Die Hochhaus-Illusion an der Helmut-Kohl-Allee
Das Lokalblatt Wochenblatt-Reporter.de berichtet dieser Tage voller Hurra-Laune, dass an der Helmut-Kohl-Allee drei neue Hochhäuser geplant sind und der Standort bereits im Rahmenplan der Stadt festgelegt ist.
https://www.wochenblatt-reporter.de/ludwigshafen/c…artiere_a857302
Leider ist der Artikel von Julia Glöckner zwar gut gemeint, bei näherer Betrachtung taugt er aber eher als reiner Werbeprospekt ohne jede kritische Substanz. Er verkauft drei mäßig hohe Klötze als Heilsbringer, obwohl genau das Gegenteil droht.
Hochhäuser schaffen gerade in Ludwigshafen keine positive Identität, sondern werden zu weithin sichtbaren Symbolen von Anonymität und städtischem Scheitern – dies zeigt sich dramatisch am Mosch-Hochhaus und am Yorck-Hochhaus: Beide stehen als überalterte, Wohnmaschinen da, die nie eine positive Landmarke waren, sondern die baulichen und sozialen Fehlentwicklungen der 70er Jahre sichtbar machen und seit Jahrzehnten als soziale Brennpunkte immer wieder Schlagzeilen machen. Das direkt am Hauptbahnhof gelegene Hochhaus, in dem „noch“ ein Hotel untergebracht ist, bröckelt ebenso und hat genau null Verbesserung des Umfelds bewirkt.
Statt Orientierung und Aufenthaltsqualität erzeugen diese Türme Schatten, Windschneisen und tote Erdgeschosse, die Menschen eher vertreiben als anlocken.
Die behauptete „soziale Erinnerung“ und Belebung durch Landmarken ist Wunschdenken: In der Praxis fördern solche Türme Isolation und Desinteresse am öffentlichen Raum.
Ludwigshafen hat keinen Bedarf an zusätzlichen Büros in der Innenstadt – der niedrige Leerstand entsteht nur durch fehlendes Angebot und dadurch, dass die Stadt selbst sich massenhaft Verwaltungsflächen sichert, weil ihr eigenes Verwaltungshochhaus ebenfalls nur so viel wert war, dass es abgerissen werden musste. Nicht durch private Unternehmen.
Der Büroflächenumsatz ist 2025 um 84 Prozent eingebrochen; private Dienstleister und Konzerne meiden die Stadt, die ohnehin unter Überfremdung, Deindustrialisierung und BASF-Rückzug leidet und faktisch nur noch mit negativen Schlagzeilen wie dem Dauerbrenner Karolina-Burger-Realschule plus auffällt – dem Brennglas der Zukunft der Stadt.
Büros in Türmen locken hier wohl eher keine „größeren Firmen“ an, sondern bleiben Leerstandsrisiken oder werden notdürftig mit öffentlicher Verwaltung gefüllt.
Genau in der Ludwigshafener Innenstadt mit ihrem Ladensterben, leeren Ladenzeilen und bereits bestehenden sozialen Problemlagen wirken Hochhäuser wie Brandbeschleuniger für Segregation.
Sie konzentrieren eher prekäre Nutzungen und schaffen neue Brennpunkte statt urbaner Qualität – das Gegenteil von dem, was die Autorin behauptet.
Wer meint, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme von Ludwigshafen mit seelenlosen neuen Superblöcken und Hochhäusern schönschreiben zu können, der hat leider nichts verstanden und nichts aus der Geschichte gelernt.
Wie man selbst in Ludwigshafen etwas tun kann, um die Stadt wieder etwas in Balance zu bringen, sieht man an der kleinteiligen und hochwertigen Bebauung auf der Parkinsel und am Rheinufer. Diese hat „Kapital“ angezogen und Menschen in die Stadt gebracht, die das soziale Gefüge verbessern. Daran sollte man sich ein Beispiel nehmen und versuchen, entlang der neuen Helmut-Kohl-Allee mit ihren Grünflächen und dem Park genau wieder solche Bewohner anzulocken.