Beiträge von Fraxinus

    Das sind ja tolle Neuigkeiten. Ich selbst habe einige Zeit in nächster Umgebung gewohnt und kenne das Gebäude recht gut. Neben der sorgfältigen, reflektierten Art der Restaurierung scheint das Ganze ja auch bestandsmieterfreundlich zu passieren (?). Meiner Erinnerung nach war die Mieterschaft generationenübergreifend und überwiegend künstlerisch/kulturell verankert. So dass auch in längerer Frist dieses Haus seiner Geschichte verbunden bleibt. Ich hatte immer befürchtet, dass es irgendwann mit dem großen Messer luxussaniert wird.

    Das ist sicher total subjektiv. Aber ich empfinde die Leipziger im Gegensatz zu Dresdener als eine vielmehr in die Zukunft gerichtete Stadtkultur. Eine Rekonstruktion der ehemaligen Bebauung würde ich als Einknicken vor dem Gestalten jener Zukunft empfinden. Vielmehr wünsche ich mir Mut zu wirklich origineller, wertiger und visionärer Architektur, auf die Menschen auch noch in 100 oder 200 Jahren stolz sind und sie bewahren wollen. Widersprüchliche Ansichten gibt und gab es in solchen Fällen ja immer in der Zeit der Erbauung.

    Ich spekuliere auch mal, dass bei einem milderen Verlauf der Geschichte, ohne 2. Weltkrieg und temporärer neuer Gesellschaftsform der Matthäikirchhof längst überformt worden wäre. Ob nun im historistischen Stil oder moderner. Diese Form der Kleinteiligkeit entspricht ja eher einer Kleinstadt im Muldental und hätte für die Nutzungsverhältnisse einer damals so rasant wachsenden Großstadt relativ wenig Sinn ergeben. Aber eine ungefähre Rekonstruktion der Wege und Plätze mit großen, repräsentativen Fassaden zum Ring und einem atmosphärischen Raum zur Innenstadt hin mit einer urbanen Landmarke am Ort der Kirche (wie lguenth schrieb) fände ich wünschenswert.

    War denn für das Forum nicht auch mal eine Calder-artige Skulptur angedacht. Zumindest erinnere ich mich an so etwas in den Visualisierungen. Wenn es tatsächlich auch als Forum dienen soll muss ja neben Pflanzen auch noch Platz für Menschen bleiben. Ein wenig mehr Grün hätte ich aber auch begrüßt. Aber mal abwarten, wie sich der Eindruck entwickelt wenn die gepflanzten Bäume mehr Volumen füllen. Den Kontrast zwischen den weißen Säulen und den Aststrukturen im Winter sowie den grünen Bäumen im Sommer stelle ich mir jedenfalls recht attraktiv vor.

    Wenn dann mal ein paar LEDs ausfallen, fühlt sich das wahrscheinlich an wie ein Fehler in der Matrix.


    Interessant wäre ja, ob sich die Beleuchtung dann mit Sensoren an die äußeren Lichtbedingungen anpassen lässt.

    Hedges ' letzten Punkt vielleicht nochmal anders formuliert: was ist die Aufgabe einer halbwegs sozial orientierten Stadtpolitik? Sicher allen ihren Bewohnern je nach Fähigkeiten eine gute Lebensgrundlage zu bieten, bei möglichst geringen Zuschüssen.
    Und genau diese basalen Jobs führen langfristig zu weniger Kriminalität aber vor allem zu einer größeren Teilhabe und damit zu einem stärkeren Identifikationspotenzial mit der Stadt.

    Das integriert sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als hoffentlich auch einige recht schwierige Deutsche.

    Und wenn dann irgendwann auch die ganzen höherpreisigen neuen Wohnungen Mieter oder Besitzer finden, ist das auch schön aber eine Sache der 2.Priorität. Wobei diese Entwicklung sich ja durchaus andeutet.

    Vielleicht ist das Gebäude an dieser Stelle tatsächlich nicht angebracht. Vielleicht steht hinter meiner Reaktion auch wirklich nur die Enttäuschung über drei unspannende erste Platzierungen. Aber wenn "auftrumpfend" per se ein schlechtes Kriterium für Architektur sein sollte, müssten wir ja von den meisten, auch historischen, innerstädtischen Bauten Abschied nehmen.

    Genau das ist ja der Punkt, den ich meine. Zum Schutz der Wirkung vorhandener Bauten werden nur noch Kompromisse geschlossen und der Ausdruck immer schwächer. Dabei empfinde ich bspw das Polizeipräsidium nicht gerade als Glanzlicht seiner Epoche. Und die Demut vor dem Neuen Rathaus hat dazu geführt, dass der Turm der Trinitatiskirche jetzt eigentlich eher eine Säule ist. Ich empfinde ja ebenfalls Respekt vor der Geschichte und kann die Argumentation von Saxonia nachvollziehen. Nur manchmal frage ich mich halt, ob diese ständige Nivellierung nicht auf lange Frist auch einen Verlust darstellt.

    Naja, vielleicht auf das Fassadenmaterial bezogen. Aber die Fassade selbst nimmt das Fehlen von dezidierten Fensterformen auf (Trinitatis) sowie der Bau die ineinander verschachtelten Kubaturen mit den vielfältigen (Durch-)Blickbeziehungen. Die klassische Traufhöhe am Ort wird vom Materialbruch hin zum "Dachaufbau" zitiert. Zudem steht der gesamte Platz ja quasi erst am Anfang seiner Neubebauung und damit könnte an dieser Stelle ja auch eine Referenz entstehen.

    Da sieht man mal wieder, was wir auf diesem Platz wahrscheinlich alles nicht zu sehen bekommen werden. Schade. Das hätte Landmarkencharakter gehabt und wäre ein schönes Abenteuer fürs Auge gewesen. Etwas, worauf man sich bei der Fahrt durch die Stadt schon einen Kilometer vorher gefreut hätte. Aber sicher gibt's da auch andere Meinungen. Manchmal ist es halt nur traurig und ermüdend wenn man immer wieder mit erleben muss, wie sehr dynamischere Ideen von Form und Gestaltung immer wieder zurecht gestutzt werden. Das ist, als würde ein Museum immer nur Kompromiss-Kunst sammeln, um ja sein Publikum nicht zu überfordern. Ich würde mich ja sogar darüber freuen wenn mal wieder etwas gebaut würde, das überhaupt nicht meinem Geschmack entspricht aber das versucht, seine Umgebung etwas zu beeinflussen.

    Hallo allerseits,


    ich verfolge das Forum schon lang als interessierter Laie. Ich habe eigentlich einen künstlerischen Background aber ganz sicher kommt daher auch meine Affinität zur Stadtgestaltung :-)

    Ich bin vor ein paar Tagen zufällig über diese Website eines Düsseldorfer Büros gestolpert. Dort findet sich ein Entwurf für die Spitze am Gördelerring. Allerdings macht das einen noch weniger konkreten Eindruck als das fast in Vergessenheit geratene Projekt von Haberent.


    https://drehbruecke5.de/project/ringtower-leipzig/