• Jede weitere Start- und Landebahn verteuert die Nutzung der BER. Die Infrastruktur ist Nutzerfinanziert, d.h. die Kosten für Bau und Unterhaltung, erweiterte Winterdienstkapazitäten usw. erhöhen die Flughafenentgelte (Start- und Landgebühren). Angeblich ist das bestehende System ausreichend dimensioniert für eine Kapapzität von 45 Mio Fluggästen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wären denn die interkontinentalen Flugverbindungen heute mit sechs Bahnen besser gewesen?

    Nein, ein großer Ausbau auf der Langstrecke wäre nur über einen ortsansässigen Carrier möglich, der auch Anschlussverbindungen auf der Mittelstrecke anbietet. Das ist es was einen Hub ausmacht und was zu Nachzugseffekten anderer Airlines führt. Ohne einen solchen Carrier bleiben nur Place-to-Place Verbindungen, die immer stark saisonalen und wirtschaftlichen Verwerfungen unterliegen.

    Als einziger großer ortsansässiger Carrier am BER käme die Lufthansa in Betracht. Und die lehnt einen dritten Hub in Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen kategorisch ab.

  • Dieser ortsansässige Carrier hätte ursprünglich Air Berlin sein sollen, mit Etihad im Hintergrund. Wenn die Bundesregierung den Standort ausbauen will, dann geht das nur über erweiterte Landerechte für Airlines aus Drittstaaten. Ob man dadurch tatsächlich ein höheres Verkehrsaufkommen generiert oder nur Verkehr aus anderen Hubs abzieht, erscheint mir eine offene Frage. Der politische Widerstand wäre jedenfalls erheblich. Die Tragik besteht darin, dass die Probleme von Air Berlin wesentlich durch die verzögerte Eröffnung des BER und die Konkurrenz der Billigflieger verursacht wurden.

  • Bei den jüngst erteilten Landerechten von Emirates dürfen ab dem BER übrigens parallel keine Flüge in Drittstaaten angeboten werden. Und genau das wäre ja die Grundlage für ein Drehkreuz.

    Schon bei dieser Lösung dürfte der Widerstand der Lufthansa enorm gewesen sein. Wägt man alle Faktoren ab, dann darf man sich schon fragen ob ein Hub am BER für Deutschland volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, oder ob man sich damit nicht eher ins eigene Fleisch schneiden würde.

    Ich persönlich vermute, dass es ab dem BER, als Hauptstadtflughafen, auch langfristig nur einige wenige relativ stabile Langstrecken geben wird. Einfach um die Stadt grob mit der Welt zu vernetzen.

    Und zu Air Berlin kann ich nur sagen: dumm gelaufen.

  • Merz' Worte sind extreme Sülze.

    Es gibt gewiss auch keine (Haupt)Stadt mit weniger als 4 Millionen Einwohnern auf der Welt, die sich drei Flughäfen gönnt.

    Dass er 20 Jahre nach dessen Schließung allen Ernstes Tempelhof als Verlust berücksichtigt, ist hochgradig populistisch. TXL und SXF hatten vier Landebahnen — das wäre ein Vergleich, auf den man sich sachlich noch einigen könnte.

    Und Merz' Worte beweisen aber auch eindrücklich, dass er nicht über den Tellerrand guckt: London Heathrow fertigt mit nur zwei Landebahnen über 80 Millionen ab.

    Der BER ist schon ausreichend dimensioniert, keine Bange, meine Lieben. Platz für neue Terminals ist da und beide Landebahnen können parallel angeflogen werden.

    2 Mal editiert, zuletzt von ulayin (4. November 2026 um 08:21)

  • Merz ist ein Mann des letzten Jahrhunderts, seine Aussagen zum BER kommen 20 Jahre zu spät. Wenn er tatsächlich was für den Flughafenstandort tun will steht es ihm per Richtlininienkompetenz frei Druck auf die LH oder Eurowings aufzubauen in Berlin mehr Streckenangebote zu installieren. Er könnte mit all den Militäretatmilliarden auch den Regierungsterminal schneller hochziehen.

    Mich freut immerhin, dass der Kanzler mal einen Abstecher zur IHK Berlin gemacht hat. Kann mich täuschen aber das scheint mir extrem selten zu sein. Seine offen positive Einstellung zu einer EXPO Bewerbung war sehr erfreulich.

  • Schöner Schenkelklopfer. Sechs Landebahnen mit max 3.000 m Länge (eher deutlich kürzer) wären dann besser als zwei mit 3.800 m Länge, obwohl dass einzusetzende Fluggerät davon abhängig ist? Davon jeweils zwei in Tempelhof und Tegel, die nicht parallel nutzbar sind (also eigentlich nur eine Landebahn). Plus Restriktionen wegen Lärm und Sicherheitsanforderungen in stadtnahem Gebiet. Was für ein peinlicher Blödsinn, zum Fremdschämen.

  • Da merken wir hier, dass sofort Gegenwind kommt, wenn das Thema so offen kritisch angesprochen wird. Aber nur weil es einige nicht hören wollen,

    verschwindet das Thema nicht. Lasst uns eher den Finger in die Wunde legen und genau offenlegen, was der BER dringend braucht, um erfolgreich zu sein, mehr Flieger anzulocken und wo genau Steuern und Abgaben gesenkt werden können!

  • ^

    Naja. Es gibt einen großen Unterschied zwischen "offen kritsch ansprechen" und unterkomplex irgendwelche Korrelationen zu identifizieren. Und "Berlin hat 6 Landebahnen aufgegeben und der BER braucht mehr Passagiere" ist eine extrem unterkomplexe Analyse dahingehend. Steuern und Gebühren spielen natürlich eine Rolle, wenn es um Ticketpreise geht.
    Aber die Auslastung eines Airports wird von noch sehr viel mehr beeinflusst - das ist ja wohl hoffentlich einleuchtend.

  • MiaSanMiaEben. Die Bundesregierung bewegt wenig bis gar nichts in ihrem eigenen Einflussbereich. Stattdessen dann diese schräge Mathematik (dazu noch von einem ehemaligen Blackrock-Manager). Als wären 2 Landebahnen in Tempelhof identisch zu zwei am BER usw. Wurde ja alles besprochen. Freie Slots oder sonstige Kapazitäten sind halt wirklich nicht das Problem.

    Daher legt er nicht den Finger in die Wunde, sondern kratzt eher sozusagen mit den Fingernägeln sinnlos im gesunden Fleisch herum statt die tatsächlichen - und vor allem selbst verschuldeten/ beeinflussbaren - Wunden anzugehen. Seine große Emirates-Intervention ist ja auch erstmal gescheitert. Wobei man mE auch klar sieht, dass der BER weiterhin keine hohe Priorität besitzt oder aber Merz keine entsprechend hohe Autorität/ Durchsetzungskraft. Auch die Verbesserung der nationalen Standortfaktoren bleibt bisher wenig mehr als eine Ankündigung.

    Das weiß Merz alles auch selbst, dass da noch nichts geliefert wurde. Deshalb springt er auf den Populismuszug gegen den BER mit auf und lenkt vom Thema bzw. der schwachen eigenen Rolle ab.

  • Die Frage ist, was mit einer neuen Air Berlin genau gemeint ist.

    Wenn damit gemeint ist, ob es wieder wie zu Air-Berlin-Zeiten einen zweiten deutschen Netzwerkcarrier geben kann, dann entwickelt sich Condor ja gerade zu einem zweiten deutschen Netzwerkcarrier, und das mit Unterstützung und Druck des Investors Attestor, wie Dunning-Kruger ja bereits ein paar Seiten zuvor erklärt hat.

    Einige Experten scheinen es für fraglich zu halten, ob Condor damit erfolgreich sein kann. Die Zeit wird zeigen, ob Condors Wette aufgehen kann. Bisher hat Condor nur einen Bruchteil der Größe von Air Berlin. Wenn Condor damit erfolgreich ist, könnte es vielleicht mittel- bis langfristig sein, dass Condor einen Hub in Berlin hat. In der nahen Zukunft wird das aber wohl nicht sein. Für Condor scheint es am vielversprechendsten zu sein, zunächst auf Frankfurt zu setzen.

    Wenn deine Frage impliziert, dass es neben Lufthansa und Condor noch einen dritten neuen deutschen Carrier geben soll, dann halte ich das für ausgeschlossen. Es ist ja noch nicht mal ausgemacht, dass ein zweiter Carrier neben Lufthansa überleben kann.

  • Absehbar würde ich das auch nicht erwarten. Dafür müsste der deutsche Markt erst wieder deutlich wettbewerbsfähiger werden und die globalen Vorzeichen positiver.

    Aber selbst wenn sich diese beiden Hebel mal bewegen sollten, erwarte ich eher erstmal verstärktes Engagement von internationalen Airlines. Und auch dann kann es erstmal passieren, dass die Lufthansa (als Konzern) darauf reagiert und z.B. Eurowings noch mehr Flieger und ggf auch paar größere Flieger stationiert bzw. neue Strecken inklusive Mittel- und Langstrecken probiert/ etabliert.

    Ich denke, das wird ähnlich wie bei den Fernbussen sowie alternativen Bahnanbietern laufen. Insider analysieren fortlaufend Angebot und Nachfrage. Und erst wenn wirklich entsprechende Lücken auszumachen sind, lohnt sich ggf ein (teurer und riskanter) Vorstoß. Wenn man den entsprechend langen Atem hat. In dem Wissen, dass gerade die Lufthansa aggressiv zurück keilt und notfalls auch schon mal zeitweise ruinöse Konkurrenzangebote macht, so lange es den Konkurrenten mehr schmerzt als sie selbst.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Bisher hat Condor nur einen Bruchteil der Größe von Air Berlin.

    Nur der Vollständigkeit halber: Der einzige weitere nennenswerte deutsche Carrier ist dann TUIfly. TUIfly hat neuerdings auch wieder Interesse an der Langstrecke. Ab 2027 fliegt TUIfly ab Düsseldorf nach Curacao in die Karibik. Von fünf Airports gibt es dann noch die verlängerte Mittelstrecke auf die Kapverden.

    Dabei ist die Entwicklung von Condor durchaus interessant. Auf diesem Weg dann auch mal einen netten kleinen Gruß an Pascal Schmidt ...