Beiträge von Fettucine

    Von mir aus könnte man in diesem Stil auch gerne Neubauten errichten. Ich glaube die meisten Modernisten hätten selbst dagegen nichts einzuwenden. Ein Gebäude wie dieses ist doch eine enorme Bereicherung für eine Straße. Die Fassade ist kleinteilig, wirkt hell, freundlich und einladend und öffnet sich zur Straße. Vor allem durch die großen Fensterfronten bleibt das Gebäude offen und wird diese Straßenecke enorm bereichern. es sind die klassischen Prinzipien, die dieses Gebäude so erfolgreich machen. Hier gibt es keinen modernistischen Versuch, das Rad neu zu erfinden. Einfach nur schlichte klassische Architektur.Vergleicht das einfach mit dem heutigen Zustand, den ihr unter dem Beitragslink sehen könnt. Dann seht ihr, wie die Zukunft im Vergleich zu heute aussieht. Einfach top :thumbup:

    Genau. Das Ziel sollte doch nicht sein abzusteigen, sondern in der Liga zu bleiben un am besten die Spitze zu übernehmen, genau wie die Eintracht derzeit. Wenn man also glaubt, dass die Schönheit und Aufenthaltsqualität der Zeil keine Bedeutung für den Erfolg der Straße haben, dann kann man den heutigen Zustand beibehalten. Andernfalls ist die Richtung doch eigentlich ziemlich klar.

    Mäxken Die Diskussion wird langsam zu kompliziert. Ich bin einfach der Meinung, dass die Zeil nicht schön ist. Ich gehe dort gerade deswegen nicht gerne einkaufen. Es gibt in Frankfurt auch kaum Alternativen. Ich kenne niemanden, der die Zeil schön findet, und ich habe noch nie jemanden sagen hören, dass er die Zeil schön findet und dort gerne einkaufen geht. Es gibt dort eigentlich genug Marken, teure und günstigere, genug Boutiquen, Beratung und Personal. Aber die Umgebung ist einfach nicht schön, und es gibt kaum angenehme Orte zum Verweilen. Ich würde annehmen, wir können uns zumindest darauf einigen, dass, wenn die Zeil schöner und angenehmer gestaltet wäre, generell mehr Menschen dorthin kommen würden und wahrscheinlich auch mehr kaufkräftige Kundschaft. Das würde wiederum dazu beitragen, dass nicht ein so bedeutender Teil der Straße brachliegt. Ich will dort keine Goethestraße sehen. Ich will eine ganz normale, schöne Einkaufsstraße mit schönen Gebäuden, Läden und Cafés, so wie es sie vor der Zerstörung einmal gab. Ich gehe einfach davon aus, dass die großen Kaufhäuser (oder die Stadt) selbst nicht wirklich verstehen, warum die Situation heute so ist, wie sie ist. Sie setzen seit den 50er Jahren auf die falsche Architektur und den falschen städtebaulichen Ansatz. Daher haben wir heute die Verhältnisse, die wir kennen.

    Ja, stimmt, Barney. Aber was heute auf der Zeil meiner Meinung nach am meisten fehlt, ist nicht die Beratung oder das Angebot, sondern architektonische Schönheit und angenehme Orte zum Verweilen. Die Leute kommen wegen des Angebots, nicht wegen der Schönheit. Wäre die Zeil deutlich schöner und angenehmer, würden meiner Meinung nach viel mehr Menschen kommen, und vermutlich auch mit einer anderen Kaufkraft.

    Wenn es um die Breite des Angebots und die Preise geht, werden Kaufhäuser gegen den Onlinehandel kaum eine Chance haben. Das ist doch recht klar. Aber woran sie punkten könnten, ist das Einkaufserlebnis. Und dazu gehört die Architektur sehr stark dazu. Wer angenehme und spannende Räumlichkeiten anbieten kann, wird auch ein Publikum anziehen können. Dazu gehören meines Erachtens zum Beispiel Gastronomie, Events etc. Auch die Inneneinrichtung ist ein sehr wichtiger Aspekt. Neulich war ich selbst in der Skyline Plaza. Das ganze Konzept finde war schon von Anfang sehr veraltet und daher läuft es wahrscheinlich auch so schlecht. Was mir dort immer aufgefallen ist, wenn es um die Innenräume und den ersten Eindruck geht, sind die Aufzüge und Wege bzw. Tunnel, die dorthin führen. Man fühlt sich wie in den Hinterräumen einer Fleischfabrik. Unattraktiver hätte man das kaum machen können. Die Fahrstühle hätte man zum Beispiel so integrieren und mit Fenstern versehen können, dass man während der Fahrt das Einkaufszentrum von innen sieht. Man hätte sie etwa in eine Art Atrium integrieren können. Was attraktiv zu gestalten interessiert hier niemanden. Ansonsten habe ich mich hier schon mehrmals über das SP beschwert. Die ganze Kiste ist in sich sehr stark abgeschottet, ein amerikanisches Modell für Innenstädte, das in Europa meiner Meinung nach überhaupt nicht funktioniert. Man müsste die Straßen rundherum stark beleben, damit Menschen einfach so dorthin laufen und dann vielleicht auch spontan etwas einkaufen. Heute ist das Gebiet drumherum öde wie die Wüste Sahara. Ein Ergebnis der modernistischen Architektur. Was ich außerdem noch nie verstanden habe und wo Frankfurt meiner Meinung nach viel Verbesserungspotenzial hat, ist das Thema „Leute beeindrucken mit dem was man hat“. Es gibt hierzulande so viele Chancen zu beeindrucken. Das Einkaufszentrum heißt „Skyline Plaza“, aber von dem Gebäude aus sieht man die Skyline so gut wie gar nicht, außer von der Dachterrasse. Man hätte das Einkaufserlebnis doch zum Beispiel so gestalten können, dass es größere Fensterpartien gibt, zumindest in Richtung der Frankfurter Skyline. Oder man hätte den Foodcourt ganz oben mit Blick auf die Skyline platzieren können. Oder, oder, oder. Aber nein, man hat sich für die geschlossene Kiste entschieden. Na gut, der Foodcourt ist wahrscheinlich das Einzige, was dort aus meiner Sicht mindesten einigermassen gut funktioniert, da das Angebot sehr abwechslungsreich ist, aber schön ist es unbedingt nicht.

    Stadtbildfreude Dass Frankfurt sich in Sachen Aufwertung der Stadt im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland gut entwickelt hat, mag durchaus sein. Aber anscheinend hat es nicht gereicht, um aus der Innenstadt, vor allem aus der Zeil und ihren Nebenstraßen, einen schönen und angenehmen Aufenthaltsort zu machen .

    Für mich ist die Zeil im Grunde noch immer die gleiche wie vor 20 Jahren, mit Ausnahme einiger neuer Glaspaläste, die der Straße selbst nicht viel gebracht haben, und ein paar inzwischen pleitegegangener Kaufhäuser. Mehr oder weniger ist alles gleich geblieben, eher sogar noch abgerutscht. Man drängt sich mit den Massen von A nach B, aber es gibt kaum einen Ort, an dem man gerne verweilt.

    Das erinnert mich ein wenig an die Diskussionen über die Banlieues und Großsiedlungen der 60er und 70er Jahre, etwa in Schweden oder Dänemark. Dort wollen die wenigsten wohnen und deshalb versucht man heute, diese Viertel auch architektonisch aufzuwerten, um sie attraktiver für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu machen. Natürlich beeinflusst Architektur mit, wer sich wo gerne aufhält. Baut und plant man lieblos und ohne Aufenthaltsqualität, sollte man sich nicht wundern, wenn ein Ort entsprechend wenig attraktiv wirkt.

    Die Zeil war vor dem Krieg eine Paradestraße mit fantastischer Architektur und Kaufhäusern, die sich mit denen in Berlin messen konnten. Der Frankfurter Historiker Battonn schrieb 1810 über die Zeil: „Die Zeil ist ohne Widerrede die schönste Straße der ganzen Stadt.“ Und ein Reiseführer von 1843 meinte sogar: „Niemand wird dieser Zeile von Palästen seine Bewunderung versagen können.“

    Europäer Das heißt, wäre die Zeil heute noch so wie damals, bin ich mir ziemlich sicher, dass auch die Kaufkraft des Publikums eine ganz andere wäre. Viele Menschen würden aus weiter entfernten Städten kommen, um hier einzukaufen. Die Zeil wäre sicherlich ein echter Magnet für das kaufkräftigere Publikum.

    Stellt euch das doch einfach einmal vor - eine endlose Reihe fantastischer Häuser mit schönen Cafés, Läden und Restaurants entlang der Straße. Ich bin mir sicher, dass auch die meisten in diesem Forum die Zeil dann deutlich häufiger und lieber besuchen würden. Das ist doch gar nicht so schwer, sich vorzustellen. Abe Fakt ist: So ist es nicht. Und deshalb gehe ich heute auch kaum noch hin, außer wenn ich wirklich muss.

    Europäer Zu deinem Frankfurter Beispiel 1: Die Ecke um Café Karin usw. ist, glaube ich, vor allem deshalb erfolgreich, weil sie kleinteilig ist. Die Fassaden sind nicht endlos lang und bestehen nicht aus Glas mit einem einzigen Eingang alle 200 Meter. Es ist gemütlich. Wäre die Architektur dort insgesamt noch schöner, wobei einige Altbauten natürlich bereits schön sind, wäre es sogar noch attraktiver und vermutlich auch exklusiver.

    Zu deinem Frankfurter Beispiel 2, der Kleinmarkthalle: Ja, ich stimme dir zu, dass die Ecke vor der Halle nicht besonders schön ist, und auch die Halle selbst finde ich architektonisch nicht besonders gelungen. Natürlich können auch weniger schöne Orte lebendig sein, weil Menschen sich bewusst entscheiden, sich dort zu treffen, zu trinken oder zu essen. Aber ich glaube nicht, dass sich die Menschen dort außerhalb dieser konkreten Aktivitäten besonders gerne aufhalten, weil der Ort selbst so angenehm ist. Genau das ist auch mein Punkt bei der Zeil. Wenn die Kleinmarkthalle schließt und die Party vorbei ist, sind auch alle Leute weg. Dort gibt es sonst nichts, was einen zum Bleiben einlädt.

    Nur weil irgendwo viele Menschen sind, heißt das nicht automatisch, dass der Ort gut gestaltet oder schön ist. Kaufkraft orientiert sich meiner Meinung nach aber durchaus auch daran, wo ein Ort attraktiv und angenehm ist. In Frankfurt sieht man das zum Beispiel an der Goethestraße, der Fressgass und rund um die Alte Oper. Alles ist vergleichsweise kleinteilig und stark von klassischer Architektur geprägt.

    Deshalb glaube ich, dass wir deutlich höhere Anforderungen an die Architektur stellen müssen, wenn wir unsere Städte wirklich schöner machen wollen. Dadurch entstehen ganz andere Bedingungen. Menschen fühlen sich anders, halten sich länger auf und ein Ort kann ein ganz anderes Publikum anziehen.

    Überhaupt darüber zu diskutieren, ob Schönheit wichtig ist und positive Auswirkungen hat, finde ich absurd. Natürlich hat sie das. Genau hier liegt für mich aber eines der grundlegenden Probleme des Modernismus. Schönheit und Kleinteiligkeit haben dort keine Priorität, die sie meiner Meinung nach haben sollten.

    In Berlin oder München kann man vielerorts noch angenehm und in schöner Umgebung einkaufen gehen, weil es dort noch zahlreiche attraktive/klassische Stadträume dafür gibt. In Frankfurt ist das, zumindest in der Innenstadt, nur sehr begrenzt der Fall.

    Eine architektonische und städtebauliche Aufwertung der Innenstadt und insbesondere der Zeil ist deshalb aus meiner Sicht zwingend notwendig, wenn man die Situation wirklich verändern will. Solange das nicht passiert, wird sich meiner Meinung nach wenig ändern und die Entwicklung könnte sich sogar weiter verschlechtern. Und Aufwertung heißt für mich nicht, aus alten Glaspalästen einfach neue Glaspaläste in derselben Form zu machen (wie P&C), sondern eine Rückkehr zu einer Architektur, die sich wieder stärker an klassischen Prinzipien orientiert.

    Ich finde es interessant, dass kaum darüber gesprochen wird, dass eines der Hauptprobleme der Frankfurter Innenstadt und insbesondere der Zeil schlicht die Architektur ist. Die Gebäude sind größtenteils sehr unpersönlich, abweisend und ästhetisch wenig überzeugend. Darüber hinaus sind viele der wichtigen Plätze drumherum schlecht gestaltet und nicht besonders einladend. Es fehlt an Orten und Plätzen, an denen man sich gerne aufhält. Es fehlt vor allem an Kleinteiligkeit. Alles ist auf Maximalität ausgerichtet. Alles soll groß, weit und breit sein. Und was kommt dabei heraus? Dass sich der Stadtraum teilweise fast wie eine Autobahn anfühlt.

    Genau das ist heute rund um die Zeil zu sehen, von der Konstablerwache über den Bereich um das C&A bis hin zum Roßmarkt. So eine Umgebung wird nicht das kaufkräftigste Publikum anziehen. Das Klientel, das man sich dort vielleicht wünschen würde, wird dort kaum länger verweilen . Solange man dieses grundlegende Problem nicht versteht, werden Menschen, die auch finanziell andere Möglichkeiten haben, dort nicht auftauchen.

    Der nächste Fehler, der jetzt begangen wird, ist die sogenannte Aufwertung von P&C. Hier bleibt eine endlos lange und abwechslunglose Fassade. Es fehlt an Kleinteiligkeit, und dieses Gebäude wird dem Straßenraum kaum Aufenthaltsqualität bieten. Im Grunde lautet die einzige Frage: reingehen oder nicht. Man hätte mehr mit weiteren Eingängen oder unterschiedlichen Möglichkeiten, das Gebäude vom Erdgeschoss aus zu erkunden, arbeiten können. Das Gebäude ist sehr lang, die Fassade entsprechend monoton. Für mich ist das wieder ein Beispiel dafür, wie wenig Positives mit einer sogenannten Aufwertung tatsächlich geschaffen wird.

    Main Yard geht meiner Meinung nach eher in die Richtung, in die man gehen sollte. Allerdings gehört das eigentlich schon nicht mehr wirklich zur Zeil, und leider ist es nur ein einzelnes Projekt, bei dem zumindest vieles richtig gemacht wird.

    An meiner Stelle würde ich vor allem bei der Konstablerwache anfangen. Die Architektur müsste aufgewertet werden, auch mit stärker klassisch orientierten Neubauten. Klassische Ansätzen sind generell kleinteiliger. Dazu müsste die Erhöhung in der Mitte des Platzes abgeschafft werden, denn sie ist letztlich eine massive Barriere. Den Platz selbst könnte man ebenfalls kleinteiliger gestalten, indem man zum Beispiel in der Mitte kleines Gebäude als Zentrum des Platzes errichtet. Dadurch würde der Platz deutlich mehr Möglichkeiten bieten und nicht nur dann funktionieren, wenn gerade ein Wochenmarkt oder Flohmarkt stattfindet. Soweit ich weiß, gab es die Konstablerwache vor der Zerstörung Frankfurts nicht einmal als grossen offenen Platz, so wie wir ihn heute kennen. Die heutige Situation entstand erst nach dem Krieg und ist in dieser Form ein Produkt des Wiederaufbaus.

    Das alles hat enormes Potenzial. Man müsste sich nur stärker auf Kleinteiligkeit konzentrieren, kleinere Plätze und Orte schaffen, an denen Leben entstehen kann und an denen man sich gerne aufhält. Die Zeil ist heute durchaus sehr lebendig. Nur besteht diese Lebendigkeit hauptsächlich aus Verkehr von A nach B oder aus dem Treiben in den riesigen Kaufhäusern. An den Rändern und auf den Plätzen dagegen hält man sich eher ungern auf.

    So hätte das Midstad auf der Zeil in Frankfurt auch aussehen können. Das wäre für mich wahrscheinlich der neue Anlaufpunkt auf der Zeil geworden, wo es meiner Meinung nach heute kaum noch etwas wirklich Einladendes gibt. Hier unten geht es um den neuesten Entwurf, den ich in einer klassischeren Version mit KI überarbeitet habe. Das Problem der modernistischen Variante ist, dass die Fassade wie eine endlose Glaswand wirkt. Von Kleinteiligkeit ist dort kaum etwas zu erkennen. Dadurch wirkt das Gebäude wenig einladend, und man hat kaum das Bedürfnis, sich in seiner Nähe aufzuhalten. In der klassischen Version sieht man dagegen sofort, wie einladend das Erdgeschoss mit seinen mehreren Eingängen wirkt. Das Auge nimmt verschiedene Optionen wahr und bekommt Lust, näher heranzugehen und das Gebäude zu erkunden. Genau das kann Kleinteiligkeit in einer solchen Situation bewirken. Weiter unten ist der aktuelle Entwurf des Projekts zu sehen.

    7V43yPf.jpegBild: Mit Google Gemini überarbeiteter Entwurf


    e9mnbj0.pngBild: Renzo Piano Building Workshop, ORANGE BLU building solutions, +IMGS, Midstad

    Haus der Demokratie...

    Wie wir mittlerweile wissen liegen die Zustimmungswerte für Architektur nach klassischen Prinzipien in Umfragen oft bei rund 70 %. Also, die große Mehrheit scheint klassische Architektur zu bevorzugen, aber gebaut wird sie heute nur selten. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn bei zukünftigen Ausschreibungen auf städtischer und Bundesebene zumindest auch eine klassische Variante verpflichtend geprüft und vorgestellt werden müsste? Das wäre aus meiner Sicht ein Zeichen echter gestalterischer Vielfalt und demokratischer Offenheit.

    Rein städtebaulich gefällt es mir gar nicht. Ein paar Hochhäuser willkürlich über das Gelände verteilt, dazwischen irgendwelche zufälligen Grünflächen. Solche Konzepte haben wir schon zu oft gesehen und überzeugend funktionieren sie kaum. Die Grünflächen werden erfahrungsgemäß entweder nicht gepflegt oder entwickeln sich mit der Zeit zu eher ungeordneten Restflächen. Am schwierigsten finde ich das Parkhaus. Ein extrem langer Baukörper ohne jede Kleinteiligkeit steht quasi mitten im ‚Wald‘. Das wirkt alles sehr banlieuartig, gerade für eine so zentrale Lage. Ich hätte hier deutlich kompaktere Blockrandbebauung bevorzugt. Diese Ecke der Stadt ist ohnehin schon komplett leblos. Hier hält sich keiner gerne auf. Und mit solchen Projekten wird das nicht besser werden. So bringt man jedenfalls kein echtes Leben in die Stadt. Was mich bei vielen modernistischen Projekten, wie diese, generell stört, sind diese endlosen leeren Rasenflächen zwischen und vor den Gebäuden, die außer zusätzlicher Distanz kaum etwas zum Stadtraum beitragen. Geht einfach mal selbst ins Hafenviertel, dort findet man viele solcher ungenutzten Zwischenräume, mit denen kaum jemand etwas anfangen kann. Leere Wände und leere Rasenflächen, das ist die Ödnis des heutigen Städtebaus. Zusätzlich werden viele dieser Flächen später meistens noch eingezäunt, was man hier natürlich nicht sieht. Dadurch fallen am Ende selbst die letzten Bereiche weg, die zumindest so aussehen, als würden sie der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

    Positiv finde ich dagegen die helle Farbgebung und den Versuch, den Gebäuden eine gewisse vertikale Gliederung zu geben. Aber das hier ist Architektur und Städtebau von gestern...

    Das war nur eine zweiminütige Überarbeitung, also eine schnelle Skizze. Ich habe der KI lediglich gesagt, dass die Grundform des Gebäudes weitgehend erhalten bleiben soll und es lediglich etwas klassischer wirken soll. Meiner Meinung nach ist Überarbeitung 1 die bessere Variante; sie erinnert ein wenig an klassische Industrie- bzw. Loft-Architektur. Klar könnte man das Ganze auch komplett neu denken und einen Gründerzeitbau hinstellen, aber dann würde man die eigentliche Pointe verpassen: dass man mit einfachen Mitteln aus solchen modernen Schuhkartons deutlich bessere, harmonischere Ergebnisse erzielen kann.

    Kein besonders erfreuliches Ergebnis. Die Architektur wirkt auf mich recht plump und nimmt nur wenig Bezug auf die Umgebung. Mit relativ überschaubaren Eingriffen, die sich stärker an klassischen Prinzipien der Architektur orientieren und ohne große strukturelle Veränderungen hätte man ein deutlich harmonischeres und zeitloseres Ergebnis erzielen können. Wie das konkret aussehen könnte, habe ich in einem anderen Teil des DAF anhand von KI-Visualisierungen beispielhaft gezeigt. Hier klicken.

    Wegen des sehr modernistischen und aus meiner Sicht enttäuschenden Neubaus der Deutsche Bahn an der Bahnhof-Nordseite wollte ich mit KI einmal kurz demonstrieren, wie das Projekt hätte aussehen können, wenn man sich stärker an den Prinzipien klassischer Architektur orientiert hätte, ohne dabei großartig mit anderen Formen oder Strukturen zu arbeiten. Im Grunde mehr oder weniger das gleiche Gebäude, auch kostentechnisch vermutlich sehr ähnlich, nur harmonischer, passender, zeitloser und schöner. Klassisch bedeutet also nicht automatisch teuer oder deutlich teurer wie oft behauptet wird.

    Zuerst das Originalprojekt und danach zwei klassischere Varianten.

    Original Konzeptvisualisierung von DB AG

    VZ8bdKf.png

    Bild: DB AG


    Überarbeitung 1 im klassischen Stil

    5dpC76R.png

    Bild: V1. Mithilfe von Google Gemini im klassischen Stil überarbeitet.


    Überarbeitung 2 im klassischen Stil

    NMbrxGJ.png

    Bild: V2. Mithilfe von Google Gemini im klassischen Stil überarbeitet.

    Das Thema ist eigentlich ganz klar, wenn man sich die Ergebnisse der letzten Jahrzehnte anschaut. Seit rund 80 Jahren wird überwiegend modernistisch gebaut, geprägt von dem Ansatz „form follows function“. Dieser Ansatz hat in der Praxis hauptsätzlich nicht zu lebensfreundlichen oder ästhetisch überzeugenden Ergebnissen geführt. Die absolut meisten neu entstandene Stadtteile wirken wenig einladend, austauschbar und haben kaum die Qualität, die man sich von einer lebendigen Stadt erhofft. Wenn man nach wirklich überzeugenden, neueren Stadtentwicklungen sucht, die von einer breiten Öffentlichkeit als schön wahrgenommen werden, wird es erstaunlich dünn. Es gib eigentlich nichts zu diskutieren und trotzdem wird weiter diskutiert. Oft werden Beispiele wie Brasília genannt architektonisch interessant (eher eine Architektenmeinung), aber kaum ein Ort, den Menschen wegen seiner Aufenthaltsqualität oder Ästhetik im Alltag schätzen. Es gibt eigentlich keine Beispiele, die wirklich breite Zustimmung finden, und trotzdem wird der modernistische Ansatz weiterhin als Maßstab gesetzt. Für mich liegt das Problem klar in diesem stark funktional geprägten Denken. Ich halte diesen Ansatz nicht für zukunftsfähig. Stattdessen sollten wir wieder stärker auf klassische, menschlichere und stadtverträglichere Prinzipien setzen also auf Architektur und Städtebau, die sich an Proportion, Harmonie, Maßstab und Lebensqualität orientieren. Genau darum geht es letztlich.Wir brauchen wieder Städte und Architektur, die sich gut anfühlen und schön sind, in denen Menschen sich gerne aufhalten und nicht nur funktionieren.

    Und wenn wir noch das Gebäude Kirchnerstraße 4 daneben updaten würden, hätten wir folgendes Ergebnis und damit fast eine ganze Reihe schöner Gebäude nebeneinander. Das wäre doch was, oder? So langsam würde das zu einer richtigen Adresse in der Stadt werden.


    Kirchnerstrasse 4 heute

    https://i.imgur.com/7cTJ4U9.png

    Bildrechte: Google Maps


    KI Überarbeitung

    https://i.imgur.com/LwSikXu.png

    Bildrechte: KI-Visualisierung (Google Gemini)


    Streetview-Aufnahmen unterliegen fremdem Urheberrecht. Direkteinbindungen unseren Richtlinien entsprechend durch Links ersetzt.

    tegula Genau, das sehe ich ähnlich. Wir brauchen vor allem menschenfreundliche und harmonische Architektur, die auch ästhetisch überzeugt. Ich habe den Eindruck, dass viele sich Rekonstruktionen vor allem deswegen wünschen, weil ein großer Teil heutiger Projekte als nicht besonders gelungen wahrgenommen wird. Identitätsstiftende Rekonstruktionen wie zum Beispiel das Schauspielhaus, wären dabei durchaus wünschenswert, wie du ja auch sagst. Mit deutlich mehr neuer klassischer Architektur, idealerweise flächendeckend, wäre das Problem aus meiner Sicht gelöst. Eigentlich brauchen wir nur schönere und lebensfreundlichere Städte. Und die lassen sich meiner Meinung nach eigentlich nur mit Architektur nach den klassischen Prinzipien erreichen.

    Und jetzt zum spannenden Teil. Mir gefällt die Fassadengestaltung mit dem Stein nicht unbedingt, sie trägt ebenfalls zu diesem „Viereck-Gefühl“ bei. Wäre ich Mäckler gewesen, hätte ich das Gebäude noch klassischer und ruhiger gestaltet, zum Beispiel mit Putz statt Stein. Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Die Anzahl der Fenster habe ich so belassen, da der Bauherr vermutlich in den oberen Geschossen möglichst viele Fenster haben möchte, wohl auch als Erbe der typischen Büroarchitektur der 70er Jahre. Kleine Änderungen, aber ein massiver Qualitätsunterschied meiner Meinung nach.

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    Bildrechte: Originalrendering Mäckler Architekten / KI-Visualisierung Google Gemini.