Wilhelmstraße - Plattenbaumoderne vs Neubebauung

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    Zitat von Whywolf_Larry

    Wir leben nicht mehr im 19.Jahrhundert und entgegen der Durchmischung in dieser Zeit betreibt man heute eher eine Segregation. Dementsprechend ist es doch sinnentleert mit "Bautypologischen" Regeln von vor 100 Jahren solch ein Gebäude zu bewerten.

    Ich halte es hier mit Camondo und Ben – nicht, weil ich meinte, Neubauten per se bräuchten eine Beletage, sondern weil ich finde, dass Patzschkes Imitate des 19. Jahrhunderts eine bräuchten, um halbwegs stimmig zu wirken. Das Westin Grand macht das übrigens besser: Der erste Stock ist deutlich vom Erdgeschoss abgegrenzt und dank größerer Fenster und höherer Räume als besonderes Stockwerk erkennbar.

    Patzschkes Entwurf wirkt dagegen auf den ersten Blick so, als gäbe es ein riesiges Erdgeschoss, über dem die übrigen Stockwerke ganz gedrungen aussehen. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich um eine zweigeschossige Sockelzone handelt, deren Teilung aber geradezu versteckt wird – um den Preis, dass die historisch so bedeutende Beletage optisch eben verschwindet.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Ich verstehe nicht, warum Bauherren sich immer wieder Patzschke anlachen, wenn sie historisierend bauen wollen. Meines Erachtens hat der Mann von historischen Proportionen, Stilmitteln, etc. entweder keine Ahnung (was ich mir nicht vorstellen kann), oder er ist ein Zyniker, dem die Wirkung seiner Arbeiten am Hintern vorbei geht...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Schon vor 4 Tagen berichtete der Tagesspiegel, dass dem Abriss des Plattenbaus nichts mehr im Weg stünde. Der Investor habe sich mit den letzten verbliebenen Mietern auf eine Auszugsvereinbarung gegen Entschädigung geeinigt. Eine aktualisierte Baugenehmigung gebe es jedoch noch nicht.
    Ausführendes Architektenbüro sei nach wie vor Patzschke.


    Der ursprüngliche Entwurf sah am besten aus:
    http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost…1&postcount=289

    Aber man muss sich ja heutzutage mit wenig zufrieden geben ...

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    "Klein Moskau" würde eher zur Karl-Marx-Allee passen, aber nicht hierher.
    Überdies wäre eine kleinteiligere Bebauung für diesen Bereich traditioneller.
    Aber der letzte Entwurf ist in Ordnung.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Meines Erachtens hat der Mann von historischen Proportionen, Stilmitteln, etc. entweder keine Ahnung (was ich mir nicht vorstellen kann), oder er ist ein Zyniker, dem die Wirkung seiner Arbeiten am Hintern vorbei geht...


    Nein er ist einfach nur der Investorenlogik unterworfen denen nunmal "verschwendete" Quadratmeter und Geldfressende hohe Decken schwer zu erklären sind. Außerdem sagt ja selbst ein Patzschke das er "Versöhnend" baut, er redet ja auch eher von Klassik denn Historisierend. Unterm strich ist er einfach ein verkappter Postmoderne Architekt, daher auch die kitschigen Entwurfskizzen und die in Materialität ebenso kitschigen Gebäude.

    PS.: Das Westin wurde von Japanischen Architekten der Kajima-Corp. gebaut. Es ist wahrscheinlich deswegen so ein durchstrukturiertes Zitate Palimpset.

  • ^ Was Du über Patzschke schreibst ist die elaborierte Variante dessen, was ich mit "Zyniker" meinte...

  • Dekoratives Anführungszeichen

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    "Klein Moskau" würde eher zur Karl-Marx-Allee passen, aber nicht hierher.
    Überdies wäre eine kleinteiligere Bebauung für diesen Bereich traditioneller.
    Aber der letzte Entwurf ist in Ordnung.


    Was soll an dem bisherigen Entwurf nicht i.O. sein? ... verglichen mit dem was da drum herum gebaut wird passt es doch ganz gut?

  • Also ich sehe da - wie von anderen schon angesprochen - mehr Ähnlichkeit zum Hilton oder Westin Grand also zu deinem Beispiel.
    Klar kann man sich die ein oder andere Kleinigkeit rauspicken, aber eine besondere Ähnlichkeit kann ich hier nicht feststellen.

  • Soweit ich gehört habe ist das Leipziger Büro Fuchshuber der Architekt. Gregor Fuchshuber kopiert gnadenlos jede Architektur und gilt in der Branche als Billigheimer.

  • Zurück zum Entwurf für die Wilhelmstraße von Patzschke. Ich bin von dem neuen Entwurf ehrlich gesagt sehr enttäuscht. Es erinnert mich fatal an den Leipziger Platz und leider an so viele Bauten die Patzschke planen. Am Anfang ist es immer schon ein Tick zu viel Historismus. Am Ende aber ist es nur noch eine einfallslose Kiste, die nicht mal hochwertig aussieht.

    Ihr könnt mich gerne schlagen, aber mir sagte diese Konzeption deutlich mehr zu. https://model2.de/light/12427/wilhelmstrasse-skizzetaubd.jpg

    Ich gebe zu, es ist etwas Russenschick, aber ich finde, ein zwei solche Bauten verträgt Berlin. Ich hätte mal gerne einen Patzschke gesehen, der mal genauso gebaut wird, wie am Anfang geplant. Ich finde, dass er im Kontext mit dem Adlon auch gar nicht so schlecht gewirkt hätte. Vermutlich ist der Ursprungsentwurf einen Tick zu viel, aber mir wäre das mal lieber gewesen, wie die immer weiter runter reduzierte Langeweile, wie man sie jetzt auch am Leipziger Platz sieht. Ich habe nämlich den Verdacht, dass man im Planungsverlauf noch weiter abspeckt, bis man einlich wieder am Berliner Einheitsraster angekommen ist. Ich finde es schade.

  • Ja. Das leidige Proportionenproblem bei Patzschke. Das Problem beim aktuellen Entwurf ist, dass man zwanghaft sechs statt fünf Geschosse unterbringen musste.

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    Daher wirkt das alles sehr gedrängt und optisch falsch proportioniert. Der alte Entwurf war da sehr viel besser, auch weil das Dach den Bau da viel besser nach oben gestreckt hat, was den Proportionen sehr gut getan hat.

    Leider wird das bestimmt nicht die letzte Überarbeitung gewesen sein. Mal schauen, was am Ende dann wirklich kommt!

    Leider muss man sagen, dass der jetzige Entwurf nicht mehr groß besser aussieht als ne sehr ordentlich sanierte Platte!

  • Am seltsamsten wirken auf mich ja diese komischen verglasten schrägen Dachabschnitte in der Mitte. Dahinter verbergen sich vermutlich Atelierwohnungen, weswegen man ungerne auf die großen schrägen Glasflächen verzichten möchte. Ein komplettes Glasdach im mittleren Bauabschnitt wäre optisch vielleicht auch noch gerade so erträglich, nur wird das ganze wiederum durch die Loggien/Dachterassen auch noch in drei Abschnitte unterteilt. Im Ergebnis erinnert mich das eher an oben abgeschrägte Treppenhäuser bei Gebäuden aus den 60/70er Jahren, deshalb auch wohl der starke Eindruck von Plattenbau.
    Vor allem an dieser Stelle sehe ich dringenden Nachbesserungsbedarf. Zumindestens sollte man diese Ateliererker irgendwie stärker mit Rundungen versehen und dies komische Hellbraun entfernen, damit der Kontrast zum Rest des Gebäudes nicht ganz so hart wird.

  • Mir gefällt der Entwurf sehr gut. Sollte er hochwertig umgesetzt werden (da sehe ich eher ein Problem) wäre es eine Bereicherung für die Ecke. Zur Kritik: Die niedrige Beletage empfinde ich nicht als Problem. In Wien beispielsweise befindet sich an dieser Stelle häufig das Mezzanin als niederigeres Geschoss unter der Beletage. Das könnte man hier auch so sehen. Von mir aus könnte der Sockel einen halben Meter tiefer liegen, damit es nicht so gedrungen wirkt, an sich aber mehr als ok. Zum schrägen Glasdach nebst Staffelgeschossen. Das kenne ich so in der Art aus Hamburg. In der Seilerstr 16-24 findet sich dort ähnliches. Die Dachwohnungen habe ich zumindest aus der Entfernung immer als unheimlich schick empfunden.

  • Ganz klar ein top Entwurf. Mir würde es nur besser gefallen wenn man den Mut hätte und wieder vermehrt richtige Dachschrägen verwirklichen würde. Gerne auch doppelgeschossige! So in etwa wie beim Adlon! Aber dennoch top!

  • Abriss ab November?

    Dekoratives Anführungszeichen

    Schon vor 4 Tagen berichtete der Tagesspiegel, dass dem Abriss des Plattenbaus nichts mehr im Weg stünde. Der Investor habe sich mit den letzten verbliebenen Mietern auf eine Auszugsvereinbarung gegen Entschädigung geeinigt. [...]

    Die BZ berichtet heute, dass am 17.11.2015 mit dem Abbruch der "Platte" begonnen werden soll.

    Einmal editiert, zuletzt von Petrichor (26. September 2015 um 22:40)

  • Der Wohnblock Wilhelmstraße 56-59 wird wohl nicht mehr zu retten sein, aber die Blöcke auf der westlichen Seite der Wilhelmstraße bleiben erhalten. Wie die Berliner Zeitung von gestern berichtet, hat das Bezirksamt Mitte für das Gebiet eine Erhaltungssatzung beschlossen, die weitere Zerstörungen verhindern soll. Leider wird die Politik immer erst dann wach, wenn das erste Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/bauvorh…8,32180002.html