Umgestaltung Rathausforum / Marx-Engels-Forum

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Daß die Berliner DNA wirkt, zeigt sich u.a. am Pariser, am Potsdamer und am Leipziger Platz, am Schinkelplatz, am Schloßplatz, in der Friedrichstraße und in den Altbaugebieten, die wiederaufgeforstet werden. Was soll man zu solch einer Realitätsverweigerung sagen?

    Komisch, ich dachte immer das wäre die Folge politischer Entscheidungen damit betrauter Amtsinhaber, z.B. Stimmann und seine Seilschafterei, ähm Planwerk Innenstadt?

  • Immer dieses billige Monarchie-Argument bringen :nono:. Aber ja, die Könige wie auch frühere Republiken bzw. deren Haus- und Hofarchitekten hätten es sicher besser gemacht.
    Heutige Plätze sind in ihrer Formgebung einfach selten als solche zu gebrauchen. Der Tilla-Durieux-Park am Potse ist der größte Mist! Nicht weils ne Grün-/Freifläche statt einer bebauten Fläche ist, sondern weil sie ist, wie sie ist. Man kann sich zwar sonnen, aber letztendlich trennt er die beiden Bereiche optisch und räumlich. Deswegen ist die östl. Seite auch so tot. Wenn man sich auf die westl. zum sonnen hinfleetzt, dann geht man nicht mehr rüber auf die andere Seite. Ich bin vorhin "durch" den Henriette-Herz-"Park" gelaufen. Aber das ist eher eine - mMn recht ansprechende - Skulptur, als ein Platz geschweige denn ein Park. Um von A nach B zu kommen, muss man erst mal über C oder D gehen. Wären die Flächen eben und hätte sie Bänke und Bäume, wäre das anders. Function follows Form. Form follows Function wäre auch nicht ideal. Form equals Function sollte das Motto sein.
    Das trifft auf MEF/RF zwar weniger zu, aber so viel zu Nachkriegs-/Nachwendeplätzen allgemein. So hätte man es zu Königs Zeiten sicher nicht gemacht, auch wenn dort auch nicht alles Kuschelplätze waren. Müssen sie auch nicht...Aber jut, das ist OT...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    In der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU heißt es: ...
    dass die richtige Balance gefunden wird zwischen der Sensibilität für die historische Gestalt der Berliner Altstadt ...

    Das klingt nicht so, dass man die Plattenbauten 1:1 belassen wird, dafür bräuchte man keinen B-Plan - man würde nichts neues bauen. (Diese Plattenbauten werden eher zur Disposition gestellt als Teile des Platzes.) Ich interpretiere es gerne als Erweiterung des Nikolaiviertels auf der Nikolaiviertel-Seite des Platzes. Die andere Seite wäre zwangsläufig größer dimensioniert - da hat bereits der Hotelneubau Weichen gestellt.

    2 Mal editiert, zuletzt von Bau-Lcfr (20. September 2013 um 02:21)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    und versuche dich nicht immer mit deinem zarten alter zu entschuldigen, andere haben in deinem alter schon ganze städte entworfen.

    Ich denke nicht, dass ich mich für meine Meinung entschuldigen brauche, ebenso wenig wie irgend eine andere Person.

    Mir ist in meinem bisherigen Leben oft eine extrem entgegen gesetzte Position bzgl. Ästhetik, dem Verhältnis zur eigenen Kultur/Lokalpatriotismus, usw. zwischen meiner und deiner Generation aufgefallen. Was auch das Normalste der Welt ist. Daher finde ich wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir nicht alle mit dem selben Horizont, dem selben Weltbild und den selben prägenden gesellschaftlichen Erfahrungen an die Sache gehen. Ich bin halt in der sog. Spaßgesellschaft groß geworden, ich habe halt als Teenie die Augen verdreht, wenn mir der alt68er Lehrer oder meine Eltern mal wieder einen politischen Sermon gehalten haben, ich bin aufjedenfall apolitisch, wenn ich mich mit dem altbundesrepublikanischen Motto "ALLES ist politisch" vergleiche.

    Aber mir ist beispielsweise auch ganz besonders wichtig, dass bei Neugestaltungen öffentlicher Räume darauf geachtet wird, keinen billigen Importstein aus Asien zu verwenden, der sehr häufig durch Kinderarbeit, schuftende Kinder, hergestellt wird. Oder dass man Baumarten wählt, die auch fürs Stadtklima tauglich sind und keine "Wegwerfdeko" die nach ein paar Jahren kränkelnd abstirbt und ersetzt werden muss, nur damit man ganz besonders schmückende Bäumchen hat. Dass man keine Unsummen in zeitgeschmäcklerische, temporäre, Gestaltung investiert, wissend dass das in ein paar Jahren mit viel Geld und Ressourcenverbrauch wieder ganz anders gestaltet werden muss. Was auch Dinge wie Wasserspiele einschließt, die regelmäßig mit hohem Aufwand saniert werden müssen, so hübsch sie dann für den Moment auch sein mögen, da muss man einfach draus lernen, "simplere" Modelle wie jene am Pariser Platz sind meines Wissens nicht so wartungsintensiv und auch schmückend.

    Ich bin nicht aus Nostalgie ein Freund von Rekonstruktionen und historischer Gestaltung, sondern weil das eben Dinge deutlich größerer Haltbarkeit und Langlebigkeit sind. Und das ist mir enorm wichtig. Unsere Gesellschaft läuft langfristig in die demografische Falle, öffentliche Gelder werden in einem in der Bundesrepublik ungeahnten Maß rar und zusammenschrumpfen. Was früher 20 Jahre halten musste, muss dann auf unbestimmte Zeit halten. Und die Energie- und Rohstoffkrise ist auch absehbar am Horizont, egal auf wann genau das Experten jeweils datieren mögen. Ich möchte einfach in keiner zerfallenden Stadt leben, da wir uns zu meinen Lebzeiten diese energie- und ressourcenfressende Bauweise auf keinen Fall dauerhaft leisten können läuft es aber genau darauf hinaus wenn wir nicht neue Prioritäten setzen. Prioritäten die in den vergangenen Jahrzehnten des Überflusses, wo höchstens politische Interessensgruppen und Zahlen auf Papierfetzen oder im Computer die Ressourcen künstlich verknappten, keine Rolle spielen mussten.

    Unsere Vorfahren verstanden es, mit nachwachsenden, regionalen Rohstoffen und durchaus sehr urbanenen, kultivierten Gestaltungsmethoden das steinernde Berlin zu erschaffen. Sie brauchten dazu kein Erdöl, kein Kunststoff, keine Bauchemie, keine weltweiten Just In Time Lieferketten. Ich bin mir sicher, dass wir deren Know How in Zukunft bitterlich brauchen werden und mir wäre es ein großes Anliegen, uns dieses Know How wieder ganz praktisch anzueignen, sei es modellhaft indem wir alte Archive durchwühlen und darauf aufbauend Rekonstruktionen des alten Berlins anfertigen und von den Fehlern die wir dabei mit Sicherheit machen werden, lernen. So dass das Know How am Schluss wieder vorhanden ist, auch ohne Chemiebaukasten und Zulieferer in Nahost hochwertige und moderne Gebäude zu errichten. Und das modellhaft auch für die restliche Welt, Berlin könnte hier Vorreiter sein. Nachhaltigkeit nicht durch immer mehr Chemie und Silizium und Solarmodule usw., sondern indem man von vorneherein ressourcensparend und mit regionalen Stoffen baut.

    Das ist all das was bei mir im Hinterkopf IMMER mitschwingt, was ich auch schon versucht habe anzudeuten und dann sofort als "off topic" mißverstanden wurde. Will sagen, wenn man aus verschiedenen Lebenswelten kommt, muss man sich dessen wechselseitig einfach bewusst sein, sonst redet man einander vorbei, wie wir dies hier nun seit einiger Zeit machen. Mich würden durchaus deine Beweg- und Hintergründe interessieren, aber außer Allgemeinplätzen und persönlichen Angriffen habe ich dazu bisher wenig gelesen. Was bewegt dich denn bei der fortwährenden Gestaltung unseres gemeinsamen öffentlichen Raums, wie stellst du dir Berlin in der Zukunft vor? Darauf aufbauend kann man doch erst im "Klein-Klein" a lá MEF schauen, wie man sich der Sache annimmt.

    Mir schwebt hier eben vor, einen Modellkiez zu errichten. Der zur stark frequentierten Touri-Destination wird und so dieses Modell in der Welt bekannt macht, hoffentlich Nachahmer findet. Dabei wäre mir nicht zwingend der Stuck wichtig. Sondern Vollziegelmauerwerk, Böden/Decken aus Holzbalken mit Dielen, mit Schilfgewebe (statt Kunststoffgewebe) verputzte Wände (ohne Bauchemie verputzt), gerne auch mit den äußerst langlebigen Steckdosen und Lichtschaltern aus Keramik die ja nach wie vor hergestellt werden, Holzfenster die neuesten Dämmnormen entsprechen, mit Naturfasern gedämmte Wände, Vollholztüren,...es wäre möglich zu zeigen, Wohn- und Geschäftsräume höchster Qualität ganz ohne industrielle Baustoffe zu errichten. Und wenn die Touris dann da drinhocken und ihre Latte trinken und sagen "schaut doch eigentlich ganz normal aus", dann fahren sie heim und sprechen mit ihrem Architekten, der wird dann recherchieren und herausfinden, dass ihr Eigenheim sogar billiger im Bau wäre, wenn man auf regionale und nachwachsende Rohstoffe zurückgreifen würde, und so würde sich etwas sukzessive ändern im Lande. Das Thema muss raus aus Liebhaberecken und universitären Forschungsprojekten.

    Ich hoffe jetzt ist endlich klar, was ich mir vorstelle.

    4 Mal editiert, zuletzt von Berchen (20. September 2013 um 10:01)

  • @berchen

    soweit liegen wir doch garnicht auseinander.
    wenn ich sage, dass ich mir auch einen abriss der platten links und rechts und gegenüber des rathauses vorstellen kann und dass man diese durch hochwertige wohn und geschäftsneubauten mit geschäften, restaurants ersetzt etc.
    da kannst du dann auch gerne deine keramikschalter an die wand schrauben.
    die von manufactum sind allerdings ganz schön teuer ;)
    mir geht es nur darum, weil hier so getan wird als würde es nur die 2 pole geben entweder bebauung nach dem alten raster oder alles so lassen wie es ist... eine dritte möglichkeit zu eröffnen, nämlich die fläche nicht zu bebauen sondern zwischen fernsehturm und schloss einen großen hochwertigen park anzulegen mit informationspavillon und marienkirche und neptunbrunnen und lutherdenkmal. vielleicht kann man ja gartengestalterisch das alte strassenraster aufgreifen. dieser park sollte dann auch möglichst hochwertig wie oben schon beschrieben baulich gefasst werden. der fernsehturm hätte genügend raum um zu wirken. ich galube diese lösung ist eine gute dritte variante und enthält von beiden extrempolen etwas.

  • @Berchen
    Das liest sich jetzt wie ein Plädoyer zum Erhalt der Plattenbauten ums RF herum. Sollten diese etwa doch so lange stehen bis sich deren Instandhaltung nicht mehr lohnt?

    Bau-Lcfr
    Da steht nur etwas von der Freifläche des RFs und nicht inwiefern die Plattenbauten drumherum mit einbezogen werden. Du kannst davon ausgehen, dass diese Bauten zumindest in dieser Legislaturperiode nicht zur Disposition gestellt werden.
    Wo es aktuell so viel Geschrei um fehlenden günstigen Wohnraum in der Innenstadt gibt wird sich wohl kein Politiker an dem Thema die Finger verbrennen wollen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Vielleicht hilft es wenn du dir vorstellst ein preußischer König hätte dort einen Park zwischen Schloss und Alexanderplatz (Fernsehturm) angelegt?


    Hat er aber nicht. Für Freiflächen dieser Art stand und steht in Berlin die Spreeinsel mit der Schlossumgebung und Lustgarten zur Verfügung. Was bereits ein vergleichsweise großzügiges Areal ist. Der Rest war immer dicht bebautes Stadtgebiet, natürlich im Verlauf der Zeit mit wechselnden Hütten - ein ziemlich normaler Vorgang. Der Bruch kam erst mit dem Krieg und der darauffolgenden Ausradierung des historisch gewachsenen Stadtplans und einem verordneten Dornröschenschlaf, der sich im Verlauf der Zeit zu einer kulturgeschichtlichen Amnesie entwickelte. Kann man mittlerweile aber heilen durch bewusstes Wiederherstellen der wesentlichen Strukturen wie Straßen, Plätze, Blockränder und einigen wenigen Dominanten (z.B. Schloss, Kirchen). Das ist das vordringliche Ziel hier.

  • Auch wenn man die jetzige sozialistische Staatsachse als überdimensioniert empfindet, irgendein Sichtbezug, ein Korridor zwischen den beiden wesentlichen Dominanten, also dem Fernsehturm auf der einen und und dem in einigen Jahren wiedererrichteten Schloss mit der Stella-Fassade auf der anderen Seite, müsste doch bestehen bleiben, finde ich. Das spitz in Richtung Neptunbrunnen zulaufende Sockelgebäude des Turms gibt eine solche Achse ja quasi schon vor.

    Könnte man den Neptunbrunnen, als Alternative sowohl zum jetzigen Standort als auch zu seinem historischen Platz, nicht vielleicht auf den zentralen Platz des jetzigen Marx-Engels-Forums versetzen und ihn dort mit einer Randumbauung fassen (entlang der Rathausstraße sowie der KL-Straße sowie vielleicht ein Stück weit über Eck entlang der Spandauer auf der einen Seite und der Spreeseite auf der anderen?) http://binged.it/19liLAG


    Man könnte dabei eine im Vergleich zum jetzigen Zustand verengte Blickachse zwischen Fernsehtum und Schloss aufrecht erhalten und gleichzeig auch, in etwa in Fortführung der Poststraße sowie der Passage im CityQuartier DomAquarée, weitere seitliche Zugänge zu diesem zentralen Brunnenplatz schaffen, der dem Neptunbrunnen einen würdigen Rahmen verleiht.

    Auf dem "Rathausforum" könnte sich diese Randbebauung dann fortsetzen, wobei die Sichtachse im Zentrum Richtung Schloss bestehen bleibt und vielleicht ein kleiner seitlicher Platz vor dem Roten Rathaus geschaffen wird, um einen freien Blick auf das Eingangsportal zu ermöglichen.

    Dies wäre zumindest ein Kompromiss zwischen einer maßvollen Verdichtung und der gleichzeitigen Beibehaltung der jetzigen zentralen Sichtachse, die aber ihren totalitär-überdimensionierten Charakter einbüßt.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich bin halt in der sog. Spaßgesellschaft groß geworden, ich habe halt als Teenie die Augen verdreht, wenn mir der alt68er Lehrer oder meine Eltern mal wieder einen politischen Sermon gehalten haben, ich bin aufjedenfall apolitisch, wenn ich mich mit dem altbundesrepublikanischen Motto "ALLES ist politisch" vergleiche.

    Dafür steckst du aber ganz schön tief in einem apokalyptischen Öko-Diskurs, der prima in die Zeit um 1980 passen würde, Petra Kelly und Jutta Ditfurth würden es lieben...:D
    Aber im Ernst, es gibt genug Potenziale so ein nachhaltiges Modellprojekt zu verwirklichen, die leider abgesagte IBA wäre eine gute Plattform dafür gewesen, ich sehe nicht wieso ausgerechnet der Große Freiraum dafür geopfert werden muß; der große Stadtumbau der nächsten 25 Jahre muß sich in dieser Hinsicht eh auf die Großsiedlungen und die Peripherie der Zeit 1950-90 fokussieren, den Raum jenseits des S-Bahnrings, dort entscheidet sich ob Nachhaltigkeit (nicht nur ökologisch, sondern auch sozial!) gelingt oder nicht.
    Außerdem muß nachhaltig nicht das Kopieren vormodernen Städtebaus bedeuten, Vollziegelwände haben z. B. ziemliche beschissene U-Werte, da bieten sich Holz- oder Lehmbauweisen dann doch schon viel eher an, und solare Architektur (an der Sonne zur passiven und aktiven Eneregiegewinnung orientiert) erfordert auch eher andere städtebauliche Paradigmen als Blockrand und Mietkaserne. Und ich denke es ist auch nicht sinnvoll jede Errungenschaft an Baustoffen und Bautechnik der letzten 100 Jahre zu verdammen, mit einem bloßen zurück zu 1880 ist niemandem gedient.

  • ^es geht doch überhaupt nicht um Baustoffe und Bautechnik. Niemand möchte irgendwo Fachwerkhäuser oder Vollziegelbauten errichten. Die Frage der Nachhaltigkeit bezieht sich keineswegs auf die Standfestigkeit oder Effizienz von Gebäuden, sondern in erster Linie auf das ästethische Erscheinungsbild und stadthistorisch plausible Kontinuität. Ja, hier bietet leider die Moderne keine akzeptablen Antworten - kann sie garnicht, da es ihr völlig wesensfremd ist. Am Ende entscheidet was wichtiger für die Gesellschaft ist: Der Mensch und seine Bedürfnisse, oder die optimale technische Funktion. Ersteres bedingt Nachhaltigkeit, letzteres Schnelllebigkeit.

  • Ich habe mal ein tolles Haus besichtigen können, haben die Eltern eines Freundes von mir zusammen mit ihrem Architekten in liebevoller Kleinarbeit geplant.

    Vollziegelmauerwerk, davor geblendet eine Holzfassade (unbehandelt, altert wunderschön) und zwischen Holzfassade und Mauerwerk haben sie mit Naturfasern gedämmt. Innendrin haben sie die Räume sogar mit einem weißen Putz versehen, der glaube ich aus nichts als Gips und Quark bestand, aber genau erinnere ich mich nicht mehr. Und so ging es von Detail zu Detail weiter, Endergebnis: der Bau war BILLIGER als mit konventionellen Baumethoden "von der Stange" und das Raumklima ist einfach toll. Ich habe seit jeher Heuschnupfen und leide unter trockener Raumluft, wie eine immer größere Zahl von Menschen. Das hat sicherlich auch was mit der schlechten Luftqualität zu tun, die Stahlbetonwände nun einmal unweigerlich erzeugen (nicht wegdiskutierbar). Und ich hab mich dort einfach wohlgefühlt und war beschwerdefrei. Es muss jetzt nicht jeder nachhaltige Bau eine Kopie davon sein, man kann es gern auch total anders gestalten. Nein, man sollte sogar. Ein buntes Summelsurium verschiedenster Farb- und Formensprache und Materialien um zu zeigen, dass Ökologie nicht "Verzicht" bedeutet.

    Mich hat es vom "Empfinden" her, von der ökologischen Seite her und auch der ökonomischen Seite her total überzeugt, was die gemacht haben. Und das war der Moment, der mir sozusagen die Scheuklappen weggerißen hat. Aber ich habe dabei auch gemerkt, das muss man gesehen und erlebt haben. Und darum fände ich es so wichtig, das beispielsweise in Berlin an einem zentralen Ort zu machen, der gleichzeitig zu einem Touristenmagnet wird durch seine Gestaltung und Nutzung (a lá Hackesche Höfe) und JEDER der dann da mal war wird in Zukunft ganz anders denken, das wird sich in Kommunikation multiplitzieren, der eine erzählt es dem anderen usw. Ich denke nur so geht es. Seit Jahrzehnten versuchen es die zitierten "klassischen Ökos" mit Belehrungen und Nischenprojekten. So wird das nichts.

    Ich fände diesen Ort einfach prädestiniert. Es müsste nichts dafür weichen, der Raum wartet schon auf Neugestaltung. Ich und viele andere fänden Nachverdichtung gut. Und man muss es doch auch mal so sehen. Auf der Museumsinsel das steinerne Preußen, am Alex die betonverliebte Nachkriegsmoderne und dazwischen dann ein "dritter Weg". Hätte doch auch eine gewisse Symbolkraft.

    Batō
    Nun, solange sie sinnvoll zu erhalten sind bin ich schon für einen Erhalt. Aber nicht weil sie Plattenbauten sind oder weil sie aus der DDR Zeit stammen sondern weil es eine furchtbare Ökobilanz gäbe, "funktionierende" Baumasse abzureißen weil sie einem gestalterisch aktuell nicht mehr zusagt. Die Zeit wird aber kommen, wo eine neue Kernsanierung ansteht und dann bin ich für einen Abriß.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Dies wäre zumindest ein Kompromiss zwischen einer maßvollen Verdichtung und der gleichzeitigen Beibehaltung der jetzigen zentralen Sichtachse, die aber ihren totalitär-überdimensionierten Charakter einbüßt.

    Das ist vielleicht gut gemeint, aber im Endeffekt wird jegliche Neustrukturierung als weitere Entfremdung empfunden. Entweder sozialistisch-authentisch oder Altberlin-authentisch. Oder der besprochene Kompromiß aus beidem mit historischer Bebauung des MEF.

    Ich kriege jedenfalls sehr unangenehme Gefühle, wenn ich mir die Gegend vorstelle und dort schon wieder etwas völlig neu strukturiert wird, das ohne Vorbild ist. Die Leute fühlen sich einfach am wohlsten, wenn das alte Berlin wieder aufgebaut wird. Das hat sich jedenfalls an den bisherigen Etappen des Wiederaufbaus gezeigt.

    Ich verstehe auch nicht, warum unbedingt eine Sichtachse zwischen Turm und Schloß vorhanden sein muß. Das mutet für mich wieder etwas totalitär und weltfremd an. Letztlich unurban. Solche Sichtachsen haben heute etwas Weltfremdes, Künstliches.

    Ich muß hier Tel33 insofern zustimmen, als es wirklich schwer nachzuvollziehen ist, warum man nicht einsieht, daß das alte Berlin im Krieg zerstört wurde und dies ein massives Trauma bedeutet. Es ist daher selbstverständlich, sich an einer kritischen Rekonstruktion zu orientieren. Und ich freue mich auch über die Äußerungen Berchens bzgl. des Potsdamer Platzes. Da sieht man, was modernistische Hightech-Architektur Negatives anrichten kann.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das ist vielleicht gut gemeint... Die Leute fühlen sich einfach am wohlsten, wenn das alte Berlin wieder aufgebaut wird. Das hat sich jedenfalls an den bisherigen Etappen des Wiederaufbaus gezeigt.
    Ich muß hier Tel33 insofern zustimmen, als es wirklich schwer nachzuvollziehen ist, warum man nicht einsieht, daß das alte Berlin im Krieg zerstört wurde und dies ein massives Trauma bedeutet. Es ist daher selbstverständlich, sich an einer kritischen Rekonstruktion zu orientieren.

    also so einen blödsinn habe ich wirklich selten gelesen, selbst von ihnen nicht. es tut mir leid das sagen zu müssen. ausserdem sprechen sie bitte nicht im namen der berliner wenn sie hier ihre thesen verbreiten. :Nieder: ich und ungefähr 80% der jetzt in berlin lebenden menschen kennen die stadt vor dem krieg nicht also fühle ich mich auch nicht am wohlsten wenn das alte berlin wiederaufgebaut wird. und auch bin ich und die anderen 80% nicht traumatisiert durch die kriegszerstörung. alles was mich hier traumatisiert sind thesen wie sie sie aufstellen und die sie in das mäntelchen einer allgemeingültigen haltung kleiden wollen. ich glaube sie sollten mehr im hier und jetzt leben und nicht in einer zeit die wahrscheinlich auch sie nicht erlebt haben. geben sie sich einen ruck! und sie werden sehen, dass man sich auch so sehr wohl fühlen kann in unserem berlin.

  • Ich bin ein Berliner!

    Meinen Euer Durchlaucht etwa, für 80% der Berliner zu sprechen? Wir duzen uns hier!

    Die Stadt vor 1945 existiert noch in großen Teilen. Und den ganzen Rest kann man sich auf Bildern und in Filmen ansehen. Die Mehrheit tickt nun mal so, wie ich es schreibe. Kann ich auch nichts für.

    Wir reden hier vom normalen Mann auf der Straße. Der findet das Adlon toll, auch wenn Leute mit Promotion und Habilitation in Architektur die Patzschkes dafür schmähen und diffamieren. Wieso haben die das eigentlich nötig?

    Ich hätte übrigens die Rekonstruktionen an der Nikolaikirche, die hier zuvor gepostet wurden (Danke an den Poster), nicht als solche erkannt. Für mich wären es schlicht die Originale gewesen. In hundert Jahren interessiert das sowieso niemanden mehr.

    PS: Daß übrigens noch ein Großteil von annodazumals existiert, ist auch ein Präjudiz für die weitere Stadtplanung, wie ich bereits zuvor schrieb. Man kann sich ewig der Realität verweigern, aber die alten subjektiven und objektiven Kontexte sind nun mal vorhanden und sie werden sich langfristig (von Ausnahmen abgesehen) durchsetzen.

    Städtebau ist etwas Ganzheitliches und kein Diskreditieren sämtlicher Architektur, die vor einem gebaut wurde. Basta. :mad::nono::confused:

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Meinen Euer Durchlaucht etwa, für 80% der Berliner zu sprechen? Wir duzen uns hier!
    Städtebau ist etwas Ganzheitliches und kein Diskreditieren sämtlicher Architektur, die vor einem gebaut wurde. Basta. :mad::nono::confused:

    also wen ich hier sieze überlassen sie bitte mir.
    sie haben von mir noch niemals gelesen dass ich irgendeine architektur die vor meiner geburt gebaut wurde diskreditiert hätte. ganz im gegenteil, ich selbst lebe in einem schönen schöneberger gründerzeithaus und ich habe ein faible für die architektur um 1800. nur bin ich nicht so realitätsfern wie sie und akzeptiere wenn etwas einmal zerstört ist, ist es futsch und mit ihm der geist oder die aura oder die DNA wie sie es bestimmt nennen. da hilft dann auch keine rekonstruktion.:lach:

  • Konstantin
    das ist wohl wahr. ausser der kleinen dorfkirche ist nicht viel geblieben. aber ich würde auch nichts was nicht mehr da ist zurückhaben wollen. das ist eine sentimentalität die mir wirklich fremd ist.

    ps. Entschildige, ich weiss Du hast Probleme mit meiner stringenten Kleinschreibung, aber ich bemühe mich :)

  • ^Ja, die Dorfkirche Schöneberg ist eine ganz gute Kopie. Nach dem 2. Weltkrieg war ja nicht mehr viel übrig, aber der äußerliche Wiederaufbau Anfang der 50er ist zwar schlicht, aber gut. Ein schönes Beispiel - gerade wenn Du die Kirche für authentisch hältst.

    (C) akg-images