Potsdam: Wiederaufbau der Garnisonkirche (Bauthread)

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    Ja, deine neue Quelle bestätigt meine Aussage doch.
    In 10/SVV/0232 sind die Fragen 1 und 2 zum Thema Verpflichtungen der Stiftung gegenüber der Stadt.
    Zu Frage 1 wird in der Antwort auf die Bedingungen von 08/SVV/0325 (oben rechts auf Beschlüsse klicken) verwiesen wo deine zuvor aufgeführten Grundsätze (#496) aufgezählt werden. Darunter steht dann, dass der Bürgermeister beauftragt wird, dass er diese Grundsätze in der Stiftung vertreten muss. (Das bedeutet, dass er verpflichtet ist zu versuchen die Stiftung zu diesen Grundsätzen zu bewegen. Und nicht das die Stiftung automatisch dazu verpflichtet ist.)
    Und zu Frage 2 steht in der Antwort welche Verpflichtung die Stiftung gegenüber der Stadt hat. Dort wird nur der Wiederaufbau der Garnisonskirche genannt. Ohne weitere Bedingungen.

    Was du mit der Rückfallklausel sagen möchtest versteh ich nicht. Dies ist eine ganz normale Klausel wie sie immer von Städten in den Verkaufsvertrag geschrieben wird. Und die Bedingungen damit diese Rückfallklausel wirksam wird hast du ja selber genannt.

  • Lingster: Dann ist der Begleitbeschluss der Linken wohl für die Tonne. Wurden die Linken schön verarscht, bravo! Die dachten sie hätten zu eine politischen Übereinkunft darüber unter welchen Bedingungen die Linke aufhört gegen die GK zu opponieren. An der sie sich auch hielt. Aber denkste!

    Jetzt haben die Linken mitbekommen, dass sie reingelegt wurden.
    Wenn wunderts da, dass sie mit politischen Mitteln den Widerstand wieder aufnehmen? Zumindest haben sie es soweit gebracht, dass der OB vor lauter Angst vor einem Bürgerentscheid, sich auf die Fahne schrieb, 'alles rechtlich mögliche zu tun um diese Stiftung aufzulösen'.

    Das ist ein ganz starkes politisches Signal, welches vorallem überregional Beachtung fand.

    Viele meinen außer dem aussichtslosen Auflösungsantrag hätte der OB keine weiteren Möglichkeiten. Ich glaube das nicht. So gäbe es die Möglichkeit mit einem Rechtsgutachten zu überprüfen ob Stiftungsgründung verfassungswidrig (bitte nicht verwechseln mit verfassungsfeindlich) war. Dafür sprechen einige Anzeichen.
    Oder, und dies wird bei jetzt anstehend Kompromiss/Workshop-Verhandlungen sehr wichtig, wird er darauf hinweisen müssen, dass die Stiftung aufgrund ihres sehr eng definierten Stiftungszweck kaum als Bauherr eines Kompromisses dienen kann ohne ihren Stiftungszweck zu ändern. Was wieder die Frage aufwirft, was mit den Spenden wird, die für den vorhergehende Zweck gespendet wurden (hatten wir ja schon mal, Stichwort Klaar-Millionen).

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Jetzt haben die Linken mitbekommen, dass sie reingelegt wurden. Wenn wunderts da, dass sie mit politischen Mitteln den Widerstand wieder aufnehmen?

    So ein kleiner historischer Hinweis: Das mag zeitweise relativ wenig verbreitet gewesen sein, doch in meiner Familie und Umgebung waren einige Leute oppositionell gegen den Kommunismus-Regime tätig. Wir haben uns damals vorgestellt, dass es nach dem Fall des Kommunismus wie nach dem Fall des 3. Reichs läuft - die kommunistischen Parteien werden verboten, die Täter streng gerichtet. Vielleicht musste man denen Zugeständnisse machen, damit sie ohne mehr Widerstand abtreten, das wird zumindest öfters vermutet.

    Stellen wir uns vor, man hätte die NSDAP genauso nicht verboten und diese würde als "Partei des demokratischen Nationalsozialismus" bzw. "Die Nationallinke" gegen das Holocaust-Denkmal oder gegen den Bau einer Synagoge den Widerstand aufnehmen - eine gruselige Vorstellung, nicht wahr? Also mich wundert schon die Chuzpe, mit der der Umstand des milden Umgangs quittiert wird, den es nur deswegen gab, damit der Fall des Kommunismus nicht so blutig wie in Rumänien läuft (was dann den Diktator ebenso traf). Eigentlich haben die Herrschaften nicht wirklich das Recht, sich über irgend etwas zu beschweren.

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Viele meinen außer dem aussichtslosen Auflösungsantrag hätte der OB keine weiteren Möglichkeiten. Ich glaube das nicht. So gäbe es die Möglichkeit mit einem Rechtsgutachten zu überprüfen ob Stiftungsgründung verfassungswidrig (bitte nicht verwechseln mit verfassungsfeindlich) war. Dafür sprechen einige Anzeichen.


    Welche zum Beispiel?

  • Saxonia: Dazu gab es im Mai einen längeren Vortrag des Juristenn Dr. Heinrichs in Potsdam. Der Vortrag wurde mitgeschnitten {Quelle}
    Ich bin kein Jurist, bitte nageln sie mich nicht auf Fehler des Herrn Heinrichs fest. Ich fand den Vortrag sehr informativ. Er brachte zumindest mir neue Erkenntnisse in Sachen GK Stiftung.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Lingster: Dann ist der Begleitbeschluss der Linken wohl für die Tonne. Wurden die Linken schön verarscht, bravo!

    Falls die Linkspartei das nicht wusste wäre das ein Armutszeugnis für die Fähigkeiten der Linken in Potsdam. Da war schließlich nichts versteckt im Beschluss, sondern klar und deutlich formuliert.
    Ich glaub nicht dass die Linke da auf irgendwelche Tricks reingefallen ist. Diese Aufforderungen an den OB waren schlicht und einfach das maximale was sie fordern konnte in ihrer Position. Die wussten schon vorher genau, dass dies nicht bindend sein wird.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Zumindest haben sie es soweit gebracht, dass der OB vor lauter Angst vor einem Bürgerentscheid, sich auf die Fahne schrieb, 'alles rechtlich mögliche zu tun um diese Stiftung aufzulösen'.

    Das tut er nicht aus Angst, sondern weil er dazu vom Parlament durch die Unterschriften der Gegner gezwungen wurde.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Oder, und dies wird bei jetzt anstehend Kompromiss/Workshop-Verhandlungen sehr wichtig, wird er darauf hinweisen müssen, dass die Stiftung aufgrund ihres sehr eng definierten Stiftungszweck kaum als Bauherr eines Kompromisses dienen kann ohne ihren Stiftungszweck zu ändern.

    Falls es zum Werkstattverfahren kommt wird es mehrere Ergebnisse geben. Mindestens einer davon wird mit dem Stiftungszweck übereinstimmen.

  • Saxonia
    Die Bedenken bestehen darin, ob der Staat aufgrund der verfassungsmäßig festgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche überhaupt ein kirchliches Projekt fördern darf.
    Da brauchen wir aber keine Angst vor einem Rechtsgutachten haben, denn das darf der Staat mit Sicherheit. Wir haben hier keinen strengen Laizismus wie in Frankreich und der Staat darf fördern was er mit parlamentarischer Mehrheit für Förderungswert hält. Egal ob kirchlich, kulturell oder sonst was. Ausgenommen ist nur die Wirtschaft.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Saxonia
    Die Bedenken bestehen darin, ob der Staat aufgrund der verfassungsmäßig festgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche überhaupt ein kirchliches Projekt fördern darf.

    Das ist nicht ganz richtig. Fördern darf der Staat eine kirchliche Stiftung sehr wohl. Eine kirchliche Stiftung mitgründen oder beitreten die unter kirchlicher Stiftungsaufsicht steht, ist fraglich. Aber wie gesagt, ich bin kein Jurist. Das müsste ein städtisches Rechtsgutachten ergeben.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Falls die Linkspartei das nicht wusste wäre das ein Armutszeugnis für die Fähigkeiten der Linken in Potsdam. Da war schließlich nichts versteckt im Beschluss, sondern klar und deutlich formuliert.
    Ich glaub nicht dass die Linke da auf irgendwelche Tricks reingefallen ist. Diese Aufforderungen an den OB waren schlicht und einfach das maximale was sie fordern konnte in ihrer Position. Die wussten schon vorher genau, dass dies nicht bindend sein wird.


    Na da fragen Sie mal Dr. Scharfenberg (Linke-Fraktionsvorsitzender) oder Sascha Krämer (Linke-Stadtchef). Die gehen aber von etwas anderem aus. Nicht umsonst haben Sie sich jahrelang gebrüstet, der Stiftung die oben genannten Punkte abgerungen zu haben. Und die Nichteinhaltung dieser Punkte ist die offizielle Begründung des Kurswechsels der Linken in Sachen GK.

    Dekoratives Anführungszeichen


    Das tut er nicht aus Angst, sondern weil er dazu vom Parlament durch die Unterschriften der Gegner gezwungen wurde.


    Ich möchte nur daran erinnern, dass der Antrag das der OB das Anliegen des Bürgerbegehrens zu übernehmen, von ihm selber gestellt wurde. Im übrigen enthielt er sich der späteren Abstimmung. Gezwungen wurde er in jedem Fall nicht. Er hätten den Antrag ja gar nicht stellen brauchen oder er und seine Rathauskooperation hätten dagegen stimmen können. Taten sie aber nicht. Nein, die Presse schrieb schon ganz recht, hier hat der Golliath den Schwanz eingezogen, weil ihm das Risiko eines Bürgerentscheides mit ungewollten Ergebnis zu hoch war.

    Dekoratives Anführungszeichen


    Falls es zum Werkstattverfahren kommt wird es mehrere Ergebnisse geben. Mindestens einer davon wird mit dem Stiftungszweck übereinstimmen.


    Mag sein. Spannend wird nur die Frage werden, ob die Potsdamer über die Ergebnisse abstimmen dürfen. Ich vermute sogar ja. Es wird laufen wie bei der Stadtschlossbefragung. 10 Optionen werden zur Auswahl gestellt. Und welcher Vorschlag wird mit 20% gewinnen? Genau.

    Einmal editiert, zuletzt von Potsdamer (14. August 2014 um 15:05)

  • Diesen Beitrag von Dunning-Kruger finde ich sehr gut. Er spricht genau die semantische Ebene an, auf die ich auch öfter zu sprechen komme. Es ist doch gerade toll, daß hier ein Mahnmal für den Tag von Potsdam wiederaufgebaut wird.

    Dialektik, Ganzheitlichkeit, Ironie.

    Es kommt eben darauf an, was wir damit machen.

    Ich wäre auch für einen Wiederaufbau der Neuen Reichskanzlei, auch wenn ich weiß, daß es vor allem aus politischen Gründen utopisch ist - und aus pragmatischen wegen der Bebauung der Westseite der Voßstraße.

    Wie würde wohl die Topographie des Terrors wirken in diesem Gebäude?

    Anselm Kiefer malte mal ein düsteres legendäres Bild vom Innenhof der Neuen Reichskanzlei mit dem Titel "Dem unbekannten Maler".

    Es geht eben um's Symbolische und Psychologische, und deshalb kritisiere ich entschieden diesen ontologischen Fatalismus, wonach in der Kirche quasi böse Geister stecken, die wiederbelebt werden. Bei der Neuen Reichskanzlei könnte ich das ja noch verstehen. Die wurde immerhin zu einem einzigen Behufe gebaut.

    Man verzeihe mir die Polemik: Ist Hitler nicht auch durch's Brandenburger Tor marschiert? Man kann viele Dinge auf Erden mißbrauchen.

    Deshalb ja zur Garnisonkirche und zu einem guten symbolischen Konzept. :)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Fördern darf der Staat eine kirchliche Stiftung sehr wohl. Eine kirchliche Stiftung mitgründen oder beitreten die unter kirchlicher Stiftungsaufsicht steht, ist fraglich.

    Das wäre aber sehr unlogisch, schließlich bedeutet der Beitritt zur Stiftung ja mehr Rechte für den Staat als wenn er nur fördern würde. Ich kann mir das nur sehr schwer vorstellen, aber im Recht gibt es ja nicht selten der Logik wiedersprechende Auslegungen, von daher ist nichts unmöglich.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Na da fragen Sie mal Dr. Scharfenberg (Linke-Fraktionsvorsitzender) oder Sascha Krämer (Linke-Stadtchef)

    Ich vermute da steckt Taktik der Linken dahinter. So naiv können Profipolitiker einfach nicht sein, dass sie sich so leicht austricksen lassen würden.

  • Mittlerweile haben auch die Garnisonkirchenbefürworter von "Mitteschön" ihre Kampagne gestartet. Demzufolge wird ein originalgetreuer Wiederaufbau der gesamten Kirche angestrebt. Die Garnisonkirche wäre ein Kunstwerk, vergleichbar mit einer "Bach´schen Partitur". Kompromisslösungen werden vehement abgelehnt, Kunstwerke wären keine "geschichtspolitischen Kompromissfelder".

    http://www.mitteschoen.de/startseite/unsere-stadt.html

    Die Kampagne besteht vor allem aus zwei Fotos, eines zeigt die Breite Straße ohne, eines mit Garnisonkirche.

    http://www.mitteschoen.de/startseite/pro-gk.html

    Zudem hat Mitteschön ein satirisch gemeintes Bürgerbegehren für den Abriss des Berliner Olympiastadions gestartet.

    http://www.mitteschoen.de/startseite/bioo.html

    Ich finde, dass diese Kampagne ziemlich wenig Argumente für die Gestaltung dieses geschichtsträchtigen Ortes bietet. Eine so vielschichtige Geschichte, die eine entsprechend vielschichtige Lösung für einen Gedenkort verlangt, lässt sich nicht auf zwei Fotos reduzieren. Richtig albern wird es, wenn dann noch der Abriss des Olympiastadions gefordert wird. Das Olympiastadion ist im Gegensatz zur Garnisonkirche vorhanden, es steht unter Denkmalschutz, und es wird genutzt. Daher lässt sich das Eintreten gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche nicht mit einem Eintreten für den Abriss des Olympiastadions vergleichen. Wenn man schon - wie Mitteschön das tut - einen Vergleich mit dem Umgang mit NS-Bauten ziehen will, dann müsste man das Eintreten gegen einen Wiederaufbau eines nicht mehr vorhandenen NS-Gebäudes, wie zum Beispiel der Neuen Reichskanzlei, als Vergleich nehmen. Ob solche Vergleiche hilfreich sind, wage ich allerdings zu bezweifeln.

    Zudem irritiert mich dieser Vorstoß ein wenig, weil Manfred Stolpe immer wieder erklärt hat, dass man nur den Turm wieder aufbauen wolle und diesen auch mit Nagelkreuz. Daher habe ich den Eindruck, dass die Garnisonkirchenbefürworter tief zerstritten sind.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch Mitteschön-Sprecherin Barbara Kuster Kritik an den Tricksereien der Rathauskooperation geübt hat. Sie hätte sich eine Abstimmung gewünscht, "um Klarheit zu schaffen".

    http://www.pnn.de/potsdam/878689/

    Einmal editiert, zuletzt von Klarenbach (15. August 2014 um 15:21)

  • Schlimmer gehts immer.

    ^^ So albern ich die Olmpiaseite auch finde, so unnötig ist (leider wieder) Deine Bemerkung hier, indem Du nonchalant einen Vergleich von Garnisonskirche und Reichskanzlei einwirfst. Mir war nicht klar, das Klarenbachs Ausfälle noch eine Steigerung beinhalten können.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Vergleichbar wäre es vielleicht, wenn jemand den Wiederaufbau der Neuen Reichskanzlei fordern würde, aber das tut ja niemand.

    Dialektik läßt grüßen. Obschon Du sagst dass es niemand tut, machst Du es dennoch. Denn das ist eben so ganz und gar nicht vergleichbar, auch nicht vielleicht. Wie wir alle wissen ist die (neue) Reichskanzlei nach Plänen von Speer und Hitler gebaut worden und war in der Tat Handlungsort allen Übels, das die Nationalsozialisten geplant und umgesetzt haben. Es ist eine bodenlose Frechheit, dass Du ein Gotteshaus - zudem Grabstätte der Preussenkönige, was hier aber keine Rolle spielt - , die zufällgierweise zum Ausweichquartier wurde und nur deswegen vor der Tür ein Handschlag stattfand, der post bellum als Sinnbild für einen Schulterschluss interpretiert wurde hier hinterrücks wieder in deine Brutstätten-Theorie von Krieg und Ungeist einbringst. Und jetzt in Reichweite der Reichskanzlei positionierst, also als Keimzelle des Nationalsozialismus. Und es ist übelste linke Propaganda. Und wie ein Bordmitglied schon an anderer Stelle bemerkte in Deutschland auch juristisch bedenklich. Du nervst damit nicht nur, Du benutzt wie gesagt das Forum für Deine unlauteren Zwecke. Und langsam sollten hier mal die Mods einschreiten, wenn Du nicht selbst auf die Idee kommst, die Passage zu editieren.

    Edit: Die Behauptung nebst rotem Kärtchen, "der Vergleich der Garnisonkirche mit mit NS-Repräsentationsbauten stammt von Mitteschön, daher sind Deine Beschimpfungen unangebracht." ist hinsichtlich Olympistadion schonmal falsch, weil ein Stadion für Olympia was anderes als ne Regierungszentrale ist (auch wenn Olympia von den Nazis missbraucht instrumentalisiert wurde) und weil zweitens kein Vergleich stattgefunden hat und drittens es ein wirklich blöder Versuch der Satire ist. Ich seh ebenfalls null "Beschimpfungen"; "übelste linke Propaganda" ist ne Feststellung und wurde hier auch sehr trocken erläutert, als "einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer ... erwünschten Reaktion zu steuern". [Zitat Wikipedia, creative common, gemeinfrei]. Mir ist das auch zu blöde, landet bei Schmittchen

    5 Mal editiert, zuletzt von libero (15. August 2014 um 14:48)

  • Aber libero. Es war doch Echter Berliner der diesen Vergleich gezogen hat und Klarenbach hat da sich da ironisch draufbezogen. Jetzt ist aber auchmal gut mit dem Klarenbach-Bashing hier.

  • ^^Bashing? Dass ich nicht lache. Wer basht hier eigentlich wen? Und unabhängig davon, dass es mit nichten ironisch gemeint ist oder wer es vorher aufgeworfen hat - so lange so eine Propaganda verzapft wird, halt ich gegen.

    Edit: Im übrigen sei gestattet nachzufragen, wo das der Echte Berliner getan haben soll. Wenn Du das hier meinst:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich wäre auch für einen Wiederaufbau der Neuen Reichskanzlei, auch wenn ich weiß, daß es vor allem aus politischen Gründen utopisch ist - und aus pragmatischen wegen der Bebauung der Westseite der Voßstraße.

    ... dann vergleicht er das nicht. Und ihm das zu unterstellen, ist ebenfalls einfach mal so eine unlautere Behauptung. Fakt ist: Vergleichsmöglichkeit Garnisonkirche - Neue Reichskanzlei aufgeworfen, Autor Klarenbach.

    Einmal editiert, zuletzt von libero (15. August 2014 um 13:41)

  • libero: Ich wär da jetzt nicht so dünnhäutig. Schließlich war die Neue Staatskanzlei ein herausragender Bau des norddeutschen Neoklassizismus. Und was können schon Gebäude dafür, wenn sie missbraucht wurden, nicht wahr? Nur weil Hitler da ein paar Jahre gesessen hat? Dann müsste man ja viele Gebäude sprengen, z.B. die Festung Landsberg oder das Münchner Hofbräuhaus.
    Außerdem prägte die Neuer Staatskanzlei mit seiner 421 Meter langen Gebäudefront die Innenstadt Berlins. Dessen behutsamen Annährung ja ein bekanntes Ziel des Berlin Abgeordentenhauses ist. Und wie die Garnisonkirche wurde die Neue Reichskanzlei, obwohl durch Kriegswirren nur leicht beschädigt, vom bösen Ulbricht aus politischen Gründen gesprengt.
    Wenn ich noch an den schönen Skulturenschmuck von Arno Breker und Josef Thorak denke! Das Gesamtkunstwerk war vergleichbar mit einer Wagner Oper!

    (Vorsicht, es könnten Spuren von Ironie in meinen satirisch gemeinten Beitrag sein.)

  • @ Klarenbach: Ich habe nicht den Eindruck, dass die Befürworter zerstritten seien, denn schließlich wird die Werbekampagne von einer unabhängigen Bürgerinitiative durchgeführt. Sie unterstützt zwar einen Wiederaufbau der ehemaligen Garnisonkirche, vertritt aber nicht die offizielle Haltung der Stiftung oder der Fördergesellschaft – nämlich die alleinige Rekonstruktion des Turmes.

  • Wir drehen uns mE argumentativ nur noch im Kreis und das zudem noch in einer Abwärtsspirale. :nono:

    Camondo: Von einem ironischen Bezug kann ich da leider nichts feststellen. Wenn ein solcher tatsächlich von Klarenbach intendiert war, wurde er jedenfalls deutlich besser versteckt als Potsdamers "Ironie" die sich wiederum allzu heftig als solche aufdrängt und damit mE in etwa das Niveau der Initiative für den Abriss des Olympiastadions erreicht. Das erinnert mich gerade in unserem Diskussionszusammenhang stark an einen weiteren selbst erklärten Meister der subtilen Ironie: https://www.youtube.com/watch?v=baIp_bfqNWo http://www.spiegel.de/politik/deutsc…l-a-839551.html

    Übrigens könnte ich anhand der jeweiligen Geschichte und Symbolkraft eine tatsächliche Initiative für den Abriss der Siegessäule sogar besser verstehen als die Bedenken um die Reko der Garnisonskirche. Und zeitweise stand solch ein Abriss ja in der Tat mal im Raum, auch wenn es dann (entgegen ähnlicher Bedenken wie sie heute durchs Forum schwirren) anders kam. Und seltsamer Weise hält unsere Gesellschaft die fortwährende Existenz dieser Säule auch unbeschadet aus: Obwohl es sicherlich rechte Spinner (und zumindest nach Aussage besagter Bedenkenträger wohl auch immer noch rechtskonservative Militaristen bzw. Preussennostalgiker) in unserem Land gibt, pilgern sie mW nicht dort hin. Ganz im Gegenteil: Dort werden politische Demonstrationen und Massenveranstaltungen verschiedenster Couleur abgehalten (und das trotz ihrer ursprünglichen Symbolik und obwohl Hitler sie seinerzeit bekanntlich ebenfalls instrumentalisiert hat und sie sogar umsetzen und umbauen ließ). Wie ich schon einmal ausführte ist das bei anderen Bauwerken bei denen aus ähnlichen Erwägungen heraus eine Sprengung ebenfalls im Raum stand bzw. ein Wiederaufbau umstritten war ähnlich. Man kann ja gerne Elemente der kritischen Dokumentation oder Spuren der Geschichte (so sie authentisch und plausibel sind) in so ein Projekt integrieren. Ich find die Gedächtniskirche diesbezüglich genial aber die wurde eben bewusst so "gelassen" - nicht gesprengt. Ähnlich ist es mit Mauergedenkstätten oder dem mW rekonstruierten(!) Checkpoint Charlie. Ich gebe Klarenbach auch durchaus recht, dass zwei Bilder (vor und nach dem Abriss) etwas undifferenziert mit der Geschichte umgehen - wie es Initiativen leider oft an sich haben. Das gilt mE in gleichem Maße auch für die der "anderen Seite". Denn diese diffuse Angst die geschürt wird mit der Reko den Ungeist der Vergangenheit zu beschwören und über uns alle zu bringen ist mE wirklich albern...

  • Um den Kreis mal wieder zu schließen. Es ist ein erheblicher Unterschied ein bestehendes Bauwerk nicht abzureißen oder ein vor Jahrzehnten bereits abgerissenes wieder aufzubauen.

    Die Siegessäule sehe ich hier neben dem Monitor und ich habe ich mich in den letzten Jahren daran gewöhnt, dass sie Teil meines Ausblicks ist. Immerhin hat sie sogar noch einen praktischen Nutzen als Aussichtspunkt. Aufgrund ihres Standortes war sie häufig Zielpunkt des CSD und ist zum Phallussymbol der Homosexuellen geworden.
    http://www.siegessaeule.de

    Wäre sie aber vor 50-60 Jahren abgerissen worden wäre ich jetzt nicht dafür sie wieder aufzubauen sondern würde einen alternativen Vorschlag befürworten.

  • Ich glaube der Punkt ist der, dass es einen großen Unterschied macht, ob man ein vorhandenes Gebäude erhält oder ob man ein nicht mehr vorhandenes Gebäude rekonstruiert. Die Rekonstruktion eines Gebäudes beinhaltet auch immer eine Botschaft.

    Ein Beispiel ist die Rekonstruktion des Warschauer Schlosses. Das Warschauer Schloss war schon während der Zeit der polnischen Teilungen ein Symbol für den Wunsch der Polen nach einem Nationalstaat. Daher beschlossen die deutschen Besatzer, das Warschauer Schloss zu zerstören. Sie wollten damit eine Botschaft senden, nämlich die, dass es nie wieder einen polnischen Nationalstaat geben wird. Die Vernichtung der polnischen Nation sollte auf diese Weise auch baulich ausgedrückt werden.

    Nach dem Sieg über das Naziregime beschloss die polnische Regierung den Wiederaufbau des Warschauer Schlosses. Auch dieser Schritt sollte eine Botschaft senden, nämlich die, dass die polnische Nation über die Vernichtungspolitik des Naziregimes gesiegt hat. Das Warschauer Schloss wurde zum Symbol für die Wiedergeburt der polnischen Nation.

    Ich denke also, diese Dinge muss man bei der Diskussion über den Umgang mit diesem Areal im Hinterkopf behalten. Das gilt umso mehr, weil ja auch hier kein Zweckbau entstehen soll, sondern eine Denkmalanlage, die mit der dunklen Geschichte dieses Ortes umgehen soll. Und da muss diskutiert werden, welche Botschaft hier ausgesendet werden soll und wie eine adäquate bauliche Form aussehen soll. Bei dieser Debatte muss auch immer bedacht werden, dass das geplante "Zentrum für Frieden und Versöhnung" international beachtet werden wird. Es wird zeigen, wie sich das heutige Deutschland definiert und welche Werte ihm wichtig sind. Daher denke ich, dass wir eine sehr verantwortungsbewusste Debatte über den Umgang mit diesem Ort führen müssen und dass solche Satire-Einlagen wie die von Mitteschön dieser Verantwortung nicht gerecht werden.

    P.S. Chandler war schon schneller als ich, aber wir ergänzen uns da gut.