Ich habe den Eindruck gewonnen dass es hier eigentlich nur am Rande um preiswerte Wohnraumbewahrung und das unter Schutz stellen der Architektur geht - sondern man eher politisch motiviert sich als Anwalt für die Sichtbarkeit des Bauerbes der DDR im Einst wichtigsten politischen Zentrum Berlins geriert, völlig unabhängig ob die Klientel die bedient und beglückt werden soll überhaupt Teilhaber an dem dortigen Wohnmilleu ist. Ich kann nachvollziehen dass man die Architektur dort als für den Ort unangemessen dürftig empfindet. Daraus macht sie in ihrer Eigenschaft als einst schnell und günstig zu errichtender Plattenbau gar keinen Hehl. Will man den Schutz der Gebäude in ihrer Eigenschaft, als Beispiel für den Städtebau der DDR unbedingt unter Schutz stellen gibt es sowohl innerstädtisch als auch in den Randbezirken weitaus relevantere Beispiele. Ich persönlich halte die Bauten, wie auch die tschechische Botschaft für ästhetisch überbewertet und grundsätzlich für entbehrlich - wobei ich das Botschaftsufo als um so einiges deplatzierter empfinde. Die Unterschutzstellung der Wohnbauten an der Wilhelmstrasse, ist für mich nur unter einem Punkt langfristig wirklich triftig. Sie ist exemplarischer Teil der Anamnese, einer einst architektonisch und politisch bedeutsamen Straße und ihrem geschichtlich bedingtem Niedergang. Ich glaube auch dass, zu Recht befürchtet werden kann, das mit der Neuschöpfung von Wohnraum an dieser Stelle die einstige Qualität an Bauten gar nicht mehr erreicht würde und die Straße wie andernorts bereits geschehen, in ein stummes Ghetto driften würde. Die Alternativbebauung wäre wohl mindestestens genauso fragwürdig wie das was da jetzt steht. Was dräute, wäre ein Kompendium aus Patzschkefinka, Almdudlerblock und Wirhabenunsallelieb-Bambushütte aus dem Bionadebiedermeierwäldchen. Die Repräsentanzen der Bankiers und Industriekapitäne, die fürstlichen Palais und distinguierten Hotelpaläste, das Staatstragend- und Ehrfurchtgebietende kehrt so nicht wieder. Der Verlust der klassischen architektonischen Würdeform und der dortigen anspruchsvollen Zeugnisse ist bedauerlich, aber unserem gesellschaftlichen Selbstverständnis diametral gegenüber stehend. Für eine Aneignung einer derartigen Architektursprache fehlt uns in der Menge das nötige bürgerliche Selbstverständnis, der Souveräne Umgang und der Wille die dafür erforderlichen Ressourcen aufzubringen.
Wilhelmstraße - Plattenbaumoderne vs Neubebauung
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^ also zusammengefasst: Die grauen Platten spiegeln perfekt den Zustand der deutschen Volksseele wider und sind daher unbedingt zu erhalten.

Das Argument finde ich gar nicht mal so schlecht.
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Die Plattenbauten an der Wilhelmstraße erst mal stehen zu lassen, ist das Klügste, was man derzeit machen kann.
Für DDR-Verhältnisse sind die Bauten mit ihren Erkern und Mansardendach geradezu hochwertig. In gewisser weise nehmen die Platten architektonisch sogar ein wenig Bezug auf die Palais, die eist an dieser Stelle standen. Allerdings müssten die Fassaden dringend saniert werden.
Ob ein Abriss und die danach Folgenden Neubauten wirklich attraktiver wären und die Wilhelmstraße aufwerten würden, wage ich zu bezweifeln. Auch eine Rekonstruktion der prachtvollen Palais wie etwa des Palais Schwerin oder des Palais Radziwill halte ich derzeit für Ausgeschlossen.
Die Bedeutung, die die Wilhelmstraße als Regierungsstraße hatte und etwa mit Whitehall in London vergleichbar ist, wird sie nicht wieder erreichen. Auch wenn etwa das Finanzministerium oder das Landwirtschaftsministerium noch heute an der Wilhelmstraße ansässig sind. Wäre sie unbebaut geblieben, hätte man dort vielleicht weitere Bundesministerien ansiedeln und vielleicht auch über die eine oder andere Rekonstruktion nachdenken können. Nun stehen die Platten dort und bieten günstigen Wohnraum mitteln in der Stadt.
Es wäre allerdings gut, wenn die Geschichte der Straße wieder ein wenig Sichtbarer würde. Die Infotafeln entlang der Straße sind ein guter Anfang. Es wäre aber mehr wünschenswert und auch notwendig. Etwa eine Dauerausstellung über die Geschichte der Straße in einem der Plattenbauten.
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Und wieviel Altbauten werden denn nicht renoviert und stattdessen abgerissen?
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Ärgerlich sind allenfalls ihre schrägen Vergleiche. Es geht um das Heute und das Jetzt. Und da fordert niemand einen Ensembleabriss von irgendwelchen Altbauten.
Im benachbarten Thread wird ein aktuelles Beispiel genannt, wo der Abriss von Altbauten geplant ist, anstatt sie zu renovieren.
Siehe hier: Prenzlauer Berg (OT von Pankow) | Kleinere Projekte
Ich denke, dieses Beispiel ist Beweis genug, dass Altbauten heute und jetzt noch abgerissen werden. Oder gilt dieses Beispiel nicht, weil es nicht in der Wilhelmstraße liegt? Oder weil es sich nicht um einen Ensembleabriss handelt? Jetzt bin ich wirklich gespannt, ob du mir wieder vorwirfst, es würde sich um einen schrägen Vergleich handeln.
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^Natürlich gibt es Abrisse. Das habe ich nie bestritten. Nur fordert das niemand. Das ist doch der Wunsch der Investoren. Und scheinbar baurechtlich einwandfrei. Sie können ja eine Initiative starten zum Erhalt.
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Sie können ja eine Initiative starten zum Erhalt.
Genau das ist der Punkt. Würde es sich um DDR-Platten handeln, müsste ich keine Initiative starten, weil es die Initiative zum Erhalt schon lange geben würde. Wären es DDR-Platten, wäre der Aufschrei groß. Aber hier sind es doch nur Altbauten.
Wo sind jetzt die Foristen, die anmerken wollen, dass ein Abriss & Neubau einen zu großen wirtschaftlichen Aufwand verursachen würde?
Warum argumentiert hier niemand, dass preiswerter Wohnraum vernichtet wird?
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^ Das stimmt einfach nicht. Gerade in der Kastanienallee sind in der Vergangenheit schon Gründerzeitler abgerissen worden, und hier im Forum gab es immer Protest dagegen. Auch der geplante Abriss des Gründerzeitlers am Schiffbauerdamm wurde aus allen Richtungen angeprangert*. Kürzlich wurde ein Gründerzeitler in Friedrichshain plattgemacht – allgemeiner Protest im Forum (obgleich teilweise begleitet von der Verschwörungstheorie, Florian Schmidt persönlich hätte sich dort an historischer Bausubstanz vergriffen).
Du wirst aber zugestehen, dass es einen Unterschied macht, ob ein einzelnes Gebäude oder ein ganzes städtebauliches Ensemble zur Disposition steht. Hier geht es um letzteres. Stichwort: Flächenabriss. Ich bin offen dafür, Teile dieses Ensembles aufzugeben (die Häuser auf der Ostseite der Straße), möchte den Westteil der Bebauung aber erhalten wissen – als erschwinglichen Wohnraum, Lebendigkeitsgarant für die Friedrichstadt und Zeugnis der Stadtgeschichte. Gerne mit aufgewerteter Grünzone, besseren Geschäften und Gastronomie, sanierten Fassaden und Ergänzungsbauten zur ehemaligen Mauerseite hin.
(Und bevor jetzt wieder der Vorwurf kommt, das wäre Ostalgie: Ich habe mich hier im Forum z.B. auch für den Erhalt des Kempinskis, der Gedächtniskirche und des Karstadts in Charlottenburg eingesetzt, für das Kottbusser Tor in Kreuzberg und für so ziemlich sämtliche Bauten, die in West-Berlin im Zuge der IBA 87 entstanden sind).
*Den Großteils vollzogenen Abriss der dortigen Platten hat hier übrigens niemand kritisiert. Auch ich nicht.
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^ Hat aber im Gegensatz zu den echten Platten kein angedeutetes Schrägdach.
Im Ernst: Will erstmal die fertige Fassade sehen, bevor ich mir ein Urteil bilde. -
Die vom Pariser Platz zum Potsdamer Platz verlaufende städtebauliche Kante ist eine der wichtigsten Schauseiten der deutschen Hauptstadt. Was hier gebaut wird, steht im Fokus. Für dieses wichtige Bauprojekt gab es einige ganz gute Entwürfe. Entschieden hat man sich für den schlechtesten.
Hat aber im Gegensatz zu den echten Platten kein angedeutetes Schrägdach.
Und weil das angedeutete Schrägdach fehlt, sieht es noch mehr nach Platte aus als die "echten" Platten.
Will erstmal die fertige Fassade sehen, bevor ich mir ein Urteil bilde.
Die aufgestellte Musterfassade dürfen wir ja bereits bewundern. Um ehrlich zu sein: die Musterfassade macht mir ziemlich viel Angst.
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Bilder von Berlin:
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Vielleicht hab ich ja mit der Definition eines Palais als repräsentativem, mondänem Wohngebäude eine völlig falsche Erwartungshaltung.
Denn diese Begrifflichkeit stellt sich bei diesem Bau für mich so gar nicht dar.
Ich muss hier eher an ein billig und schnell hochgezogenes all inclusive Hotel um mittleren Preissegment an der Rivera denken als an ein Stadtpalais.
Die dünne Vorgehängte Fassade wirkt auf mich an der Musterfassade eher billig, grossflächig wiederholend eher uninspiriert und im Zusammenspiel mit der recht banalen Kubatur, die man ja durchaus auch an Renaissance Palazzi finden kann - kippt das für mich schlussendlich schon sehr ins peinliche Gernegroß.
Das Palais 😂 hat für mich damit wirklich mehr Verwandtschaft mit Plattenbauten als mit den Würdebauformen eines Palais.
Das sind für mich diese befürchteten und erwartbaren Renditeträger denen weder der nostalgisch schielende Baumarktschick noch die Anmaßung im Namen peinlich sein dürfte. Gestalterisch mir viel zu kurzatmig und von recht einsilbigem Rythmus auf dieser recht üppigen Baumasse. Wieder mal dumm gelaufen, schade um die verschwendeten Möglichkeiten.
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Eine interessante Neuigkeit: Für die Hannah-Arendt-Straße 2, gleich westlich gegenüber von The Wilhelm, ist im Dezember der Antrag für den Neubau eines Gebäudeensembles mit 6 (!) Einzelgebäuden und einer zweigeschossigen Tiefgarage eingegangen. Offenbar müsste der bestehende Plattenbau weichen, was vermutlich Stoff für Debatten liefern wird.
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^ Hm, ich finde es nicht in der Liste. Und es würde mich wundern, weil es der Erhaltungssatzung widerspräche. Ich verstehe auch wirklich nicht, warum man in der Gegend unbedingt bestehende Wohnungen abreißen muss, um neue zu schaffen. An der Cora-Berliner-Straße und an der Voßstraße sind riesige Grundstücke frei, die sich für Neubauten geradezu aufdrängen.
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^ Du hast Recht, ich hatte aus Versehen die Genehmigungs,- statt die Bauantragsliste verlinkt. Im aktualisierten Link solltest Du das nun finden (Seite 4, vorletzter Eintrag.) Und ja, auch ich habe mich aus dem gleichen Grund gewundert.
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^ Danke! Stellt sich noch die Frage, wie auf dem Grundstück städtebaulich sinnvoll sechs Einzelbauten unterzubringen wären. Vielleicht ist ja die Hausnummer falsch und es geht tatsächlich um die leere Ecke Hannah-Arendt-/Gertrud-Kolmar-Straße (a.k.a Führerbunker-Areal). Da könnte ich mir sechs kleine Türmchen nebeneinander schon eher vorstellen.
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Beim Betrachten dieser 1a-Sahneschnitte im Februargrau:
Gibt es eigentlich schon die Stilrichtung Biedermeier-Sozialismus? Irgendwie riecht es danach. Piefig, bullig, bollig, nach etwas aufgekratztem Pumaschweiss, von einer Metropole die sich immer aufgeregter um sich selbst im ökologisch-korrektem Kreise bewegt. So etwas seltsam verschwurbelt Verklemmtes hat sich eigentlich noch keine Hauptstadt an so prominenter Lage getraut. Ist ist tatsächlich, wie letzten Herbst am Kronprinzenpalais diagnostiziert - die 'unvollendete' Metropole – die nun am Ende, mit Phantomschmerz, an sich selbst leidend, sich nochmals zelebriert? -
^ Du weißt aber schon, dass das kein sozialer Wohnungsbau des Senats ist, sondern das Projekt eines privaten Investors mit sehr teuren Wohnungen? Dass nicht "die Hauptstadt" für den Entwurf verantwortlich ist, sondern eben dieser Investor? Dass "ökologisch-korrekt" hier nicht die geringste Rolle spielt, sondern Rendite? Dass "Sozialismus" hier nur durch Deine frei-flottierenden Assoziationen ins Spiel kommt, nicht durch die Wirklichkeit? Und dass Kritik sich am Gegenstand orientieren sollte, statt sich in Assoziationen zu verlieren? Besten Dank.
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Dass nicht "die Hauptstadt" für den Entwurf verantwortlich ist, sondern eben dieser Investor?
So allgemein formuliert ist diese Aussage falsch. Es ist ein Märchen, wonach Stadt und Bezirk keinen Einfluss darauf haben, welche Entwürfe von Investoren realisiert werden.
Mit den richtigen planungsrechtlichen Instrumenten kann eine Stadt bzw. Gemeinde jedes noch so kleine Detail eines Bauvorhabens punktgenau fixieren.
Mit einem vorhabenbezogenen B-Plan kann eine Stadt/Gemeinde (in Berlin vermutlich der Bezirk) auf jede Einzelheit eines Bauvorhabens Einfluss nehmen. Insbesondere kann eine Stadt bzw. Bezirk Einfluß darauf nehmen, wie die Fassade gestaltet wird. Als Außenstehender bekommt man den Eindruck, dass die planungsrechlichen Instrumente hier nicht richtig angewendet werden. Daher ist die Stadt bzw. der Bezirk sehr wohl mitverantwortlich, weil diese es zulässt, dass der Investor so baut, wie er baut.
Ohne den zugrunde liegenden B-Plan zu kennen: ich vermute, dass hier ein "normaler" Angebots-Bebauungsplan zum Einsatz gekommen ist oder gar kein B-Plan besteht. In diesen beiden Fällen hat der Investor natürlich große Freiheiten in Bezug auf alle ästhetischen Belange. Wenn das so sein sollte, würde sich die Frage aufdrängen, warum man dann keinen vorhabenbezogenen B-Plan aufgestellt hat?
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Eine Kommune / ein Bezirk kann für private Grundstücke nicht einfach nach Lust und Laune einen B-Plan aufstellen (und dies macht schon aufgrund begrenzter Verwaltungsressourcen auch wenig Sinn). Hierzu hat immer noch der Eigentümer sein Einverständnis bzw. überhaupt erst den Auftrag zu erteilen; stattdessen kann er genauso nach bestehendem Baurecht planen - dann sind die Einflussmöglichkeiten der Kommunen jedoch noch geringer, was bei B-Plänen dazu beitragen dürfte, dass nicht zu detailliert vorgeschrieben wird.
I.d.R. finden daher vor Aufnahme des förmlichen B-Planverfahrens intensive Abstimmungsprozesse zwischen Eigentümer und Kommune statt, Möglichkeiten werden ausgelotet, gegenseitiges Entgegenkommen erwartet, z.B. mehr BGF für mehr geförderten Wohnraum etc.
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