Die zurückgehenden Tourismuszahlen haben meiner Ansicht nach mit folgenden Entwicklungen zu tun
- der Hipster Trend ist untergegangen, für den Berlin und Brooklyn gestanden haben. Brooklyn ist jetzt für Yuppies (Reportage hierzu auf Arte). Berlin fehlt dafür die Finanz- und Beratungsbranche die in Frankfurt, Düsseldorf und München sitzt.
- Berlin steht für Party aber Gen Z macht keine Party und dated nicht mehr.
- Aktuell ist Luxus und Selfcare in einer stressigen Welt gefragt. Berlin steht eher für rau und unangepasst wie wild, was Gen Z und der aktuelle Trend alles nicht ist.
- Durch Corona ist viel der kleinen Lebenskünstler, Alternativen, kleinen Bars etc. zerstört bzw. von großen Ketten ersetzt worden. Gerade in Berlin hat dies viel von der Seele der Stadt ausgemacht.
- Berlin steht für Linksliberal und "Woke". Hier entwickelt sich gerade der Konsens, dass dies eine Überreaktion auf frühere Ungerechtigkeit gewesen ist. Es war zwar im Grundsatz richtig, ist aber übertrieben worden und wird aktuell als nervig angesehen.
- Berlin stand zudem für Startup Culture, die im Moment auch Probleme hat. Die Tech Unternehmen wandeln sich von PingPong hin zu normalen Unternehmen. Im Moment entstehen neue Unternehmen im Verteidigungssektor und Energiesektor in München und anderswo, womit Berlin aktuell nicht als Vorreiter angesehen werden kann. Dies gilt aktuell auch für Architektur, Kleidung, Kunst und Kultur. Subjektiv wirken die Berliner Entwicklungen bedarfsorientiert und piefig.
- Berlin ist nach wie vor zu hässlich und mit städtebaulichen Unorten versehen sowie nicht ausreichend mit Sonnenschein und Lebensqualität bedacht, um für die Instagram Normalmenschen relevant zu sein und für die alternativen Künstler inzwischen zu teuer.
Das Berliner Sparen ist auch ein Problem, obwohl ich dies eher bei dem Zustand bestimmter Straßen oder dem Abgeben von Veranstaltungen wie der Love Parade als Alleinstellungsmerkmal ansehe, als bei nächtlicher Illumination. Aber auch hier gilt, Menschen fanden es vor zehn Jahren cool wenn alles etwas abgeranzt und zugeschmiert aussieht. Aktuell gilt das nicht mehr so.
Zusammengefasst hat sich die Welt weitergedreht und ist (insbesondere Gen Z) nicht an dem interessiert, wofür Berlin steht. Zugleich wird Berlin nicht mehr in dem Maße als Vorreiter wahrgenommen und trotz großer Entwicklungen fehlt der Haushalt und die Wirtschaftskraft sich in den aktuellen Trends neu zu erfinden.