Projektthread Treptow-Köpenick

  • Sanierung S-Bahnhof Schöneweide

    Was die bevorstehende Sanierung des S-Bahnhofs Schöneweide wohl für die Gestaltung der Bahnsteige bedeutet? Meines Wissens stehen hier noch historische Überdachungen, die von gusseisernen Säulen getragen werden. Steht hier mal wieder tabula rasa bevor? Weiß jemand mehr über den Umgang mit dem historischen Erbe?

  • ^steht auch im Artikel - angeblich werden die Dächer saniert und die historische Gestaltung mit gusseisernen Stützen bleibt erhalten. Die Bahnhofshalle wird neu gebaut. Ob es tatsächlich so kommt bleibt abzuwarten. Bisher profiliert sich die Bahn in Berlin eher durch massive Vernichtung historischer Substanz und Errichtung unförmiger Betonburgen. Aber es scheint keinen zu interessieren.

  • Sanierung S-Bahnhof Schöneweide

    ^ Doch, es interessiert viele Menschen. Und daher kann man deiner Äußerung auch nicht zustimmen. Nenn doch mal Beispiele für deine "unförmigen Betonburgen". Und komm bitte nicht mit Neubauten wie Springpfuhl oder Wuhletal.


    Beispiele für Modernisierungen unter Erhalt historischer Substanz gibt es hingegen viele: Diverse Stadtbahnhöfe, Grunewald, Wannsee, Nöldnerplatz, Westkreuz, Frohnau, Waidmannslust, Nikolassee, selbst am Baumschulenweg hat man z. B. die Jugendstilfassaden mühsam erhalten ... auch dir fallen sicher noch viele weitere ein.


    Gerade in Berlin wird bei der Modernisierung und Sanierung von Bahnhöfen noch relativ viel an alter Substanz erhalten / integriert, soweit es (betriebs)technisch sinnvoll und finanziell machbar ist. Da wird in anderen Städten viel mehr Tabularasa gemacht.


    Insofern sehe ich der Sanierung des S-Bahnhofs Schöneweide recht hoffnungsvoll entgegen, auch wenn hier nicht alles erhalten werden kann - so werden z. B. Aufzüge kommen. :)


    Das Thema hatten wir übrigens im Ostkreuz-Thread schon genügend diskutiert.

  • ^ Doch, es interessiert viele Menschen. Und daher kann man deiner Äußerung auch nicht zustimmen. Nenn doch mal Beispiele für deine "unförmigen Betonburgen". Und komm bitte nicht mit Neubauten wie Springpfuhl oder Wuhletal.


    Ostkreuz. Karlshorst. Papestraße. Adlershof. Bahnbrücken Schlichtallee, Karlshorster Straße, Stadthausstraße, Stralau u.a. Irgendwann reißt man auch das Stadtbahn-Viadukt ab, da bin ich sehr zuversichtlich.


    Dass es woanders noch mehr Kahlschlag betrieben werden darf ist ja nun wahrlich kein Argument es hier ebenfalls zu tun.

  • Ich sehe es auch etwas anders als tel33. gerade in Berlin hat die Bahn doch viel Überdurchschnittliches gebaut. HBF,Südkreuz usw..Bei den Sanierungen ist man recht behutsam vorgegangen.Schau Dir doch mal Sanierungen auf dem platten Land an oder Umbaumaßnahmen wie in Essen z.B. Selbst Düsseldorf wirkt eher uninspiriert.Es muss auch nicht jede Säule erhalten bleiben.Bahnhöfe sind keine Museen.

  • Bahnhöfe sind keine Museen.


    Die Bahnhöfe und Verkehrswege sind ebenso wie die Industrieanlagen aber ein wichtiges, wenn nicht gar das bedeutendste Zeitzeugnis für die Geschichte der Großstadt Berlin. Die Blütezeit dieser Stadt war nun mal das Industriezeitalter mit all seinen Begleiterscheinungen. Nicht alle davon waren schön anzusehen - in vielen Fällen aber stadtbildprägend und damit auch unbedingt schützenswert.

  • Alte Substanz im Berliner Bahnnetz

    Tatsächlich wird viel erhalten, wenn auch m.E. nicht genug. Die überkragende Betontrasse auf dem Stadtbahnviadukt wurde z.B. oft kritisiert, war aber wohl ein genialer Wurf um den alten Körper und den modernen Anspruch an eine elektrifizierte Trasse zu verbinden.
    Die Wanseebahn wurde sehr schön saniert und modernisiert, aber der Einbau des Bahnhofs Julius-Leber-Brücke ist ästhetisch mangelhaft ausgeführt. Den hätte man ruhig etwas aufwerten können. Ich sehe den Nachteil sowieso eher bei billigen Neubaulösungen wie z.B. der neuen Halle am Gesundbrunnen, da gab es ja mal einen viel besseren und mutigeren Entwurf; natürlich auch bei der schrecklichen Verkürzung des Daches am HBF.
    Beim Wiederaufbau des Ringes wurde ebenfalls viel erhalten. Da stören eher angrenzende Verkehrsbauten wie der Stadtring und natürlich die ewigen Graffitis. Nur bei den neuen Fernbahnhöfen wurde notwendigerweise viel vernichtet.
    So gibt es positive und negative Beispiele, aber einen Kahlschlag sehe ich zum Glück nicht.

  • Der Bahnhof Julius-Leber-Brücke wurde kurz nach seiner Eröffnung von Vandalen in seine Bestandteile zerlegt. Mich wundert es nicht, wenn angesichts solcher Geringschätzung öffentlichen Eigentums der Bauherr hier nur auf Sparflamme schaltet, solange sich in der Gesellschaft nicht Gravierendes verändert.

  • Bahnhof Julius-Leber-Brücke

    Ich sehe das Problem eher darin, dass die Bahn den Vandalismus aufgrund der Sparflamme auch zum Teil selbst verschuldet. Die kalte, fast schon brutalistische Betonburg S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke lädt ja geradezu dazu ein, sich mit Graffiti usw. auszutoben...

  • S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke

    ^Das ist eine Argumentation wie in Indien: die Frauen sind an der Vergewaltigung selbst schuld, wenn sie aufreizend die Straße queren.


    Aber mal im Ernst, das ist der Bahnhof (wohl 2008):


    Bildeinbindung gelöscht. Da kommt's her.
    Bato

  • Gibt es dazu eigentlich irgendwo mal reale Beispiele? Diese 'Kunstdrucke' kann man ja kaum als Visualisierung durchgehen lassen und in der Realität sieht das Ganze sicher deutlich anders aus...

  • In besagter Doku, die leider nicht mehr aufzufinden ist,war auch nur zum Teil die Rede von herausgenommenen Seitenelementen. Der Großteil des Amsterdamer Projektes besteht aus Einzelcontainern. In der Doku kam meiner Meinung nach auch heraus, dass der Platz zwar begrenzt ist, durch intelligente Wohnkonzepte jedoch gut genutzt wird. Auch muss man hinzufügen, dass die Containerwohnungen ja Wohnungen auf Zeit sind und zudem, zumidest für Amsterdam recht günstigen Wohnraum darstellen. Ich denke, dass in Zeiten von Bachelor und Master häufig Wohnungen für eher kurze Zeit gesucht werden und denke, dass solche innovativen Wohnkonzepte eine recht gute Ergänzung zum sonst klassischen Wohnungs/WG/Studentenwohnheim/etc. - Markt bilden können.

  • Bereits vor einigen Tagen hat sich auch der Tagesspiegel mit dieser Form des studentischen Wohnens beschäftigt - der Artikel fasst das hierzu schon Geschriebene nochmal ganz gut zusammen. Die Idee, Studierende platz- und kostensparend in ausgebauten Frachtcontainern unterzubringen, stammt demnach tatsächlich aus den Niederlanden, wo es bereits mehrere solcher Containerdörfer gibt. Diese seien allerdings ganz besonders kostenoptimiert gebaut worden, für Berlin stellt der Investor hingegen eine attraktivere Optik, z.B. durch begrünte Fassaden, in Aussicht.