Dresden: Friedrichstadt

  • Ja, baghrati. Denkmalschutz ist schwer zu verstehen.

    Wenn der Laie meint: hat keine Schnörkel, kann sicher weg, sagt der Denkmalpfleger was anderes...


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    Bei dem Haus handelt es sich - vermute ich mal - um den allerletzten Rest einer einheitlichen Bebauung von 1712-1724 an der ehemaligen Weißeritzstraße. Ein Hinterhaus zur Bilddarstellung oben.

  • Rest der einheitlichen Bebauung schon, allerdings wird das Gebäude um 1860 datiert. Das Gebäude wird unter Schutz stehen, weil es wahrscheinlich substanziell so gut wie unverändert erhalten ist. Alter und Bauweise spielen hier sicherlich eine untergeordnete Rolle. Das ist aber nur eine Vermutung, die Beschreibung im Denkmaldokument ist leider nicht sehr aussagekräftig.

  • 1994 las sich das in der Denkmalbeschreibung so" Bezeichnendes vorstädtisches Arbeiterwohnhaus" und so weiter.

    "Rest der einheitlichen Bebauung" - glaube ich eher nicht. Es gibt ja Fotos der Adlergasse vor der Zerstörung; da sieht mir das Drumherum eher älter und ärmlicher aus. Tatsächlich scheint es in diesem Bereich eher ein "Neubau" gewesen zu sein, der auf dieser Straßenseite die Umgebungsbauten zur Wachsbleichstr. hin allesamt überragte:

    http://www.deutschefotothek.de…0/df_hauptkatalog_0111067


    (Es ist das Haus ganz rechts am Bildrand)

  • Das stimmt, es war nicht einheitlich zur umgebenden Bebauung, aber Teil dieses Blocks. Auf diesem Bild sieht man das im Überblick: gegenüber der Großmarkthalle, helles Haus mit den vier Vollgeschossen, bzw. dessen Rückseite an der Adlergasse. Hier eine Nahaufnahme der Seite an der Weißeritzstraße, hier von der Schäferstraße aus.

  • Ich habe sehr viel Verständnis für Denkmalpflege. In der Friedrichstadt ist leider sehr viel falsch gelaufen; ich vermute, dass es in keinem anderen Dresdner Stadtteil nach der Wende so viele "Abgänge" denkmalgeschützter Substanz gegeben hat wie hier. Leider waren darunter auch Unikate, wie z.B. das letzte unverbaute Laubenganghaus auf der Friedrichstraße. Andere Gebäude (z.B. das Ensemble Roßtaler Str.) sind nur durch das Engagement Außenstehender erhalten worden.

    Mich beschleicht der Verdacht, dass man hier möglicherweise (!) bei der Denkmalpflege nicht immer die richtigen Prioritäten gesetzt hat. Dass der Komplex Weißeritzstr. 62/Adlergasse 23 seit der Wende in einem solchen Maße verfallen konnte, ist das eigentliche Problem. Es gab - auch im direkten Umfeld - genügend Gebäude in ähnlich schlechtem oder noch schlechterem Zustand, die letztlich gerettet werden konnten.


    (Natürlich gibt es auch andere Beispiele, bei denen das ähnlich danebengegangen ist - siehe z.B. Hotel Stadt Leipzig).

  • Man schaue sich mal die Liste der Kulturdenkmale in der Friedrichstadt an, das sind eine Menge. Nun steht da zwar nicht bei jedem Eintrag, wann die Eintragung erfolgte, allerdings kann man sich anhand der Situation der Denkmalpflege in der DDR, die sich Anfang der 90er wohl nicht großartig geändert zu haben schien, und dem Zustand vieler denkmalwürdiger Gebäude in Dresden zur Wendezeit denken, dass deren vollständiger Erhalt eine äußerst anspruchsvolle, wenn nicht unmögliche und v.a. kurzfristige Aufgabe war.

    Für die Zeit gegen Ende der DDR lässt sich ein Fazit ziehen: Die Aufnahme in eine Denkmalliste brachte den Staat theoretisch in die Situation, Verantwortung für den Schutz und die Pflege von Denkmalen übernehmen zu müssen. Jedoch fehlte dem Bürger und dem einzelnen ehrenamtlichen Denkmalpfleger die Möglichkeit, dies auch durchzusetzen. Im Gegenzug hatte der Staat zahlreiche gesetzliche Maßnahmen zur Verfügung, Anordnungen auszusprechen. Jedoch wie auch im Fall vieler bereits genehmigter Abbrüche war es ein Nebeneffekt der Misswirtschaft der letzten Jahre, dass vieles einfach zum Stillstand kam.

    Zudem wurde das Sächsische Denkmalschutzgesetz erst 1993 verabschiedet. Zum Denkmalbestand im Freistaat Sachsen:

    In den 1990er Jahren wurde eine sogenannte Schnellerfassungsliste aufgestellt, um nach der Wende möglichst alle Sachen mit den „ihnen innewohnenden besonderen Werte[n]“ erfassen zu können. Hierbei wurde ein eigener sächsischer Weg beschritten: Alle Objekte wurden „hausnummerkonkret“ erfasst und jedes Objekt wurde einzeln gezählt. „Dies lässt eine sehr genaue Bearbeitung in der Erfassung und im denkmalschutzrechtlichen Verfahren zu, führt aber zu scheinbar überzogenen Denkmalzahlen, die mit der viel komplexeren Zählweise anderer Bundesländer nicht vergleichbar sind“.

    Die heutige Stadtplanung in der Friedrichstadt ist, wenngleich nicht ideal, immerhin besser, als das, was zu DDR-Zeiten dort geplant war:

    Vor allen an der Südseite [der Schäferstraße] wurden zahlreiche Gebäude bei den Luftangriffen im Februar und April 1945 zerstört. Weitere Häuser, darunter auch einige kulturhistorisch wertvolle aus dem 18. Jahrhundert, riss man nach jahrzehntelanger Vernachlässigung in den 1970er und 80er Jahren ab, um Platz für eine geplante Neubebauung zu machen. Allerdings wurde diese lediglich in Form mehrgeschossiger Plattenbauten an der Südseite realisiert, während die nördliche Seite bis heute unbebaut blieb. Auch ein geplantes Hochhaus an der Ecke Löbtauer Straße kam nicht zustande.

    Ergo: Schade, dass so viel verloren ging, v.a. auch in der Friedrichstadt, aber in Anbetracht der Aufgabe kann man über jedes erhaltene Denkmal froh sein.

  • Ich habe sehr viel Verständnis für Denkmalpflege. In der Friedrichstadt ist leider sehr viel falsch gelaufen; ich vermute, dass es in keinem anderen Dresdner Stadtteil nach der Wende so viele "Abgänge" denkmalgeschützter Substanz gegeben hat wie hier.


    Das kann man so sagen; allein verwunderlich erscheint es nicht. Bis vor zehn Jahren war die Friedrichstadt ein heruntergekommenes Quartier mit viel schmutzigem Gewerbe, einer "speziellen Bevölkerungsstruktur" und entsprechend unterdurchschnittlichen Mieten. Investitionen fanden kaum statt.

    Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die überaus maroden und schwer nutzbaren barocken Vorstadthäuser in der Friedrichstadt über viele Jahre verfallen sind und eine Rettung nicht mehr möglich war. Ohne privaten Investor keine Sanierung. Hier kann man höchstens der Stadt zum Vorwurf machen, dass sie sich nicht ausreichend um die Notsicherung gekümmert hat. Dennoch hätte es immer noch einen privaten Investor gebraucht, der mit viel Herzbluc an die Sache geht. Einen solchen zu finden ist aber eben nicht so einfach, wie wir z.B. bei der ungleich günstiger gelegenen Behr'schen Villa im Regierungsviertel gesehen haben, deren Räume heute für 15,00 €/qm vermietet werden. Diese Preise soll man mal in der Friedrichstraße aufrufen.

  • Ostragehege: Fettschmelze, Messering aktuell


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    oben: Ansicht Messering // unten: Rückansicht mit Erschliessungsstrasse in Bau

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    Bild: https://abload.de/img/p1360844o1k2o.jpg   Bild: https://abload.de/img/p1360846m7jo5.jpg   Bild: https://abload.de/img/p1360847cqj9a.jpg


    Blick von Mickten über die Elbe auf Fettschmelze, Schweinedom (mittig hinten) und Trainingszentrum (rechts)

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    Bonus: Verfall unweit Fettschmelze // einst neues Sportgymnasium // Blick vom Trümmerberg Friedrichstadt

    Bild: https://abload.de/img/p1360851jhjil.jpg   Bild: https://abload.de/img/p136085285kbj.jpg   Bild: https://abload.de/img/p1360853ynkqn.jpg



    Trainingszentrum Dynamo - längst fertig


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    Und nochmal paar Fotos von Okt.2020 vom bereits gezeigten Büroprojekt auf letztem Verfallsareal.

    Bild: https://abload.de/img/p1330955n0kf8.jpg   Bild: https://abload.de/img/p1330953eqkaj.jpg   Bild: https://abload.de/img/p1330954hxjr1.jpg

    alle Fotos ich

  • Das kann man so sagen; allein verwunderlich erscheint es nicht. Bis vor zehn Jahren war die Friedrichstadt ein heruntergekommenes Quartier mit viel schmutzigem Gewerbe, einer "speziellen Bevölkerungsstruktur" und entsprechend unterdurchschnittlichen Mieten.

    Die Friedrichstadt war schon immer durch eine ausgeprägte "Mischnutzung" geprägt; das wird in gewissen Formen auch so bleiben. Allerdings wird man wohl versuchen, die gewerblichen Teile und die Wohnanteile weiter zu trennen, was im Bereich zwischen Schäferstraße und Magdeburger Straße auch ganz gut zu klappen scheint. In anderen Bereichen - wie entlang der Löbtauer Str. - sieht es sicherlich weniger homogen aus; und andere Gegenden waren schon immer fast komplett gewerblich (der Hafen z.B.).

    Dass die Friedrichstadt großes Potenzial hat, höre ich seit über 20 Jahren, manchmal garniert mit Geraune, dass das "die neue Neustadt" würde. Materialisiert hat sich das bisher nicht; und auf Grund der Struktur halte ich das auch für unwahrscheinlich. Insofern kann man hier nur eingeschränkt darauf setzen, dass der Markt das schon irgendwie richtet; daraus wiederum würden sich dann für mich stärkere "lenkende Eingriffe" ergeben.


    Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die überaus maroden und schwer nutzbaren barocken Vorstadthäuser in der Friedrichstadt über viele Jahre verfallen sind und eine Rettung nicht mehr möglich war.

    "barocke Vorstadthäuser" machen dort nur einen kleinen (aber ohne Frage besonders schmerzlichen) Teil der Abgänge aus; hier fallen mir vor allem Friedrichstr. 25 und 23 ein. Auf der anderen Seite:


    Weißeritzstr. 6

    Weißeritzstr. 62 (die eigentliche "Oelmühle"

    Fröbelstr. 14

    Teile des Kühlhauses


    Das waren alles keine Barockbauten, sondern denkmalgeschützte Gründerzeitler (oder neuer), die zum Teil zu Wendezeiten und danach noch genutzt wurden.


    Ohne privaten Investor keine Sanierung. Hier kann man höchstens der Stadt zum Vorwurf machen, dass sie sich nicht ausreichend um die Notsicherung gekümmert hat. Dennoch hätte es immer noch einen privaten Investor gebraucht, der mit viel Herzbluc an die Sache geht. Einen solchen zu finden ist aber eben nicht so einfach, wie wir z.B. bei der ungleich günstiger gelegenen Behr'schen Villa im Regierungsviertel gesehen haben, deren Räume heute für 15,00 €/qm vermietet werden. Diese Preise soll man mal in der Friedrichstraße aufrufen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das alles so korrekt ist. Möglicherweise sind hier noch andere Faktoren dazugekommen (Profitmaximierung, Erbengemeinschaften, mangelnde Sensibilität usw.).

    Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das oben schon erwähnte Ensemble Schweriner Str./Roßthaler Str.; diese drei Gebäude hatten der Stadt gehört (!) und waren zum Abriss vorgesehen (trotz Denkmalstatus für zwei Gebäude); und es bedurfte erst einer "über Bande gespielten" Aktion von Thomas Löser (glaube ich), um das zu verhindern. Sanierung durch privat war ja augenscheinlich möglich und erfolgreich, womit sich schon etwas die Frage stellt, warum das der Stadt vorher selbst nicht möglich gewesen sein sollte. Insofern bin ich mir nicht sicher, dass man Mieten von 15 €/qm ansetzen muss, um so etwas kostendeckend hinzubekommen.

    Ähnliche Fälle finden sich auch außerhalb der Friedrichstadt, aber in unmittelbarer Nähe (ehemaliges Kraftwerksgelände/Ehrlichstr.).

    Natürlich ist es immer schwierig, privaten Investoren dort Vorschriften zu machen, aber wenn schon die Stadt selbst nicht mit gutem Beispiel vorangeht, ist es argumentativ natürlich schwierig.

  • Löbtauer Straße 25 - Fröbelstraße 5 - WiD Projekt

    Mittlerweile ist man im 4.OG angekommen.
    Oberhalb des 1.OGs ist ein Gesims ersichtlich. Vielleicht ist die vereinfachte Visualisierung garnicht mehr aktuell und es wurde noch einmal überarbeitet.

    ein kleiner Schnappschuss aus dem Auto

  • "ehemalige Oelmühle"


    Man konnte heute durch die Fenster in der Adlergasse einen Blick auf das Innere erhaschen. Die Innendecken sind massiv abgestützt; hier muss es also starke statische Probleme geben. Das Fundament für den abgebrochenen Teil ist auch bereits gegossen; ein Wiederaufbau in irgend einer Form ist also zu erwarten.

    Der Bauherr betreibt da schon einen erheblichen Aufwand, um die Reste zu retten...

  • Für Interessierte hier mal ein kleiner Artikel aus der heutigen Lokalpresse (MoPo) zum Baustart des "Lyra-Quartiers" in der Friedrichstadt zwischen Berliner und Schäferstraße.

  • Juhuuuuuuu! Auf DIESEN Lückenschluss warte ich aus persönlichen Gründen bereits seit 9 Jahren. Das ist eine tolle Nachricht, danke dem Überbringer!

  • Sanierung Haus A am Klinikum F.Stadt, Friedrichstrasse 39 - beginnt nun


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    Nach hinten an der Bräuergasse wurde Haus 10 (Haus X) mit Fördermitteln abgerissen. Draufsicht Vorzustand @ g.maps.

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    Bild: https://abload.de/img/p1370333yujbh.jpg


    Bonusblick Friedrichstrasse stadtwärts

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    alle fotos ich

  • Bremer Strasse 16, Hofgebäude - in Erstsanierung

    gemäß g.maps residiert hier die Firma 'Katzen auf Apfelbäumen' - sehr nett! :) rechts: das Vorderhaus zur Strasse

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    Abriss Altgewerbeareal Bremer Strasse 47 - eines der letzten Rumpelbudengelände alter Zeiten. Lage/Draufsicht Vorzustand g.maps. Lage TSP.

    (auch hier waren bemerkenswerte Firmen ansässig: der Sanddmann (Sandstrahlservice) oder die LampenRampe (Elektro-Outlet) ).

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    Hinten das ehem. Technische Rathaus zu LHD. Eigentlich bissel schade, daß letztlich alle Rumpelbuden verschwinden. Wo kaum noch welche sind, gibts auch keine Atmosphäre mehr bzw jene gewisse Abweichung von Normierung. Das Objekt hier konkret kannte ich allerdings bis dato nicht einmal, denke nur an den fürs F.Stadt-Gewerbegebiet absehbar vollendeten Neuerungsprozess aka Strukturwandel. :/

  • Weißeritzstraße 56 - ehem. Ölmühle an der Adlergasse - Prizeotel - update

    zuletzt Post 1494


    Es könnte bald mit der von außen auch sichtbaren Erdgeschosszone begonen werden um lamgsam einen Eindruck zu bekommen wie sich der Platz füllt.


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    Alle Bilder von mir.

  • Schäferstraße 38 - Institutsgasse 8 - WiD Projekt - update

    zuletzt Post 1469 (mit Baustellenbild)


    Hier ist man seit den letzten Bildern im November deutlich nach oben gewachsen und der Baukörper nimmt langsam seinen Platz ein.



    Alle Bilder von mir.