Bahnhofsviertel auf Metaebene

  • Seltsamerweise funktioniert es wo anders ( vor 30 Jahren sogar in Ffm, Stichwort Taunusanlage ), wie die verschiedensten Beispiele in Singapur ( Verdreckung, Vermüllung ), NYC unter Giuliani ( Verbrechen ) oder Philippinen ( Drogen ) eindrucksvoll zeigen.

    Nein Äppler, das willkürliche Ermorden tausender vermeintlicher Drogenhändler (Philippinen) ist weder eindrucksvoll noch eine Lösung. Auch das Überwachungs- und Kontrollsystem Singapurs wird in einer Demokratie glücklicherweise nicht funktionieren.


    Wie wäre es aber, die unterbesetzten Fixerstuben und sozialen Einrichtungen wieder mit Personal auszustatten, dort sind viele Positionen unbesetzt. Übrigens waren diese Stellen während Corona geschlossen, die Stadt hat das ignoriert, die Folgen sieht man jetzt.

  • Also wäre dein Lösungsansatz einfach alle aktuellen Dealer (wenn man sie denn erwischt) und alle die ihnen nachfolgen einfach immer wieder weg zu sperren. Parallel dazu müsste man natürlich nahezu das komplette Stadtgebiet rund um die Uhr überwachen, damit sich keine Ausweichtreffpunkte bilden können. Falls doch auch dort einsammeln und weg sperren.

    Man bräuchte natürlich zusätzliches Personal, dass obendrein wehtuende Repressionen insbesondere bei Wildpinkelei, Vermüllung, Dealerei und öffentlichem Drogenkonsum ausspricht. Was sind denn wehtuende Repressionen für Drogensüchtige die auf der Straße leben? Hohe Geldstrafen? Wie sollen sie die bezahlen? Läuft dann wohl auf Ersatzhaft raus, also auch wieder weg sperren.

    Und natürlich auch Aufenthalts- und Stadtverbote für auswärtige Dealer und Junkies, sowie Abschiebungen für Dealer die nicht berechtigt sind, sich in unserem Land aufzuhalten. Wenn die dann trotzdem zurück kommen, schieben wir sie einfach wieder erneut ab oder sperren sie weg.

    Ich kann denn Grundgedanken nachvollziehen aber ich fürchte da würde das zuständige Personal und vorallem auch unsere Gefängnisse sehr schnell an ihre Grenzen kommen und ein Großteil des Stadthaushalts ginge alleine für dieses eine Thema drauf. Abgesehen davon, dass ein Gefängnis gefüllt mit Dealern und Süchtigen wahrscheinlich die Situation auch nicht unbedingt verbessert, oder?

  • Aber bei Ausländer- und Drogenkriminalität lieber beide Augen zudrückt, und festgenommene Dealer umgehend wieder auf freien Fuß setzt, selbst wenn sie nicht mal berechtigt sind sich in unserem Land aufzuhalten. Gab ja auch schon vor Jahren unzählige Artikel zu dem Thema...

    Meines Wissens ist es zum Glück nach wie vor nicht strafbar, Ausländer zu sein. Was soll bitteschön "Ausländerkriminalität" sein (außer einer platten rechten Parole)?

  • "Mehrere Redner wiesen damals darauf hin, dass die Beziehung zwischen Kriminalität und Staatsangehörigkeit lediglich eine Scheinkorrelation darstelle.[2] Der Begriff wird jedoch auch als politisches Schlagwort mit fremdenfeindlicher Tendenz verwendet, mit dem eine besondere Strafanfälligkeit von Ausländern suggeriert werden soll. Die Verwendung in kriminologischen Statistiken wird von Wissenschaftlern als Abzielen auf „eine erwartete Andersartigkeit“ kritisiert, die mit Vorsicht zu interpretieren bzw. in Richtung sozialer Vergleichskategorien zu überarbeiten sei."


    Das sagt Wikipedia. Und weiter?



    Mod: Weiter geht es bitte mit dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Das ist hier nämlich das Thema, und #423 ff. finden sich demnächst im Papierkorb.

  • Meines Wissens ist es zum Glück nach wie vor nicht strafbar, Ausländer zu sein. Was soll bitteschön "Ausländerkriminalität" sein (außer einer platten rechten Parole)?

    Ganz schlechte Versuche doch irgendwie die Nazikeule zu schwingen. Verfängt bei mir nur leider nicht.

    Wer noch immer nicht begriffen hat, dass eines der vielen großen Probleme dieses Landes und auch der Stadt Ffm die unnötig importierte Kriminalität ist, und konkret im Fall des Bahnhofsviertels ein sehr großer Teil der Dealer nach korrekter Auslegung der geltenden Gesetze nichtmal ansatzweise das Recht hat sich in unserem Land überhaupt aufzuhalten, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

    Und dass der "Erfolg" in Zürich neben vielen anderen Bausteinen u.A. aber deutlich auch darauf zurückzuführen ist, dass man nicht jedem Dealer und Junkie von sonstwoher erlaubt sich in der Stadt aufzuhalten, sollte eigentlich auch mittlerweile den meisten klar sein.

  • Allerdings sind die Straßen-Dealer an sich leider nicht das eigentliche Problem, sondern nur der sichtbare Teil davon. Und das hierfür gerne Personen rekrutiert werden, die wenig bis nahezu keine anderen Perspektiven und Möglichkeiten in unserer Gesellschaft für sich sehen ist auch nicht neu. Natürlich sind das dann im Zweifel eher keine Personen aus der gepflegten deutschen Oberschicht oder Hochschulabgänger.

    Das Problem sind die kriminellen Strukturen dahinter, an die muss man ran kommen und sie zerschlagen. Natürlich kann man jetzt auch versuchen Dealer für Dealer immer wieder fest nehmen (und reihenweise Haftanstalten füllen), aber das löst das Problem nicht und an der Stelle magelt es sicher auch nicht an Nachschub – Menschen mit wenig Perspektive haben wir hier leider zu genüge. Und das ist tatsächlich ein hausgemachtes Problem, das liegt aber unter anderem auch an mangelhafter Integration, gesellschaftlicher Ausgrenzung, etc. – vielleicht müsste man an der Stelle mal versuchen was zu verändern. Drogen auf der Straße zu verkaufen ist ja sicherlich auch bei diesen Leuten nicht, der Wunschtraum für Ihren restlichen Lebensweg gewesen, oder? Aber wie gesagt, die Straßen-Dealer sind ohnehin eher nur ein Symptom einer viel komplexeren Problematik dahinter.


    Alleridings würde mich nun trotzdem interessieren, woher wir denn nun die Kriminalität deiner Meinung nach importieren Rohne ? Und ist denn Konkret der „große Teil der Dealer, der nach korrekter Auslegung der geltenden Gesetze nichtmal ansatzweise das Recht hat sich in unserem Land überhaupt aufzuhalten“?

  • Wenn man mal ganz wild spekulieren will, könnte man sogar zu dem Schluss kommen, dass die hohe Anzahl an Banker*innen, Unternehmensberater*innen etc., bei denen es ja doch überdurchschnittlich oft schneit (oder geschneit hat) nicht ganz unschuldig sind, dass sich derart aggresiv wuchernde (Drogen-) Kriminalitätsstrukturen in Frankfurt bilden konnten.


    Hinzu kommt, der generell steigende Drogenkonsum und die künftige Legalisierung von Marihuana. Selbst in den lange als Vorbild geltenden Niederlanden hat das zur Bildung von mafiösen Strukturen geführt. Das stellt Deutschland, aber vor allem Frankfurt vor große Herausforderungen denen wir uns stellen müssen, vor allem da Prohibition noch nie funktioniert hat und Strafen à la Singapur meist die Falschen trifft und das Problem nicht lösen.

  • sweet Meat, sicher wäre es sinnvoller an die grossen Fische zu kommen, wenn aber der Strassendealer eine sehr grosses Risiko hat beim Verkauf erwischt zu werden und dann sofort für einige Wochen im Bau verschwindet wird das mit dem rekrutieren nicht mehr so einfach, auch ist es dann für Ortsfremde nicht mehr möglich innerhalb kürzester Zeit ein Netzwerk zu finden das ihn weiter versorgt. Die Strukturen werden gebrochen das alleine sollte dafür sorgen das die Anzahl der Personen welche sich dort aufhalten sinkt. Dazu gehört aber auch ein Justiz die bereit ist bei nachgewiesenen Kleinhandel kurzfristig entsprechende Strafen auszusprechen. Drogenhandel wird m.E bagatelisiert denn die damit verbundene Beschaffungskriminalität und weitere Begleiterscheinungen (Kosten für die Behandlung erkrankter etc) wird beim Strafmass nicht berücksichtigt.

  • Hinzu kommt, der generell steigende Drogenkonsum und die künftige Legalisierung von Marihuana. Selbst in den lange als Vorbild geltenden Niederlanden hat das zur Bildung von mafiösen Strukturen geführt.

    Wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass es in den Niederlanden eben keine volle Legalisierung von Cannabis gibt, sondern nur keine Verfolgung und ein aktives Wegsehen, wenn man erkannt hat, dass ausschließlich mit kleinen Mengen Cannabis gedealt wird - das schließt die Coffeeshops ein.

    Entsprechend ist der gesamte Weg vom Anbau über Herstellung und Distribution bis zum Kleinhändler und Coffeeshop weiterhin im Bereich der organisierten Kriminalität, die so durch Prohibition gefördert wird.


    Das ist etwas anderes als eine volle Legalisierung, bei der vom Anbau bis zum Konsum ein legaler Prozess existiert, bei dem keine Vertriebsstufe den Kontakt zur organisierten Kriminalität erfordert und diese dadurch mit Geld versorgen muss.


    Wenn der Kleindealer dem Kiffer immer wieder "margenstärkere" Produkte anbietet, weil er eben auch damit handelt, ist das etwas anderes, als wenn klar ist, dass der legale Grashändler sonst nichts anbietet.

  • thom66 Das „sehr große Risko für Straßen-Dealer“ bedeutet aber natürlich auch mehr Kapazitäten bei Polizei und Justiz aufzubauen, Gefängnisse zu erweitern oder neue zu schaffen – auch das muss ja alles bezahlt werden. Plus die Unterbringung der Gefangenen natürlich und etwaige Maßnahmen um die dann später wieder zu in die Gesellschaft zu integrieren bzw. zu versuchen die irgendwie auf ein rechten Weg zu bringen.

    Der Gedankengang die einfach weg zu sperren liegt natürlich nahe, aber der hängt halt auch noch ne Menege mehr dran. Und ich bin mir nicht sicher, ob der ganze Aufwand (am kleinsten und am leichtesten austauschbaren Zahnrädchen der sehr komplexen Drogen-Maschinerie), wirklich dabei helfen kann die grundsätzliche Situation nachhaltig zu verbessern!?

  • Ich pack’s mal hier rein: Peter Postleb hat seine Beratertätigkeit für Sauberkeit in Frankfurt aus Frust beendet. Er hatte in dieser Funktion als Sonderberater für Sauberkeit und Ordnung zw. dem 1.7.2020 und 31.12.2021 Zwischenberichte und einen Abschlussbericht ausgearbeitet wie Frankfurt sich beim Thema Sauberkeit und Ordnung (im öffentlichen Raum) verbessert könnte. Stellungnahmen, Rückfragen oder sonstiges Feedback hat er für seine detaillierten Verbesserungsvorschläge von Entsorgungsbetrieb, Ordnungsamt oder Stadtpolizei nicht erhalten so seine Aussage. Unvergessen sein Zwischenbericht den der zukünftige Ex-OB im September 2020 dazu nutzte um Markus Frank und die damalige Dreier-Koalition bei der Stadtverordnetenversammlung zu brüskieren. Sehr wahrscheinlich dass dies der Grund war warum Postlebs Berichte teilweise nicht weitergeleitet oder mit Desinteresse zur Kenntnis, wenn überhaupt, genommen wurden. Sollte die Vorschläge tatsächlich nicht umsetzbar gewesen sein, wäre es gegenüber den Frankfurter Steuerzahler recht und billig wenn eine Bewertung veröffentlicht würde (Q).


    Nutzlos daraufhin zu weisen das seine Verbesserungsvorschläge auch das Bahnhofsviertel betrafen.

  • Danke für die Zusammenfassung. Ich hatte den Artikel auch gelesen und bin fassungslos ob dieses Desinteresses und trotzdem wundert es mich nicht. Mit was beschäftigt man sich in der Stadtregierung eigentlich den lieben langen Tag? Offensichtlich dringliche Probleme scheinen es jedenfalls nicht zu sein. Ein Trauerspiel.


    Was das Bahnhofsviertel betrifft: die Szene breitet sich immer weiter aus. Francois-Mitterrand-Platz, Am Hauptbahnhof Ostseite, westliche Niddastrasse, um nur einige zu nennen, werden immer schlimmer. Selbst ich, der sich als relativ schmerzfrei einschätzt, meide weite Bereiche mittlerweile so gut es geht.

  • Ich finde es äußerst bedauerlich, dass gerade Stadtpflege Sonderberater Postleb mehr oder weniger weg ignoriert wurde. Es war wohl zu erwarten, dass das nicht gerade vor Kompetenz strotzende Ordnungsdezernat seine Ratschläge als warme Luft behandeln würde. Es wird der Notsituation im Bahnhofsviertel auf keinste Weise gerecht.


    Der versprochene Ausweg aus dem Elend sollte eigentlich der Züricher Weg sein, das sich durch die pragmatische Zusammenarbeit vieler Behörden auszeichnet. Hinter der FAZ Bezahlschranke war zu lesen, dass vor allem der Bund bei der Umsetzung bremst (d.h. Repressives Handeln der Polizei ist nicht zulässig, Keine Anerkennung von Cannabis als Ersatzdroge für Crack, Null Toleranz für Drogenhandel in Druckräumen).


    In der Schweiz dürfen Polizei und Ordnungsamt mit entsprechender Ressourcen Stärke bspw. wesentlich repressiver agieren, Drogenkonsum stören oder das Lagern von Drogen unterbinden. Der sogenannte Ameisen Handel in den Druckräumen wird hingegen toleriert, somit ist der Drogenhandel auch viel weniger sichtbar. Zürich war aber vor allem auch gewillt wesentlich mehr Geld als Frankfurt zu investieren um die Drogenproblematik in den Griff zu bekommen.


    Im Artikel wurde zudem bekräftigt, dass es zu keiner Verlagerung des Drogen Milieus in ein anderes Stadtviertel kommen soll.


    Somit entpuppt sich die Verheissung des Züricher Wegs für Frankfurt als komplette Mogelpackung, es sei denn der Bund lenkt ein und Frankfurt nimmt die Katastrophe, die sich im Bahnhofsviertel gerade abzeichnet, endlich ernst. Anstatt dem Züricher Weg hinterher zu laufen, sollte sich gerade Gesundheits Dezernent Majer mit dem „Münchener Weg“, „Stuttgarter Weg“ oder „den Düsseldorfer Weg“ beschäftigen, denn Frankfurt ist die einzige Stadt in Deutschland, die sich ein derart prekäres Drogenviertel direkt am Eingangstor der Stadt leistet.