• < Moment, es ging hier um die Gestaltung. Die Gestaltung kann es nicht leugnen, kommt sehr deutsch daher, fast ist man geneigt zu sagen preussisch. Aber wie sollte es auch anders erscheinen wenn man Schinkel versucht zu zitieren. Und das ist doch recht gut gelungen mit einigen Anleihen bei Albert Speer, wie schon erwähnt. Also, hier tut sich kein gap auf, es ist stimmig, von Stimmung in Hinsicht von atmosphärisch möchte ich noch nicht sprechen bevor ich' s nicht selbt erfahren habe. Und ein Bisschen preussisch an dieser Ecke, mit dem garniert was man hierzulande wohl mit Romantik verbindet, why not?

  • Alltagstauglichkeit hängt ja denke ich am meisten von der Anzahl der Fahrgäste ab und Personen die ein- und aussteigen.


    Das wird sich zeigen, gegenwärtig sollte es wirklich kein Problem darstellen, da diese Station ja wirklich ziemlich touristenlastig sein sollte und es wird einige Zeit vergehen - wenn überhaupt - dass wir wieder diese Massen haben und selbst dann denke ich, sollte das kein Problem sein. Es gibt ja vier Ein- und Ausgänge und die Bereiche sind recht groß. Die U5 fährt außerdem so oft, dass ich da kaum ein Problem sehe.


    Und weil gerade mal wieder die ewige Frage des typisch deutschen diskutiert wurde, eines ist für mich schon ziemlich klar, nirgends gibt es mehr Bedenkenträger und Schwarzmaler als bei uns.

  • die Helligkeit der Lampen und ihre symmetrische Anordnung mit Sicherheitsaspekten zu rechtfertigten - sorry “deutscher” gehts nicht!

    Es ist das eine, das Vorschriftengebirge im deutschen Baurecht für überzogen zu halten. Darüber kann man diskutieren. Aber dass U-Bahnhöfe gleichmäßiges und helles Licht brauchen, das ist ganz gewiss keine Bürokraten-Schikane. Die Fahrgäste sollen sich dort im Gedränge der Rushhour ebenso wohlfühlen wie nachts um halb eins, wenn sie ganz allein auf den Zug warten – beides schwierig bei Schummerlicht, das Kontraste verringert und Schatten wirft.


    Klar käme der Sternenhimmel besser zur Geltung, wenn es weniger Streulicht gäbe. Aber er ist halt Kunst am Bau, kein Kunstwerk in einem Museum. Die Sternchen büßen etwas an Strahlkraft ein, damit der Bahnsteig optimal ausgeleuchtet ist. Ich finde nicht, dass hier etwas "kauttgeregelt" wurde.

    toller U- Bahnhof by the Way aber wirkt eben doch sehr „kalt“ und „technisch“ wie alles in Deutschland was neuer ist als 1970 - die deutsche Regelwut erzeugt die immer gleichen Aufenthaltsqualitäten

    Die kühle Atmosphäre ergibt sich aus dem Einsatz von schlichten Formen und grauem Granit. Dudlers ästhetische Entscheidung, kein rechtlicher Zwang. Und dass ein Technikbau mit Gleisen, Rolltreppen, Fahrstühlen und Anzeigetafeln ein wenig technisch daherkommt – nun ja. "Die deutsche Regelungswut" hat Architekten in den letzten Jahren jedenfalls nicht daran gehindert, wo immer sie wollten Holz, Backstein, Teppichböden oder gar Stuccolustro einzusetzen, um ein wärmeres Interieur zu erzeugen. Auch hier geht Dein Rundumschlag zu weit.

    Vieleicht läuft in Italien diesbezüglich wirklich alles "besser".

    Das wage ich zu bezweifeln. Die Metro in Rom verfügt bislang nur über drei Linien, und die Stationen sehen dort in der Regel so aus. Regelungs-Gelassenheit scheint kein Garant für schönere U-Bahnhöfe zu sein. An heller Beleuchtung über der Bahnsteigkante ändert sie in diesem Beispiel auch nichts.

  • "Vielleicht läuft in Italien diesbezüglich wirklich alles 'besser'" ???


    Was für eine unglaubwürdige Aussage!


    Lediglich in Mailand und Venedig funktioniert das Öffentliche Verkehrswesen relativ zuverlässig.


    Im restlichen Italien ist es teilweise absolut unzuverlässig.


    Und in Rom gibt es tatsächlich absolut hässliche U-Bahn-Stationen.

    Dagegen kann man die U-Bahnhöfe zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor ja fast schon als architektonische Edelsteine bezeichnen.


    Wer dies nicht glaubt, der darf in Rom ruhig mal die Mini-U-Bahn mit ihrem lächerlich kleinen Streckennetz benutzen.

  • Und das ist doch recht gut gelungen mit einigen Anleihen bei Albert Speer, wie schon erwähnt.

    Mich würde interessieren, wo du bei diesem U-Bahnhof Anleihen bei Albert Speer siehst? Wegen der vielen Säulen oder wegen der vertikal verlaufenden Beleuchtungen?

  • "Vieleicht läuft in Italien diesbezüglich wirklich alles "besser"." Nur so zur Info:


    A) Bezog sich dieser Satz auf Beitrag #897, wo Italien als positives Beispiel genannt wurde.

    B) Bei eigenen und ernst gemeinten Aussagen würde man "besser" nicht in Anführungszeichen setzen.

    C) Mit dem Wort "diesbezüglich" bezog sich der Satz auf die Barrierefreiheit, da es um die grelle Beleuchtung ging.


    @Biesdorfer Erst einmal herzlich willkommen im Forum!

  • Mich würde interessieren, wo du bei diesem U-Bahnhof Anleihen bei Albert Speer siehst? Wegen der vielen Säulen oder wegen der vertikal verlaufenden Beleuchtungen?

    .... was sollten viele Säulen mit einer Assoziation zu Speer zu tun haben ? Für mich ist es die Kombination von diesem grauen Granit mit der Vertikalität des Lichts. Das erinnert mich ein wenig an Lichtdome im Olympia Stadion und in Nürnberg. Ich habe nur den Faden von Theseus aufgegriffen der hier Münchner Königsplatz-Assoziationen hat.

  • Aus meiner Sicht verstehe ich einfach nicht, warum man sich nicht eine andere Lösung für die Wandkunst ausgedacht hat, die die Lichtsäulen berücksichtigt. Warum nicht statt Fotos hinter spiegelndem Glas ein reliefarmes skulpturales Kunstwerk wie beim Märkischen Museum?


    auch diese riesigen leeren weißen Wände am Ende der Bahnsteige sind wirklich grauenhaft.

  • Das ist leider typisch Deutsch! Es wird alles kaputt „geregelt“ (Lampenhelligkeit an einem Bahnhof zu regeln - Gute Güte) - einmal in Italien gewesen und Du weißt was in Deutschland falsch läuft…toller U- Bahnhof by the Way aber wirkt eben doch sehr „kalt“ und „technisch“ wie alles in Deutschland was neuer ist als 1970 - die deutsche Regelwut erzeugt die immer gleichen Aufenthaltsqualitäten…wobei ich die 3 neuen U- Bahnhöfe für deutsche Verhältnisse wirklich gut finde…

    Das ist leider typisch unsachlich. Würdest Du die italienischen Bahn-Regelwerke kennen, würdest Du feststellen, dass dort deutlich mehr geregelt ist als bei uns.

  • Lediglich in Mailand und Venedig funktioniert das Öffentliche Verkehrswesen relativ zuverlässig.


    Im restlichen Italien ist es teilweise absolut unzuverlässig.

    Ich habe in Italien (Ligurien, Toskana, Sizilien, Lombardei; Nahverkehr: Genua, Florenz, Turin, Mailand) nur absolut pünktliche Züge erlebt, auf manchen Strecken wurden alle Durchsagen auch auf Englisch getätigt. Beides kenne ich von Deutschland nicht. Also von meiner Erfahrung her würde ich mit Italien tauschen.

  • War jetzt da und finde, es ist ein ganz besonderer Raumeindruck geworden; voller Tiefe, Rhythmus und Abwechslung, wie ich ihn von keiner anderen U-Bahnstationen kenne. Das ist schon sehr gekonnt gemacht.

    Die Gestaltung kann es nicht leugnen, kommt sehr deutsch daher, fast ist man geneigt zu sagen preussisch.

    Ich bin mir da unsicher. Ruft wirklich die Architektur selbst diese Assoziiationen hervor? Oder ist es eher die Lage, gepaart mit zu ernst genommener Architektenprosa? Preußische Architektur war im 18. Jhdt. leicht, im frühen 19. Jhdt. klassisch und in der Kaiserzeit pompös. Schwer und schlicht zugleich, wie hier, war sie eigentlich nie.


    Klar, für den Himmel ist Schinkel gesetzt – ein direkter Bezug. Bei den klaren Formen könnten man aber z.B. auch an Mies van der Rohe denken, der bekanntlich gern blanke Natursteinwände für seine Innengestaltung verwendete. Das wäre klassisch-modern. Oder an den U-Bahnhof Mohrenstraße mit seinen Natursteinplatten und Bronze-Schriftzügen, den man als direkten Vorläufer interpretieren könnte. Das wäre spät-stalinistisch. Und ich habe mich in dem langen, gedrungenen Korridor mit den massiven Säulen auch an die Krypta unter einer Kathedrale erinnert gefühlt. Was wäre das?


    Will sagen: Der Bahnhof hat viele Bezüge und Vorbilder, die einem alle in den Sinn kommen können. Dass einem das Preußische so ins Auge springt, dürfte auch an der Erwartungshaltung liegen: Naturstein + UdL = Preußen.

  • < ... das 'deutsch' oder 'preussisch' sollte kein Vorwurf meinerseits sein. Ich schrieb dann ja auch fortführend, was Du leider in Deinem Zitat weggelassen hast... "wie sollte es auch anders erscheinen, wenn man Schinkel versucht zu zitieren" ?... dabei kann ja schlecht was französisches oder sizilianisches oder gar potugiesisches herauskommen. Insofern verstehe ich jetzt nicht wieso sich einige hier daran so abarbeiten müssen zumal ich noch näher erklärt habe was meine Assoziation ist. Vielleicht nicht immer so selektiv lesen und dann gleich anspringen.

    Ansonsten unterstütze ich Arty Decos Forderung nach einer Fortführung der Streckenführung.

    Wenn man sich mal umblickt was gerade so in Europa gebaut wird, U- Bahnmäßig, z. Bsp. in London mit dem Crossrail Projekt, kann man nur ehrfürchtig erstarren ...

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Crossrail

  • Insofern verstehe ich jetzt nicht wieso sich einige hier daran so abarbeiten müssen zumal ich noch näher erklärt habe was meine Assoziation ist.

    Jetzt hast Du mich gehörig missverstanden. Mein Text war nicht als Kritik an Dir gemeint, auch nicht am Preußenbezug. Den hatte ich selbst. Ich habe Deinen Beitrag nur als Ausgangspunkt für die Frage genommen, warum uns manche Assoziationen so einleuchten und andere nicht. Und ich finde es plausibel, dass der Ort dabei eine größere Rolle spielt als die Architektur. Derselbe Bahnhof in Rom würde vielleicht Assoziationen zum Forum Romanum auslösen, und in Paris könnte man bei den Tonnengewölben an den Spiegelsaal von Versailles denken. In Berlin halt Schinkel.


    Ich halte auch Deine Assoziation mit Speer und den Lichtdomen für nachvollziehbar. Ich selbst hatte sie nicht, aber nach Deinem Beitrag hatte ich ein "Jetzt, wo er's sagt..."-Gefühl. Die Frage ist nur: Hättest Du denselben Einfall gehabt, wenn die Station nicht in Berlin läge, sondern in Warschau oder Amsterdam?


    Ich vermute, es ist eine Art Framing-Effekt im Spiel: Orte, Namen und Geschichte(n) setzen den Rahmen, durch den man Architektur betrachtet – und dieser Rahmen beeinflusst, welche Bilder und Gedanken einem beim Betrachten am ehesten in den Sinn kommen. Hier legt der Rahmen das Assoziationsfeld "Preußen" nahe, und Dudler musste gar nicht viel dafür tun, damit sein Bahnhof entsprechend wahrgenommen wird. Der Sternenhimmel ist nur das i-Tüpfelchen.* Nochmal: Ich meine das nicht vorwurfsvoll, sondern finde einfach die Frage interessant, wie sowas funktioniert. Bin für andere Vorschläge offen.


    *Natürlich hat sowas Grenzen – das Bauwerk muss mit dem Rahmen schon assoziierbar sein. Mit Stahl, Glas und Sichtbeton hätte das nicht geklappt.

  • Meine Interpretation ist, dass sich der etwas düstern anmutende graue Bereich den Stenenhimmel unterordnet ist. Dadurch scheint es, als schaute man aus dem obskuren Dunkel der Nacht hinauf zum wunderbar-blauhellen Sternenhimmel. Dazu passt die ungewöhnlich dunkle Ausführung der Fotos, die die Schwere der Steinwände in keiner Weise aufzubrechen scheint.


    Die Gedrungenheit der Räume mit ihren schweren Stützen, welche Architektenkind nicht zu Unrecht an eine Krypta erinnert, passt also zur bleiernen Schwere, zu der der Himmel überhaupt erst einen eindrucksvollen Kontrast darzustelen vermag. A propos Stützen: Im erweiterten Sinne kann man vielleicht auch von Pfeilern sprechen, wenn man den Begriff sehr weit öffnet. Am Ende sind es schlichte Stützen, sprich tragender Schäfte, die direkt in die Wand übergehen. Immer wieder wurde in der Presse sogar von einem 'Säulengang' gesprochen, was für jeden Kunsthistoriker wie ein Messerstich ist. Meine Professoren hätten innere Blutungen bekommen, wenn hier von Säulen die Rede wäre. ;-)


    Und zur vermeintlich deutschen Anmutung fällt mir tatsächlich auf, dass dieses ausdrücklich solide, handwerklich perfekte, und doch ohne jede "unsachliche Verzettelung" strenge - dieses farblich bewusst kühle - durchaus Assoziationen zum deutschen Gestaltungswesen des 20. Jahrhunderts zulässt. Ich fühle mich wie im Untergeschoss der Deutschen Bank, wo ich Zugang zu meinem Safe erhalte. Dazu passt auch das mir tatsächlich zu harte Beleuchtungskonzept, das leider keine stimmungsvollen Räume ermöglicht, so dass die Assoziation zur Krypta gleich wieder im Eimer ist. Aber das ganze mündet - einmal am Gleis angekommen - dann eben doch in dem umso spannungsvolleren und wohltuenden Kontrast zur poetisch-blau-leuchtenden Decke mit ihren 'petiten' Sternlein.

  • P.S.: Ich habe mich am Eröffnungstag übrigens sehr über einen Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur mit Nikolaus Bernau zu dem Bahnhof geärgert, in dem wirklich an allem nur herumgekrittelt wurde, als wäre hier ein ganz großer Scheiß entstanden, der ohne jeden Bezug zur Umgebung und ohne Berücksichtigung des benachbarten Humboldtforums entstanden sei, wobei letzteres angeblich auch nur ein Fake-Barock-Scheiß sei. "Mann, Mann, Mann..." dachte ich mir, wenn wir auf so hohem Nieveau kein gutes Haar lassen an solch gigantischen Bauleistungen, die dem Auge in jeder Weise nun wirklich viel bieten, dann haben wir wirklich keine Probleme in diesem Land.


    Wer es sich antun will: https://ondemand-mp3.dradio.de…0210709_1741_4a062152.mp3

  • Herr Bernau ist - bei aller vorhandenen Sachkenntnis - wie manch andere Kritiker auch extrem selbstverliebt und hält sich selbst für den Größten, was bei Kritikern im allgemeinen, aber in der Kunst, Kultur, Architektur und Gourmet Szene besonders oft der Fall zu sein scheint. Abgesehen davon erregt man natürlich mehr Aufmerksamkeit, je vernichtender und pointierter ein Urteil ausfällt, das gehört halt auch zu den heutigen Mechanismen. ich denke auch wenn man ihn direkt mit Herrn Dudler konfrontieren würde, würde er sich bestimmt wesentlich differenzierter äußern.


    Da ist mir ein Herr Chipperfield hundertmal lieber. Dem kann man wenigstens zuhören, weil man wirklich den Eindruck hat, der Mann respektiert die Arbeit anderer und versucht zu erklären und nicht zu polarisieren.