Bahnhofsviertel auf Metaebene

  • Es spricht Bände wirklich ausnahmslos alle Gegen-Maßnahmen im Bahnhofsviertel ins Lächerliche zu ziehen und von vornherein als Alibi / Woke / Gutmenschen / „name your favorite Buzzword“ Symbolpolitik oder blinden Aktionismus zu charakterisieren.

    In diesem Hessenschau Artikel zu diesem Thema steht, dass die Zahl der Gewalttaten mit Waffengebrauch im Frankfurter Hbf sich seit 2019 mehr als verdoppelt (!!) habe. Es ist also schlüssig hierauf zu reagieren.

    Ebenso wird von OB Josef erwähnt, dass die Waffenverbotszone, die es übrigens auch in Wiesbaden gibt, laut »Auswertungen » der Stadt erfolgreich sei. Polizeipräsident Stefan Müller sagte, dass seit November 62 Waffen von der Landespolizei sichergestellt worden sein. Es werden besonders solche Personen kontrolliert, die sich auffällig verhalten und andere Personen belästigen. Neben der BuPo / Landespolizei ist auch ein privater Sicherheitsdienst der Bahn im Einsatz. Letzten Mittwoch wurde zudem eine neue Video Überwachungsanlage installiert. Mehr Beamte sollen auf Wunsch der Landesregierung auf der Straße unterwegs sein und es soll vermehrte Razzien geben.

    Ich kann nur sagen weiter so, diese Massnahmen sind überfällig und die nächtliche Waffenvetbotszone sollte aus meiner Sicht auch auf die zunehmend problematische Mainuferstrecke zwischen Friedensbrücke und Untermainbrücke ausgedehnt werden.

  • Das ist halt mal wieder ein Herumdoktern an den Symptomen von völlig ohne Not selbst geschaffenen Problemen. In diesem Fall der importierten Kriminaliät. Bis 2015 war Messerkriminalität in Deutschland nahezu nichtexistent, seitdem wächst sie rapide und ist aus deutschen Großstädten leider kaum mehr wegzudenken.

    Wobei ich die Kriminalität im Viertel bisher immer nur als Nebenkriegsschauplatz empfunden habe, im Gegensatz zu den ganz offensichtlichen Problemen, nämlich der extremen Vermüllung und Verwahrlosung, des beißenden Uringestanks allerorten, dem regelrechten Belagern der Gehwege durch Gesellen die man lieber nicht näher an sich heranlassen will, und dem ungenierten offenen Konsum harter Drogen und Zurücklassen der Abfallprodukte (sogar der Hof der Weißfrauenschule ist vor diesen Gestalten nicht mehr sicher).

    Wenn man jetzt meint mit so einer Verbotszone da großartige Erfolge feiern zu können, nun gut, Zweifel und auch so einige Fragen hab ich aber doch. Warum nur so ein kleiner Bereich, und nicht besser gleich doch die gesamte Stadt (idealerweise das gesamte Land)? Was zählt alles als verbotene Waffe? Jemand der gut darin ausgebildet wurde kann aus absolut jedem Gegenstand im Handumdrehen eine effektive Waffe machen, Wenn ich meine Steakmesser zum Grillen bei Bekannten mitnehme, oder mit Buschmesser in die Wildnis rauswill, darf ich dann nicht durchs Bahnhofsviertel/Hbf und muss den ÖPNV also entsprechend meiden?

  • Nun ja, Du antwortest Dir zum Teil quasi bereits selbst.
    Weil es weder zielführend noch rechtlich haltbar wäre, einfach landesweit wahrlos alle die gerade jemand dabei hat Messer einzuziehen.
    Es geht dabei um die gezielte Reduzierung des Gefahrenpotentials in Brennpunkten.

    Die Regeln der Waffenverbotszone:
    Verboten sind (abgesehen von den Waffen die bereits ohnehin durch das Waffengesetz verboten sind) nun auch jegliche Messer mit einer Klingenlänge von über 4 Zentimeter von 20 Uhr bis 5 Uhr. Diese können dadurch dann auch eingezogen werden. = auch dein Steakmesser oder andere haushaltsübliche Messer wären in diesem Zeitfenster also im Bahnhofsviertel tabu bzw. konfiszierbar

    Die rechtlichen Voraussetzungen:
    Die räumliche und zeitliche Ausdehnung der Gefährdung, muss sehr sehr klar und anhand der polizeilichen Statistik erkennbar sein, um auch gerichtsfest zu sein. Möglich war die Einführung der Zone also, weil das Bahnhofsviertel belegbar ein erheblicher Kriminalitätsschwerpunkt ist, an dem sich viele Straftäter aufhalten. Die Einführung gibt der Polizei nun eine bessere Handhabe, Messer schnelle aus dem Verkehr zu ziehen. Das wird als unmittelbarer Opferschutz verstanden.

    Quelle und weitere Details: frankfurt.de


    PS: Der ”importierte Kriminalität“-Seitenhieb und die „völlig ohne Not selbst geschaffenen Probleme“-Bemerkung, war mal wieder absolut unnötig und hat rein gar nichts zur Debatte oder der Lösung des Problems beigetragen, musste aber wahrscheinlich einfach raus!? :/

  • Nein, das war absolut nicht unnötig. Denn wer Probleme beheben will, muss auch die Ursachen kennen, und vor Allem auch benennen. Und die Ursache der Messerkriminalität ist nunmal mehr als eindeutig. Wenn das manchen Leuten nicht in ihre Ideologie passt, ist das den ihr eigenes seelisches Problem, das aber niemals dazu führen darf dass man deswegen notwendige Diskussionen und Ursachenbekämpfungen unterlässt.

    Die Bekämpfung der Ursachen wäre hier auch wieder deutlich wirkungsvoller und in jeder Hinsicht sinnvoller, als die Einführung dieser Waffenverbotszone, wo man wegen gewissen "Fachkräften" also nichtmal mehr seine Taschen- oder Steakmesser von Haus zu Haus mitnehmen darf.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die Bekämpfung der Ursachen wäre hier auch wieder deutlich wirkungsvoller und in jeder Hinsicht sinnvoller, als die Einführung dieser Waffenverbotszone, wo man wegen gewissen "Fachkräften" also nichtmal mehr seine Taschen- oder Steakmesser von Haus zu Haus mitnehmen darf.

    Typisches „Strawman Argument“, mal ganz abgesehen von der völlig unnötigen Verallgemeinerung bei ausländischen Fachkräften, die gerade in Frankfurt den Laden am Laufen halten und die Stadt wesentlich interessanter / lebenswerter machen, als so manche „homogene“ Stadt in Osteuropa.

    Basierend auf den von Dir beschriebenen Gründen gibt es gerade keine Waffenverbotszone tagsüber bzw. erst ab 20 Uhr. Alles andere wäre auch nicht rechtssicher. Diese Thematik hatte Ordnungsdezernentin Rinn (FDP) im oben referenzierten Artikel auch angesprochen. Wortlaut: "Unter anderem könnten tagsüber Passanten zum Beispiel gerade ein Haushaltsmesser gekauft haben oder Handwerker auf dem Weg zum Tapeten-Ablösen sein.“

    3 Mal editiert, zuletzt von Golden Age (27. Mai 2024 um 10:24)

  • Ich will mich in die politische Debatte nicht einmischen, aber wahrscheinlich hat man es gerade deshalb früher nicht statistisch ausgewiesen, weil es eben sehr selten vorkam. Jetzt ist das Thema relevanter und verdient eine eigene Kategorie.

    Übrigens ist die Waffenverbotszone von 20-5 Uhr wenn mich mich recht entsinne.

  • Ja, stimmt. Die Waffenverbotszone gilt ab 20 Uhr und nicht 22 Uhr.

    Die Frankfurter CDU des Ortsbeirats 1 schlug am 24.5. vor die Waffenverbotszone auf den ganzen Tag auszuweiten. Das politische Echo der Linken fiel entsprechend reserviert aus. Ich drücke erstmal die Daumen, dass gerade die nächtliche Ausweitung auf den ganzen Hauptbahnhof Wirkung zeigt, da besonders dort für erstmalige Frankfurt Besucher ein ausbaufähiger erster Eindruck entsteht.

  • Es gibt durchaus Gründe, eine Waffenverbotszone auch kritisch zu sehen. Die meisten Menschen haben Waffen zur Verteidigung dabei, da mag nicht für jeden nachvollziehbar sein, aber ich weiss das aus einigen Gesprächen. Gründe sind vielfältig, manche vertrauen der Polizei nicht, andere wollen auf Nummer sicher gehen, damit sie auch verteidigungsfähig sind, wenn die Polizei nicht vor Ort ist, andere haben einen Hintergrund, der jegliche Zusammenarbeit mit der Polizei ausschließt usw..

    Übrigens ist auch Pfefferspray vom Waffenverbot betroffen.

    Ich will damit nicht sagen, dass die WVZ falsch ist oder nicht erweitert werden sollte, aber die Diskussion ist vielleicht nicht ganz so einfach wie so mancher denkt.

  • Die Stadt kommt mit dem nächsten Highlight um die Ecke. Es stehen jetzt Boxen, mit Blumen geschmückt, am Kaisersack. KA was die sollen, evtl. Info-Container für die EM, evlt. aber auch "nicht-repressive Vertreibungsmaßnahmen" für die Szene. Falls letzteres geplant sein sollte: die Menschen sind nach Süden weitergezogen und haben sich zwischen Kaisersack und Yok-Yok niedergelassen. Mal schauen wofür das ist und was der mittelfristige Effekt sein wird. Ich bliebe mal optimistisch und hoffe jemand hat sich was dabei gedacht und das auch fruchtet.

    UPDATE: aus dem Viertel höre ich, dass die Container wohl zum Eis- und Getränkeverkauf während der EM sind. Klingt mal wieder nach Feigenblatt.

    Box2.jpg

    (hoffe Hinterkopf ist in Ordnung ...)

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    Einmal editiert, zuletzt von Rud (30. Mai 2024 um 21:50)

  • Die vordere, offene Box wurde mittlerweile von der Szene in Beschlag genommen und zum Freiluft-Konsumraum umfunktioniert. 20 Meter daneben stehen Polizisten bei bester Laune und halten Smalltalk. Schon ein stückweit filmreif.

  • Sorry, was ist denn bitte die Erwartungshaltung? Alle für 4 Wochen am Stadtrand internieren? Rud

    Wir sind doch hier nicht in China. Ich kann verstehen dass die Maßnahmen wenig zufriedenstellend sind und auch keine Probleme wirklich lösen. Aber das wird Mike Josef wohl kaum mit dem Satz meinen, immerhin passiert ja einiges.

  • Er hat nichts mit spürbarem Effekt hingekriegt, dazu siehe die Historie der Diskussion hier.

    Eine realistische Maßnahme wäre gewesen, den Nordausgang samt Düdo-Strasse und den Kaisersack einigermaßen frei von Verkauf und Konsum zu machen, sodass Familien und Normalmenschen da entspannt durchgehen können. Es gibt genügend etwas abgelegenere Orte im Viertel für freien Verkauf und Konsum, man muss dafür nicht das zentrale Zutrittstor zur Stadt nutzen.

    Das hat er trotz großer Ankündigungen und vieler Ressourcen nicht hingekriegt. Stattdessen ist die Strasse jetzt zum zweiten Mal bunt gestrichen und es stehen am Kaisersack jetzt Container, die zum offenen Konsum verwendet werden.

  • Grundsätzlich ja, wenn nichtmal die Hauptverkehrswege vernünftig passiert werden können, ohne sicherheitsbedenken oder dass man den puren Brechreiz bekommt, dann ist das schlichtweg eine Bankrotterklärung und Rückstrittsgrund für die gesamte Stadtregierung. Offener Verkauf und Konsum, genauso wie die Wildpinkelei und Vermüllung sollte aber generell nirgendwo im Stadtgebiet geduldet werden. Da gehört endlich rigoros durchgegriffen, und das völlig unabhängig von irgendwelchen Fußballturnieren.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Alle für 4 Wochen am Stadtrand internieren?

    Alternativ die Leute bei toleranten Menschen wie dir zu Hause oder im Garten in der Hütte unterbringen. Ist allen geholfen, das Stadtbild ist wieder erträglich und Freiwillige können sich daheim vor Ort um ihre Schützlinge kümmern.

  • Nö, weil es nach wie vor gilt. Bei solchen Sachen bin ich intolerant, bestreite ich gar nicht. Toleranzbolzen sollten Taten und Eigeninitiative sprechen lassen, und net nur labern.