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    Es ist mir ein Rätsel, wie man die Eiermann Gebäude UNABHÄNGIG von der zentralen Ruine der KWGK betrachten kann. Das würde ja bedeuten, dass man quasi autistisch, je nach Vorlieben durch einen Stadtraum geht und ausschließlich einen bestimmten Bautypus einzeln betrachtet. Ohne Blick für die Gesamtausstrahlung eines Platzes oder Raumes.

    Auch ich sehe in dem gesamten Werk von Eiermann einzelne Bauten, die hohe Eigenständigkeit aufweisen und eine ästhetische Kraft besitzen, die mir gefallen. Wir reden hier aber über komplexe Wechselwirkungen von einem großen Platz mit mehreren Gebäuden.

    Der zentrale Bau am BP ist doch augenscheinlich und in puncto Symbolkraft die Ruine. Danach kommt die Frage ob die umliegenden Bauten die Ruine in der Wirkung unterstreichen oder eben nicht. Die Eiermannbauten sind als historische Geste zu verstehen, die Kriegsschäden optisch und zum Teil symbolisch abzuschwächen. Die Kirche und die Stadt wollten damals ein Signal setzen das sagte: Wir sind noch hier.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Es ist mir ein Rätsel, wie man die Eiermann Gebäude UNABHÄNGIG von der zentralen Ruine der KWGK betrachten kann.

    Das tue ich nicht.

    Die zentrale Turmruine habe ich nur deswegen nicht erwähnt, weil diese in der aktuell geführten Debatte nicht in der Kritik steht. Im Gegensatz zu den Eiermann-Bauten.

  • Ich verstehe die Beiträge nicht, die Teilabrisse oder Verzicht auf Sanierungen anregen. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist in allen ihren Bestandteilen und Gebäuden (alt und neu) als Baudenkmal geschützt. Das Denkmalschutzgesetz verpflichtet zum Erhalt (und zu Maßnahmen zur Erhaltung).

  • Eine Kirche, die von Beginn an dem Leitbild der offenen Kirche verpflichtet ist, die tagtäglich von morgens bis abends zur persönlichen Andacht oder einfach zum Innehalten einlädt. Eine Kirche, in der regelmäßig Andachten, Gottesdienste und Konzerte stattfinden und seit einem halben Jahrhundert stattgefunden haben, soll abgerissen werden? Ein Bau, der sich in das Gedächtnis der Westberliner und Touristen aus aller Welt eingebrannt hat, soll abgerissen werden, weil einige Leute ein ganz personlich ästhetisches Empfinden an den Tag legen? Und dieses ganz spezielle ästhetische Empfinden ist selbstverständlich das Maß aller Dinge und ist das einzig wahrhaftige? Was kommt dann, der Sturm auf das Bauhaus?

  • ^ Ich bin natürlich auch für den selbstverständlichen Erhalt der Gedächtniskirche.


    Auch ich glaube, dass die Diskussion durch andere Fehler Fahrt aufnimmt: Unsägliche, weitgehend sinnlose Verpollerung nach dem Anschlag. Allgemein vergammelte Platzgestaltung. Ewig stehende Gerüste. Ungelöste Situation am Europacenter mit der unglücklichen Absenkung am Wasserklops.

    Ein paar Milliönchen mit pragmatischen Sanierungen, schönem Pflaster und soliden Steinpollern sollten das ganze lösen. Alternativ wäre ein Drohnennetz über den Platz natürlich eine sichere Lösung 🤪.


    Beschimpfungen finde ich aber vollkommen unangebracht.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    …. Und dieses ganz spezielle ästhetische Empfinden ist selbstverständlich das Maß aller Dinge und ist das einzig wahrhaftige? Was kommt dann, der Sturm auf das Bauhaus?…


    …. nur als Hinweis der Sturm hat sich schon angekündigt. Ich habe diesbezüglich das BAUHAUS Manifest 2026 der Akademie der Künste und des Beauftragten der Regierung für Medien und Kultur hier unter dem Thread „Aktuell / Sonstige Meldungen und Projekte“

    Camondo
    21. August 2026 um 17:09


    Gepostet. Hier kann Jeder und Jede dem/der die zukünftige Entwicklung im Land Sachsen- Anhalt in Bezug auf das Bauhaus in Dessau nicht gleichgültig ist, sich in die lange Liste der Unterstützer eintragen.
    Recht eigentlich sollte das gesamte DAF als Architekturforum hier vorangehen …

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich verstehe die Beiträge nicht, die Teilabrisse oder Verzicht auf Sanierungen anregen. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist in allen ihren Bestandteilen und Gebäuden (alt und neu) als Baudenkmal geschützt. Das Denkmalschutzgesetz verpflichtet zum Erhalt (und zu Maßnahmen zur Erhaltung).

    Das ist richtig. Der Denkmalschutz verpflichtet zum Erhalt. Und eine Aufhebung des Denkmalschutzes zur Durchführung eines Rückbaus des kleinen Foyers und der kleinen Gemeindekapelle (NICHT: Vollabriss) dürfte nicht durchführbar sein, da die Gedächtniskirche in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz steht.

    Aber dann darf man sich halt auch nicht beschweren, wenn der Breitscheidplatz niemals elegant aussehen wird. Diese bauliche Verschachtelung der Gedächtniskirche mit ihren vier Teilgebäuden führt dazu, dass die Platzanlage für alle Ewigkeiten wie ein unaufgeräumtes Kinderzimmer aussehen wird. Der Breitscheidplatz mitsamt Gedächtniskirche ist in seiner heutigen Form ein Mekka für alle Menschen mit Messie-Syndrom!

  • Für mich als ehem. Tourist war die ausgebombte Kirche wegen ihre Ausstrahlkraft Höhepunkt des Breitscheidtplatzes, nicht das monströse bunkerähnliche Betonklotz à la Eiermann. Und 40 Jahre später ist m. Meinung unverändert.

    Einmal editiert, zuletzt von Clemenceau (29. August 2026 um 14:22)

  • Man sollte auch nicht vergessen, dass es Egon Eiermann war, der in seinem Siegerentwurf von 1957 für einen völligen Abriss der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche plädierte. Es ist den Berlinern zu verdanken, dass das heute eigentliche Mahnmal bzw. die bauliche Erinnerung an den Krieg erhalten blieb. Eiermann hätte lieber einen kompletten Neubau realisiert, "widerstrebend" arbeitete er dann an einer alternativen Lösung.

    https://eiermann.saai.kit.edu/browse/EE_140_…aechtnis_Kirche

  • Man sollte auch nicht vergessen, dass Eiermann auch ein Nazi "Sternchenarchitekt" war der u. a. auch für das 18m-hohe Portrait des "Führers" bei der 1937 NSDAP-Ausstellung "Gibt mir vier Jahre Zeit" in Berlin verantwortlich war.

    Egon Eiermann und Hier

    Der "Führer" soll begeistert gewesen sein.

    Egon Eiermann hat jedenfalls nicht unter die Naziherrschaft gelitten und hat seine Karriere in der Bundesrepublik Deutschland mühelos fortgesetzt.

    Einmal editiert, zuletzt von Clemenceau (29. August 2026 um 23:59)

  • War dieser Tage am Breitscheidplatz und musste leider feststellen, dass weder der eingerüstete Eiermann-Glockenturm noch der trockengelegte Wasserklops das Problem des Platzes sind. Es sind die elenden Buden, die schon wieder das Gelände verunstalten.

    Nachdem ich mich am Alex gefreut hatte, dass dort kein verfrühter oder verspäteter Weihnachtsmarkt war, sondern nur lebhafte Menschen, war meine Freude am Breitscheidplatz schon wieder perdu.

    Ich frage mich, was der Budenzauber dort soll. Rollschuhfahren auf dem Kirchplatz? Gehts noch? Natürlich muss man auch mit den Pollern eine Lösung finden. Aber ein Platz, durch den man überhaupt nicht schauen kann, ist für mich kein Platz.

    Mein Plädoyer als inzwischen Nichtberliner: 1 Jahr lang keine Buden auf zentralen Plätzen!