Main Yard aus kritischer Perspektive
Ich habe mich ja hier im Forum schon öfter positiv zu dem Projekt Main Yard in Frankfurt geäußert. Es ist grundsätzlich erfreulich, dass man hier versucht, wieder etwas klassischer zu bauen. Aber ich will auch ein wenig Kritik üben. Perfekt ist es meiner Meinung nach nicht.
Man merkt an einigen Stellen, dass hier Architekten am Werk sind, die aus dem modernistischen Kontext kommen (wie die meisten) und sich an klassischen Formen versuchen. Das funktioniert einigermassen gut, aber nicht ganz, da sich immer wieder typische modernistische Elemente einschleichen, die nicht zur klassischen Gesamtidee passen.
Hier sind meine Punkte, wo das Design meiner Meinung nach am Ziel vorbeischießt und das architektonische Ergebnis zu wünschen übrig lässt. Meine Ansichten beziehen sich hier vor allem auf die beiden Eckgebäude an der großen Kreuzung
Beim weißen Eckgebäude links wirkt die Fassade insgesamt ein wenig plump. Es ist sehr geradlinig und viereckig. Typisch für die meisten Entwürfe heutzutage. Was dem Bau völlig fehlt, ist eine gewisse Leichtigkeit und ein „Schwung“. Man hätte hier z.B. wunderbar mit leicht abgerundeten Fenstern arbeiten können, um die Strenge zu brechen. Auch die französischen Balkone sind leider sehr repetitiv in der Form, da hätte mehr Varianz gut getan, um der Fassade Leben einzuhauchen.
Beim rechten Eckgebäude vermisse ich schmerzlich eine klare vertikale Fassadeneinteilung. Die Fenster sind in endlosen, ununterbrochenen Reihen gleichförmig verteilt. Das wirkt monoton. Ein besonderer Dorn im Auge ist mir die Ecke mit der Begrünung. Diese großen, fensterlosen Grünflächen sind sehr modernistisch. „Wir brauchen Grün“, und dann wird es einfach hingeklatscht. Klassischere Architektur braucht an dieser prominenten Stelle Fenster, um den Stadtraum zu beleben. Wenn man schon mit Pflanzen arbeitet, dann wäre vertikal gegliedert und harmonisch integriert bessser gewesen, statt die blockhaften Flächen.
Es sind oft nur Kleinigkeiten, aber sie entscheiden darüber, ob ein Viertel wirklich „zeitlos klassisch“ und elegant wirkt oder nur wie eine moderne Interpretation. Ich habe das Rendering visuell ein wenig mit KI angepasst, um zu zeigen, wie viel harmonischer das wirken könnte. Ich finde das Endergebnis lässt sich sehen. Ein großes Bravo geht an KI Gemini. Insbesondere die klassische Art der Fassadenbegrünung könnte zukünftig als Beispiel dafür dienen, wie man so etwas harmonischer umsetzen kann. Die leeren Stellen der Fassade werden für die Begrünung benutzt, aber die sonstigen elemente werden dadurch nicht ersetzt. Tja, eigentlich so wie es immer gemacht wurde 
Ich habe der KI hier nur meine Bedenken aus klassischer Sicht deutlich gemacht, und sie hat es meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Ehrlich - so hätte ich das deutlich lieber gehabt.
Original Rendering Main Yard (von Architekten a+p Architekten & TEK TO NIK Architekten, Projekt Main Yard, Frankfurt)

Bildrechte: Architekten a+p Architekten & TEK TO NIK Architekten
KI-generierte Anpassung mit Gemini

KI-Anpassung: Gemini (nur zur Veranschaulichung)