Kulturforum

  • Ich halte es für zu konservativ, hier Architektur zu schaffen, die sich unterordnet bzw einfügt.

    Man erzeugt dadurch einen musealen Status Quo der bestehenden Architekturlandschaft und verbaut sich damit einer zukunftsgerichteten Entwicklung bzw verhindert man, dass andere große Architektur enstehen kann, da man indirekt sagt: neben Mies und Scharoun schafft es ohnehin niemand etwas geniales zu bauen.

    Ich halte diese Vergötterung für falsch. Und Stockkonservativ. Mit dieser Ausrichtung entsteht gezwungenermaßen Langeweile und Mittelmaß.

  • ^ Es geht nicht um Vergötterung der Bestandsbauten, sondern um die fehlende Ensemblewirkung. Der Fehler bei der Konzeption des Kulturforums war es, dass große Architekten für hervorragende Gebäude engagiert wurden, ohne dass man auf einen Zusammenhang zwischen diesen Gebäuden wertgelegt hätte. Das Ergebnis ist kein Forum im eigentlichen Sinne, sondern ein Sammelsurium schicker, aber nur auf sich selbst bezogener Solitäre.

    Wer jetzt zwischen diesen Solitären unbedingt einen weiteren "genialen" Entwurf haben will und alles andere für "stockkonservative Langeweile" hält - der sitzt einem in diesem Forum beliebten Irrtum auf und ignoriert den Unterschied zwischen Architektur und Städtebau. Meines Erachtens braucht es an dieser Stelle ein hochwertiges, elegantes Museum, dessen Wirkung aber nicht nur auf sich selbst bezogen ist, sondern auf das Forum.

    Und ja, das heißt, es muss sich einfügen: damit dieser Ort beginnt, als Stadt zu funktionieren und nicht nur als Freiluftschau künstlerisch wertvoller Klötze, an denen man nur stehen bleibt, wenn man hinein muss. Doch nein, damit meine ich nicht den kursierenden Absolventen-Entwurf. Der ist (zumindest auf den Visus) in der Tat eher Kreissparkasse denn Kunstmuseum. Ein bisschen mehr Eigensinn darf es dann schon sein...

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    Doch, es geht um "Vergötterung" (um es mal polemisch zu formulieren). Die öffentliche Diskussion um diesen Bau dreht sich darum, dass er sich nicht aufdrängen darf.

    Ürigens: welche Ensemblewirkung möchtest du an dieser Stelle konservieren bzw schaffen? (Mir ist nicht mal klar ob du etwas konservieren oder schaffen willst)

  • Ich gebe Architektenkind generell recht. Allerdings glaube ich, dass gerade eine Kunsthalle an dieser Stelle kaum vermitteln kann, zwischen den bisherigen Bauten. Liegt es nicht in der Natur eines Museums der Moderne (auf die Kunst bezogen), aufzufallen? Städtebau im engsten Sinn wird mit einem Kunstmuseum an dieser Stelle kaum möglich sein... Es wird an dieser Stelle kein lebendiges Viertel entstehen. Muss es aber meiner Meinung nach auch überhaupt nicht... Und in diesem Fall hätte ich tatsächlich nichts gegen ein Blicke-auf-sich-ziehendes, spektakuläres Museum. Das Forum besteht bisher nur aus (mehr oder weniger auffallenden und attraktiven) Solitären. Warum nicht noch einen weiteren hinzufügen und an den Rändern dann für "vernünftigen" Städtebau sorgen. Gerade im Bereich Stauffenbergstraße, Potsdamer Straße und Tiergartenstraße kann die Stadt an das Forum heranwachsen und sich unter-/ einordnen. Für das Museum würde ich gern etwas wagen...

    Die gezeigten Entwürfe gefallen mir im Übrigen recht gut. Allerdings finde ich den Bau an dieser Stelle nicht angebracht. Vor allem die geringe Höhe missfällt mir hier.

  • Ich denke, man könnte eine Ensemble-Wirkung im Kulturforum noch halbwegs hinbekommen, wenn man die freien Flächen komplett bebaut, also die weitere Bebauung tatsächlich am Grundriss des Stadtplanes orientiert.

    Die Bebauung mit Solitären schließt nicht unbedingt aus, dass es eine ganzheitliche Wirkung geben kann. Das kann man sehr schön an der Neuen Nationalgalerie erkennen. Das Gebäude der Neuen Nationalgalerie ist die eine Sache. Die Positionierung im Grundstück die andere. Bei der Nationalgalerie hat man das Gebäude auf denkbar ungünstige Weise im Grundstück platziert. Die Nationalgalerie ist umgeben von diesen übrig gebliebenen Grünstreifen, die nach der Füllung der Fläche noch übrig geblieben sind. Das sieht aus, wie wenn beim Einsatz von Geschenkpapier nach dem Einpacken eines Geschenkes noch mittelgroße Reststücke des Geschenkpapiers übrig geblieben sind, für die man keine Verwendung hat. :-)) Eine Lösung wäre die Art und Weise, wie man es bei der Gemäldegalerie umgesetzt hat. Da hat man den vorhandenen Bestand (Kupferstichkabinett usw.) in den 90er Jahren um den Neubau der Gemäldegalerie erweitert. Und zwar unter Berücksichtigung der Blockkante. Das hat dem ganzen Ensemble gut getan.

    Ein solche Lösung würde ich mir auch für den aktuellen Fall wünschen. Dabei darf die Architektur gerne spektakulär, auffällig und unorthodox sein. Aber es sollte eben das ganze Grundstück bebaut werden. Nun könnte man natürlich die allgemeine Kritik bringen, daß bei einer Bebauung des ganzen Grundstücks auch die vorhandene Ecken und Winkel des Stadtplanes berücksichtigt werden müssen. Die Folge einer solchen Bebauung sind oftmals verwinkelte Gebäudekomplexe. Aber gerade hier würde ich mir das Vorhandensein eines solchen verwinkelten Gebäudes wünschen. Der Bau sollte den Stadtplan aufnehmen, aber gleichzeitig auch einen spektakulären Hingucker darstellen. Das Ergebnis wäre ein Gebäude, das dominant und integrativ zugleich ist. Dominant wegen seiner Architektur. Integrativ wegen seiner Orientierung am Stadtgrundriss.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich denke, man könnte eine Ensemble-Wirkung im Kulturforum noch halbwegs hinbekommen, wenn man die freien Flächen komplett bebaut, also die weitere Bebauung tatsächlich am Grundriss des Stadtplanes orientiert.... Aber es sollte eben das ganze Grundstück bebaut werden. Nun könnte man natürlich die allgemeine Kritik bringen, daß bei einer Bebauung des ganzen Grundstücks auch die vorhandene Ecken und Winkel des Stadtplanes berücksichtigt werden müssen. ....

    Aber dann ist es kein Forum mehr. Ein Forum ist qua Definition eine freie Fläche.
    Und soweit ich sehe, will hier niemand (gottseidank) diese Fläche auf Basis eines nicht vorhandenen Stadtgrundrisses bebauen. Und erst recht nicht in Traufhöhe. Die Gemäldegalerie die Du als gelungenes Beispiel anführst ist der absolute Gau an diesem Ort. Eine feindliche, abweisende Trutzburg mit ZickZackprofilen. Kein Mensch vermutet, dass sie in ihrem Innern so ganz anders und freundlich gestaltet ist.
    In dem Braunfels-Entwurf für das Forum sieht man einen guten Griff. er verbindet die Solitäre mit einem Kollonaden-Gang, verbirgt sie teils dahinter und stärkt so die Idee des Forums als einem zentralen Platz an dem die Gebäude angesiedelt sind.

    Braunfels-Entwurf:

    http://www.tagesspiegel.de/images/kulturf…/3-format43.jpg

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    Camondo, von Traufhöhe habe ich nicht gesprochen. Ich weiß, daß die Idee eines Gehry Baus bereits 100 mal genannt wurde und abgedroschen ist. Aber mir würde hier Architektur a la Gehry gut gefallen. Es darf ruhig ein spektakulärer Bau sein wie das Guggenheim in Bilbao, das auf Traufhöhe keine Rücksicht nimmt.

    Zum Thema Forum:
    Einverstanden! Ein Forum ist eine freie Fläche. Aber die Gesamtanlage eines Forums fügt sich dennoch in die Stadt ein. So ist das Forum Romanum in Rom ein gelungenes Forum. Das Berliner Kulturforum besteht leider aus diesen zusammengewürfelten (Frei-)Flächen. Das passt einfach gar nix!

    Den Braunfels-Entwurf kenne ich noch gar nicht. Hast du vielleicht einen Link, um sich den Entwurf anzugucken?

  • Ich würde gar nicht so viele Einschränkungen formulierten. Wir brauchen einfach nur einen genialen Entwurf, egal ob er sich einordnet oder auftrumpft, einen Blockrand bildet oder einen Turm. Er muss einfach genial und überzeugend sein.

    Ich persönlich bin eher gegen etwas flaches, was sich eingräbt. Vermutlich wird es aber genau so kommen. Naja, Hauptsache ein Geniestreich!

  • Mir kommt es manchmal auch einer Vergötterung gleich wie über die einzelnen Bauwerke gesprochen wird. Warum gelten manche als Ikonen der Baugeschichte. Also bei Kammermusiksaal und der Philharmonie sowie der Neuen Nationalgalerie kann ich ja noch mitgehen. Aber der Rest... Also was man an der Staatsbibliothek findet oder der Gemäldergalerie ist mir schleierhaft. Um das Kulturforum zu retten, kann man nicht nur über Freiflächen reden sondern man muss auch über Bestandsbauten reden wie ich finde. und gucken was man da verändern kann.

    Vorschläge ohne Kostenaspekt:
    Warum setzt man auf die Gemäldegalerie nicht ein interessantes dach drauf, bei der Staatsbibliothek fänd ich einen Teilabriss oder zumindest radikalumbau zumindes andenkenswert um die Fußwege vom Potsdamerplatz neu zu arrangieren und das Musikinstrumentemuseum oder auch das Kunstgewerbemuseum würde ich durch Neubauten ersetzen. Diese Gebäude haben für mich keinen Erhaltungswert. Vielleicht verkenne ich da was architekturgeschichtliches, aber mein Ästhetikgefühl findet diese Gebäude häßlich.
    Dazu ein neues Grünflächenkonzept sowie gastronomische Einrichtungen für Tag und Abend. und dann natürlich ein umfangreiches Verkehrskonzept mit Ubahn und Straßenbahn, verkleinerte Straßen und Parkhäusern unter der Erde. Kurzum ein Masterplan muss her wie bei der Museumsinsel. Meinetwegen auch mit einem Zeithorizont von 20 Jahren. Aber mal einen Plan, ein Konzept wäre schön. Dazu braucht es ntürlich Geld. Viel Geld um das Kulturforum irgendwie noch einmal zu retten. Mit 500 Mio ist es sicherlich nicht getan. Wenn man mal die Verkehrsnummer rausnimmt, die aus anderen Töpfen kommen muss, braucht es sicherlich das doppelte. Wenn die Mitte und das Europaviertel fertig sind, wäre das Kulturforum zusammen mit dem Alexanderplatz und dem Gebiet hinterm Bahnhofzoo, das Gebiet, was es in der Innenstadt am meisten nötig hätte.

  • Dein Einwurf, die Unterschiede im Bestand zur Kenntnis zu nehmen, ist berechtigt. Allerdings kenne ich auch niemanden, der die Gemäldegalerie von H&S oder das Kunstgewerbemuseum als Architekturikonen idealisiert. Im Grunde gibt es drei herausragende Solitäre westlich der Potsdamer Straße: die Neue Nationalgalerie, die Mathäikirche und die Philharmonie. Die Stabi gegenüber ist aus heutiger Sicht kaum mehr verständlich, wie sie von Scharoun über die Potsdamer Str gebaut worden ist - die Autobahn, die dahinter gebaut werden sollte, ist ja lange vergessen. Das Innere ist allerdings noch immer ein tolles Raumgefüge, das aus meinen Augen kaum zur Disposition stehen kann.
    Piano hatte seinerzeit über eine Art Passage durchs Erdgeschoss nachgedacht, um das debis-Quartier durch das Gebäude hindurch mit dem Kulturforum zu verbinden, aber das scheiterte damals an der Bibliotheksleitung. Nun ist allerdings die Bibliothek recht weit von der Neuen Potsdamer zurückgesetzt: Sollte diese überbreite Trasse schmaler gestaltet werden können, wäre vor der Bibliothek vielleicht Platz für eine der Straßenflucht folgende Geschäftshausbebauung, die einerseits dem offenen Raum auf der Westseite Halt geben und andererseits etwas mehr Lebendigkeit auch für den Fußgänger erzeugen könnte. Auf der Ostseite hat Piano der Bibliothek mit dem Musical-Theater ja bereits einen Anbau gegeben, mit einer Umbauung auch auf den anderen Seiten bliebe der Innenraum erhalten, ohne dass das Äußere zerstört werden müsste, ohne dass dieses aber auch weiterhin so verloren an der Neuen Potsdamer herum stünde.

    Einmal editiert, zuletzt von ulgemax (14. Januar 2016 um 21:59)

  • Wenn dies das Besten-Destillat aus 460 Entwürfen sein soll hat die zeitgenössische Architektenschaft größere Probleme als ich dachte.

    Alle diese Vorschläge verblassen gegen die große Geste von Scharoun und den Minimalismus von Mies.

    Grobe Klötze war meine erste Assoziation. Interessant finde ich allenfalls Chiffre 1281. Die Kleinteiligkeit könnte in die Richtung "Museen im Museum" gehen, ein kleines Museumsdorf voller Ein- und Aussichten und Wechselbeziehungen, statt einem Nutzflächenmonolith, wie ihn die Konkurrenz vorsieht (von den nahezu reinen Untergrundbauwerken gar nicht zu sprechen - ein Neubau an dieser Stelle muss das Areal abrunden, fassen, dem Eindruck einer tristen Brache entgegenwirken, das geht nur mit mehr Hochbau und/oder Kleinteiligkeit).

    Mein "Favorit" 1281 sieht zudem einzelne, innere Gärten und Atrien vor.

    Das macht das Museum deutlich lebendiger als eine reine Kellergruft mit Kunstlicht und könnte im Sommer sehr reizvolle Zusatznutzungen erlauben. Ein kleines Konzert im Innenhof, evtl. gar Nutzungen die Frequenz über Museumsbesucher hinaus bringt und diese tote Ecke der City belebt, das wäre kongenial.

    Und wohl nicht ganz zufällig. Es drängt sich auf die Kirche direkt daneben nicht zu ignorieren. Das Areal auf Grundelemente einer vitalen, typischen "Altstadt neben dem Kirchturm" heruntergebrochen ist ja ähnlich diesem Entwurf. Es stünde der Moderne gut zu Gesicht sich mit früheren Bau- und Kulturepochen zu versöhnen, statt immer nur Kontrapunkte zu setzen. Die pittoreske St.-Matthäus-Kirche ist in jedem fundierten Entwurf zu berücksichtigen und einzubeziehen. Dieser Entwurf gibt der Kirche wieder urbane Eingefasstheit zurück. Zumindest von der Potsdamer Straße kommend.

    Die anderen Entwürfe gehen über die St.-Matthäus-Kirche genauso blind hinweg, wie einst die Planer die Marienkirche in Mitte ignorierten und bezugslos umplanten. Das ist ein sehr kreativer Entwurf, hoffentlich nicht zu kreativ. Preisgerichte neigen zu Banalität a lá kleinster gemeinsamer Nenner.

    4 Mal editiert, zuletzt von Pumpernickel (12. Februar 2016 um 16:13)

  • Nee, sorry, Flachbauten? Lange Kisten, flache Kisten. Ein kleines Kulturforum im Kulturforum, Leere in die Leere gestellt? Da ist ja nicht einer dabei, der ein wenig Volumen aufbringt. Alles wirkt so wie in eine zu große Form gegossen. Ich will nichts davon haben, ich möchte einen großen, selbstbewussten, raumgreifenden Bau, keine überdimensionierte KiTa.

  • Es ist sicherlich Geschmackssache, aber mir ist der Entwurf 1281 zu unruhig. Die vielen verschiedenen Ebenen und Einzelbauten werden auch ein Problem bezüglich der Barrierefreiheit darstellen und sind vermutlich auch problematisch in der dauerhaften Unterhaltung.

    Atrien, die auch im Innern des Gebäudes zur Belichtung dienen, sind aber keine schlechte Idee.

    Der Entwurf 1006 bei dieser "Baumassestudie" schottet mit einem Riegel einen großen Platz von der Potsdamer Straße ab. So wird der Lärm und vielleicht auch Wind abgehalten, man behält aber den Platz als Forum und es wird nicht wie bei manch anderem Entwurf zugestellt. Allerdings bräuchte dieser Block ja nicht so monolithisch ausfallen. Man könnte ihn auflockern, wie etwa beim Entwurf 1358. Bei diesem Entwurf bildet mit der Nationalgalerie und Philharmonie zwar eine Art Fluchtlinie, aber diese wird in der Realität vermutlich kaum wahrnehmbar sein. Dann lieber besser an die Straße ranrücken damit der Platz dahinter besser nutzbar bleibt.

  • Aber nutzbar wofür, von wem? Das ist dann doch eine genauso abweisende Wüstung wie die Freiflächen rund um den Bau von Mies jetzt schon. Da hastet man drüber - und auch nur wenn man in das Gebäude will. Ein Riegel wird auch keine Raumqualität erzeugen.

    Dann bleibt die Ecke tot und wüst.

  • Wahrscheinlich ist das Raumprogramm, und damit die Flächen des Gebäudes des Wettbewebs zu klein, um das Grundstück städtebaulich sinnvoll auszufüllen.

    Aber mir gefällt, was so ein wenig nach FU-Rostlaube aussieht. Das erinnert auch ein wenig an Scharouns Gästehaus.

    Einmal editiert, zuletzt von Tomov (12. Februar 2016 um 17:16)

  • Wenn ich die Ergebnisse sehe, könnte ich heulen!

    Es fehlt nicht nur die raumgreifende Baumasse. Es fehlen runde Formen. Es scheint, als ob Architektur heutzutage nur noch aus rechten Winkeln besteht.

    Zu konventionell, zu banal, zu langweilig. Ein Armutszeugnis.

  • Bedenkt was für ein riesiges Gelände das ist und wie wenig die Draufsicht beim Modell mit der Passantenansicht zu tun hat.

    Wenn mich Fantasie und die dargestellten Details nicht ganz täuschen, dann stelle ich mir meinen Favorit als eine Mischung aus Einzelbestandteilen vor - bei klassischeren Museen mit symmetrischem Aufbau würde man von "Flügeln" sprechen - die alle ihre ganz eigenen Qualitäten haben und alle für sich schon für Räumlichkeiten kleinerer Sammlungen taugen würden. Und hier sind diese geballt aneinander, mit Atrien und Grün aufgelockert und an die verschiedenen Licht- und Raumsituationen der einzelnen - ich nenne es nun doch einmal so - "Flügel" - kann man dann die darin gezeigten Werke anpassen.

    Die Moderne ist ja äußerst vielseitig und es war mir schon immer ein Dorn im Auge, dass Museen für Kunst des 20. Jh. so uniforme Gebilde sind. Das kannst du bei Kunstepochen machen, die sehr homogen waren, wie zB der Barock. Aber nicht bei der anything goes Moderne des 20. Jh. Auch von diesem Gedanke ausgehend ein kongenialer Entwurf. Einzelne Stilrichtungen kann man zu Untersammlungen zusammen fassen und im entsprechen Flügel bestmöglich präsentieren. Das eine kommt besonders gut mit Kunstlichtstrahlern zur Geltung, das andere wirkt spitze, wenn du nur Oberlichter an den Rändern des Raumes hast, von denen aus die vom Tageslicht angeleuchteten Werke sozusagen in den Raum hinein reflektieren, hinein leuchten,... usw. Diese Vielfalt scheint dieser Entwurf zu ermöglichen. So ein Gebäude wünscht man sich als Museenbesucher.

    Und ich sehe das ganze natürlich hier v. a. mit dem Auge eines passionierten Museenbesuchers und weniger (nur) mit dem Auge eines Architekturinteressierten, der spektakuläre Stadtlandschaften mag, aber eigentlich nie einen Fuß in Sammlungen setzt.

    Zugegeben, aus dieser Warte mögen große Monolithe mehr überzeugen. A lá wie sieht es aus, wenn ich daran vorbei fahre und mal schnell rechts aus dem Auto oder dem Bus blicke. Da lässt sich die Kleinteiligkeit des Äußeren - schon gar nicht die damit eröffneten Chancen eines kleinteiligen Inneren, mit immer neuen, überraschenden, Raumsituationen - nicht wertschätzen.

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    ich sehe weder Vielseitigkeit, noch Vielfalt. Ich erkenne nur rechte Winkel.

    Ich schlage vor, hier einen Aldi oder Lidl-Supermarkt hinzusetzen. Das wäre zumindest keine Verschlechterung zu den gezeigten Entwürfen.