Leipzig: Stadtleben

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    mein Ausgangspunkt war ja, dass aufgrund des Arbeitskräftemangels sich zukünftig in den Logistikhallen keine top-bezahlte Fachkräfte tummeln mögen, dafür endlich nicht mehr unterbezahlte Sklaven, sondern mit rund 14 Euro/h deutlich über dem Mindestlohn entlohnte Arbeiter. Diesen Fortschritt gibt es nur dank des enormen Wachstums dieser Branche.

  • Es gibt doch in der Logistikbranche in meinen Augen nur 2 Szenarien, und damit auch eine wichtige Frage für die weitere Entwicklung des Arbeitsmarktes im Bereich Logistik in Leipzig:


    a) der Lohn für gering-qualifzierte Tätigkeiten bleibt weiterhin im sehr unteren Bereich. Dann ist natürlich die Branche dankbar für jeden arbeitslosen Sachsen, spanischen Uni-Absolventen oder hoffnungsvollen Migranten, der irgendwie über die Runden kommen will.


    b) der Lohn steigt auf ein Niveau, dass ein gutes Leben sichert --> die Tätigkeiten werden bei einem ROI <10a automatisiert und es werden mehr mittel- bis hochqualifizierte Mitarbeiter benötigt.


    Fällt noch jemandem ein anderes plausibles Szenario ein?

  • Du erzählts Märchen, das ist mein Punkt. Die IT-Branche sei größer als die Logistikbranche und hätte einen höheren Beschäftigungszuwach - beides schlichtweg falsch.

    Hier und hier. Viel Freude beim lesen.


    Die IT-Branche ist mit knapp 2 Mrd. Euro mittlerweile der größte Posten in Leipzig. Über der Automobilindustrie und Logistik, etc. Seit 2009 den höchsten Beschäftigungszuwachs.



    Leipzig weise eine mit keiner anderen ostdeutschen Stadt vergleichbare Diversifizierung auf - ein Blick auf die von mir verlinkten Zahlen könnte dir verraten, dass Leipzig im verarbeitenden Gewerbe deutlich stärker monostrukturell auf den Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau fokussiert ist.

    Eine Diversifizierung war von mir auf Branchen gelegt, nicht auf verschieden Strukturen innerhalb des zB verarbeitenden Gewerbes.


    Schlussendlich suggerierst du, dass die Hallen von Amazon, DHL und Co. voll sind mit top-bezahlten Fachkräften. Auch hier könnte dir ein Blick auf die Zahlen weiterhelfen, aber dazu müsste man sich die verlinkten Zahlenwerke mal wirklich ernsthaft zu Gemüte führen.

    Das hatte ich nicht suggeriert, weil es nicht so stimmt. Du kannst mir aber die wirklich einfache Rechnung abnehmen welche suggeriert, dass ohne die eher gering qualifizierten Arbeitnehmer*innen in den Logistikhallen keine Flugzeuge gefüllt werden. Keine Pilot*innen sowie Flugzeugmechaniker*innen, oder zB air controll Personal im Raum Leipzig eingestellt werden. Oder was ggfs. auch als Grundlage für die Flughafen-Struktur und Nachfrage so wirkt, dass sich zB ein Flugzeugbauer am Flughafen niederlässt. Ist so eine Rechnung halbwegs nachvollziehbar und verständlich?


    Was mich aber wesentlich mehr an deinen Ausführungen stört, ist der Narrativ einer wenig guten Standortpolitik welche die gering qualifizierten Arbeitnehmer*innen in einen gut funktionierenden Arbeitsmarkt eingliedert. Das finde ich nicht nur problematisch, sondern auch wirklich realitätsfern. Wobei letzteres wiederum die Brücke zur sächsischen Landeshauptstadt auf etliche Ebenen der Selbst-Wahrnehmung herstellt. Und vor allem immer wieder die Reflexe aus Dresden (Forum) zur Leipziger (Forum) Diskussionen um Migration hervorruft die alljährlich hier im Forum ihr Bestes geben. Da wären wieder am Anfang der Diskussion.




    PS: Daten aus dem Pandemie-Jahr 2020 zu "analysieren" ist für keinen Standort wirklich glücklich.

  • Hedges ' letzten Punkt vielleicht nochmal anders formuliert: was ist die Aufgabe einer halbwegs sozial orientierten Stadtpolitik? Sicher allen ihren Bewohnern je nach Fähigkeiten eine gute Lebensgrundlage zu bieten, bei möglichst geringen Zuschüssen.
    Und genau diese basalen Jobs führen langfristig zu weniger Kriminalität aber vor allem zu einer größeren Teilhabe und damit zu einem stärkeren Identifikationspotenzial mit der Stadt.

    Das integriert sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als hoffentlich auch einige recht schwierige Deutsche.

    Und wenn dann irgendwann auch die ganzen höherpreisigen neuen Wohnungen Mieter oder Besitzer finden, ist das auch schön aber eine Sache der 2.Priorität. Wobei diese Entwicklung sich ja durchaus andeutet.

  • Laut einer aktuellen Studie will jeder achte Einwohner der Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern diese innerhalb eines Jahres verlassen. In Leipzig gilt das für 10,5 Prozent (Link). Hauptgrund ist die Corona-Pandemie, Hauptgruppe junge Familien. Allerdings ist bei solchen Umfragen immer äußerst fraglich, was sich davon am Ende wirklich realisieren wird. Es wollen auf Nachfrage auch immer ganz viele Menschen mehr Sport machen, sich anders ernähren oder umweltbewusster leben.

  • Das bestätigt meine subjektive Wahrnehmung bzw. auch, was wir von jungen Familien so mitbekommen: Leipzig ist für junge Familien in den letzten Jahren sehr viel unattraktiver geworden, da setzen regelrecht Fluchtreflexe ein. Große Wohnungen sind rar bzw. für viele unbezahlbar, Eigenheime ohnehin so gut wie unerreichbar. Dazu die leidigen Probleme mit Kindergärten- und Schulplätzen und generell das Gefühl einer immer weiter verdichteten und überlasteten Großstadt.

    Wobei der häufig genutzte Lösungsversuch aus Eigenheim im Umland + Einpendeln nach Leipzig in meinen Augen nun auch nicht gerade Erfüllung verspricht - weder für die Pendler, noch für die Stadt, deren Infrastruktur nur noch stärker strapaziert wird.

  • ^ Naja, allerdings geht aus der Studie ja auch hervor, dass im Vergleich mit anderen Großstädten in Leipzig dieser "Fluchtreflex" mit am geringsten ausgeprägt ist.

  • Wobei der häufig genutzte Lösungsversuch aus Eigenheim im Umland + Einpendeln nach Leipzig in meinen Augen nun auch nicht gerade Erfüllung verspricht


    Eben, und das ist auch der Grund, warum sich weit mehr Familien scheuen, nach Pegau, Neukieritzsch oder noch weiter weg zu ziehen, weil sie wissen, dass sie immer auf zwei Autos angewiesen sein werden und viel Zeit, Geld und Nerven allein nur für Pendelei, Elterntaxifahrten und dergleichen aufbringen müssten.


    In meinem Bekanntenkreis ziehen dann auch nur diejenigen aufs Land, die ihre Eltern dort in der Nähe schon wohnen haben. Der größte Teil derer, die sich ein eigenes Haus zwar schön träumen, es sich aber in der Stadt niemals leisten können, kommen schnell zu dem Schluss, dass sie es lieber lassen sollten, in die sächsische Walachei zu ziehen. Ich meine, Markkleeberg, Schkeuditz, Zwenkau oder Taucha kommen ja schon gar nicht mehr in Frage, weil die Grundstückspreise dort inzwischen ähnlich hoch sind, oder sogar teurer als in Leipzig.


    Beim Thema Kita und Schule hat die Stadt in den letzten Jahren zudem ganz gut aufgeholt, was zu einer weiteren Entspannung führen sollte (siehe Thread "Kitas und Schulen").


    In den letzten 5 Jahren lag die Zahl der Wegzüge über die Stadtgrenze zwischen 25.000 und 27.000 Einwohner. Das sind ja schon grob geschätzt 4,5 Prozent der Stadtbevölkerung. Aber solange immer "frisches Blut" nachkommt, halte ich das für eine sehr gesunde Einwohnerentwicklung. Und nicht wenige Kinder, die heute mit ihren Eltern aufs Land ziehen, kommen in 10 bis 20 Jahren zurück.

  • ^ Ich finde das immer ein bisschen Jammern auf hohem Niveau. Du kommst alle zwei Stunden mit dem Zug bequem in gut 3h vom Leipziger Hauptbahnhof direkt ohne Umsteigen zum Frankfurter Flughafen. Der Anschluss nach BER und MUC ist auch okay. Die gute Erreichbarkeit zu den innerdeutschen HUBs ist sicher ein Grund von vielen anderen, warum das Linienflugangebot hier auch in 20 Jahren noch sehr beschränkt sein wird. Ich sehe darin aber keinen Standortnachteil für Leipzig.

  • Witzigerweise gab es ja im Rahmen von Corona ein paar Direktflüge mit Passagierflugzeugen (allerdings nur mit Fracht beladen) mit Vietnam Airlines nach Leipzig (Video | Foto). Dass alleine eine große Community noch nicht unbedingt für Passagier-Direktflüge sorgt, zeigt aber schon die Tatsache, dass die Stadt mit der mit Abstand größten vietnamesischen Community in Deutschland - Berlin - bis heute trotz diverser Absichtserklärungen über keine Direktflüge nach Vietnam verfügt und der Markt größtenteils von Aeroflot abgegrast wird.


    Ansonsten Zustimmung an Cowboy - auch wenn es blöd für die Auslastung des Flughafens ist, insgesamt dürfte die Nähe zu Berlin und zumindest die recht gute Erreichbarkeit des Frankfurter Flughafens für Leipzig inzwischen fast eher ein Standortvor-, als -nachteil sein.

  • Es ist eine relative Nähe zum BER. Der ICE hält dort nicht. Und wer die A9 Richtung Berlin ab und an fährt, der weiß, dass man dort nie mit Zeitdruck unterwegs sein sollte. Mit anderen Worten: um den Flieger von Berlin sicher zu kriegen, sollte man 4 Stunden vorher in Leipzig losfahren. Mindestens. Und das geht bei mir nicht mehr als nah durch. Da kann ich auch gleich Lufthansa oder den ICE nach FRA nehmen und habe dort ein ganz anderes Angebot. FRA ist nämlich main hub. BER nicht. Genau aus dem Grund ist es auch sehr wichtig, dass LEJ seit kurzem wieder ins Netz der LH eingebunden ist. BER aber war für mich absolut noch nie eine Option...

  • ^ obwohl ein wirklicher Standortfaktor in der Schienenverbindung LEI-FRA, eine wesentliche Verbesserung des Streckenabschnitts zwischen Erfurt/Eisenach via Fulda nach Frankfurt wäre. Dort dauert es einfach viel zu lange. Da liessen sich bei einem grundlegenden Ausbau wahrscheinlich noch einmal mindestens 30 min einsparen, wenn nicht sogar mehr.

  • Gerstungen-Fulda-Hanau kommt. Da beide NBS aber fast ausschließlich im Tunnel verlaufen werden, wird die Realisierung noch lange dauern.


    Aber immerhin: für Fulda-Hanau hat man schon die bevorzugte Strecke ausgearbeitet, bei Gerstungen-Fulda wird es auch langsam konkreter. Ich denke auch, dass man da mehr als 30 Minuten auf der Strecke einsparen kann.


    https://www.fulda-gerstungen.d…-deutlich-verringert.html


    https://www.hanau-wuerzburg-fu…aumordnungsverfahren.html

  • LeipzigSO - naja, das hält aber die ganzen sächsischen Kennzeichen nicht davon ab, nicht wenige der Langzeitparkplätze am Flughafen zu belegen. Vermutlich auch deswegen, weil sich das dann sowohl preislich als auch zeitlich bei Direkt- gegenüber Umsteigeflügen wieder relativiert und man aus dem Einzugsgebiet ja im Zweifel auch erstmal zum Leipziger Flughafen anreisen muss.


    Was die öffentlichen betrifft, Flixbus hat vor Corona (und auch jetzt noch) ein paar der Leipzig-Berlin Busse über SXF/BER gelegt (offizielle Fahrtzeit 2:10), mit dem Zug schafft man es in 1:38 - 2h vom Leipziger Hbf mit Umsteigen in Südkreuz oder Hbf unters Terminal (ab Fertigstellung Dresdner Bahn wird so 1:30-mit Umsteigen in Südkreuz sicherlich Standard) und Easyjet führt gerade eine Kooperation mit der DB mit Anschlussversicherung ein. Ich würde daher die Zahl der sächsischen Fluggäste, die jetzt, und künftig ab dem BER fliegen, nicht unterschätzen. Für LEJ bleiben dann weiterhin diverse Pauschalreiseziele sowie ein paar Hub-Anbindungen mit ein paar eingestreuten Direktflügen an starke Städtereise-/Ethnoziele wie vor Corona bzw. noch früher Kiew, Moskau oder Barcelona.

  • Aber immerhin: für Fulda-Hanau hat man schon die bevorzugte Strecke ausgearbeitet, bei Gerstungen-Fulda wird es auch langsam konkreter. Ich denke auch, dass man da mehr als 30 Minuten auf der Strecke einsparen kann.

    Wenn dann noch der geplante Fernbahntunnel die Verkehrsorganisation im Rhein/Main Gebiet neu strukturiert, sind dann ggs noch ein paar Minuten drin. Also auch im Verhältnis mit der Anfahrt an den Flughafen Berlin - siehe DaseBLN oben - sind dann runde 2 Stunden von Leipzig nach Frankfurt per Zug als Pendelstrecke, absolut unschlagbar. Dann relativieren sich auch Anfahrten aus zB Brüssel und Amsterdam erheblich. Und dann kommt die Schiene überhaupt erst in eine Konkurrenz mit dem innerdeutschen/innereuropäischen Flugverkehr.

  • Laut diesem Artikel der Freien Presse sind für das geplante Großforschungszentrum im Leipziger Raum jetzt noch folgende drei Ideen im Rennen:


    - nachhaltige Kreislaufwirtschaft chemischer Erzeugnisse

    - Klimaschutz mit Fokus auf Land- und Forstwirtschaft, Wasser, Planung urbaner Räume oder Mobilität

    - neue Technologien zu Digitalisierung und Individualisierung der Medizin


    Auch wenn es ohne Kenntnis weiterer Details schwer zu beurteilen ist, erscheint das Chemiethema sowohl inhaltlich als auch von den im Chemiedreieck vorhandenen Anknüpfungspunkten recht vielversprechend.

  • Superrechner + KI-Campus


    Um Leipzig und Sachsen als ein europ. Top-Zentrum der KI-Forschung zu etablieren erhält die Stadt Mittel aus dem Strukturwandel-Fonds. Kernstück ist ein Hochleistungsrechner, der bis 2026 gebaut wird. Der genaue Standort ist noch unklar. Die Kosten belaufen sich hierfür auf 46 Mio. Euro. Um den Rechner soll ein Campus für Künstliche Intelligenz entstehen, der sich laut Wissenschaftsminister Gemkow zu einem "neuen Leuchtturm" und "Wissenschaftsanker" für die gesamte Region entwickeln soll. Das neue KI-Kompetenzzentrum wird an der Uni-Leipzig angesiedelt. Neben der Wissenschaft soll auch die Wirtschaft profitieren: So geht man davon aus, dass sich rund um das Zentrum zwei Dutzend Start-Up-Firmen ansiedeln werden. Dadurch soll sich ein Campus von "internationalem Anspruch" entwickeln. Gleichzeitig können auch konventionelle mitteldeutsche Unternehmen die Kapazitäten des Rechners nutzen. Laut Schätzungen entstehen im Zuge dessen neue Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich.


    https://www.lvz.de/Region/Mitt…und-soll-KI-Campus-werden