Dom-Römer-Areal: die Planung

  • Einige kleine Meldungen zusammengefasst:


    • zwölf Teilnehmer und fünf Nachrücker gibt es am oben erwähnten Wettbewerb zur Neugestaltung des Domplatzes, die Entscheidung soll bekanntlich am 31. August fallen (Quelle: akh.de)
    • in der "Grünen Linde" wird das Rheingauer Weingut Balthasar Ress (Hattenheim) eine Weinbar und Vinothek eröffnen, auch kleine Speisen wird es geben; am 18. Juni beginnt der Innenausbau
    • die ersten Geschäfte eröffnen an der Braubachstraße, wahrscheinlich noch im Juni
    • im September, zur feierlichen Eröffnung der Altstadt, werden voraussichtlich drei Viertel der Läden geöffnet sein
    • Ende des Jahres soll die "Goldene Waage" auch innen fertig sein (Quelle andere Meldungen: FAZ v. 16.06.2018)
  • Bürgerberatung / Torbogen Nürnberger Hofgässchen

    In das Goldene Lämmchen zieht bekanntlich die Bürgerberatung der Stadt Frankfurt (#661 und #667), derzeit provisorisch im Zentralen Bürgeramt, Zeil 3, untergebracht. Zur Entwicklung eines Konzepts für den neuen Standort hat die Stadt im vergangenen Oktober ein Interessenbekundungsverfahren veröffentlicht. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Stuttgarter Büro Dittel Architekten (Web) den Zuschlag erhalten. Das ist die Planung für außen und innen:





    Bilder: Dittel Architekten


    ***


    Kein Ergebnis zum geplanten Torbogen über das Nürnberger Hofgässchen gab es bei der bislang letzten Sitzung des Sonderausschusses Dom-Römer am 18. Juni. Dieser soll zwischen dem rekonstruierten Haus Klein Nürnberg und dem Anbau des Kunstvereins errichtet werden, wobei das Denkmalamt bekanntlich einen direkten Anbau an die denkmalgeschützte Fassade des Gebäudes von 1962 ablehnt (was zu dieser grotesken Lösung hätte führen sollen). Nun liegen die von den Büros Jordi & Keller, von Ey und Bernd Albers erstellten (siehe #679) neuen Entwürfe vor. Diese sollen aus Sicht der Dom-Römer GmbH zu massiv und "dem Denkmalamt nicht vermittelbar" sein, schrieb die FAZ am 19. Juni in der Druckausgabe. Das Aufgreifen eines bereits verworfenen Vorschlags des Architekten DW Dreysse lehnt indessen Christoph Mäckler, der Vorsitzende des Gestaltungsbeitrats, ab. Er plädierte für ein direktes Anbauen an den Kunstverein und fand damit die Zustimmung anderer Ausschussmitglieder. Der Vorsitzende des Ausschusses soll daran erinnert haben, dass sich die Stadtverordneten über eine Entscheidung des Denkmalamts hinwegsetzen könnten. Nun soll der Gestaltungsbeirat nochmals über dieses Thema beraten.

  • Die beiden Bilder zum Goldenen Lämmchen bringen die gestalterischen Probleme in Frankfurt auf den Punkt.


    In der Frankfurter Stadtverwaltung entscheiden Beamte ohne Vorgaben und Expertise über Gestaltungsfragen mit verheerendem Ergebnis. Was sich Dittel-Architekten bei dem Entwurf gedacht haben ist mir schleierhaft. Etwas Sandsteinoptik soll scheinbar reichen. Es gibt sicher geeignetere Architekten, wie das auf Altbauten spezialisierte Büro Wiener & Partner.


    Auf den ersten Blick fällt auf:
    - Liebloses Standardschild der Stadt Frankfurt über der historischen Tür
    - Geschmacklose Innenraumgestaltung im IKEA-Stil


    Wenn ich als Stadt Frankfurt schon in dieses Haus gehe, dann muss ich mir der Visitenkartenfunktion der Stadt bewußt sein.


    In anderen Städte wie Paris, London, München oder Wien wird dies besser gehandhabt, wie man sieht. Vermutlich gibt es dort insitutionalisierte Gesataltungsvorgaben und -gremien.

  • Das Standardschild ist Absicht, soll ja jeder auf den ersten Blick erkennen können, dass das etwas offizielles von der Stadt ist und kein Frankfurt-Souvenirladen.

  • Ergebnisse des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Domplatzes

    Der Wettbewerb zur Neugestaltung des Domplatzes wurde Ende August entschieden. Heute hat der Planungsdezernent die Preisträger bekannt gegeben. Gleichzeitig wurde eine Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge eröffnet. Alle elf Wettbewerbsarbeiten sind bis Donnerstag, 27. September, wochentags von 8 bis 17 Uhr im Atrium des Planungsdezernates, Kurt-Schumacher-Straße 10, zu sehen.


    Zur Entscheidung zuerst die Pressemitteilung der Stadt, leicht gekürzt, danach die Entwürfe der drei Preisträger:


    Nach siebenstündiger, intensiver Beratung unter der Leitung von Prof. Christoph Mäckler und in Vorbereitung und Vorprüfung durch ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft aus Kassel – hat das Preisgericht am 31. August aus elf Wettbewerbsbeiträgen drei Preisträger ausgewählt. [...]


    Während der Ausstellungseröffnung nahm Planungsdezernent Josef gemeinsam mit dem Geschäftsführer der DomRömer GmbH, Michael Guntersdorf, die Preisverleihung vor. Josef verdeutlichte dabei die Bedeutung des Domplatzes, der zwar räumlich klein, aber durch seine Lage ein zentraler Ort im Herzen der Stadt ist: „Der Domplatz führt die Entwicklung des Dom-Römer-Areals fort. An den Platz werden viele Anforderungen hinsichtlich des Verkehrs, der Nutzung durch die Anlieger, der Besucher des Doms und der Altstadt gestellt. Daher sah die Wettbewerbsaufgabe die Neugestaltung des Domplatzes zu einem autofreien Platz mit hoher Aufenthaltsqualität vor. Der Domplatz ist mit dem Hühnermarkt und dem Römerberg Bestandteil einer Platzfolge entlang des Krönungswegs. Der Domplatz soll in dieser Platzfolge und als Tor zur Altstadt als eigenständiger Platz gewürdigt werden. Der Architekt und Stadtplaner Prof. Thomas J. Meurer würdigte als Mitglied des Preisgerichts die Siegerentwürfe.


    Den ersten Preis bekam das Büro capatti staubach aus Berlin für einen außerordentlich interessanten Beitrag, der neben dem baumbestandenen Platz vor dem Domeingang einen weiteren Platz mit Brunnen im Bereich der Kannengießergasse entwickelt. Die Landschaftsarchitekten boten nach Meinung des Preisgerichts einen Entwurf an, der aus einer ambitionierten aber auch funktionalen Denkweise heraus wesentliche stadträumliche Defizite beseitigt und zukunftsfähige Vorschläge zur Neuordnung des Domumfeldes entwickelt. Die Jury empfahl, die konkrete Lage der Baumpflanzungen mit Blick auf den unterirdischen Leitungsbestand zu überprüfen.


    Den zweiten Preis erreichte das Team Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten mit Jourdan & Müller Steinhauser GmbH, beide aus Frankfurt am Main. Der Entwurf interpretiert laut Preisgericht den Stadtraum um den Dom als Abfolge von drei thematisch unterschiedlich besetzten Räumen.


    Den dritten Preis errang Martin Schedlbauer Faktorgruen Landschaftsarchitekten und Beratende Ingenieure aus Freiburg mit ihrer Leitidee der Schaffung eines „eigenen Domumfelds, welches den Dom in einen aufgespannten Rahmen stellt und ihn somit im Stadtgefüge klar ablesbar definiert“. Insgesamt stellt laut Jury auch diese Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe dar.


    Den motorisierten Verkehr wollen offensichtlich alle drei Preisträger im gesamten Wettbewerbsgebiet ausschließen, abgesehen vom Weckmarkt. Nur der Frankfurter Entwurf sieht die Aufstellung der Schöppenbrunnen-Kopie vor der Goldenen Waage vor (dazu oben #679), was im Hinblick auf die anderen prämierten Wettbewerbsbeiträge aber nichts heißen muss. Details lassen sich in einem PDF betrachten, das sich nach einem Klick auf eine der Grafiken öffnet.


    1. Preis:
    wettbewerb_domplatz_ffm_1.Preis.jpg
    Grafiken: Capatti staubach, Berlin


    2. Preis:
    wettbewerb_domplatz_ffm_2.Preis.jpg
    Grafiken: Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten mit Jourdan & Müller steinhauser gmbH, Frankfurt am Main


    3. Preis:
    wettbewerb_domplatz_ffm_3.Preis.jpg
    Grafiken: Martin schedlbauer Faktorgruen Landschaftsarchitekten und Beratende ingenieure, Freiburg

  • Geht das jetzt nur mir so oder sehen andere da auch wenig Unterschiede zwischen den Preisträgern?


    Platz 1 und 3 packen ein paar Bäume an unterschiedlicher Stelle auf den Domplatz, Platz 2 nicht. Ansonsten kann ich da keine großen Unterschiede erkennen.

  • Ein paar ergänzende Informationen aus der Vorstellung der Entwürfe samt Ehrung der ersten drei Plätze. Fotos und weitere Infos liefert sicher epizentrum in Kürze.


    Anwesend waren unter anderem Mike Josef, Prof. Meurer und Michael Gunthersdorf. Prof. Mäckler als Leiter des Preisgerichts ließ sich entschuldigen.


    Richtig, der Verkehr im Verlauf Fahrgasse, Domplatz, Kannengießergasse soll durch Poller auf das notwendige Minimum (Lieferverkehr, Sonderfahrten wie Krankenwagen, Polizei, Feuerwehr) eingeschränkt werden. Anders sieht das - Stand heute - für die Straße Weckmarkt aus. Zunächst einmal geht es um die Umgestaltung des nördlichen Bereichs, geplant bis 2020. Das Zeitfenster für eine Veränderung im Bereich Weckmarkt/Garküchenplatz wurde das Zeitfenster „langfristig“ genannt. Möglich, dass einer der jetzigen Entwürfen auch für diesen Bereich in Frage kommt, besonders gut gefalle hier die Variante aus Platz 3. Wie bekannt wird das nördliche Mainufer testweise für den Verkehr gesperrt. Sollte dies zur dauerhaften Lösung werden, käme die Schließung der Straße Weckmarkt nicht in Frage. Angestrebt wird jedoch eine Verbesserung der Situation für Fußgänger, im südlichen Bereich der Straße soll der heute sehr schmale Gehweg entsprechend verbreitert werden.


    Beim Siegerentwurf gilt es zu klären, ob die (heute teils bereits etwas weiter südlich vorhandenen) Platanen wie geplant vor das Pfarrbüro (Domplatz 14) umgepflanzt werden können, da dort in vermutlich 4 Meter Tiefe Versorgungsleitungen verlaufen.
    Gelobt wurde insbesondere die Aufenthaltsqualität, die Fassung der Plätze durch das Taktilsystem und der Brunnen zur Kannengießergasse hin, wo geradezu ein neuer Stadtplatz entstehe. Die gerade im erstplatzierten Entwurf zu vermutende Öffnung des Domgartens wird es nicht geben, dieser bleibt für die Öffentlichkeit verschlossen.


    Zur Frage der Unterschiede: Es gab gewisse Vorgaben und auch bereits eine Vorauswahl im Laufe des Wettbewerbs. Es sind in der Tat jedoch relativ starke Unterschiede im Detail erkennbar, was beispielsweise die Möblierung, die Fassung oder auch die Wirkung der Plätze durch die Platzierung der Bäume betrifft. Diese Details sind in dem oben verlinkten PDF besser erkennbar, noch hilfreicher ist der Besuch der Ausstellung.

  • Tja

    Gut, aber: Etwas ratlos lassen mich die Konzepte zurück. Mir war klar, dass die Aufgabe der Platzgestaltung nicht einfach würde, weil der Platzraum um den Dom herum nicht so ganz einfach ist.
    Grundsätzlich ist die Verkehrfreimachung richtig und konsequent.


    Nur warum muss man jetzt erst klären, ob tiefer liegende Leitungen eine Versetzung der Platanengruppe überhaupt möglich machen oder nicht? Ich finde das ein wesentliches Argument.
    Wenn Platz 2 schon den Grundriss der Michaelskapelle auf der Platzoberfläche zeigt, warum gruppiert man dann nicht die Bäume nördlich und südlich der Kapelle und weist die Konstruktionsmale nicht in dem Stein aus, der auch die Umgebung beherrscht - also Sandstein?
    Den Brunnen für den Platz zur Kanngiessergasse hin finde ich gut, weil er vom Eingang zum Domplatz gesehen wird und eine Blickbeziehung bzw. Führung erzeugt. Es braucht auch solche gestaltenden Elemente im Stadtraum. Nur warum ist dieser Brunnen in keinem der Entwürfe gefasst, etwa mit entsprechender Rahmung im Pflaster oder mit Sitzmöbeln direkt um den Brunnen herum?
    Und was die Pflasterung betrifft: Schön, dass man sich Gedanken um den Stein macht, aber diesen langweilig durchbrettern will. Man könnte auch zwei verschiedene Steine wählen und Kernbereiche der abfolgenden Plätze rahmen oder füllen.
    Die Angänge von Süden her zu treppen, finde ich gut. Auch dort Sitzmöbel zu stellen macht Sinn, denn gerade dort verschnaufen viele Touristen oder sammeln sich. Ausserdem geben sie Struktur.
    Die Andeutung von mehr Aussengastronomie sind lobenswerte Wünsche in den Darstellungen. Hoffentlich folgen dem auch die Besitzer der meisten Gebäude - vielleicht meistens die katholische Domgemeinde.


    Grundsätzlich ist beim Domplatz samt Anhängen weniger mehr, Hauptsache frei von Verkehr und angenehm gestaltet. Etwas mehr Liebe zum Detail wünschte ich mir.
    Aber: Hauptsache, es passiert überhaupt etwas und es sind nicht Entwürfe gemacht worden, um erstmal wieder zwanzig Jahre Ruhe walten zu lassen, weil man das Projekt Altstadt doch nun wirklich nicht zum Exzess treiben will.

  • Bild: Dass sich die drei Siegerentwürfe auf den ersten Blick kaum voneinander unterscheiden, liegt an der Aufgabe an sich, in der ja keine großen Baukörper erfunden werden sollten. Der Dom und die Häuser gegenüber bleiben an Ort und Stelle stehen, was auch - kein unwesentliches Detail - die Domgärten betrifft, deren Einfriedung bzw. Zugangsschutz nicht angetastet wird. Auf eine Öffnung zumindest des südwestlichen Gartens hatte ich spekuliert.


    Wie auch immer, es ging um die Neuordnung der Flächen, um Bodenbeläge, Sitzgelegenheiten, Brunnen, die Fassung der Plätze, um Sichtachsen und -beziehungen, die Topologie, um die Bepflanzung, um ein Beleuchtungskonzept. Also subtile Dinge, die aber für Passanten im Vordergrund stehen. Letzlich waren auch Eckdaten wie die Höhenunterschiede, unterirdisch verlegte Leitungen, die Erschließung der Dom-Römer-Tiefgarage, klimatische Bedingungen, ein Leitsystem für Sehbehinderte etc. zu berücksichtigen.


    Aufgrund des besonderen Ortes standen die Wettbewerbsteilnehmer vor einem Dilemma: Sollten historische Gegebenenheiten wiederauferstehen oder zumindest auf sie Bezug genommen werden? Die Straßenführung und die Enge vor dem Krieg, der Garküchenplatz? Soll ein einheitlich erlebbarer Raum rund um den Dom entstehen? Die Fortsetzung, ein integraler Bestandteil, ein Abschluss der Neuen Altstadt?


    Die Entwürfe, die ohne historische Bezüge einen einheitlichen Raum schaffen wollten, schieden früh aus. Aber auch diejenigen, die alles vor dem Krieg verlorene nachzeichneten, scheiterten. Nach Worten von Mike Josef bekam der Siegerentwurf diesen Balanceakt "brillant" hin. Dezent und doch sehr wirkungsvoll etwa ist die differenzierte Zuordnung der Bodenflächen gelungen. So kommen auf den eigentlichen Platzflächen Basaltpflastersteine im Polygonalverband zum Einsatz, für niveaugleiche Gehwege eben jene Steine im Reihenverbund. Separiert werden die Flächen durch Granitborde. An Gebäuderändern liegen Basaltsteine längs als Trenner. Zahlreiche Sitzbänke aus Sandstein, teils mit Holzauflage, bieten überall Verweilgelegenheiten. Die oben erwähnten Platanen werden von der Domwand hin zur sonnenreicheren Nordseite des Platzes vor das Dompfarrhaus umgezogen (vorbehaltlich der technischen Realisierbarkeit) - unter Freihaltung des schönen Eingangsportals. Das schafft Schatten auf dem als Wohnhaus genutzten Gebäude und gibt den Blick auf die Domnordseite auch aus größerer Nähe frei. Unter den Bäumen stehen vier klassische Holzbank-Paare, die ein lauschiges Plätzchen mit Blick über den Platz bis zur Goldenen Waage bieten werden. Ein sehr schönes Detail ist die Andeutung der vermuteten Lage der St. Michaelskapelle (1350) vor dem Dompfarrhaus mit einer Art Wolke aus in den Pflastersteinen eingekerbten Kreuzen.


    Zum Kannengießergäßchen wird überhaupt erst ein Platz geschaffen. Er erhält in der Mitte einen runden Brunnen, auf dessen Sandstein-Rand man sitzen können wird. Paulaner und der Dortmunder Pilstreff wird's freuen. Auf der Westseite wird die "Rennstrecke" zwischen Main und Braubachstraße von Hürden am Weckmarkt befreit, um die erwarteten Fußgängerströme aufnehmen zu können.


    Zur Illustration der Details nachfolgend zwei Ausschnitte aus den Plakaten des Siegerentwurfs zusätzlich zu den sehr groß zoombaren PDF-Bildern oben:


    Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A6471.jpg Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A6473.jpg


    Andere Entwürfe brachten pfiffige, aber teils fragwürdige Ideen ins Spiel. So wollte ein Entwurf die Bedeutung des Doms hervorheben, indem er über farblich differenzierte Steine auf seine Umgebung abstrahlt. So hätte das ausgesehen:



    Ein anderer wollte eine wassertropfenspende Skulptur namens "Schatzkästchen" vor den Dom stellen, bei der ein Bronzegewebe extrem hochgezogene Spitzdächer andeuten sollte. Einige Entwürfe wollten - etwa als Reminiszenz an die St. Michaelskapelle - die Mitte des Domplatzes mit einem Plateau zustellen. Beispiel (links):



    In meinen Augen gewinnt ein Entwurf, der so selbstverständlich wirkt, als hätte es ihn schon immer gegeben, und der Plätze schaffen wird, die man gerne besuchen möchte. Der Moment der Preisverleihung an Matthias Staubach von capatti staubach Landschaftsarchitekten aus Berlin:



    Den 2. Preis erhielt das Büro BIERBAUM.AICHELE.Landschaftsarchitekten aus Frankfurt, unter Mitarbeit von Landschaftsarchitekt Frank Wiegmann und - als kleine Überraschung - dem Urgestein der Frankfurter Architektur, Jochem Jourdan (Haus am Dom, Goldene Waage, Gerbermühle u.a.). Nachfolgend ein Gruppenbild mit dem genannten Team sowie Mike Josef und Michael Guntersdorf:



    Bilder: epizentrum


    Eine ungewöhnlich ausführliche und verständliche Erläuterung der drei Gewinnerentwürfe lieferte übrigens Thomas Meurer, der den verhinderten Jury-Vorsitzenden Christoph Mäckler vertrat.

  • Wenn Herr Josef etwas brilliant findet sind Zweifel angebracht.


    Der erste Preisträger aus Berlin setzt acht Bäume direkt vor die zwei schönsten Altbauhäuser mit dem Dompfarrhaus am Domplatz. Ich finde diese kleinen
    Bäume ohne Grünfläche haben sich auf der Zeil und dem Dom-Römer-Areal nicht bewährt.


    Gut finde ich die Idee der Stadt den Domgarten einzufassen. Dort machen große Bäume Sinn, solange sie nicht das Fundament angreifen.


    Mir gefallen auch die großen Sandsteinbänke nicht. Ob Beton oder Sandstein, das passt einfach nicht und hat sich an anderer Stelle auch nicht bewährt. Ich finde Bänke schöner, da sie keiner Mode unterliegen und nicht so massiv in den Stadtraum eingreifen.


    Ich finde daher den Frankfurter Entwurf von Bierbaum Jourdan am besten. Mir gefällt auch die Idee mit der Grundrisszeichnung der Michaelskapelle. Jourdan hat zwar auch Sitzelemente, aber die greifen von allen Entwürfen am wenigsten ein.

  • ^ Der Domgarten ist schon immer eingefasst und vor öffentlichem Zugang geschützt. Die Platanen stehen bereits an anderer Stelle auf dem Platz. Einen genauen Grundriss der St. Michaelskapelle kennt man nicht; ihn exakt "nach"zuzeichnen wäre Spekulation.

  • Mit der Domplatz-Neugestaltung wird nicht der Schlusspunkt der Altstadt-Neuentwicklung gesetzt sein. Die DomRömer GmbH wird "im Umfeld" weiter aktiv sein. Das geht aus einem lesenswerten Interview mit Michael Guntersdorf hervor, das Matthias Alexander geführt hat und das heute in der Rhein-Main-Zeitung der FAZ zu lesen ist. Eine persönliche Essenz daraus nachfolgend:


    • Generell: Kritikern, die in dem Projekt ein misslungenes Wohnbauprojekt sehen, widerspricht Guntersdorf. Es ging hier um Stadtreparatur. Neben dem historischen und touristischen Aspekt sei ein Stadtraum entstanden, dessen Qualität in den letzten Jahren woanders in Frankfurt nirgendwo erreicht wurde. Über die Architektur könne man streiten, dann aber jeweils je Haus.
    • Beim Innenausbau gibt es in 3-4 Häusern noch größere Mängel zu beseitigen, bspw. für die Gastronomie in der Goldenen Waage und am Hühnermarkt
    • Komplizierte Entscheidungsstruktur hält er für richtig, hat ihn aber oft genervt. Der Sonderausschuss gab zeitweise den Aufsichtsrat, und der Gestaltungsbeirat führte sich manchmal wie ein Bauherr auf, Politiker waren total überfordert, andere Politiker wuchsen mit der Aufgabe.
    • Kosten: 200 Mio insgesamt, darin jedoch Tiefgarage, Stadthaus, die 35 Häuser, die Pergola und die Stadtraumentwicklung (und der Abbruch des Technischen Rathauses?) enthalten. 70-80 Mio. Euro werden als Verkaufserlöse abzuziehen sein, mehrere Mio. Euro an Gebühren und ein ungenannter Betrag an Erbbauzinsen. 50 Mio. Euro gehen als Infrastruktur-/Gebäudeaufwendungen ins Anlagevermögen, und die Stadt erlöst die Pachteinnahmen der Einzelhandelsflächen.
    • Mit Auswahl der Ladenbetreiber ist er sehr zufrieden. Sie seien "mit Herzblut" bei der Sache.
    • Wohnungen: Erhoffte Eigennutzerquote von 70% wird bei weitem nicht erreicht. Tatsächlich wahrscheinlich 30-50%. Die geforderten Mieten seien teilweise viel zu hoch, realistisch sieht er 18-20 Eur / Quadratmeter.
    • Den Abgang zur U-Bahn würde er gerne überbauen, evtl. mit einem "ganz kleinen" Gebäude nur als Kulisse mit Minimalnutzung dahinter.
    • Der Bogen am Haus Klein Nürnberg wird um 2 Jahre zurückgestellt. Er hält ihn für unpassend.
    • Weitere Rekonstruktionen wird es vielleicht von Privatleuten geben, aber nicht von der Stadt. Sie wird vielmehr die Umgebung qualitativ weiterentwickeln (bspw. den Domplatz, westlicher Abschnitt der Braubachstraße).
    • Explizit benennt er auch Alt-Sachsenhausen, zu dem es ein Konzeptpapier der Stadt geben wird.
    • Aus der GmbH werden zwei: (1) Quartiersmanagement + Verwaltung des Wohnungseigentums, (2) Stadt- und Projektentwicklung in der Umgebung.
    • Die Lehre aus dem Projekt: Nicht nur Volumen schaffen, sondern für Identifikation sorgen. Dazu tragen besondere Gestaltungsmerkmale und Liebe zum Detail bei. Das führe nicht zwangsläufig zu Mehrkosten. Die Architekten, die sich zu Volumenproduzenten degradieren ließen, verspielen ihre Berufsehre.


    Geschmacksfragen:


    • Einen der größten Gewinne des Projektes sieht er in der Wiederherstellung der Braubachstraße
    • Seine Lieblinge sind die beiden Jordi/Keller-Häuser: Markt 40 (Zu den drei Römern) und Markt 8 (mit dem U-Bahn-Eingang)
    • Am wenigsten sagen ihm Markt 32 (Goldene Schachtel) zu und die "völlig danebengegangene" Südfassade von Markt 34 (Alter Burggraf)
    • Die Pergola finde er an sich ganz schön, aber für die Stelle unpassend, zu massiv, zu geometrisch.
    • Den Eingang zum Kunstverein findet er sehr gelungen.
    • Kommentar zu Denkmalschutz und Denkmalpflegern: "Man muss immer mit dem Schlimmsten rechnen".
  • Die DomRömer GmbH hat ihren Projektebereich überarbeitet. Jedes Haus ist wie bisher auf jeweils einer eigenen Seite vertreten, jetzt aber mit aktuellen Bildern (statt der veralteten Visualisierungen) und jeweils einem Steckbrief zumeist aus der Feder des derzeit altstadttechnisch omnipräsenten Matthias Alexander (FAZ). Verwendet werden die Texte aus seinem Buch zur Altstadt (Die Neue Altstadt Frankfurt am Main). Auf den Seiten werden auch die Ladenbesitzer kurz vorgestellt. Die Übersicht: Die Stadt lebt.

  • Mobile Toilettenanlage auf dem Domplatz

    ... soll vor dem Bauzaun am Dom aufstellt werden um das Pblm. mit den Wildpinkler in der Altstadt in den Griff zu kriegen und um Druck von den Restaurant-Toiletten zu nehmen. Dieser Plan vom Stadtplanungsamt und Amt für Bauen und Immobilien wurde mit dem städtische Amt für Denkmalschutz abgestimmt da diese, aber auch eine mögliche stationären Anlage auf dem Domplatz, das Erscheinungsbild des Dom beeinträchtigen könnte. Ob in die Planung, vgl. Beitrag #687, auch eine stationäre Anlage aufgenommen wird ist noch nicht entschieden. An der Schirn ist schon ein Stück Sandstein in der Fassade durch Urin stark beschädigt. Von 2020 soll der Domplatz umgestaltet werden, so in der heutigen analogen HK.


    Eine zweite Anlage wie auf dem Paulsplatz ist sicherlich sehr angebracht zumal der Touristenstrom in der Altstadt weiter anschwillt.
    Evtl. könnte im Parkhaus eine solche eingerichtet werden. Oder gibt es da schon eine? Wenn ja müsste diese ggf. besser ausschildert werden.

  • Mit der Neugestaltung des Domplatzes geht es offensichtlich nicht voran. Grund und Hintergrund erfahren wir in einem aktuellen Artikel der Frankfurter Rundschau (in dem es hauptsächlich um den Erfolg der neuen Altstadt hinsichtlich Besucherzahl geht). Gehemmt wird die Umsetzung der Planung demnach durch eine Klage vor der Vergabekammer. Es klagt der Sieger des Architektenwettbewerbs gegen den Zweitplazierten. Letzterer sollte den Auftrag von der Stadt erhalten! Die Ergebnisse des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Domplatzes, auch die Platzierungen, ergeben sich aus den Beiträgen #687 ff.

  • Mir geht es ähnlich wie Sipaq. Die Entwürfe ähneln sich doch sehr. Warum man jetzt allerdings ausgerechnet den zweitplatzierten Entwurf mit der Goetheplatz-Steinwüste realisieren will, erschließt sich mir nicht. Kennt wer die Gründe der Stadt für dieses Vorgehen? Oder liegt es schlicht daran, dass das Büro aus Frankfurt ist?

  • Genau. Die Entwürfe ähneln sich vielleicht, wenn man die Lagepläne nur kurz überfliegt. Die ins Auge springenden Gebäudegrundrisse, Bäume etc. werden ja nicht berührt, es geht rein um die Gestaltung der Plätze, Wege und auch Straßen. Aus Fußgänger-Perspektive werden die Unterschiede deutlich. Das beginnt beim Bodenbelag, der einen jeden Raum stark prägt. Beim 1. Gewinner wird eine lebendige Oberflächenmischung verwendet, vor allem aber deutet er im gesamten Planungsgebiet die Gehwege an, was für mich eine wichtige Unterstützung der Fassung und der Orientierung für Fußgänger vs. anderer Verkehrsteilnehmer bedeutet. Den Domplatz fasst er außerdem schlüssiger mit der kleinen Baumgruppe im Norden. Der 2. Gewinner lässt den Platz insgesamt offener, und da denke ich, wie Du, an die Steinwüste des Goetheplatzes, wenn auch in klein. Ich erwarte hier eine größere Dichte. Dagegen berücksichtigt er die Umrisse der ehemaligen St. Michaelskapelle, was einen schönen Symbolwert hat, allerdings nur unhistorisch sein kann, weil die exakte Lage unbekannt ist.


    Weitere Unterschiede sind die Straßenführung am Weckmarkt (1.: geschlängelt, was spannendere Sichtachsen bewirkt), Sitzgelegenheiten unter Bäumen etc. Siehe auch #691.

  • Ich finde, dass die Unterscheide in diesem Fall schon sichtbar, aber nicht signifikant sind. Von daher ist es ein Unterschied im Detail, wobei ich auch sagen muss, dass mich der erste Platz etwas mehr überzeugt, wenn man sich die Kleinigkeiten anschaut.


    Was mir viel mehr übel aufstößt, ist die Praxis, wie teils mit Wettbewerbsergebnissen umgegangen wird. Einen besonders krassen Fall habe ich gerade bei einem Neubauprojekt in Lübeck am Kolk gesehen, wo ein Wettbewerbssieger seinen Wettbewerbsentwurf nach dem Wettbewerb so weit überarbeitet hat, dass es faktisch ein vollkommen neues Gebäude ist, der mit dem Wettbewerbsbeitrag rein gar nichts mehr zu tun hat. Hier in Frankfurt ist der Fall etwas anders gelagert, aber wenn man Zweifel am Entwurf hat, dann vergibt man aus meiner Sicht keinen ersten Preis oder vergibt ihn zweimal. So bleibt dann irgendwie ein blödes Geschmäckle, in Köln würde ich jetzt wieder Klüngel rufen, keine Ahnung, wie das in Frankfurt heißt 8o


    Man macht sich auf jeden Fall angreifbar und es führt zu rechtlichen Risiken und es entwertet auch den Wettbewerb als Instrument der Willensbildung. Ich denke, man tut sich einen Gefallen, wenn an hier in Zukunft sauberer arbeitet!