Hauptbahnhof Frankfurt

  • Wie von Ahligator oben unter #210 schon angesprochen, ist es bei den unterirdischen Stationen mit dem Einbau neuer Leuchten und dem Wiederanhängen der Decken vermutlich nicht getan. Das Problem liegt tiefer. Der Großbrand auf dem Düsseldorfer Flughafen im April 1996 hat nicht nur 17 Personen zu Tode gebracht (nicht durch die Einwirkung von offenem Feuer, sondern "nur" durch die Rauchgase"), seine juristische Aufarbeitung darüber hinaus ergeben, dass die seinerzeitigen Brandschutzkonzepte völlig unzureichend sind (u.a. fehlende Brandabschnitte, Rauch konnte sich ungehindert ausbreiten, zu hohe Brandlasten).


    Das bedeutete in der Konsequenz, dass das gesamte Regelwerk überarbeitet werden musste und dass jetzt in allem öffentlichen Verkehrsbauten der Brandschutz regelkonform überarbeitet werden musste. Das Problem in unterirdischen Verkehrsbauwerken besteht u.a. darin, dass sich giftige Rauchgase in kürzester Zeit in allen Ebenen, Aufzugs- und Rolltreppenschächten und durch die Tunnels quasi unverdünnt und hochkonzentriert ausbreiten. Deshalb geht es bei den Sanierungsmaßnahmen zum einen darum, Brandabschnitte einzubauen, die die Ausbreitung der Rauchgase verhindert (vgl. z.B. S-Bahn-Konstablerwache im S-Bahnbereich die nachträglich eingebauten Glastüren am Fuß der Rolltreppenanlagen).


    Ferner geht es darum, dem Rauch Ausbreitungsraum "nach oben" zu geben. Die geschlossenen abgehängten Decken werden dadurch "geöffnet", dass lediglich Drahtnetzelemente eingehängt werden (im U-/S-Bahnhof Hauptwache auf den Bahnsteigen der U-Bahn schon zu sehen, auf dem S-Bahnsteig hängen nur ein paar Musterstücke), wodurch sich der Rauch auch oberhalb der abgehängten Decken ausbreiten kann, die bisher teils meterhohe Hohlräume abgeteilt haben.


    Zur Verringerung der Brandlasten sollen im Zuge dessen alle PVC-isolierten Kabel durch hitzebeständig/feuerfest isolierte Kabel ersetzt werden. PVC setzt schon bei relativ geringen Temperaturen Chlorgas frei, welches beim Einatmen die Lungen irreparabel verätzt. Um das Rauchgas überhaupt aus den unterirdischen Räumen herauszukriegen sind u.U. auch der Einbau bzw. Umrüstung der Lüftungsanlagen notwendig;, kurzum: des is e greeßer Sach', deshalb die von Schmittchen unter #209 verlinkte europaweite Ausschreibung der diesbezüglichen Planungsleistungen.


    Das entschuldigt natürlich nichts, erklärt aber vielleicht, warum alles so quälend lange dauert, denn die Brandschutzanforderungen sind keine lokale Frage, sondern betreffen die Eisenbahninfrastruktur bundesweit und grundsätzlich und sind daher qualitativ was anderes viel komplexer als etwa das Auswechseln von Rolltreppen.

  • Mövenpick-Café

    Das Mövenpick-Café an der Nordost-Ecke des Hauptportals sollte ja im Juni letzten Jahres eröffnen. Darüber jammerte ich schon im August bilderreich. Das Café ist noch immer nicht geöffnet. Stillstand gibt es keinen; innen wird gearbeitet. Hier sind Bilder zwecks Zustandsvergleichs:




    Der Eingang zur Kaiserstraße hin:



    Weil das Portal so schön ist, hier mal hinaufgeguckt (noch mit eingepacktem Türmchen):



    Am Abgang zur B-Ebene wird weiter gearbeitet - auch nicht gerade im Turbotempo:



    Bilder: epizentrum

  • Die Bilder 2 & 3 sehen stark nach Flickwerk aus bzw. fallen aus dem Rahmen. Wieso hat die DB nicht gleiches Material (gelben Sandstein) verwendet? Neben dem Eingangsportal/an der Frontseite finde ich das reichlich unpassend, einfach ärgerlich!


    Oder täuschen die Bilder nur?


    Was meinst du, Epizentrum, wird Verwitterung/Zeit die Kontraste glätten?

  • Der Sockel besteht aus hellgrauem Granit, erst darüber beginnt der Sandstein. Wie man an den originalgetreu ausgeführten Schmuckelementen sehen kann, gibt sich die DB durchaus Mühe, das originale Erscheinungsbild wiederherzustellen.


    Um auf Deine Frage einzugehen, es ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das gleiche Material, bzw. eine Steinsorte die der alten sehr nahekommt. Über 120 Jahre innerstädtische Abgasbelastung, aber auch die natürliche Alterung wirken wahre Wunder was die Patina von Naturstein angeht...


    Aber ganz abgesehen davon, nach so langer Zeit noch einmal die absolut gleiche Sorte Stein zu erhalten ist häufig ein Ding der Unmöglichkeit, sei es weil der Steinbruch erschöpft ist oder schlicht weil die Farbe von Naturstein innerhalb der gleichen Ader auch Schwankungen unterworfen sein kann. Sogar zwischen den originalen Bauteilen von 1888 und den Anbauten aus den 1920ern gibt es subtile Unterschiede in der Steinfarbe. In ein paar Jahren sollte der Unterschied zwischen alt und neu aber kaum noch erkennbar sein, und vielleicht kriegen wir ja auch noch eine Grundreinigung der steinernen Fassaden innen wie außen.

  • Deckenverkleidungen der unterirdischen Bahnsteige

    Seit über fünf Jahren hat es die Bahn nicht fertiggebracht, die Deckenverkleidungen an den S-Bahn-Bahnsteigen wieder anzubringen. Der hier angesprochene Fertigstellungstermin für Januar 2012 wurde dann auch – wenig überraschend – nicht eingehalten. Das in den Beiträgen #210ff. diskutierte Thema wurde parallel dazu auch im Thread „Ausbau des Frankfurter Nahverkehrs“ bezogen auf andere Stationen angesprochen: klick! Die Idee, die merlinammain dort hatte, die Decken wegzulassen (oder höher zu hängen), um einen offeneren Eindruck zu vermitteln, hatte ich auch schon, aber: Zumindest am Hbf. laufen so viele Rohre, Kabel und Schächte kreuz und quer, dass das kaum machbar wäre, ohne ein ständiges auf und ab der Deckenhöhe zu produzieren. Anders bei den Rolltreppen: hier wurden ebenfalls vor Jahren die Lamellendecken entfernt und man hat dort jetzt viel Luft nach oben. Leider optisch nur sehr mäßig gestaltet, immerhin hat man sich irgendwann dazu durchgerungen, bis unter die Decke weiß zu streichen und provisorisch die Beleuchtung hochzuhängen (Soweit meine Erinnerung mich nicht täuscht, ich habe leider keine Fotos dazu gefunden).


    Darüber hinaus gebe ich den Vorrednern völlig Recht, es gibt unendlich viele Winkel im Hbf, die einfach nur widerlich sind. Im Grunde finde ich, vielleicht abgesehen von dem kleinen unterirdischen Stück Hbf-Eingangshalle => Kaiserstraße, die B-Ebene mit ihren Läden ziemlich entbehrlich. Nicht nur, dass die Decke unheimlich versifft ist, es stinkt auch meistens aus allen Ecken nach diversen menschlichen Hinterlassenschaften, und zwar nicht zu knapp. Von obskuren Gestalten ganz zu schweigen. Viele der Treppenaufgänge in den Randbereichen haben uneinsehbare dunkle und dreckige Winkel, die Läden werden zu den Randlagen hin immer ramschiger, alte Rolltreppen sind mit Blech zugekleidet… Und wenn man das ganze schon nicht dicht machen will, was wegen der Auf- und Abgänge zur S- und U-Bahn gerade im nördlichen Bereich zugegeben schwierig wäre, sollte man wenigstens überlegen, wie man es offener und heller gestalten kann.


    Immerhin sind die Verkleidungselemente schon geliefert worden und lagern momentan in jenem von RMA erwähnten toten Bereich zwischen den Gleisen 103/104 und dem Übergang zur U4/5. Foto von letzter Woche, rechts außerhalb des Bildes lagen noch mehr Teile.



    -Bild von mir-

  • ^
    Also auf der Zwischenebene am Treppenabgang vom Querbahnsteig zur S-Bahn sind diese Deckenelemente (zumindest teilweise) bereits montiert. Sie sind zwar auch nicht wirklich so toll, weil man die von meinem Vorredner angesprochenen Leitungen und Rohre an der Decke durch dieses Gitternetz trotzdem noch sieht, aber immerhin schaffen sie eine gewisse optische Abtrennung nach oben und sind somit allemal besser als die momentane Situation. Und wahrscheinlich war aus den bekannten Brandschutzgründen wohl nichts anderes möglich.


    Was ich mich aber beim Hbf auch schon lange frage: gibt es eigentlich irgendwelche Bestrebungen, den Nordflügel auch mal einigermaßen denkmalgerecht zu sanieren und diese hässlichen Ladeneinbauten auf dem Querbahnsteig und in der Eingangshalle zu beseitigen? Im Südflügel hat man das ja bereits irgendwann in den 90ern gemacht. Und wie viel ist eigentlich im Nordflügel von der historischen Bausubstanz noch vorhanden? Ich vermute, dass man die damals in den 70ern beim Bau der S-Bahn halb abgetragen und nur ungenügend wieder hergestellt hat.

  • Der Nordflügel ist abgesehen von den Fassaden nach innen und außen ein kompletter Neubau, was besonders im Bereich des Abganges zur B-Ebene deutlich wird. Dass die Fassade zum Querbahnsteig irgendwann in den Originalzustand zurückversetzt werden soll ist beschlossene Sache, aber über den Zeitpunkt kann wohl nur spekuliert werden... Mir scheint, bis bei diesem Tempo die Sanierung des Hauptbahnhofes abgeschlossen ist, kann man gleich wieder von vorne anfangen.

  • Eiscafé

    ^^ Die Anbringung der neuen Deckenelemente zieht sich ins Unendliche, ohne Vergleichsfotos kann ich nicht mal sagen, ob sich in den letzten Wochen überhaupt was getan hat. Ein paar Elemente hängen seit einer Weile auch an den S-Bahnsteigen. Gut sieht es leider nicht aus, wie Querido schon schreibt.


    Ursprünglich sollte in der Ecke rechts vom Haupteingang schon im Juni 2011 ein Eiscafé aufmachen, doch die Baustelle ist immer noch nicht fertig. Letzte Fotos von epizentrum an dieser Stelle. Auf der 3. Ebene, oben im Rundbogenfenster (hier gut zu erkennen), konnte ich durch die spiegelnden Scheiben Büromöbel erahnen, dort scheint der Umbau kurz vor der Vollendung zu stehen. Im Erdgeschoss läuft noch der Innenausbau, wie ein entsprechender Lieferwagen verrät. Immerhin, für üppige Terrassenbegrünung wurde schon gesorgt, der Sommer kann kommen!



    -Bild von mir-

  • Die ewige Baustelle

    Am Haupteingang des Hauptbahnhofes werden Gerüste errichtet.
    Sieht nach mehr aus als zum Anbringen von Weihnachtsdeko...


    http://www.abload.de/img/hauptbahnhoffao0q.jpg" style="float:left; width:auto; margin-right:10px; margin-bottom:10px;" alt="" />

  • ^ Das sieht tatsächlich nach einem Gerüst für Fassadenarbeiten aus. Vielleicht befreit die Bahn in diesem Zug nach (3, 5, 10?) Jahren die beiden Türmchen ENDLICH von ihrer schwarzen Netzvorhängen. Dann hätte ich fast keine Weihnachtswünsche mehr.

  • Die Sanierung der bislang verpackten Türmchen links und rechts der Atlasskulptur ist Teil der nun offensichtlich beginnenden Sanierung der Hauptportals. Dazu oben #219, der dort verlinkte FNP-Artikel ist noch online. Auch wenn aus den dort erwähnten acht Wochen über 40 geworden sind: Dein größter Wunsch ans Christkind sollte sich erfüllen.

  • Den Bericht von Januar hatte ich schon verdrängt. Bevor die FNP ihren Artikel offline nimmt: Die Sanierung des Hauptportals soll 1,5 Jahre lang dauern. An meinem Weihnachtsgeschenk darf ich mich demnach erst ab Sommer 2014 erfreuen.


    Nach dieser Sanierung werde die Bahn über "ein paar Jahre" gestreckt weitere Teile des Gebäudes stückchenweise sanieren, meinte ein Bahn-Sprecher auf FNP-Anfrage damals.

  • Vielleicht befreit die Bahn in diesem Zug nach (3, 5, 10?) Jahren die beiden Türmchen ENDLICH von ihrer schwarzen Netzvorhängen.

    Da warte ich auch seit langem drauf, das sieht einfach nur unmöglich aus. Aber die Bahn lässt sich nicht lumpen: Trotz des zeit- und kostenintensiven Gerüstbaus am Hauptportal hat man es gekonnt geschafft, der B-Ebene (vor-)weihnachtliches Flair einzuhauchen. Wenn es schon mit einer (dringendst) nötigen Generalüberholung nicht klappt.



    -Bild von mir-

  • ^ Diese unterschwellige Säulenkritik wollte die Bahn offenbar nicht auf sich sitzen lassen. Als ich heute am S-Bahnhof (D-Ebene) ankam, war ich doch etwas perplex. Irgendjemand bei den Zuständigen scheint über die sonst übliche und einzig nötige Zweckmäßigkeit von Bahnimmobilien hinaus auf das Zauberwort „Gestaltung“ gestoßen zu sein. (Ge|stal|tung, die: Im engeren Sinne die bewusste, verändernde Einflussnahme auf die ästhetische Erscheinung von Dingen.)


    Die Decken in der D-Ebene sind zwar nach wie vor nicht fertig, mehr zu diesem leidigen Thema #225ff. Doch an Gleis 102 gibt es jetzt zwei Säulen, die mit verschieden gestalteten Oberflächenmustern versehen wurden. Darunter Mosaike in unterschiedlichen Größen und Farbgebungen, aber auch metallene Verkleidungen, wahlweise glänzend oder matt mit Lochmuster. Beleuchtet wird das ganze durch einen Lichtkranz am oberen Säulenende. Die bisherigen Säulen, im Hintergrund zu sehen, sind in zeitgenössischem orange gefliest. Wer mehr erkennen will, kann die Bilder auch durch anklicken vergrößern. In dem Bereich, wo die Fotos gemacht wurden, ist auch schon die neue Deckenverkleidung angebracht.




    Ergänzend zum Thema der ewig verhangenen Bereiche am Hauptbahnhof weiter oben: Nicht nur die beiden Türmchen am Hauptportal sind seit Jahren verhüllt, sondern (u.a.) auch Teile der Vorhallendecke.



    So sieht die nicht verhüllte, vom Aussehen her vermutlich identische Seite zum eingerüsteten Hauptportal hin aus. Der FNP-Artikel, auf den Schmittchen in #231 verweist, macht aber wenig Mut auf eine schnelle Behebung.



    -Bilder von mir-

  • Wow, da beweist bei der Bahn jemand Mut, Respekt! Spiegelmosaik an den Säulen einer S-Bahnstation wäre "bahnbrechend". Allerdings bestünde die Gefahr, dass die Spiegel sehr bald abgerissen wären. Sie dürften nicht besonders alltagsrobust und wenig pflegeleicht sein. Danke für den Fund!

  • Nicht nur an den Säulen im Tiefbahnhof wird gearbeitet, offenbar ist man auch dabei die Verkleidung der Wände neu zu gestalten...


    Alt:


    Neu:


    (Bilder von mir)

  • Torben war schneller...


    Ich habe die neue Gestaltung gestern abend auch entdeckt und muss nach anfänglicher ...ähm... Irritation die Bahn beglückwünschen: Es sieht klasse aus, absolut originell und wahrscheinlich recht "gammelsicher".


    Ebenfalls positiv, dass die Wand auch oberhalb der Verkleidung mit aufgefrischt wurde, der ganze Bahnsteig sieht frischer aus. In Kombination mit dem neuen Streckmetall an der Decke jetzt schon eine große Aufwertung - wenn die neuen Säulen kommen (ich stimme hiermit für das dunkle Spiegelmosaik, 1. Foto linke Seite) kann man sich dort unten endlich wieder angenehm(er) aufhalten.


    Der Bodenbelag wird wohl nicht ausgetauscht werden - zu gut passt das Sumpfgrün an den Wänden zu den Bodenfliesen.


    Wenn alles fertig ist, bleibt nur zu hoffen, dass die Bahn ein wenig mehr Liebe in die Erhaltung investiert.

  • Unter dem Pflaster liegt der Nebelwald

    Thema der Umgestaltung ist "Nebelwald", das Konzept ist dem Journal Frankfurt zufolge von Künstler Andreas von Chrzanowski und Grafikdesigner Thomas Geissert. Außerdem erhält die gesamte S-Bahnstation eine Grundreinigung. Auch eine "LED-Effektbeleuchtung" ist noch geplant. Das an den Säulen sind übrigens nicht unbedingt Muster, wenn ich den Artikel richtig verstehe, soll es bei diesem Materialmix bleiben. Aber warten wirs ab, noch vor Weihnachten soll die 750.000 Euro kostende Umgestaltung abgeschlossen sein. Bis zu 35 Personen sind derzeit in der nächtlichen Betriebspause tätig.

  • ^ Auch ich habe den Journal-Artikel so verstanden, vielleicht wird es als "Mix" gar nicht übel wirken. Dennoch: Ich glaube, eine einheitliche Säulen-Gestaltung wäre angenehmer.

    Nebelwald... wie konnte ich mit "Sumpfgrün" nur derart falsch liegen? ;-)