Friedrichswerdersche Kirche

  • Danke für den Link zum doch sehr sachlichen RBB-Beitrag.

    Das wichtigste ist doch, dass die Sanierung der Kirche läuft und sie schon bald wieder Besuchern offen stehen wird. Der Tonfall wird auch schon versöhnlicher. Es wird berichtet, dass die östliche Baustelle vorsichtiger betrieben wird und keine Schäden hinzukamen.

    Die Kirche und die Bauakademie werden ihre Rolle als Ikonen in dem neuen Stadtviertel hoffentlich bald wieder ausfüllen.

    Nicht mehr lange und wir können resümieren: Ende gut, alles gut! Was diese Ecke angeht bin ich optimistisch. Die flächendeckende WBM-Lösung für die Breite Straße und das Klosterviertel hingegen ....

  • Architektenkind
    Ich danke dir für deinen hervorragenden Beitrag!

    Gehen wir mal 10 Jahre zurück. Wie viele Besucher haben sich denn damals die Skulpturenausstellung angesehen? Damals hatte ich jedenfalls nicht den Eindruck, daß die Skulpturenausstellung ein großer Publikumsmagnet gewesen wäre. Die Ausstellung in der Friedrichwerderschen Kirche war genauso schlecht frequentiert wie es die Ausstellungen im Ephraim-Palais sind. Und jetzt wird in den Medien der Verlust dramatisiert.

    Fazit:
    Als die Lichtverhältnisse gut waren, hat die Ausstellung bezüglich Besucherzahlen (im wahrsten Sinne des Wortes) ein Schattendasein geführt. Und nachdem die Lichtverhältnissse schlechter geworden sind, wird die nicht mehr existente Austellung in den Medien plötzlich zum Leuchten gebracht und als kultureller Leuchtturm dargestellt.

  • Die Ausstellung ist vielleicht einfach ne Liebhabersache. Schinkel ist eben nicht Rodin und die Prinzessinengruppe keine Venus von Milo. Und vor 10 Jahren war das Umfeld auch noch ein anderes.

    Vielleicht tuts schon etwas besseres Marketing, um die Zahlen zu erhöhen. Möglicherweise hat ja schon die Tatsache, dass die Kirche fast zusammengebrochen wäre, auch einen positiven Einfluss auf die Besucherzahlen. Warten wirs ab...

  • ^ Genau. Die aktuellen Geschehnisse sind das beste Marketing für die Ausstellung. Nichts anderes wollte ich sagen.

    Übrigens:
    Hier zeigen sich Parallelen zum Humboldt-Forum. Die außereuropäischen Sammlungen wurden bisher in Dahlem gezeigt und die dortigen Besucherzahlen waren niedrig. Wenn die gleichen Sammlungen zukünftig im Humboldt-Forum präsentiert werden, werden diese deutlich mehr Besucher anlocken. Daraus kann man lernen, dass eben nicht nur die Sammlung an sich, sondern auch der architektonische Rahmen & der mediale Rahmen entscheidend sind für den Erfolg einer Ausstellung.

  • Manche Argumente hier sind teils wirklich erbärmlich.
    Ich denke mal vor 10 Jahren war die Situation rein aus touristischer Sicht und von den Besucherströmen her betrachtet eine völlig andere. Nur sehr wenige haben sich in diese Ecke der Stadt verlaufen. Das wurde erst mit dem Bau der Town-Houses und ihrem internationalen Echo allmählich anders.
    So ist des kein Wunder, dass die Ausstellung ein wenig aus dem Gedächtnis verschwunden ist, denn gerade eröffnet und sich langsam etablierend musste sie auch schon wieder schliessen, just als der ganze Touristenhype hier losging.
    Und es gibt ja wohl keinen besseren Ort der Stadt um die schinkelskulpturen zu präsentieren als in einer Schinkelkirche.
    Den Vorschlag sie wieder als Kirche oder gar als Kantine für das AA zu nutzen finde ich wirklich absurd. Das ist leider wieder so typisch Berlin. Erst verschlimmert man eine Situation im guten Glauben der Stadt was gutes zu tun, in diesem Fall die Umbauung der Kirche, macht sich dann aber keinerlei Gedanken über die Auswirkungen für das Objekt selbst. Dann weitet sich der Schaden aus und man hat keinen Plan.
    Ich sags nochmal ich fordere endlich einen Plan für diese Stadt.
    Einen Plan der nicht nur das Geltungsbedürfnis und Budget einiger weniger von ausserhalb berücksichtigt.

  • Ähm, du sagst dasselbe, wie ich...Andere Situation, nicht "wieder Kirche" usw. Dass es der Standort für die Skulpturen nur logisch ist, wollte ich auch sagen, aber weil es nicht nur seine sind, habe ich es mir gespart, bevor einem hier wieder die Worte im Mund umgedreht werden.

    Was meinst du damit, dass man die Situation verschlimmert? Die jetzige Situation wurde ja schließlich nicht absichtlich herbeigeführt...?Dass man das Konzept (oder was meinst du mit Plan?) vielleicht etwas überdenken könnte, ist nach mehreren Jahren Auszeit wohl keine große Sache.

    2 Mal editiert, zuletzt von Ben (22. Oktober 2017 um 11:59)

  • Um heute wirklich Publikum dauerhaft anzuziehen bedarf es schon auch einer guten Aufbereitung und Didaktik.

    Ich könnte mir gut vorstellen dass man in Zukunft das Werk Schinkels ja in der Bauakademie zusammenfasst und die Kirche zur Ausstellung sakraler Kunst (die jetzt teilweise im Bodemuseum zu finden ist) nutzt.

    @ Rotes Rathaus: Ist es aber nicht so dass derzeit nur eine "kosmetische" Renovierung vorgenommen wird um die sichtbaren Schäden zu kaschieren? Eine Sanierung der Kirche von Grund auf ist derzeit doch gar nicht in Sicht, oder?

    Camondo: Du hast vollkommen Recht, die Planlosigkeit in dieser Stadt macht einen völlig fertig, weil es immer nur um vergebene Chancen und Stückwerk geht!

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich sags nochmal ich fordere endlich einen Plan für diese Stadt.

    Ich fürchte, das ist nicht so einfach. Denn dann kommt eine gedankliche Sekunde später die Frage, wer diesen Plan eigentlich aufstellen darf. Ich weiß ja nicht, wie du dir diesen Plan für Berlin vorstellst. Aber in pluralistischen Gesellschaften ist das mit dem Aufstellen von Plänen nicht ganz so einfach.

    Zu DDR-Zeiten hat man auch für alles Pläne aufgestellt. Und ... schwups die wups ... befindet man sich in einer sozialistischen Planwirtschaft.

  • Es geht doch nicht um sozialistische Planwirtschaft sondern um Stadtplanung an sich und die scheint in Berlin kaum vorhanden bzw. braucht ewig, siehe Hochhaus Masterplan, City West Masterplan etc...

  • ^ Was heißt Stadtplanung an sich?

    Der eine möchte Schinkels Erbe schützen. Und der Andere möchte Geld verdienen, indem er neben Schinkels Kirche ein Bauprojekt beginnt.

    Welcher von beiden darf jetzt entscheiden, wie der Plan für Berlin aussieht?

  • Ersteres ist Denkmalschutz, Zweites ist Politik für Investoren und Lobbyisten.

    Der Senat der Stadt, von den Bürgern gewählt, sollte hier einen Plan haben und entscheiden, in welche Richtung z.B. welche Stadtviertel entwickelt werden und welche Infrastruktur hier notwendig ist, in Miteinbeziehung der Bürger!

    Im Fall des gesamten Viertels um Kirche und Bauakademie gibt es keine Planung, man hat Investoren machen lassen, die Daniel Barenboim Akademie und der Wiederaufbau der Bauakademie sind absolute Zufallsprodukte und so wird auch die Weiternutzung der Schinkelkirche ein Zufallsprodukt werden, wenn die SPK gar nicht mehr daran interessiert ist die Kirche für Ausstellungen zu nutzen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der eine möchte Schinkels Erbe schützen. Und der Andere möchte Geld verdienen, indem er neben Schinkels Kirche ein Bauprojekt beginnt.

    Was hat das mit der Planung zu tun? Es hatte wohl niemand die Absicht, Schinkels Erbe mit dem Neubau herabzustufen geschweige denn zu schaden. Es wurde eben gepfuscht. Das war sicher nicht geplant. Wäre alles ohne Probleme gelaufen, wäre es vielleicht gar nicht erst zu dieser Diskussion gekommen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Senat der Stadt, von den Bürgern gewählt, sollte hier einen Plan haben und entscheiden, in welche Richtung z.B. welche Stadtviertel entwickelt werden ...

    Genau das passiert ja auch. Wenn dabei Fehler passieren, sollte nicht übersehen werden, daß in Berlin seit 1990 auch vieles richtig geplant wurde. Es wurden nur wenige Fehler gemacht. Wäre es anders, hätte sich die Stadt in den letzten 27 Jahren nicht so gut entwickeln können.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Im Fall des gesamten Viertels um Kirche und Bauakademie gibt es keine Planung, man hat Investoren machen lassen,

    Ich habe es in einem älteren Beitrag bereits geschrieben. Und manche werden es nicht gerne hören. Aber dieses Viertel ist "nur" die Rückseite von Unter den Linden und wird in der hiesigen Diskussion wichtiger gemacht als es tatsächlich ist.

    Es ist ja nicht so, dass sich die Stadt Berlin nicht um die Entwicklung ihrer Stadtquartiere kümmern würde. Der Molkenmarkt (um ein Beispiel zu nennen) oder andere Quartiere waren für die Stadtplaner eben wichtiger in den letzten Jahren als das Viertel um die Friedrichwerdersche Kirche. Ich finde das auch gar nicht schlimm. Die Stadt kann die Planung nicht in allen Vierteln gleichzeitig voran treiben.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Was hat das mit der Planung zu tun? Es hatte wohl niemand die Absicht, Schinkels Erbe mit dem Neubau herabzustufen geschweige denn zu schaden.

    Es war nicht absichtlich, aber sehr wohl fahrlässig. In einem Quartier, das mehr im stadtplanerischen Fokus steht, wäre das Unheil vielleicht nicht passiert. Aber das ist jetzt reine Spekulation meinerseits.

  • Architektur-Fan: Aber dieses Viertel ist "nur" die Rückseite von Unter den Linden und wird in der hiesigen Diskussion wichtiger gemacht als es tatsächlich ist.

    Auf den ersten Blick mag das stimmen und in fast allen anderen deutschen Städten ist das auch so, aber in Berlin ist es ja gerade typisch, dass das Zentrum eines Stadtteils nicht nur aus ein, zwei Straßen besteht, sondern dass dahinter immer noch was schönes oder interessantes liegt.
    Und es dauert nunmal, bis alle Gebiete wieder entwickelt sind. Das dauert länger als die bisherigen 28 Jahre und hat auch nur wenig mit der jeweiligen Regierung zu tun.

  • Dekoratives Anführungszeichen


    @ Rotes Rathaus: Ist es aber nicht so dass derzeit nur eine "kosmetische" Renovierung vorgenommen wird um die sichtbaren Schäden zu kaschieren? Eine Sanierung der Kirche von Grund auf ist derzeit doch gar nicht in Sicht, oder?

    Nein, das habe ich so nicht verstanden. Die Kirche ist stabilisiert. Jetzt werden Risse verfugt und dann auch optisch ausgebessert und das wars. Die statischen Reserven seien durch den Schaden aufgebraucht, was aber gleichzeitig besagt, dass der Bau sicher steht, sollte kein weiteres Ereignis dazu kommen. Ein bleibendes System zusätzlicher Träger, scheint nicht notwendig zu sein. Es bleibt der geringere Lichteinfall und das wars. Diese, aus dem Bericht nur indirekt abzuleitende, positive Nachricht interessiert keinen - weil sie keinen Skandal darstellt und man sie nicht nutzen kann um über die in Berlin so verschrienen Investoren herzuziehen.

    Um das vorsorglich klarzustellen: Die Kirche ist auf einem Foto abgebildet, dass seit vielen Jahren bei mir in der Küche hängt. Seit ich das Bauwerk zum erstenmal gesehen habe, geht ein Zauber davon aus. Ich finde die Beschädigung extrem ärgerlich. Dennoch finde ich die ideologische Skandalisierung gegen Investoren bescheuert. Dass die Behörden, Bauherr und ausführende Firma zu etwa gleichen Teilen versagt haben ist klar.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die Kirche ist stabilisiert. Jetzt werden Risse verfugt und dann auch optisch ausgebessert und das wars. Die statischen Reserven seien durch den Schaden aufgebraucht, was aber gleichzeitig besagt, dass der Bau sicher steht, sollte kein weiteres Ereignis dazu kommen.

    Das habe ich ähnlich verstanden: Pfarrer Frielinghaus sagt in dem Beitrag sinngemäß, die Kirche sei zwar angezählt, bleibe aber standhaft, solange kein weiterer Schlag dieser Sorte erfolgt (verzeiht mir die Box-Metapher). Das ist eigentlich nichts neues, sondern war schon Stand der Erkenntnis, als die Baugrube für den Schinkelplatz-Riegel ausgehoben wurde. Deshalb hat man dort mit so großem Aufwand abgesichert. Gott sei Dank mit Erfolg, wie es scheint.

    In dieser Diskussion gehen gerade drei Themen durcheinander: Die Umbauung der Kirche – ist jetzt Wirklichkeit, ob es einem gefällt oder nicht. Die Einsturzgefahr – scheint abgewendet, was aber nichts an der teuren und langwierigen Sanierung ändert. Und die weitere Nutzung – hier bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass die SPK dort entweder den status quo ante 2012 wieder herstellen oder eine andere museale Verwendung finden wird. Der Justitiar, der im RBB interviewt wird, hat jedenfalls mit keinem Wort angedeutet, die Stiftung wolle sich der Kirche entledigen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das habe ich ähnlich verstanden: Pfarrer Frielinghaus sagt in dem Beitrag sinngemäß, die Kirche sei zwar angezählt, bleibe aber standhaft, solange kein weiterer Schlag dieser Sorte erfolgt (verzeiht mir die Box-Metapher). Das ist eigentlich nichts neues, sondern war schon Stand der Erkenntnis, als die Baugrube für den Schinkelplatz-Riegel ausgehoben wurde. Deshalb hat man dort mit so großem Aufwand abgesichert. Gott sei Dank mit Erfolg, wie es scheint.

    Das war mir nicht klar. Schließlich hat das Gerüst innen eine Stützfunktion. Wie weit das Gewölbe nach dem Verfüllen der Risse trägt, wird (obwohl von absolut entscheidender Konsequenz) nicht klar gesagt. Vermutlich wegen der juristischen Auseinandersetzung. Deshalb kommt ja auch der Justiziar zu Wort.

    Wie weit die Schäden nach der Abstützung des Fundamentes durch Betoninjektion die Statik beeinträchtigen, bleibt weitgehend ein Geheimnis. Nichts anderes interessiert aber wirklich. Um diesen heißen Brei wird permanent herumdebattiert und jetzt wird mit den Lichtverhältnissen ein neuer Schaden ins Spiel gebracht. Wohl eher ein beruhigendes indirektes Zeichen.

  • Im Grunde sind die schlechteren Lichtverhältnisse ja kein Schaden. Nun sind halt die Verhältnisse der Vorkriegszeit wiederhergestellt, abgesehen von einem zusätzlichen Geschoss bei den Kronprinzengärten. Was die grundsätzliche Frage aufwirft in wieweit es sinnig ist eine vorherige Bebauung zu rekonstruieren ohne zu fragen ob es nicht Verbesserungen geben kann...

    Über verschüttete Milch zu weinen mag nichts bringen aber daraus lernen könnten Stadtplaner...

    Und ja, das Planwerk Innenstadt besteht natürlich, aber es legte doch hauptsächlich fest, dass in diesem Viertel z.B. die Blockrandbebauung wiederhergestellt wird. Aber um lebenswerte und interessante Viertel zu entwickeln und zu gestalten reicht diese Planung nicht aus finde ich.