Kulturforum

  • Camondo

    Ob die Korrespondenz zwischen den Fassaden des Museumsneubaus und der Staatsbibliothek so viel gebracht hätte, wage ich zu bezweifeln. Immerhin gibt es zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Staatsbibliothek auch keine inhaltlich-architektonische Verbindung.

  • ^… es war mal großes ein Thema, ein wie ich schrieb Kulturforum entstehen zu lassen. das war das Thema dieser Location seit den 60er Jahren, im speziellen in den 80er Jahren und erst recht nach der Vereinigung. Wenn schon regelmäßig veranstaltete Wettbewerbe zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt haben. So ware dies eine rare Möglichkeit die Idee fortzuführen. Wenn mann jetzt aus schnödem Geldmangel, und ich unterstelle Mal, dass kein Verantwortlicher mehr an die Idee eines Forums überhaupt denkt, oder sich dessen bewußt ist, diesen städtebaulichen Aspekt und Auftrag klammheimlich beerdigt und meint, dass ein Wildwucherndes etwas gut zur Potse hin abgrenzt, man nicht weiter in der Lage ist als über jedes einzelne Bauvorhaben hinaus zu denken, den Gesamtgedanken verliert. Dann ist es halt so. Eitle Solitäre aber kein Forum.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Eitle Solitäre aber kein Forum.

    Aber daran ändert doch die Ausgestaltung der Fassade dieses Museumsneubaus nichts!

    Das Kulturforum war immer schon eine Ansammlung von Solitären. Daran kann auch das neue Museum der Moderne nichts ändern. Ich weiß nicht, welche Erwartungen du an dieses Museum gehabt hast. Es war doch von Anfang an klar, dass der Museumneubau nichts an der problematischen Ausgangslage des Kulturforums ändern würde. Oder doch?

  • .. das ist Deine subjektive Sicht. Für mich hat sich da eine andere Sicht, wie ich dargelegt habe, ergeben. Es war die letzte Chance, wenn mann schon das Forum mit diesem Baukörper zuballert, dann wenigstens mit der Fassade und ihren Details etwas zu reißen. Nun auch das sollte nicht sein. Somit hofft man nun mit dem Inneren zu punkten… schwierig in der heutigen Zeit die fast ausschliesslich auf ikonisch instagramtaugliche Ansichten fixiert ist. Ich habe immer gesagt, und der Name des threads zeigt es ja auch, Kulturforum, nicht diese Musikspielstätte und dieses Museum, oder diese Kirche und diese Bibliothek. Schon erstaunlich, dass es den Mods keinen eigenen Strang wert war und sie somit den städtebaulichen über den architektonischen Rang angesiedelt haben. Beifall dafür. Nur wenig hilfts.

  • Ich freue mich nach wie vor auf die Fertigstellung und Eröffnung dieses Museums. Es wird dem Kulturforum gut tun. Und ich glaube auch, dass es von den Besucherzahlen erfolgreich sein wird. Aber es macht doch keinen Sinn, das Museum der Moderne als städtebaulichen Heilsbringer des Kulturforums zu betrachten.

  • Du hast mich nicht verstanden. Das Museum ist fehl an diesem Platz, fehl in dieser Gestalt und eigentlich nur um eine Sammlung zu beherbergen auch fehl konzipiert. Das Museum für die Kunst des 20 ten Jahrhunderts ist die Neue Nationalgalerie.

    Um diese Sammlung unterzubringen hätte der Platz hinter Der Nationalgalerie gereicht, wie schon erwähnt. Nun hat man den Standort Hamburger Bahnhof samt Umfeld ruiniert, das Kulturforum zugebaut und eine städtebauliche Lösung für diesen Bereich hier verbaut.

    Verschwende doch mal einige Minuten Deiner Zeit um Dir den Begriff Forum zu versinnbildlichen. Ein Forum ist ein von Gebäuden gesäumter städtischer Versammlungsort. Nicht ein zugebauter. Es gab ja auchmal Entwürfe von Braunfels zu dem Thema… der mit dem Thema sehr verantwortungsvoll und innovativ umgegangen war, womit wir wieder einen Kreis schliessen.

    4 Mal editiert, zuletzt von Camondo (20. Oktober 2025 um 23:29)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Und ich glaube auch, dass es von den Besucherzahlen erfolgreich sein wird.

    Ungefähr welche Zahl muss deiner Ansicht nach für einen Erfolg erreicht werden?

    Der Klinker, die niedrige Höhe und die Verbindungsgänge im Inneren, zuletzt der Biergarten und die Begrünung wurden als städtebauliche Mittel genannt, um das Kulturforum zusammenzufügen und zu beleben. Wir werden sehen.

    Die ursprünglich perforierte Fassade würde ich städtebaulich nicht überbewerten, außer vielleicht, dass sie das Interesse an dem Neubau gesteigert und damit den Ort anziehender gemacht hätte. Noppen kann ich an der Staatsbibliothek keine erkennen.

    Das geplante gmp-Museum in China finde ich in jeder denkbaren Hinsicht grausam. Zum Thema Energieverbrauch scheint auch nichts hängengeblieben zu sein, wenn solche Glaspaläste hier im Strang eingeflochten werden. Es gibt es wahrhaft kraftvollere, kreativere, kunstvollere Entwürfe, auch von Herzog & de Meuron, etwa den Tate-Anbau.

  • Ziegel

    Goldene Noppenfassade Staatsbibliothek Berlin:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…ster_aussen.jpg

    Hier noch ein beachtenswerter link zum Thema vorbildliche denkmalpflege der Neuen Nationalgalerie und architektonische Beeinträchtigung durch das neue Museum.

    https://www.marlowes.de/rettet-mies/

    Der Braunfels - Entwurf:

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturforum-be…cheune-100.html

    2 Mal editiert, zuletzt von Camondo (21. Oktober 2025 um 00:13)

  • ^ Soweit ich mich erinnere, haben sich Herzog und de Meuron dahingehend geäußert, dass sie die Änderungen am Entwurf inhaltlich mittragen und die Umsetzung der Änderungen als Herausforderung betrachten. Aber was sollen die Architekten auch anderes sagen? Jeder kann sich denken, dass sie lieber den ursprünglichen Wettbewerbsentwurf umgesetzt hätten.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Du hast mich nicht verstanden. Das Museum ist fehl an diesem Platz, fehl in dieser Gestalt und eigentlich nur um eine Sammlung zu beherbergen auch fehl konzipiert. Das Museum für die Kunst des 20 ten Jahrhunderts ist die Neue Nationalgalerie.


    Camondo, ich verstehe dich tatsächlich nicht.

    Zuerst übst du Kritik daran, dass die Fassade mit dem Lochmuster nicht gebaut wird. Und jetzt kritisierst du, dass das Museum ganz grundsätzlich fehl am Platz ist. Ich würde dich da um eine Konkretisierung bitten, was du eigentlich kritisieren möchtest . Ist es die Tatsache, dass man den ursprünglichen Entwurf mit der hochwertigeren Lochfassade verwässert hat? Oder ist es die das grundsätzliche Thema, dass man das Kulturforum an diesem Standort nicht hätte zubauen dürfen? Aber bitte nicht beide Themen miteinander verquicken.

  • … wenn Du im Kontext lesen würdest und nicht stichprobenhaft könntest Du besser verstehen. Grundsätzlich finde ich, wie geschrieben, dass dies nicht der richtige Platz ist, für die Galerie. Aber, man versucht sich ja zu arrangieren. Es wurde ein Entwurf gekürt, der versprach eine interessante Fassadengestaltung. Auch wenn es immer noch der falsche Standort war. Dann wurde der Fassadenentwurf( nicht nur der) überarbeitet und ihm jegliche Originalität und Extravaganz weggespart. Nun steht da eine Banalität, allerdings immer noch am falschen Platz.

    Alles was Du nicht verstanden hast war, dass, auch wenn es für mich immer noch der falsche Standort war, ich dem ersten Fassadenentwurf etwas interessantes abgewinnen konnte. Alles klar ? Jetzt ?

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Du hast mich nicht verstanden. ...

    Hier habe ich eine grundlegend andere Sichtweise.

    Die Neue Nationalgalerie ist zu klein für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Diese Sammlung ist hochkarätig, wurde nach der Wende vereinigt und die Entscheidung für den Bau eines zusätzlichen Museumsgebäudes ermöglichte zudem wertvolle Schenkungen, die die Qualität der Sammlung noch einmal herausheben.

    Bisher lagern die Kunstobjekte jedoch überwiegend im Depot. Dabei sind die Sammlungen für Besucher überaus attraktiv. Ich finde es angemessen, dass diese Sammlungen zukünftig in der ersten Reihe gezeigt werden, und nicht in einem Bau hinter der Neuen Nationalgalerie verschwinden. Für die zu erwartenden Besucherströme wäre ein weit hinten positionierter Bau meiner Ansicht nach wenig passend.

    Dieser Bau hinter dem Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie hätte aufgrund der geringeren Grundfläche zudem höher ausfallen müssen (auch wenn man dabei in die Tiefe gegangen wäre und so dann auch kostenintensiv gebaut hätte), und er hätte das Gebäude von Mies van der Rohe deutlich überragt und meiner Ansicht nach die tempelartige Wirkung der Neuen Nationalgalerie signifikant beeinträchtigt. Mich überzeugt das nicht.

    Man hätte zudem den Fehler wiederholt, den man mit dem Bau der Gemäldegalerie gemacht hat. Diese leidet sehr darunter, dass sie, von der Potsdamer Straße aus gesehen, so weit hinten positioniert wurde und im Stadtraum entsprechend wenig präsent ist.

    Für eine Verbindung zu einem Bau auf dem Grundstück hinter der Neuen Nationalgalerie (und vor dem Marriott-Hotel) hätte man zudem den Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie zerstören müssen (von einem ruhigen abgeschlossenen Ort zu einem Besucherpfad) und hätte dann im Gebäude der Neuen Nationalgalerie die wichtigsten Ausstellungsräume zu einer Passagezone gemacht. Im Grunde hätte man die ganze Idee des Entwurfs von Mies van der Rohe, die Balance von Ausstellungs- zu Funktionsräumen und die Qualität von einem Garten im hinteren Bereich mit der bodentiefen Fensterfront geopfert. Die Neuen Nationalgalerie wäre nicht mehr das gewesen, was sie ist.

    Beim aktuellen Bau ist zukünftig geplant diesen mit der Neuen Nationalgalerie mittels eines weiteren unterirdischen Museumsraums unter der Sigismundstraße zu verbinden. Im Inneren der Neuen Nationalgalerie ist dabei der Anschluss an das neue Gebäude von Herzog & de Meuron an einer viel passenderen Stelle möglich und würde kaum einen Eingriff bedeuten. Eine Wand im ersten Ausstellungsraum des Untergeschosses würde geöffnet werden, und zu einem neuen Ausstellungsraum führen, der dann weiter ins neue Gebäude führt. Das wäre alles.

    (Aktuell befinden sich unter der Sigismundstraße noch eine Starkstromtrasse. Deren Verlegung wäre die Voraussetzung dafür, dass die beiden Gebäude miteinander verbunden werden können.)

    Darüberhinaus beantwortet der Neubau von HdeM auch städtbeauliche Fragen des zuvor dysfunktionalen Kulturforums. Hierbei gibt es wohl keine umfassend optimale Lösung. Der Vorschlag von Braunfels überzeugt mich mit seiner Weite aber noch weniger, daran krankt das Kulturforum ja jetzt schon und nicht zuletzt Schauroun hatte an der Stelle des aktuellen Bauwerks ein Gebäude vorgesehen.

    Der Neubau von HdeM schafft den bisher ungefassten Stadtraum mit zwei neuen Plätzen zu bereichern. Zum einen mit einem Platz vor St. Matthäus mit Gastronomie und der alten Platane, und im Bereich zwischen Kammermusiksaal/Philhamrmonie und Berlin Modern vor der nun geöffneten Fassade.

    Wie das am Ende funktioniert? Das werden wir sehen, wenn der Bau in Betrieb gegangen sein wird. Ich bin aber bei diesen beiden Aspekten des Neubaus optimistisch gestimmt.

    Und als letzter Punkt. Das Innere des Neubaus halte ich nicht für fehl konzipiert, sondern auf die Sammlungen der Neuen Nationalgalerie hin zugeschnitten. Die Aussage "fehl konzipiert" kann ich genauso wenig nachvollzihen, wie die Aussage, man hätte den Hamburger Bahnhof samt Umfeld ruiniert. Die Innenräume von Berlin Modern werden einen großartigen Rahmen für die Präsentation der Sammlungen bilden, meiner Einschätzung nach. Ich freue mich sehr auf die Eröffnung.

    [mod]Zitat gekürzt. Bitte nicht unnötig ganze Beiträge zitieren! [/mod]

  • Hier sind keine großen Fotschritte gegenüber den letzen Bildern erkennbar, aber ich war schon ewig nicht mehr dort und daher durchaus beeindruckt von der Größe/Länge (nicht der Höhe) des Rohbaus. Die Wirkung vor Ort hat mich überrascht:

    berlin_modern01.jpg

    berlin_modern02.jpg

    berlin_modern03.jpg

  • Das der ursprüngliche Entwurf von HdM, der jedenfalls nach meiner Meinung das höchste der Architekturzunft erreicht hat, nämlich cool/schick/minimalistisch aber zugleich warm/offen/einladend zu sein, aus Klimagründen zerstört worden ist, ist hier im Forum schon besprochen worden.

    Mich würde interessieren, wie sich die Raumwirkung des neuen Baukörpers in diesem hochkomplexen baulichen Umfeld darstellt?

    Kann jemand etwas dazu sagen, wenn Backstein mitteilt, ihn habe die Wirkung vor Ort überrascht?

  • ^ Bzgl. Raumwirkung: Für mich war diese zunächst einmal überraschend, da ich die Ecke bisher nur leer bzw. mit Baugrube kannte. Irgendwie bin ich hier schon lange nicht mehr vorbegekommen, so dass der Hochbau für erstmal "neu" (und somit überraschend) war.

    Wenn man die Potsdamer Straße entlanggeht, fällt die mit ca. 130 m beachtliche Länge des Gebäudes (Nord-Süd-Ausdehnung) auf. Und daher empfinde ich es als einen Vorteil, dass das Gebäude eben nicht so hoch wird. Sonst würde es zu groß und dominant wirken und die anderen Gebäude des Kulturforums ihrer Wirkung berauben, sie im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten stellen.

    Ansonsten ist es aus meiner Sicht begrüßenswert, dass die große Leere des Grundstücks, die zuvor nie würdig gestaltet und irgendwie immer ein Provisorium war, nun verschwunden ist. Alles Weitere kann und möchte ich erst beurteilen, wenn alles fertig ist.

  • Ergänzend hier noch zwei Fotos vom Kollhoff Tower vom Donnerstag:

    IMG-4669.jpg

    IMG-4670.jpg

    Alle Fotos von mir

    Ich denke das Ganze steht und fällt mit der Qualität der Fassade…

    Wenn die nicht überzeugt, hat man wirklich einen überdimensionierten Supermarkt hingestellt.

    Davon abgesehen finde ich aber auch, dass der Bau grundsätzlich falsch ausgerichtet wurde, bzw. Die lange Seite entlang der Potsdamer Straße ein Fehler ist, sofern da nicht eine große städtische Geste, oder irgendein optischer Anziehungspunkt entsteht wird damit doch nur der zugige Durchgangscharakter der Straße zementiert.

    Btw. diese Verkehrsinsel vom Platz, zwischen Bahn- und Kollhoff Tower muss dringend erneuert und am besten noch begrünt werden, die ist massiv heruntergekommen, das zieht die ganze Optik runter.

  • … Danke OlympiaFlo für die ungewöhnliche aber aufschlußreiche Perspektive.

    Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen und ich möchte noch anfügen, stellt man sich jetzt noch das enorme schwarze Dach vor, wird die Neue Nationalgalerie absolut deklassiert und an die Wand gespielt.

    Wenn man es wenigstens begrünen würde und von der Idee der Solarpanele Abstand nehmen würde, wäre es schon viel erträglicher und auch irgendwie öko.

  • Hätte man den Kasten aufs doppelte herausgehoben, wäre es wesentlich besser geworden und die Nachbarn würden sogar profitieren, auch wenn sie überragt würden.

    Das Haus einzugraben war ein Fehler. Es wird wohl tatsächlich wie ein Supermarktflachbau wirken. So viel schönes Geld im buchstäblichen Sinne: VERSENKT