Neubebauung am Schinkelplatz/Werderscher Markt

  • Ändern können wir jetzt ohnehin nichts mehr. Also abwarten und schauen, wie sich das entwickelt. Es kann noch beides werden: gruselig oder spannend.


    Wenn alles fertig ist und die Gerüste gefallen sind können wir ja dann nochmal unsere Gemüter erhitzen...

  • Ach Gottchen, der Treverer. Alles was nicht nach Patzschke aussieht ist sowieso Mist. Das kennt man doch. Im Übrigen habe ich noch kein Urteil gefällt. Das sollte auch dem Treverer aufgefallen sein.


    Nimm bitte lieber Nöfer, Höhne, Stuhlemmer oder Kollhoff als Beispiel um mich in eine Schublade zu stecken (das machst du ja zum wiederholten Mal). Bin ehrlich gesagt kein so großer Fan von Patzschke. ;) Da sind oft die Proportionen nicht so stimmig und während Visualisierungen oft sehr schick (weil handgezeichnet) daherkommen, wirkt die tatsächliche Umsetzung oft billig im Detail und irgendwie steril. Danke!

  • Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich die Fassade ganz spannend finde und in der Tat wenn sich erstmal Staub und Schmutz abgesetzt haben wird sie erst so richtig plastisch erscheinen, wie eine Skulptur halt. Was soll daran so verwerflich sein, dass man sofort wieder ideologisieren muss hier??? Und ich denke auch wie DerBe man muss das Endresultat abwarten. Welches Material werden die Rahmen haben etc...

  • Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich die Fassade ganz spannend finde und in der Tat wenn sich erstmal Staub und Schmutz abgesetzt haben wird sie erst so richtig plastisch erscheinen, wie eine Skulptur halt.


    Mit etwas weniger Euphemismus könnte man auch glatt sagen, sie wird recht bald ziemlich schmuddelig aussehen...

  • Wunderbar. Wird ein super Dreckfänger werden. :nono::nono::nono::nono::nono:


    Ich bin durchaus für Experimente offen und an bestimmten Orten kann man sowas gern machen. Ich will gar nicht sagen, dass man das mit schönen massiven Metallfensterrahmen nicht schick aussehen lassen kann, aber es ist immer die Frage, wo man das baut.


    Ich finde einfach, der Schinkelplatz ist einfach der falsche Ort. Dieser Hauch von 70-er Jahre Retroschick mag durchaus seine Berechtigung haben, aber nicht neben Bauakademie und Schloss. Sorry, ist meine Meinung. Mir ist das zu modisch und zu wenig klassisch um nicht in 10 Jahren, wenn der Trend vorbei ist, total deplatziert zu wirken.


    Aber hey, da eh alles nur noch vorgeblendet und angeklebt ist, kann man die Fassade wenigstens schnell tauschen. Das ist der Vorteil der heutigen Bauweise!

  • Eine Vorgängerform dieses Rauh-Guss-Spritz-Putzes (bin dankbar wenn man mir die richtige Bezeichnung mitteilt) wurde unter anderem in den späten 30ern des letzten Jahrhunderts für diverse Kasernenbauten wie z.B. in Wolfenbüttel verwendet. Ist sehr haltbar und beständig. Daher war man in Wolfenbüttel bis vor ca. 2 Jahren sehr zurückhaltend diese Fassaden zu restaurieren. immerhin war der Putz weitestgehend intakt, wenn auch farblich unansehnlich. Inzwischen jedoch wurden die Gebäude "Am Exer", die heute von der Ostfalia Universität genutzt werden, renoviert.

  • Aber hey, da eh alles nur noch vorgeblendet und angeklebt ist, kann man die Fassade wenigstens schnell tauschen. Das ist der Vorteil der heutigen Bauweise!


    Ne, ne, das ist gegossener Beton, das lässt sich nicht einfach schnell tauschen...

  • Man kann bis hierher nur spekulieren wie der Putz in den nächsten Jahren altern wird. Die Patina, wenn man Algenbewucks so nennen möchte, ist ja bei glatten Betonflächen erfahrungsgemäß eher fleckig.
    Ich habe nur die Bedenken das sich unschöne dunkle Rinnsale unter den Simsen und Dachkanten bilden könnten, die wie bei einem überfüllten Teller den Rand hinunterlaufen und daher eher einen ungepflegten Eindruck hinterlassen würden. Alternder Beton ist einfach nicht ansehnlich, aber naja wenns denn regelmäßig gereinigt wird.


    Ein Vorteil hats vielleicht ja doch, die Sprayer-Szene wird es auf diesem Untergrund schwer haben ihre "Kunst" zu verbreiten.

  • ...Ein Vorteil hats vielleicht ja doch, die Sprayer-Szene wird es auf diesem Untergrund schwer haben ihre "Kunst" zu verbreiten.


    Das Thema hatten wir hier auch schon und der einhellige Tenor war, dass es in dieser zentralen Lage so gut wie keine Verunstaltungen durch Sprayer gibt.

  • Das war keineswegs "einhelliger Ton". Ich habe Graffiti aus dem direkten Umfeld, z. B. vom Opernplatz, gepostet und genau darauf hingewiesen.


    Aber wir werden es ja erleben. Es wird ausgehen wie bei den Betonplatten am Alexanderplatz, die von den Architekten als "städtische Patina" bezeichnet wird: Frittenfett und Bratwurstsenf als Spuren der Urbanität.

  • ^die Grafitti die Du gepostet hattest waren auf dem Bauzaun und Containern um die Opernbaustelle herum aber nicht auf den Gebäuden. Ich meine es gibt nichtmal den Hauch eines “Tags“ auf den Mauern der Universität, sowas ist wohl ziemlich einmalig auf der Welt und spricht entweder für oder gegen die dort Studierenden, je nach Weltanschauung.
    Aber jetzt bitte nicht gleich wieder eine Ideologiedebatte hier vom Zaun brechen.
    Das DAF ist schon verkorkst genug nur der Ideologie wegen. absurd.


    Und nochwas, anderswo gelten Fritten übrigens als Nationales Kulturgut, nur mal so erwähnt, werther Konstantin...

  • Anderswo, Camondo. Soweit ich weiss ging es auch um Graffiti auf der Uhr des Opernplatzes - und die Uni ist nur von vorn nicht beschmiert. Aber wir werden es ja erleben und uns weiland dieser Debatte erinnern.

  • Ich meine es gibt nichtmal den Hauch eines “Tags“ auf den Mauern der Universität, sowas ist wohl ziemlich einmalig auf der Welt


    Nein, das ist im Rest der Welt sogar ziemlich normal.

  • Zu meinem obigen Beitrag (Nr. 620) schrieb ein Rotbewerter:


    "Zu einer Demokratie gehört es das nicht Randgruppen die Gestalltung der Stadt bestimmen, sondern die Mehrheit. Nur weil eine kleine Gruppe die einen exzentrischen Geschmack besitzt sich ein Refugium schafft in dem sie ihren von der Mehrheit geteilten"


    Mal abgesehen davon, dass solche Argumente nicht in die Bewertungsleiste, sondern in die Diskussion gehören (weil sie dort a) keinen Punktabzug beinhalten, b) nicht mitten im Satz abbrechen und c) für alle lesbar sind), möchte ich auf den verständlichen Teil der Kritik dennoch antworten:


    1. Woher kennst Du die Meinung der Mehrheit in diesem Fall? Gab es eine Abstimmung, von der ich nichts mitbekommen habe, oder setzt Du der Einfachheit halber Deinen eigenen Geschmack mit dem der Mehrheit gleich?
    2. Wer sind denn die "Randgruppen" die hier ihren "exzentrischen Geschmack" auf Kosten der Allgemeinheit durchsetzen? Die Bauherren? Das Architekturbüro? Oder die Jury? Wahrlich finstere Perverslinge allesamt – ein anständiger Bürger würde sowas nicht einmal mit der Kneifzange anfassen! :doof:
    3. Wenn Du Dir ein Haus baust, startest Du vorher ein Umfrage in der Nachbarschaft, wie es aussehen soll? Oder baust Du möglichst so, wie es Dir gefällt?


    Im Ernst: Grundsätzlich bin ich sehr dafür, dass die demokratische Öffentlichkeit beim Städtebau ein Wörtchen mitzureden hat. Bürgerinitiativen z.B. können zwar sehr störend sein, oft sind sie aber auch ein wichtiges Korrektiv – man denke nur an die segensreiche Bremswirkung, die sie in der alten BRD bei der Durchsetzung der autogerechten Stadt hatten. Und eine Steuerung der Bautätigkeit durch eine (demokratisch legitimierte) öffentliche Hand ist unerlässlich – sonst entstünde gar keine Stadt, sondern nur ein dysfunktionales Chaos zusammengestoppelter Häuser. Eine unmittelbare Kopplung des Bauens an den Massengeschmack ist aber m.E. aus verschiedenen Gründen falsch bzw. sogar unmöglich:


    1. Da es nicht den Massengeschmack gibt, sondern nur ein Resultat aus tausend verschiedenen Geschmäckern, kann das Ergebnis immer nur Durchschnitt sein. Große Architektur kann nicht entstehen, wenn sich alle auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen müssen.
    2. Es gibt immer den Hang, am Bestehenden festzuhalten und Neues abzulehnen. In Braunschweig betraf das die Wiedererrichtung der Schlossfassade auf Kosten eines Parks – vorher mehrheitlich abgelehnt, sind im Nachhinein alle begeistert. Und auch der Eiffelturm wäre wohl nie gebaut worden, hätte man die Pariser vorher darüber abstimmen lassen.
    3. Über öffentliche Gebäude könnte man theoretisch abstimmen lassen, über private Bauvorhaben gewiss nicht.


    Ich finde, so wie es läuft, ist es eigentlich ein guter Kompromiss: Die öffentliche Hand gibt einen Rahmen vor, an den sich Bauherren und Architekten zu halten haben (in diesem Falle z.B. historischer Stadtgrundriss und Traufhöhe) und es findet ein Wettbewerb statt, über dessen Ergebnis Vertreter verschiedener Interessengruppen entscheiden. Dass die fertigen Gebäude nicht jedem gefallen – bzw. manchmal auch den meisten nicht gefallen –, wird sich nicht ändern lassen. Geht mir ja nicht anders. Ist aber immer noch besser, als sich den Architekturgeschmack von Leuten diktieren zu lassen, die für sich in Anspruch nehmen, im Namen der Mehrheit zu sprechen und für die Aussage, die Geschmäcker seien verschieden, Strafpunkte verhängen...


    (An die Admins: Sorry, ein bisschen am Thema vorbei. Da sich der Rotbewerter aber auf die Schinkelplatz-Bebauung bezog, gehört das m.E. auch hierhin. Nächstes Mal bin ich wieder näher am Gegenstand...)

    2 Mal editiert, zuletzt von Architektenkind ()

  • ... anderswo gelten Fritten übrigens als Nationales Kulturgut ...


    Vielleicht, aber nicht Frittenfett und anderer Dreck auf dem Boden.
    Berlin ist wohl die schmutzigste Hauptstadt des Abendlandes und im Gegensatz zu den anderen auch noch stolz auf ihre Defizite.


    Nicht zu fassen! :nono:


  • Mir ist das zu modisch und zu wenig klassisch um nicht in 10 Jahren, wenn der Trend vorbei ist, total deplatziert zu wirken.


    Wieviele Gebäude mit dieser Fassadenstruktur kennst du, dass du von einem Trend schreibst? Besonders Modern ist diese Fassade m.E. auch nicht. Immer wieder wird hier bei modernen Gebäude kritisiert, sie seinen einfache, weiße Kisten, ohne Strukturen etc.. Jetzt wird mal eine andere Fassade geplant, und nun ist auch dies falsch!?


    Aber hey, da eh alles nur noch vorgeblendet und angeklebt ist, kann man die Fassade wenigstens schnell tauschen. Das ist der Vorteil der heutigen Bauweise!


    Dieses Prinzip wurde bereiits bei der meisten Gebäuden im Historismus angewandt! Tragendes Mauerwerk wurde damals nachträglich eiinfach mit Verzierungen versehen. http://www.bilderbuch-koeln.de…A4tten_architektur_315320

  • Habe mir das Ganze gerade mal aus der Nähe angeschaut und bleibe bei meiner ambivalenten Einschätzung: Die Struktur an sich gefiel mir ganz gut – die Sonne schien darauf und erzeugte einen schönen Tiefeneffekt. Es wird sicher interessant sein, zu beobachten, wie sich die Wirkung der Fassade mit wechselnden Lichtverhältnissen verändert. Sowas hat man bei modernen Gebäuden m.E. viel zu selten. Auch die glatten Partien um die Fenster haben etwas; sie wirken fast wie organisch geformte Steinrahmen.


    Großes "Aber": Die Ausführung hat mich nicht überzeugt – es sind Blasen im Beton, die die Struktur stören, und um die Fenster herum scheint die Oberfläche an einigen Stellen abzublättern. Auch wirkt die Kante an der Gebäude-Ecke unsauber, was – wie auch die Blasen – auf diesem Bild von Kaba1 gut zu erkennen ist (die auf dem Foto zu sehenden Farbunterschiede zwischen den Fassadenseiten sind allerdings eine optische Täuschung, die wohl durch den Lichteinfall verursacht wurde).


    Meine Einschätzung: Das Gebäude hat Potential, das es aber nur ausschöpfen kann, sofern bislang nur ein Zwischenzustand zu sehen ist. Eine Veredelungsrunde scheint mir unbedingt nötig – bleibt es so, wie es ist, wird es zumindest bei genauerer Betrachtung einen schäbigen Eindruck hinterlassen.


    P.S. zum Graffitistreit: Man muss Wandschmierereien ja nicht schön finden, wer aber mal die Ruinen von Pompeji besichtigt hat, der weiß, dass Graffiti kein Ausdruck neuzeitlichen Sittenverfalls sind, sondern zur "abendländischen" Stadt dazugehören wie Gotteshäuser, Marktplätze und Bordelle. Und das seit mindestens 2000 Jahren. Denjenigen, die Graffiti ganz fürchterlich finden, rate ich deshalb zur Gelassenheit: Es ist unwahrscheinlich, dass sich eine so alte Kommunikationsform in den kommenden Jahren wird ausmerzen lassen. Sich darüber zu ärgern, ändert also wenig und schadet nur dem Blutdruck... ;)

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  • OT Graffti

    ^ bzgl. "Graffitistreit"


    Ja, ich war mal in Pompeji und kann deinen "Vergleich" dennoch nicht so ganz nachvollziehen. Wenn man so will, kann man natürlich auch argumentieren, schon in der Steinzeit wurden die Höhlen und Felswände mit Graffiti versehen. :D


    Aber beim Punkt Gelassenheit gebe ich dir recht, davon wäre etwas mehr sehr sinnvoll. Immer wieder kommt es hier zu den gleichen Reflex-Beiträgen: Jemand postet ein Foto, auf dem (irgendwo nebenher) ein Tag oder eine Schmierereien zu sehen ist und schon kommen die üblichen Aufschrei-Kommentare, meist von den üblichen Verdächtigen. ;)


    Das lässt sich oft regelrecht vorhersehen:



    Mal sehen, wer als erster... ;)


    Bei den Bauten am Schinkelplatz sehe ich bei diesen komischen Struktur-Beton-Muster-Präge-Fassaden weniger die Gefahr von Graffitis, sondern eher der schnellen Versiffung durch Feuchtigkeit/Algen/Dreck. Aber warten wir es mal ab.