Deutsche-Bank-Stammhaus wird "Palais am Rossmarkt" (2029)

  • Der obere Teil des aktuellen Aufbaus ist etwas klobig, das könnte man verbessern, möglichst wieder mit einem zu so einem Gebäude nunmal essentiell dazugehörenden (hier flach) geneigten Dach. Aber grade im Attika-Bereich mit der durchaus recht nah an den Ursprungszustand herankommenden Ballustrade ist es erheblich stimmiger, als dieses neu geplante Ufo. Das geht nur den simpelsten Weg indem es auf maximalen Kontrast setzt, weil den Architekten wohl mal wieder wie so oft nichts eingefallen ist wie man vernünftig mit so einem Altbau umgeht. Das ganze in ein Hochglanz-Rendering gepackt um die Gemüter zu beruhigen, aber das müsste doch auch der letzte merken dass die Farben und Spiegelungen in der Realität nicht ansatzweise so ausfallen werden wie im Rendering. Das wird im RL deutlich trister aussehen, zumal an diesem völlig gestaltlosen Ufo ja rein gar nichts ist wo das Auge hängen bleiben könnte.

    Hier wird ohne Not dem letzten anmutigen Gebäude des Platzes die Würde genommen. Proportionen passen rein gar nicht, gefühlt ist der Aufbau fast so hoch wie der Altbau darunter. Zudem keinerlei Aufnahme irgendwelcher Gliederungselemente des Altbaus, auch nicht der Materialien, statt einer Steinballustrade gibts ein ödes Glasband. Dieser Aufbau könnte auch auf jedem anderen Gebäude platziert werden. Auf irgendwelchem Nachkriegszeug wäre das dann vielleicht sogar eine Aufwertung. Für dieses Gebäude dagegen ist es ganz klar eine Verschandelung.

    Idealerweise hätte das Gebäude ins Four-Projekt integriert gehört, mit der Auflage das Dach wieder genau in den Vorkriegszustand zu bringen, und dafür halt einem der Türme ein zusätzliches Geschoss zu spendieren.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das einzige verbliebene historische Gebäude im gesamten Viertel wird regelrecht vom Modernismus verschluckt.

    Das sehe ich auch so. Das alte war menschlich, hatte Anmut und strahlte Lebendigkeit und Wärme aus.

    Das neue Design ist passend zur heutigen Zeit: kalt, abweisend, halt eine Ego-Shooter-Welt.

    Zum Glück wird es nicht lange Bestand haben.

  • Ich könnte mir vorstellen, dass es im Sommer schon einiges an Wärme austrahlt, wenn sich die reflekierende Wärmestrahlung der Umgebung in dem Metall sammelt und auf die Terrasse abstrahlt ^.^

  • Die Planung des Dachgartens, den Bauherren zufolge soll er der größte der Stadt werden, ist jetzt offenbar auch fertig. Die Entwickler haben dazu eine Visualisierung herausgegeben:

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    Bild: ABG Real Estate

    Unverändert ab Ende 2026 soll das historische Gebäude grundlegend umgebaut werden. Der Termin steht allerdings unter dem Vorbehalt ausreichender Vorvermietung der 16.000 m² Bürofläche, berichtet heute die FAZ-RMZ. Aus dem Artikel ergibt sich außerdem:

    • beim Umbau bleiben lediglich die Fassaden erhalten, ansonsten wird der Bau entkernt
    • vor dem Abbruch werden "Präsidentenzimmer" und "Frankfurter Saal" ausgebaut und eingelagert
    • beide Räume werden später wieder in das neue Gebäude integriert
    • erhalten bleibt auch das Treppenhaus, darauf haben die Denkmalschutzbehörden bestanden
    • Geschosshöhen und Raumplanung müssen sich selbstredend nach den zu erhaltenden Fassaden richten
    • der geplante Dachgarten soll den Mietern vorbehalten bleiben
    • möglich, zumindest theoretisch, ist eine Verbindung zum nebenan gelegenen Dachgarten des Hochhausensembles Four
    • zu erwarten sind laut FAZ Spitzenmieten von mehr als 50 Euro je Quadratmeter
  • Für den Umbau des Deutsche-Bank-Stammhauses zum "Palais am Rossmarkt" wurde ein Wettbewerb ausgerichtet. Einen der unterlegenen Entwürfe hat das Büro Tektonik verfasst. Heute stellten die Frankfurter Architekten ihren Wettbewerbsbeitrag auf einer Social-Media-Plattform vor.

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    Bilder: Tektonik Architekten

  • Puh. Glück gehabt.

    Da wirkt die Gewinner-Entwurf der ABG Gruppe (aus #32) doch wesentlich zeitloser, eleganter und er passt sich durch seine organische Formgebung auch harmonischer an das Umfeld an. Meines Erachtens bildet er quasi so eine Art Überleitung zwischen alt und neu, hat aber doch eine klare Unterscheidung zum Altbau und geht daher etwas respektvoller mit dem Altbau um.

    Die kristalline Struktur von Tektonik sieht im Detail sehr interessant aus, aber sie passt aber weder zum Altbau, noch zum Umfeld dahinter. Das Ganze wirkt wie ein Fremdkörper.

  • ^ Sehe ich komplett anderherum. Dieser Entwurf passt sowohl farblich als auch durch die Dachschräge besser zum Altbau. Zusammen mit der stärkeren Betonung der Vertikalen passt er hinwiederum auch viel besser zur vertikalen Fassadengliederung wie auch als Überleitung zu den Vertikalen der Türme im Hintergrund. Auch davon abgesehen gefällt mir dieser Entwurf viel besser, er wirkt leichter, interessanter, lebendiger und weniger erdrückend.

  • Dieser Entwurf wirkt seltsam, wenig passend oder aufwertend.

    Mich wundert, dass in keiner Weise das Raster des Gebäudes aufgegriffen wurde. Im Gegenteil: das Stützenraster des Aufbaus ist vor allem an den Ecken derart unregelmäßig, dass ich es diesem Büro nicht zugtraut hätte so zu arbeiten.

    Der Gewinnerentwurf ist ehrlicher und klarer. Auch wenn ich ein Freund von gläsernen Aufbauten bin, aber für mein Empfinden passt es nicht und heischt nach Aufmerksamkeit. Ein typischerer Entwurf von Tektonik hätte vielleicht eine bessere, klarere, passendere Wirkung gehabt.

  • Keiner der beiden Entwürfe ist akzeptabel. Der Gewinner ist ein unpassendes Ufo, der Tektonik-Entwurf aber nicht weniger unpassend.

  • Der bisher beste Entwurf, finde ich. Er versucht wenigstens, etwas kleinteiliger zu wirken, was deutlich besser passt, auch wenn er immer noch recht deutlich wie ein Fremdkörper rüberkommt. Farblich funktioniert das Goldene meiner Meinung nach besser als Silber, weil es wärmer wirkt, besser zum Sandstein passt und einen schönen Kontrast zum eher „kalten“ Four im Hintergrund schafft.

  • Mein Favorit wäre eine Rekonstruktion des Vorkriegszustandes gewesen. So wäre das Gebäude wiederauferstanden, das auch vom Architekten ursprünglich intendiert war. Zumindest hätte man aber die Dreiecksgiebel im mittleren Fassadenabschnitt wiederherstellen können.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der bisher beste Entwurf, finde ich.

    Sehe ich auch so. Wenn ich als Nicht-Frankfurter, der sich die Situation vor Ort aber erst kürzlich angeschaut hat, etwas zur Diskussion beitragen darf:

    Mir setzt der Siegerentwurf viel zu sehr auf Understatement, um bloß nichts verkehrt zu machen. Dabei halte ich das hier für die völlig falsche Herangehensweise. Ich vermute stark, dass man dieser Gestaltung ziemlich schnell überdrüssig wird.

    Ganz anders dieser Entwurf. Wenn man schon keine an den Originalzustand angelehnte Gestaltung wählt, dann muss es zumindest eine mit einer vertikalen Ausrichtung sein, die zu der Hochhausgruppe im Hintergrund einen optischen Kontrast bietet. Ich halte in diesem Fall allein das für eine langfristig befriedigende Lösung. Dazu dann noch diese mutige spacige Optik. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man in beinahe jedem anderen Land diesen Entwurf ausgewählt hätte. Nur in Deutschland fehlt dazu mal wieder der Mut.

  • Also spätestens im direkten Vergleich des sehr reduzierten und skulpturalen Aufbaus der ABG Gruppe und dem gelinde gesagt sehr individuellen Dachabschluss von Tektonik, ist meines Erachtens sehr klar bei welcher Lösung der Altbau besser wegkommt.

    Ich habe gundsätzlich auch gar nichts gegen eine eigenwillige und verspielte Formsprache in der Architektur, nur hier wäre sie meines Erachtens leider total Fehl am Platz. Das hat glaube ich an dieser Stelle wahrscheinlich auch ausmahmsweise mal gar nichts mit mangelndem Mut, sondern eher mit Respekt gegenüber dem Bestand zu tun.

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    Bilder: ABG Real Estate / Tektonik Architekten

  • Ich kann schon verstehen wenn man den Entwurf der ABG Gruppe bevorzugt. Meiner Meinung nach wird das historische Bankgebäude durch diesen Dachabschluss allerdings optisch zu sehr der Hochhausgruppe Four unterworfen und damit zu einem niedlichen Anhängsel gemacht. Ist ja nicht so, dass die Innenstadt noch mit so vielen Altbauten wuchern könnte. Auch muss man bedenken, dass dieser Dachabschluss in Natura nicht so schön von innen heraus leuchten wird wie in der Visu dargestellt, sondern vermutlich eher Ton in Ton mit dem Four daher kommen wird.

    Der Tektonik-Entwurf hingegen setzt auf eine eigenständige Farbgebung, die die enorme optische Ausdehnung in Grau und Anthrazit des Four zum Roßmarkt hin begrenzt und zum Platz eine kleinteilige Wirkung bewahrt. Was einem besser gefällt ist vermutlich eine Glaubensfrage.

  • ^

    Wobei meinem Empfinden nach die "verspielte" Dachstruktur sich als optisch nicht stark genug zeigt, zusammen mit der relativ geringen Höhe des Staffelgeschosses, um dem deutlich nach unten gerutschten größten Volumen des Aufsatzes die drückende Schwere zu nehmen. Auch lenkt der Dachabschluss des höheren und schlanker wirkenden Staffelgeschosses des AGB-Entwurfs den Blick eher nach oben/aussen und vermeidet auch den Eindruck des Lastenden.

    (Das bei aller Vorsicht gesagt, inwieweit eine Visu nicht doch sehr schmeichelt!)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wobei meinem Empfinden nach die "verspielte" Dachstruktur sich als optisch nicht stark genug zeigt ...

    Interessant, da ist bei genauerer Betrachtung tatsächlich was dran. Vielleicht hätte der Entwurf nach einer Überarbeitung ja eine noch idealere Wirkung entfaltet. In meinen Augen dennoch schade drum. Aber Hauptsache die Frankfurter User sind mit der Wahl zufrieden.

    Nächstes mal wenn ich in Frankfurt bin, werde ich mir den Umbau anschauen. Bis dahin dürfte das vermutlich fertig sein.

  • Gerade im direkten Vergleich wirkt doch der Staab-Entwurf viel auffälliger und mehr wie ein Fremdkörper. Die schlichte horizontale Struktur bricht vollkommen mit der Architektur des Altbaus und erdrückt ihn in meinen Augen. In Deutschland mag man sich aufgrund vieler ähnlicher Aufbauten aus der Nachkriegszeit an diese Optik gewöhnt haben. Dennoch frage ich mich, was daran respektvoll ggü. dem Bestand sein soll. Dass ein Entwurf sich allein aufgrund seiner Schlichtheit zurücknimmt ist eine Mähr, oft genug, wie auch in diesem Fall, ist das Gegenteil der Fall.

  • Beide Entwürfe zeigen den Versuch, einen klassisch gegliederten Altbau mit einer modernen Dachaufstockung neu zu beleben. Im Originalzustand war das Dach, bzw. der Abschluss des Altbaus deutlich flacher ausgeführt und erreichte bei weitem nicht die Höhe der beiden Wettbewerbsbeiträge. Die Ansätze könnten unterschiedlicher kaum sein.

    Der linke bekannte Entwurf aus dem Büro Staab Architekten in sweet_meats Gegenüberstellung mit seiner geschwungenen, glatten Form wirkt futuristisch und elegant. Das fließende Volumen sitzt leicht auf dem historischen Baukörper und fügt sich trotz des Kontrasts überraschend ruhig in das Gesamtbild ein. Die klare Linie, die großzügige Verglasung und die harmonische Proportion verleihen dem Entwurf eine gewisse Selbstverständlichkeit und Eigenständigkeit.

    Der TekToNik Entwurf dagegen erscheint visuell deutlich unruhiger. Die komplexe Rautenstruktur, die vielen Diagonalen und die massive Präsenz und große Höhe des Aufbaus wirken eher aufgeregt und konkurrieren mit der Strenge des Bestandsgebäudes und bedrängen dieses regelrecht. Statt einer ruhigen Ergänzung entsteht hier ein extremes Spannungsfeld, das schnell überladen wirkt.

    Mein Fazit:

    Während der Staab Entwurf durch seine Reduktion und fließende Formensprache überzeugt, wirkt der rechte Dachaufbau durch seine kleinteilige Struktur, zu großer Höhe und unruhige Geometrie unausgegoren und weniger stimmig im Stadtbild.

    Nachtrag:

    Schade, dass neuerdings Architekturwettbewerbe offensichtlich nur noch im Geheimen durchgeführt werden. So entsteht keine Transparenz. Eine unschöne Entwicklung für die Bürger dieser Stadt.