Mit der vorgesehenen Sanierung und der neuen Glasfassade - ohne sie gesehen zu haben - wird dieses Gebäude wahrscheinlich leider für weitere Jahrzehnte konserviert. Gerade an einem so prominenten Standort wie auf der Zeil könnte mal vielleicht dann ausnahmsweise wenigstens eine moderne Medienfassade in Form eines mega-großen digital screens (inkl. 3-D Billboard) einen sichtbaren und mal heraushebenden Beitrag zur Aufwertung leisten, ohne dass hierfür ein Abriss oder Neubau erforderlich wäre.
Das häufig genannte Argument einer Ablenkung des Autoverkehrs wäre hier gegenstandslos; durch Lichteffekte gestörte Anwohner gibt es ebenfalls nicht. Im Gegenteil: durch die Lage an der Zeil könnte man über die Screens Werbespots (gemäß Times Square), Events, Kulturhinweise, Kunst, Warnungen, Nachrichten etc. an große Menschenmassen ausstrahlen. Gerade über den Zeil-Standort (eine der Stärksten Einkaufsmeilen Deutschlands) wäre sehr hohe Werbekosteneinnahmen für den Betreiber garantiert und damit extrem lukrativ! Auch für die Stadt Frankfurt über Lizenzen/Gebühren!
Gleichzeitig versteht sich Frankfurt als europäisches Finanzzentrum und einer der wichtigsten Rechenzentrumsstandorte Europas. Im Stadtbild ist davon allerdings außer den Hochhäusern nicht viel mehr erkennbar. Dabei muss man gar nicht auf Beispiele aus den USA oder Asien verweisen. Bereits Städte wie Hamburg oder Düsseldorf gehen beim Einsatz hochwertiger digitaler Außenwerbung und moderner Medienfassaden deutlich offener vor. Dort sind keine erkennbaren Beeinträchtigungen des Stadtbilds oder der Verkehrssicherheit zu beobachten.
Umso mehr stellt sich für mich immer die Frage, weshalb die Frankfurter Planungspolitik hier weiterhin einen vergleichsweise restriktiven und aus meiner Sicht völlig überholten Ansatz verfolgt. Die politischen und ideologischen Gründe will ich hier nicht beleuchten.
Die Stadt verzichtet damit nicht nur auf Möglichkeiten zur gestalterischen Aufwertung zentraler Lagen, sondern zugleich auf erhebliche zusätzliche Einnahmen aus Konzessionen und Sondernutzungen. Das gilt übrigens nicht nur für die Zeil. Auch in den Sockelbereichen der Hochhäuser und Geschäftsgebäude im CBD (Neue Mainzer Straße) wären moderne digitale Formate aus meiner Sicht denkbar (und wenn es die Börsenkurse und Nachrichten wären, die in einem Band laufen); gleiches gilt natürlich auch für die ganzen S-Bahn und U-Bahn-Stationen (einen Teil der dortigen Einnahmen aus Lizenzen/Gebühren könnte man direkt in die Modernisierung der Bahn-Stationen umlenken). Das würde dem Selbstverständnis Frankfurts als internationale und technologieorientierte Metropole deutlich besser entsprechen als der heute überwiegend analoge Status quo: Als Frankfurt finanziere ich für 2,6 Mio. Euro Steuergeld ein temporäres Kunstwerk (ohne Ausschreibung) auf der Konstablerwache.