Beiträge von Timmi

    Im Zuge der letzten Baukollegiumssitzung hatte man nun die Möglichkeit das ganze Elend dieses verkorksten Entwurfs zu begreifen. Gerade in der Modellansicht wurde klar, dass es sich um einen zu Architektur gewordenen Abstandsflächen-Paragrafen der Landesbauordnung handelt.


    1.) Wo der südlich gelegene Hochhausriegel Richtung Neubau vorspringt, wird das Gebäude an städtebaulich bedeutender Stelle (Friedrichstraße) plötzlich zweigeschossig.

    2.) Wo eben jener Hochhausriegel zurückspringt, baut man einen Hochpunkt und begründet ihn mit der Sichtachse und irrelevanten Hochpunkten der Wilhelmstraße

    3.) Den "Dromedar-Höcker" (6. Geschoss + 7. Geschoss Technik) in der Mitte, setzt man da auf, wo die Abstandsfläche in die öffentliche Freifläche nach Norden fallen darf.


    Die Fassade mit der "rauen" Umgebung zu begründen und den Treppenhauskernen an der "Adressseite" Scheinfenster zu verpassen, weil man Wendepodeste und Aufzugskerne flächenoptimiert press an die Fassade schiebt, ist ein weiterer architektonischer Fauxpas.


    Als man dann noch offen zugibt, dass das Visualisierungsbüro und nicht das Architekturbüro, die Fassadenalternative entworfen hat und man sich nichts weiter dabei gedacht hat, musste ich mich so langsam fremdschämen.


    Der Knaller kam zum Schluss, als das Baukollegium die Planung generell in Frage stellt und eine Aufstockung des Wohnanteils von 20% auf über 50% forderte. In weiterhin fachlich kompetenter Manier entgenete der Investoren daraufhin, ob die Fassaden mit dem Büroraster nicht zumindest beibehalten werden könnte.


    Da merkt man doch, wie wichtig das so oft gescholtene Baukollegium ist und man den Investor mit so einen Murks auch mal nach Hause schicken muss. Voraussichtlich soll es nun einen vorhabenbezogenen B-Plan geben, der hoffentlich dann auch ein schlüssiges Bauvolumen generiert. Ob die Investoren an einer nun vorrangigen Wohnnutzung mit geringeren Quadratmeterpreisen noch Interesse haben, bleibt abzuwarten.

    Ich war von der Präsi auch sehr angetan - gerade, wenn man sich die fachlich und inhaltlich grottenschlechte Präsi "Friedrichstraße 245" zuvor angesehen hat. Die Fragen und Einwände des Baukollegiums waren aus meiner Sicht auch sehr fachkundig und angebracht.


    Die unterschiedlichen "Lesbarkeiten" des Turms, zusammen mit den Behrensbauten einerseits (steinerne Materialität, Raster & Fensterrahmung) und andererseits den DDR-Riegeln & Scheiben (Haus des Lehrers) in gestapelter Form gleicher Proportion, hatte ich vorher auch nicht so auf dem Schirm.


    Eigentlich entspricht der Turm noch am ehesten den differenzierten Hochhaussilhouetten mit Lochfassaden des Kollhoffplans, nur mit der Differenzierung am Turmschaft und nicht an der Turmspitze. Ich denke wir können uns auf eine spannende Baustelle freuen.

    Man muss nur bei competitionline schauen, um zu sehen das hunderte Preisgerichtssitzungen im letzten Jahr online, oder auch mit bestimmten Hygienemaßnahmen abgehalten wurden und aktuell auch noch abgehalten werden.


    Meine Spekulation ist folgende:

    Wenn tunnelklick mit seiner Äußerung in #121 recht hat und die alte Regel, dass ein 1.Platz ohne den Bauherrn nicht zu machen ist, diesmal nicht gelten würde - Fachpreisrichter und Vertreter der Stadt durch die intern bekannten Arbeiten gestärkt würden und CA Immo sich in den meisten Arbeiten nicht wieder findet, kann CA Immo dadurch ein Interesse haben die Preisgerichtssitzung hinauszuzögern.


    Vieleicht sind die meisten der eingereichten Arbeiten also in unserem Sinne (höher, mit zusätzlichen Aufbauten, keine Lochfassade wie bei den CA IMMO Nachbarn etc.), sowie auch im Sinne der Stadt konzipiert und CA Immo sieht gerade ihre Rendite baden gehen. Gerade von H&deM und Chipperfield wird man keinen Entwurf von der Stange erwarten können. Da bleibt die Frage, ob sich ein Verkauf dieses Projekts, was durch die Preisvergabe eine gewisse öffentliche Verbindlichkeit erhält, sich in der Post-Corona-Zeit noch lohnt.


    Ich will damit nicht sagen, dass man von höchster Stelle Einsicht in die Einreichungen hat, aber während der Vorprüfung kann erfahrungsgemäß schon so einiges durchsickern. Aber es kann natürlich auch trivialere Gründe geben...

    ^ Die erneute Verschiebung ist natürlich verständlich.


    Was mich dennoch ärgert ist die schlechte Kommunikation von CA Immo zu diesem "zu wichtigen Projekt". Spätestens nach Inkrafttreten der Bundesnotbremse, hätte man dies zum Anlass nehmen können die Verschiebung offiziell zu verkünden. Von offizieller Seite ist heute nach Ablauf des verstrichenen Termins noch immer nichts von einer Verschiebung zu lesen. Wenn man also heute davon ausgeht, dass das öffentliche Interesse am Wettbewerbsergebnis so gering ist, wird es im Herbst nicht größer sein.


    Die aktuelle Begründung steht somit im krassen Wiederspruch zum aktuellen Handeln der Verantwortlichen. Wenn man bedenkt, dass man hier das höchste Gebäude Deutschlands plant - ist das Vorgehen wirklich peinlich.

    ^ Ich kenne auch einige Wohnungen aus den 50ern deren Raumhöhe bei 2,35m liegt. Ob eine geringe Raumhöhe erdrückend wirkt, liegt auch sehr an den vorhandenen Raumproportionen und der Größe und Formate der Fenster.


    Bei Plattenbauten kommen hier negativerweise liegende Lochfenster, mit proportional zur Raumhöhe hohe Brüstungen hinzu. Bei bodentiefen Fenstern, würden die Räume ganz anders wirken. Im Sinne der Nachhaltigkeit, der Belichtung und späteren Umnutzungen, wäre ich sehr dafür die Mindesthöhe von Aufenthaltsräumen in den Landesbauordnungen nach oben zu korrigieren. Nicht zu zuletzt deswegen sind Gründerzeitwohnungen so beliebt und flexibel in der Nutzung.


    Die Hochhäuser in der Leipziger scheinen in Punkto Flexibilität (freie Grundrisse dank Unterzüge) auch eher die Ausnahme unter den Platten zu bilden. Die großen Fensterfronten sind auch eher unüblich. Das genannte Beispiel ist daher auch nicht sonderlich übertragbar auf andere Bauten.

    Eine Quelle wäre z.B. ImmoScout24. Dass kaum solche Wohnungen angeboten werden, hat seinen Grund.


    Wieso ist es eine "Bewertungskeule", wenn jeman eine Wohnung als "pretentiös" bezeichnet? Der Austausch von Werturteilen ist -- neben der reinen Informationsweitergabe -- doch Sinn und Zweck so eines Forums.

    Ja genau! Der Grund ist, dass kein Investor eine Platte mit überformatigen Marmor, Einbauschränken mit Echtholzfurnier und Sichtbeton in der Qualität luxussaniert, weil er seine Rendite mit Imitaten und Sichtbeton-Dekospachtel aus dem Baumarkt machen würde.


    Den uns unbekannten Eigentümer als "Heini" zu betiteln und Dekadenz mit "Designobjekten" zu unterstellen, nur weil er sich sicherlich die heruntergekommene Wohnung in der Platte eher leisten konnte, als eine Altbauwohnung in einem Hipster-Kietz, hat jetzt wenig mit Geschmacksfragen und Diskurs zu tun.

    [...] Ich kann mir den Heini richtig vorstellen, der da wohnt und immer von seiner "Desigernwohnung" spricht. Er hat dann sicher auch ein "Designersofa" und findet sich mit dem Sichtbeton und der Badewanne neben dem Bett mega crazy. Ich find's ganz schön geschmäcklerisch und abgedroschen.


    ^Ach, und ich möchte meinen, zwischen diesem Style-Alarm und Gelsenkirchener Barock war dann noch etwas anderes als Option.

    Zu "Kurfürst Zeiten" gab es Toiletten neben dem Bett (in Form von Stühlen und Schränken) und zu "Kaisers Zeiten" Badewannen in der Küche - echt mega crazy. Ein Bad en Suite, wie sie "Otto-Normal-Heini" im Hotel findet, ist an craziness kaum zu überbieten.

    Wenn man schon immer von einer freistehenden Badewanne mit Blick über die Stadt geträumt hat - why not? Mit ner schnöden Trockenbauwand dazwischen und nen dunklen Bad mit gefliester Kunststoffwanne, würde sich hier niemand echauffieren. Vieleicht können sich einige besser mit den Kunststofffenstern der "Designerwohnung" identifizieren.


    Die genannten anderen "Optionen" werden zu 90% in der restlichen Platte zu finden sein. Den 10-15m²-Räumchen mit Pressspantüren und Aludrückern und gefühlter 2,20m-Raumhöhe zu entkommen, bedarf es schon einer gewissen Radikalität in der Gestaltung, die mir persönlich auch nicht gefallen muss, aber mir in der Konsequenz imponiert. Eine gewisse Radikalität liegt der äußeren Erscheinung der Hochhäusern ja ebenfalls inne. Jeder kann hier gern gelungenere Sanierungsbeispiele einer Platte nennen - vieleicht solche hier.

    Über Geschmack lässt sich glücklicherweise trefflich streiten. Wer Sichtbeton nicht mag, stelle sich bitte Putz und die Möbel seiner Wahl (Gelsenkirchener Barock, Ikea usw.) vor. Und wenn man sich schon in Details verliert... Die 3 Heizstränge (vor den Fenstern!) die von und zu den anderen Wohnungen führen, waren im unsanierten Zustand übriges (wie bei den meisten Gründerzeitlern auch) auf Putz, wurden nicht freigelegt und konnten sicherlich nicht verlegt oder verkleidet werden.


    Ich finde den Raumeindruck und den Grundriss sehr gelungen (man schaue sich nur den unbelichteten Bestand an). Gerade der offene und dennoch differenzierte Raumeindruck und der Diagonalblick Arbeitszimmer-Wohnen/Essen-Schlafzimmer gefällt mir. Ich denke auch, dass gerade das Absetzen der Sichtbetonunterzüge und Decken von den Wandflächen, den Raum optisch erhöhen. Auch so eine kleine Bauaufgabe ist schon nicht ohne.

    Heute gab es einen interessanten Artikel im Baunetz, zu einer sehr gelungenen Sanierung in einer der Hochhäuser an der Leipziger Straße.


    https://www.baunetz.de/meldung…er_in_Berlin_7595860.html


    Ich kenne die PR-Kampagne für Plattenbauten, mit Bildstecken von Wohnungen aus den Rathauspassagen. Gefühlt fällt einen da immer die Decke auf den Kopf und den Wohnungen die strukturelle Spießigkeit zu nehmen, scheint dort fast unmöglich.


    Desto mehr bin ich vom Ergebnis und der Großzügigkeit der Wohnung in der Leipziger überrascht. Ein großes Lob an den Architekten Christopher Sitzler, der wohlmöglich hier seine eigene Wohnung gestaltet hat.

    Du sprichst also von gewachsener Baugeschichte. Indem du die Architektur der Kaiserzeit als "verunklärend" bezeichnest, akzeptierst du die wilhelminische Epoche seltsamerweise nicht als gewachsene Baugeschichte. Die Architektur der Kaiserzeit muss einem nicht gefallen, aber sie ist genauso ein erhaltenswerter Teil der Baugeschichte wie die Architektur anderer Epochen.

    Es geht hier nicht um erhaltenswerte Bausubstanz. Wir haben hier einen Neubau vor uns, der in selektiven Teilen nach selektiven historisch überlieferten Stadien rekonstruiert wird. Also dürfen wir uns in einem Architekturforum auch darüber unterhalten, was bedeutungsvoll und rekonstruktionswürdig ist und was nicht. Kunstgeschichte hat auch objektive Bewertungskriterien. Stilistische Bereinigungen und Rückführungen sind in der Denkmalpflege, wie auch bei Rekonstruktionen nicht unüblich.


    Wenn nun einige beispielsweise das Nationaldenkmal rekonstruiert sehen wollen, verlagert dies wieder verstärkt den Fokus von der Süd- und Nordfassade auf die Westfassade. Das halte ich städtebaulich und architektonisch für falsch. Den Apothekerflügel zu rekonstruieren, bedeutet ein Zustand zu generieren, den schon Schlüter, Eosander, Böhme bis Raschdorff, als veraltet, unproportioniert und unpassend empfunden haben. Ich bin der Meinung, dass man auch heute einige Dinge zum besseren verändern kann und Schwarz-Weiß-Bilder von damals nicht immer den Idealzustand darstellen. Manche scheinen sich aufgrund des Vorhandenseins solcher Bilder dem architektonischen und städtebaulichen Denken zu verweigern.

    [...] In der Urheberschaft eher Permoser als Schlüter - damit wären die stärksten Elemente des Fassadenprogrammes gar nicht Teil einer einzigen künstlerischen Autorenschaft. [...]

    Zudem stellt das Fassadenbild Schlüters nur einen kleinen Teil dessen dar - was dieses Gebäude einst ausmachte - es ist auch kein homogen Gestalteteter frei gestellter Bau wie die Würzburger Residenz. [...]



    Der Klassizistische Barock Nord- und Westeuropas, ist jetzt wirklich keine lokale Eigenart Preußens. Das vorausgenannte Stockholmer Schloss ist dafür auch ein Beispiel. Dessen Architekt Nicodemus Tessin, wird auch oft mit einer Autorenschaft am Berliner Schloss in Verbindung gebracht. Einen ähnlichen homogenen Ausdruck, hätte sicherlich auch das schlütersche Schloss entfaltet, wenn auch etwas barocker.


    Das Permoser die Hermen am Portal V geschaffen hat, ist nicht erwiesen. Er als Bildhauer, hätte er die Hermen (und ausschließlich nur diese beiden Hermen) in eine für ihn fremde Architektur des Portals V eines anderen bedeutenden Bildhauers (Schlüter) eingefügt. Insgesamt ist Schlüters Bildprogramm deutlich klassischer. Es gibt auch andere Vermutungen die die Hermen Eosander zurechnen, da bis zu der Errichtung von Portal IV durch Eosander, 2 der 4 Jahreszeiten und somit das halbe Bildprogramm fehlte bzw. unvollständig war.


    In der Tat waren die unzähligen Innenräume ein kunsthistorischer Wert an sich. Die bedeutendsten und kompliziertesten Raumfolgen stammen aber auch von Schlüter, genauso wie die Gestaltung des nach ihn benannten kleinen Schlosshofs. Seine überlieferten Kolossalfiguren übertreffen künstlerisch bis heute die seiner Nachfolger. Die Plastizität der Fassadenschemas und auch der Ideelle Masterplan (wenn auch später verfremdet) stammen von Schlüter. Das alles ist aus einem Umbau entstanden und machte einst nur ca. 1/4 des Bauvolumens aus. Mit Deiner vorausgenannten Aussage, wäre ich da etwas zurückhaltender.

    Von der skulpturalen Wirkung her können die Berliner Barockfassen weder mit der Würzburger Residenz noch mit dem Stockholmer Stadtschloss mithalten. [...] Bereits vor der Zerstörung des Stadtschlosses wurden die Barockfassaden Schlüters und Eosanders ziemlich hart kritisiert.

    Die "Skulpturale Wirkung" trifft es nicht. Es ist das fehlende homogene Gesamterscheinungsbild.


    Dies ist aus meiner Sicht insbesondere auf folgende Konzeptwechsel zurückzuführen:

    1.) Das Wiederholen der Schlüterfassaden von Eosander, ohne Korrespondenz zur Hofarchitektur und Typologie und die Asymmetrie der Portalsetzungen. (Man durchschreitet die Portale und kommt in den Ecken des Hofes raus.)

    2.) Die Ausbildung der Vor- und Rücksprünge der Westfassade durch Böhme, die auf der Nordseite unter Wahrung des Renaissancebestandes nicht verwirklicht wurden.

    3.) Stülers Kuppel die aus dem ungerichteten Schlüterschloss mit monomentaler Stadt- und verspielter Gartenfassade (ikonografisches Programm), ein Zwitter (längs gerichteter Bau) machte, indem die abgelegene westliche Schmalseite (noch von der Schlossfreiheit versteckt) überbetont wurde und den einzigen Hochpunkt außerhalb jeglicher Sichtachse bildet.

    Wie würde der Palazzo Madama, oder das ebenfalls in Palazzo-Typus errichtete Stockholmer Schloss mit Kuppel wirken?

    >>> Resultierend, das Nebeneinander von ungerichteten Schlüter-Palazzo in der Mitte, die nach Westen driftende Eosander-Böhme-Stüler Erweiterung und das kleinteilige Renaissance-Frühbarock-Wirrwarr als Annex im Osten.


    Für mich ist Schlüters ursprüngliches Schlossmodell + Münzturm als Höhenmarke, Architektur von höchstem Rang und Konsequenz. Zudem antwortet Schlüter mit seinem ungerichteten Kubus auf die damals (wie heute!) neue städtebauliche Situation, als Gelenk zwischen barocker Stadterweiterung im Westen und alter Stadt im Osten. Das spätere bauliche Resultat wurde daher von einigen Zeitgenossen nicht ganz unbegründet, eher als Barriere beider Stadthälften empfunden (Nadelöhr Schlossfreiheit).


    Das Berliner Schloss ist halt gewachsene Baugeschichte mit Brüchen und als solches muss man es auch richtig verstehen und interpretieren. Ich wünschte mir nur ab und an, dass man etwas mehr auf Schlüters Konzept schauen würde und sich nicht noch obendrein verunklärende Zutaten aus der Kaiserzeit, oder der Renaissance zurückwünschen würde.


    "Das architektonische Detail ist nicht ohne Härten, ja Fehler. Und doch übt das Berliner Schloss eine unwiderstehliche, halb rätselhafte Macht über uns aus." Georg Dehio 1926

    ^ Mit "Gleichförmigkeit" meine ich nicht mehr oder weniger, als Du mit "Klon" in Höhe, Proportionalität und Silhouette, in Bezug auf das Park Inn und dem Signa Turm. Wenn Du jetzt die gestalterische Brücke zu den steinernen Behrensbauten und den Signa Turm schlägst, kann ich diese Kritik nicht nachvollziehen.


    Das der Alexanderplatz und die angrenzenden Straßen hauptsächlich durch kompakte freistehende Riegel/Zeilen und Hochhausscheiben (mal mit und ohne Sockel) geprägt sind und auch manche Loch- und Bandfassade durch Systematisierung Ähnlichkeiten untereinander aufweisen, kann doch niemand abstreiten. Die städtebaulichen Grundfiguren gleichen sich - das ist für die 60er/70er-Jahre nichts ungewöhnliches, gerade bei der hohen Vorfertigung.


    Genau diese Ähnlichkeiten der städtebaulichen Grundfiguren kritisierst Du im Bezug zur Hochhausbebauung. Ich gebe Dir recht, dass das Stadtzentrum durch Hochhaussolitäre (in Höhe und Anordnung) geprägt war. Jetzt sind nun mal rund ein Dutzend neue Hochpunkte in der unmittelbaren Nachbarschaft geplant - die es zur DDR-Zeiten stadtplanerisch so nie gegeben hätte. Wenn es sie in dieser Masse gegeben hätte, wäre man hiermit städtebaulich nicht anders umgegangen als mit gehäuften Wohnhochhäusern andernorts.


    Der Kern, um den wir streiten ist doch der, ob gleichförmige oder solitärhafte Hochhäuser den Bestand der DDR-Moderne städtebaulich besser integrieren.


    Ich denke im Ergebnis und in der Kritik am 130m-Deckel sind wir doch einer Meinung. Mit der Begründung zur mehr Individualität aus Respekt an der 60er-Jahre-Bebauung, kann ich aber leider nichts anfangen. Dann müssten wir auch über den eigentlich ortsfremden Blockrand diskutieren, den glaube ich hier niemand hinterfragt. Zwischen DDR-Moderne und Kollhoffplan gibt es eine größtmögliche Diskrepanz in den städtebaulichen Leitbildern. Warum man nun das eine mit den anderen rechtfertigt, kann ich nicht nachvollziehen. Im übrigen sehen wir doch am Breitscheidplatz das gleiche Problem mit der 50er-Jahre-Bebauung.

    Wenn man übrigens auf die Neuordnung des Alexanderplatzes durch die DDR blickt, die seit ein paar Jahren als Referenz angeführt wird, erkennt man, dass gerade das Einfrieren der Höhen auf 130 Metern eben diese Prägung der 60er Jahre besonders unangenehm konterkarriert. [...] Dass man Höhe und Proportionalität des Park Inn seit einigen Jahren zum verbindlichen Maß aller Klons erklärt, hat für mich mit Respekt vor dem Wesen der Stadtgestalt aus DDR-Zeiten rein gar nichts gemein. Im Gegenteil.

    Das empfinde ich gerade umgekehrt als richtig. Hochhaussolitäre, waren in der DDR, wie auch in anderen sozialistischen Ländern mit Sondernutzungen belegt. Sicherlich sind auch repräsentative Staatsbetriebe (Park-Inn), kollektivierte Industrievertretungen (Haus des Reisens) und Arbeitnehmervereinigungen (Haus des Lehrers), Repräsentationsbauten des Staates gewesen. Wen oder was repräsentiert das Signa Hochhaus, um sich in die DDR-Stadtgestalt der Sonderformen einreihen zu dürfen? Das Park-Inn ist heute eine private Hotelkette und hat keine repräsentative Funktion mehr. Eine kollhoffsche Hochhaussilhouette mit Natursteinfassaden, wäre der größstmögliche Kontrast zur 60er-Jahre Prägung gewesen.


    Das Memi ist wohl auch eher ein Kind seiner besonderen Lage. Man könnte hier vielmehr die gleichförmigen Rathauspassagen, oder vis-a-vis die Platten an der Karl-Liebknecht-Straße anführen. Die Hochhäuser an der Leipziger sind weitere Beispiele.


    Ein x-beliebiges Büro- oder Wohnhochhaus hätte keine besondere Stellung in der Stadtsilhouette der DDR gehabt und auch keine übermäßig individualisierte Gestaltung. Eine gewisse Gleichförmigkeit ist meiner Ansicht nach charakteristisch für die Umgebung. Ob diese Gleichförmigkeit der Hochhausgestaltung angemessen ist, sei dahingestellt - ortsfremd ist sie für die Nutzung zumindest nicht.


    In Warschau sind übrigens die beiden bedeutensten und höchsten Hochhäuser der sozialistischen Moderne auch sehr gleichförmig in ihrer Gestalt (quadratisch, 139m & 140m, 2-geschossiger horizontal gegliederter Sockel, 100m voneinander entfernt).

    Hmm, ein Traum!

    Die Opernbesucher begeben sich mit Pelzmantel in den neuen Untermain-Brücken-Tunnel und die Mainschifffahrt schaltet für die Sonntagsausflügler das Fernlicht an. Mit einer konzentrischen Beleuchtung hätte die neue Ufo-Oper nachts in der Skyline echte King Kong-, oder Armageddon-Qualitäten.


    Ich hätte da noch eine bessere Idee! Weitere öffentliche Gebäude, beispielsweise alle innerstädtischen Schulen und Kitas, errichtet man am Mainufer auf Stelzen mit Steuergeldern neu und die Immobilienhaie erhalten die begehrten Grundstücke.

    [...] Ansonsten sprichst du von Problem-Szenarien, die von der heutigen Stadtplanung nicht mehr verursacht werden.

    Ich habe immer noch nicht verstanden, was diese Stichwörter mit dem Hines-Turm zu tun haben? :/

    Das frage ich mich auch. Solange Du behauptest "asiatische Metropolen haben Berlin überholt" und "deutsche Städte sind rückständig", unter der Vorrausetzung das sich diese kryptischen Aussagen auf den Hines-Turm, die Berliner Hochhausarchitektur und Stadtplanung beziehen, spielen solche "Stichworte" in einem differenzierten Vergleich schon eine Rolle.

    Mit was genau haben wir in Deutschland schmerzliche Erfahrungen gemacht? Kannst du das bitte konkretisieren? Ich gehe davon aus, dass du auf die Fehler der Nachkriegszeit (Stichwort "autogerechte Stadt") anspielst. Aber du willst nicht ernsthaft die Sünden der Nachkriegszeit mit den Hochhäusern vergleichen, die heutzutage gebaut werden? Oder?

    Nehme mal lieber Stichwörter wie Funktionstrennung, Trabantenstädte, "Wohnsilos", Kahlschlagsanierung und Gentrefizierung.


    Ich denke das Hochhäuser, die heute in Europa gebaut werden, in der Masse nachhaltiger, sozialer und individueller sind, als in vielen Tigerstaaten. Das ist bei extremen Wachstum auch kaum zu vermeiden. Daher wüsste ich gerne wer Berlin, womit überholt. Gönn diesen Städten doch die Entwicklung, die Berlin vor 100 Jahren hatte und rede nicht die Schwierigkeiten klein, die damit einhergehen. Berlin ist keine Megacity (mehr) und braucht auch keine Supertalls als Statussymbol.


    Auch wenn ich Gehry nicht sonderlich mag, bekommt Berlin wohlmöglich ein Wohnhochhaus eines Pritzker-Preisträgers.

    Dir ist hoffentlich schon klar, dass ein Park Inn und die ganzen Klone die da herum entstehen werden ob Covivo oder Kleihuis oder gegenüber, von den bestehenden 0815 Kisten ganz zu schweigen - Berliner Verlag, Haus des Reisens und des Lehrers allesamt übelste und mit Verlaub ziemlich primitive (klar, man kann es auch klassisch nennen - Schachtelarchitektur ist, Dagegen sind das, was du so verächtlich als Einheitsbrei bezeichnest architektonische Meisterwerke.

    Mit einer Mischung aus Hochmut & Geringschätzung wird auf asiatische Metropolen heruntergeschaut (Stichwort: "Einheitsbrei"). Dabei haben viele asiatische Metropolen Berlin (und Deutschland) schon lange überholt! [...]

    Für alle die chinesische Skylines und die Masse der dortigen Hochhäuser nicht aus eigener Anschauung kennen, denen kann ich nur wärmstens die Seite Skyscraperpage empfehlen. Ich wüsste nicht was daran rassistisch sein sollte, eine Stadtentwicklung zu kritisieren, mit der wir hier in Deutschland in ähnlicher Ausprägung schon schmerzliche Erfahrungen machen mussten und worunter unsere Städte auch heute noch leiden. Man sollte sich neben den vielen Vorzeige-, Reißbrettstädte und Landmarks in China mal fragen, in welchen Neubauvierteln und in welchen neuen Hochhäusern die Mehrzahl der Menschen wirklich leben und arbeiten.


    Was den Alex angeht, bin auch ich von einigen Hochhausplanungen enttäuscht, insbesondere was die B-Plan bedingte Kubatur betrifft. Aber wie Georges Henri schon richtig bemerkt hat, haben die meisten der Türme zwar keinen exzentrischen-, aber dennoch sehr individuellen Ausdruck. Diesen Aspekt halte ich für den deutlich wichtigeren.

    [...] Offenbar will man die Karl-Marx-Alle als Weltkulturerbe ausweisen, um zu verhindern, dass die DDR-Architektur zukünftig beseitigt wird oder durch Hochhäuser beeinträchtigt werden könnte.

    Dieses Vorhaben ist schon deswegen ideologisch motiviert, da selbst die architektonischen Vorbilder der Karl-Marx-Allee in Moskau, keinen Welterbetitel besitzen.


    In der direkten Sichtachse der Karl-Marx-Allee steht aber nicht der Hines-Turm, sondern der Monarch-Turm der gerade in der Entstehung ist. Insofern hat auch die nachträgliche Höhenreduzierung auf 130m nicht viel bewirkt, wenn sich in die wichtigste Sichtachse zum Fernsehturm weiterhin die beiden einzigen 150m-Türme stellen, die nach altem Baurecht gebaut werden.

    [...] Im übrigen wäre ein nachhaltiges Bauen absolut zu begrüßen, ein Gebäude 🏢 mit Elementen aus Holz wären auf jeden Fall sehr interessant.

    Mit dem Holzhochhaus am Gleisdreieck, kann der Senat erst einmal beweisen, überhaupt an Holzhochhäusern interessiert zu sein, indem er die baurechtlichen Grundlagen schafft. Am Ende hört sich ein Holzhochhaus immer besser an, als es wirklich ist - Beton steckt weiterhin in Massen drin und von außen gibts eine Aluminiumverkleidung (siehe Vorzeigeprojekt LifeCycle-Tower). Am Alex sehe ich dafür keine Grundlage, außer man will Investoren verschrecken.

    ^ Ich meinte mit meiner Äußerung keine Treppenhäuser im Sinne einer Rekonstruktionen als Selbstzweck, sondern als funktionaler, kommunikativer und typologischer Bestandteil der Nutzung als Erschließungsraum.


    Eine der größten architektonischen Schwächen des Humboldtforums, ist das Fehlen von attraktiven Erschließungs- und Kommunikationsräumen. Bislang habe ich in den Fotostrecken noch keinen Innenraum gesehen, der in irgendeiner Weise ein spezifischer Raum wäre, der einen Wiedererkennungswert und einen eigenen Charakter hätte. Das Foyer hat für mich kaum Aufenhaltsqualität, die gestapelte Rolltreppenorgie im Querflügel an der Passage, hat kaum eine Raumwirkung und erinnert eher an eine Messehalle oder Kaufhaus. Eine Lösung wie beim Neuen Museum, oder Brandenburger Landtag, hätte ich mir daher gut vorstellen können.


    Dies ist auch zugleich meine größte Kritik am dogmatischen Rekonstruktionslager - da geht es viel zu oft um ein Bild von vergangener Architektur und nicht um deren Inhalte. Dann wird hierzu noch fälschlicherweise das Portal III als "Hauptportal" bezeichnet. Schlüters Fassaden, die Risalite des Schlüterhofes, die Treppenführungen, die Gestalt der äußeren Portale, die räumlichen Durchdringungen - das bedingte sich alles gegenseitig. Die Paradesäle (Schweizer Saal, Elisabethsaal, Rittersaal) waren unmittelbar mit der Architektur der Fassaden und der angrenzenden Treppenhäuser verbunden. Diese wiederum mit den Portaldurchgängen. Fassaden, Treppen und Innenräume waren miteinander verschachtelt. Nicht zuletzt darum, war das Berliner Schloss besonders.


    Neumann platzierte seine Treppenhäuser in Würzburg und Brühl seitlich im Corps de Logis, man betrat sie erst durch ein Vestibül als zentralen Raum. Die Fassaden wurden einfach über das Treppenhaus hinweg durchgerastert und waren autonom. Das Treppenhaus war direkt belichtet.

    Schlüters Treppenhäuser lagen hingehen inmitten des Corps de Logis bzw. Portals, unter oder direkt angrenzend an den Paradesälen. Die Podeste bildeten eine Art Vestibül, was sich durch Balkone in den Fassaden zeigt. Zudem lagen die Paraderäume noch ein Geschoss höher als bei Neumann und sämtliche Treppenläufe schnitten die Fassaden. Insofern waren Schlüters Treppenhäuser weniger prachtvoll und raumgreifend, aber räumlich intelligenter gelöst und mit der restlichen Architektur verzahnt. Ohne sie sähe der Schlüterhof heute deutlich anders aus.


    (Der große Risalit hatte mit der nötigen Wandgliederung eines Saales seine starke Durchfensterung und die Balken-Pfeiler-Tektonik nicht erhalten. Die kleinen Risalite hätten keine betonte vertikale Mittelachse mit geschlossenen Flanken und verspingenden Fenster.)