Beiträge von ErSieEs

    Und im Reichstagsgebäude sitzt auch kein Reichstag mehr, so what.

    Der Bundestag stellt Steuergeld bereit um an dieser bestimmten Stelle zu repräsentative Aufwertung der Bundeshauptstadt eine bestimmte Fassade zu rekonstruieren.

    Nicht für irgendwas anderes.

    Der ganze restlichen Bohai der darum gemacht wird ist letztlich Zeitverschwendung aller Beteiligten.

    Irgendwann zehren die Gehälter der Stiftung dann eh alle bereitgestellten Budgets auf und es hat sich dadurch von selbst erledigt, bleibt halt wie Brache für weniger neurotische Zeiten.

    Dann lest doch nochmal den soeben verlinkten Antrag den SPD und CDU gemeinsam im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet haben. Der ist von 2024. Und unmissverständlich.


    Was ist denn dein Vorschlag Klarenbach, eine Errichtung der Bauakademie als Staudenhof?

    Les mal bitte diesen Text, so lang ist er nicht:


    Wiedererrichtung der Bauakademie - Abgeordnetenhaus Berlin

    https://www.parlament-berlin.d…Plen/vorgang/d19-1665.pdf


    Ist zwar nicht der Bundestag aber aufgrund fehlender Zuständigkeit des Bundes für Kultur kann der Bund eh nur Geld verteilen, Kultur ist Länderhoheit. Das Abgeordnetenhaus Berlin wurde vom Souverän gewählt. Kann das eine Stiftung oder eine Jury auch von sich behaupten? Es geht um einen zentralen Bauplatz, das darf nicht elitär "unter sich ausgemacht" werden und die Öffentlichkeit darf höchstens bezahlen.

    Das geht so nicht, darüber muss man keine Wortklauberei betreiben. Der Wille der Volksvertreter ist für jeden verständigen Muttersprachler eindeutig, außer man will sich um diesen Willen herum schlängeln.

    Die Visualisierung erinnert stark an den Bau der pädagogischen Hochschule Augsburg nebst Wohnheim und Kapelle aus der Nachkriegszeit, auf die schnelle siehe Abbildungen unter folgenden Links:


    https://www.sueddeutsche.de/ba…sozialwohnungen-1.5736905


    https://www.stbaa.bayern.de/ho…kte/B71H.E0510200.02.html


    Dass die Eminenzen deutschen Bauens das als progressiv empfinden kann ich mir gut vorstellen, damit wurden sie ja mal als junge Architekturstudenten sozialisiert.

    Jedem sein eigener Geschmack.


    Der Bezug zu Schinkel ist aber stark erklärungsbedürftig. Die Denkmalliste spricht bei den Bauten in Augsburg von Anlehnung an Bauhaus/Gropius. Was durchaus nachvollziehbar ist. Nur hat das wenig mit Schinkel zu tun - aber es hat alles mit den ewigen Idolen der deutschen Architekturelite zu tun, deren Evangelium man uns halt in der xten Ausführung aufdrücken will. Wie immer halt. Der Rest ist des Kaisers neue Kleider Bohai.


    Die Ironie ist aus meiner Sicht, dass hier über historisierendes Bauen gestritten wird und eine Seite dabei mit Händen und Füßen abstreitet genauso einen bestimmten Baustil zu bevorzugen wie die Schinkelfreunde. Meiner Meinung nach ist es ein Streit zwischen Schinkel und Gropius Fans, wäre doch wirklich erfrischend, wenn wir das so entlarven könnten. Stattdessen lässt man die Gegner des Schinkel-Historismus damit davonkommen, dass sie im Gegensatz dazu ja das Rad im 21. Jahrhundert neu erfinden würden.

    Der staatliche Kulturbetrieb in Deutschland geht insgesamt nicht wirklich ehm effizient mit öffentlichen Geldern um. Da gibt es doch das Sprichwort von den Krähen und den Augen die man sich nicht gegenseitig...


    Die Absolventen von diversen Studienfächern wollen schließlich auch versorgt sein.


    Mir egal, leben und leben lassen, aber bitte tut nicht so als wäre das hier eine große Ausnahme.

    Ach du meine Güte, an Parteipolitik habe ich nicht einmal nebenbei gedacht.


    Beispielsweise soll jetzt plötzlich das Pflaster rund um das Humboldtforum doch mit Bäumen aufgelockert werden, was in Vorjahren immer abgelehnt wurde, entsprechende Pläne waren in der Lokalpresse zu lesen. Man merkt an vielen Details, dass ein Wechsel in der Führung stattgefunden hat.


    Und die Wendung bei diesem Hochhaus gehört sicherlich dazu, Frau Lüscher wurde in den Vorjahren wiederholt in Zusammenhang mit der Höhe des Park Inn als Maßstab aller Dinge in Verbindung gebracht.


    Eine von vielen Quellen, Google ist hilfreich:


    https://entwicklungsstadt.de/h…latz-soll-kleiner-werden/


    Und jetzt gehen plötzlich doch 150 m nachdem ein Führungswechsel bei der Stadtplanung stattgefunden hat, Zufälle gibt's!

    Unsachlich? Dagegen muss ich mich verwehren.


    "Unsachlich", die Entwertung eines Beitrages als "von Gefühlen, Vorurteilen bestimmt" (so der Wörterbucheintrag zu "unsachlich"), ist meiner Meinung nach ein unangebrachter Vorwurf.


    Man kann sich gegenseitig Vorwürfe machen oder in Austausch treten.

    Wenn "Unsachlich." (Punkt!) am Anfang steht, dann sollte dir klar sein, dass dies weder dialogbereit, noch sachlich rüberkommen kann.


    Unangebracht ist außerdem der whataboutism über "Zugezogene". Es ging um eine konkrete vormalige Amtsinhaberin, die Kritik an ihr ist so langjährig und breit in immer ähnlicher Form geäußert worden, dass sie sogar nebst entsprechender Quellennachweise in den Wikipedia-Eintrag über Frau Lüscher aufgenommen wurde.


    Sie war nun einmal zuvor als Architektin in Zürich tätig, danach in politischer Verantwortung für die Stadtplanung in Zürich. Das ist ebenso eine objektive Tatsache, wie die gänzlich andere Größenordnung im Vergleich mit Berlin.


    Über eine abstrakte Kategorie wie Größe ging es dabei nicht, es ging mir tatsächlich um die wesentlich umfangreichere Aufgabe.


    Man kann den Alexanderplatz im Allgemeinen und die Entwicklungsgeschichte dieses Bauprojekts im Besonderen nicht diskutieren und verstehen ohne die von 2007 bis 2021 für Städtebau in Berlin verantwortliche Person einzubeziehen.


    Ob zugezogen oder im Wedding geboren und aufgewachsen, das ändert daran nichts. Ebenso wie Menschen eine Vorgeschichte in neue Funktionen mitbringen.

    Ich mache Frau Lüscher im Übrigen keinen Vorwurf ihrer Linie treu geblieben zu sein, dafür wurde sie ja auch über viele Bewerbern ausgewählt, diese Linie und alles was sie mitbringt, wofür auch sonst. Schon gar nicht habe ich irgendwas gegen die eigentliche Person, ich kenne Frau Lüscher ja gar nicht.


    Mir ging es ausschließlich um den von ihr in Berlin verantworteten Städtebau und da sie ein Amt ausübte, nicht etwa privat tätig war, gehört das dann auch einfach dazu. Kritik an Amtsträgern ist sozusagen der sachliche Kern der repräsentativen Demokratie. Ich werfe hier ja nicht mit Beschimpfungen um mich!




    Ich hoffe, dass vom Hines-Projekt Signalwirkung ausgeht und hier nichts weniger als ein Wendepunkt in Berlin erreicht ist. Und nachträgliche Aufstockungen von Hochhäusern um 20 m oder mehr sind auch in Frankfurt meines Wissens nach kein alltäglicher Vorgang im Planungsprozess.

    Dass es nach dem Abgang von Frau Lüscher positive Veränderungen geben wird hat doch jeder von uns erwartet.


    Dass das auch alte Projekte betrifft ist aber schon eine positive Überraschung.


    Meiner Ansicht nach war Frau Lüscher immer mit den Maßstäben Berlins überfordert, nach deutschen Maßstäben ist Zürich mit 400.000 Einwohnern eine Provinzstadt, die zeitgenössische Architektur der Schweiz ist so steril wie ein OP Saal. Glücklicherweise war sie trotz der langen Amtszeit nicht ansatzweise so prägend wie Stimmann. Wenig ist irreversibel.


    Weil's in diesen Zeiten wichtig ist:


    laut der englischen Wirtschaftspresse steht Hines sehr solide da.

    Dem "Palast der Republik" trauert auch keiner mehr hinterher, seitdem vollendete Tatsachen geschaffen wurden.

    Es werden selbstverständlich mal wirtschaftliche Gründe sein.

    Die letzte große Sanierung ist jetzt zwei Jahrzehnte her.

    Alle drei Jahrzehnte sagt man, dass Gebäude mit Publikumsverkehr eine große Sanierung benötigen.


    Dh in wenigen Jahren müsste dafür geplant werden, der Hotelbetrieb müsste dann auch ruhen, eine Großbaustelle ist Gästen nicht zuzumuten. Und dann wird gerechnet werden. Die energetischen Anforderungen steigen indes immer weiter, das "Heizungsgesetz" gilt auch für Hotelhochhäuser, den Rest kann man sich ja denken.


    Niemand wird da mehr investieren als die wirtschaftliche Substanz wert ist um etwas zu erhalten was eh schon lange nicht mehr so aussieht wie zu DDR Zeiten. Ab 2029 ist die DDR auch schon länger verschwunden als sie überhaupt jemals insgesamt existiert hat, dh die biographische Verbundenheit wird noch stärker verblasst sein. Und dann ist es einfach eine wirtschaftliche Entscheidung.


    Das ist ja genau das was ich als long game im Sinn hatte.


    Irgendwann in den 30ern könnte der Alex endlich mal "fertig" sein.

    Schau mal wie verbissen über viele Jahre eine versiffte billigst Wohnanlage, genannt Staudenhof, mitten im Zentrum von Potsdam gegen einen Abriss verteidigt wurde.

    Da hat der Alexanderplatz fast noch Glück, dass da soviele Umbauten ohne einen Popanz um jede DDR Kachel möglich waren.


    Und man sollte meinen, dass der allseits beliebte Fernsehturm am Alex ein unauslöschliches Denkmal an die DDR ist.

    Lustig ist ja, dass der Fernsehturm noch viel besser herauskommen würde, hätte man das alte Interhotel damals einfach abgerissen.


    Ich glaube, dass da noch was passiert, soweit der Rest dann in ein paar Jahren fertig ist und das Problem für alle offensichtlich ist + eine andere Generation in Verantwortung ist.

    Das ist eh nur der Anfang, commercial real estate steht international vor gigantischen Herausforderungen, Fachleute der Finanzbranche ordnen das noch über der Finanzkrise 2008 ein wenn's chaotisch läuft.


    Daten für Deutschland sind schwierig zu konsolidieren, in den USA ist der Finanzmarkt transparenter. Dort müssen ca. 2200 Milliarden $ bis 2027 refinanziert werden. Zu deutlich höheren Zinsen, bei deutlich sinkenden Werten, die spätestens bei einer Refinanzierung auch realisiert werden müssen:

    https://www.businessinsider.co…lts-interest-rates-2024-1


    Das Problem ist in Deutschland grundsätzlich das gleiche, nur eben im deutschen Maßstab.


    Die Änderungen in Demografie und Lebensstil entwerten viele Millionen Quadratmeter Büros und Handelsflächen in den alten Industriestaaten. Eigner müssen sie leer lassen, denn wenn sie offiziell mit der Miete runter gehen ist eine Neubewertung des Wertes fällig.


    Ohne zu sehr in Details zu gehen basiert der Gesamtwert einer Immobilie in den Bilanzen des Schuldners und der finanzierenden Banken massiv auf den am Markt zu erzielenden Mieten. Geht man offiziell mit den Mieten runter dann muss man diese darunter liegende Neubewertung in den Büchern realisieren. Das überleben reihenweise Eigentümer nicht, weder diese Implosion von Eigenkapital in ihren Büchern, noch die dann meist fällige Refinanzierung zu deutlich höheren Zinsen, wenn überhaupt.


    Bei den Banken bündelt sich das ganze dann auch noch.

    Ist eine irre Zeitbombe und es gibt keinen wirklichen Ausweg. Eigentlich muss jeder froh sein der frühzeitig in eine Bereinigung geht, wenn noch Kapazitäten vorhanden sind Dinge positiv neu zu verhandeln. Vor die Situation kommen.


    Eigentlich ist der Sinn einer Insolvenz im deutschen Insolvenzrecht ja eher ein Befreiungsschlag und Neuanfang, keine klassische Pleite. Für Kaufhaus X irgendwo im Ruhrgebiet bin ich pessimistisch, hier für das KaDeWe in Berlin nicht. Es könnte langfristig sogar von der Implosion der Handelslandschaft drumherum profitieren. So ein großes Kaufhaus mit allem Pipapo könnte in 10 Jahren wieder etwas richtig besonderes sein, so ähnlich wie einst zur Eröffnung. Full circle.

    Ich bin Berliner, mehrere Generationen zurück, da wird nichts schlecht geredet. Alleine die Assoziation von Stadt des Proletariats ≈ schlecht finde ich befremdlich. München ist eine fantastische Stadt und trotzdem will ich es nicht gegen mein Berlin eintauschen.


    Jedenfalls muss man in Berlin einfach etwas besonderes bieten um ausreichend Menschen anzuziehen.

    Mittelmaß geht nicht mehr, das wird aus dem Internet bequemer und günstiger bedient. Man in the middle war mal ein gutes Geschäftsmodell, ist es aber nicht mehr, es lebt demografisch nur noch auf geborgter Zeit durch jene Generationen die deutlich vor E-Commerce sozialisiert wurden.


    Wie gesagt, das KaDeWe könnte als "Konsum-Concierge" für alle Lebenslagen nicht nur überleben sondern richtig Reputation aufbauen und darüber ironischerweise sogar mehr klassischen Konsum anziehen. Einfach nur ein schönes Zwischenlager zu sein reicht nicht mehr und in Zukunft noch weniger.

    Wie oft sollen Kaufhäuser jetzt noch in die Insolvenz gehen bis das endlich jeder akzeptiert?

    ^... 100% Zustimmung was Deine Einschätzung und Beobachtung betrifft.

    ...


    München ist die heimliche Hauptstadt Deutschlands aus Sicht der kaufkräftigen Klientel, das muss man ohne komische Reflexe des Regionalpatriotismus einfach feststellen. Egal ob aus dem Ausland oder dem Inland. Die ganze Atmosphäre ist ja auch eine andere. In der Oper in München sitzen alle in Abendgarderobe, in Berlin, weisste selbst.

    Berlin ist halt eine Stadt des Proletariats, das ist auch gar nicht schlimm oder so, das muss man nicht empört zurückweisen. Man sollte es halt bedenken.

    Das KaDeWe ist ein Überbleibsel einer ganz anderen Ära.


    Ich bleibe aber dabei, dass es als naja Fluchtburg, Kulminationspunkt, whatever der Oberschicht funktionieren kann. Durch Bundespolitik, Diplomaten, Lobbyisten usw. sind Nachfrage und Bedarf vorhanden. Das muss halt aus einem Guss sein, eine one stop shop, egal ob du deine Schuhe neu aufsohlen lassen willst, Beratung für Skikleidung für den Ausflug am Wochenende in die Alpen willst oder eine Konferenz im Dachgeschoss abhalten willst, du weisst im KaDeWe wird dir gediegen und gut in quasi allen Lebenslagen geholfen.


    Und wenn sie was nicht inhouse haben dann haben sie garantiert für alles einen Geschäftspartnern der einem weiterhelfen kann, die Organisation übernimmt man auch gerne für den Kunden. "Wir machen das gerne für Sie!" will die Klientel die mehr Geld hat, als sie Zeit hat, hören wenn sie was braucht. Und entsprechend kann man davon dann auch gut leben und sich das bezahlen lassen.


    Das muss man aufbauen und dann Geduld haben, bis Menschen ihren Alltag entsprechend darauf ausrichten und es annehmen. Das kann absolut funktionieren, wieso auch nicht.


    Sinnloses Vollzitat gekürzt.

    Falschaussagen vor Gericht sind eine Straftat und kein normaler Mitarbeiter einer Firma, zumal einer in Insolvenz, würde das auch nur hypothetisch machen, wozu auch. Im Gegenteil, das "Sprechbedürfnis" ist in solchen Fällen gewöhnlich hoch und Verschwiegenheitsklauseln aus Arbeitsverträgen greifen natürlich nicht vor Gericht.


    Das hier ist gerade ein Beispiel warum ich in meiner Freizeit ungern über rechtliche Zusammenhänge spreche. Spekulation fußt auf Spekulation und am Anfang steht nicht die Fragestellung, sondern die bereits fertige Ansicht, zu der Argumente gesucht werden (übliche dialektische Diskussion Vs. Syllogismus). Basierend auf fragmentarischen Informationen aus zweiter oder dritter Hand. Sinnlos. Ich ziehe mich auf obiges Zitat aus dem BGB zurück und verabschiede mich.

    Als Jurist äußere ich mich ungern in meiner Freizeit zu rechtlichen Fragen, aber ich muss da schon lachen.


    Im BGB steht:


    § 133


    Auslegung einer Willenserklärung


    Bei der Auslegung einer Willenserklärung ist der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften.


    ...ich würde mich im Zweifelsfall dann doch lieber am Bürgerlichen Gesetzbuch als an der Berichterstattung von "Capital" orientieren.

    Das Finanzprimat der letzten Jahrzehnte ist nicht durchzuhalten, aus dem Grund den du aufführst. Das Problem begann vermutlich mit Thatcher und Reagan bzw. Friedman, die in Ökonomik und dann Politik die Vorstellung populär gemacht haben, dass staatliches, nicht privates, Geld knapp sei und es folglich "Geld der Steuerzahler" gibt.


    Obwohl auf jedem Schein und jeder Münze der tatsächlichen Eigentümer steht, der jeweilige Staat, der ein gesetzliches Zahlungsmittel festlegt, jeden dazu zwingt darin seine Steuern zu bezahlen und darin selbst Zahlungen an Handwerker, Rentner oder Beamte tätigt. Es gibt kein Geld der Steuerzahler, schön wäre es, dann schreibe ich sofort einen Zettel mit meinem eigenen Geld für meine Steuerzahlungen.


    Eigentlich hat man das weltanschaulich alles nur so verfolgt um die staatliche Umverteilung auszuschalten, denn je weniger über den Staatssektor läuft, desto weniger läuft letztlich durch die Demokratie, desto mehr durch die vielen kleinen Autokratien des Privatsektors, wo wie im alten Zensuswahlrecht Macht durch Eigentum und Eigentümerstellung entsteht und eben nicht jede Stimme gleich viel wert ist.


    Ein Kanzler ist nichts ohne die Zustimmung der Mehrheit seiner Bürger, ein Unternehmenschef ist nichts ohne die Zustimmung der oder eines einzelnen Eigentümers und wenn's den Mitarbeitern nicht passt, who cares. Wir leben in zwei Systemen parallel, Demokratie und Autokratie. Daran hat auch das Betriebsverfassungsgesetz nichts wesentlich geändert. Darum geht's eigentlich beim ständigen Tauziehen zwischen privatem und öffentlichem Sektor. Seit den 70ern hat sich zunehmend das "Privat vor Staat" (=Autokratie vor Demokratie) Narrativ durchgesetzt. Auch baulich sichtbar. Wie ein Strömungsabriss haben wir dann aufgehört öffentliche Güter auszubauen, sei es Wohnblöcke oder Infrastruktur, Schwimmbäder, usw. baulich sind vor allem deswegen die 70er bei öffentlichen Bauten bis heute so präsent, weil danach die Zeitenwende gen private Seite stattgefunden hat.


    Dementsprechend ist die soziale Ungleichheit seit den 70ern explodiert und unsere ganze öffentliche Infrastruktur basiert wie gesagt sichtlich auf Investitionen die bis Ende der 70er getätigt wurden und seitdem nur hier und da ergänzt und erneuert wurden. Einfach weil seitdem die Früchte der arbeitsteiligen Gesellschaft zunehmend privatisiert wurden und in privaten Wohlstand, statt öffentlichen Wohlstand für Alle, geflossen sind.


    Das ist so nicht mehr lange aufrecht zu erhalten. Wir befinden uns im Endstadium dieser Ära. Und es wäre sehr bedauerlich, wenn vor einer fundamentalen Änderung, einer realen Zeitenwende, nochmal für die Allgemeinheit ungünstige Verfügungen getroffen werden würden. Denn abgesehen von Revolutionen, an die ich jetzt weniger glaube, würde auch die nächste Zeitenwende nur darauf basieren können was bis dahin entschieden wurde. Dh selbst wenn die Regeln für öffentliche Finanzen und das Steuersystem komplett reformiert werden, dann bleibt im Rahmen der Demokratie, des Rechstaats trotzdem jede Privatisierung erstmal bestehen wie sie ist.


    Privatisierungen durchzuführen, nicht weil man meint dies wäre die bessere Organisationsform, sondern einzig um einmalig Finanzmittel zu beschaffen und damit Macht von der Demokratie weg, hin zu privaten Einzelinteressen zu verschieben, ist an Kurzsichtigkeit nicht zu überbieten. Und das bei so wichtiger Infrastruktur zu machen und sich dafür dann noch selbst zu loben wäre Meinung nach der Gipfel von Verantwortungslosigkeit, nicht zuletzt gegenüber nachfolgenden Generationen, deren Erbe und Handlungsmöglichkeiten man damit verspielt. Geld ist nur ein Stück Papier, Metall oder meistens eine reine information. Verfügungsgewalt über so eine große Anlage wie den MUC ist reale Macht und Einfluss und als Stadt München nicht mehr über diesen riesigen Flughafen mit verfügen zu können wäre eine historische Fehlentscheidung. Andere entscheiden dann über München in Fragen der Luftfahrt. München kann dann vielleicht noch Online-Petitionen, die keinen interessieren, starten.

    Das größte Problem war damals übrigens nicht Geld, sondern fehlende Arbeitskraft und neue, bis dahin unerprobte Bauweisen, die immer wieder zu Problemen und auch Rechtsstreits führten.

    Ich habe ein ganzes Regalbrett voller alter Sachbücher zum Bau der U-Bahnen und dem Wiederaufbau in Westdeutschland und kann gerne ein paar Quellenzitate dazu heraussuchen, falls gewünscht.

    Wie das Gros der ganzen Infrastruktur wurde das Gros der U-Bahnen von der Nachkriegsgeneration aufgebaut, die nicht so bizzare Vorstellungen von Finanzpolitik hatte, sondern wusste, dass man in die Zukunft investieren muss und das kapitalistische Modell sieht hierfür nun einmal Verschuldung vor. Vom Eigenheim, über die kleine Druckerei die eine neue Druckerpresse braucht bis hin zum Verkehrsbetrieb.


    Ich kann nicht erklären was die aktuelle Generationen zwischen Gerhard Schröder und Christian Lindner dazu bringt zu denken wie sie denken, ich bin deutlich jünger und Sozialisation lässt sich, außer vielleicht von Forschern, kaum in sinnvolle Worte fassen. Dass es nicht nachhaltig ist kommenden Generationen, um die man sich angeblich sorgt, ein ruiniertes Land ohne Industrie und mit kaputter Infrastruktur zu hinterlassen, Hauptsache irgend ein abstrakter Schuldenstand ist gewahrt, sieht man ja jetzt schon.


    Ich bin eines dieser "unsere Kinder", für die schon um die Jahrtausendewende angeblich diese ständige Sparpolitik bei Investitionen gemacht wurde und ich hätte es bevorzugt, wenn damals zB mehr in meine Schule investiert worden wäre. Schulden "erbt" man sowieso und der größte Batzen sind nicht Investitionen, sondern Renten und Pensionen. Als es um die Rente mit 63 ging war die selbe Politikergeneration plötzlich höchst spendabel gigantische Lasten für die nächste Generation aufzubauen, ebenso wie bei der eigenen Altersversorgung von Abgeordneten und Regierungsbeamten.



    Bei Bahnen ist es besonders frustrierend. Das ist bewährte und effiziente Elektromobilität schon heute, ganz ohne Akkus usw. Darin zu investieren wäre langfristig die billigste Art Klimaschutz. Eine gut geplante U-Bahn ist auch dermaßen schnell, da kommt auch kein Auto mit.

    Die nächste Bundestagswahl wird eine Richtungswahl. Zwischen diesem seltsamen deutschen Sonderweg (alles kaputt, aber der Haushalt ist ausgeglichen, spitze), den kein anderes Land folgt und den auch kein anderes Land interessiert oder es so zu machen wie zB die USA, die solides Wachstum haben und dafür selbstverständlich kreditbasiert in die Zukunft investieren. Dadurch, dass die US Wirtschaft so stark wächst, ist die Schuldenquote als Anteil des BIP nicht einmal angewachsen.


    Unser BIP schrumpft, die Inflation ist in den USA niedriger, "trotzdem" ist das Lohnwachstum dort höher. Nichts was in Deutschland in Talkshows über Makroökonomie erzählt wird glaubt irgend jemand außerhalb Deutschlands oder hat sich in der Realität irgendwie bewahrheitet.


    Würde der Staat ernsthaft anfangen wertvolle Substanz wie MUC zu privatisieren, der gratis für den Steuerzahler seine und damit öffentliche Infrastruktur ständig fortentwickelt, weil er die Investitionen fortlaufend selbst erwirtschaftet und wieder reinvestiert, ein Perpetuum Mobile, dann würden diese Investoren das nur machen wenn MUC sein Betriebsmodell ändert und Profite in Zukunft ausschüttet, statt zu investieren. Da bisher alles tiptop gehalten und ständig saniert wurde könnte man MUC lange Zeit auf Verschleiß fahren und melken. Irgendwann ist er dann marode, Investoren cashen aus und der Staat darf die Ruine dann irgendwie am Leben erhalten und wieder sanieren.


    Das Modell hat man schön bei diesem Cross Border Leasing Unsinn gesehen, der mal in Mode war und halb Großbritannien wird nur noch von Duct Tape zusammen gehalten deswegen.