Gotteshäuser in Berlin

  • Klaus Wowereit (SPD) unterstützt laut einem Bericht des RBB den umstrittenen Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale und hofft, ihn noch miterleben zu dürfen. Das Loch störe ihn sehr und er habe es gut gefunden, dass Kardinal Woelki dieses Thema so weit vorangetrieben habe, dass man jetzt einen Architekturentwurf für eine Umgestaltung habe. Die Bundesregierung wolle ihren finanziellen Beitrag leisten, und auch das Land Berlin werde sich sicherlich nicht verschließen, so der scheidende Regierende Bürgermeister.

    Zwar räumte er ein, dass das Thema trotzdem kontrovers sei und er nicht geglaubt hätte, dass das so eine Emotion hervorrufe, vor allem im Osten Berlins und bei einigen in den östlichen Ländern. Aber die Hedwigskathedrale müsse dringend saniert werden, erwiderte der Sozialdemokrat. Das sei auch eine Aufgabe für die gesamte Kirche in Deutschland. Der protestantische Berliner Dom werde oft symbolisch genutzt für wichtige Ereignisse. Persönlich würde er sich freuen, wenn die Hedwigskathedrale da eines Tages ebenbürtig wäre.

    http://www.rbb-online.de/kultur/beitrag…reit-osten.html

  • Dies ist für mich erneut ein Beispiel dafür, dass die allgemeine Öffentlichkeit sich zu sehr in die Religionsausübung von Kirchengemeinden einmischt. Wenn liturgische Änderungen durch ein vatikanisches Konzil zB dazu führen, dass eine Gemeinde einen daran angepassten Innenraum möchte und benötigt und damit irgend eine frühere Gestaltung wie zB dieses Loch im Boden nicht vereinbar ist, dann ist das halt so. Das ist kein entwidmetes, profanisiertes Gebäude im Staatsbesitz welches allgemeiner Diskussion zugänglich ist, sondern das ist eine geweihte Kirche in Nutzung.

    Da kann sich meinetwegen der Denkmalschutz, aufgrund eines öffentlichen Interesses, bei der Fassade ebenso einschalten, wie bei kunsthistorisch wertvollen Objekten im Innenraum, ggf. dann bei deren Sicherung, usw. Aber ein "nichts", eine Öffnung im Boden und mag man es noch so wortreich begründen konzeptionell, lässt sich nicht sichern. Und wenn es der geänderten Liturgie der Katholiken widerspricht, dann ist das in meinen Augen deren gutes Recht, hier entsprechende Anpassungen vorzunehmen.

    Konsequent zu Ende gedacht müssten Kirchengemeinden in Zukunft eigentlich ihre Kirchen zusperren und nur noch für die eigenen Gemeindemitglieder öffnen, denn erst durch die allgemeine Zugänglichkeit außerhalb von Gottesdiensten hat man ja eine öffentliche Bekanntheit von Kircheninnenräumen geschaffen, aus der andere dann eine Denkmalschutzwürdigkeit des Innenraumes durch öffentliches Interesse ableiten. "Keine gute Tat bleibt ungestraft" kann man zu dieser eigentlich positiven Offenheit der Kirchen da wohl nur sagen.

    PS: und eine Beurteilung, ob ein Umbau "gottesdienstlich erforderlich" sei überlässt man doch bitte der Kirchengemeinde und den Theologen. "Auf Verfassungsebene sei den Kirchen ein Selbstbestimmungsrecht garantiert, nach dem "gottesdienstliche und liturgische Belange" vorrangig zu berücksichtigen seien, hatte die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erklärt." (Quelle: http://www.rbb-online.de/kultur/beitrag…reit-osten.html), da muss ich Frau Lüscher einmal unumwunden zustimmen; das Argument brachte ich im Forum ja bereits wiederholt bei der Garnisonskirchen-Debatte, was ohne großes Federlesen vom Tisch gewischt wurde (weils halt unbequem ist, da es daran halt nichts zu deuteln gibt, unser Grundgesetz sieht hier einfach für die Allgemeinheit ein "Stoppzeichen" vor, "weiter als hier gehts nicht" und das können viele einfach nicht akzeptieren).

  • Umbau der Hedwigskirche wieder ungewiss

    Der umstrittene Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale am Opernplatz ist laut einem Bericht der Berliner Morgenpost wieder ungewiss. Weihbischof Matthias Heinrich sagte, er sei nicht sicher, ob der vorliegende Entwurf umgesetzt werde. Nach dem Wechsel des früheren Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki nach Köln sei abzuwarten, wie der künftige Erzbischof darüber entscheide, so Heinrich. Kardinal Woelki hatte das Sanierungsvorhaben eindringlich unterstützt und dazu einen Architekurwettbewerb ausgelobt. Sein Nachfolger soll in den kommenden Monaten ernannt werden.

    http://www.morgenpost.de/bezirke/mitte/…r-ungewiss.html

  • In seinem Wettbewerbsentwurf für den Umbau der St. Hedwigskirche hat Bernd Albers dem Gotteshaus die fehlende Kuppellaterne zurückgegeben. Dadurch erlange die Kathedrale eine angemessene Präsenz im Zentrum Berlins und trete so in Dialog mit den Nachbarn am Forum Fridericianum, heißt es auf der Internetseite des Architekten.

    http://www.berndalbers.com/#!hedwigskathedrale-berlin/c20hs

  • Die Gestaltung des Innenraums finde ich gelungen, wenngleich ich mir bei der Innengestaltung der Kuppel nicht ganz sicher bin. Ich finde den aktuellen, irgendwie industrieartigen, Charakter auch recht interessant. Die Idee mit der Kuppellaterne gefällt mir prinzipiell sehr gut, nicht jedoch in der gezeigten Form. Dieser Zackige Aufbau wirkt auf mich schon arg trashig.

  • Der Laternenentwurf von Bernd Albers ist ja eine einzige Frechheit!
    Die Laterne war ja eine Zutat der Gründerzeit und bestand nur von 1887 bis 1945. Wenn überhaupt, ist nur eine Rekonstruktion der Laterne von 1887 akzeptabel, es gibt aber aus meiner Sicht keinen Grund für eine Wiederherstellung, da sie nicht im Sinne Friedrichs oder Knobelsdorffs wäre.

    Bernd Albers meint wohl, originell sein zu müssen. Wenn seine Laterne tatsächlich gebaut würde, würe ich vollends vom Glauben abfallen....

  • Oha.. Es scheint immer noch Architekten zu geben, die die Verunstaltung historischer Gebäude mit irgendeinem modernistischen Klimbim originell finden. Dagegen ist die Kuppellaterne auf dem Dom ja ein regelrechtes Prunkstück.

  • Eine Wiederherstellung der barocken Kuppel und eine Ergänzung der fehlenden Laterne gemäß dem ursprünglichen Entwurf von 1747 wären durchaus im Sinne Friedrichs II. und Knobelsdorffs:


    Quelle: Bildarchiv Foto Marburg

  • Ich weiss ja nicht, was Du für Bettpfannen benützt, die Ursprungsidee für die Kirche war jedoch das Pantheon in Rom. Deshalb hat natürlich auch das Okulus im Dach etwas für sich.

    Durch die diversen Aufstockungen am heutigen Hotel de Rome und der Erhöhung der Staatsoper erscheint die Kirche heute unproportiniert, über die 60er-Jahre-Ästhetik hinaus, die die Kuppel prägt. Da die Gründerzeitvariante überzeugend war besteht für mich kaum eine Not eine neue Laterne zu entwerfen, finde den Versuch aber auch nicht verwerflich, ggf. jedoch das Ergebnis zu verwerfen.

    Der Umbau des Innenraum ist sicher das Vordringliche. Auch eine Wiederannäherung des Äußeren an die vorsozialistische Form wäre zu prüfen.

  • Der "älteste erhaltene Raum" Berlins wurde saniert und kann besichtigt werden. Doch wo und wann? Wer Ort und Bauzeit nennt, bekommt einen Keks. ;)


    (Fotostitch von mir)


    Dekoratives Anführungszeichen

    In seinem Wettbewerbsentwurf für den Umbau der St. Hedwigskirche hat Bernd Albers ...

    Ist dieser Albers-Entwurf der nun favorisierte?

  • Die Nikolaikirche (Keks an merlinammain :daumen:) , ursprünglich ein spätromanischer Bau als Pfeilerbasilika, wohl ab 1200/1230 entstanden, wie an diesem Modell zu sehen. Die ersten zwei oder drei Level des Turms sind noch original, zumindest laut Ausstellung. Das gezeigte Zimmer befindet sich im rechten Turmkeller mit einer engen Treppe zur zweiten Etage.


    Die Fundamente der alten Basilika wurden teils freigelegt.


    Das Langschiff ist schon Gotik.





    Ist heute ein Museum, also Eintritt plus Fotogebühr.

    Einmal editiert, zuletzt von paderwan (6. Januar 2015 um 21:04)

  • Diözesanrat stimmt für Umbau

    Erzbischof Heiner Koch hat die Spitzengremien des Bistums aufgerufen zur Frage von einem eventuellen Umbau von St. Hedwig Position zu beziehen. Er möchte bis zum Sommer eine Entscheidung treffen. Das oberste Laiengremium der Katholiken, der Diozösanrat im Erzbistum Berlin votierte nun mehrheitlich (mit 46 von 60 möglichen Stimmen) für einen umfassenden Umbau der Kathedrale.

    Laut dem Bistumssprecher stehen noch zwei weitere Voten aus: Am 4. März will der Erzbischof die Meinung des Priesterrats einholen, zudem fehlt auch noch das Votum des Pastoralrats.

    Q: RBB

  • Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale

    Am 21. Mai wird sich der Pastoralrat versammeln und über den Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale am Opernplatz diskutieren. Modernisten sind laut einem Bericht der "Welt" zwar gegen die Schließung des Zugangs zur Unterkirche, die Entscheidung liegt aber bei Erzbischof Heiner Koch. Wenn alles gut geht, sollen die Arbeiten am 1. November 2023, dem 250. Jahrestag der Weihe, abgeschlossen sein.

    http://www.welt.de/kultur/kunst-u…ernes-Loch.html

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ...Modernisten sind laut einem Bericht der "Welt" zwar gegen die Schließung des Zugangs zur Unterkirche,... l

    Ich weiss jetzt nicht was der Hinweis auf Modernisten in diesem Zusammenhang soll, da ich wie ich glaube, vor ca 2 Jahren schonmal darauf hingewiesen habe, dass eine Treppenanlage zum Abstieg in die Unterkirche (Krypta) ja wohlweisslich keine modernisten-Erfindung ist sondern ihren Ursprung schon in den Frühzeiten der Romanik hat. So findet sich ein solcher Abstieg in fast allen großen romanischen Domen wie Mainz, Speyer, Hildesheim, Soest etc. Sogar die Barocke Peterskirche in Rom verfügt über solch einen dekorativen Zugang unter dem Altarportikus.