Wilhelm-Leuschner-Platz + Areal an der Nonnenmühlgasse

  • Für Schulz+Schulz werden selbstverständlich andere Schuld sein, namentlich der Freistaat, der "nur" 10.119 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung stellt. "Wir bauen zu billig", hat Herr Schulz ja im obigen Interview zum Besten gegeben.

    Aber ganz ehrlich, in einer Fantasiewelt ohne Budgetgrenze wäre kaum etwas Besseres zustande gekommen. Der genannte Quadratmeterpreis ist ja quasi schon ein Wunschkonzert für etwas, das letztlich nur ein Bürogebäude ist. Der Wettbewerbsentwurf war auch schon, pardon für die Ehrlichkeit, Schrott.

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    [...]

    Zum Bauvolumen: da es meiner Ansicht nach ein hässliches Gebäude wird, bin ich froh, dass es nicht noch höher kommt. Sechs Geschosse entsprechen der Umgebung. Der seltsame Abfall der Geschosshöhen Richtung Westen (links im Bild) ergibt sich wie erwähnt daraus, dass die Architekten nicht wussten, wo vorn und hinten ist. Zur sich eines Tages anschließenden Markthalle wollen sie eine Lücke lassen, damit ihr Institut vom Leuschnerplatz aus als eigenständig erkennbar sei. Halte ich städtebaulich und architektonisch für bescheuert und für Platzverschwendung.

    Ich kann mich gar nicht so genau an den Ursprungsentwurf erinnern, um diesbezüglich Kritik zu äußern.

    Zum Volumen: Die Lücke zur zukünftigen Markthalle ist ja grundsätzlich nicht verkehrt. Ich hätte mit dem Volumen aber dennoch anderweitig gespielt und stattdessen auf mehreren Ebenen, freie Räume (Terrassen) spannend gefunden. Also immer wieder herausgebrochene Teile in der Körper-Struktur. Sicher in Deutschland problematisch oder evtl. nicht realistisch, wären zB. drei bis fünf Geschosse mit Wohnungen über dem Institut gut gewesen. Um den Nutzungsmix richtig auszureizen.

  • Oh Gott, ich hab mich so sehr auf Global Hub gefreut, aber die angebrachten Fassadenelemente sind eine unbeschreibliche Enttäuschung!

    Der Bau in der Visu und der Bau in echt sind 2 verschiedene Gebäude...

    Es meiert mich an, dass immer öfter die gebauten Gebäude nicht der Visu entsprechen und das nicht mal im Ansatz...

    Was eine verschenkte Chance in solch prominenter Lage... Schlimm!

  • Dito.

    für einen Holzbau fand ich den Entwurf wirklich sehr gut gelungen und hätte sich gut in die Lage eingefügt.

    Schlimm ist auch dass der Holt-Farbton zu einem tristen grau geändert wurde.

    Da sind wir mal auf das Ergebnis gespannt....

  • Im schlimmsten Fall sieht es aus wie ein stink-normales Institutsgebäude am Stadtrand. Schade, aber warten wir ab wie es im Gesamtbild aussieht.

    PS: für mich immer wieder fraglich, wieso man überhaupt ein Auswahlverfahren durchführt, um am Ende den prämierten Entwurf dann in der Gesamtheit einschneidend zu verändern. Deutsche Städte sind doch schon überwiegend hässlich. Warum repliziert man denn die biederen Wiederaufbaujahre der 60er und 80er Jahre BRD?

  • Ich weiß nicht ob sich diese Frage mit dem Begriff "Alternativlosigkeit" bereits erschöpfend beschreiben lässt. Oder ob es doch ein Konglomerat aus Wankelmütigkeit wegen drohender Kostensteigerungskritik ist, welche über der Kritik an schlechterer Bauqualität als schlimmer für die Entscheidungsträger gesehen wird. Quasi im vorauseilenden Gehorsam die Hände in Segmenten messbarer Unschuld (Finanzen) gewaschen und die schwer messbaren Segmente (Gestaltqualität, Konsitstenz eines Entwurfes, nicht zu verwechseln mit individuellem Geschmack) lieber hinten an gestellt.

    Im Fazit aus dieser Vermutung muss die Kritik lauter, stärker und schmerzhafter als die einer befürchteten Kostenüberschreitung sein, damit sich bei allen Beteiligten aus Politik und Entscheidern ein Wandel einstellt. Keine leichte Aufgabe!

  • Nein, ich sehe das ganz und gar anders! Es muss möglich sein und es ist auch möglich, dieses Haus für ein Budget von 50 Millionen sowohl funktionell als auch mit einer ansprechenden Gestaltung umzusetzen.

    Dazu müssen lediglich von vornherein andere Prioritäten gesetzt werden. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn am Ende noch Holzplatten an die Fassade geschraubt werden, mit allen Sperenzchen, die das neben einer Oberleitung bedeutet.

    Findet ihr denn 10.119 Euro pro Quadratmeter für ein Bürogebäude, das den Geisteswissenschaften dient, zu wenig Budget?

  • offenbar gibt es einen Hand an vielen Gebäuden, öffentlichen wie privaten, bei Budgetproblemen realer oder drohender Art vor allem die Gestaltung zu verändern / verschlechtern. Doch bei Lichte betrachtet gibt es ja andere Kostenfaktoren mit weit größerem impact.

    Aktionismus mit Pseudo-Spareffekten sind halt einfacher als echtes Planen mit kleineren Budgets

  • ^^ und ^

    Sehe ich auch so. Eine realistische Einschätzung könnte mit niedrigeren Kosten eine gezielt bessere Planung/Umsetzung durch Notwendigkeit von Ideen erzwingen. Da geht es ja mit z.B. überwiegend aus Holz gebauten Gebäuden schon los. Diese sind günstiger und schneller zu realisieren.

    Vielleicht ist es wirklich der Ansatz welcher schon krankt. Eine Disparität zwischen dem Diskurs wie Gebäude geplant und umgesetzt werden "müssen" und dem Geld was dafür ausgegeben werden sollte.

    Wenn sich dieser Ansatz ändern ließe, gäbe es vielleicht nicht nur realistischere Umsetzungen sondern vor allem neue Modelle der Komposition. Holze anstatt Beton, öffentliche Einrichtungen und Wohnungen, keine Garantie für KfZ Parkplätze sondern Öffi-Anschluss im direkten Umkreis etc pp.

    Das war btw übrigens der Fall in Skandinavien. Als in den wirtschaftlichen sehr schwierigen 1980er Jahren, dort das Bauen anders gedacht werden musste.

  • Aufgrund der aktuell schlechten Finanzsituation der Stadt, werden Markthalle, Musikschule und VHS auf absehbare Zeit nicht gebaut und auch nicht weiter geplant. Nichtsdestotrotz wird das Naturkundemuseum weitergebaut (Fertigstellung 2029) und für ca. 20 Mio. Euro bis 2029 auch der WLP zu Ökotopia umgebaut und das Freiheitsdenkmal errichtet. Der Umbau der Straße vor der Stadtbibliothek als Teil von Ökotopia wird allerdings auch aufgeschoben. Weiterhin sollen zeitnah 200 Wohnungen durch die LWB an der Ecke Grünewald-/Windmühlenstr. errichtet werden.

    https://www.lvz.de/lokales/leipzi…MI43V4SSQM.html

  • Solange das Geld in den kommenden Jahren in Miliarden für die Infrastruktur anderer Länder benötigt wird, steht es hier nicht mehr für städtebauliche Infrastruktur und ökologische Projekte zur Verfügung. Das wird sich rasch nicht ändern. Ich selber würde gerne ausgewählte Projekte (z.B. Ökotopia auch vor der Bibliothek!) privat fördern. So könnte man auch Projekte -wie das Stadtplatzprogramm- nicht auf unbestimmte Zeit verschieben. Die jetzige Krise könnte so auch Chance sein, dass sich bürgerschaftliches Engagement in Leipzig noch stärker etabliert.

    Ich kann mir eine Stiftung "Ökotopiaerweiterung und Stadtplatzbegrünung Leipzig" vorstellen, zuerst mit einem Minimal-Grundstock und dann erhoften Zustiftungen (z.B. aus Erbschaften).

    Aber dürfte die Stadt Leipzig diese Parallelität überhaupt akzeptieren? Immerhin müsste man einer Stiftung ja inhaltliche Mitspracherechte einräumen.Das könnte zu Kollisionen mit dem Stadtrat und der Verwaltung führen.

    In den USA ist das bekanntermaßen gängige und sehr erfolgreiche Praxis, auch bei der Gestaltung von Parks (z.B. Milleniumpark Chicago). Die Unterstützer werden ab einer gewissen Höhe namentlich in Stein gemeiselt :-). Ich bin sicher, dass sich auch Leipziger in den Zeiten leerer Staatskassen für ein privates, bürgerschaftliches Engagement zunehmend begeistern würden.

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    In den USA ist das bekanntermaßen gängige und sehr erfolgreiche Praxis, auch bei der Gestaltung von Parks (z.B. Milleniumpark Chicago). Die Unterstützer werden ab einer gewissen Höhe namentlich in Stein gemeiselt :-). Ich bin sicher, dass sich auch Leipziger in den Zeiten leerer Staatskassen für ein privates, bürgerschaftliches Engagement zunehmend begeistern würden.

    solange wir in einer Gesellschaft leben, in der der Spender Angst haben muss, dass seine Autos und sein Haus angezündet werden, wird das wohl kaum die Anerkennung bekommen, die es Verdient hätte. Die USA sind ein großartiges Beispiel, wie privates Vermögen wertgeschätzt und auch für die Gemeinschaft wohlwollend auf freiwilliger Basis genutzt werden kann. Seien es Institute und Bibliotheken der Hochschulen, Parks oder auch Zoos - wenn man sich den oder einen der besten Zoos der Welt anschaut (San Diego), dann stehen an jedem beeindruckenden, ausgesprochen artgerechten Gehege (soweit das in Gefangenschaft möglich ist) und an jeder Anlage groß die Schilder der sponsoren, meist private Familien, teilweise auch Firmen.

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    […] Ich selber würde gerne ausgewählte Projekte (z.B. Ökotopia auch vor der Bibliothek!) privat fördern. So könnte man auch Projekte -wie das Stadtplatzprogramm- nicht auf unbestimmte Zeit verschieben. Die jetzige Krise könnte so auch Chance sein […]

    Das einige der Projekte auf Eis gelegt werden sehe ich auch nicht negativ sondern eher als Chance, hier noch mal grundlegend neu zu denken. Vor allem der Nutzungsmix überzeugt mich überhaupt nicht - der Platz ist zu weitläufig und die öffentliche Nutzung der geplanten Gebäude zu gering, um hier ein lebendiges Quartier zu kreieren. Die Verbindungsfunktion zu den umliegenden Straßen und Vierteln ist ausbaufähig, und die direkte Einbindung der Verkehrsstation (immerhin eine der wichtigsten Umsteigestationen im ÖPNV-Netz) fehlt komplett.

    In jedem Fall würde ich das ganze etwas größer denken, und um hier mal völlig frei loszuspinnen würde ich den WLP teilweise unterirdisch bebauen (dunkelblaues Rechteck), z.B. mit einer dann unterirdischen Markthalle…

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    ©Frank Errit l citytunnel.de [Edit: 555Farang]

    … incl. neuer Zugänge (Pfeile in Orange) zur S-Bahnstation nebenan (hellblau) und ggf. Aufgängen zu den beiden Tram-Bahnsteigen. Also ein unterirdisches Hub mit Verteilfunktion in alle Richtungen incl. neuem Naturkundemuseum und den noch neu zu bauenden Gebäuden.

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    ©Jonas Frey [Edit: 555Farang]

    Ob das alles Sinn macht hängt natürlich von der Detailbetrachtung ab, aber vielleicht bietet sich aufgrund der Haushaltslage die Gelegenheit, den WLP doch etwas kommerzieller zu planen, z.B. mit subterraner Ladenzeile analog zum Verbindungstunnel am Hbf.

  • Das wäre wirklich ein sehr großstädtischer Entwurf zum -und unter dem- WLP!

    Ja, Nichtbauen als Chance zu sehen, bis die Verhältnisse sich bessern, ist èin gutes und richtiges Argument. Allein fehlt mir der Glaube, dass die erforderlichen Summen in absehbarer Zeit in Leipzig źur Verfügung ständen, da Deutschland gegenwärtig auf andere Prioritäten (Rüstungsindustrie) setzt.

    Im Falle des WLP gefällt mir dieses größere, urbanes Denken bezüglich einer lebendigen Stadtstruktur, mit Deiner Idee einer unterirdischer Markthalle und direktem S-Bahnzugang. Das ist 'out of the box' und erscheint mir ein gutes Wahlkampfthema für den nächsten OB-Kandidaten. Da würde ich also bezüglich WLP vollkommen zustimmen, dass die jetzige Krise und die Planungsstopps hier tatsächlich Chancen bieten.. An anderen Stellen (Kohlrabizirkus) ist es jedoch sehr bedauerlich.

  • Eine spendenfinanzierte Umsetzung hätte ich mir so sehr für das Freiheitsdenkmal gewünscht. Dann wäre es nämlich genauso in der Versenkung verschwunden wie der bescheuerte Entwurf für das Luther-Melanchton-Denkmal, der mittels Spenden umgesetzt werden sollte. Und umgekehrt: wenn tatsächlich das Geld zusammengekommen wäre, hätte das dem Denkmal eine Legitimation gegeben, die es als "Top-down-Projekt" meiner Ansicht nach aktuell nicht hat.

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    wenn man sich den oder einen der besten Zoos der Welt anschaut (San Diego), dann stehen an jedem beeindruckenden, ausgesprochen artgerechten Gehege (soweit das in Gefangenschaft möglich ist) und an jeder Anlage groß die Schilder der sponsoren, meist private Familien, teilweise auch Firmen.

    Das geht zwar am Thema dieses Strangs vorbei, aber: lange nicht mehr im Zoo gewesen? Unser Zoo hat seit 60 Jahren seinen eigenen Förderverein und bisher 13 Millionen Euro übergeben können. Dort sind Einzelpersonen wie auch Unternehmen Mitglied, zahlreiche Namensnennungen, auch an den Gehegen, belegen das.

    Dass ich das Volkshochschule-Musikschule-Markthallen-Konglomerat für eine sehr schlechte Idee halte, habe ich hier ja schon ausreichend erläutert. Mir leuchtet aber auch nicht ein, warum man am Leuschnerplatz unter die Erde gehen sollte. Das Problem ist zu viel Platz, nicht zu wenig. Die Anbindung der S-Bahn-Zugänge ist auch ausreichend zentral, enorm teure Ausleger überhaupt nicht notwendig.

    Meiner Ansicht nach fehlt beim beschlossenen Städtebau der Mix an Solitären und kleinteiliger Bebauung und Nutzung und vor allem die Aussicht auf eine ansprechende Architektur. "Ökotopia" ist sehr kleinteilig und durchmischt gedacht, daher sehe ich diesen landschaftsarchitektonischen Teil durchaus positiv.

    Laut LVZ wird die LWB Wohnungen neben dem Institut für Länderkunde realisieren, hoffentlich nicht im üblichen LWB-Chic.

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    Das geht zwar am Thema dieses Strangs vorbei, aber: lange nicht mehr im Zoo gewesen? Unser Zoo hat seit 60 Jahren seinen eigenen Förderverein und bisher 13 Millionen Euro übergeben können. Dort sind Einzelpersonen wie auch Unternehmen Mitglied, zahlreiche Namensnennungen, auch an den Gehegen, belegen das.

    Der San Diego Zoo hat alleine in 2023 Zuwendungen von knapp 54 Mio $ erhalten, der Zoo Leipzig erhielt im Schnitt um die 1 Mio € pro Jahr. Das sind in beiden Fällen nicht ausschließlich Spenden, aber zeigt die Dimensionen.

    Um die Brücke zu dem hießigen Thema zu schlagen - private Spenden helfen an jeder Ecke, große Projekte können damit aber in den wenigsten Fällen gestemmt werden. Da reden wir eher von "Jahrhundertvorhaben" wie dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche oder dem Stadion an der Alten Försterei (auch wenn hier wahrscheinlich ein paar Kölmel Euro eingeflossen sind, wobei man auch die alt privates Engagement eines "Superreichen" werten könnte).

  • Der Umbau der Straße vor der Stadtbibliothek als Teil von Ökotopia wird allerdings auch aufgeschoben

    Sehr schade. Ökotopia sollte schon jetzt die Strasse vor der Bibliothek einbeziehen, d.h. diese weitgehend auflösen. . Das wäre die beste Voraussetzung, dass später die rechte Strassenhälfte der Windmühlendtraße bis zum Bayrischen Bahnhof in ein durchgehendes grünes Band eingebunden wird. Bleibt jetzt aber die Strasse vor der Bibliothek aus Geldmangel bestehen, dann ist diese Idee später schwerer durchsetzbarer.