Beiträge von Timmi

    Meiner Meinung nach gehen die Entwürfe schon in die richtige Richtung und weisen einen hohen Anspruch an handwerkliche Qualitäten auf (glasierte Ziegel, geschlämmte Ziegel, besondere Putzoberflächen etc.). Die pauschale Kritik kann ich nicht verstehen.


    Was mir nicht gefällt ist die Einförmigkeit der 5 Parzellen, in Traufhöhen und Gebäudebreiten. Irgendwie sind die Ansichten und Parzellen fast alle quadratisch. Manche Fassadengliederungen sind mir zu monomental (insb. EG Gliederung) und die Abstaffelungen zu den Seitenstraßen sind mir zu unmotiviert und wären auch ein-, zweimal zur Breiten Straße sinnvoll gewesen. Insgesamt wirken die Entwürfe dadurch alle wenig elegant und sperrig. Zwei schmalere Parzellen hätten da Wunder gewirkt, ohne ins andere Extrem Friedrichswerder 2.0 zu fallen.

    Ich finde das Projekt aufgrund zahlreicher Aspekte einfach überzogen.


    - Das bestehend Kaufhaus war für mich immer einer der hochwertigsten Gebäude in der ganzen Ecke, zudem in einem sehr gepflegten Zustand.

    - Städtebaulich wirkt dieser gepatchworkte Trumm, viel zu massiv und baut eine Konkurrenz zum denkmalgeschützten Bienenkorbhochhaus also Dominante der Konsti auf.

    - Wie eine Passage durch ein Parkhaus langfristig attraktiv sein wird, bleibt offen.

    - Wie diese massiven statischen Eingriffe im laufenden Betrieb funktionieren sollen, bleibt offen.

    - Das Projekt hauptsächlich auf den Mieter P&C aufzubauen, ist wirtschaftlich äußerst riskant (siehe Kaufhaussterben nebenan, Karstadt, Conrad, oder jetzt Eckerle). Solche großen Verkaufsflächen sind einfach nicht mehr gefragt. So viele Gym‘s etc., wird man für die Obergeschosse bei der Gebäudetiefe nicht finden.

    ^ Genau das ist es, was mich etwas verwundert. Die acht Propheten sind eben keine barocken „Attika-Figuren“. Im Spätklassizismus sind diese in der Masse und mit diesem Bildprogramm auch eher unüblich. Die Attika-Figuren über den barocken Nord- und Südportalen, sind für die Gesamtarchitektur viel wichtiger. Bis diese 2025 wieder aufgestellt werden sollen, gibt es für mich ein optisches Ungleichgewicht.


    Klassizistische Ergänzungen, kommen üppiger und programmatisch absolutistischer daher, als der barocke Ursprungsbau.

    Persönliche Aversionen gegenüber spektakulärer, extravaganter Architektur mit künstlerischer Auffassung sollten nicht den sachlichen Blick darauf verstellen.

    Ich glaube über die Gehry-Bauten in Düsseldorf, Prag, oder Bilbao, brauchen wir nicht streiten. Das sind alles Kinder seiner Zeit und haben die jeweiligen Städte weitergebracht. Meine Kritik richtete sich eigentlich auf den Umgang mit dem Stadtraum seiner Bau-Skulpturen und andererseits um die „Marke Gehry“.


    Wünscht man sich einen Gehry aufgrund des tausendundeinten Bilbao-Effekts (hier in homöopathischen Dosen), oder geht es erst einmal um die Architektur/Städtebau die den Alex zu einem bessern Ort machen?


    Hinsichtlich des ursprünglichen Gehry-Entwurfs, stimme ich den vorausgehenden Beitrag ebenfalls zu. Dieser hat noch beides versucht. Für eine gute Skulptur war er leider schlecht proportioniert, da zu kurz / klobig und zum Stadtraum hat er sich auf Augenhöhe der Passanten, ähnlich autistisch verhalten, wie der Zollhof in Düsseldorf.


    Gehrys Dekonstruktivismus und Icon-Architekur, stammen aus den 80er-Jahren und prägten noch die 90er. Heutige Themen in der Architektur (Ressourcen, Energie, Nachhaltigkeit etc.) stehen im krassen Gegensatz dazu. Das verhält sich so, wie die Shopping-Mall-Debatte im Städtebau der 90er/00er und dem heutigen Onlinehandel.


    Insofern ist der biedere Kleihues-Entwurf, vielleicht eher ein Kind unserer Zeit, als der aktuelle Gehry.

    ^ Warst Du schon mal im Düsseldorfer Hafen und hast Dir die Gehry-Dinger vor Ort angesehen? Ich habe selten Gebäude erlebt, die sich so autistisch zum Stadtraum

    (hier Rheinpromenade) verhalten. Die konkave Fassade zur Promenade verschluckt die Passanten, die sich in einer abweisenden Erdgeschosszone mit hohen Brüstungen und Lochfenstern wiederfinden, die sich in unkrautbewachsenen Nischen faltet und sich als öffentliches Urinal anbiedert, sofern man sich nicht im Fassadenmaterial spiegeln würde.


    Das ist Architektur und Städtebau wie man sie in Dubai und Astana findet. Gebaute Skulpturen auf infantilen Niveau, in Form von Papierknäul, oder zerdrücken Dosen (,hier Papierstreifen aus dem Aktenvernichter), auf dem Ziegel, Naturstein, Putz, oder Edelstahlblech appliziert wird, egal ob Museums-, Büro-, oder Wohnungsbau.


    Da lobe ich mir den Gehry der 80er und 90er, indem solche Formen noch akzentuierend und ironisch eingesetzt wurden, oder man zu Bauten wie der DZ Bank in der Lage war und die städtebaulichen Vorgaben zum Pariser Platz äußerst gekonnt interpretiert hat.


    Bitte keine Gehry 2.0 Icon-Architektur mehr, die seit über 20 Jahren in aller Welt von New York bis Herford verkauft wurde. Architektur als Konsumprodukt. Der Bilbao-Effekt funktioniert wenn überhaupt nur bis zu den ersten Bauschäden und ist sowas von vorgestern.

    ^ Der Kleihues-Entwurf steht eben nicht schräg zum Covivio- und ParkInn Hochhaus, da die Kante des Baublocks schräg zum benachbarten Baublock steht und sich das dadurch erzeugte spitzwinklige Dreieck abstaffelt. Das finde ich schade. Der Barkow Leibinger-Entwurf, steht hingegen an der schrägen Kante des Baublocks und dreht sich mit einer Seite in die Karl-Marx-Straße. Die fast quadratische Kubatur der Turmabschlüsse finde ich in beiden Entwürfen gut, sodass mehr Abwechslung in den Silhouetten der Türme entsteht.

    Der Bethmannhof ist in „der“ Frankfurter Denkmaltopographie aufgeführt (erschienen 1986). Leider ist gerade diese Ausgabe die inhaltliche schlechteste aller bundesweiten Ausgaben, sodass der Bethmannhof mit 4 Fotos und zwei Halbsätzen wie folgt beschrieben wird: „Neobarocke Dreiflügelanlage von 1895 mit dekorativem Hoftor; urspr. Mansarddächer vereinfacht ersetzt. Nach Osten barockes Säulenportal um 1680.“


    Ich gehe davon aus, dass das Erdgeschoss einzig noch neobarocke Gestaltungselemente aufweist. Hofseitig eher typisch frankfurterisch Barock (Fenstereinfassungen mit Segmentbögen in Mainsandstein und Ziergitter) und straßenseitig mit Hoftor, deutlich mehr „neobarock“ mit Bandrustika in Gelbsandstein und daher gründerzeitlicher. Ab dem 1.OG, scheint bis auf die Südostecke (mit genannten Barockportal), der ganze Komplex in den 50ern stark überformt worden zu sein. Die Gestaltung der Südostecke mit zweiteiligen Fenstern und Eckquaderung über 3 Geschosse, wohl eher Neorenaissance. Soweit meine weitere Vermutung zur Denkmalsubstanz.

    ^Witzig, wie da die Wahrnehmung auseinandergeht. […] alles Beispiele, die ich für ausgesprochen gelungen und oft sogar besser als die Originale halte.

    Ich glaube da hast Du mich missverstanden. Es sind gelungene Beispiele von Adaptionen/Abstraktionen des hist. Bestandes, die sich über einen Material- und/oder Farbwechsel definieren. Gelungene Beispiele in Sinne von Herrn Spars, mit gleicher Farbgebung und gleicher Materialiät, kenne ich keine.


    ErSieEs, hat hierzu einen wichtigen Punkt angesprochen - die Musterecke. Die genannten Beispiele benötigen ebenfalls alle ein gewisses Abbild der Ursprungs der Abstraktion, um nicht zur Karikatur zu werden.

    Abstraktion des Schinkelbaus in farb- und materialgetreuer Adaption.


    In der Baugeschichte hat das leider noch nie funktioniert und ist ein Widerspruch in sich. Da kann man sich Döllgasts Alte Pinakothek aus den 50ern, oder auch neuere Beispiele wie die Meisterhäuser in Dessau, das Neue Museum, oder das Naturkundemuseums ansehen. In den letzten Jahrzehnten würde hierzu auch viel architekturtheoretisches publiziert - für diejenigen den das Thema interessiert, oder interessieren sollte.


    Mit dem Schneider+Schumacher hat man sich nun noch ein Büro ausgesucht, das mit seinen Wettbewerbsbeiträgen zum DomRömer-Projekt in Ffm bewiesen hat, dass sie Adaptionen und Abstraktion hist. Gebäude in Farbe, Materialität und architektonischen Ausdruck, nicht beherrschen.


    Wie KaBa1 schon richtig sagte, finde ich die Aufgabenstellung und das beauftragte Büro, keine gute Voraussetzung dafür, um den selbst geknüpften „Gordischen Knoten“ zu lösen.


    Entweder man hat bei der Bundesstiftung keinen Plan wovon man redet, oder man will zu viel mit vorhersehbaren Ergebnis.

    ^ Das Oro mag wohl gestalterisch und von der Kubatur, eines der Highlights des Quartiers sein, aber von der Ausführungsqualität ist es aus meiner Sicht noch viel mieser, als die des Wohnungsbaus von HdM (und die Messlatte ist bei diesen Mauerwerksverbänden und Geometrien sehr hoch).


    Die Bereiche mit den Diagonalverbänden wirken durch leichte Ungenauigkeiten fleckig und die Anschlüsse an die Loggia-Bögen sind fürchterlich zackelig ausgefranzt. Auch da wo die Ziegel der Rundung angepasst geschnitten wurden, sehen die Bögen holperig aus und die wellige Fuge dort vom Ziegel zum Stahlbeton der Loggia, ist auch nicht ansehnlich. Anderseits ist es auch fast unmöglich sowas sauber hinzubekommen - das hätte man schon im Entwurf wissen müssen. Traditionell hätte man es mit einem gemauerten Bogen / Rollschicht, oder einem Fertigteil sauber hinbekommen. Ein Bogen mit immer flacher werdenden Ziegeldiagonalen nachzufahren, wird halt nichts und wiederspricht Form und Material - leider.


    Wie sowas geht, haben zum Beispiel Fink & Jocher in Neu-Ulm gezeigt.


    Trotzdem gefällt mir die grundlegende Idee, das Material und der unperfekte Vintage-Look irgendwie dennoch ganz gut.

    Mich haut’s grad vom Stuhl, wohin dieser Thread wieder abdriftet, wenn ich die letzten Beiträge so lese.


    Nochmal als Hinweis:

    A) Weder Frau Kahlfeld, noch ihre Vorgängerin Frau Lüscher sind/waren vor, oder nach ihrer Berufung aktive Politikerinnen. (Welchen Parteien gehören sie nochmal an?) Wenn man jetzt noch den drei letzten Senatsbaudirektor*innen - alle wahrscheinlich eher dem linken Lager zuzuordnen, politische Etiketten anheften will, wird’s ganz komisch.


    B) Frau Kahlfeld plädiert für die Beibehaltung einer Situation die seit 50 Jahren besteht (ein Brunnen). Herr Grotewohl stand für „tabula rasa“ und Abriss der alten Stadtmitte und Errichtung einer neuen Staatsmitte - sowjetischen Vorbilds (eine Stadt).


    Keine Änderungen, brauchen keine Begründungen - erst recht keine ideologischen.

    Seit mindestens 15 Jahren diskutiert man über den hohen Stellenwert von Warenhäusern für die Belebung der Innenstädte. Im Grunde ist es wie bei einer Mall, wo ein Ankermieter auszieht.


    Zur Rettung von Warenhäusern und ganzen Konzernen, gab es zu Recht reichlich stattliche Unterstützung. Nun passiert aus wirtschaftlichen Gründen nur unter anderem Abhängigkeiten das Gleiche, man hat nur kein Rettungspaket, oder Versucht die Nutzung „Warenhaus“ zu halten, sondern findet eine „viel bessere“ substitutionelle Nutzung „Kultur“ vor Bekanntwerdung und alle freuen sich.


    Das jetzige Konzept hätte bei einer Stadtbibliothek Recklinghausen genauso funktioniert, oder wäre man auch froh gewesen, wenn z.B. das Museum der Moderne in das Karstadt-Warenhaus am Hermannplatz einzieht?


    Ich finde, es gibt bessere Standorte in der Innenstadt die durch kulturelle Nutzungen belebt werden müssen, als die Friedrichstraße.

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    Dass die Gemengelage gerade unübersichtlich ist, ist offensichtlich. Wenn ich den Inhalt des verlinkten Ausschnitts aus der Abendschau kurz wiedergebe, hat das auch erst einmal nichts mit Politik-Bashing zu tun.


    Was mich daran irritiert ist, dass es Renderings und konkrete Planungen zur Umnutzung des Lafayette hin zur Landesbibliothek gibt, die Mitarbeiter des Lafayette aber erst mit deren Veröffentlichung von Ihrem „Glück“ erfahren. Hätte da der Initiator der Planung nicht den Ball besser flach halten und noch etwas warten können?


    Auch wenn es nicht direkt mit dem Thema zu tun hat - als die letzten Kaufhausschließungen in Berlin bevor standen, hat man da noch anders reagiert.


    Egal von welcher der drei Parteien dieses Durcheinander ausging, die Kommunikation ist scheinbar katastrophal und schadet letzten Endes allen.

    Für mich ist es erschreckend, dass eine große europäische Hauptstadt wie Berlin es ist, nicht in der Lage ist soviel Kaufkraft zu generieren, dass sich ein zweites Luxuskaufhaus neben dem KaDeWe längerfristig etablieren kann.

    Ich sehe die Thematik genauso wie Camondo. Für mich ist es ein Alarmzeichen für die Umgebung. Das Aus für das Lafayette bedeutet ein Verlust an Attraktivität und Strahlkraft für das Geschäftszentrum Friedrichstadt und eine Verstätigung zugunsten monostruktureller Nutzungen - die Ausweitung von Ministerien und kultureller Einrichtungen. Das könnte auf die gesamte Ecke inkl. Malls um den Potsdamer Platz Auswirkungen haben.


    Wenn man das dann noch wie Backstein mit London, Paris, Hamburg und München vergleicht, wird erst recht kein Schuh draus. Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es dort deutlich mehr Shopping-Destinationen mit Strahlkraft und homogenere Citybereiche die eine solche Schließung besser wegstecken würden.


    Laut heutiger Abendschau sieht es eher so aus, als ob das Lafayette vom Senat aus der Immobilie gedrängt wird, oder der Eigentümer hier mit potentiellen Mietern pokert.

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    Sehr schön geworden! Auch die schwarzen Rahmen mit den Messingleisten, zeigen prima den typischen Gestaltungswillen der 50er-Jahre.


    Einzig die schwarze Dehnungsfuge in der Lisene, weißt darauf hin, dass es sich um einen Neubau handelt. Ich frage mich, ob man die Fuge nicht auch neben der Lisene verdeckt in den Fensterlaibungen hätte anordnen können. Wahrscheinlich hätte es aber dann mit dem Anschlüssen der Blechabdeckungen ein Problem gegeben.

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    Der Römer kannten keinen Sichtbeton (zumindest war dieser nicht der Witterung exponiert). Bei Zuschlägen wie grober Tuffstein, wäre das auch kaum gegangen. Da ging es mehr um wasserundurchlässige und leichte Konstruktionen.


    Genau das ist bei den Stehlen des Mahnmals das Problem. Der Beton wurde dunkel eingefärbt und im täglich ändernden Sonnenstand, sowie der gegenseitigen Verschattung, gibt es ein großes Temperaturdelta innerhalb einer Stehle. Die Spannungen im Material erzeugen Risse. Das gibt es selbst bei Sichtbetonfassaden nicht so extrem innerhalb eines Fassadenteils. Meines Wissens sind die Stehlen wegen des großen Eigengewichts zudem hohl.


    Ich denke das Problem hätte man auch bei dunklen Naturstein gehabt (Granit oder Basalt). Den hätte in der Masse aber niemand bezahlen, geschweige denn die Monolithen aushöhlen können.

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    Naja, meines Wissens ist die Passage komplett unterkellert und da ist es eigentlich völlig egal, ob das Pflaster das Oberflächenwasser in eine Retention auf der Kellerdecke leitet, oder dieses über versiegelte Flächen und Rinnen passiert. Bei Starkregen ist das natürlich von Vorteil, aber versickert wird dort nichts.

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    Ich finde den Mäckler-Entwurf gerade deswegen interessant, weil er „eine Wand“ aufbaut - aber nicht zum Ku’damm, sondern zum Breitscheidplatz. Ich würde es auch eher Kulisse und Platzfassung nennen. Es sind zudem auch drei höhere Gebäude die eine Kante bilden und nicht nur das Hochhaus. Nichts anderes macht der neue KranzlerEck-Riegel, der Sofitel und Swissotel im Süden und das Huthmacher Haus, sowie die hohe Ersatz-Sockelbebauung mit Hochhäusern des ehem. Schimmelpfenghauses im Norden.


    Wenn man einen Zirkelschlag um die Gedächtniskirche schlagen würde, liegen fast alle genannten Gebäude + die Hochpunkte des Mäckler-Entwurfs, auf dem Kreisbogen.


    Für mich generiert Mäckler somit weniger eine solitäre HochhausSkyline, aber umso mehr ein verbindendes städtebauliches Konzept.