Spekulierstrang Spezial: Zukunft der großen Zeil-Warenhäuser

  • Wirklich enttäuschend. Ein Einzug von C&A und Deacthlon würde ja nur wieder einen Leerstand an anderer Stelle nach sich ziehen. Also entweder man findet große Mieter (wen auch immer), oder man entscheidet sich, die leerstehenden Liegenschaften abzureißen und mit einem neuen Konzept wieder auzubauen. Neues Konzept = Weniger Fläche für den Einzelhandel und dafür mehr Raum für Wohnungen.

    Wobei ich dann begrüßen würde im ersten Schritt "Karstadt" abzureißen und dann C&A als Ankermieter in einen Neubau unterzubringen. Die haben ja ihre bisherige Fläche schon so strak reduziert, dass das auch gehen würde. Im zweiten Schritt könnte man dann den aktuellen C&A abreißen (von dem ja effektiv nur noch 2 Etagen bespielt werden).

    Ob Bershka sich einen Gefallen mit den Umzug ins Skyline Plaza tut, wage ich mal stark zu bezweifeln.

  • Den Einzug von C&A und TK Maxx in den Ex-Karstadt bestätigt heute ein FR-Artikel. Decathlon ist interessiert, hat aber bisher nicht unterschrieben.

    Ferner hat auch GoAsia seit dem 17. August geschlossen. Es bleibt das Geschäft im Untergeschoss des MyZeil.

    Wichtiger sicherlich ist ein bevorstehender Umbau des Gebäudes. Im September sollen Arbeiten im Innern beginnen. 2027 soll dann die Fassade erneuert werden. Geplant ist eine Glasfassade bis zur dritten Etage. Der Einzug der neuer Mieter ist zum 1. Juli 2028 vorgesehen. Umgebaut und vermietet wird laut FR vom Untergeschoss bis zum dritten Obergeschoss. Die Etagen darüber werden voraussichtlich leerstehen.

  • Ich denke, dass ein "Umbau" dieses Gebäude(komplexe)s etwa ab 6m unter Straßenniveau ansetzen müsste, mit Garage gerne tiefer. Alles andere bleibt übergangsweises Stückwerk bis zu einem später stattfindenden Abriss.

    Die unterschiedlichen Bodenniveaus vom alten Möbelhaus bis zur Zeil und dann rüber zur Brönnerstraße, dazu die Verschwendung von Oberflächenplatz durch das Parkhaus - das kann man nicht durch einen Umbau so überdecken, dass eine nachhaltige, zeitgemäße Nutzung (echtes urbanes Wohnen, keine Jungbankerwaben, kombiniert mit Handel/Gastro/Büro/Praxen) rauskommt.

  • in dem Block wird auf absehbare Zeit rein gar nichts mit Abriss und Neuentwicklung passieren. Das Parkhaus wird ja gerade parallel von einem anderen Beitzer renoviert. Der „Karstadt-Moloch“ selbst wird jetzt (mal wieder) irgendwie zurecht gefrickelt, damit man das Gebäude ohne viel Aufwand (ich tippe auf eine neue Lage Sprühfarbe zur Zeil hin) irgendwie für ein paar Jahre weiter bespielen kann. 🤮

    Was mich daran stört: Ich kann aus einer wirtschaftlichen Perspektive schon irgendwie nachvollziehen, dass man versucht das Maximum an möglichem Ertrag mit dem Minimum an notwendigen Investition zu erziehen. Was mich dabei extrem ärgert, ist allerdings dass es genauer betrachtet dann doch noch nicht mal für ein Mindestmaß an reicht. Die letzte fragwürdige Verschönerungsaktion des Klotzes, hat dem vorderen Teil zur Zeil hin lediglich 'ne schnelle Runde „Billig-Botox“ spendiert und dabei die komplett überalterte Fassade zur Schäfergasse hin einfach sich selbst überlassen. Und die Fassade dort, wurde nicht nur einfach nicht mit aufgehübscht, es wurden auch keine der nötigen Reparaturen an der alten Fassade vorgenommen. Seither wurde der Teil einfach komplett ignoriert, vergammelt und zieht die komplette Schäfergasse mit runter.

    Status Quo: In der Schäfergasse besteht jetzt nahezu eine komplette Straßenseite aus lieblos verrammelten Eingängen, der unangetasteten, verbeulten und kaputten 70er Fassde (teilweise notdürftig mit Netzen wegen herab fallenden Fassadenteilen gesichert), jeder Menge Dreck und Müll, oft garniert mit einem oft atemberaubenden Fäkalien-Duft. Mitten in den Stadt, in einem Seitenarm der Zeil aka der Frankfurter Geschäftstraße Nummer 1 und das bereits über Jahre hinweg.

    Fazit: Ich habe eigentlich gar kein Problem damit, wenn der Besitzer den Block gerne umbauen und irgendwie wieder fit machen möchte. Ich begrüße es sogar, wenn sich da was tut – egal was. Wenn man aus „Frankensteins Kaufhaus“ auch mit Umbau was vernünftiges machen kann, brauche ich gar keinen Abriss. Wenn nun aber nun einfach nur mal wieder versucht wird, das Maximum an Einnahmen aus der Zeil-Seite raus zu holen, während man sich um die notwendige Miteinbeziehung der Schäfergasse komplett drückt – fände ich das einfach nur beschämend und widerwärtig!

    Ich kann mich natürlich auch total irren und die neue Glasfassade wird spektakulär – rundherum, auch in Richtung der Schäfergasse! Aber Dinge wie „die Etagen drüber werden voraussichtlich leer stehen“, klingt bereits wieder sehr nach Stückwerk oder Interims-Lösung und das spricht natürlich eher für temporär und somit wahrscheinlich möglichst günstig / minimalinvasiv. Würde mich natürlich sehr freuen, wenn's anders kommt.

  • Ja, wenn die Stadt nicht hilft, eine neue, kleinteiligere Bebauung für den Investor attraktiv zu machen, sondern das Areal mit illusorischen Maximalforderungen überfrachtet, dann braucht man sich über das jetzige Ergebnis nicht zu wundern. Selber schuld.

  • Nun ja, man könnte auch genauso gut argumentieren, dass das jetzige Ergebnis das Endresultat von Jahrzehnten zu wenig regulierter Investoren und Gewinnmaximierung ist. Die ganze Misere fing bekannter Maßen mit dem systematischen Ausweiden und Plündern des Karstadt-Konzerns an.

    Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte – weder überbürokratische Maximalvorgaben noch entzügelter Turbokapitalismus haben der Liegenschaft gut getan.

  • Mit der vorgesehenen Sanierung und der neuen Glasfassade - ohne sie gesehen zu haben - wird dieses Gebäude wahrscheinlich leider für weitere Jahrzehnte konserviert. Gerade an einem so prominenten Standort wie auf der Zeil könnte mal vielleicht dann ausnahmsweise wenigstens eine moderne Medienfassade in Form eines mega-großen digital screens (inkl. 3-D Billboard) einen sichtbaren und mal heraushebenden Beitrag zur Aufwertung leisten, ohne dass hierfür ein Abriss oder Neubau erforderlich wäre.

    Das häufig genannte Argument einer Ablenkung des Autoverkehrs wäre hier gegenstandslos; durch Lichteffekte gestörte Anwohner gibt es ebenfalls nicht. Im Gegenteil: durch die Lage an der Zeil könnte man über die Screens Werbespots (gemäß Times Square), Events, Kulturhinweise, Kunst, Warnungen, Nachrichten etc. an große Menschenmassen ausstrahlen. Gerade über den Zeil-Standort (eine der Stärksten Einkaufsmeilen Deutschlands) wäre sehr hohe Werbekosteneinnahmen für den Betreiber garantiert und damit extrem lukrativ! Auch für die Stadt Frankfurt über Lizenzen/Gebühren!

    Gleichzeitig versteht sich Frankfurt als europäisches Finanzzentrum und einer der wichtigsten Rechenzentrumsstandorte Europas. Im Stadtbild ist davon allerdings außer den Hochhäusern nicht viel mehr erkennbar. Dabei muss man gar nicht auf Beispiele aus den USA oder Asien verweisen. Bereits Städte wie Hamburg oder Düsseldorf gehen beim Einsatz hochwertiger digitaler Außenwerbung und moderner Medienfassaden deutlich offener vor. Dort sind keine erkennbaren Beeinträchtigungen des Stadtbilds oder der Verkehrssicherheit zu beobachten.

    Umso mehr stellt sich für mich immer die Frage, weshalb die Frankfurter Planungspolitik hier weiterhin einen vergleichsweise restriktiven und aus meiner Sicht völlig überholten Ansatz verfolgt. Die politischen und ideologischen Gründe will ich hier nicht beleuchten.

    Die Stadt verzichtet damit nicht nur auf Möglichkeiten zur gestalterischen Aufwertung zentraler Lagen, sondern zugleich auf erhebliche zusätzliche Einnahmen aus Konzessionen und Sondernutzungen. Das gilt übrigens nicht nur für die Zeil. Auch in den Sockelbereichen der Hochhäuser und Geschäftsgebäude im CBD (Neue Mainzer Straße) wären moderne digitale Formate aus meiner Sicht denkbar (und wenn es die Börsenkurse und Nachrichten wären, die in einem Band laufen); gleiches gilt natürlich auch für die ganzen S-Bahn und U-Bahn-Stationen (einen Teil der dortigen Einnahmen aus Lizenzen/Gebühren könnte man direkt in die Modernisierung der Bahn-Stationen umlenken). Das würde dem Selbstverständnis Frankfurts als internationale und technologieorientierte Metropole deutlich besser entsprechen als der heute überwiegend analoge Status quo: Als Frankfurt finanziere ich für 2,6 Mio. Euro Steuergeld ein temporäres Kunstwerk (ohne Ausschreibung) auf der Konstablerwache.

  • Erst mal so gar nichts Immobilienmogul. Hiermit bin ich ledilgich auf den Kern deines Arguments eingegangen, dass weniger Vorgaben und Restriktionen gegenüber Investoren offenkunding zu einer postiveren Entwicklung führen würden. Man kann natürlich darüber streiten ob die Vorgaben in diesem Fall überzogen waren, aber keinerlei Vorgaben sind aber halt nun mal auch eben nicht immer der Allheilsbringer.

    Zumal das Argument nichts geschieht wegen „dem Auftreten und Versagen der Stadt“ ja auch nur beleuchtet warum es zu noch keinem Komplettabriss und einer Neuentwicklung des geammten Areals gekommen ist. Was ganz nebenbei auch meine favorisierte Lösung gewesen wäre. Da es danach in nächster Zeit aber ja so gar nicht aussieht, wäre es zumindest mal angebracht den Kasten rundherum einigermaßen auf Vorderman zu bringen. Es wäre was anders, wenn die Kiste komplett leer steht – aber auf der Vorderseite weiter Geld zu schäffeln, während die Seitenansicht quasi in sich zusammenfällt, hat schon irgendwie einen faden Beigeschmack. Soviel Sprühfarbe hätte man jetzt schon auch noch investieren können!?

    Gegen eine digitale Außenfassade hätte ich nichts Kaiser97, wenn es ein Element zur Fassadengestaltung ist – hatten wir ja auch schon recht schick umgesetzt mal an der Zeil-Galerie für ein paar Jahre. Digitale Frames und Teile der Fassade wäre auch noch okay, davon haben wir ja auch einige bereits auf der Zeit. Bei riesigen Ad-Billboards bin ich immer eher skeptsich, weil das am Ende ja keine wirkliche Fassade mehr ist, sonder eine nervige Dauerwerbschleife die auf einen einprasselt. Und ja da gibt es hohwertige Bespieler diese Formate sehr gut und cool nutzen, aber am Ende ist es ja ein Business und wenn die Auslastung des Screens nicht hoch genug ist über kurz oder lang auch andere Mieter. Und ob man jetzt Sonderangebote von MediaMarkt oder die Oktoberfestwochen bei Aldi im XXL-Format über die Zeil flimmern sehen muss, halte ich gelinde gesagt für fraglich.

    Ein ganz gutes Beispiel sind die Beklebungen der Trams. Da waren die ersten auch oft tolle, auf das Werbeformat abgestimmte, intelligent umgesetzte und mit viel Liebe zum Detail aufbereitete Ideen. Mittlerweile ist ist da einfach nur jeder Mist drauf, ästhetisch und inhaltlich eine absolute Katastrophe. Und ob dann solche Maßnahmen den Stadtraum maßgeblich verschönern oder die City großstädtischer wirken lassen, wage ich zu bezweifeln.

  • ^^

    Die Idee mit den Screens an den Fassaden finde ich super. Das wäre echt ne Aufwertung. Und an der Zeil störts ja wirklich niemanden. Und in der NMS wäre es auch eine tolle Idee. Aber um den Omniturm geht das wahrscheinlich nicht wegen der Mietwohnungen. Aber der Sockel bzw. das Dach des Sockels des Eurotowers wäre auch ein guter Standort.

  • Das soll also heißen mitten auf der Zeil ist der zukünftige Lineup Primark, C&A und TK Maxx? Waren Kik und Takko Fashion als Mieter gerade nicht verfügbar? Das ist schon ziemlich mager als Finanzhauptatadt der drittgrößten Volkswirtschaft des Globus und dem Sitz der EZB. Abgesehen davon dürfte der wahrscheinliche Umzug von C&A weg von der Konsti dort weitere Probleme verursachen. Das wird die zahlungskräftige Kundschaft aus dem Speckgürtel dann kaum noch in den Innenstadtkern locken, sondern viele weitere Kunden in die Online Shopping Plattformen oder ins Main Taunus Zentrum spülen, ein Teufelskreis für die Innenstadt.


    Es wird nun eindeutig, dass die Zeil deutlich an Attraktivität eingebüßt hat und sich eine klare Zweiteilung herauskristallisiert. Die interessantesten Neueröffnungen wie Uniqlo verlagern sich in Richtung Hauptwache / Fressgass / Alte Oper und ungefähr ab Dunkin Donuts sinkt das Preis-Niveau schon sehr rapide. Die immer aggressiver auftretende Drogenszene / Rumlungerei an der völlig fehlgeplanten Konstablerwache und das Rotlichtmilieu im Allerheiligenviertel spielen aus meiner Sicht hierbei eine zentrale Rolle.


    Es ist für mich eines der größten Rätsel in der Frankfurter Stadtpolitik warum sich diese relativ kleine Stadt nicht nur am Eingang zur Stadt ein Drogen- und Rotlichtviertel leistet, sondern gleich ein zweites, das einen weiteren Teil der Stadt herunterzieht und zudem lebenswerte Stadtteile wie Nordend (Bethmannpark), Zoo Umgebung und Mainufer/Sachsenhausen damit entscheidend voneinander abtrennt. Warum wird diese Entwicklung rund um die Konsti / Allerheiligen als unumkehrbar oder alternativlos hingenommen? Aus meiner Sicht ist es eines der wichtigsten Handlungsfelder der Stadt, besonders wenn man nach Corona den Einzelhandel und den Innenstadtkern stärken bzw attraktiver machen wollte. Die jetzige Situation an der Konsti / Ostzeil / Allerheiligen ist untragbar.

    Einmal editiert, zuletzt von Golden Age (24. August 2026 um 08:21)

  • Die Stadt leistet sich ein zweites Rotlichtviertel, weil der Plan der weiland regierenden CDU grandios gescheitert ist, das ungeliebte Gewerbe samt Drogenproblematik weg vom Entrée der Stadt und den geschätzten Bankern zu verlagern. Stattdessen hat man mit Hersh Beker und anderen geklüngelt, sie gepampert und diese sehr glücklich gemacht, indem man völlig überzogene Verträge abgeschlossen hat (English Theatre, Kaiserstr) und deren Immobilien hie und da (BHFV, Allerheiligenviertel) aufgewertet hat. Die CDU und ihr neuer Bürgermeister Kössler würden spdvoltlinksgrünversifften Stadtregierungen Klientelpolitik und Ideologie vorwerfen.

  • Och bitte – es wäre sehr schön, wenn wir hier jetzt nicht den nächsten Thread, zu einem polarisierten Empörungs-Schlagabtausch oder einem „wir sind dem Untergang geweiht“–Drama-Mash-Up mit politischen Seitenhieben verkommen lassen penultimo und Golden Age. Das können wir sicher auch vernünftig und etwas sachlicher ausdiskutieren, oder!?

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die jetzige Situation an der Konsti / Ostzeil / Allerheiligen ist untragbar.

    Die Aussage ist meiner Ansicht nach leider völligst überzogen.

    • Ja, die Konsti hat ein Problem mit Drogenhandel. Das ist aber kein neues Problem, sondern ein seit Jahrzehnten bekanntes und es war auch schon mal um einiges schlimmer, vorallem in der Unterführung zur Staufenmauer hin.
    • Ja, im Allerheiligenviertel gibt es 2-3 Bordelle, die sind aber auch nicht neu, sondern eher Altlasten. Das Gewerbe wird dort und im angrenzenden Ostend eher Stück für Stück zurück gedrängt. Komplette Straßenzüge werden hier gerade neu entwickelt, hier so zu tun als würde die Stadt rein gar nichts machen oder das Gewerbe gar noch unterstützen oder fördern, ist ziemlicher Blödsinn.
    • Nein, die Ostzeil (von C&A bis zur Hausbar) ist ein recht gut funktionierender Mikrokosmos an Restaurants, Bars und Geschäften. Der Leerstand und die Fluktuation sind vergleichsweise Gering. Der aktuell größte Leerstand sind die Räume der ehemaligem Stadtbibliothek, die gehören aber so weit ich weiß, dem gleichen Investor/Besitzer wie die Neuentwicklung des Main Yard Areals (Link zum Thread) dahinter. Das sich hier in absehbarer Zeit endlich auch was bewegen wird, ist also gar nicht so unwahrscheinlich.

    Der Teil der Zeil der es aktuell am Schwierigsten hat, ist sicherlich der Teil zwischen der Konsti und dem Brockhausbrunnen. Die Gründe dafür sind vielfältig, einer davon ist sicherlich die gefühlt schon wenig bestehende Baustraße um den Block der Zeil 72-82 herum, der damit einhergehende Bauzaun und Leerstand. Die bereits von mir erwähnte ziemlich herunter gekommene Karstadt-Fassade an der komlpetten vorderen Schäfergasse hilft da sicher auch nicht. Dazu kommen die üblichen Problemfaktoren wie Onlinehandel, Kaufhaussterben (weniger Bedarf an großen Verkaufsflächen) und das trifft dann auf noch immer immens hohe Miete für Gewerbeflächen auf der Zeil.

    Die Probleme auf der Mitte der Zeil, nun den wenigen noch verbleibenden Laufhäusern in der Breiten Gasse oder den Drogen-Dealern auf der Konsti anzurechnen und daraus ein Zerfall von Sitten und Gesellschaft oder den Niedergang einer einst florierenden und schillernden Einkaufsstraße zu stilisieren, während die Politik angeblich nur zusieht, ist einfach nicht richtig. Der Zeil ging es ja auch schon mal wesentlich besser, zu einem Zeitraum mit mehr Bordellen in der direkten Nachbarschaft und wesentlich aggressiver auftretenden Drogendealen an der Konsti.

    2 Mal editiert, zuletzt von sweet_meat (24. August 2026 um 12:54) aus folgendem Grund: Vertipper entfernt (sorry)

  • Damit die Empörung und der Virtue Signaling Überbietungs-Wettbewerb nicht ausartet —> Wir sind NICHT dem Untergang geweiht und ich bin nicht auf Drama und Effekthascherei aus. Ich habe zudem m.W. nicht gesagt, dass ich jetzt eine “Make Frankfurt Great Again” Law & Order Kampagne befürworte (for the record: ich finde Trump, Farage, Orban & Konsorten und ihre reaktionären Bewegungen ganz furchtbar). Meine Meinung ist aber, dass unsere lokale Politik eindeutig zu wenig gegen den Verfall der Ostzeil / Konst / Allerheiligen und Gegenden wie Altsax tut. Untätigkeit habe ich ebenfalls nicht vorgeworfen. Das sollte nun wirklich nicht kontrovers sein, sondern deckt sich sogar mit vielen Deiner Beobachtungen oben.

  • Nun ja, darüber dass in diesem Viertel zu wenig Veränderung statt findet, können wir uns auch eigentlich wirklich nicht beklagen.
    Hier mal eine kleine Karte mit dem Status Quo und den anstehenden Veränderungen vor Ort – über kurz oder lang bleibt da kaum ein Stein auf dem anderen.

    51231478wq.jpg
    Karte: https://geoportal.frankfurt.de | Overlays: von mir

    Und die Stadt schon versucht auch schon mit weiteren Maßnahmen, wie z. B. der Aufhübschung des Platzes an der Stufenmauer oder dem neu installierten Kunstwerk auf der Konsti, die Ecke aufzuwerten. Von diesen beiden Maßnahmen kann man nun natürlich auch halten was man will, aber zumindest kann man nicht behaupten, dass hier so gar nichts passieren würde.

    2 Mal editiert, zuletzt von sweet_meat (24. August 2026 um 18:17) aus folgendem Grund: Wie immer – Vertipper entfernt :p

  • Ich finde es interessant, dass kaum darüber gesprochen wird, dass eines der Hauptprobleme der Frankfurter Innenstadt und insbesondere der Zeil schlicht die Architektur ist. Die Gebäude sind größtenteils sehr unpersönlich, abweisend und ästhetisch wenig überzeugend. Darüber hinaus sind viele der wichtigen Plätze drumherum schlecht gestaltet und nicht besonders einladend. Es fehlt an Orten und Plätzen, an denen man sich gerne aufhält. Es fehlt vor allem an Kleinteiligkeit. Alles ist auf Maximalität ausgerichtet. Alles soll groß, weit und breit sein. Und was kommt dabei heraus? Dass sich der Stadtraum teilweise fast wie eine Autobahn anfühlt.

    Genau das ist heute rund um die Zeil zu sehen, von der Konstablerwache über den Bereich um das C&A bis hin zum Roßmarkt. So eine Umgebung wird nicht das kaufkräftigste Publikum anziehen. Das Klientel, das man sich dort vielleicht wünschen würde, wird dort kaum länger verweilen . Solange man dieses grundlegende Problem nicht versteht, werden Menschen, die auch finanziell andere Möglichkeiten haben, dort nicht auftauchen.

    Der nächste Fehler, der jetzt begangen wird, ist die sogenannte Aufwertung von P&C. Hier bleibt eine endlos lange und abwechslunglose Fassade. Es fehlt an Kleinteiligkeit, und dieses Gebäude wird dem Straßenraum kaum Aufenthaltsqualität bieten. Im Grunde lautet die einzige Frage: reingehen oder nicht. Man hätte mehr mit weiteren Eingängen oder unterschiedlichen Möglichkeiten, das Gebäude vom Erdgeschoss aus zu erkunden, arbeiten können. Das Gebäude ist sehr lang, die Fassade entsprechend monoton. Für mich ist das wieder ein Beispiel dafür, wie wenig Positives mit einer sogenannten Aufwertung tatsächlich geschaffen wird.

    Main Yard geht meiner Meinung nach eher in die Richtung, in die man gehen sollte. Allerdings gehört das eigentlich schon nicht mehr wirklich zur Zeil, und leider ist es nur ein einzelnes Projekt, bei dem zumindest vieles richtig gemacht wird.

    An meiner Stelle würde ich vor allem bei der Konstablerwache anfangen. Die Architektur müsste aufgewertet werden, auch mit stärker klassisch orientierten Neubauten. Klassische Ansätzen sind generell kleinteiliger. Dazu müsste die Erhöhung in der Mitte des Platzes abgeschafft werden, denn sie ist letztlich eine massive Barriere. Den Platz selbst könnte man ebenfalls kleinteiliger gestalten, indem man zum Beispiel in der Mitte kleines Gebäude als Zentrum des Platzes errichtet. Dadurch würde der Platz deutlich mehr Möglichkeiten bieten und nicht nur dann funktionieren, wenn gerade ein Wochenmarkt oder Flohmarkt stattfindet. Soweit ich weiß, gab es die Konstablerwache vor der Zerstörung Frankfurts nicht einmal als grossen offenen Platz, so wie wir ihn heute kennen. Die heutige Situation entstand erst nach dem Krieg und ist in dieser Form ein Produkt des Wiederaufbaus.

    Das alles hat enormes Potenzial. Man müsste sich nur stärker auf Kleinteiligkeit konzentrieren, kleinere Plätze und Orte schaffen, an denen Leben entstehen kann und an denen man sich gerne aufhält. Die Zeil ist heute durchaus sehr lebendig. Nur besteht diese Lebendigkeit hauptsächlich aus Verkehr von A nach B oder aus dem Treiben in den riesigen Kaufhäusern. An den Rändern und auf den Plätzen dagegen hält man sich eher ungern auf.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich finde es interessant, dass kaum darüber gesprochen wird, dass eines der Hauptprobleme der Frankfurter Innenstadt und insbesondere der Zeil schlicht die Architektur ist.

    Das sehe ich etwas anders. Vor 50 Jahren hätte ich dir noch vorbehaltlos zugestimmt, aber durch Projekte wie MyZeil, am Goetheplatz und jüngst an der Hauptwache ist die Architektur in FFM in den letzten Jahren wie in keiner anderen deutschen Großstadt deutlich aufgewertet worden. Ich würde mir auch Gründerzeit-Rekonstruktionen wünschen, aber dafür fehlt schlicht der politische Wille.

    Das eigentliche Problem liegt meines Erachtens in der Publikumsstruktur, viele Menschen mit Geld wollen sich schlicht nicht mehr an der Hauptwache oder der Zeil aufhalten, weil sie sich dort unsicher oder fremd fühlen. Das betrifft vorrangig Höherbetagte ab 60+. Aber, mal ehrlich, wenn man als Volk keine Kinder mehr will, darf man sich auch nicht über das „neue Stadtbild“ beschweren.

    In Sachen Architektur sehe ich Frankfurt gleichwohl auf einem guten Weg.

  • Meiner Meinung nach vertauschst Du Ursache und Wirkung.

    Vor 40 Jahren ging meine Omi eben noch zu C&A, Karstadt, Horten und Deichmann. Die Menschen suchten große Warenhäuser, weil sie von der Bratpfanne, über Playmobil bis zur "Übergangsjacke" für Papi dort alles gekauft haben. Mit Amazon, Zalando und dergleichen hat sich dies grundlegend (wahrscheinlich unwiederbringlich) geändert.

    Das Publikum, das früher Warenhäuser aufsuchte, gibt es so heute nicht mehr.

    Warum ist der Viktualienmarkt so beliebt und so bevölkert? Meiner Meinung nach nicht, weil es dort die tollste, kleinteilige Bebauung gibt, sondern weil das Angebot einzigartig ist: jeden Tag kann man dort besondere Sachen kaufen, dazu wunderschön sitzen und essen / Zeit verbringen.

    Ich bin überzeugt davon, dass vor allem Menschen Atmosphäre schaffen, nicht in erster Linie Gebäude.

    Frankfurter Beispiel 1: Die Ecke (es ist ja nicht mal ein Platz) Weißadlergasse / Sandweg, wahrscheinlich schneller im Gedächtnis, wenn ich sage: Café Karin, Walden, Salzkammergut etc. zeichnet sich nicht durch unglaublich schöne Bebauung aus, aber die unterschiedlichen Cafés / Restaurants inkl. der wenigen Bäume schaffen ein Umfeld, dass man trotz der Müllabfuhr um 13 Uhr an einem Dienstag dort gerne sitzt.

    Beispiel 2: Kleinmarkthalle-Vorplatz am Samstag Vormittag: nun wirklich keine schöne Bebauung, aber sehr lebhaftes Umfeld.

    Meiner Meinung nach bräuchte es lediglich einen dauerhaften Markt (= jeden Tag!) auf der Hauptwache. Dazu eben 15-20 Bäume pflanzen, mehr Gastro ermöglichen als nur die Touristengastro Café Hauptwache und schon wäre der Platz ein ganz anderer. Wäre er noch schöner mit anderer Architektur? Auf jeden Fall. Aber manchmal folgt ja aus dem einen dann automatisch auch das andere....

  • Wesentlicher strategischer Fehler der Kaufhäuser war, auf den Wunsch einiger Hersteller nach markenseparierter Warenpräsentation einzugehen.

    Damit war für viele Kunden der wesentliche Vorteil der Kaufhäuser, einen markenübergreifenden Produktvergleich (zum Beispiel hellblaue Anzughemden einer Größe) vornehmen zu können, hinüber und der Einkauf fand anderenorts statt. Niemand, außer den Markenherstellern, braucht Brandstores - und die führen dazu, dass in den Innenstädten kein (bezahlbarer) Platz für inhabergeführte Läden bleibt - im Ergebnis sehen die Innenstädte dadurch aus wie die Open-Air-Version eines ECE-Einkaufszentrums: Identisch, langweilig, austauschbar. Nicht nur Köln, Frankfurt, Bochum, sondern auch Bergisch-Gladbach, Bad Münstereifel und Bad Homburg.

  • Stadtbildfreude Dass Frankfurt sich in Sachen Aufwertung der Stadt im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland gut entwickelt hat, mag durchaus sein. Aber anscheinend hat es nicht gereicht, um aus der Innenstadt, vor allem aus der Zeil und ihren Nebenstraßen, einen schönen und angenehmen Aufenthaltsort zu machen .

    Für mich ist die Zeil im Grunde noch immer die gleiche wie vor 20 Jahren, mit Ausnahme einiger neuer Glaspaläste, die der Straße selbst nicht viel gebracht haben, und ein paar inzwischen pleitegegangener Kaufhäuser. Mehr oder weniger ist alles gleich geblieben, eher sogar noch abgerutscht. Man drängt sich mit den Massen von A nach B, aber es gibt kaum einen Ort, an dem man gerne verweilt.

    Das erinnert mich ein wenig an die Diskussionen über die Banlieues und Großsiedlungen der 60er und 70er Jahre, etwa in Schweden oder Dänemark. Dort wollen die wenigsten wohnen und deshalb versucht man heute, diese Viertel auch architektonisch aufzuwerten, um sie attraktiver für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu machen. Natürlich beeinflusst Architektur mit, wer sich wo gerne aufhält. Baut und plant man lieblos und ohne Aufenthaltsqualität, sollte man sich nicht wundern, wenn ein Ort entsprechend wenig attraktiv wirkt.

    Die Zeil war vor dem Krieg eine Paradestraße mit fantastischer Architektur und Kaufhäusern, die sich mit denen in Berlin messen konnten. Der Frankfurter Historiker Battonn schrieb 1810 über die Zeil: „Die Zeil ist ohne Widerrede die schönste Straße der ganzen Stadt.“ Und ein Reiseführer von 1843 meinte sogar: „Niemand wird dieser Zeile von Palästen seine Bewunderung versagen können.“

    Europäer Das heißt, wäre die Zeil heute noch so wie damals, bin ich mir ziemlich sicher, dass auch die Kaufkraft des Publikums eine ganz andere wäre. Viele Menschen würden aus weiter entfernten Städten kommen, um hier einzukaufen. Die Zeil wäre sicherlich ein echter Magnet für das kaufkräftigere Publikum.

    Stellt euch das doch einfach einmal vor - eine endlose Reihe fantastischer Häuser mit schönen Cafés, Läden und Restaurants entlang der Straße. Ich bin mir sicher, dass auch die meisten in diesem Forum die Zeil dann deutlich häufiger und lieber besuchen würden. Das ist doch gar nicht so schwer, sich vorzustellen. Abe Fakt ist: So ist es nicht. Und deshalb gehe ich heute auch kaum noch hin, außer wenn ich wirklich muss.

    Europäer Zu deinem Frankfurter Beispiel 1: Die Ecke um Café Karin usw. ist, glaube ich, vor allem deshalb erfolgreich, weil sie kleinteilig ist. Die Fassaden sind nicht endlos lang und bestehen nicht aus Glas mit einem einzigen Eingang alle 200 Meter. Es ist gemütlich. Wäre die Architektur dort insgesamt noch schöner, wobei einige Altbauten natürlich bereits schön sind, wäre es sogar noch attraktiver und vermutlich auch exklusiver.

    Zu deinem Frankfurter Beispiel 2, der Kleinmarkthalle: Ja, ich stimme dir zu, dass die Ecke vor der Halle nicht besonders schön ist, und auch die Halle selbst finde ich architektonisch nicht besonders gelungen. Natürlich können auch weniger schöne Orte lebendig sein, weil Menschen sich bewusst entscheiden, sich dort zu treffen, zu trinken oder zu essen. Aber ich glaube nicht, dass sich die Menschen dort außerhalb dieser konkreten Aktivitäten besonders gerne aufhalten, weil der Ort selbst so angenehm ist. Genau das ist auch mein Punkt bei der Zeil. Wenn die Kleinmarkthalle schließt und die Party vorbei ist, sind auch alle Leute weg. Dort gibt es sonst nichts, was einen zum Bleiben einlädt.

    Nur weil irgendwo viele Menschen sind, heißt das nicht automatisch, dass der Ort gut gestaltet oder schön ist. Kaufkraft orientiert sich meiner Meinung nach aber durchaus auch daran, wo ein Ort attraktiv und angenehm ist. In Frankfurt sieht man das zum Beispiel an der Goethestraße, der Fressgass und rund um die Alte Oper. Alles ist vergleichsweise kleinteilig und stark von klassischer Architektur geprägt.

    Deshalb glaube ich, dass wir deutlich höhere Anforderungen an die Architektur stellen müssen, wenn wir unsere Städte wirklich schöner machen wollen. Dadurch entstehen ganz andere Bedingungen. Menschen fühlen sich anders, halten sich länger auf und ein Ort kann ein ganz anderes Publikum anziehen.

    Überhaupt darüber zu diskutieren, ob Schönheit wichtig ist und positive Auswirkungen hat, finde ich absurd. Natürlich hat sie das. Genau hier liegt für mich aber eines der grundlegenden Probleme des Modernismus. Schönheit und Kleinteiligkeit haben dort keine Priorität, die sie meiner Meinung nach haben sollten.

    In Berlin oder München kann man vielerorts noch angenehm und in schöner Umgebung einkaufen gehen, weil es dort noch zahlreiche attraktive/klassische Stadträume dafür gibt. In Frankfurt ist das, zumindest in der Innenstadt, nur sehr begrenzt der Fall.

    Eine architektonische und städtebauliche Aufwertung der Innenstadt und insbesondere der Zeil ist deshalb aus meiner Sicht zwingend notwendig, wenn man die Situation wirklich verändern will. Solange das nicht passiert, wird sich meiner Meinung nach wenig ändern und die Entwicklung könnte sich sogar weiter verschlechtern. Und Aufwertung heißt für mich nicht, aus alten Glaspalästen einfach neue Glaspaläste in derselben Form zu machen (wie P&C), sondern eine Rückkehr zu einer Architektur, die sich wieder stärker an klassischen Prinzipien orientiert.