Gotteshäuser in Berlin

  • < Mit dem Entwurf kann ich überhaupt nichts anfangen. Wo bitte ist hier die Erkennbarkeit, dass es sich um ein Gotteshaus handelt? Die alte Kirche aus den 60ern, ein sehr schöner Ziegelbau MIT Turm hat alle diese Atribute, man kann die Funktion sofort ablesen, außerdem empfinde ich die alte Kirche als einen würdigen Verteter dieses typischen Stils der Nachkriegszeit. Ich habe es schonmal erwähnt, es ist wirklich ein Jammer wieviel gute Architektur der Nachkriegszeit momentan dem Erdboden gleichgemacht wird, und durch etwas ersetzt wird, was eine Ablesbarkeit der Funktion nicht mehr ermöglicht. Auch wenn es nur ein 'Begegnungszentrum' sein soll, hätte man den alten Turm, der ja eh ein Campanile war, wirklich nicht integrieren können?

    Es ist schwer nachzuvollziehen warum es unbedingt einen Abriß und Neubau geben soll, als ob man in Geld dafür schwimmen würde ...

    Hier die alte Kirche:

    http://kulturkirchen.org/kirchen/53e108…versichtskirche

  • Ich glaube, das ist "Absicht". Wahrscheinlich sind die Besucherzahlen der Gottesdienste so gering, dass ein "Andachtsraum" ausreicht. Und die Gemeinde möchte wahrscheinlich eher einen Begegnungsort als einen "Zeremonienort". Dazu kommt, dass ein Kirchenbau aus den 60er Jahren - ganz protestantisch pragmatisch - ziemlich schlecht zu heizen ist...

  • Ich finde den Entwurf, so wie er auf der Visu zu erkennen ist, gar nicht mal so schlecht und für mich ist er aufgrund des dreieckigen erhöhten Bauteils mit der großen Fensterfront auch als moderne Kirche zu erkennen. Ein Glockenturm ist heutzutage nicht mehr unbedingt nötig.

    Dass viele sich damit schwertun, liegt sicher auch daran, dass klassische Kirchenbauten jahrhundertelang mit möglichst hohem Glockenturm, Schiff, Chor usw. immer zentrale und architektonisch ambitionierte Bauwerke waren, die oftmals einem ganzen Ort oder einer Stadt als Dominante dienten und beeindrucken sollten. Kirche war immer auch Macht. Diese und die Größe Gottes sollten verdeutlicht und demonstriert werden.

    Das hat sich (Gottseidank 🙂) zum Glück geändert und nicht jede Kirche muss heute mehr diesem Prinzip folgen. Gerade bei moderne Kirchen hat sich die Funktion verändert, neben Raum für Gottesdienste sind sie oft Gemeinde- und/oder Nachbarschaftszentren mit kulturellen und sozialen Schwerpunkten. Schaut man sich insbesondere Freikirchen an, findet man bei diesen manchmal den Charme von Seminarräumen oder gar Gewerbegebäuden (was dann auch für mich bisweilen zu weit geht).

    Ein Glockenturm ist wie gesagt nicht mehr nötig. Wenn überhaupt noch gebimmelt wird, klagen oftmals die Anwohner oder sind zumindest genervt und überhaupt ist der Anspruch an ein Kirchengebäude anders als noch vor hundert oder gar tausend Jahren. Daher darf man gern sowas bauen wie hier, zumal in so einer Gegend nichts nach einer "klassischen" Kirche schreit.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Vielen Dank für die Nachfrage. Vor Ort ist aus baulicher Sicht im Prinzip noch nichts konkretes passiert. Ein Blick in die Fenster des Altbauteils des Bernhard-Lichtenberg-Hauses verrät jedoch, dass dieses wohl aktuell geräumt wird. Es scheint also Bewegung in das Projekt gekommen zu sein.

    Im Jahr 2016 gab einen Wettbewerb für das Bernhard-Lichtenberg-Haus. Der Altbauteil sollte saniert, unterirdisch erweitert und um einen Neubauteil ergänzt werden. Hierzu wollte man den aus den 70er Jahren stammenden Gebäudeflügel abbrechen. Zwei Entwürfe wurden damals im Forum gezeigt, die jedoch beide bezüglich ihrer Fassadengestaltung noch sehr schemenhaft daherkamen.

    [mod]Zitat gekürzt. [/mod]

    Mit dem Gerichtsverfahren hat man sich am Ende einen Bärendienst erwiesen. Eine Veränderung des Entwurfs von Schwippert war aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich, also muss er insgesamt zerstört werden, um den Umbau rechtlich zu ermöglichen. Es wird nichts vom Schwippertschen Entwurf übrig bleiben, selbst die Fenster werden neu gestaltet.

    Das Ausmaß der Zerstörung ergibt sich aus dem auf der Homepage des Bistums einsehbaren Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung. Auch der aus DDR-Zeiten stammende Teil des Berhnhard-Lichtenberg-Hauses wird abgerissen.

    https://www.erzbistumberlin.de/wir-sind/erzbi…he-genehmigung/

    Der zitierte Artikel der kirchlichen Wochenzeitung verharmlost den bevorstehenden Abriss.

    Erhalten bleibt lediglich die Silhouette der Kuppel. Eine Laterne wird es nicht geben, diese hatte Schwippert in moderner Form sogar vorgesehen und als 1:1-Model seinerzeit auf die neue Kuppel setzen lassen. Den DDR-Behörden war diese jedoch ein Dorn im Auge, das christliche Symbol des Kreuze wäre dadurch zu "auftrumpfend" am Bebelplatz erschienen. Die Kirche musste sich also möglichst in das Platzgefüge ducken, eine eigene Höhendominante sollte unbedingt vermieden werden.

    https://kirchenbauforschung.info/2016/09/01/fot…dwig-um-1953_1/

    Welch Ironie, dass ausgerechnet diese "bauliche Duckmäuserei" als einziges Zeugnis der DDR-Zeit erhalten bleiben soll, wo man doch angeblich dem Bau als zentralem katholischen Bau in der Hauptstadt, mit Strahlkraft in die ganze Republik, zu einer würdigen, bedeutungsvolleren Ausstrahlung verhelfen wollte. Dies wiegt besonders schwer, da mit dem Bühnenturm der Staatsoper, der von 1926-1928 errichtet wurde, die Proportionen des Bebelplatzes aus den Fugen gerieten. Der einst in der den Bebelplatz bestimmende Kirchenbau wurde optisch endgültig in die zweite Reihe gesetzt.

    Einer verpasste Gelegenheit, diesen historischen Fehler zu korrigieren.

  • Hier ist noch ein kleiner Artikel in der Berliner Woche über den Abriss der Zuversichtskirche in Staaken. Es ist schon so, wie ich vermutet hatte: Die "alte" Kirche war aus Sicht der Gemeinde nicht zu retten. Die Gründe:

    * energetische Vorgaben

    * fehlende Barrierefreiheit

    * geänderte Nutzungsbedürfnisse

    Das ist zwar schade, aber nachvollziehbar, zumal das neue Nutzungskonzept, das zusammen mit der "weltlichen Gemeinde" erarbeitet wurde, weit mehr bietet, als eine "reine Kirche", nämlich ein komplettes Stadtteil- und Familienzentrum mit großem Veranstaltungssaal, angeschlossenem Café, einem Inklusionsbetrieb für Kita- und Schulcaterer, einer Kita sowie einem Andachtsraum.

    Einmal editiert, zuletzt von KaBa1 (26. Januar 2021 um 13:48)

  • Eigentlich kein neues Projekt aber ich will man die Sanierung dieses Kleinods als Vorwand nehmen, ein paar Fotos von dieser wunderschönen Kirche Liebfrauen im Wrangelkiez zu posten.

    So untypisch für Berlin und mit diesen ewigen roten kalten nüchternen Backsteinkirchen. Als jemand der in München katholisch sozialisiert wurde, ist diese gebaute protestantische Strenge mitunter etwas anstrengend lol.

    Da freut man sich, wenn man diese wenig bekannten Ausnahmen, die es in Berlin ja auch gibt, mal sieht.

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  • Dekoratives Anführungszeichen

    Vielen Dank für die Nachfrage. Vor Ort ist aus baulicher Sicht im Prinzip noch nichts Konkretes passiert....

    ... das könnte sich jetzt bald ändern. Wie die Berliner Woche berichtet, wurde für den Neubau des Bernhard -Lichtenberg-Hauses jetzt die Baugenehmigung erteilt. Damit kann jetzt die Sanierung und der Teilneubau beginnen. Beauftragt ist damit das Architekturbüro von Max Dudler.

    Im Juni 2024 soll das Bernhard-Lichtenberg-Haus fertig sein, dann will auch die sanierte St. Hedwigs-Kathedrale wiedereröffnen.

    Die Baukosten für den Alt- und Neubau werden auf 60 Millionen Euro geschätzt.

    So soll es mal aussehen:

    Copyright: Max Dudler

  • So stellt sich die Situation gerade da.

    Ich bin etwas verwirrt. Ich war der Meinung ein Neubau entsteht, allerdings sieht das auf dem Foto eher nach Renovierung und nicht nach Abriss aus.

    Irgendwas habe ich da nicht richtig verstanden.

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    Von der Behrendstasse aus:

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  • Ich kann mich noch nicht so recht entscheiden, ob der Dudler-Bau nun eine Verbesserung ist oder eine Verschlimmbesserung. Der alte Bau sah schon ziemlich altbacken und ranzig aus, Material und Kupferdach passten aber in die Umgebung. Jetzt wirds ein modernistischer Klotz, allerdings scheint sich auch hier die Materialität der Umgebung anzupassen und wird wahrscheinlich wertig, schlicht und unauffällig wirken, was womögliche das Beste in diesem Denkmalensemble ist. Ein Glaskasten wäre z.B. mehr aufgefallen und daher schlimmer gewesen.

  • ich mag das Wirken Dudlers in dieser Stadt, und besonders sein Einklinken in historisch sensible Bereiche überhaupt nicht und könnte gut auf seine rationalistisch orientierten, lackierten und doch glanzlosen Architekturklumpen verzichten.


    Hier bringt auch das wenig überzeugende, aufgesetzt wirkende Obergeschoss im Akkordeonlook herzlich wenig, das da aufploppt.


    Soll das irgendwie kreativ wirken?

    Warum findet das auch alles andere als innovativ daherkommende Motiv der abgeschrägten Fensterfaschen oder gar das Zackenmotiv keine Fortsetzung beim Verbindungsbau?

    Diese andauernden, lustfeindlichen architektonischen Bastonaden an diese Stadt, mit ihren leblosen, unterkühlten versnobten Rastermotiven aus der Gestaltdemenz deutscher Industrienorm nervt nur noch.

    Sie sind für mich nichts was auch nur annähernd Beitrag zu einem lebensfrohen, menschenzugewandtem angehmen Stadtbild leistet.

    Im Gegenteil, sie schafft in ihrer rationalen Einsilbigkeit und ihrem, aufs äusserste, reduzierten Unterhaltungswert, Distanz zu Jenen die diese Stadt endlich gern als unverwechselbaren Lebensraum wahrnehmen möchten und diese Architektur als permanenten Baustein ihrer Städtischen Umwelt akzeptieren müssen.


    Was soll man mit einem Verständnis von zeitgenössischer Architektur bei dem nur Architekten und geneigte Fachkritiker ne offene Hose Bekommen?
    Besonders im traditionellen Blockrand funktioniert diese für mich Adressenlose Unterhaltungsarme Rationalarchitektur überhaupt nicht.

    Diese bauindustriekonforme Fensteranhäufung nicht nur dieses Architekten halte ich pers. als ein angenehmes, stimulierendes Stadtbild, für eine völlige Fehlbesetzung. Besonders in Mitte wirken diese Bauten wie Vogelscheuchen und vertreiben jedes vitalisierende Interesse am städtischen Raum.

  • Ein Blick auf die Baustelle

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    In der Kirche selbst wird auch viel gearbeitet. Jedenfalls sieht man jede Menge Gerüste durch ein herausgenommenes Fenster und den Eingang.

  • Wenn ich die bisher veröffentlichten Visualisierungen mit dem Ist-Zustand vergleiche und das Ganze richtig verstehe, dann scheint es so, als ob man eine Fensterachse des anschließenden neobarocken Altbaus abreißen wird. Wenn das tatsächlich stimmt, dann finde ich das schon ein starkes Stück. Berlin sollte dass bisschen alten Glanz, den es noch besitzt, hegen und pflegen, vor allem in einem so bauhistorisch kostbaren Raum wie dem Forum Fridericianum.

    Einmal editiert, zuletzt von Treverer (10. August 2022 um 23:51)

  • Erst war ich ganz perplex weil das nicht nach Abriss sondern Umbau aussah, und heute ist das Gebäude weg, nur noch ein Schutthaufen zu sehen

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  • Sri Ganesha Hindu-Tempel (Hasenheide 106)

    Zuletzt hier

    Über zwei Jahre nach dem letzten Beitrag hält sich der Baufortschritt in Grenzen. Während der Königsturm damals schon fast fertig war, ist man von der Fertigstellung der dahinterliegenden Veranstaltungs- und Tempelhalle noch weit entfernt. Auf den ersten Blick sieht es sogar nach Stillstand aus, aber dann hörte und sah ich doch zwei Handwerker, die innen am werkeln waren.

    Aktuelle Bilder:

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  • Am Lausitzer Platz wird die Emmauskirche „umgebaut“, der ursprünglich nach Entwürfen von August Orth 1890-93 entstandene Kirchenbau bildete mit dem ebenfalls von Orth einst gegenüber liegenden Görlitzer Bahnhof mal ein Reizvolles Ensemble.
    Im Krieg weitgehend zerstört und in den 50ern vereinfacht wiederaufgebaut.
    Unter der Einrüstung des Gebäudes kann man sehen dass zu beiden Seiten des Turmes die Annexe mit weißem Stein aufgestockt werden- vermutlich wird dann mit Rotziegel verblendet / eine Rekonstruktion der Annexe schließe ich mal aus - aber vielleicht peilt man die historische Traufhöhe an.

    Ich kann leider keine Visu zum Umbau finden weiß jemand was da in neuer Form zu erwarten ist?

  • Ich war letztens zu einer Taufe dort und da wurde mir erzählt, dass der Turm für Büroflächen ausgebaut wird, die man dann vermieten will, um der Kirche Einnahmen zu verschaffen. Aber ich konnte auch von der Baustelle nicht ganz ersehen, wie das Ganze dann am Ende aussehen soll. Schien mir aber recht klobig.

  • Ich habe dazu mal im Internet etwas mitsamt Visualisierung gelesen, kann beides aber leider nicht mehr wiederfinden. Die Sanierung umfasst jedenfalls die Aufstockung der beiden Seiten der Türme auf die ursprüngliche Höhe. Die Aufstockungen werden auch bereits verklinkert und gleichen im Stil dem unteren Bereich , auch was die recht einfachen Fenster etc. angeht. Zusätzlich wird der Turm saniert.

    Es gibt bei der Berliner Morgenpost einen Artikel, der aber leider hinter einer Paywall liegt.