^die Stalinallee war Programmarchitektur. Derartige Strukturen waren schon immer fast kennzeichnend für autoritäre Obrigkeiten aller möglichen Art und Weise, immer dann, wenn das einzelne Individuum sich klein und unbedeutend, gleichzeitig aber als Teil eines großen Ganzen, fühlen sollte. Ob "du bist nichts dein Volk ist alles" der NS Zeit oder das "hälst du dich etwa für was besseres?" aller Sozialisten, es ist das über-politische identische Motiv. Nein, das passt definitiv nicht in die Zeit. Deswegen hat man umgekehrt zB in Bonn betont darauf geachtet, keinerlei Staatsachsen o. ä. zu gestalten, hat das neue Bundeskanzleramt im Stil eines Provinzgymnasiums (mit lediglich einigen etwas edleren Ausstattungsdetails) hochgezogen und schließlich auch das letzte Bundestags-Plenum im betont funktional-transparenten Stil gestaltet.
Mit dem Umzug der Bundesregierung und des Bundestags nach Berlin zog man leider wieder in alte, menschenverkleinernde Gebäude, die aus autoritären Zeiten geblieben sind, ein und gestaltete auch die Neubauten des Bundes wieder zunehmend menschenverkleinernd (der vorläufige Gipfel ist da sicherlich der BND Neubau - während das alte BND Gelände in Oberbayern mit seinem 0815 Werkstor und verwaschenen Eingangsschild so harmlos wie eine Knödelfabrik im öffentlichen Bewusstsein in Nachrichtensendungen und Magazinabbildungen auftauchte wird dieser "neue BND" sicherlich von seinem Gebäude geprägt werden und auch das öffentliche Bild des BND entsprechend ändern).
Das Zeitalter der Programmarchitektur glaubte man in der alten Bundesrepublik eigentlich überwunden zu haben. Mit dem Umzug nach Berlin kam es in Trippelschritten zurück. Und ich will verdammt sein, wenn wir jetzt wieder anfangen Paradestraßen und menschenverkleinernde Sichtachsen, flankiert von "Megastrukturen", anzulegen. Ich kann Architekten verstehen die gerne mit solchen Gedanken spielen und es soll ja auch keine Denkverbote geben. Ich glaube auch nicht, dass jeder Architekt, der mit solchen Gedanken spielt, irgendwelche politischen Motive damit verbindet, ganz und gar nicht. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) ist hier größte Vorsicht geboten, Architektur wurde schon zu oft in den Dienst von Obrigkeiten gestellt. Dem sollten wir auch weiterhin betonte Unaufgeregtheit entgegen stellen und von Inszenierungen des Stadtbilds, die früherer Programmarchitektur ähneln, möglichst absehen.