Projekt "Main Yard" im Allerheiligenviertel (geplant)

  • Das Gebäude an der Ecke Allerheiligenstraße / Lange Straße ist zum großen Teil abgebrochen, das ging jetzt ratzfatz.



    die Rückseite aus dem Städelshof


  • Das Ziegelgebäude auf der Rückseite dauerte am Mittwoch keine drei Stunden.


    Was mich wundert: Ich sehe in den letzten Jahren bei Abbrucharbeiten meist, dass Gebäude vor dem Abriss ziemlich nach an den Rohbauzustand gebracht werden - hier sind sogar noch die Fenster drin, während der Bagger kommt. Gelten da jetzt andere Regeln?

  • Das hat mich beim Hotel Diplomat Abriss auch gewundert. Vor allem weil sie nachdem alles flach lag, Metall (Badewannen, Rohre, Heizungen) und Holz mühsam rausgefummelt haben. Da macht die Entkernung vor Abriss mehr Sinn - aus der Ferne zumindest.

  • Ich würde annehmen, es hängt von den Fähigkeiten des Abbruchunternehmens ab, z.B. davon, ob mineralische Materialien (Beton z.B. ) an Ort und Stelle sortenrein zerkleinert werden können; in diesem Fall muss man natürlich die sortenfremden Stoffe (Armiereisen, Rohre, Kunststofffenster, Holz, Dämmstoffe) vorher extrahieren. Das hängt u.a. von der Größe der Baustelle ab, ob dort etwa laute und staubige Zerkleinerungen stattfinden können, ob es genügend Standfläche für Container gibt, von der Menge der anfallenden Materialien usw.; wenn nicht, wird ungetrennt abgefahren und im Recyclinghof sortiert. Die meisten Abbruchunternehmen sind inzwischen zertifizierte Entsorgungsfachunternehmen mit eigenen Recyclinganlagen, in denen sortiert werden kann.


    Der Grund dafür ist die GewerbeabfallVO. Früher war Gebäudeabbruch etwas für Grobmotoriker, kaputthauen und irgendwo in eine Grube füllen; heute ist es eine Wissenschaft. Deponieraum ist derart knapp und teuer und die gesetzlichen Anforderungen an Wiederverwertung so hoch, dass ohne Sortierung nicht deponiert werden kann.

  • Zwei Wochen nach Thomasfra´s Beitrag #42 ist jetzt der Gebäudekomplex Lange Straße im Abriss und es eröffnen sich erste neue Durchsichten auf der Fußgängerebene


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    Ecke Allerheiligenstraße/Lage Straße mit Durchblick zur Breiten Gasse


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    Blick Allerheiligenstraße auf einen Teil der im Abriss befindlichen Bebauung an der Langen Straße

  • Da es mit dem Abriss zurzeit sehr schnell voran geht, hier nach nur 5 Tagen 3 frische Bilder. Das große Eckgebäude ist Geschichte und man hat einen guten Einblick aufs Ganze. Die beiden Gebäude links und rechts im Bild sind die nächsten Kandidaten, wie man sieht




  • ich habe mich die ganze zeit gewundert, warum die großen Lagerhallen (ex. Familie Montez) noch stehen, aber die Abbruchgenehmigung dafür ist anscheinend mit Abstand erst erteilt worden. Grund könnte der Denkmalschutz gewesen sein. Bisher stand auf dem Bauschild nur


    Abbruch von 8 Wohn- und Geschäftshäusern und 2 Lagergebäuden sowie Rückbau der Oberflächenversiegelung


    Seit kurzem ist unter der Adresse Am Städelshof 6 interessanterweise ein zweiter Vorgang vermerkt:


    Abbruch von drei denkmal-geschützten Brauereikellern


    Könnte sein, dass die Keller unter diesen Hallen liegen.

  • Hier war einmal die Brauerei Henrich, 1921 wurde sie von Henninger übernommen. Dies und die Keller, die bestimmt unter dem verbliebenen Bestand aus der Vorkriegszeit liegen, wurden oben schon erwähnt. Laut Denkmalschutzliste stammen die Brauereikeller (Foto) aus der Zeit um 1870.


    Die 2014 gestellte Frage, wie bei einer Neuentwicklung wohl damit umgegangen wird, findet nun eine Antwort: Sie werden abgerissen, vermutlich komplett. 2016 war noch davon die Rede, dass ein Teil erhalten wird. Dafür wurde dem Bauherrn "seitens der Denkmalbehörden auf Grundlage entsprechender Gutachten die Möglichkeit eines Teilabbruchs in Aussicht gestellt" (oben #6). Dies unter anderem unter der Bedingung, dass "ein Teilbereich im nördlichen Abschnitt der Kelleranlage erhalten und saniert wird". Begründet wurde der mögliche Teilabbruch damals mit massiven "baukonstruktiv und bauphysikalisch bedingten Schäden in weiten Teilen der Kelleranlage".

  • Lange bevor das Lola Montez die große Halle nutzte fanden in den 00er Jahren die besten Partys der Stadt in Teilen des Brauereikellers statt. Am Ende ist die Entscheidung für den Abriss absolut nachvollziehbar, wenn dadurch das ganze Areal, wie geplant, besser genutzt werden kann. Bei den wesentlich größeren Brauereikellern von Binding (Stichwort "Sachs") war man auch nicht zimperlich.

  • Tektonik Architekten lassen gerade ein Modell fertigen und zeigen bei Instagram ein Zwischenergebnis. Vieles daran ist für uns neu:


    main_yard_modellinarbeit_1.jpg


    Oben natürlich die "Grüne Gasse", vom Allerheiligentor gesehen, der Thumb dürfte Fassaden an der Allerheiligenstraße zeigen.


    Bild: https://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/main_yard_modellinarbeit_2.jpg

    Bilder: Tektonik Architekten

  • Große Überraschung: Dächer, richtige Dächer, zumindest im Eingangsbereich der Straße, den man sieht.

    Ansonsten stimme ich Tunnelklick zu.

  • Hätte man weglassen können, aber in Kombination mit den sich daraus ergebenden Sitzgelegenheiten wird die Aufenthaltsqualität dort mit dem Grün doch deutlich angenehmer. Da hoffe ich eher auf ordentlich begrünte Dächer!

  • Gefällt, Gefällt sehr gut. Wirkt sehr großstädtisch aber doch auch nicht zu brachial, sondern kleinteilig und lädt zum verweilen ein. Erinnert ein wenig an klassiche Straßenzüge in Paris oder Madrid.

    Ich freue mich vorallem auch schon auf die Kombination des neuen Kopfbaus (links im ersten Bild) mit dem gegenüberliegenden historischen Gebäude (Klick zu Google StreetView). Die Allerheiligen Straße 3 (hoffe die Adresse stimmt) ist meines Erachtens eines der schönsten historischen Gebäude der Stadt und wurde viel zu lange vernachlässigt. Nun rückt dieses Gebäude durch diese Stadtreparatur der Extraklasse wieder in ein würdiges Umfeld.

    Wenn dann noch die zuvor (im Zeil-Thread) erwähnte Anbindung an die Zeil kommt und die Revitalisierung sowie der Gestatungswille in beide Richtungen ausstrahlt, bin ich wunschlos glücklich.

  • Ich bin auch absolut begeistert von der Planung - insbesondere auch über die "echten" Dächer. Diese so zentrale und doch jahrzehntelang heruntergekommene Ecke wird mächtig aufgewertet. Und, wie sweet_meat schreibt, der Eingangsbereich zur Innenstadt wird sich gerade mit dem wunderbaren Altbau am Allerheiligentor zukünftig wunderbar präsentieren.

  • Ein sehr schöner Entwurf, ich würde mir wünschen, daß das im Umfeld Schule macht. Denn auch wenn Bodo Kirchhoff vor vielen Jahren in einem seiner Romane behauptete, das Ostend sei nicht zu retten - was ja mittlerweile halbwegs widerlegt sein dürfte, habe ich viel eher das Allerheiligenviertel für unrettbar gehalten. Der Gaumersche Knoten wird mit diesem Projekt endlich durchgehauen - und wie! Ich bin schon allein dankbar für den neuen Zugang zur Innenstadt, der einem die trostlose Tristesse der Allerheiligenstraße mit den Höhepunkten Umspannwerk und Heizkraftwerk erspart. Aber daß man dann auch noch von der Lage eigentlich angemessener, aufwendig-großstädtischer Architektur empfangen wird, ist ein Gewinn, den man als langjähriger Kenner der Gegend nie mehr für möglich gehalten hätte. Hoffnung auf diese Änderung gab es ja keine, denn die Neubauten der letzten Jahre längs der Langen Straße hatten sich ja in ihrer architektonischen Qualität eher am mageren Bestand orientiert, als Aufbruch vermittelt. Mit einem Wort: Danke!

  • Hier hat es in Laufe der letzen Tage auch bereits ordentlich Luft gegeben.

    Auf dem zweiten Bild wird auch nochmal deutlich, wie sehr der bereits erwähnte Bestandsbau (Allerheiligenstraße 3|links im Bild) ein würdiges Pendant auf der Gegenseite nötig und verdient hat. Umso schöner, dass wir jetzt auf einen eben Solchen zu steuern.

    img_6360f1jfk.jpg


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    Bilder von mir.