Tamara Danz Höfe (Rudolfkiez in Friedrichshain | geplant)

  • Ich finde den kleinteiligen Entwurf mit verspielten Elementen und Jugendstilanleihen auch sehr überzeugend.


    Das ist schon ein sehr gelungenes Gegenbeispiel zu Grossblöcken, wie sie auf dem Anschutzareal stehen.


    Fast schon schade, dass es eher versteckt gebaut werden soll. Ich habe schon einen kleinen Luftsprung gemacht, als ich zuerst dachte, es käme auf die Fläche vom Gammelrewe an der Warschauer Ecke Revaler.

  • Falls es hier Ortfremde geben sollte, die das Gelände nicht kennen. Hier mal ein Luftbild des gesamten Areals. Die sogenannte Oberbaumcity, früher Lampenstadt (Osram), wird hauptsächlich geprägt durch große Blöcke. Hier entstanden zwischen 1906 und 1914 große Gebäudekomplexe als Produktionsstätten und der Verwaltungssitz von Osram. Kleinteilig war da erstmal nichts. Hieran hätte man m.M. nach anknüfen können. Der biedere neue Entwurf, so er denn gebaut wird, tut das nicht und wird dem Ort und der Funktion nicht gerecht. Man stelle sich nur mal so etwas wie das Chilehaus an der Stelle vor. Das wäre groß!

  • Mir ist so ein "biederer" kleinteiliger Block lieber als bspw. das wenige Meter entfernte Brighter Hub. Das Teil ist zwar modern und großmaßstäblich, wirkt aber richtig billig und architektonisch anspruchslos. Im Gegensatz zu den geplanten Tamara Danz Höfen (TDH) zieht das Teil die Oberbaum City qualitativ leider etwas runter. :nono:

    Da der Rudolfkiez ja ansonsten auch relativ kleinteilig ist finde ich die Gestaltung der TDH sogar recht passend und eine gute Ergänzung.

  • ^ Ich gebe dir Recht. Aber warum werden denn hier immer die schlechtesten Referenzobjekte herangezogen? - Versteh ich nicht. Wenn ich schreibe, Chilehaus, meine ich nicht Europa City oder Brighter Hub.

  • ^

    Wegen des örtlichen Bezugs. The Brighter Hub steht da nun mal als junges Beispiel modernen Bauens wie man es in der Oberbaum City besser nicht machen sollte.

    Ansonsten: Chilehaus --> Hamburg, zudem Backsteinexpressionismus der m.M.n. noch weniger in die Oberbaum City passen würde als die TDH.

    Da mir die TDH aber auf anhieb gefallen muss ich eh nicht nach Referenzobjekten suchen um mir das Projekt schönzureden.

  • Habe mich gerade durch die Webseite der Tamara-Danz-Höfe durchgearbeitet. Bis man zu den Renderings kommt, muss man ja ein wenig Prosa über sich ergehen lassen, aber dann sind diese doch recht versprechend. Davor ist (wie in vielen Renderings üblich) ja eine kleine Grünanlage zu sehen. Wäre gut, wenn so etwas zum Abstand zu U-Bahnhof käme und gleichzeitig eine Durchfahrt für Radfahrer bzw ein Durchgang rüber zur East-Side-Mall (da wo jetzt die Wendeschleife der Busse ist). Dann wäre alle Quartiere gut miteinander verbunden und es könnte sich ein richtiges kleines neues Quartier entwickeln zwischen Stream, Tamara Danz Höfen, Edge-East-Side und Brighter Hub.

  • Falls jemand eine hochwertige Reminiszenz auf das Chilehaus in Berlin bauen möchte, sollte jegliche Fläche in Berlin zur Verfügung gestellt werden. 😉


    Das könnte aber u.a. am Preis scheitern. Ich hatte in der Bewertung des gegenwärtigen Projektes auch eher diesen Hub zum Vergleich herangezogen. Wenn man allerdings bspw. die Neubauten an der Revaler im Backsteinindustriestil sieht, dann sind die auch kleinteilig und schön anzusehen. Wenn das so weiter geht, wird der Bereich zwischen Warschauer und Ostkreuz entlang der Bahn noch zum Schmuckstück. 👍

  • Irgendwie haben ja beide Seiten Recht. Die einen dürsten nach Ästhetik und Sinnlichkeit, was uns in der Dekade von Frau Lüscher als Baudirektorin durch blutleere, zeitgenössisch im biederen Sinn und über Strecken langweilige bis banalisierte Architektur vorenthalten wurde. Wenn Architektur-Fan sich sowas am Alex wünscht, so entstammt dies schon auch dem Wehklagen dass dort der Gestaltungsspielraum durch die Politik fast völlig erwürgt wurde.

    Auf der anderen Seite verweist DerBe, genau wie in meinem Beitrag #224 aus meiner Sicht folgerichtig auf die Umgebung, die solch eine Kleinteiligkeit erst ab der Lehmbruckstraße kennt. Zwei Dinge fallen hierbei auf. Einerseits die gespielte "Wildheit" des Internetauftritts und andererseits die dann überraschenden Visualisierungen, die ich in diesem Zusammenhang zumindest nicht erwartet hätte.

    Um nicht falsch verstanden zu werden, ich würde diese Fassaden begrüßen, in mir regt sich jedoch Zweifel ob dies der richtige Ort dafür ist. Dass der gründerzeitliche blockartige Städtebau mit seinen Hinterhöfen ein spezielles Lebensgefühl erzeugt wissen wir. Dass dieser auch mehr und mehr für Unternehmen und deren Philosophie interessant ist wissen wir spätestens seit dem Bauboom der "neuen" Gewerbehöfe im Bereich Ritterstraße/Prinzenstraße und weitere in Kreuzberg, aber auch im Wedding und Neukölln boomen solche Investitionen.

    In diesem Zusammenhang würde ich eher die Frage stellen, warum bauen wir in dieser Art und Weise Berlin nicht einfach weiter? Kreuzberg ist voll? Dann bauen wir halt ein zweites Kreuzberg! Wie wäre es entlang der Landsberger Allee bis Marzahn? Und hier kommt immer wieder der Einwand das ginge finanziell nicht. Hier kann auch dieses Projekt einen Gegenbeweis antreten, dass Nutzungsmischung innerhalb von Blockstrukturen auch für weite Bereiche Ost-Berlins von Schöneweide bis Marzahn nicht nur (!) aber doch eine Möglichkeit sein könnten fernab der üblichen Monofunktionen. Nehmen wir doch als Beispiel das Stadtgut Hellersdorf. Ich finde es nicht schlecht geworden für Hellersdorf. Aber wäre nicht eine andere Dimension von Urbanität erzeugt worden, hätte man dort den gründerzeitlichen Städtebau (mit Variation ist klar) zur Position gestellt. Wer schreibt eigentlich vor, dass Parzellierung und Dichte nur Merkmal der Kernstadt sein darf?

  • ^Volle Zustimmung. Das Dilemma des modernen Städtebaus ist doch letztendlich eine Abstimmung "mit den Füßen" der Bevölkerung. Warum wollen denn alle in die Innenstadt? Natürlich ist es ein Mix aus spannender Architektur und lebendigen Erdgeschossen, hohe Nutzungsdichte und gute Verkehrsanbindung. Leider sind wir nicht dazu in der Lage solche neuen Stadtquartiere am Stadtrand zu bauen. Dort werden die immer wieder gleichen Einheitsriegel in Monofunktionen geliefert. Leider...

  • Hier der Blick auf den zukünfigen Tamara Danz Höfe.

    Angesichts der wuchtigen Oberbaumcity, halte ich den Entwurf für nicht so geeignet. Gegenüber ist der Monsterturm und dazu die großen Bahnanlagen und die Ubahn davor. Da hätte man schon nen Klotz hinsetzen sollen.


    0601tamarwhkc9.jpg

  • ^ Wegen des örtlichen Bezugs. ...

    Wegen des örtlichen Bezugs? Da gibt es doch wesentlicher schönere Referenzobjekte, da muss diese erbarmungwürdige Nrighter Hub nicht herhalten. Egal. So manch einer sieht ja in den TDH Jugendstilanklänge. Passen die etwa zur Oberbaumcity? Und seien wir doch mal ehrlich. Das Torhaus der TDH ist auffällig schön. Aber schon bei dem linken Nachbarn mit diesen scheusslichen Balkonen fällt das Niveau deutlich.


    Mod: Vollzitat gekürzt.

  • ^

    Wir drehen uns im Kreis. Du suchst dir Beispiele von Gebäuden die du dort gerne hättest während ich mir eins gesucht habe das ich dort nicht nochmal haben möchte. Wie geschrieben gefällt mir das Projekt so wie es ist.


    Ich finde es auch nicht weiter schlimm wenn hier Stile verwendet werden die in der Oberbaum City vielleicht ungewöhnlich sind. In ganz Berlin stehen Gebäude mit den unterschiedlichsten Stilen und aus unterschiedlich Epochen nebeneinander oder sich gegenüber. So what?

    Die angedeuteten Materialien wirken auf mich jedenfalls hochwertig, die Gestaltung relativ stringent an einem Stil orientiert. Ja, das mit den Balkonen sieht nicht so besonders aus, aber wer weiß ob das nicht nochmal überarbeitet wird. Die Visu ist ja unverbindlich.

    Auch die Kleinteiligkeit stört mich nicht wirklich. Letztlich nimmt man das Quartier ja trotzdem als größeren zusammenhängenden Block wahr während die Kleinteiligkeit für Abwechslung sorgt.

  • Ich finde es nicht schlecht, besonders die sich abflachende im linken bzw. verschwindende Rundung der Bögen im mittleren Teil (ich beziehe mich auf das zweite Rendering von #220). Das erinnert an einen Neubau vor einigen jahren in der Alten Schönhauser und gefällt mir auch hier.


    Zugleich stören mich aber auch einige Details:

    • Die Balkone ragen kantig und unvermittelt aus der Fassade des linken Teils heraus, was sich mit den Rundbogenfenstern schlägt. Hier hätte sich eine abgerundete Vermittlung zur Fassade angeboten.

    • Ich finde die Geschossabgrenzung zwischen Erdgeschoss und erstem Stockwerk im mittleren Bau unschön und auch unnötig stark betont. Warum erweckt man durch die zweigeschössigen Rundbögen einen großzügigen Eindruck und macht ihn dann wieder zunichte?
    • Meinem Geschmack nach ist die abgerundete Ecke des mittleren Baus etwas zu breit geraten. Dadurch steht das Haus etwas zu breitbeinig da und wirkt für mich etwas plump und unelegant, was vielleicht auch an der alexaartigen Farbgebung liegen mag, die nicht vollkommen verhindert, dass sich jemand entfernt an ein Schwein erinnert fühlen könnte. ^.^

    Witzig finde ich, nebenbei bemerkt, dass einige Renderings zukünftige Tags schon integriert haben.

  • Damit dürfte dann die vor einigen Jahren mal angedachte Verlängerung der U1 von der Warschauer zum Ostkreuz endgültig begraben werden?

  • ^ Mal abgesehen von der Frage, wie sinnvoll diese Verlängerung wäre: da sie, nach Allem, was man so gesehen hat, wohl in Verlängerung der jetzigen Bahnsteige erfolgen würde (wenn man nicht gleichzeitig die Wagenhalle aufgeben wollen würde), würde sie das hier besprochene Grundstück nicht tangieren.

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    Die Verlängerung würde nicht von den jetzigen Bahnsteigen aus erfolgen, die würden dann außer Betrieb genommen werden. Zwischen den Bahnsteigen und der Wagenhalle liegen zwei Gleise, die für die Fortführung der Strecke vorgesehen sind. Im Bereich des S-Bahnhofs müsste eine neue Haltestelle der U-Bahn entstehen. Auch bei einer künftigen Bebauung im Bereich der Fußgängerbrücke würde eine potentielle Verlängerung der U-Bahn berücksichtigt werden. Das ist es dann aber auch und die Verlängerung zum Ostkreuz ist ohnehin fragwürdig. Die Fortführung zum U-Bahnhof Frankfurter Tor ist durch den Neubau des Eingangsgebäudes der S-Bahn auch zusätzlich erschwert worden. Ist also alles mehr als theoretisch. Praktisch wäre eine überdachte Lösung zum Umsteigen von U-Bahn zur S-Bahn ein sinnvolles Ziel.


    Fun Fact: Der jetzige U-Bahnhof Warschauer Straße wurde seit seiner Eröffnung im Jahr 1902 (Umbauten 1907, 1928 und 1995) als Provisorium betrachtet. Der richtige Bahnhof sollte schon damals mit der Verlängerung der Strecke über der S-Bahn errichtet werden. Deshalb gab es an der Stralauer Straße den Bahnhof Stralauer Tor, später Osthafen mit sehr dichtem Abstand zum Bahnhof Warschauer Brücke (weil der Abstand zum später neu zu bauenden Bahnhof zu lang gewesen wäre und der Weg zum Osthafen zu weit). Aufgrund starker Kriegszerstörungen, der Tatsache dass sich die Bahnsteige nicht verlängern ließen und dem dichten Abstand zum Endbahnhof wurde der Bahnhof Osthafen 1945 aufgegeben. Bei der jetzigen Situation wird es wohl auch die nächsten Jahrzehnte bleiben, was aus meiner Sicht ok ist. Der Mehrwert einer Netzverknüpfung ist nicht gegeben.

  • ^ Da hatte ich mich wohl undeutlich ausgedrückt. Mir ging es nicht um die Verlängerung der jetzigen Bahnsteiggleise samt Umbau der Halle, sondern um die Lage (die von dir angesprochenen zwei seitlich anliegenden Gleise liegen ja parallel dazu) und damit Nichttangierung des hier diskutierte Grundstücks.

  • ^ Mal abgesehen von der Frage, wie sinnvoll diese Verlängerung wäre:

    Die Sinnhaftigkeit eines Durchstichs zur U5 Frankfurter Tor lässt sich am besten live vor Ort beobachten, wenn gedrängte Menschenmassen teils bei Rot über die vielbefahrene Warschauer Straße zur Straßenbahn Richtung Osten hechten. Bei Stoßzeiten steigt man in die erst beste Straßenbahn gar nicht ein, da chronisch überfüllt.

    Bleibt bei mir die Frage, warum sich das Märchen (und sonst ist es nichts) vom Nicht-sinnhaften U-Bahn-Ausbau bei so vielen verfängt?

  • ^ Es würde helfen, Texte halbwegs gründlich zu lesen, bevor man sie kommentiert. Dann bräuchte man nicht über eine Verlängerung zum Frankfurter Tor zu schwadronieren, wenn ursprünglich nach der Verlängerung zum Ostkreuz gefragt wurde.

  • Naja, die Verlängerung zum Ostkreuz ist als Idee ja aufgekommen, weil es berechtigte Zweifel gibt, ob man die Verlängerung zum Frankfurter Tor baulich überhaupt mit verhältnismäßigen Mitteln hinbekäme, andererseits die Endstation an der Warschauer in jedem Fall nicht wirklich optimal ist.