Stadtschloss Berlin: Der Thread für den Wiederaufbau

  • Jetzt hat sich auch der Feuilletonchef der Berliner Zeitung zu Wort gemeldet. Unter der Überschrift "Viel Beton und kein Konzept" beklagt sich der Journalist darüber, dass es an der Baustelle der Schloß-Reko zu schnell voranginge, der Beton gieße sich zu schnell. Er spannt dabei den weiten Bogen von der Ostflügel-Diskussion über die Spendensituation bis hin zur Suche nach einem Intendanten für das Humboldtforum:

    http://www.berliner-zeitung.de/stadtschloss/k…8,28195920.html

  • Ziemlicher Stuss den der Mann da schreibt. Bei einer fortlaufenden Finanzierung der Fassaden über Spendensammlungen, ist die Finanzierung natürlich "nicht gesichert", liegt in der Natur der Sache. Das wusste man vorher auch. Nur spenden die Leute wie sich wiedermal bestätigt eher und mehr, wenn sie sehen, dass wirklich was passiert. Man hätte auch sagen können, wir starten erst mit dem Bau wenn die 80 Millionen drin sind. Aber dann würden wir 2020 noch auf der Wiese hocken.
    Dass seiner Ansicht nach bisher kein "Nachdenken über den Ostflügel" stattgefunden hat, lässt mich auch vermuten, dass der Gute die letzten Jahre in einem Erdloch zugebracht hat. Dieser Absatz trägt aber zumindest zur Erklärung bei, warum die BZ die Braunfels'sche Kampagne gegen alle Logik tatkräftig unterstützt hat.

  • Mit ihrem fortwährenden Gegeifer gegen alles was mit diesem Projekt zusammenhängt disqualifiziert sich die Berliner Zeitung immer mehr als ernsthaftes, objektiv berichtendes Medium.

  • Das ist alles nur noch peinlich, was die "Schlossgegner" vor zu bringen haben.

    Erstens ist es ja (leider) nur die Schloss-Fassade, der Inhalt ist ein beliebiger Museumsbau,
    zweitens liegt der Spendenstand in dem zu erwartenden Rahmen,
    drittens wird diese Fassade auch dann fertig gestellt werden, wenn der Spendenstand selbst bei
    Eröffnung des Humboldtforums noch nicht die 100 % erreicht hat, denn
    viertens wird entweder der Bund dann einspringen oder
    fünftens wird danach sukzessive der Rest enstsprechend der Spendeneingänge noch ergänzt.

    Ich persönlich habe aber keine Zweifel, dass selbst die halbfertige Fassade bereits so animierend
    aussieht, dass es die Spendenbereitschaft steigern wird.

    Das Einzige, was mich wirklich enttäuscht, ist, dass die Berliner so wenig Begeisterung für dieses beeindruckende,
    nationale Bauvorhaben verdeutlichen.
    Aber es liegt wohl tatsächlich daran, dass Berlin kein dominantes qualifiziertes Bürgertum mehr aufzuweisen hat.
    Schade drum... :cool:

    Einmal editiert, zuletzt von ReinhardR (24. August 2014 um 20:51)

  • Das Berliner Schloß/Humboldtforum wird städtebaulich ein Erfolg werden - da wird auch die kampagnenartige Nörgelei und Sabotage der Berliner Zeitungs nicht ausrichten. Mit dem Tag der Eröffnung wird das Blatt das Gegenteil behaupten, weil es bessere Verkaufszahlen verspricht. sic transit glora mundi.

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    Das Einzige, was mich wirklich enttäuscht, ist, dass die Berliner so wenig Begeisterung für dieses beeindruckende,
    nationale Bauvorhaben verdeutlichen.

    Nun übertreib mal nicht, es ist, wie du selber sagst erstmal nur ein "beliebiger Museumsbau", mit dem Schloss als solches werden die wenigsten eine Verbindung haben, geschweige denn ihm eine nationale Bedeutung beimessen (gerade die hat das Humboldforum ja eben nicht, weil es nun mal kein Schloss ist und Deutschland keine Monarchie). Der Wiederaufbau der Frauenkirche hatte da mehr Symbolcharakter, hier gab es eine gewisse emotionale Bindung, da haben sich Kriegsgegner versöhnt und gemeinsam das zerstörte wiederaufgebaut.
    Beim Schloss wurden vor einem halben Jahrhundert die Reste der Monarchie abgeräumt, das tat zwar ästhetisch weh, ist heute aber längst vergessen.

    Die Verlängerung der U5 dürfte weitaus mehr Begeisterung auslösen, einfach da sie näher an der Lebenswirklichkeit der Menschen ist.

    Versteh mich nicht falsch, ich freue mich auch wenn das 'Schloss' fertig wird, einfach weil es dort gut aussieht. Das 'Schloss' als solches ist nur Fassade, Dekoration - das macht es nicht schlecht, das trifft auf die meisten Gebäude zu. Aber das ist es dann auch schon, ein Gebäude, es ist kein Symbol.

  • Du bestätigst genau das, was ich beklage:
    Den Berlinern ist eine U-Bahn wichtiger als die Wiederkehr der historischen Schloss-Fassade.

    Soetwas ist bei den Polen mit ihrem völlig getilgten Warschauer Königsschloss ganz anders gewesen. Die haben trotz Kommunismus und Mangelwirtschaft so lange gespendet, bis es wieder im alten Glanz an Ort und Stelle stand.
    Oder Die Spanier mit ihrem völlig zerstörten Alcasar in Toledo. Der wurde aus einem Trümmerhaufen so aufgabaut, dass heute keiner mehr auf die Idee kommt, er wäre zwischenzeitlich weg gewesen.
    Das Gleiche gilt übrigens für das Kloster Monte Cassino in Italien.

    Nur die Berliner, die wollen zuerst ihre Straßenbahn zurück und vielleicht auch die U-5... :nono:

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    Nur die Berliner, die wollen zuerst ihre Straßenbahn zurück und vielleicht auch die U-5... :nono:


    Ich bezweifel, dass sie überhaupt das wollen. Um etwas 'zurück haben' zu wollen, muss man sich ja zunächst mal mit der Geschichte dieses Ortes identifizieren und daran scheitert es wohl in aller Regel bereits. Berlin unterliegt einem permanenten demographischen Wandel, nur noch ein Viertel der Bewohner ist auch hier geboren, Tendenz fallend. Entsprechend leider auch die Haltung zur Geschichte dieser Stadt - man will garnichts davon wissen, es interessiert einfach nicht.

  • ^Das ist Gerede und kein "ur-berliner Wesenszug". Dieses ständige Scheffler-Zitat aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts mag seinerzeit eine gewisse Berechtigung gehabt haben ist aber genauso an den Haaren herbeigezogen wie die These, dass Berlin schon durch die Gründung als Doppelstadt "polyzentrisch" gewesen sei.

    Dass sich "die Berliner" immer nur für die U-bahn oder Straßenbahn interessieren und nichts für die Schlossreko übrig haben ist die Perzeption der Zeitungen, aber nicht der Menschen. Genauso ist es stinknormal, dass an einer Furt beide Seiten mit Stadtstrukturen gesichert werden - so ist die vermeindliche "Doppelstadt" zustande gekommen.

  • Ich möchte an dieser Stelle, auch wenn es vom Thema etwas wegführt, darauf hinweisen, dass diese sogenannte "Polyzentrik" für Städte auf dem Gebiet des "deutschen Ostens" etwas geradezu Prototypisches ist. Das hängt natürlich mit der Historie der Landschaft zusammen. Wir haben hier mehrere Gründungsstrukturen wie slawische Dörfer u.o. Burgwälle, deutsche Burgen und Burgsiedlungen, Kaufmannssiedlungen (man denke hier an die Nikolaikirchen) und zu guter letzt den planmäßigen Stadtausbau ab ca. dem 12. Jhd. Häufig befinden sich diese Strukturen in direkter Nachbarschaft und überlagern sich über kurz oder lang (bspw. Dresden). In Breslau oder Posen ist selbst heute noch die deutsche Rechtsstadt von der slawischen klar zu unterscheiden. In Danzig hat der Name Rechtstadt gar als Bezeichnung überdauert und Altstadt, Kneiphof und Löbenicht schlossen sich erst 1724 auch rechtlich zu Königsberg zusammen. Berlin und Cölln reihen sich hier also wunderbar ein. Und was das Wachstum des 19. und 20. Jahrhunderts angeht, so finden wir es wohl in allen expandieren Großstädten der Zeit vor, dass sich auf und um überbaute Strukturen ehemaliger Dörfer Stadtteilzentren etablieren. Das ist in so einer vergleichsweise unmobilen Zeit völlig normal und keine Besonderheit Berlins.

    Einmal editiert, zuletzt von Saxonia (25. August 2014 um 19:11) aus folgendem Grund: R

  • Richtig. In diesem Sinne ist auch Potsdam "polyzentrisch": die Slawische Burg mit Vorstadt am Standort des heutigen Heiliggeiststiftes und der gemanische Siedlungskern um das Stadtschloß.

    Ein Vorläufer für die unterschiedlichen Oberzentren im Berliner Stadtgefüge ist daraus sicher nicht herauszulesen. Diese sind der Fusion zu Groß-Berlin 1920/22 geschuldet.

  • ^^
    Eine typische Diskussion für dieses Forum. Wenn man "normale" Berliner fragt ob die Stadt polyzentrisch sei würden sie wohl anfangen zu erklären, dass es sowohl im Westen um den Zoo als auch im Osten um Alexanderplatz, Friedrichstraße und Potsdamer Platz ein großes Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, Universität, Theater, Oper, Kino usw. gibt wie in den Zentren anderer Millionenstädte. Und es außerdem an der Schloßstraße, Wilmersdorfer Straße, Spandau usw. weitere Unterzentren gibt die etwa das Angebot einer Großstadt mit ~200.000 oder mehr Einwohnern bieten.

    Hier hingegen kommt ein Exkurs darüber wo vor 1000 Jahren schon mehr Häuser standen und wer das nicht wisse bzw. wen es nicht interessiere habe eh keine Ahnung von der Stadt usw.

  • Chandler: Ich verstehe nicht was Du eigentlich sagen willst. Keiner hat behauptet, dass der Rest Berlins aus heutiger Sicht unwichtig wäre oder dieses Areal bis heute das einzige Zentrum der Stadt sei (wobei die Menschen ja oft nach wie vor die Gegend um Fernsehturm, Rotes Rathaus, Brandenburger Tor, Reichstag & Co als das Hauptzentrum der Stadt betrachten und man immer noch schlicht von "Mitte" spricht, statt "Mitte 1", "Mitte 2" usw. zu haben). Es ging lediglich darum, dass ein bestimmter Teil Berlins eben eine besondere Rolle in der Entstehung der Stadt Berlin spielte. Diese Ursprünge wollen manche wieder nachvollziehbar(er) machen. Ob das in Berlin all die Leute auf der Straße interessiert oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Aber ich kenne auch außerhalb des Forums durchaus Leute bei denen das der Fall ist. Und Städte wie London, Rom oder Paris zeigen mE schon, dass auch die Ursprünge einer gewachsenen Millionenstadt viele Menschen faszinieren, nicht unbedingt nur Einkaufsmöglichkeiten, Theater oder Museen. Wobei man ja beim Humboldtforum gleichzeitig ein Stück Stadtgeschichte zurück- und eine moderne Kultureinrichtung dazubekommt. Und ja: Wer nichts über die Ursprünge Berlins weiß, hat diesbezüglich wohl "keine Ahnung" (Deine dem vermeintlichen Durchschnittsberliner in den Mund gelegte Darstellung vereinfacht eben die Frage gehörig). Da könnte die ein oder andere Reko vielleicht helfen ;) Heißt ja nicht, dass man gleich ganz Berlin damit vollbauen muss...

  • Naja, aus meiner Sicht spielst du die Geschichtsbesessenheit der Foristen zu sehr herunter. Die Bedeutung der weit zurück liegenden Vergangenheit wird hier weit über das normale Maß hinaus überhöht. Wobei es natürlich nicht ungewöhnlich ist, dass Menschen ihrem jeweiligen Steckenpferd viel mehr Bedeutung zumessen als die daran wenig interessierte Allgemeinheit.

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Hier hingegen kommt ein Exkurs darüber wo vor 1000 Jahren schon mehr Häuser standen und wer das nicht wisse bzw. wen es nicht interessiere habe eh keine Ahnung von der Stadt usw.

    Es wäre recht freundlich keine Wertungen zu unterstellen, die ich nicht getätigt habe. Ich habe lediglich, wie angekündigt, etwas weiter ausgeholt, um den meiner Ansicht nach existierenden Berliner Mythos einer besonders chaotischen Stadtentwicklung zu entkräften, der es auch heute noch verbiete, eine geordnete Städtebaupolitik zu betreiben oder Dinge zu ändern, die einfach nicht gut sind und auch nicht durch ein "dit is Berlin" gut werden.

  • Als wenn das schon "geschichtsbessen" ist sich einmal die Vergangenheit zu vergegenwärtigen... Aber es macht auch nichts, wenn Chandler klüger wird.

    Einmal editiert, zuletzt von Konstantin (25. August 2014 um 19:44)

  • Chandler: Ich glaube nicht, dass es weltfremd ist der Gegend um das Stadtschloss eine herausragende Bedeutung beizumessen. Sonst hätte die DDR sich dort nicht so ins Zeug gelegt und der Bundestag hätte wohl sonst auch nicht mit so einer großen Mehrheit für die Reko gestimmt. Ich bin davon abgesehen aber auch nicht dafür die ganzen alten Häuserraster inklusive Fassaden bis an den Fernsehturm wieder aufzubauen (vgl. entsprechender Thread). In vielen Fällen würde ich das Ganze ebenfalls etwas "pragmatischer" betrachten als manch ein Enthusiast (auch wenn ich hier den Enthusiasmus besser nachvollziehen kann, als wenn jemand leidenschaftlich dafür ist durchschnittliche Plattenbauten unter Denkmalschutz zu stellen).

    Bei so herausragenden Bauwerken wie Stadtschloss, Bauakademie & Co kann ich in einer Reko aber schon eine große Bereicherung des Stadtbilds (und zugleich eine zusätzliche Tourismusquelle) erkennen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die Menschen sich gerade durch solche auffälligen Bauwerke etwas mehr mit der Geschichte auseinandersetzen. So wie ich ja nicht gleich ein Auto-Nerd sein muss, um mir mal einen interessanten Oldtimer anzuschauen und so vielleicht etwas über das völlig andersartige Design und die Herstellung oder die damalige Kultur nachzudenken. Da zudem beim Stadtschloss die Fassadenreko allein von den Enthusiasten bezahlt wird (so wie ich den besagten Oldtimer ja auch nicht bezahlen muss), kann es mich doch selbst als weniger enthusiastischen Menschen freuen. Ebenso freue ich mich, wenn irgendwo ein ansprechendes modernes Bauwerk realisiert wird (oder um im Beispiel zu bleiben, wenn ein moderner Sportwagen oder ein E-Mobil durch die Straßen brummt bzw. surrt). Übrigens fahr ich nur extrem selten mal Auto und hab selbst gar keins. Mir ist nur grad kein anderes Beispiel eingefallen ;)