Stadtgespräch Berlin / dies und das

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    Dies heißt das Gebiet innerhalb des S-Bahnringes hat das Potenzial einer 4Mio. Stadt.

    Das ist Blödsinn. Es hat vielleicht das Potential einer 2,5-Millionenstadt. Zu seligen Zeiten gab es übrigens viele Schlafgänger, Überbelegungen und unzählige intakte Mietskasernen mit Hinterhöfen, die zu der hohen Zahl geführt haben.

    Man sollte kleinere Brötchen backen. Ich bin allerdings auch dafür, das Gebiet der Karl-Marx-Allee mit seinen Platten langfristig abzureißen und dort die alten Straßen und Proportionen wiederherzustellen. Das ist aber eine Aufgabe für zukünftige Generationen. Im Moment ist solch eine starke Wiederbelebung der eigentlichen Identität Berlins zu angstbesetzt und auch verständlich. Wir müssen uns da langsam herantasten, und es wird vermutlich mehrere Stufen und Wellen über die Jahrzehnte hinweg geben.

    Ich habe den Beitrag von ExCinere übrigens nicht als Ironie verstanden.

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    1. "im übrigen das größte seiner Art im innerstädtischen Bereich weltweit"
    Sagte ich. Ich kenne keine Großstadt, die 800m von ihrem Zentrum kleinstädtischer ist als Berlin. Selbst die Randbezirke von Castrop-Rauxel strahlen mehr Urbanität aus.


    Dann solltest du das Zentrum vielleicht nicht in Dahlem oder Köpenick verorten... Tatsache ist, die Bevölkerungsdichte innerhalb des S-Bahnrings ist höher als jene Inner Londons. Sie war mal noch viel höher und es gibt sicherlich noch reichlich Potenzial zu weiterer Verdichtung. Aber auch hier gilt: Das Angebot wird in erster Linie durch die Nachfrage bestimmt und momentan ist der Zustrom noch nicht so groß, dass sich großflächige Wohnsilos lohnen würden.

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    Tatsache ist, die Bevölkerungsdichte innerhalb des S-Bahnrings ist höher als jene Inner Londons.

    Diese steile These würde ich gern einmal belegt haben. Aber selbst, wenn das so wäre, ist doch die bauliche Dichte, also die GFZ, interessant, nicht nur die Bevölkerungszahl, die gemeldet ist.

    Hier weist das Berliner Stadtzentrum eine sehr lockere Bebauung auf.

  • tel33: Tut mir leid wenn ich da Berliner Komplexe berührt haben soll.
    Ich sprach vom Berlin Mitte und nicht Köpenick. Auch nicht dem Gesamtgebietes innerhalb des S-Bahnringes. Sondern konkret von dem Gebiet beiderseits der Karl-Marx-Allee oder auf "Westseite" den Bereich "Alexandrinenstr." in Kreuberg.
    Nur in Berlin denkt man sich 800m vom Fernsehturm entfernt "mmmh wenn ich hier im obersten Stock wohnen würde hätte ich ein super Blick über Gütersloh"

    Konstantin: vielen Dank für den Link. Sehr interessant.
    Spiegelt eigentlich mein Gedanken etwas wieder. Wobei ich etwas weiter gehen würde mit der Verdichtung. Auch wenn dies bedeuten würde 1-2 Platten zu opfern.
    Ich hoffe mein Vorschlag wird nicht wieder gelöscht :(

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    ^Das ist doch alles seit 2011 schon in konkrete Planungen gegossen.

    Ich halte nicht viel davon. Ich finde, man sollte die sozialistische Prägung in der Gegend eine Weile so belassen und irgendwann dann nach und nach einzelne Bereiche wieder in ihre historische Fassung bringen. Ich verstehe nicht, warum man den sozialistischen Schrott auf ewig legitimieren will. Er soll natürlich altern, und dann ist seine Zeit abgelaufen. Ich habe jedenfalls das sehr deutliche Gefühl, daß sie dieses Empfinden nach und nach einstellen wird in den künftigen Jahrzehnten.

    Diese Mondlandschaften dort werden mit jedem neuen Jahrzehnt als absurder empfunden werden und die alten Prägungen werden wieder ins Bewußtsein rücken. Es ist völlig legitim, erst mal darauf zu beharren, daß die sozialistische Prägung auch Heimat für ein paar Generationen darstellt. Das gilt aber nur für echte DDR-Menschen, die auch das gesellschaftliche Setting miterlebt haben, für das diese Plattenbauten stehen. ("Relativer Denkmalschutz")

    Sie wirken mit der Zeit einfach immer absurder. Ich finde, man sollte sich zu einer schrittweisen und behutsamen Reurbanisierung nach historischem Vorbild durchringen. Diese Plattenbauten passen einfach nicht mehr zu unserer Gesellschaft und unserem Verständnis von Stadt.

    Einmal editiert, zuletzt von Echter Berliner (23. September 2013 um 23:33)

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    Diese steile These würde ich gern einmal belegt haben.

    Inner London: 8663 Ew/km²
    Berliner S-Bahnring: 11150 Ew/km²

    Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/London_Bo…in_Inner_London
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umwelta…_text/ke606.doc

    Ja, es ist natürlich völlig unstrittig, dass das Gebiet der unmittelbaren Berliner Kernstadt aus bekannten Gründen sehr dünn besiedelt ist - nur ist dies objektiv betrachtet auch nur ein sehr kleines Areal. Der Kern Londons, also die City of London, ist im Übrigen auch ein Gebiet mit relativ geringer Bevölkerungsdichte. Aus anderen Gründen.

  • @Echter_Berliner

    Ich habe schon vor einiger Zeit mein Mißfallen über den Pariser Platz bekundet. Wenn etwas in die Hose gegangen ist, dann dieser Platz. Das beste Gebäude ist noch die französische Botschaft, der arme Gery tut mir leid, der gezwungen wurde diese Fassade zu bauen, die amerikanische Botschaft.. provinzieller geht's nicht mehr... die Banken.. nunja... Die Akademie... als solche nicht erkennbar. Und jetzt, darauf lauern sie ja...;-) das Adlon in den Proportionen völlig mißglückt nur des Profits wegen, an dieser prominenten Stelle. Unglaublich. Wenn ihnen so eine Melange vorschwebt für das Areal zwischen Fernsehturm und Schloss... dann kennen sie meine Antwort.
    Ansonsten, wo wenn nicht hier am Pariser Platz, werter echter berliner, wäre der Ort für eine Totalrekonstruktion gewesen?!

    2 Mal editiert, zuletzt von Camondo (20. Oktober 2013 um 23:53)

  • Tja, dass der PP der Ort für eine Totalreko gewesen wäre, da wird dir wohl keiner widersprechen. Chance vertan....Aber die experimentelle Mittelmäßigkeit hier, bedeutet ja nicht zwangsläufig selbige andernorts. Das waren eben die 90er. Am wenigsten sieht man das mMn den Palais' Sommer und Liebermann an. Man hat über die letzten 20 Jahre aber hoffentlich dazu gelernt und es ist inzwischen auch einiges besseres entstanden. Die recht langweiligen Fassaden sind doch aber auch darauf zurückzuführen, dass man dem Brandenburger Tor nicht die Schau stehlen wollte, oder? Es wäre zw. dem ganzen Klassizismus und Neobarock wohl optisch untergegangen.
    Da der PP allerdings eh nur von Touris und lächerlich verkleideten Schaustellern genutzt bzw. verschandelt wird, wären Rekos eher eine Art Verschwendung. Von "Berlins guter Stube" o.ä. kann man da wohl kaum noch reden, Reko hin oder her. Zumal dort eh niemand wohnt, im Gegensatz zum RF, kanns dem Berliner auch rel. egal sein. Die Platzgestaltung hingegen ist genau das, was das Tor braucht, wie man schon vor 100 (oder weeß ick wie vielen genau) Jahren erkannt hatte.

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    Ansonsten, wo wenn nicht hier am Pariser Platz, werter echter berliner, wäre der Ort für eine Totalrekonstruktion gewesen?!


    Da gibt es eine ganz klare Antwort: Abgesehen von evtl. der Bauakadamie - Nirgends! Was soll man bitte mit einer solchen 'Totalrekonstruktion' anfangen? Wer will das? Sie wäre tatsächlich im Wortsinne weitgehend funktionsloses Blendwerk, da den Nutzungsanforderungen unserer Zeit nicht entsprechend. Und das kann (und konnte) sich auch in Berlin niemand leisten. Zu keiner Zeit.

    Am Ende wird es immer auf einen Kompromiss aus zeitgenössischer Funktionalität und traditioneller Gestaltung/Strukturierung hinauslaufen.

  • ^^ Potenzielle mit Betonung auf "potenzielle" Objekte für Totalreko in Berlin Mitte (nur Alt-Berlin) inkl. Rückversetzungen der Orginale:

    Heiliggeistviertel: Alte Synagoge; Rathausviertel: Gerichtslaube, Königskollonaden; Klosterviertel: Totalreko Gerichtsportal inkl. Front und Türme an der Grunerstraße, Totalreko/Wiederaufbau Klosterkirche Graues Kloster inkl. Peripherie, Totalreko Parochialkirchturm (der ja schon gemacht werden soll), Totalreko Einzelhäuser am Jüdenhof, in der Klosterstraße (Nord), das Mendelssohn-Haus, ein zwei Häuser und das Probst-Grüber-Haus am Marienkirchhof sowie einige Kandidaten am Hohen Steinweg.

    (Die Messels, Poelzigs und eben Cremer&Wolffensteins hat Berlin für immer verloren. Trotzdem wären Fassadenrekos interessant, um Berlin Mitte einzelne historische Leitbauten auch jüngerer Historie zu geben, die präsent waren/wären und Berlin Mitte vor dem Krieg geprägt haben. Wie z.B. das immens präsente Kaufhaus Nathan Israel oder gar ein Flügel des Kaiser-Wilhelm-Straßen-Durchbruchs von Cremer & Wolfenstein. Und alles, was dann die DDR plattgemacht hat. Dazu zählt auch die Fassade der Zentralmarkthalle 1a. Letztere dürfte aber nur Traum bleiben.)

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    Da der PP allerdings eh nur von Touris und lächerlich verkleideten Schaustellern genutzt bzw. verschandelt wird, wären Rekos eher eine Art Verschwendung. Von "Berlins guter Stube" o.ä. kann man da wohl kaum noch reden, Reko hin oder her. Zumal dort eh niemand wohnt, im Gegensatz zum RF, kanns dem Berliner auch rel. egal sein. Die Platzgestaltung hingegen ist genau das, was das Tor braucht, wie man schon vor 100 (oder weeß ick wie vielen genau) Jahren erkannt hatte.

    totaler unsinn! der pp mit dem brandenburger tor ist geradezu die inkarnation berlins als stadt, ich empfehle hier nur einmal ein essen im lorenz adlon mit blick auf den pp bis hin zur siegessäule und dem reichstag... mehr schönheit geht in der stadt nicht... und das sagen nicht nur touristen... im übrigen auch hier wieder das versteckte touristen-bashing?! sind die horden vor dem eiffelturm oder der spanischen treppe besser? meine beobachtung ist, dass das gegenteil der fall ist...

  • Lesen! Die Touris nutzen ihn, die Konstümfutzis verschandeln ihn. Also kein Touri-Bashing, sondern Clown-Bashing.

    Auch in anderen Städten geht es den Einheimischen sicher nicht anders, die wegen 1000en selber nicht mehr auf "ihren" Eiffelturm oder den Trevibrunnen genießen können. Wenn die Pariser/Römer überhaupt das Interesse hat. Der PP ist auch kein Marktplatz, wie z.B. der in Leipzig, den auch die L'er nutzen. Die Bedeutung des Tourismus für die Städte und auch die lokale oder auch nationale Bedeutung des PP stelle ich nicht infrage. Lediglich die Nutzung bzw. die Wahrnehmung durch den Ureinwohner.

    Ich gehe lieber ein interessantes Restaurant wo auch immer, wo es keine Wucherpreise gibt. Das Lorenz ist ja auch kein Restaurant, wo man mal so eben hingeht. Da geht man zum 50, zum Hochzeitstag oder zu nem geschäftlichen Essen hin. Kannst mich aber gerne mal ins Lorenz einladen :D.

  • http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost…2&postcount=774
    Schöne Bilder, Backstein.
    Ich finde es nur immer so interessant, dass gerade die DAF-User über Berliner Stadtentwicklung meckern, die gar nicht in Berlin wohnen. :lach:
    Nichts gegen dich persönlich, TowerMaranhao, aber es fällt halt auf.
    Naja ist mal wieder typisch: Die, die am wenigsten mit der Materie direkt zu tun haben meckern am meisten.:nono:

  • Berliner Meise

    @ JanM. Restrigo

    Wenn gerade die DAF-User über Berliner Stadtentwicklung meckern, die gar nicht in Berlin wohnen, dann liegt das wohl daran, dass Nicht-Berliner sich noch nicht an die all gegenwärtige Häßlichkeit und den Dreck Berlins gewöhnt haben.
    Hätte Berlin nicht einige Prachtbauten aus dem 19. Jahrhundert - was würde die Stadt vom Ruhrgebiet unterscheiden?

    In den Jahren, als ich in Berlin gelebt und gearbeitet habe, hat mich dieser merkwürdige Hang, Schund, Dreck, Grafittis und Bruchbuden für Essentials von Urbanität zu halten, immer wieder ungläubig staunen lassen. :cool:

  • Berliner Lebensgefühl

    ReinhardR: In der Zeit, als ich in Berlin gelebt habe, habe ich das zeitweise auch so gesehen. Aber dann bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass all diese Essentials ihren Reiz haben und sozusagen ein notwendiges Übel sind, in der Hoffnung, dass diese die Mietpreise nicht so stark steigen lassen.
    Was Berlin dann noch vom Ruhrgebiet unterscheiden würde? Vieles. Im Ruhrgebiet gibt es nämlich im Gegensatz zu Berlin oft eine größere Spießigkeit und weniger Stil und Charme.

    2 Mal editiert, zuletzt von JanM. Restrigo (11. Januar 2014 um 14:55) aus folgendem Grund: Ergänzung