Senckenberg Gesellschaft baut um und erweitert (seit 2014)

  • Baubeginn - Spatenstich mit Feldmann ("ich interveniere")

    Wie schon gemeldet, ist am 15. Mai 2014 offizieller Spatenstich für den Umbau der historischen Gebäude "Jügelbau" und "Alte Physik". Die Verunstaltung findet um 12.30 Uhr an der Senckenberganlage 25 statt. Teilnehmer sind unter anderem Volker Bouffier, Peter Kulka, Peter Feldmann und Volker Mosbrugger, der Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.


    Man darf gespannt sein, ob sich der Oberbürgerbürger dann an seine forsche Ankündigung wird erinnern können, er werde gegen die Pläne der Senckenberg Gesellschaft intervenieren.

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    Na dann soll er mal machen!
    Ich würde kein Geld drauf setzen, aber da hat er endlich mal eine Chance sich als Stadtoberhaupt zu profilieren. Denn bislang ist er nur der Typ der gewonnen hat weil er nicht Boris Rhein ist.

  • Architekt verteidigt Pläne für Senckenberg-Umbau

    In der heutigen Print-FNP verteidigt Kulka seinen Entwurf für den 70 Mio. € teuren Umbau, der bekanntlich morgen mit dem 1. Spatenstich beginnt!


    Im Bericht von Günter Murr wird auch erwähnt, das der Entwurf für den Umbau heftig kritisiert wurde - in einschlägigen Internetforen, aber auch in der Kommunalpolitik. OB Feldmann wollte sich sogar bei der Senckenberggesellschaft für eine Änderung der mit den Denkmalschützern abgesprochenen Pläne einsetzen. Soweit ist uns das auch bekannt!


    Nun verteidigt Kulka seinen Entwurf: "Es ist ein schwieriges Projekt, weil es so komplex ist" sagt er. Und er macht deutlich, dass eine Rekonstruktion des Ursprungszustands weder für ihn noch für den Bauherrn in Frage komme. "Wir haben hier kein Baudenkmal erster Güte, sondern einen Nutzbau, der mehrfach überformt wurde", wird Kulka in der FNP weiter zitiert.


    Der Architekt betont, dass gerade im Jügelhaus viel originale Bausubstanz erhalten, freigelegt und restauriert werde. Im Foyer (das übrigens auf einem Bild in der FNP zu sehen ist) würden Einbauten der 50-er Jahre entfernt. "Wenn ein Gebäude im Inneren nicht funktioniert, nützt die schönste Hülle nichts", sagt Kulka. "Das heißt aber nicht, dass man sie nicht wertschätzt". "Man darf so ein Gebäude nicht nur von außen sehen".


    Der Architekt ist sich der Kritik bewusst. "Kritik ist immer nützlich", sagt er. "Wir nehmen die auch zur Kenntnis". Kulka verweist in diesem Zusammenhang aber auf den engen Budgetrahmen von 70 Mio. €.

    2 Mal editiert, zuletzt von skyliner () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Zitat

    Kulka: ... "Man darf so ein Gebäude nicht nur von außen sehen". ...


    Das tun dennoch 99% der Bevölkerung zwangsläufig - man erlebt weniger oder mehr kaputtgemachte Stadträume, aber geht doch nicht in jedes Gebäude rein. In viele darf man als Normalbürger nicht einmal.


    Zitat

    Der Architekt ist sich der Kritik bewusst. "Kritik ist immer nützlich", sagt er. "Wir nehmen die auch zur Kenntnis".


    Und die Konsequenz daraus? Genausogut hätte er den Ritter mit der Eisernen Hand zitieren können, den später Goethe zitierte.


    Die Verweise auf "nur" 70 Mio. EUR sind albern - wenn es für öde Kuben reicht, hätte es auch für etwas angepasstere Formen reichen können - wenigstens.

  • Der Verweis auf das enge Budget ist eine faule Ausrede! Anpassung an und Respekt vor bestehender Bausubstanz ist keine Frage des Geldes, sondern der Einstellung.


    Und die Aussage, man dürfe so ein Gebäude nicht nur von außen sehen, ist wohl ein schlechter Scherz! Soll man denn später mit geschlossenen Augen daran vorbeilaufen? Umgekehrt wird doch ein Schuh daraus: Wie es später im Inneren aussieht, ist mir nicht so wichtig, es muss halt für die geplante Nutzung optimiert werden. Aber man kann mir nicht erzählen, dass man dafür diese glatten, alles erschlagenden, aufgesetzten Kuben braucht. Diese sind ein Verbrechen; eine große Chance zur Stadtreparatur wird an dieser Stelle auf Jahrzehnte vertan!


    Vor zwei Wochen habe ich in diesem Sinne eine Beschwerde-Mail an die Senckenberg-Gesellschaft geschickt, bisher ohne Antwort.

  • Leider muß ich immer wieder feststellen, daß den meisten Leuten nicht nur das Innere eines Gebäudes egal ist sonder auch das Äußere, das ist schon ein wenig frustrierend.

  • Das spannenste Zitat aus dem Artikel ist meiner Meinung nach:


    „Wir haben hier kein Baudenkmal erster Güte, sondern einen Nutzbau, der mehrfach überformt wurde.“


    Da fragt man sich natürlich, was so eine umgangssprachliche Kategorie wie Nutzbau an dieser Stelle bedeuten soll. Irgendwie ist jeder Bau ein Nutzbau, auch eine Kirche wird irgendwie genutzt. Wahrscheinlich wollte er nur sagen, dass bei der Planung allein die spätere Nutzung im Vordergrund stand und eben nicht die Gestaltung, was dann mit dem Zeitschichten-Geschwurbel verklärt wird!


    Und das mit dem Baudenkmal erster Güte ist natürlich ein Witz, bzw lässt tief blicken. Wenn so viele Frankfurter und Nicht-Frankfurter eine so starke emotionale Bindung zu diesem Gebäude aufgebaut haben, was man auch hier im Forum merkt, dann ist der herausragende Denkmalscharakter doch ganz offensichtlich. Aber leider und offensichtlich zählen nur die blutleeren, abstrakten, politisierten Kategorien, die dann den achso bedeutenden Rechnungshof zu einem Denkmal aller ersten Ranges werden lassen!

  • Bankrotterklärung

    Das ist doch die eigentliche Bankrotterklärung eines jeden Architekten:


    Zitat

    Nun verteidigt Kulka seinen Entwurf: "Es ist ein schwieriges Projekt, weil es so komplex ist" sagt er.


    Mit anderen Worten: er hat es einfach nicht hinbekommen, Nutzen und Gestaltung in Einklang zu bringen.

  • Eine der Wurzeln des Übels ist, dass die Planung eine sehr hohe Ausnutzung des historischen Ensembles vorsieht. In den nach Teilabriss neu zu errichtenden fensterlosen weißen Kuben werden Magazinflächen vorgesehen sein. Man fragt sich, ob die Sammlungen wirklich auf Kosten der Verschandelung der alten Universität an eben diesen Stellen untergebracht werden müssen. Warum nicht in einem oder mehreren separaten Neubauten im Innenhof, etwa dort wo bis vor kurzem noch sehr unauffällig die Wolfgang-Steubing-Halle für Sonderausstellungen stand? Oder eben wie bisher in dem ein paar Minuten entfernten Arthur-von-Weinberg-Haus in der City-West (dieser Standort soll aufgegeben werden). Außer Bequemlichkeit fällt mir kein Grund dafür ein.


    Geradezu lachhaft in diesem Zusammenhang der vorgesehene "Museumspark" gleich westlich der Alten Physik. Wer braucht ein fast den ganzen Tag im Schatten liegendes Hundeklo auf heute bebauten Flächen? Besser wäre es, dort die benötigten Magazinflächen zu schaffen, gegebenenfalls (auch) unterirdisch, statt die gründerzeitlichen Gebäude mit Funktionen zu überfrachten und dabei völlig zu entstellen.


    Ausschnitt aus dem demnächst auszulegenden Bebauungsplanentwurf Nr. 569 "Senckenberganlage / Bockenheimer Warte", der "Museumspark" ist schraffiert:



    Plan: Stadtplanungsamt Frankfurt am Main

  • Warum unterirdische Magazinflächen neu bauen, wenn es wenige Meter entfernt solche gibt? Im U-Bahnhof Bockenheimer Warte wurden mit der U4-Verlängerung riesige Magazinflächen geschaffen, die seit der Fertigstellung 2001 bisher ungenutzt sind. Ursprünglich waren sie mal als Erweiterungsflächen für die Uni-Bibliothek vorgesehen. Doch dieser Plan wurde aufgegeben als klar wurde, dass die Uni den Standort verlässt. Die Räume wurden trotzdem gebaut - mit Ausnahme der Magazinflächen über der Bahnsteighalle (die ursprünglich einstöckig geplante Bahnsteighalle der U4 erstreckt sich deshalb heute über zwei Ebenen). Über den Weichenstraßen vor und nach der Station und über der Wendeanlage unter der Zeppelinallee gibt es die Räume aber ... meiner Kenntnis nach leerstehend.

  • Die Lagerräume südlich der Station werden von Anfang an vom Museum als Magazin genutzt, ich war während eines Praktikums vor Jahren mal drin.


    Man hat recht hohe Standards für die Lagerung, Halon-Löschanlage inklusive. Empfindliche Exponate von den weiter entfernt liegenden Lagerräumen durch Wind und Wetter ins Hauptgebäude zu schaffen wird den Verantwortlichen wohl zu riskant sein.


    Zum Rest des Projekts enthalte ich mich lieber einer Meinung, ist meiner Gesundheit förderlicher.

  • Da geht mir doch der Hut hoch!
    Diese halbärschige Rechtfertigung von Kulka ist der letzte Tropfen der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt. Nicht nur das er mit einer maßlos selbstgefälligen Arroganz für sich in Anspruch nimmt besser zu wissen wie dieses Museum zu sein hat als jeder gebürtige Frankfurter, nein gleichzeitig bezeichnet er die schöne klassische Architektur des Gebäudes als minderwertig!!!
    Ich hab es gesagt und sage es wieder, diese monströse Obszönität ist nicht mehr unser Senckenbergmuseum, jeder Frankfurter sollte es boykottieren wenn es so gebaut wird!

  • Hier ist doch schon von weit höheren Summen berichtet worden, die der Umbau kosten soll als die neuerdings kolportierten 70 Millionen (von 110 bis 180 Milionen war alles dabei).
    Und wenn der Betrag so knapp bemessen ist, warum muß man Sammlungen im Jügelhaus (die alte Physik lasse ich jetzt mal außen vor) unterbringen, die eine Feuerlöschanlage, völlige Dunkelheit oder Klimatisierung benötigen oder von utopischem Gewicht sind? Dann wäre es doch besser und billiger gewesen, bei der alten optischen Fabrik in der Kuhwaldstraße zu bleiben oder neue Magazingebäude zu errichten. Zum Beispiel anstelle des Hörsaalgebäudes Ecke Gräfstraße / Mertonstraße oder des Heizkraftwerkes gleich daneben. - Doch halt! Das ist ja einer der geschätzen Kramerbauten...


    Und zu Kulkas "Nutzgebäude". Dabei unterschlägt er aber (wahrscheinlich absichtlich), daß es zu den Zeiten, als das Jügelhaus entstand, üblich war, solch einem "Nutzbau" eine Gestalt zu geben, die nach außen hin weit mehr ausdrückte als den bloßen Zweck. So soll das Jügelhaus angelehnt sein an das Mannheimer Schloß. Und damit hat das Bürgertum, welches damals die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften ins Leben rief, ausdrücken wollen, daß es keinen Landesherrscher benötigte, um solch eine Einrichtung zu finanzieren und ein solch prächtiges Gebäude zu errichten.


    Nun soll ihm offenbar die letzte Pracht genommen werden, um es zu einem Zweckbau herabzuwürdigen. Aber denke ich an die schrecklichen Fenster im Senckenberg-Hauptgebäude oder die völlige Verunstaltung des Senckenberg-Festsaals war aus diese Richtung leider nichts anderes zu erwarten. Wenn ich dennoch auf besseres gehofft hatte, dann dewegen, weil ich glaubte, die Sünden der 60er und 70er Jahre würden unter Moosbrugger nicht fortgesetzt, weil er eine andere Generation repräsentiert. Aber sicher haben er und die anderen Verantwortlichen bei Senckenberg die Geschmacksverirrung von ihren Vorgängern geerbt.

  • Der Vollständigkeit halber: Im HR-Videotext wird über den heute begonnenen Senckenberg-Umbau berichtet und von rund 116 Mio. € gesprochen!


    Ja was denn nun, wenn gestern noch in der FNP von ca. 70 Mio. € berichtet wurde!? Eine Steigerung von über 50% oder schlappen 46 Mio. € nach 1 Tag!?


    Was soll das? Wird hier jeweils von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgegangen?


    Wer kolportiert welche Zahlen? Handelt es sich nur um schlechten Journalismus von einer der Seiten? Gar absichtliche Leuteverdummung? Auch das läßt schon tief blicken. Man kann als Bürger noch nicht mal erwarten, daß man eine einigermaßen belastbare Zahl genannt bekommt. Wie soll man dann erwarten, das "anständig" und den Bauten "angemessen" renoviert wird? Man könnte glatt heulen!


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    Mod: Der erwähnte FNP-Artikel ist auch online zu finden.

  • Schlimmer noch: im Kurznachrichtenblock in der Hessenschau von heute, 19h30, wurde "berichtet", die anliegenden Gebäude hätten länger Zeit leergestanden und seien baufällig (!).


    So eine hirnverbrannter Unfug hat mich herausgefordert, denen zu mailen. Ob diese Aussagen in der Hessenschau Kompakt um 22h30 dann immer noch kamen, konnte ich bisher mangels Bandbreite beim Surfen per Handy noch nicht überprüfen. Die Sendung habe ich vorhin verpaßt.

  • Wurde das Interview der FAZ mit Peter Kulka und Volker Mosbrugger hier schon erwähnt respektive verlinkt?
    „Wir nennen das evolutionäres Bauen“
    http://www.faz.net/aktuell/rhe…aeres-bauen-12940248.html


    Die gravierenden Eingriffe in das Äußere werden abermals mit den Nutzungsansprüchen gerechtfertigt. Hinzu kommt die lapidare Festellung des Herrn Mosbruggers, es handele sich ja nur um ein historisches Denkmal, nicht um ein künstlerisches.

  • "Wir nennen das evolutionäres Bauen" - das ist zutreffend, nur leider führt ein schwerer Gendefekt in der jüngsten Evolutionsstufe zu einer fatalen Mutation - Gebäude tot! Der Architekt erweist sch als ein Hybrid aus Frankenstein und Aasgeier, der dieses arme Geschöpf erst in die Welt setzt und schließlich bei dessen Tod seine eigene Selbstgefälligkeit am verwesenden Kadaver weidet.
    Solche Bilder kommen einem wenn man wie in dieser Nacht sehr schlecht schläft und/oder wenn man das entlarvende Interview mit Kulka liest.
    Als habe es die letzten 30-40 Jahre Architekturgeschichte nicht gegeben, wird jede Form von Repräsentation und Ästhetik vollkommen negiert. Es ist bezeichnend, mit welcher Süffisanz Kulka von den "Türmchen" spricht und von der Fassade die "So tut als ob" sie ein Schloss wäre. Ist denn nicht Repräsentation durchaus ein Zweck? "Das tun als ob", das darstellen wollen, das sich zeigen wollen, das Eigenwillige, das Eigene, der Wunsch nach Identität eines Gebäudes ist aus Sicht der klassischen Moderne immer noch ein Frevel, den es mit aller inquisitorischen Strenge auszutreiben gilt... naja zumindest weiß man Fassaden immer noch nicht zu schätzen. Ein Gebäude das nur aussieht wie ein Schloss, auch wenn darin kein König haust, hat dennoch ein Recht so auszusehen, weil seine Fassade die Funktion erfüllt, Ausdruck des Stolzes, der Lebenslust seiner Besitzer zu sein. Repräsention ist kein Verbrechen. Häuser müssen nicht tot sein wie calvinistische Kirchen. Keine der angesprochenen Evolutionsstufen, nicht mal Kramer (!), hat diese grundlegende Funktion des Gebäudes prinzipiell in Frage gestellt, bis auf die Letzte. Die zerstört die Arbeit und den Schöpfergeist der Vorgänger.
    Natürlich hat der Architekt recht, wenn er von einem Gebäude verlangt, ein Nutzgebäude für die gegenwärtige Funktion (Forschung und Lehre) zu sein. Den Weg, den er für das Gebäude dahin wählt ist leider der Zerstörerischste. Wenn der Altbau in seiner Repräsentativen und dabei unpraktischen Ausführung wirklich so schwer vereinbar oder gar unvereinbar mit der neuen Funktion ist, dann sollte man darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre, an anderer Stelle einen kompletten Neubau zu errichten. Wenn man aber die alte Funktion der Repräsentation vernichtet, um die neuen Herausforderungen irgendwie in das Gebäude zu zwängen, dann ist niemandem gedient. Nicht dem Altbau und nicht den Forschern.
    Ich will gar nicht für eine Totalrekonstruktion werben, die vermutlich wirklich den Kostenrahmen sprengen würde und jeder heutigen Funktion ihre Grenzen aufzeigt. Auch das Geld für einen wirklich spektakulären, eigenwilligen Bau der Gegenwartsarchitektur, der in einen Dialog mit dem Bestand tritt, scheint zu fehlen (ach, was könnte Chipperflied hier bewirken!), aber die letzten Jahrtausende Architekturgeschichte haben den Herren Architekten doch das ein oder andere einfache Werkzeug zur Hand gegeben, das es dann wohl auch Herrn Kulka ermöglichen sollte die Proportionen seiner Erweiterung zu gliedern (ganz im Sinne eines "Baukastens" mit dem selbst der stümperhafte Laie Architektur gestalten kann).
    Die Aufgabe ist ja tatsächlich Heikel. Wie bereits von Vorrednern erwähnt, versucht man hier offensichtlich auf Gedeih und Verderb möglichst viel Nutzfläche in das altehrwürdige Gebäude zu stopfen. Aber die Lösung von Kulka erscheint Plump. Muss sich das letzte Geschoss denn wirklich wie ein Kuhfladen auf dem Altbau ausbreiten, dass man Angst haben muss, es läuft bald über? Kann man denn die Höhe nicht ein wenig variieren? Oder der Gebäudeteil, der von diesem weißen Kubus erdrückt wird - wären denn da nicht das ein oder andere Fenster denkbar, oder irgendetwas anderes, es muss ja nicht die Welt kosten, das dieses Monstrum einer Fassade mit ein paar einfachen Linien zähmt? Am Rossmarkt und in immer mehr Teilen der Stadt macht man doch vor, wie die klare Sprache der Moderne und das wissen um Proportion sich nicht ausschließen müssen.
    Kulka mag lapidar behaupten, Schönheit liege im Auge des Betrachters und sei deswegen kein Kriterium, aber damit irrt er. Ein goldener Schnitt war noch nie geschmäcklerisch. Solche ästhetischen Grundmuster sind doch recht konstant, weswegen es ratsam ist, sie nicht zu ignorieren. Es gibt eben doch Dinge, die alle Moden überdauern und dabei immer als ansprechend empfunden werden. Zusammen mit einem positiven Bezug, den die Einwohner zu einem Gebäude, macht es dieses erhaltenswert. Aber das zählt ja nicht... nur das Zeugnis der Geschichte ist erhaltenswert! Architektur als Dokument! Ach, hätte doch Goethe persönlich unters Dach geschissen, dann würden die Denkmalpfleger noch das Geld für ein pädagogisches, multimediales Klosettmuseum im rekonstruierten Dachstuhl beschaffen... aber die sind ja gerade damit beschäftigt den ehemaligen Bundesrechnungshof gegen die ästhetisch so naiven Bürger der Stadt zu schützen, die nicht den Denkmalwert fehlgeleiteten Städtebaus aus der Vergangenheit erkennen wollen.... Ich schweife ab. Das war jetzt auch wirklich genug Polemik.
    Die Nacht ist vorbei, jetzt muss ich zumindest nicht mehr von dem Gebäudemonstrum träumen. Ich hoffe mal, die natürliche Selektion übernimmt den Rest.


    Ps: Dieser Text wurde auf einem Smartphone im Bett getippt... nach dem EDIT sollte man das aber nicht mehr merken.

    Einmal editiert, zuletzt von AndoBrando () aus folgendem Grund: EDIT: In der ersten Version war von dem Bundesgerichtshof die Rede. Es war natürlich der Bundesrechnungshof gemeint.

  • Wer von Leichtgewicht Peter Feldmann tatsächlich den markigen Sprüchen ("ich interveniere!") entsprechendes Engagement erwartet hat, der wird einmal mehr enttäuscht. Laut FNP möchte er einer "ästhetischen Diskussion" aus dem Weg gehen. Feldmanns Amtsvorgängerin hätte sich gewiss energisch dafür eingesetzt, dieses Debakel zu verhindern. Vom aktuellen Oberbürgermeister hingegen gibt es warme Worte zum Spatenstich, ansonsten geht er lieber Bähnchenfahren im Odenwald.


    Zu #115: Die hier im Thread mehrfach erwähnten 116,8 Millionen Euro Steuergeld ergeben sich aus dem Bewilligungsbescheid (Beitrag #12 von Juli 2012). 70 Millionen beträgt der Anteil des Landes Hessen daran (Quelle). Diese Zahl hat den Verfasser des Zeitungsartikels offenbar ins Schleudern gebracht.

  • In ihrer heutigen Printausgabe berichtet die FAZ vom gestrigen Spatenstich. Direktor Mosbrugger sprach von einer "Jahrhundertchance" und lobte Kulka für seinen sensiblen Umgang mit alter Bausubstanz. Kulka bezeichnete die neuen Dachaufbauten als angemessen; sie seien aber durchaus eine "Provokation der Sentimentalität". Man habe "von innen heraus" geplant, die Vernetzung der Gebäude habe im Vordergrund gestanden. Eine Rekonstruktion stünde dem Inhalt und der Idee der Vernetzung entgegen.


    Da haben wir es: Alle, die es wagen, gegen die katastrophalen Pläne Widerspruch einzulegen, sind sentimentale Spinner. Asche über unser Haupt, wir sind einfach zu blöd, die "Von innen heraus"-Idee und überhaupt die ganze Vernetzungs-Geschichte zu verstehen. Danke, Herr Kulka, für die Erleuchtung!


    Laut FAZ stammen übrigens 70 Mio. EUR vom Land und 46 Mio. EUR vom Bund, macht zusammen 116 Mio. EUR.

  • Eine unglaubliche Arroganz, die Herr Kulka an den Tag legt.


    Das Gebäude nennt er abwertend - wilhelminische, also autoritäre Architektur - wobei er um die Zustimmung vom links-liberalen Lager buhlt. Die wiederum, wie er wahrscheinlich auch privat ganz gerne in einer Altbauwohnung (dann eher nicht wilhelminisch genannt) in bevorzugten Lagen in Frankfurt, Wiesbaden oder Köln wohnen.


    Ausserdem sei es kein Pöppelmann oder Knobelsdorff.


    Stimmt. Die beiden haben im Barock gelebt, also 100 Jahre bevor das Senckenbergmuseum gebaut wurde.


    Das Gebäude wird durch seine Umbauten ein reiner Zweckbau bleiben, ohne Charme, Form und Fassung. Beliebig und kann in dreissig Jahren abgerissen werden.


    Herr Kulka ist aber nur ausführendes Organ und handelt im Rahmen seiner Auftraggeber.


    Die Senckenberg Stiftung hat ein Grundstück und Gebäude geerbt, dessen Wert sie offensichtlich weder erkennt noch schätzt.


    Sonst wäre das Gebäude über die Jahrzente nicht so verwahrlost und verunstaltet worden.


    Der Staat Hessen als Hauptgeldgeber kümmert sich auch nicht um die Mittelverwendung.


    Ich bezweifele, dass so ein schwacher Entwurf für Wiesbaden genehmigt worden wäre.


    Herr Feldmann und der Baubrürgermeister faleln als Korrektiv ebenfalls aus, wie die handzahme Presse, allen voran die FAZ, die das beißen verlernt zu haben scheint.


    Mehr als aus dem Forum abzukupfern haben sie nicht zu Stande gebracht. Eine eigene gute Architekturkritik habe ich weder in der FAZ noch in einer anderen Zeitung gesehen.


    Damit ist Frankfurt enttäuschen provinziell und ein Speilball von Architekten und Geldgebern die hier nicht wohnen und denen es daher egal ist, wie die Stadt aussieht.