ist leicht, aber am Stammtisch gegen 4 Skatbrüder mit rassistischen Gemeinplätzen einfach mal zu sagen "Leute, jetzt reichts aber!" verlangt ungleich größeren Mut. Oder an der ach so harmonischen Kaffeetafel den verachtungsvollen Sprüchen der Verwandschaft konkret die eigene Meinung entgegensetzen. Bekennt man sich oder hält man wie Hunderte Male vorher um des lieben (Familien)friedens wieder mal den Mund?

    Diejenigen, die dann im Brustton der Überzeugung sagen "Aber natürlich muss man gegen rechts eintreten" haben meist keine wirkliche Erfahrung mit der Verbreitung und Tiefe rassistischer und chauvinistischer Meinungen in der deutschen Gesellschaft.

    Sage ich mit frischer Erinnerung an ein durch und durch logikfreies Rechts/Verschwörungs/Orban/Trump-Weltbild eines Gastes einer Familienfeier in einem Leipziger Vorort, den ich am Samstag einige Stunden zuhören durfte. Liebenswürdiger Opa und kalt menschenfeindliche Sprüche in einer Person.

    Was nichts kostet ist auch nichts wert. Angesprochen werden von solchen Ausstellungen immer die Gleichen. Ich wage mal die Vorhersage, dass es eher Mitnahmeeffekte in der Bürgerschaft gibt, die sich den Eintritt bisher gut hat leisten können und dass sowas eher keine neuen Nutzergruppen erschließt.

    Richtige Analyse. Dabei vergißt man aber in dieser saturierten Stadtgesellschaft, dass der ländliche Raum mit weiter bestehenden Strukturschwächen gleich hinter dem BMW-Werk anfängt. Um Leipzig herum gibt es (Halle ausgenommen), keinen einzigen selbsttragenden Wachstumskern. Die gesamt Region zwischen Delitzsch und Altenburg ist wohlstandsmäßig von Leipzig abhängig. Dieser Verantwortung wird man jedenfalls nicht gerecht, wenn man Fahrspuren grün anpinselt und behauptet, sie gäben dem Fahrradverkehr mehr Raum. Das sind egoistische Symbolmätzchen für linksgrüne Bevölkerungsteile. Im Unterschied zu München fahren auf diesen Fahrspuren keine Manager im X5 mit Starnberger Kennzeichen, sondern die 40 jährige Industriekauffrau im gebrauchten Kia auf dem Weg zu ihrer Arbeit.