Rund um den Gendarmenmarkt

  • Leider passt das Pflaster meiner Einschätzung nach nicht ideal zum Gendarmenmarkt. Die Steine sind viel zu grau und beißen sich mit dem Sandstein des Konzerthauses und der beiden Kirchen. Ein warmerer Farbton wäre schöner gewesen.

  • Ich sehe eigentlich keine Verbesserung in der Optik der Pflasterung. Und genau wie auf dem Bebelplatz fehlen mir Grünflächen. Aber die würden natürlich die "Bespielbarkeit" der Fläche beschneiden.

  • Aufwand vs Ergebnis ist aus meiner Sicht ganz schön schlecht. Der Platz ist in erster Linie anders. Aber nicht zwingend besser. Das viele, viele Geld... Wow. Versteht jemand, welche politischen Kräfte es waren, die das durchgesetzt haben? Mit welchem Ziel? (wobei mich es ja freut, wenn an in Berlin überhaupt etwas durchgesetzt werden kann. Besser als komplette Erstarrung)

  • Interessant, dass sich alle/die meisten einig mit der kritischen Bewertung des (Zwischen-)Ergebnisses zu sein scheinen. Tatsächlich kenne ich auch "stimmungsvollere" Pflasterungen als diese. So schlecht finde ich das bisherige Ergebnis aber trotzdem nicht.

    Farblich ist es sicher ein Kontrast zu den Sandstein- bzw. sandsteinfarbenen Fassaden. Aber Ton in Ton hätte ich auch nicht so wünschenswert gefunden, da es dann überhaupt keinen Kontrast gegeben hätte, der die Fassaden hervorhebt. Vielleicht hätte man auch die anthrazitfarbenen oder die rötlichen/bunteren Steine aus den Streifen stärker einbringen können. Aber auch den gewählten "Dreiklang" kann ich nachvollziehen und empfinde ihn nicht als kalt oder gar beißend aber auch nicht zu monoton. In Wirklichkeit sind es ja sogar recht viele Farbtöne. Und man darf auch nicht vergessen, dass wir hier nicht ständig eine komplett freie Fläche erblicken werden (und auch die hässlichen Baustellenelemente bald noch verschwinden). Es sollen ja zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Und damit hängen vermutlich auch die meisten der Kosten zusammen. Jedenfalls würde es mich wundern, wenn die eigentliche Pflasterung da den Löwenanteil ausmacht. Die wird nun ja im Vergleich mit der Vorgeschichte auch recht zügig verlegt.

  • Warum sollte die Bespielbarkeit der Fläche durch Grünanlagen beschnitten werden? So ein Denken hört man irgendwie auch nur in Berlin - sry, aber dass ist doch Quatsch. Es ist ein Können und Wollen, nicht mehr und nicht weniger, zumal auch Berlin den "Klimanotstand" ausgerufen hat, aber alles ist auf Papier geduldet und ich glaube, dass Verantwortliche keine große Ahnung von Dingen besitzen. Die hören Etwas von Stadt X & denken naiv dabei: "Dit brauchen wa och". Was "dit" aber eigentlich bedeutet, sprich reflektieren über den Sinn, da hört das Verständnis auf.

    Hier wurde ein historischer Platz neu gestaltet, alles schick & schön, aber dieses rigorose festklammern an überholten Ansichten ist nicht mehr normal. Mehr Bäume und Blumen hebeln doch keine Historie auf oder sind störend für's Stadtbild. Das ist pure Ideologie und Ewiggestriges denken und das ist auch ein Berliner Problem warum vieles eben nicht mehr so funktioniert, weil man zusehends im Vor-Gestern denkt.

  • ^ Okay, "nur Berlin" ist mal wieder zu doof für alles, naiv, rein ideologisch unterwegs und klammert sich an "überholten Ansichten" fest, ja? Ich empfehle mal einen Blick auf die Plaza Mayor in Madrid, die Place Vendome in Paris, den Trafalagar Square in London oder die Piazza Navona in Rom. Allesamt gepflastert. Warum? Es handelt sich um einen Platztypus des europäischen Städtebaus, der sich aus dem Marktplatz entwickelt hat und später Ort für Versammlungen und Feste wurde. Nicht um einen Schmuckplatz mit parkähnlicher Gestaltung, der sich aus dem städtischen Palastgarten entwickelt hat (in Berlin: Lustgarten).

    Ich bin heilfroh, dass man den Gendarmenmarkt als großstädtische Platzanlage erhält und eben keinen "Pocketpark" draus gemacht hat. Und was den Klimanotstand betrifft: Unter dem Platz wurden Regenwasser-Sammelbehälter mit Versickerung angelegt, um bei Starkregen eine Überforderung der Kanalisation zu verhindern. Das ist zigmal wichtiger als ein paar Blumenrabatten, die de facto gar nichts austragen.

    (Das Pflaster finde ich übrigens auch etwas unterwältigend - mir scheint, man hat zwar Muster und Farbgebung des DDR-Pflasters aus den 80ern beibehalten, auf den Wechsel im Material aber verzichtet. Aus Kostengründen, vermute ich. Schade.)

  • Bei dem Material gibt's in 30 jahren eh die nächste Neugestaltung. Vielleicht hat man dann auch gelernt, dass sich der europäische Platztypus im europäischen Klimawandel europäisch verändern muss. Europäisch.

  • Das ist nicht der Punkt. Die darunter eingebauten Rigolen haben lt. einem mir persönlich bekannten Landschaftsbauer eine Lebensdauer von ca. 30 Jahren. Ist halt Kunststoff. Danach sei nicht ausgeschlossen, dass der Boden plötzlich an betroffenen Stellen einsackt und aus Gründen der Verkehrssicherheit müsse dann wieder aufgerissen werden. Bei den verlegten Leitungen rechnet man auch mit einer begrenzten Lebensdauer.

    Was als klassische Platzgestaltung daher kommt ist eine typische Planung der Gegenwart voller Leitungen und anderer Anlagen im Untergrund, ausgelegt auf gewisse Nutzungsdauern und nicht etwa für die Ewigkeit angelegt.

  • Wenn die Sammelbecken in diesen 30 Jahren dem europäischen Klima mit zunehmender Frequenz stärkerer Niederschläge trotzen, dann hätten sie ja immerhin ihren Beitrag geleistet. Und wenn man sie irgendwann tauscht, dann kann man ja in der Tat sehen, ob man ggf auch gleich das Pflaster anpassen möchte - oder ob man es einfach direkt wieder verwendet.

    Ich bin generell ein Freund von Entsiegelung und Grün ohnehin aber bei bestimmten Verkehrsflächen aber auch ausgewählten städtischen Plätzen für Märkte, Events usw wird es vermutlich gelegentlich doch auf die Lösung mit solchen Auffangbecken hinaus laufen.

  • ....kleinere Pflastersteine = mehr Zwischenräume = größeres Versickerungspotenzial. Hätte man eine gewisse Wölbung der Fläche vorgenommen, wie beispielsweise beim Winterfeldtplatz in Schöneberg https://de.wikipedia.org/wiki/Winterfel…20160504_10.jpg,

    würde das überschüssige Wasser zu den Rändern hin abfliessen und man hätte sich diesen ganzen unterirdischen Leitungsrohrekladderatsch sparen können und müsste auch nicht in 30 jähren wieder alles erneuern. ;)

  • Naja, diese Pflastersteine sind jetzt auch nicht gerade riesige Platten. Und das mit dem Gefälle ist ja ein uraltes Prinzip und sicher auch in diesem Kontext bekannt gewesen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass es hier nicht so leicht umsetzbar und mit allen Funktionen vereinbar gewesen wäre. Man müsste natürlich einen Verantwortlichen fragen, aber die Dinge sind dann eben oft doch nicht ganz so trivial wie vielleicht scheinen. Es sind ja auch in Berlin nicht nur Stümper und Amateure am Werk...

  • ^ Bei einem Gefälle zum Rand hin würde das ganze Wasser direkt in die Kanalisation fließen. Das sollen die Zisternen ja gerade verhindern: Sie speichern Wasser, geben es nur langsam in den Boden ab und mildern so das Problem der Versiegelung. Das ist, wenn ich richtig verstehe, die Idee.

  • ^... das Wasser kann man auch am Rand der Fläche auffangen und direkt in eine Zisterne führen. Man ist ist nicht dazu verdammt es in die Kanalisation entkommen zu lassen. Das gilt für jede versiegelte Fläche.

  • Die flächendeckende Versickerung des Regenwassers über Rigolen bei der großen Fläche des Platzes ist doch aber trotzdem sinnvoll.

    Bei einer Ableitung am Rand besteht doch wieder die Gefahr eines Engpasses und Überlastung im Falle eines Starkregenereignisses.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ... das Wasser kann man auch am Rand der Fläche auffangen und direkt in eine Zisterne führen.

    Ich versteh das Problem nicht. Soll man jetzt alles wieder aufreißen, die Platzneigung verändern, die längst fertigen Behälter rausreißen und anderswo neue bauen? Weil eventuell in 30 Jahren das Ganze mal saniert werden muss? Was wäre der Vorteil? Und wo ist das Problem an der jetzigen Lösung? Das ist doch eine Phantom-Debatte.

  • ^^.... Sicher muß man Sorge tragen, dass die Ableitungen regelmässig gereinigt werden, ebenso, dass das Wasser bevor es in der Zisterne gesammelt wird gefiltert wird. Das sollte aber keine unbewältbare Herausforderung sein, Ich denke es ist auch sehr viel günstiger.

    ^ ... Aber sei's drum ändern kann man ja eh nicht mehr. Es gibt immer Alternativen, wir werden sehen ob die Teuerste hier, ihren Zweck erfüllt.

    Wenn ich mir was wünschen dürfte für den wiederhergestellten Gendarmenmarkt, dann die Rückkehr des historischen Café Achteck (Gußeisernes, dunkelgrünes Pissoir) an der Nord-Ost-Ecke des Platzes hinter dem Französischen Dom. Es wurde für die Bauarbeiten abgebaut, allerdings habe ich es in den Visualisierungen nicht mehr gesehen.

  • Die schönste Lösung bezüglich Versickerung sind eigentlich klassische Betongullies ohne Kanalanschluss, dh die stehen aufrecht im Erdreich, laufen voll und von dort versickert wieder langsam alles. Das hält eine kleine Ewigkeit. Einziges Problem: man muss gelegentlich den Fangkorb von Unrat befreien.

    In Berlin fällt auf, dass bewusst auf Lösungen verzichtet wird die Unterhaltsaufwand erzeugen. Selbst wenn Einmalinvestitionen dadurch höher und ggf. schneller erneut anfallen. Mutmaß ein Erbe der Ära des Finanzsenators S. (will hier nicht politisch werden, nur sachlich).

    Da hat man entdeckt, dass es viele Bundesprogramme zur Städtebauförderung gibt mit denen man Dinge neu machen kann, während Unterhaltung, Reparaturen rein dem Land zufallen. Entsprechend ist der Anreiz. Ähnlich oft die Dynamik zwischen Land Berlin und Bezirken.

    Das werden wir hier im Forum aber tatsächlich nicht ändern können.